Zwischen Tampa Bay und Golf von Mexiko liegt die Halbinsel Pinellas und liefert Augen- und Gaumenfreunden und mehr. Das gilt in den Hauptorten St. Pete und Clearwater mit ihrer Kultur und Kulinarik, das gilt rundum nicht nur wegen kilometerlanger Sandstrände. Über einige herrlich-sinnliche Tage im Südwesten Floridas.

Das E-Bike trägt einen bequem über den gut markierten Fahrradweg auf der Pinellas-Peninsula, die sich zwischen Tampa Bay und Golf von Mexiko von Norden nach Süden erstreckt. Der Weg heißt Fred Marquis Pinellas Trail, verläuft wie die Peninsula von oben nach unten und retour – von Gulfport im Süden gen Norden über die Stadt St. Pete, wie Locals Saint Petersburg abkürzen, vorbei an Clearwater bis Tarpon Springs im Norden der Halbinsel Pinellas, ein Hafenort und berühmt wegen seiner traditionellen Schwammfischerei. Fast egal, dass die tropische Sonne schon am frühen Vormittag brennt, bekanntlich helfen Mütze oder Hut, Sonnenschutz und Fahrtwind.

Ganz egal, dass Fahrräder in diesen US-Gefilden kein traditionell-populäres Fortbewegungsmittel sind, sportliches Rennradfahren dagegen schon eher. Zumindest können Frühaufsteher beobachten, wie außer Joggern auch Renn-Radler wegen der Hitze und vor dem Job frühmorgens in den Sattel steigen.
Biken mit Duftimpressionen und Vogelgezwitscher auf Pinellas
Während das E-Bike wie von allein läuft, nimmt die Nase angenehm den Duft von Yasmin wahr, erfreut die Augen einige lockere Pedaltritte weiter Farbenpracht in Lila-Rot von Bougainvillea, mit denen sich Gärten am Weg schmücken. Aus Büschen und Bäumen ist Vogel-Gezwitscher als musikalische Begleitung zu vernehmen, während die Bäume auch schönen Schatten spenden. Was für ein Fest unter Tropen-Himmel und vom Auto so nicht wahrnehmbar. Diese Eindrücke ergänzen wunderbar die von Menschenhand gemachten kulturellen und kulinarischen Sinnesfreuden in St. Pete und Clearwater und drumherum.
St. Pete ist mit rund 260.000 Einwohnern die größere Stadt, Clearwater mit 120.000 knapp halb so groß. St. Pete ist Hafenstadt mit Hochhäusern, ist Wirtschaftszentrum und mit Theatern und Museen wie dem berühmten Dali-Museum ein Kulturzentrum über die Region hinaus. Hinzu kommt in St. Pete der modern-urbane Center Arts District, in dem Lokale mit flippigem Flair warten. Das kleinere Clearwater definiert sich als Verwaltungssitz des Pinellas County eher durch Behörden in gesichtslosen High-Risern, aber auch in ansehnlichen historischen Gemäuern.
Zum städtischen Flow kommen direkt an der Golf-Küste St. Pete Beach und Clearwater Beach und versorgen die ganze Pinellas-Halbinsel mit dem Vibe von Strandleben, Bootbetrieb und Wassersportfreuden. Schon die Lage im Westen Süd-Floridas zwischen Golf im Westen und Tampa Bay an der Ost-Seite von Pinellas. Dann die traumhaften 35 Meilen, sprich gut 55 Kilometer weißer Sandstrände und weiterer schöner Küsten-Meilen am Tampa Bay vorbei. Daher heir wie da das typisch Maritime: Marinas, in denen Freizeityachten liegen, Bötchen und Boote auf Golf und Bay, parkähnliche Waterfront-Meilen, die zum Flanieren einladen, Hotels und Ferienwohnungen mit Beach-Lage und das alles bei über 360 Tagen Sonnenschein im Jahr.


Und dann das Vergüngen, auf dem Fred Marquis Pinellas Trail die Gegend radeln zu erobern. Unsere E-Bike-Tour startet am Fahrradverleih Kafe Racer im Städtchen Dunedin, gelegen an der Golf-Seite nördlich von St. Pete und Clearwater. Der Verleih liegt direkt am Radweg. Auf den Trail ist man vor Ort stolz, wie der Verleiher zur Einführung betont: Der Radweg liege auf einer einstigen Eisenbahntrasse, sei in Etappen angelegt worden und inzwischen fertig. „Er ist von Gulfport im Süden bis Tarpon Springs an der nördlichen Ecke der Pinellas-Peninsula rund 47 Meilen – gut 75 Kilometer – lang. Der Trail ist gut beschildert und breit genug für Biker, Skater und Walker. Das seht Ihr dann.“ Stimmt alles, zeigt sich später beim Radeln über den Trail, auch dass ihn kleine schattige Parks und Wasserläufe, Cafés, Lokale und Reparaturstationen begleiten.
Kunstwerk der Natur – türkis-blaues Meer vor weißem Sand
Unser Ziel kommt bereits nach einigen Kilometer ab Verleih. Nämlich Honeymoon Island, im Golf küstennah gelegen und zugänglich auch per Auto, Zweirad und zu Fuß über den Causeway Boulevard und seine Brücke. Erst geht es dafür über den Pinellas Trail gen Norden durchs Grüne, immer schön begleitet vom Vogelkonzert, vorbei an einer der besagten Reparatur-Stationen für Notfälle, vorbei an einem der unzähligen Golfplätze, dann links ab vom Trail, dem markierten Radweg folgend bis zur und über die Brücke nach Honeymoon Island. Das Besondere am Eiland: Es steht als Honeymoon Island State Park unter Naturschutz und blieb dadurch ein gutes Stück fast unberührter Natur mit Sandstränden und ohne Bebauung.

Und legt beim Näherkommen zusammen mit dem Meer ein spezielles Farbschauspiel hin. Denn kaum nähert sich die Brücke am Causeway, fällt wogendes Meer in Türkis-Blau-Grün ins Auge. Da und dort zaubert die leichte Brise weißes Gekräusel auf die Wasseroberfläche. Dazu ein Strand aus wirklich zucker-weißem Sand, entstanden in der Evolution der Erde aus reinen Quarzmineralien. Bis zum Horizont reicht das türkis-blaue Meer, scheint aufzutrumpfen im Kontrast zu den weißen Booten auf dem Wasser, die stetig ihre Bahn ziehen. Was für eine Postkarten- bzw. Digital-Post-Idylle auf der Pinellas-Pensinsula und so perfekt, dass es eigentlich keinen optimierenden Foto-Shop-Eingriff braucht.
Zum Farbspiel der Natur gesellen sich entlang des Weges über die Insel die bunten Tupfer gelb, roter oder grüner Kajaks. Die stehen am Ufer beim Wassersport-Verleih Sail Honeymoon Inc. in Reih und Glied, warten auf Mieter oder Käufer und erinnern auf der Fahrt zurück vom Eiland an Farbtupfer wie auf einer Maler-Palette.

Honeymoon Island in nüchternen Zahlen betrachtet: Die Insel heißt danach, dass vor Jahrzehnten noch einsame Hütten für frisch Verheiratete gratis ausgelobt wurden. Sie hat rund acht Kilometer Sandstrand rundum, ist durchzogen von kleinen Wasserläufen, kommt daher auf gerade mal 1,6 Quadratkilometer Landfläche und hat einen ausgewiesenen 2,5-Meilen-Wandertrail namens Osprey Trail. Die Zufahrt Causeway ist von 5 bis 23 Uhr geöffnet, State Park und Strände schließen mit Sonnenuntergang. Laut offizieller Zahlen hat der Honeymoon State Park jedes Jahr rund eine Mio. Besucher, obschon mini. Die Zahl relativiert sich, sind Beach- und Badevergnügen in St. Pete/Clearwater, Südflorida, ganzjährig möglich bei tropisch-milden Temperaturen im Winter.
Chihulys Glaskunst ist Farbfeuerwerk und üppig-groß
Mit Sinnesfreuden anderer Art verbinden sich zwei spezielle Kultur-Highlights und zwar zwei Museen zur Glaskunst in St. Pete. Zum einen das Morean Arts Center in Downtown mit der Chihuly Collection, zum anderen das Imagine Museum im belebten Center Arts District; beide in modern-schnörkellosen Gebäuden und nur gut einen Kilometer voneinander entfernt. Und beide gelten als wahre Tempel mundgeblasener Glaskunst. Ersterer widmet sich Dale Chihuly, dessen Glaskunst wie ein wahres Feuerwerk an Farben und Formsprache auf den Betrachter einwirkt. Dass sie oft mit Licht einhergeht, daher die vielen Lüster in Chihulys Collection, geht fast unter.

Siehe sein Leuchter in allen möglichen Türkis-Smaragd-Schattierungen, verdreht, bizarr. Bei den Farben kommt einem direkt das Farbspiel des blau-grünen Meeres vor St. Pete/Clearwaters Haustür in den Sinn. Dann der bunte Glasleuchter mit Armen wie Röhren in derart knallendem Gelb, Rot, Grün, Tiefblau und ebenso wie wild verdreht. Erklärt Glas-Künstler Chihuly in einem Video im Morean Arts Center: Alles sehe aus wie zufällig, bedürfe aber hoher Präzision in Er- und Bearbeitung. Wie auch der knallrote Lüster, der an Korallen erinnert. Was für ein Rot, wie formstark. Beim Betrachten macht sich ein Gefühl breit, dass die intensiven Farben und Formen die eigenen Wahrnehmungen mehr und mehr sensibilisieren.


Glas-Künstler Dale Chihuly: US-Amerikaner mit slowenischen Wurzeln, geboren 1941, Student der Architektur und des Interior Design, Master-of Science-Abschluss im Kunstbereich Skulpturen, Lehrjahre in Venedig auf der Insel Murano, die berühmteste Adresse rund um den Globus für Glaskunst mundgeblasen. Die Gründe, dass Chihuly seine Collection als Dauerausstellung in St. Pete präsentieren lässt – seit 2010 bzw. 2016 in den aktuellen Räumen -, nennt der Künstler unter einem Foto von ihm, der seit einem Autounfall eine Augenklappe tragen muss: „…Leidenschaft und die Unterstützung von Kindern in der Kunsterziehung…“. Das Abstrakt-Bizarre, Ungegenständliche ist seine Spezialität, erklärt das Video zum Meister auch. Betont kurz und knapp die eigentlich simple Basis seiner Kunst: Sand und Feuer. Genauer und komplexer: viel Hitze und Quarzsand in reiner Form. Da drängt sich der Gedanke an den aus Quarzsand geborenen weißen Sand auf der Pinellas-Halbinsel auf.
Kunst pusht den Werkstoff Glas bis ans Limit
Dass Chihully im Team arbeitet, selbst kein Glas mehr bläst, sondern sich aufs Design konzentriert, erzählt das Video auch. Und er lässt sich so zitieren: „Ich möchte Dinge in großen Dimensionen tun, weil es aufregend ist – eine technische Herausforderung.“ So messen Chihulys Kunstwerke gut und gerne vier mal vier Meter und viel mehr und lassen sich nur von mehreren bewerkstelligen. Auch deshalb ist der Maestro Team-Arbeiter. Und weil seine Arbeiten oft regelrecht opulent sind und er berühmt ist, finden sich Skulpturen von Chihuly als Eyecatcher in Foyers von Unternehmen und teuren Hotels oder etwa im berühmten Frederic Meijer Gardens & Sculpture Park in Grand Rapis/Michigan State (sogar aktuell dort mit einer großen Ausstellung bis 1. November) oder im Corning Museum of Glas in Corning/New York State, Ort der Glasindustrie, Glaswissenschaft, auch rund um Glasfaser.
Im Imagine Werkstoffkunde, Handwerk und gut 2.500 Werke
Was es physikalisch, chemisch und traditionell seit Jahrtausenden mit Glas, mit dem Handwerk und als Kunstform auf sich hat, bringt das Imagine Museum gut rüber. Initiiert 2018 von Glaskünstlerin und Sammlerin Trish Duggan und anfangs bestückt mit ihrer Privatsammlung, verfügt das Museum aktuell über knapp 3.000 zeitgenössische Kunstwerke aus aller Herren Länder, ob Italien, Schweden, den Niederlanden, ob Deutschland, Japan, Kanada, USA. Der Bestand reicht von feinen, historischen Gebrauchsgegenständen bis zu Skulpturen der Neuzeit. Darüber hinaus versteht es das Imagine, in Bildern, Worten und Video zu erklären, wie aus dem Mineral Quarzsand Glas entsteht, welches Know-how sich in Wissenschaft, Handwerk und Kunst bis heute entwickelt hat, mit welcher Tradition und welchen Meilensteinen.

In der Ausstellung lassen sich zum Beispiel dekorative Papierbeschwerer aus Glas bewundern, die viel mehr sind als das, weil innen mit Blumendekor geschmückt, detailreich, filigran und von Miniformat. Das alles gefertigt von Paul J. Stankard: geboren 1943 nahe Boston, ausgebildeter Mund-Glasbläser, seit 1969 auf solch artifizielle Papierbeschwerer spezialisiert und ausgestellt von Chicago über New York City bis London und Paris. „Und jeder Betrachter fragt sich bzw. mich, wie die Mini-Intarsien ins Glas kommen“, weiß Museums-Guide Katie zu berichten. „Das sind komplexe Techniken und viel Know-how.“


Siehe auch die liegende Skulptur eines Frauenkörpers in einem gekonnt drapierten Kleid, gefertigt von Karen LaMonte: geboren 1967 in New York, studierte Künstlerin und gezeigt von Prag über Canberra/Australien bis Kyoto/Japan. Ihre Frauenkörper-Skulptur besteht aus beschichtetem Glas, das die feine Robe in edlem Silber erscheinen lässt. Oder die in der Farbenpracht an Chihuly erinnernde Skulptur, genannt Crystal Veil und geschaffen vom US-Glaskünstler Martin Blank: geboren 1962 in USA, einst in Chihulys Team mit tätig, bevor er sich um 1990 allein als Künstler etablierte. Beide – Chihuly, der ältere, sowie Blank, der jüngere – pushen bei ihren Arbeiten die physikalischen Limits der Kunst mit Glas, tun dies in den Dimensionen von Meter und Tonnen. Das bei all der Zerbrechlichkeit des Materials.
1000 Grad Celsius im Ofen und ein Gefühl von Höllenschlund
Zum Erlebnis von Glas als Kunstform gehört das Angebot, selbst mal Hand mit anzulegen und zwar im Morean Glass Studio gleich um die Ecke des Morean Arts Center. Im Studio köcheln Profiöfen vor sich hin, die spielend über 1000 Grad Celsius heiß werden können, und demontrieren zwei Profis das Mundblasen. Denen schaut heuer eine Schar von 20 Interessierten zu. Einige wenige Zuschauer mit entsprechendem Ticket legen sogar Hand mit an, um später das entstandene Teil, dessen Form sie sich wünschen können, mit nach Hause zu nehmen, ob Vase, Leuchter oder Herz. So gesagt, so getan.

Und schnell ist beim Mitwerkeln die Wahrnehmung ganz anderer Sinne geschärft. Denn heiß, sehr heiß wird es einem, wenn näher dran am Geschehen, wie deutlich fühlbar durch das T-Shirt auf der Haut darunter. Die Hitze wird auch sichtbar für den, der mal in den rotglühenden Schlund des Ofens hineinsieht. Wow, fast teuflisch. „Vorsicht“, warnt der ältere der Profis, „geht nicht zu nah ran“. Und nicht lange reinsehen. Die Hitze in den mit Gas befeuerten Öfen braucht es, um aus dem sandigen Grundstoff glitschig aussehende Masse zu machen, die in Gefässen im Ofen darauf wartet, dass sie an speziellen Metallstangen hängend dem Ofen entnommen wird und die später nach dem Mundblasen erstarren wird.

Das alles muss schnell gehen: Die Profis sind flink, führen die Metallstange in den Ofen, haben die flüssige Masse an deren Spitze hängen, blasen mit dem Mund durch die Stange die Masse auf und bearbeiten sie mit Spezialwerkzeugen wie Scheren und Zangen und wieder Hitze – so lange, bis die gewünschte Form entsteht. Beim Blasen wird gedreht, geschliffen, beschnitten – alles unter Zuhilfenahme metallener Werkzeuge. Bis am Ende Vasen, Trinkgläser oder ein Herz zum Abkühlen in eine Art Kühlschrank kommen. Die Fachleute erklären, was sie tun, und lassen ihre Eleven auf Zeit auch Hand anlegen. Auch dann die Warnung: „Die Stangen nur an dem Ende in den Griffmulden anfassen.“ Oder: „Vorsicht am Ofen.“ Oder: „Das Glas nie anfassen, bevor es speziell abgekühlt wird.“ So formt der eine Gast sein rotes, der andere sein weißes Herz.
Lukullisches auf der Pinellas-Peninsula für alle Geschmäcker
Zu einer weiteren physologischen Wahrnehmung, dem Schmecken. Dazu benötigt der offizielle Guide „Gulf to Bay“, verlegt von der Region St. Pete Clearwater Fl, die Seiten 68 bis 90 für die vielen Angebote quer über die Pinellas-Halbinsel. Die Wahl wird also zur Qual. Was die gemeinsame Präsentation auch widerspiegelt: Dass die Gemeinden auf Pinellas, die vor langer Zeit unabhängig gegründet und später Städte wurden (incorporated) – St. Pete 1892, Clearwater 1915, Dunedin 1845, Tarpon Springs 1887, Safety Harbor 1917 – zwar noch offiziell separate Cities sind. Da aber auf der Halbinsel Pinellas alles smooth ineinander übergeht, auch weil gut besiedelt, wirkt es so, als handle es sich um eine einzigen Beach-Town-Metropole mit ihren Stadtvierteln.


Was der Guide lukullisch aufzeigt, ist attraktive Vielfalt: Seafood, Latin-Caribbean, Italian und mehr Mediterranean, French, Asian, New American Casual und American Upscale – von günstig bis teuer. Restaurants verteilen sich von Hotels wie dem Don Cesar im legendären pink-roten Gebäude direkt am Golf oder der Luxus-Herberge Vinoy in Downtown St. Pete über Lokale mit Terrassen an der Waterfront von Clearwater oder mitten im Grünen in Dunedin. Nach genossenen Gaumenfreuden ist, ganz subjektiv-exemplarisch, der Grieche Mykonos einfach lecker, angenehm-besonders der Peruaner Lupo und der japanische Fortu zurecht als top empfohlen vom Michelin-Guide Florida.
Was griechische Küche mit Schwammtaucher-Erbe verbindet
Für US-Verhältnisse sehr günstig ist das Mykonos, gelegen in Tarpon Springs und im Auto von St. Pete nach 50 Kilometer erreicht. Das Lokal besteht seit 1991 in der Stadt, die als größte traditionelle griechische Kolonie der USA gilt, daher auch Straßennamen wie Dodecanes Boulevard, an dem das Mykonos liegt. Daher auch das weiß-blaue Dekor in den Landesfarben Griechenlands beim schlichten Interieur. Genüssliches aus eigener Produktion kommt frisch auf die Tische: Tsatziki, Feta-Käse in Kugelform und Pitabrot, Octopus auf Bohnen, und Oliven, original aus Griechenland importiert. Und dann der flambierte Käse Saganaki. Hmm. Acht bis 20 Dollar kosten die Gerichte.


Ohne Haptik geht es in Tarpon Springs auch nicht. Das liegt an der alt eingesessenen Industrie vor Ort: der Schwammfischerei. Denn gegründet 1887 ist Tarpon Springs die älteste Stadt auf Pinellas und das Zentrum der traditionellen Schwammfischerei bis heute. Die Expertise brachten die griechischen Immigranten mit. So entstanden vor 1900 lange Docks am Dodecanes Boulevard entlang, an denen die Schwammtaucher nach wie vor ihre Boote vertäuen. Besucher flanieren an den Docks vorbei, weil sich hier heutzutage vieles mehr abspielt: in Form von Lokalen, Boutiquen, Kramläden und immer wieder Geschäften, wo Schwämme aller Größe und Qualität zu kaufen sind – für die Hautpflege beim Baden und Duschen und auch für den Gebrauch in der Küche. So auch im Laden, wo Anestis Karistinos, genannt Nesty, steht und seine Schwämme aus eigenem Fang verkauft – mit Boot auch am Dock. Sein Credo im Verkaufsgespräch: „Schwämme fühlen sich nicht nur gut an, sondern haben antibakterielle Wirkung. Und hier, fasst die mal an – die haben diese wollige Haptik und sind Topqualität.“


Der Mann Anfang 50 macht seit langem auch selbst den Job als Schwammtaucher. „Wir sind ein altes Familienbusiness. Der erste, der das von unserer Familie hier machte, war mein Urgroßvater. Der kam 1912 aus dem berühmten Schwammrevier Kalymnos in Griechenland hierher“, so Nesty und legt weitere kleine Schwämme auf die Ladentheke. Die liegen eher borstig in der Hand. „Die sind gut zum Spülen.“ Und: „Wisst Ihr, dass Schwämme an sich nur noch die Skelette sind? Schwämme wachsen hier im Golf als tropischem Gewässer auf Kalkgestein rund 50 Feet, rund 15 Meter, unter dem Wasserspiegel und erhalten so genug Sonnenlicht zum Wachsen. Wir prüfen unter Wasser Alter und Qualität und richten danach unsere Ernte aus. Wir gehen nur bei Sonne und Windstille raus. Sonst sehen wir unter Wasser nichts. Wir tauchen mit Schnorchel und Brille.“ Und sagt noch: Das Geschäft sei sehr kompetitiv – nach dem Motto „first come first serve. Es gibt keine festen Reviere“ (Nesty).
Peruanisch-internationale Koch-Künste im Pulpo
Zurück zu den Geschmacksknospen und nun zur Pulpo Kichen & Lounge in St. Pete, das einige Blocks vom Imagine Museum entfernt ist. Sie kredenzt peruanisch-lateinamerikanische Leckerbissen zu mittleren Preisen. Zum Lunch lädt einen am sonnig-heißen Oktober-Tag die Terrasse ein, während die Location abends auch dazu verführt, an der schicken Bar zu Life Music zu versacken. Die Lunch-Karte bietet appetitmachende Vorspeisen, genannt small plates und ideal für einen reizvollen Mix. Ein subjektives Muss: das peruanische Nationalgericht Cevice, dieser in Limettensaft eingelegte rohe Fisch aus dem Meer, der durch die Säure einen Garprozess durchläuft; gewürzt mit Minze, Koriander, Granatapfelkernen und Limonen-Salsa, frisch und lecker.


Oder die in Sherry eingelegten Schweinebauch-Happen mit Kräuterbouquet. Oder mit Oktopus-Tinte verfeinerter Reis, gefüllt mit Octopusfleisch, Wurst (Chorizo), Sherry-Sahne und roter Pfeffer-Würze. Die Beilagen sind typisch peruanisch: pikante Kartoffel-Stückchen, frittierte Yucca-Wurzeln oder Bohnen bzw. Reis mit Gemüse geschmort. Preise von 20 und 30 Dollar pro Small Plate, pro Large 34 bis 48 Dollar für die Paella.
Michelin-gepriesener Japaner Fortu
Hochklassig und hochpreisig ist das Fortu in St. Pete und vom berühmten französischen Guide Michelin in seiner Florida-Ausgabe als Toperfahrung empfohlen. Das Fortu empfängt seine Gäste im elegant-gemütlichen Interieur auch mit durchaus dunklen Ecken für romantische Dates, verführt selbst mit einer opulenten Auswahl an Cocktails und Mocktails, an Whiskey, Gin und Sake – letztere made in Japan. Seine Wine-List überzeugt mit internationalen und kalifornischen guten Tropf. Und das Essen? Als Starters munden delikate Wonton Tacos von Thunfisch und Apfel oder würzig-scharfes Wagyu-Rind. Erfreuen Hühnchen mit Zitronen-Ginger-Jus spritzig-frisch den Gaumen und erinnert unter anderem Sommertrüffel mit Creme fraiche in Blätterteig an feine Cuisine à la Francaise. Alles minimalistisch-kreativ präsentiert und daher auch ein optischer Genuss.


Als Main Course – Signature genannt – zergeht der Kabeljau auf der Zunge. Zart sieht auch das Wagyu Ribeye aus. Oder das etwas deftigere Prime Filet mit Sommertrüffel und pinkem Pfeffer-Jus. Als Beilagen gefallen in Form und Farbe und auf der Zunge roter Reis, glasierte Karotten oder mit Miso Honig verfeinerte Süßkartoffeln mit Parmesan-Häubchen. Preise ab 13 Dollar für eine Hummer-Teigrolle, 23 Dollar für Pilz-Dumpling, der gegrillte Kabeljau 40 Dollar, ein fermentiertes Wagyu Filet 70. Cocktails ab 18, Sake per Shot ab 14 Dollar.
Aufgabe für die Nase – Schnüffeln erwünscht
Ein wahrer Booster für den Geruchssinn gefällig? Den beschert in Dunedin keinen Kilometer entfernt vom Bike-Verleih die Candle Bar and Boutique Sea Love. Hier können nämlich Kunden ihre eigenen Duftkerzen kreieren, gemixt nach eigenem Gusto aus 170 professionellen Ingredienzien, aufbewahrt in professionellen, ordentlich aufgereihten Glasfläschen in langen Regalreihen. Dass dennoch keine Laboratmosphäre aufkommt, liegt am in pudrigen Farben aufgemachten Store. Der hat in der Tat eine Bar, jedoch um an die Feinarbeit zu gehen – nach Auswahl der Zutaten. „Was darf‘s sein – ein blumiger oder herber Duft?“, fragen der Geschäftsinhaber Erik Feus und sein Assistent Collin Steinbeck, im Hauptjob noch High-School-Schüler, nach der Begrüßung und gehen beide an den Regalen mit Rat und Tat zur Hand.
Was die Geruchsindustrie so alles einfängt: nach Gewürzen duftende Essenzen wie Grapefruit, Rosmarin, Tabak oder Vanille, nach Gourmand Riechendes wie dunkle Schokolade, Kaffee oder geschlagene Sahne; süße Noten wie Erdbeere, frische wie Eukalyptus, moosige wie Myrrhe, holzige wie Zypresse, fein-herbe wie Amber. Es folgt ein Hin und Her, Nase hierher, Nase dahin an den jeweiligen Korkdeckeln der Essenzen schnüffelnd, bis sich eine Auswahl ergibt. „Düfte sind immer eine Kombination von Essenzen“, so Erik. Nun aber wieviel vom Erwählten? „Das ist die Kunst. Bitte riecht immer mal wieder an den Kaffeebohnen.“


Die stehen in Gläsern bereit, weil sie helfen, den Geruchssinn zu entlasten. „Die Nase kann danach wieder besser unterscheiden“ (Erik). Der erzählt auf Nachfrage von sich. Er sei Selfmade-Man und war früher für ein Unternehmen tätig, das optische Linsen für Leuchttürme herstellt. Bis er irgendwann die Idee aufgriff, die andere schon hatten: „Kunden in einer Art Boutique ihre eigene Duftkerze herstellen zu lassen.“ Was für ein Erfolg, wenn am Ende der eigene Geruchssin dafür gesorgt hat, dass die Kerze so schön duftet wie gewollt, und im schicken Gefäß die Heimfahrt mit antritt, gut verpackt fürs Biken und den Flug nach Hause.
Wichtige Websites, Social Media Accounts und mehr
Website der Region www.visitstpeteclearwater.com; visitspc.com Social-Media: Instagram: @VisitSPC; Facebook: Visit St. Pete-Clearwater; X VistiSPC; Youtube: Visit St. Pete-Clearwater; Linkedin Visit St. Pete-Clearwater
Flug ab Deutschland Die Pinellas-Halbinsel ist an ganz USA angeschlossen über St. Pete-Clearwater International Airport (PIE) und an die Welt über Tampa International (TPA). Nach Tampa fliegt etwa die Lufthansa ab Frankfurt über Zürich, von dort mit Edelweiss nach Tampa www.lufthansa.com
Unterkunft Das alteingessene Boutiquehotel The Birchwood Inn (unten links) liegt mitten in St. Pete am Bay, zentral in Downtown. Seine 18 Gästezimmer sind antik eingerichtet. Das Restaurant Birch & Vine mit wandgroßen Wein-Kühlregalen ist ansprechend. Seine Rooftop-Bar hat Blick auf das Bay. Facebook The Birchwood; Instagram @thebirchwood.
Direkt am zuckerweißen Strand liegt in Clearwater Beach das Hyatt Regency Clearwater Beach Resort & Spa (unten rechts). Ein gutes typisches großes Beach-Hotel mit Gästezimmern und Suiten und praktischer Küchenzeile mit allem Pippapo. Wer Inhouse essen und trinken möchte, für den ist gesorgt – im Shor American Seafood Grill und in der Rooftop-Cantina. www. hyatt.com.


Websites & Social Media zu genannten Aktivitäten Bikeverleih in Dunedin www.kaferacer.com. Honeymoon Island State Park www.floridastateparks.org. Chihuly Collection im Morean Arts Center in St. Pete www.chihly.com, https://moereanartscenter.org. Inagine Glasmuseum in St. Pete www.imaginemuseum.com. Morean Glass Studio auf Instagram @moreanglass. Sealove-Duftkerzen www.sealove.com
Tipps Essen & Trinken Der Grieche Mykonos www.mykonos.shop. Der Peruaner Pulpo Kitchen & Lounge Instgram @pulpokitchenstpete. Der Japaner Fortu https://forturestaurants.com. Guide Michelin Florida www.guide.michelin.com. Cueni Brewing Company https://cuenibrewing.com












