5-Sterne Mountain Resort Edelweiss

Das Edelweiss – Zeit für Auszeit im Salzburger Land

Der Weg führt uns nach dem letzten Roadtrip „Südtirol“ diesmal mit dem Auto von Köln ins 5-Sterne Mountain Resort Edelweiss nach Großarl im Salzburger Land. Wer dann nach dem Inntaldreieck und 600 Kilometern mit dem Auto auf der A8 in Richtung Salzburg steuert, darf sich über das oberbayrische Alpenpanorama freuen. Denn direkt am Wegesrand passieren wir ganz nah den Chiemsee, den größten der bayrischen Seen inmitten einer Bilderbuchlandschaft.

*Alle Fotos Copyright Gregor Roske, Axel Winkelnkemper

Es geht via A8 über die nahe Grenze, dabei bleibt die Mozart-Stadt links liegen – und wir sind im Nu mitten im Salzburger Land. Nach St. Johann im Pongau kommt links vom Gasteinertal der Abzweig ins Großarltal. Die Straße windet sich zügig den Berg hinauf, ein paar enge Kurven, vorbei am „Großarler Genuß“, einem kulinarischen Spezialitäten Retreet, und schon taucht nach ca. 70 Kilometer von Salzburg aus vor uns Großarl auf.

Edelweiss Mountain Resort Großarl Talblick
Das Edelweiss Mountain Resort mit Blick ins Großarltal

Das Edelweiss am Kreuzkogel

Das 5-Sterne Mountain Resort Edelweiss liegt gleich rechts am Hang vom Kreuzkogel. „Welcome to the family“, so der Wahlspruch der Bleibe für „kostbare Auszeiten“. Wir gleiten zur Rezeption in die Tiefgarage, vorbei an einem alten Mercedes 170 und den hoteleigenen Leih-SUVs zur Erkundung des Salzburger Umlandes. Angekommen in der Lobby, diese gefühlt groß wie ein Fußballfeld begrüßt uns Hausherrin Karin Hettegger mit Charme und Herzlichkeit.

Hausherrin im Edelweiss: Karin Hettegger
Hausherrin im Edelweiss: Karin Hettegger
Alpiner Luxus in der Lobby
Alpiner Luxus in der Lobby

Von „Glanz in der Hütte“ kann man bei diesem Familienresort wirklich sprechen, denn es umgibt uns ein alpiner Luxus von „Blessed with the Best“, vom „Adults only“-Bereich bis zur „Baby Mountain Area“. „Behaglichkeit und Luxus“, erklärt die Chefin des Hauses die Mission der Familie, den Hausherren in dritter Generation und ebenfalls Betreiber des 5-Sterne Hotels Edelweiss in Berchtesgaden. Hetteggers Credo: „Eingebettet in unser malerisches Großarltal soll das Edelweiss ein idealer Rückzugsort für Aktive, Erholungssuchende und Genießer sein.“

Exklusiver Komfort und große Behaglichkeit

Also genießen wir den exklusiven Komfort in einem der 138 Zimmer, davon allein 86 Suiten. Edles Design und heimische Materialien vermitteln sogleich große Behaglichkeit. Durch riesige Fensterfronten haben wir einen traumhaften Ausblick auf die Großarler Bergwelt. Kleine Überraschung am Rande: die, in der getrennten Toilette integrierte Warmwasserspülung, Gebrauchsanleitung per QR-Code inklusive. Die Loggia für Entspannung an der frischen Bergluft schmückt eine großzügige Chaiselongue. Einige der Suiten sind zusätzlich noch mit eigenem Whirlpool, Sauna oder Infrarotkabine ausgestattet.

Komfort und edles Design
Komfort und edles Design
Alpiner Luxus in der Lobby
Alpiner Luxus in der Lobby
Bergblick vom Balkon
Bergblick vom Balkon

Natürlich treibt es uns bei über 30 Grad im August in die Outdoor-Wellnesswelt. Mehrere Außenpools und Liegeflächen stehen auf fünf verschiedenen Ebenen mit separaten Bereichen für Familien und Erwachsene zur Auswahl. Wer Lust auf Action hat, findet im Wasserrutschen Park mit fünf Rutschen, Half-Pipe und Trichter seinen Spaß. Der oberste Pool ist nur für Erwachsene reserviert. Dort lässt sich lässig planschen und im Wasser massieren, während sich gleichzeitig der tolle Blick in die Berge rundum genießen lässt. Keine Frage, dass wir gleich auch den Service für einen coolen Drink bemühen. Witziges Detail: Ein Aperol Spritz heißt hier Veneziano!

Cocktails am Pool mit und ohne Alkohol
Cocktails am Pool mit und ohne Alkohol
Pool-Terrassen mit diversen Liegeflächen
Pool-Terrassen mit diversen Liegeflächen

Perfekt entschleunigen

Der Spa-Bereich verfügt unter anderem über verschiedenste Saunen, Whirlpool, großes 20-Grad-Wasserbecken und eine Eisdusche. An einer Self-Service-Bar bedient man sich mit isotonischen Drinks und diversen Knabbereien. Wem das nicht reicht, der findet gleich nebenan ein Bistro, das alle weiteren Wünsche erfüllt, ebenso wie das individuelle Beauty-Verwöhnprogramm im Beauty Mountain Spa mit eigenem Friseursalon. Kurz gesagt, im Edelweiss ist wirklich alles geboten, um perfekt vom Alltag zu entschleunigen.

Großzügiger Spabereich
Großzügiger Spa-Bereich
Perfekte Entschleunigung und Action pur
Perfekte Entschleunigung und Action pur

Der Weg durch die verschiedenen Stockwerke des Hauses mit diversen Treppenhäusern und Aufzügen erfordert zu Beginn unseres Aufenthalts ein wenig Orientierungssinn. Dieses Auf und Ab ist natürlich der Lage am Hang und den verschiedenen Ausbaustufen geschuldet, die letztlich den Aufstieg des Hauses zum 3. Platz der 100 besten Hotels in der Kategorie Luxury Health & Spa sicherte.

Regionale Menues und Sushi-Kreationen

Immerhin führt ein Aufzug von unserem Stockwerk aus direkt ins Restaurant „Hoamat 78“ und sein Küchenchef Fabian Ertl. Mit herzlicher Aufmerksamkeit begrüßt uns gleich Peter Hettegger mitten in der Schar anderer Gäste und geleitet uns zum Tisch. Ohne Dresscode (Smart Casual), aber in langer Hose umgibt uns gemütlich-alpenländische Atmosphäre. Hettegger entlässt uns mit der atlantenähnlichen Weinkarte in die kundigen Hände der zahlreichen Servicekräfte. Der normale Aufenthalt bietet den Gästen Halbpension, dabei können wir zwischen einer regionalen, vegetarischen und internationalen Menuefolge wählen, wobei die einzelnen Gänge jeweils auch getauscht werden können.

Sushi mit Wagyu-Rind
Sushi mit Wagyu-Rind
Zwiebelrostbragen vom Salzburger Kalb
Zwiebelrostbraten vom Salzburger Kalb

Die hauseigene Sushi-Bar lässt Gourmet-Herzen höher schlagen. Denn hier werden ganztägig herrlich frische Sushi-Kreationen zubereitet. Daher entscheiden wir uns als Appetizer für ein Sushi mit japanischem Wagyu-Rind. Es folgt ein Kalbsbutterschnitzel in Pfefferrahm, Rinderkraftbrühe mit Tiroler Knödel, Zwiebelrostbraten vom Salzburger Kalb und Essiggurken und Schwarzbeernocken in Buttermilch. Alternativ tauschten wir zu Wasabi Garnele mit Mangocreme und Wakame und rosa Rehrücken mit Sellerie, Steinpilzen und Ravioli. Natürlich gibt es auch Gillardeau Austern und schwarzen Störkaviar, aber auch eine Auswahl von Pizzen aus dem Steinofen. Für besondere Ansprüche seht auch noch das mit zwei Hauben prämierte Steak-Restaurant Sirloin Grill & Dine zur Verfügung.

Steakrestaurant Sirloin Grill & Dine am Haupteingang
Steak-Restaurant Sirloin Grill & Dine am Haupteingang

Weinkeller mit über 30.000 Flaschen

Was es an Wein sein darf: Dafür schmökern wir in der 1.500 Positionen umfassenden Weinkarte, dem Hobby von Peter Hettegger. Die Weinbar Kork & Gloria ist denn auch ein echtes Paradies für Weinliebhaber. Mit mehr als 30.000 Flaschen renommierter Weingüter aus aller Welt wird sie zu einem wahren Eldorado für Genießer. Eine Empfehlung der Head-Sommelière Daniela Neuhauser zum Dinner ist ein Primo Grande Cuvée Kellerei Terlan oder von Kollege Oliver D’Angnolo der Riesling Kiedricher Gräfenberg von Robert Weil oder von Daniel Heidegger Blaufränkisch Ried Sybritz von Wachter & Wieser.

Der Abend verläuft lässig auf der Außenterrasse vorm Haus, die zweigeteilt auch als Auffahrt zum Entrée des Resort dient. Hier lässt sich in der Alpendämmerung herrlich relaxen, bevor wir schließlich auf einen Nightcup an der imposanten Bar des Hotels vorbeischauen. Für Zigarrenliebhaber erfüllt ein Raucher-Kabinett in der Lobby die speziellen Wünsche der Gäste.

Relaxen in der Alpendämmerung
Relaxen in der Alpendämmerung
Weinsortiment mit über 30.000 Flaschen
Weinsortiment mit über 30.000 Flaschen

Am nächsten Tag erzeugt das imposante Frühstücksbuffet zur ersten Wiener Melange oder „Kleinem Braunem“ beste Stimmung. Es ist alles geboten, was Herzen höher schlagen lässt: heimische Brote, feine regionale Schinken-, Wurst- und Käsespezialitäten, frisches Obst und jede Menge gesunde Milchprodukte, was will der Mensch mehr. Mehr gibt’s natürlich noch auf einer Eier- und Pfannkuchenkarte, zum Beispiel ein schmackhaftes Omelette oder die berühmten Eggs Benedict. Ein Gläschen Champus zum Toast ist natürlich auch drin.

Action in der Outdoor-Alpenwelt

Auf, auf sprach der Fuchs zum Hasen, die phantastische Outdoor-Welt rund um Großarl schreit förmlich nach Action. Gleich vis à vis vom Lobby-Eingang liegt der Skistadl, der im Sommer Mountainbikes für jeden Zweck feilbietet. Großarl ist ein erstes Ziel für Wanderer, Naturliebhaber und Abenteurer. Die einzigartige Lage im „Tal der 40 Almen“ bietet unzählige Wanderwege direkt vor der Haustüre. Die Trails führen durch idyllische Landschaften und atemberaubende Bergpanoramen. Unterwegs laden traditionelle Hütten mit herzhaften Schmankerln und regionalen Köstlichkeiten zu einer kurze Pause ein.

Trails zu traditionelle Hütten mit herzhaften Schmankerln
Trails zu traditionellen Hütten mit herzhaften Schmankerln
Traumhaftes Skigebiet rund um das Edelweiss
Traumhaftes Skigebiet rund um das Edelweiss
Das Edelweiss erstrahlt im Schnee
Das Edelweiss erstrahlt im Schnee

Im Winter hingegen eröffnet sich die Location als Hotspot für Skifahrer und Wintersportfans. Dank der idealen Lage direkt an der Piste beginnt der Tag im Schnee buchstäblich vor der Haustür. Die 760 Pistenkilometer im Skigebiet Ski amadé sind sportlich und lassen zwischen Kreuzkogel (2027m) und Kieserl (1954m) keine Wünsche offen. Die Bergbahnen nebenan führen sogar über das Fulseck (2033m) bis zum Anschluss an Dorfgastein im Nachbartal. Das Edelweiss bietet natürlich einen hauseigenen Skiverleih und ein beheiztes, hochmodernes Skidepot.

Per Gondel auf „Wolke7“

Wir nehmen die paar Schritte bis zu den Bergbahnen, die Panoramabahn führt zur Lareiter Alm, die Kieserlbahn jedoch auf 1954m zur Sky Lounge Großarl – Wolke 7, zufällig ein Retreat der Familie Hettegger. Trotz einiger Seufzer meines Begleiters angesichts der atemberaubenden Höhe der modernen Gondel über den diversen „Abgründen“ genießen wir den grandiosen Rundumblick über die Bergwelt, Trails und Pisten und kommen unbeschadet in der Bergstation an.

Prächtiger Ausblick vom Kieserl
Prächtiger Ausblick vom Kieserl
Schweben auf Retreat Wolke 7
Schweben auf Retreat Wolke 7

Begrüßt von weidenden Kühen halten wir Umschau ins schöne Salzburger Land und bis ans Ende des Großarltals. Das Bergrestaurant Wolke 7 lockt mit Weißwurstfrühstück und diversen Cocktails nach dem Motto „Heaven on Earth“. Neben einer Brettljause gibt es auch cremige Burrata oder ein Carpaccio vom Jungrind. Derart verwöhnt, fällt es nicht leicht, uns nach erholsamer Rast via Gondel wieder aus der Höhe zu verabschieden. Da juckt es doch schon, entweder mit dem Bike oder winters auf Brettern ins Tal zu rauschen.

Wir genießen noch einen wunderschönen Nachmittag und Abend in der Luxuswelt des Edelweiss, bis wir uns am nächsten Morgen wieder Richtung Salzburg und danach zum Mond- und Attersee bei Familie Hetteger verabschieden. Beeindruckend, wie das Familienunternehmen diese persönliche Atmosphäre mit sämtlichen Luxus übereinbringt, während die Bergwelt der Umgebung auch noch für das zünftige Feeling sorgt.

Wichtige Websites und weitere Infos

Die Websites finden sich unter https://www.edelweiss-grossarl.com/de sowie https://www.grossarltal.info

Chiemsee Stopover

Der Chiemsee ist einen Stop wert. Das „bayrische Meer“ lockt nicht nur mit bezaubernden kleinen Ortschaften wie Prien, Bernau und Übersee und heimeligen Biergärten, sondern auch mit der großartigen Landschaft der Chiemgauer und Mangfaller Alpen mit Kampenwand, Hochfelln und Hochries. Das Besondere: Hier findet sich noch weitgehend frei zugängliches Ufer zum Chillen und Baden, keine Selbstverständlichkeit in der Nachbarschaft von Starnbergersee und Ammersee. Nach einem Abstecher auf die Herreninsel im Chiemsee und der Aufwartung am dortigen Schloss Herrenchiemsee des bayrischen Märchenkönigs Ludwig ist Salzburg nur noch einen Steinwurf (65 km) weit weg.

Das "bayrische Meer" in voller Pracht
Das „bayrische Meer“ in voller Pracht
Schlosspark auf der Herreninsel
Schlosspark auf der Herreninsel

Anreise nach Großarl per Flugzeug

Über den Flughafen Salzburg (SZG) ca. 70 km entfernt und bequem erreichbar.
Über den Flughafen München (MUC) ca. 220 km entfernt, ca. 2,5 Stunden Fahrtzeit bis zum Resort.

Anreise nach Großarl per Bahn

Das Resort ist bequem auch mit der Bahn erreichbar. Direktverbindungen nach Salzburg, dann umsteigen in einen Zug nach St. Johann im Pongau. Die nächstgelegenen Bahnhöfe sind Bischofshofen und St. Johann im Pongau, die regelmäßig mit dem Fernverkehr verbunden sind.

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Panama City Beach/Florida: Blaue Stunden – gern mit Stil

Der Badeort Panama City Beach/Florida hat für März/April seinen Ruf weg als Hot Spot wilder Spring-Break-Partys der College-Kids – trotz polizeilicher Restriktionen. In den Sommerferien sorgen Familien aus dem Binnenland für lebhaftes Treiben. Bleibt für Genießer die Zeit off-season, wenn die traumhaften Sandstrände in PCB frei von Massen und blaue Stunden stilvoll sind. 

* © alle Fotos Ulrike Wirtz, soweit nicht anders vermerkt

Sichtlich genüsslich und voll konzentriert führt Josh Dittrich den Joystick des Helikopters. Außer für den Piloten hat der feine, kleine Hubschrauber Typ RR 44 Platz für gerade einmal drei etwas beengt sitzende Passagiere, zwei hinter dem Piloten, einer neben ihm. Andererseits kommt das erhebende Gefühl eines quasi Privatfluges auf. Josh lässt den Heli per Joystick-Bedienung abheben, an Höhe gewinnen, unter dem typischen Bullern der Rotoren abdrehen vom Startpunkt. Schon geht es über Baumgipfel, aufs Meer zu und übers Wasser. Pilot Josh weist fast stolz auf das, was sich nun aus der Vogelperspektive darbietet: weißer Sandstrand scheint’s endlos lang und davor smaragdgrünes klares Meer; der Golf von Mexiko, von US-Präsident Trump einfach umbenannt in Golf of America. Josh: „Der Anblick begeistert mich immer noch, obwohl ich die Strecke so oft fliege.“

Gern lassen sich die Passagiere mitreißen, Augen hierher, Augen dorthin an diesem Mai-Tag mit Hochsommer-Feeling. Das alles beschert die nordwestliche Küste von Florida, dem Sunshine-State im Südosten der USA. Das akzentfreie Deutsch des jungen Mannes outet seine deutschen Wurzeln. Er komme aus Trier, sei seit drei Jahren Pilot in Panama City Beach bei Panhandle Helicopter – „so lange halte ich auch eine amtliche Lizenz, um andere im Heli-Fliegen auszubilden“, so der 24-Jährige. Sight-Seeing-Routen bietet Panhandle Helicopter verschiedene an. Unser Trip wird rund eine Stunde dauern, führt an den Ufern des Badeorts am Golf entlang und ist schon irgendwie fancy, um die Gegend zu erkunden. „Die Leute mögen das, auch weil schon noch etwas Besonderes. Obschon manche erst einmal etwas Angst haben“, sagt Josh. Das gäben seine Passagiere auch zu. „Doch sobald sie von hier oben das Panorama sehen, haben sie nur noch Augen und Ohren dafür. Euch geht es ähnlich, oder?“

Heli-Sightseeing - Blick auf den Golf von Mexiko Foto Ulrike Wirtz
Sight-Seeing vom Heli über den Golf von Mexiko, den Präsident Trump einfach umbenannte in Golf of America*(c)

Sicher ließ sich manches schon beim Anflug per Linienmaschine hierher bestaunen. Nun aber sind wir viel tiefer, näher dran und können uns alles länger ansehen. „Natürlich weil der Heli viel langsamer ist als ein Linienflugzeug. Und wir fliegen kleine Bögen und verweilen so länger“ (Josh). Hierher – das ist eine direkt dem Festland vorgelagerte Insel mit dem Badeort Panama City Beach, der zur Stadt Panama City, Sitz von Verwaltung und kommerziellem Hafen, gehört, auf dem Festland der sogenannten Panhandle Floridas. Panhandle, weil der Norden von Florida, betrachtet auf der Landkarte, optisch an einen Pfannenstiel erinnert. Die „Pfanne“ bildet Süd-Florida, die große Halbinsel, die sich von Norden nach Süden zwischen Atlantik und Golf von Mexiko im südöstlichen US-Zipfel erstreckt.

27 Meilen feinster zuckerweißer Sandstrand und smaragdgrünes Meer

Panama City Beach hat auf seinem Eiland 18.000 Einwohner, die nächste Großstadt ist Tallahassee, Floridas Hauptstadt zwei Autostunden, 130 Meilen, gen Nordosten. Der Badeort ist in den Hauptsaisons Massenziel für Touristen vor allem aus den Nachbarstaaten, da gut per Auto zu erreichen. Wer lieber in die Region fliegt, der nutzt den Airport Northwest Florida Beaches International, kurz ECP. Und fährt von hier nur 20 Autominuten, und schon stehen die Füße in den von der Sonne gewärmten Fluten vor Panama City Beach.

Zuckerweißer Sand und smaragdgrünes Meer in PCB *(c)
Zuckerweißer Sand und smaragdgrünes Meer, Lagune und Bay – vor allem dafür steht PCB*(c)

Was als wahrer Tourismus-Magnet des Badeorts gilt, ist per Rundumblick wunderbar vom Heli zu sehen: dass es von dem makellosen Sandstrand vor smaragdgrünem klaren Wasser gleich 27 Meilen gleich 43 Kilometer gibt. Das Weiß des Sandes wird in Werbebroschüren gern als Zuckerweiß gelobt, was sich vor Ort bestätigt, und wurde den Golf-Ufern im Nordwesten Floridas dereinst von der Erdevolution als Quarzsand beschert. Den trugen Erdmassen aus dem Norden mit bis ans Meer. Zur Natural Beauty gesellen sich durch das Wasser cruisende Boote meist in Weiß und optisch durch den Kontrast zur Farbe des Meeres ein Augenschmaus. Einige Boote fahren unter weißen Segeln.

Alles Freizeit-Boote, ob eigenes oder gechartert und ganz typisch für den Floridian Lifestyle. Was man von oben nicht erkennt: Die Leute auf den Motoryachten frönen oftmals dem Hochseefischen per Angeln. Andere fahren mit den Booten zu den Gründen für das Wracktauchen, für das Taucher-Zeitungen Panama City Beach rühmen, zumal in den Tiefen eigens ausgemusterte Kähne als Tauchobjekte – nach dem Ausschlachten und Recyceln – versenkt wurden. Andere Bötchenfahrer genießen allein das Cruisen. Mit ihrem besonderen Bootsführer-Know-how sind die Segelyachten unterwegs, der eine mehr, der andere weniger sportlich segelnd.

Verbindung zum Panama-Kanal

Die großen Pötte der Berufsschifffahrt dagegen lassen sich weit draußen auf dem Golf verorten. Was nicht von unserem Standort in der Luft zu sehen ist, aber zur Region gehört, sind die größten Arbeitgeber vor Ort: die Militärbasen. Josh: „Vor allem die Tyndall Air Force Base weiter südlich am Ufer. Die wurde 2018 von Hurrikan Michael hart getroffen und wieder aufgebaut. In PCB stationiert sind Naval Support Activity und Coast Guard.” Wieso überhaupt die Namen Panama City und Panama City Beach, letzteres von Locals und Stadtvermarktung gern PCB abgekürzt: laut Historie weil Panama City zu Anfang des 20. Jahrhunderts der nächste US-Hafen zur gleichnamigen Stadt am mittel-amerikanischen Panama-Kanal war. Damals war die Wasserstraße gebaut worden.

Heli-Sightseeing Blick auf Beach Boulevard mit den Hochhäusern Foto Ulrike Wirtz
Der Blick zum Beach-Boulevard und seinen Hochhäusern, im Hinterland St. Andrew’s Bay*(c)

Die Namensvetterin in Florida sollte erster Verbindungshafen der USA zur wichtigen neuen Handelsstraße werden. Das ließ die kleine US-Stadt wachsen, den vorgelagerten Badeort in maritimer Toplage dagegen gab es noch nicht. Der wurde in den 1930er Jahren für Autos zugänglich gemacht durch den Bau von Highway 98 und Hathaway Bridge über das St. Andrew’s Bay. Das brachte erste Auto-Touristen. Daher entstand PCB mit Ferienwohnungen anfangs in Form kleiner Cottages, zu denen sich mit immer mehr Betrieb immer mehr High-Riser mit Ferienapartments direkt den Strand entlang gesellten. Die sind auch aus der Luft unübersehbar, aber machen nur die eine Seite des Orts aus und sind außerdem nicht untypisch in Badeorten an Floridas Küsten.

Traumlage und auch noch pure Natur

Trotz viel Betrieb blieb weitere attraktive Natur in PCB erhalten und erschließt sich wiederum gut von oben betrachtet und erklärt von Pilot Josh. Nämlich die Traumlage auf der Halbinsel mit dem Golf auf der einen Seite und St. Andrew’s Bay auf der anderen, daran anschließend das Festland wie gesagt mit Panama City etc. Aus der Vogelperspektive zeigt sich, wie die Insel mit dem Badeort schön unbewohnt im Süden endet, wo grün bewachsene Eilande mit Natur pur und mehr malerische Sandstrände in Weiß vor smaragdgrünem Meer warten. Sie sind Teil des unter Schutz stehenden, nicht bebaubaren St. Andrew’s State Park. Dorthin werden wir uns später per Segel-Katamaran – noch so ein fancy Gefährt – zum Schnorcheln etc. aufmachen.

Dort wird das Meeresgetier nah an einen heranrücken, auf das der Pilot nun aus der Höhe verweist und das im klaren Meer wie Schattenspiele wirkt: „Seht auf ein Uhr die blitzschnellen Schatten. Das sind Rochen – Stingrays – und von hier oben leicht zu erkennen an der Dreiecksform.“ Ihre langen Stacheln sind aus der Höhe nicht auszumachen, aber zu sehen ist schon, wie sie wie kleine Tornados unter Wasser dahinjagen. „Seht nicht weit davon entfernt die große Schildkröte. Wie sie durchs Wasser gleitet. Das ist ihr Element. An Land sehen die immer so träge aus.“ Momente später sagt Josh: „Da auf zehn Uhr, der lange große Fisch mit platter Nase – das könnte ein Hai sein, aber nicht ein weißer. Dafür ist der viel zu klein.“ Wieder Momente später lenken einen gottseidank Delphine ab, tauchen auf, machen wie bestellt einen Sprung durch die Luft, tauchen wieder ein.

Generell günstig-unprätentiös

Wer sich das alles bei beschaulicher Atmosphäre wünscht, kommt in den Nebensaisons im Oktober/November und Mai/Juni mit bestem Wetter unter tropischem Himmel. „Es kommt bei uns wirklich auf die Saison an, wenn Gäste auf Ruhe und wenig Betrieb Wert legen“, betont Katja Chatfield, seit einigen Jahren General Manager des Hotels Embassy Suites by Hilton Panama City Beach. Sie ist gebürtig aus und aufgewachsen in Franken. Das von ihr seit Jahren gemanagte Hotel ist komfortabel, top gelegen am Beach, Betrieb und Flair in ihrem Haus off season wie nun im Mai sind angenehm. „Dagegen wird es in den Hauptsaisons in PCB einfach voll, weil der Badeort als vergleichsweise günstigeres Ziel für Familien gilt.“

Daher geht es in den Schulferien, auch an Weihnachten, und Feiertags-Wochenenden wie Thanks-Giving Ende November sehr lebhaft zu. Das gilt nicht nur in den auf die Kids angelegten Vergnügungen wie den Gulf World Marine Park mit Delphinen, den Shipwreck Island Waterpark mit den Planschbecken für die Kleinen und Riesenrutschen für die Großen und nicht zuletzt das für Jung und Alt spannende Museum of Man in the Sea mit seiner sehenswerten Sammlung von Taucheranzügen aus verschiedenen Epochen. Desgleichen Pier Park, der wie ein gewachsener Ortskern angelegt ist mit Straßen, aber autofrei, mit Läden, Cafés, Karussell, Spielplatz, IMAX-Kino, Riesenrad, Kneipen und Restaurants.

Der Badeort am Golf hat nicht nur Highriser - siehe das angenehme Hilton Embassy Suites Foto Ulrike Wirtz
Kein High-Riser – das Hilton Embassy Suites*(c)
Vergnügungsviertel Pier Park in PCB Foto Ulrike Wirtz
Eine Art Downtown PCB nur zum Vergnügen – Pier Park*(c)

Weil ein Ort des Massentourismus in den Hauptsaisons, ist auch die Infrastruktur in Sachen Wohnen entsprechend ausgerichtet, bietet daher vor allem Ferienwohnungen sprich Condos, oft gut ausgestattet mit Küchenzeile, in jeder Preiskategorie und meist eben in den Hochhäusern mit 20 bis 30 Etagen. Manche der High-Riser liegen top direkt in erster Reihe am Ufer, verstellen in ihrer Breite zwar auf einige Meter die Küste, haben andererseits Balkone mit 1a-Aussicht aufs Meer. Schöner bzw. individueller auf Zeit lässt sich in PCB auch wohnen und zwar in ansehnlichen Villen und Cottages etwa an nördlicheren Strandmeilen in den Carillon Rental Cottages mit ihren hübschen Gärten.

Bloß nicht zur Spring Break…

Und wehe, es ist Ende März/Anfang April in PCB. Dann ist Spring Break-Time, PCB ein Hotspot für die Jugend, zumal auch dann vergleichsweise günstig. Nun ist gar nichts mit Beschaulichkeit und stilvollen blauen Stunden. Vielmehr ist der Strand schwarz von College-Kids, wie Fotos zeigen. Auch Josh hatte erzählt, wie er das schon hat aus der Höhe bestaunen können. Jungvolk zu Tausenden tummeln sich am Beach, füllen sich in Kneipen quer durch den Ort ab, laute Open Air Musik inklusive. Es geht teils so exzessiv zu, dass die Behörden mitsamt Polizei seit mehreren Jahren schon mit Maßnahmen wie Alkoholverboten am Strand und auf den Straßen, früheren Sperrstunden und starker Polizeipräsenz reagieren. Denn den guten Ruf als Ganzjahresziel für Familien will PCB nicht riskieren und sähe eigentlich auch im Frühjahr lieber junge Familien als die wild feiernden College-Kids.

… aber beschaulich in den Nebensaisons

Bleiben wie gesagt die Monate Mai/Juni und Oktober/November. Nun wird man allerorts kaum mit leidigen Straßenstaus konfrontiert, nicht mit Schlangen an den Ausgaben von Liegestühlen. In Muße lassen sich Strandspaziergänge machen und lässt sich am Abend fast ungestört mit den Füßen im zuckerweißen Sand beobachten, wie die Sonne im Golf-Gewässer untergeht.

Finns Barista Bar serviert auch Veggie zum Fruehstueck Foto Ulrike Wirtz
Finns Barista Bar serviert auch Veggie-Frühstück*(c)
Sharky‘s Beachfront Restaurant *(c)
Sharky‘s am Beach mit Tiki-Bar und relaxt essen und trinken*(c)

Stressfrei und ohne Reservierung lässt sich einkehren, selbst im angesagten Beach-Lokal Sharky’s Beachfront Restaurant direkt am Strand mit Tischen auch im Sand. Ganz ohne Reservierung läuft es in Finn’s Barista Bar, ein Lokal in einer Art simpler Hütte und angesagt für Frühstück und Lunch, auch veggie und vegan. Warteschlangen in Stoßzeiten sind im Finn’s üblich.

Kein Fünf-Sterne-Betrieb – und doch ab und an fancy

Verkehrt übrigens ist in PCB egal zu welcher Saison, wer auf Fünf-Sterne-Hotels steht. Die sucht man vergebens hier. Überhaupt lässt sich die Location zwischen Golf und St. Andrew’s Bay nicht vergleichen mit der am Atlantik in Süd-Florida liegenden Lifestyle-Metropole Miami Beach. Die ist mit Fünf-Sterne-Hotels an ihren Strandmeilen gepflastert, ist berühmt weltweit für ihre angesagte Club- und Gastro-Szene. Daher tummeln sich dort auch Stars und Sternchen aus Hollywood und der Musikindustrie und kosten Ferien egal wann im Jahr entsprechend mehr. In PCB dagegen kein High-Society-Stress, keine Dress-Up-Codes. General Manager Katja, die sich gern auch im Dirndl wie typisch für ihre alten Heimat zeigt: „Wir in PCB sind unprätentiös und selten schick. Bei uns ist alles echt easy living.“

Was eben – siehe Heli-Tour – nicht heißt, dass es nicht doch mal extravagant-gut und sogar schick sein darf. Lukullisch zum Beispiel. Da gilt als eine angesagte-Adresse weit und breit und das seit langem Capt. Andersons‘ Restaurant & Waterfront Market, ein Familienbetrieb seit 1967, eher rustikal gehalten und hochgelobt für die Top-Qualität bei Fisch und Fleisch und für seine große Auswahl an national wie international guten Weinen und Champagner. Es liegt in einer Marina mit Fischer- und Freizeitbooten an den Stegen direkt an der Lagune, hat Platz laut Website für 725 Leute und deckt seine Tische fein mit Stoffservietten ein. Das Motto heißt: „No heavy sauces“ – keine schweren Saucen – und wird eingehalten. Und der Service läuft für die Kunden, sobald drin, wie am Schnürchen.

Capt. Andersons' Restaurant serviert solche frusch gefangenen Meeresfrüchte Foto Ulrike Wirtz
Capt. Andersons‘ Restaurant serviert solch frische Meeresfrüchte…*(c)
Capt.-Andersons' Catch Of The Day Foto Ulrike Wirtz
…und Catch of the Day wie diesen – alles ohne heavy sauce*(c)

Bei Cap. Andersons‘ heißt es nämlich auch, vorsorglich Geduld mitzubringen. Denn selbst an einem Mittwochabend im Mai reiht sich eine lange Warteschlange vor der Tür auf, an der auch auffällt, wie sehr sich die Leute höflich in Geduld üben, wie in USA üblich. „Das Lokal ist immer stark frequentiert“, sagen Hobby-Fischer, die um die Ecke des Restaurants gerade ihren Tagesfang sortieren, nachdem sie von hier aus am Morgen mit Charterboot rausgefahren waren. „Wir haben kiloweise Snapper geangelt – in nur acht Stunden draußen. Gleich geben wir unsere Fänge hier ab und bekommen sie gesäubert zum Mitnehmen zurück. Wir können uns wünschen, ob unsere Fänge fertig zum Grillen oder zum Einfrieren aufbereitet werden.“ Was für ein Service. 

Auf edel speisen mit Top-Weinen in den Reserve Room

Ganz anders die Location The Reserve Room nahe Hombre Golfplatz hinter Downtown PCB, da eine gehobene Adresse. Das sieht man schon an der erlesenen Einrichtung und wie fein die Tische eingedeckt sind – ganz comme il faut. Es ist ein Private Dining, das heißt, Plätze müssen immer fest reserviert werden, die Party startet nur ab einer Mindestzahl, und Chef Philippe Robles kreiert ein Mehrgang-Menu. Zum Beispiel Charcuterie Selction, dazu ein Pierre Moncuit Delos Grand Cru Brut Champagner. Danach ein Hawaian Walu White Tuna Sashimi, dazu eine Amici Cellars Sauvignon Blanc. Und und und.

Eine sehr feine Adresse zum Essen und Trinken - der Reserve Room Foto Ulrike Wirtz
Extravagant-feine Adresse für Private Dining – der Reserve Room*(c)
Der Chef vom Reserve Room Philippe Robles steht für feine  Kochkunst aus Europa und USA Foto Ulrike Wirtz
Chef Philippe Robles kochte in Tophäusern in Europa und USA*(c)

À la carte gibt es nichts. Dafür erzählt Philippe Robles gern einiges zu den Speisen und seiner Person: „Ich habe unter anderem an der französischen Cote d‘Azur und im schweizerischen Genf in Michelin-prämierten Restaurants Kochen gelernt und mein Know-how verfeinert.“ Zur Philosophie des Küchenchefs gehört, seine lukullischen Genüsse immer mit von ihm und dem Sommelier ausgewählten Weinen zu kredenzen, ob europäische oder globale Gewächse oder kalifornische Top-Tropfen aus dem Nappa Valley und Sonoma. Das hat seinen Fix-Preis, kostet durchaus bis zu 275 Dollar pro Person inklusive Tipp, je nach Weinen auch mehr. Dafür gibt der Sommelier zu jedem Tropfen Erläuterungen über Herkunft und Eigenarten der Weine. Einfach gut das Konzept. Für kleinere Budgets finden aber auch Abende statt, etwa für 65 Dollar pro Person nach dem Motto Wine, Cheese & the Russian River: mit roten und weißen Tropfen vom Flusstal in Sonoma/Kalifornien. Die sind berühmt für ihr Reifen im kühl-sonnigen Pazifik-Klima.

Unter Segeln zum Schnorcheln

Stilvolles PCB – was das Fortbewegungsmittel angeht, geht es auch zu Wasser fein weiter, folgt auf den Heli der Segel-Katamaran. Das Boot verchartert Island Time Sailing in Panama City Beach und operiert vom alten, nun aufpolierten Anlegesteg mit Bar namens Dock‘s in PCB aus. Kapitän bzw. Skipper, wie es in der Yachti-Spache heißt, ist Clay Evans, der erklärt: Der Katamaran sei 50 Feet, also rund 17 Meter lang, und heiße Katamaran, weil er die zwei Rümpfe hat. „Meine Crew und ich sorgen hoffentlich dafür, dass Ihr viel Marine Wildlife seht.“ Weiß ist seine Yacht, hat Platz für bis zu 65 Passagiere auch unter Deck, kommt aber viel komfortabler und idyllischer über mit kaum 20 Passagieren und weniger.

Unter Segeln auf dem Katamaran nach Shell Island * (c)
Extravagant segelt es sich mit dem Katamaran nach Shell Island *(c)

Alle finden nach und nach ihren Platz, ob vorne am Bug sitzend oder im Netz liegend, das zwischen den beiden Rümpfen vorn gespannt ist oder vor dem Mast hockend, weil für zu Seekrankheit neigende der stabilste Platz an Bord. Schnell vermittelt das Gefährt ein Gefühl von Luxus, nicht nur weil sich neben dem Kapitän noch zwei Deckhands um Boot und Gäste kümmern, indem sie Getränke kredenzen und Snacks. Oder sie ordnen die Takelage und setzen nach dem Ableger auf dem Meer die Segel. Der Motor läuft leise unterstützend mit.

Ziel ist erst der St. Andrew’s State Park und das daran anschließende Eiland Shell Island. Ein unerschlossenes Inselchen von 700 acres mit zuckerweißem Sandstrand und Marschland dort, wo Salzwasser sich mit Süßwasser aus dem Bay vermischt. Die Natural Beauty war schon vom Heli aus zu bewundern. Skipper Clay erzählt, wie in den Ferien und an langen Feiertagswochenenden hier der Bär los sein kann. Nicht weil man auch ohne Boot an die Strände in St. Andre’s State Park kommt: erst per Fahrrad oder Auto zum Gate von St. Andrew’s State Park, von da ein gutes Stück zu Fuß. „In den Nebensaisons sind die Strände des Parks die meiste Zeit eher leer“, so Kapitän Clay. So auch jetzt im Mai. Das gilt auch fürs kleine Eiland Shell Island.

Mit Captain Clay Evans auf nach Shell Island  (c)
Relaxt – Captain Clay auf seinem Kat nach Shell Island*(c)
Shell Island ist perfekt zum Schnorcheln* (c)
Vor dem Eiland können auch Ungeübte schön schnorcheln*(c)

Umso schöner wird die Tour mit dem quasi privaten Segelboot, weil der Skipper nach Ankunft in einer Art Lagune an einem ruhigen Platz vor der Insel Ausschau hält und ankert. Das Wasser ist hier gerade mal 2,00 Meter tief. Nun Schnorchel raus oder Paddle Board zu Wasser lassen, alles im Trip inbegriffen, und rein ins smaragdgrüne Wasser. Schnorchelnd ist nun aus der Nähe zu sehen, was auch aus der Vogelperspektive auszumachen war, nur dass alles jetzt zum Greifen nah zu sein scheint. Rochen jagen über den sandigen Boden. Schildkröten ziehen ihre Bahnen.

Delphine spielen gern um Boote herum, hier als Schatten im Golf  *(c)
Delphine spielen im Golf gern um Boote herum, hier zwei als Schatten unter Wasser *(c)

Was von oben nicht zu sehen war, sind kleine Fische in Schwärmen, die zu Hunderten auf einen zu- und weiterschwimmen. Skipper Clay verspricht für den Rückweg durch den Golf, dass wir dort auf Delphine treffen. Und hält sein Wort – wie schon Heli-Pilot Josh zuvor. 

Wichtige Websites, Social Media und weitere Info 

Allgemeines zu Panama City Beach, auch Unterkünfte und Attraktionen www.visitpanamacitybeach.com. Social Media: Twitter @Visit_PCB; #RealFunBeach; Instagram @Visit_PCB; #ReanFunBeach; Facebook @Visit Panama City Beach; #RealFunBeach

Flug Ziel ist der Airport Northwest Florida Beaches International mit dem  Kürzel ECP, mit weltweiter Anbindung, auch nach Deutschland: ab Frankfurt und München mit Umsteigen etwa über Houston mit Lufthansa und United und via Atlanta mit Delta.

Leihwagen Das Auto in Deutschland zu mieten ist in der Regel günstiger, auch bei US-Rental-Car-Companies wie Alamo. All-In-Angebote oft am besten www.alamo.de

Hoteltipps Embassy Suites by Hilton Panama City Beach – angenehm schon weil kein Hochhaus, moderne große Zimmer, Pool und top seine Lage am Beach-Boulevard. Chefin ist die Deutsche Katja Chatfield www.hilton.com. Gepflegt wohnt sich auch in den Condos von Carillon Beach Rentals, ebenso keine High-Riser; zehn Autominuten nördlich von Pier Park an der Strandstraße www.https://www.carillonbeachrentals.com

Spezialisten Helikopter-Sightseeing https://panhandlehelicopter.com. Per Segel-Katamaran nicht nur zum Schnorcheln https://islandtimesailing.com

Erwähnte Restaurants Sharky’s Beachfront Restaurant: https://sharkysbeach.com. Capt. Andersons’ Restaurant & Waterfront Market https://captanendersons.com. The Reserve Room https://reserveroomfl.com. Noch eine Top-Adresse für Fine Dining mit Fleisch und frisch Gefangenem aus dem Meer: das Fire Fly. Seine Bar ist eingerichtet wie eine Bibliothek, das Restaurant schick eingedeckt. Barack Obama war schon zu Gast, wie Fotos von ihm mit Widmung zeigen https://www.fireflypcb.com

Typisch Florida – Airboats brettern mit Getöse und buchstäblich spritzig durch das Marschland, dort wo Salz- und Süßwasser – Fresh Water – sich vermischen und eine spezielle Flora und Fauna entstand. Touren auf diesen uneleganten, dafür ungewohnten Booten gibt es auch für zahlende Gäste. Das Marschland ist typisch altes Florida und breitet sich im Hinterland von PCB aus, wo St. Andrew’s Bay, kleine Lagunen und Flüsschen sich mit Meerwasser verbinden. Da der Wasserstand – ganz typisch – flach ist, haben Airboats kaum Tiefgang, scheinen dahinzufliegen, wenn ihre Skipper, wie Kaleb von Wild Thang Airboat Tours, auf den Gashebel drücken. Wie dann das Boot quasi übers Wasser schwebt, wie der große Ventilator am Heck es antreibt. Kaleb: „Airboats fahren auf einer papierdünnen Schicht Wasser. Das hohe Tempo besorgen PS-starke Motoren. Unserer hat 600 PS.“Motor und Ventilator werden umso lauter, je höher der Speed. Das dürfte Naturfreunde eher abschrecken https://www.wildairboat.com

Im Marschland des  alten Floridas unterwegs auf lauten Airboats*(c)
So durch das Marschland – laut auf einem Airboat*(c)…
Gemächlich zu Fuß durch das Marschland im Conservation Park *(c)
…oder so – ruhig zu Fuß im Conservation Park*(c)

Typisch Florida – Wer also das Marschland beschaulich entdecken möchte, durchwandert die Landschaft im Conservation Park nur wenige Auto-Kilometer entfernt vom Bootsableger (Foto oben re). Im geschützten staatlichen Areal sind Trails angelegt, auf denen man bleiben sollte – Achung Alligatoren. Sie leben im Marschland, aber auch Libellen, Schmetterlinge, Weißkopfadler oder Rotwild und Wildschweine. Trails sind ab knapp drei Kilometer (1,7 Meilen) bis gut 17 Kilometer (elf Meilen) lang und sind gut beschildert auch mit Learning Stations (Info und Fotos) zu dem, was sich am Weg oder im Gebüsch tut. Der Park wurde mittels ausgefeiltem Wassermanagement System in Marschland zurückgeführt, um die einstige Natur wieder herzustellen und für die Nachwelt zu konservieren https://pcbgov.com

Auf Dolly Partons Spuren Junge, jung Gebliebene und Fans der jüngst verstorbenen Dolly Parton zieht es in die Pirates Voyage Dinner & Show in PCB, ein Event mit Tanz, Akrobatik, Lichtspielen und Musik. Die Country-Legende war Initiatorin und Eigentümerin der Show. Erzählt wird die wahre Story zweier rivalisierender Seeräuber in der Region im 17. Jahrhundert, das mit tollen Piraten-Kostümen, bombastischem Bühnenbild inklusive 15 Feet gleich drei Meter tiefem Wasserbassin als Lagune. Das schafft das Flair für spektakuläre Fights zwischen den Crews der Piratenschiffe Crimson und Sapphire https://piratesvoyage.com  

Pirates Voyage Dinner & Show, inszeniert und betrieben von der gerade verstorbenen Dolly Parton *(c)
Die Pirates Voyage Dinner & Show, inszeniert und betrieben von der jüngst verstorbenen Dolly Parton*(c)
Das Luxus-Spa des Hubertus Mountain Refugio Allgäu Foto Ulrike Wirtz

Hubertus Mountain Refugio Allgäu – Auszeit auf Top-Level

Das Hotel HUBERTUS im Bergdorf Balderschwang empfängt seine Gäste heuer seit 75 Jahren. Damit hat die Gründerfamilie Traubel, heute in 3. Generation, einen wahren Rückzugsort für komfortable relaxende Tage in den Alpen geschaffen. Eine ausgewogene Kulinarik rundet das Wohlgefühl ab. Alle Fotos Ulrike Wirtz, wenn nicht anders vermerkt

Wer das Hotel Hubertus Mountain Refugio Allgäu von Osten, von München etwa, ansteuert, überquert kurz vor dem Ziel den Riedberg-Pass mit den traumhaften Serpentinen Richtung Bergdorf Balderschwang, Heimat des Refugio Hubertus. Vor Ankunft am Hotel lassen sich auf dem Weg schon zwei Höchstwerte aufs Reisekonto buchen: Der Riedberg-Pass ist mit 1.782 Meter über Null der höchste befahrbare Gebirgspass in deutschen Landen. Und Balderschwang, gelegen auf 1.044 Meter, ist der höchste Bergort Deutschlands. Einige Tage hier bringen weitere Höchstwerte: für die alpenländische Natur-Idylle und das Hotel Hubertus.

Herbststimmung in den Alpen nahe Hotel Hubertus Mountain Refugio Allgäu (c)Hubertus Mountain Refugio Allgaeu
Stimmungsvoll ist es rund um das Hotel Hubertus Mounatin Refugio in Balderschwang (c)Hubertus Mountain Refugio Allgaeu

Denn das Refugio macht seinem Namen alle Ehre, stellt sich heraus als Rückzugsort auf Zeit für Stressgeplagte und solche, die bei unaufdringlichem Luxus verwöhnt werden wollen – bei Wohnen und Essen, im Spa mit Fitness und Anwendungen, bei alpiner Action, im Winter auch im Schnee, oder einfach mal nur mal wohlig nichts tun. Und das in der Bergwelt der Allgäuer Alpen im südwestlichsten Zipfel Deutschlands. Darauf stimmten die letzten acht Kilometer der Anfahrt top ein. So lang ist die Strecke zum Hotel ab Scheitel des Riedberg-Pass, führt Haarnadelkurve um Haarnadelkurve hinab. Kaum unten – auf immerhin noch 1.000 Höhenmeter – dehnt sich das Balderschwanger Hochtal gen Westen Richtung Bodensee und Bregenzerwald aus.

Wo wenige Häuser sich um ein Kirchlein versammeln, das seit Einfahrt ins Hochtal seine Turmspitze zeigt, ist Balderschwang erreicht. Die rund 400 Einwohner verteilen sich sichtlich durch das Tal. So begrüßt einen nahe Ortschild auch erst einmal nur ein einzelner Bauernhof, darauf folgen wieder nur Wiesen. Der Hof hat die traditionelle allgäuische Holzfassade, dunkelbraun gegerbt vom Wetter. Die Fensterbänke schmücken Blumenkästen, üppig bepflanzt in Pink, Rosa und Weiß an diesem Tag Ende Juni. Auf der Koppel neben dem Haus tollt eine schwarze Stute mit Fohlen herum. Rechts und links von Straße und Hof steigen malerisch grüne Wiesen und Wälder empor, bis die Gipfel der Hausberge erreicht sind, so etwa der 1.436 Meter hohe Gelbhansekopf.

Blick von Osten ins Balderschwanger Hochtal Foto Ulrike Wirtz
Der Blick von Osten durch das Balderschwanger Hochtal Richtung Bodensee und Bregenzerwald

Das ist buchstäblich malerische alpenländische Beschaulichkeit. Mehr davon gibt das Umland rund um Balderschwang her, vor allem mehr Natur, da Teil des Naturparks Nagelfluhkette, der sich auf 400 Quadratkilometer auf deutsch-österreichischem Boden verteilt. Der Naturpark steht für die gut 1.700 Meter hohen Gipfel von Riedberger Horn und Siplingerkopf; steht für über 1.000 Kilometer Wanderwege und Hütten zur Einkehr; für Tannenwälder und Wiesenblumen, für 500 Alpen und Alpweiden mit Vieh. Daher das Geläut von Kuhglocken, die im Allgäu Schellen heißen, auf Höhe des Orts und höher hinauf. Balderschwang und das Hubertus Mountain Refugio Allgäu liegen mittendrin.

Elegant-allgäuisch, nicht schnörkelig-überladen

Vor dem Kirchlein tut sich das Hotel auf, gefällt im allgäuisch-dezenten Äußeren mit viel hellem Holz. Ganz anders das Gebäude des Mountain Spring Spa in einer schick-modernen Architektur, das so auch auf Sylt stehen könnte. Bis aufs Material wiederum, nämlich der Fichte als Naturholz der heimischen Berge. Das Spa des Hubertus fällt auf und gefällt, entfaltet nämlich optisch trotz seiner Größe keine Wucht. Das liegt daran, dass seine drei Etagen harmonisch zu den Bergwiesen anschließen, die hinter dem Gebäude steil ansteigen. Das liegt am Schnörkellosen seiner Linien im Mix mit dem Material für das Äußere: zur hellen Fichte große Glasflächen. Das Ansehnliche draußen macht neugierig auf innen. Das Spa gewährt aber von der Straße keinen Einblick.

Blick über_Infinity Pool gen Riedberg-Pass Foto Ulrike Wirtz
Blick gen Osten vom Infinity Pool Richtung Riedberger Horn und Passstraße

Der Infinity-Außenpool im ersten Stock lässt sich nur erahnen, Sonnenschirme und ein schaukelnder Korb, ein Hanging-Egg, sind zu sehen, in dem es sich entspannend sitzen lässt. Aber all das erschließt sich erst nach dem Einchecken. So auch die großen Spa-Terrassen im ersten und dritten Stock, umrandet von Beeten mit Gräsern und Wiesenblumen wie auf der Alp, und immer der Blick auf Berge; der große Pool drinnen als Verlängerung des Infintiy-Pool draußen; dazu ein Naturbadesee als Teil einer Teichanlage. Alles ist geräumig. Im Rooftop im dritten Stock weitere Freiflächen mit Berg-Blick, aber auch ein japanisches Warmwasser-Bad, ein Onsen, mit Zen-Steingarten und Aussicht auf sattgrüne Wiesen. Einfach harmonisch dieser Touch von Asien und Allgäu.

Natursee-Pool im Mountain Spring Spa des Hubertus Foto Ulrike Wirtz
Der Naturbadesee im Hubertus-Spa erfrischt mit kühler Temperatur

Drinnen Ruheräume mit Tee und Wasserstationen, Yoga-Halle, vier Saunatypen, zehn Behandlungsräume. Auch drinnen edel-helles traditionelles Fichtenholz und schnörkellos wie beim Äußeren. Die Formsprache des Mobiliars, ob Liegen oder Pendel-Eier, ist modern-reduziert, gekonnt dekoriert mit Farbtupfern bei Kissen und Decken und ausgesuchten Accessoires. Rundum die schon von außen bewunderten bodentiefen Fenster, auf dass die Aussichten auf Berge und Hochtal von drinnen so gut sind wie von draußen. Nicht zuletzt eine mit allem Pipapo an Premiumgeräten ausgestattete Fitness-Lounge und natürlich spezielle Wellness-Angebote und Ayurveda-Anwendungen.

Spa-Wartebereich für die Treatments Foto Ulrike Wirtz
Schick-behaglich und leicht asiatischer Touch – auch das gefällt am Mountain Spring Spa; hier der Wartebereich für die Spa-Treatments

Doch wie gesagt, dazu später. Erst einmal ankommen. Am Hoteleingang steht in schlichtem Schriftzug „HUBERTUS Mountain Refugio Allgäu“, daneben ein ebenso schlicht gemaltes Hirschgeweih. Das erinnert an die Anfänge des Hotels vor nunmehr 75 Jahren. Das Haus führen heute zwei Generationen: Karl Traubel und Gattin Christa als Vertreter und Chefs der zweiten Generation sowie der Sohn Marc Traubel mit Gattin Sabrina als dritte Generation. Der Gründer war 1951 auch ein Karl und Vater des Seniors. Der erste Karl kam vor 75 Jahren mit Kind und Kegel aus München in die alpine Abgeschiedenheit, wollte nur einige Jahre bleiben, baute erste Ferienzimmer.

75 Jahre Hotel Hubertus im Balderschwanger Hochtal

Der gelernte Metzger war immer mehr bei den Jägern nachgefragt, die in die Region kamen. Weil Karl damals das erlegte Wildbret gleich vor Ort für die Waidmänner aufbereitete. Dazu gesellten sich im Winter Tourengeher, die auf Skiern aufstiegen, die zunehmend einige Tage im hohen, fast abgeschnittenen Balderschwang verweilten. Als 1961 die Riedberg-Passstraße gebaut und so die Zufahrt zum Tal und Ort von Osten kommend deutlich erleichtert wurde, kamen immer mehr Gäste auf Zeit.

So war es ganz früher am Hubertus Foto vom Foto Ulrike Wirtz
So war es einst winters rund um das Hubertus, eröffnet…
So war mit den Traubels ganz früher im Hubertus Foto vom Foto Ulrike Wirtz
…von den Traubels 1951 Fotos von Foto Ulrike Wirtz

Heute hat das Hubertus 66 Zimmer und Suiten, eine Restauration mit Angeboten von morgens bis abends und verwöhnt seine Gäste aus nah und fern auch im 2021 neu erbauten Mountain Spring Spa. Das Team ist international und besteht aus über 100 Damen und Herren. „Reinkommen“ begrüßt einen inzwischen ein Spruch auf der Fußmatte direkt beim Betreten der Lobby und setzt den relaxten Ton im luxuriösen Refugium. Der Lobby angeschlossen ist eine kleine, reichlich und fein sortierte Bar, dazu stylische schwarze Sitzmöbel, doch auch helle hölzern-rustikale Hochtische und allgäuische Dekors. Daran schließen Teestube und Weinbar an mit guten Tropfen aus dem Alpenland, zum Beispiel Weiße und Rote vom Weingut Aufricht am Bodensee nahe Meersburg, desgleichen vom Weingut Reichsrat von Buhl in Deidesheim, vom italienischen Ca dei Frati in der Lombardei oder dem Tedeschi in Venetien.

Lobby und  Bar des Hubertus Foto Ulrike Wirtz
Raufkommen zum Runterkommen verheißt das Hubertus – hier sein Entrée, hinten rechts die gut sortierte Bar…
Nur eine der Terrassen im Hubertus Foto Ulrike Wirtz
…hier eine der Terrassen im Refugium auf gut 1.000 Höhenmeter und lauschig auch in kalten Jahreszeiten

Ambiente, Flair – alles lädt zum Verweilen ein. Alles ist stilsicher gestaltet und sichtlich aus einem Guss – im ganzen Hubertus von heute. „Unsere Familie hat seit Anbeginn das Geschäft mit Tatkraft und Seele immer weiter entwickelt“, so der heutige Senior Karl Traubel. Dazu gehörte der zunehmende Fokus auf anspruchsvolles Ambiente, Wellness und gute Kulinarik. Dabei ist bei Stil, Architektur und Philosophie des Hauses die heutige Seniorchefin Christa nach wie vor im Lead. Der letzte große Schritt des Hubertus hat aber auch mit dem leidvollen Lawinenunglück im Januar 2019 zu tun. „Bereits vor dem Unglück war ein Umbau geplant. Nun mussten wir aber die Pläne ändern und anpassen. Dann kam Corona hinzu“, so Junior Marc Traubel.

Am Ende haben die Traubels das Hubertus und sein Konzept überarbeitet und in der Folge das luxuriöse Spa neu gebaut. „Um Fortentwicklung und Philosophie nach außen sichtbar zu machen, haben wir uns umbenannt.“ In „HUBERTUS Mountain Refugio Allgäu und Mountain Spring Spa“, wie es am Eingang steht. Was der neue Name auch transportieren soll: „Wir hatten unser HolisticLife-Konzept schon um 2017 zu einem ganzheitlichen Wohlfühlangebot ausgebaut. Nun betonen wir unsere Natur als Kraftquelle und Rückzugsort“, so Karl und Marc.

Work-out-Lounge Foto Ulrike Wirtz
Erst trainieren im gediegenen Mountain Spring Spa…
Spa-Rooftop und Bergpanorama Foto Ulrike Wirtz
…dann relaxen auf dem Rooftop mitten in den Allgäuer Alpen

Alles strikt nach dem Motto für die Gäste: Alles kann, nichts muss. Ob Ayurveda-Behandlung, Wellness-Treatment, individuelles Coaching, ob Klangschalen-Meditation oder Sauna-Rituale, ob Workout und Krafttraining mit und ohne Personal Trainer, ob Gesichtsmassage oder Faulenzen. Das Wohlfühlkonzept HolisticLife hatten die Traubels vor knapp zehn Jahren eingeführt, da hatten sie bereits 20 Jahre zuvor umgestellt auf Wellness-Angebote. Senior Karl: „Bis dato hatten wir auf Gruppen- und Busreisen gesetzt.“

Karl Traubel, der jetzige Senior 
(c)Hubertus Mountain Refugio Allgaeu
Familienbetrieb in dritter Generation: Karl Traubel, jetziger Seniorchef, ist der Sohn des Gründers…
Marc, noch der Juniorchef im Hotel Hubertus (c)Hubertus  Mountain Refugio Allgaeu
…Marc der jetzige Juniorchef – beide sind die Gastgeber im Hubertus (c)beide Fotos Hubertus Mountain Refugio Allgaeu

Der heutige Senior, 72, weißes volles Haar und Rauschebart, und der Junior Marc, 44, teilen sich die Rolle des Gastgebers, und jeder trägt seinen Teil zur Gästebetreung bei. Das bedeutet für die Gäste auch, dass Karl und Marc den einen oder anderen Abend dazu einladen, Traubels bzw. des Hubertus‘ Speisekammer kennenzulernen oder bei einer Küchenparty die Mannschaft mit Chefkoch Kristian Knölke bei der Arbeit zu erleben. Marc wie auch Karl gehen selbst als Guide mit Gästen auf Wanderungen. Andererseits hält Seniorchefin Christa im Haus für Interessierte Vorträge zum Hubertus-HolisticLife-Konzept. Juniorchefin Sabrina kümmert sich um die Kids – „hoffentlich die vierte Traubel-Generation im Geschäft“, sagt Marc.

Das würde kaum überraschen, prägen die Liebe zu Ort, Höhenlage und Allgäuer Alpen seit 75 Jahren die Familie und ihr Hubertus, sind zugleich kein Zeichen für Stillstand, auch jetzt nicht mit dem rundum erneuerten Hubertus. Kaum verwunderlich bei so viel Unternehmertum, wenn Marc Traubel sagt: „In den nächsten Jahren planen wir strategische Erweiterungen in den Bereichen Zimmer und Restaurant.“

Familienbetrieb in dritter Generation und kein Stillstand

Wer heuer das rundum neu gestaltete Hubertus besucht, sieht und fühlt: Altbacken ist so überhaupt nicht der Stil der Traubels. Tradition schon, gerade auch bei der Auswahl der Materialien. Das helle Holz bei Hotel und Spa ist außen und innen Fichte, innen bei den oft handgefertigten Vollholzmöbeln und Fußböden außerdem Lärche, Weißtanne und Eiche. Bei Stoffen herrscht meist Leichtigkeit in Form von Baumwolle und Leinen vor. Für Kissen und andere Details kommt Filz hinzu. Nichts ist überladen, nichts kitschig. Alles vermittelt Geborgenheit. Selbst in den Zimmern der einfacheren Kategorien gefallen Verwöhn-Details: ein Hanging Egg wie im Spa, eine Wärmflasche mit Filzbezug, der Rucksack zum Ausleihen, Yoga-Matte, Badetasche für den Spa-Besuch und flauschige Bademäntel.

Zimmeridylle günstige Kategorie Foto Ulrike Wirtz
Zimmeridylle sieht für Einzelreisende in der günstigeren Kategorie so aus

Pünktlich zum 75. Geburtstag hat das Hubertus alle seine Zimmer und Suiten, alle entweder mit Balkon oder Terrasse, mit Blick auf die Berge, Wiesen oder ins Grüne des Spa. Die Einzelzimmer sind 21 bis 27 Quadratmeter groß, Doppelzimmer bis 30, Suiten je nach Kategorie 52 bis 64 Quadratmeter. In der Hubertus Suite kommen Kaminofen und Regendusche hinzu. Die Suite Gipfelglück hat eine in den Wohraum integrierte Badewanne. Im Liebesnest sorgt der Blick von der Badewanne direkt in den Bregenzer Wald für unvergessliche Momente zu zweit, den Sonnenaufgang inklusive.

Adlerhorst Suite (c)Hubertus Mountain Refugio Allgaeu
Luxus wartet nicht nur in dieser Suite (c)Hubertus Mountain Refugio Allgaeu

Nach einigen Tagen eigener Erfahrung und Erholung vor Ort erfüllt sich der von den Traubels für das Hubertus gesetzte Anspruch, „Raufkommen. Zum Runterkommen.“ Vor Ort erfährt der Gast auch, dass die Natur der Allgäuer Alpen im Hubertus auch präsent ist über die Wildkräuter, die sie hervorbringt: Sie nutzen die Kräuter wegen ihrer wichtigen Effekte für die Gesundheit, verwenden sie für Spa-Behandlungen, selbstgemachte Tees und in der Küche als geschmackvolle Zutat. Bei Kräuterwanderungen und in Gewürz-Workshops können Gäste in deren Eigenschaften als natürliche Quelle fürs persönliche Wohlbefinden und für den Speisezettel zu Hause einsteigen.

Ausgewogene Kulinarik mit Slow-Food und Jausensackerl

Die Kulinarik betreiben die Traubels in ihrem Hubertus inzwischen mit besonderem Nachdruck, mit Chefkoch Kristian Knölke am Ruder. Die Küche verbindet Allgäuer Tradition mit modernen Kochrichtungen aus aller Welt, vereint frische Produkte der Region mit internationalen Qualitätsprodukten, setzt auf gesunde und schonende Zubereitung ohne Zusatzstoffe – nach dem Motto alles frisch und geschmackvoll, raffiniert und abwechslungsreich und Slow-Food in Neudeutsch genannt, die Ausrichtung auf gesunden regionalen Essensgenuss. Allein dafür lohnt sich ein Abstecher ins Hubertus, das wegen seiner Abgelegenheit und entsprechender Abwesenheit anderer Top-Lokale zu Recht auf Vollpension setzt.

Als Vorspeise gebeizter Seesaibling Meerrettich-Schaum Pumpernickel-Erde Foto Ulrilke Wirtz
Als Vorspeise etwa gebeizter Seesaibling auf Gartengurken-Apfelsalat an Meerrettich-Schaum und Pumpernickel-Erde…
Als Zwischengang Junglauch-Kartoffel-Trüffeltarte mit Bergkäse Foto Ulrike Wirtz
…oder etwa vom ayurvedischen Wanderweg Nuss-Hirse-Bratlinge auf Chinakohlsalat zu Blaubeersauce

Das heißt neben Frühstück mit Jausensackerl zum selbst Füllen, neben Lunchbuffet und Kuchentafel am Nachmittag täglich am Abend ein Viergang-Menu mit einer Auswahl verschiedener Alternativen, auch vegetarisch bzw. vegan. Und jeden Sonntag wird ein LebenEssenz-Menu mit fünf Gängen kredenzt. Auf den Tisch kommen Vorspeisen wie zum Beispiel gegrillter Seesaibling und marinierte Wassermelone, beides an Gartengurken-Apfel-Salat. Kommt etwa weiße Strauchtomaten-Ingwer-Suppe oder als ein Zwischengang Junglauch-Kartoffeltrüffel-Tarte. Hauptgerichte sind nicht nur wahlweise das Filet vom Wiesenschwein oder ein gegrilltes Zanderfilet. Gemüse mal gegrillte Paprika, mal Kohlrabi, mal Zuckerschoten oder oder. Nebst weiterer Begleitung durch Süßkartoffeln, Tagliatelle oder schwarzem Risotto. Und dann die Desserts – vielleicht ein Kaffee-Muffin zu Aprikosensalat als vegane Option oder eine Opera-Schnitte mit Alpenmilch-Blütenhonig-Eis.

Zanderfilet Zuckerschoten Tagliatelle und Zitronensauce Foto Ulrike Wirtz
Aus Leichtem so Leckeres zaubern wie hier das Zanderfilet auf Zuckerschoten und Tagliatelle, dazu Zitronensauce
Birnen-Ingwer-Kuchen an Nougat-Creme und Mascarpone-Eis Foto Ulrike Wirtz
Zum Nachtisch darf es süß sein – so wie dieser Birnen-Ingwer-Kuchen an Nougat-Creme und Mascarpone-Eis

Als Hubertus-Klassiker sind on top täglich unter anderem im Angebot: Balderschwanger Rinderroulade und klassische Käsespätzle, noch dazu Hüftsteak, Rumpsteak, Entrecote. Küchenchef Kristian: „Die Steaks können täglich vorbestellt werden, damit sie sous vide vorgegart und damit am Abend mundgerecht nach gewünschter Garstufe serviert werden können.“ Dass er und die Familie Traubel ihre Lieferanten von Hand verlesen, dass sie zudem die aus der Region gut kennen, überrascht nicht. Marc Traubel: „Wir pflegen mit unseren ansässigen Erzeugern regen Austausch und kennen sie alle persönlich.“ Das gilt auch für die Alpsenner aus dem Bergenzerwald, deren Käse an Traubel’s Bar jeden Abend kredenzt werden – aufs Haus.

Mehrere traditionelle Stuben im Hubertus (c)Hubertus Mountain Refugio Allgaeu
Gespeist wird gleich in mehreren traditionellen Stuben wie diesen hier (c)Hubertus Mountain Refugio Allgaeu

Gespeist wird in sieben Stuben im ersten Stock, von denen keine ausschaut wie die andere. Auch hier der angenehme Mix von echt alt und urig-alpenländisch, aber nicht verspielt und die Stuben neueren Datums sichtlich gern auch mit moderner Note. An die Stuben schließen große Terrassen an, wieder mit dem Panorama der Berge rund um den Gelbhansekopf. Einfach traumhaft ist es, hier zu sitzen im sommerlichen Juni wie gerade. Und die Vorstellung gefällt, genau hier auch bei Schnee und Eis schön warm eingemummelt zu sitzen, tagsüber um die winterlichen Berge zu betrachten und in den blauen Stunden den Sternenhimmel.

Schmankerln aufs Haus sonntags ab 18 Uhr

Wer sonntags anreist, kommt in den Genuss des fünfgängigen Menus. Noch dazu startet zuvor um 18 Uhr ein allsonntägliches Ritual des Hubertus – ein Get-Together mit den Gästen – und dauert eine gute Stunde. Und zwar laden Karl und Marc Traubel ihre Hausgäste zu Schmankerln aufs Haus ein, wie etwa auch mal Käsefondue und Raclette, und zu Drinks, ob Bier oder Cocktail des Tages. Senior Karl macht mir mit viel Liebe ein Brettchen mit Raclette auf Brot zurecht und erzählt währenddessen auch – wichtig im Gebirge – vom Wetter und wie alles im Balderschwanger Hochtal zusammenhängt.

Balderschwanger Kirchlein und Wetter Foto Ulrike Wirtz
Wenn „Wetter“ aufzieht über Balderschwang und sein Kirchlein, treibt der Westwind die Wolken mit Regen und im Winter mit Schnee vom Bodensee heran

Hier in und um Balderschwang braut sich, so Karl, gern „Wetter“ zusammen. „Wir kriegen oft kurze, heftige Schauer, die im Winter auf unserer Höhe über 1.000 Meter zuverlässig für Schnee sorgen. Die Regenwolken kommen vom Westen, vom Bodensee durch unseren typischen Westwind. Die Wolken bleiben dann an den Bergen der Hörnergruppe hängen, siehe unser Riedberger Horn, und regnen sich bei uns ab.“ Ja, das Riedberger Horn als höchster Berg der Hörnergruppe und seine Passstrasse mit den tollen Haarnadelkurven durch die Allgäuer Alpen – die kennt man nun schon.

Website und mehr wichtige Details         

Die Website des Hubertus Mountain Refugio Allgäu: www.hotel-hubertus.de. Facebook @HubertusMountainRefugio; weitere Social-Medias @hubertus_mountain_refugio; #lustaufleben #holistclife #lieblingsplatz #allgäu#balderschwang

Website zu Balderschwang https://hoernerdoerfer.de und zum Naturpark Nagelfluhkette nagelfluhkette.info 

Extras Jede Buchung ab zwei Nächten inkludiert eine Spa-Behandlung im Wert von 120,00 Euro, zugeschnitten auf persönliche Bedürfnisse, ob ayurvedische Fuß- und Beinmassage, Ayurveda Starter genannt, ob Dehnen und Strecken inklusive Atmung (Holistic Energy). Zu bestimmten Terminen bietet das Mountain Spring Spa die K.O.R.E. Therapie an mit westlichen und östlichen Analyse- und Behandlungsformen. Sie dient dem Erkennen gesundheitlicher Defizite und zeigt Mittel und Wege auf, zu besserer Gesundheit zu kommen. Beratung und Durchführung: Dr. John Brazier aus UK, alternativer Therapeut und Health Coach im Hubertus. Solch ein Paket kostet bei drei Übernachtungen ab 1.210 pro Person – Details siehe Website des Hubertus.

Strände mit Sand weiss wie Zucker Foto Ulrike Wirtz 4457

Südflorida: St. Pete-Clearwater-Region boostert die Sinne

Zwischen Tampa Bay und Golf von Mexiko liegt die Halbinsel Pinellas und beschert Augen- und Gaumenfreunden und mehr. Das gilt in den Hauptorten St. Pete und Clearwater mit ihrer Kultur und Kulinarik, das gilt rundum nicht nur wegen kilometerlanger Sandstrände. Über einige herrlich-sinnliche Tage im Südwesten Floridas.

Beach-Freuden in und um St. Pete und Clearwater beim Surfen, Walken etc. Foto Ulrike Wirtz
Nicht nur solche Fun-Faktoren warten in und um die Beaches von St. Pete und Clearwater auf der Pinellas-Halbinsel Foto Ulrike Wirtz

Das E-Bike trägt einen bequem über den gut markierten Fahrradweg auf der Pinellas-Peninsula, die sich zwischen Tampa Bay und Golf von Mexiko von Norden nach Süden erstreckt. Der Weg heißt Fred Marquis Pinellas Trail, verläuft wie die Peninsula von oben nach unten und retour – von Gulfport im Süden gen Norden über die Stadt St. Pete, wie Locals Saint Petersburg abkürzen, an Clearwater vorbei bis Tarpon Springs im Norden der Halbinsel Pinellas, ein Hafenort und berühmt wegen seiner traditionellen Schwammfischerei. Fast egal, dass die tropische Sonne schon am frühen Vormittag brennt, bekanntlich helfen Mütze oder Hut, Sonnenschutz und Fahrtwind.

Pinellas-Bike-Trail -75 Kilometer Radelspaß Foto Ulrike Wirtz
Der Pinellas Trail verheißt 75 Kilometer Radelspaß parallel zu Golf-Küste und Tampa Bay Foto Ulrike Wirtz

Ganz egal, dass Fahrräder in diesen US-Gefilden kein traditionell-populäres Fortbewegungsmittel sind, sportliches Rennradfahren dagegen schon eher. Zumindest können Frühaufsteher beobachten, wie außer Joggern auch Renn-Radler wegen der Hitze und vor dem Job frühmorgens in den Sattel steigen.

Biken mit Duftimpressionen und Vogelgezwitscher auf Pinellas

Während das E-Bike wie von allein läuft, nimmt die Nase angenehm den Duft von Yasmin wahr, erfreut die Augen einige lockere Pedaltritte weiter Farbenpracht in Lila-Rot von Bougainvillea, mit denen sich Gärten am Weg schmücken. Aus Büschen und Bäumen ist Vogelgezwitscher als musikalische Begleitung zu vernehmen, während die Bäume auch schönen Schatten spenden. Was für ein Fest der Sinne unter Tropen-Himmel und vom Auto so nicht wahrnehmbar.

Florida Beach Towns
Florida Beach Towns

Diese Sinnesfreuden der Natur ergänzen wunderbar die von Menschenhand gemachten kulturellen und kulinarischen Freuden in St. Pete und Clearwater und drumherum. St. Pete ist mit rund 260.000 Einwohnern die größere Stadt, Clearwater mit 120.000 knapp halb so groß. St. Pete ist Hafenstadt und Wirtschaftszentrum mit Hochhäusern, ist Kulturzenturm mit Theatern und Museen wie dem berühmten Dali-Museum und mit Bedeutung über die Region hinaus. St. Pete hat aber auch das modern-urbane Center Arts District, in dem Lokale mit flippigem Flair warten. Das kleinere Clearwater definiert sich als Verwaltungssitz des Pinellas County eher durch Behörden in gesichtslosen High-Risern, aber auch in ansehnlichen historischen Gemäuern.

Zum städtischen Flow kommen direkt an der Golf-Küste St. Pete Beach und Clearwater Beach und versorgen die ganze Pinellas-Halbinsel mit dem Vibe von Strandleben, Bootsbetrieb und Wassersportfreuden. Allein die maritime Lage im Westen Süd-Floridas zwischen Golf im Westen und Tampa Bay an der Ost-Seite von Pinellas. Dann die traumhaften 35 Meilen, sprich gut 55 Kilometer weißer Sandstrände und weiterer schöner Küsten-Meilen am Tampa Bay vorbei. Dazu Marinas, in denen Freizeityachten liegen, dazu die schönen Aussichten auf Bötchen und Boote auf Golf und Bay, nicht zuletzt parkähnliche Waterfront-Meilen, die zum Flanieren einladen, und Hotels und Ferienwohnungen mit Beach-Lage. Das alles bei über 360 Tagen Sonnenschein im Jahr.

Der Pinellas-Bike-Trail und seine Spielregeln Foto Ulrike Wirtz
Auf dem Pinellas Trail ist Rücksichtnahme Pflicht und Einkehr in …
Kafe Racer Bike-Verleih in Dunedin mit Café Foto Ulrike Wirtz 4336
… Lokale Vergnügen wie hier das Café Kafe Racer Fotos Ulrike Wirtz

Und dann der Fred Marquis Pinellas Trail, auf dem sich die Gegend vergnüglich radeln erobern lässt. Zum Beispiel mit Start der E-Bike-Tour am Radverleih Kafe Racer im Städtchen Dunedin, gelegen an der Golf-Seite nördlich von St. Pete und Clearwater. Der Verleih liegt direkt am Radweg. Auf den Trail ist man vor Ort stolz, wie der Verleiher zur Einführung betont: Der Radweg liege auf einer einstigen Eisenbahntrasse, sei in Etappen angelegt worden und inzwischen fertig. „Er ist von Gulfport im Süden bis Tarpon Springs an der nördlichen Ecke der Pinellas-Peninsula rund 47 Meilen lang. Das macht gut 75 Kilometer. Der Trail ist gut beschildert und breit genug für Biker, Skater und Walker. Das seht Ihr dann.“ Stimmt alles, zeigt sich später unterwegs, auch dass ihn kleine schattige Parks und Wasserläufe, Cafés, Lokale und Reparaturstationen begleiten. Doch weiter.  

Kunstwerk der Natur – türkis-blaues Meer vor weißem Sand

Bis zu unserem Ziel sind es noch einige Kilometer: Nämlich Honeymoon Island, im Golf küstennah gelegen und zugänglich auch per Auto, Zweirad und zu Fuß über den Causeway Boulevard und seine Brücke. Erst geht es dafür über den Pinellas Trail gen Norden durchs Grüne, immer schön begleitet vom Vogelkonzert, vorbei an einer der besagten Reparatur-Stationen für Notfälle, vorbei an einem der unzähligen Golfplätze, dann links ab vom Trail, dem markierten Radweg folgend bis zur und über die Brücke nach Honeymoon Island. Das Besondere am Eiland: Es steht als Honeymoon Island State Park unter Naturschutz, hat unberührte Natur mit Sandstränden, Wasserläufen und ohne Bebauung und gewährt auch einen Rückblick auf ursprüngliches Südflorida.

Honeymoon Island ist ein State Park Foto Visit St. Pete-Clearwater
Honeymoon Island war abgelegenes Hide-away frisch Verheirateter und steht nun als State Park unter Naturschutz Foto Visit St. Pete-Clearwater

Passend dazu legt das Ziel beim Näherkommen ein wahres Farbschauspiel hin. Denn kaum nähert sich die Brücke am Causeway, fällt wogendes Meer in Türkis-Blau-Grün ins Auge. Da und dort zaubert die leichte Brise weißes Gekräusel auf die Oberfläche des Wassers. Dazu der Kontrast von Strand aus wirklich zucker-weißem Sand, so entstanden aus reinen Quarzmineralien im Laufe der Evolution der Erde. Bis zum Horizont reicht das türkis-blaue Meer, scheint aufzutrumpfen im Farbspiel auch mit weißen Booten auf dem Wasser, die stetig ihre Bahn ziehen. Was für eine Postkarten- bzw. Digital-Post-Idylle auf der Pinellas-Pensinsula und so perfekt, dass es eigentlich keinen optimierenden Foto-Shop-Eingriff braucht.

Zum Farbspiel der Natur gesellen sich entlang des Weges über die Insel die bunten Tupfer gelb, roter oder grüner Kajaks. Die stehen am Ufer beim Wassersport-Verleih Sail Honeymoon Inc. in Reih und Glied, warten auf Mieter bzw. Käufer und erinnern auf der Fahrt zurück vom Eiland an Farbtupfer wie auf einer Maler-Palette.

Honeymoon Island Kajaks in Reih und Glied Foto Ulrike Wirtz
Im Honeymoon Island State Park ist Kajak-Fahren erlaubt und Natur-Kunde angesagt Foto Ulrike Wirtz

Honeymoon Island in nüchternen Zahlen betrachtet: Die Insel heißt danach, dass vor Jahrzehnten noch einsame Hütten für frisch Verheiratete gratis ausgelobt wurden. Sie hat rund acht Kilometer Sandstrand rundum, ist durchzogen von kleinen Wasserläufen, kommt daher auf gerade mal 1,6 Quadratkilometer Landfläche und hat einen ausgewiesenen 2,5-Meilen-Wandertrail namens Osprey Trail. Die Zufahrt Causeway ist von 5 bis 23 Uhr geöffnet, State Park und Strände schließen mit Sonnenuntergang. Laut offizieller Zahlen hat der Honeymoon State Park jedes Jahr rund eine Mio. Besucher, obschon mini. Die Zahl relativiert sich, ist Beach-Life und Baden in St. Pete/Clearwater, Südflorida doch ganzjährig möglich bei tropisch-milden Temperaturen im Winter.

Chihulys Glaskunst ist Farbfeuerwerk und üppig-groß

Mit Sinnesfreuden anderer Art verbinden sich zwei spezielle Kultur-Highlights vor Ort und zwar zwei Museen zur Glaskunst in St. Pete. Zum einen das Morean Arts Center in Downtown mit der Chihuly Collection, zum anderen das Imagine Museum im szenig-belebten Center Arts District; beide in modern-schnörkellosen Gebäuden und nur gut einen Kilometer voneinander entfernt. Und beide gelten als wahre Tempel mundgeblasener Glaskunst. Ersterer widmet sich Dale Chihuly, dessen Glaskunst wie ein wahres Feuerwerk an Farben und Formsprache auf den Betrachter einwirkt. Dass seine Kunst oft mit Licht einhergeht – daher die vielen Lüster in Chihulys Collection – geht fast unter.

Chihulys Feuerwerk an Farben bei mund-geblasener Glaskunst Foto Ulrike Wirtz
Chihuly ist berühmt für buchstäblich große mundgeblasene Glaskunst Foto Ulrike Wirtz

Siehe sein Leuchter in allen möglichen Türkis-Smaragd-Schattierungen, verdreht, bizarr. Bei den Farben kommt einem direkt das Farbspiel des blau-grünen Meeres vor St. Pete/Clearwaters Haustür in den Sinn. Dann der bunte Glasleuchter mit Armen wie Röhren in derart knallendem Gelb, Rot, Grün, Tiefblau und ebenso wie wild verdreht. Erklärt Glas-Künstler Chihuly in einem Video im Morean Arts Center: Alles sehe aus wie zufällig, bedürfe aber hoher Präzision in Er- und Bearbeitung. Wie auch der knallrote Lüster, der an Korallen erinnert. Was für ein Rot, wie formstark. Beim Betrachten stellt sich ein Gefühl ein, dass die intensiven Farben und Formen die eigenen Wahrnehmungen mehr und mehr sensibilisieren.

Chihulys Leuchter Chandelier Azul de Medianoche Foto Ulrike Wirtz
Chihulys Leuchter Chandelier Azul de Medianoche…
Chihulys Leuchter Ruby Red Icicle Chandelier Foto Ulrike Wirtz
…und sein Ruby Red Icicle Chandelier Fotos Ulrike Wirtz

Glas-Künstler Dale Chihuly: US-Amerikaner mit slowenischen Wurzeln, geboren 1941, Student der Architektur und des Interior Design, Master-of Science-Abschluss im Kunstbereich Skulpturen, Lehrjahre in Venedig auf der Insel Murano, die berühmteste Adresse rund um den Globus für Glaskunst mundgeblasen. Die Gründe, dass Chihuly seine Collection als Dauerausstellung in St. Pete präsentieren lässt – seit 2010 bzw. 2016 in den aktuellen Räumen -, nennt der Künstler unter einem Foto von ihm, der seit einem Autounfall eine Augenklappe tragen muss: „…Leidenschaft und die Unterstützung von Kindern in der Kunsterziehung…“. Weiter erklärt das Video zum Meister: Das Abstrakt-Bizarre, Ungegenständliche ist seine Spezialität. Es betont kurz und knapp die eigentlich simple Basis seiner Kunst: Sand und Feuer. Genauer und komplexer gesagt geht es um extreme Hitze und Quarzsand in reiner Form. Da drängt sich der Gedanke an den aus Quarzsand geborenen weißen Sand auf der Pinellas-Halbinsel auf.

Kunst pusht den Werkstoff Glas bis ans Limit

Dass Chihully im Team arbeitet, selbst kein Glas mehr bläst, sondern sich aufs Design konzentriert, erzählt das Video auch. Und es zitiert ihn noch so: „Ich möchte Dinge in großen Dimensionen tun, weil es aufregend ist – eine technische Herausforderung.“ So messen Chihulys Kunstwerke gut und gerne vier mal vier Meter und viel mehr und lassen sich nur von mehreren bewerkstelligen. Auch deshalb ist der Maestro Team-Arbeiter. Und weil seine Arbeiten oft regelrecht opulent sind und er berühmt ist, finden sich Skulpturen von Chihuly als Eyecatcher in Foyers von Unternehmen und teuren Hotels oder etwa im berühmten Frederic Meijer Gardens & Sculpture Park in Grand Rapis/Michigan State (aktuell mit einer großen Ausstellung bis 1. November) oder im Corning Museum of Glas in Corning/New York State, Traditionsstandort von Glasindustrie, Glaswissenschaft, auch rund um Glasfaser.

Im Imagine Werkstoffkunde, Handwerk und gut 2.500 Werke

Was es physikalisch, chemisch und traditionell seit Jahrtausenden mit Glas, mit seinem Handwerk und als Kunstform auf sich hat, bringt das Imagine Museum gut rüber. Initiiert 2018 von Glaskünstlerin und Sammlerin Trish Duggan und anfangs bestückt mit ihrer Privatsammlung, verfügt das Museum aktuell über knapp 3.000 zeitgenössische Kunstwerke aus aller Herren Länder, ob Italien, Schweden, Niederlande, ob Deutschland, Japan, Kanada, USA. Das Repertoire reicht von feinen Gebrauchsgegenständen der Historie bis zu Skulpturen der Neuzeit. Darüber hinaus versteht es das Imagine, in Bildern, Worten und Video zu erklären, wie aus dem Mineral Quarzsand Glas entsteht, welches Know-how sich in Wissenschaft, Handwerk und Kunst bis heute entwickelt hat, mit welcher Tradition und welchen Meilensteinen.

Papierbeschwerer - gläsernes Meisterwerk in Mini von Paul Stankard Foto Ulrike Wirtz
Wie kommen bloß die Blüten ins Glas des Papierbeschwerers? Eine Meisterarbeit in Mini von Paul J. Stankard Foto Ulrike Wirtz

In der Ausstellung lassen sich zum Beispiel dekorative Papierbeschwerer aus Glas bewundern, die viel mehr sind als das, weil innen mit Blumendekor geschmückt, detailreich, filigran und von Miniformat. Das alles gefertigt von Paul J. Stankard: geboren 1943 nahe Boston, ausgebildeter Mund-Glasbläser, seit 1969 auf solch artifizielle Papierbeschwerer spezialisiert und ausgestellt von Chicago über New York City bis London und Paris. „Und jeder Betrachter fragt sich bzw. mich, wie die Mini-Intarsien ins Glas kommen“, weiß Museums-Guide Katie zu berichten. „Das sind komplexe Techniken und viel Know-how.“

Imagine Karen-LaMonte-Statur Reclining Nocturne - Kunst aus beschichtetem Glas Foto Ulrike Wirtz
Karen LaMontes Kunst aus beschichtetem Glas – zauberhaft ihre Statur Reclining Nocturne…
Karen LaMontes Statur Etude 11 Foto Ulrike Wirtz
…ebenso aus beschichtetem Glas und zauberhaft – Karen LaMontes Statur Etude 11 Fotos Ulrike Wirtz

Siehe auch die liegende Skulptur eines Frauenkörpers in einem gekonnt drapierten Kleid, gefertigt von Karen LaMonte: geboren 1967 in New York, studierte Künstlerin und gezeigt von Prag über Canberra/Australien bis Kyoto/Japan. Ihre Frauenkörper-Skulptur besteht aus beschichtetem Glas, das die feine Robe als edles Silber erscheinen lässt. Oder die in der Farbenpracht an Chihuly erinnernde Skulptur, genannt Crystal Veil und geschaffen vom US-Glaskünstler Martin Blank: geboren 1962 in USA, einst in Chihulys Team mit tätig, bevor er sich um 1990 allein als Künstler etablierte. Beide – Chihuly, der ältere, sowie Blank, der jüngere – pushen bei ihren Arbeiten die physikalischen Limits der Kunst mit Glas, tun dies in den Dimensionen von Meter und Tonnen. Das bei all der Zerbrechlichkeit des Materials. Das alles zu sehe in St-Pete.

1000 Grad Celsius im Ofen und ein Gefühl von Höllenschlund

Zum Erlebnis von Glas als Kunstform gehört das Angebot, vor Ort selbst mal Hand mit anzulegen und zwar im Morean Glass Studio gleich um die Ecke des Morean Arts Center. Und spricht ganz andere Sinne an. Im Studio köcheln Profiöfen vor sich hin, die spielend über 1000 Grad Celsius heiß werden können, und zwei Profis demonstrieren, wie das Mundblasen geht. Denen schaut heuer eine Schar von rund 20 Interessierten zu. Einige wenige Zuschauer mit entsprechendem Ticket legen sogar Hand mit an, um später das entstandene Teil, dessen Form sie sich wünschen können, mit nach Hause zu nehmen, ob Vase, Leuchter oder Herz. So gesagt, so getan. Schnell ist beim Mitwerkeln die Wahrnehmung der ganz anderen Sinne geschärft

Glasofen bei der Arbeit - wie ein Höllenschlund Foto Ulrike Wirtz
Glasöfen im Morean Glass Studio machen und halten den Rohstoff flüssig und wirken wie der Schlund der Hölle Foto Ulrike Wirtz

Denn heiß, sehr heiß wird es einem, wenn näher dran am Geschehen, wie ganz schnell und deutlich fühlbar durch das T-Shirt auf der Haut darunter. Die Hitze wird auch sichtbar für den, der mal in den rotglühenden Schlund des Ofens hineinsieht. Wow, fast teuflisch. „Vorsicht“, warnt der ältere der Profis, „geht nicht zu nah ran“. Und nicht lange reinsehen. Die Hitze in den mit Gas befeuerten Öfen braucht es, um aus dem sandigen Grundstoff glitschig aussehende Masse zu machen, die in Gefässen im Ofen darauf wartet, dass sie an speziellen Metallstangen hängend dem Ofen entnommen wird. Die Masse wird später nach dem Mundblasen erstarren zu dem, was Glas heißt.

Glasbläser im Moreno Studio in St. Pete bei der heißen und kunstvollen Arbeit Foto Ulrike Wirtz
Glasbläser im Morean Glass Studio bei der heißen und kunstvollen Arbeit Foto Ulrike Wirtz

Der ganz handwerklich-kunstvolle Prozess muss schnell gehen: Die Profis sind flink, führen die Metallstange in den Ofen, ziehen sie mit der flüssigen Masse an der Spitze wieder heraus, blasen mit dem Mund durch die Stange die Masse auf und bearbeiten sie mit Spezialwerkzeugen wie Scheren und Zangen und wieder Hitze – so lange, bis die gewünschte Form entsteht. Beim Blasen wird gedreht, geschliffen, beschnitten  – alles unter Zuhilfenahme metallener Werkzeuge. Bis am Ende Vasen, Trinkgläser oder ein Herz zum Abkühlen in eine Art Kühlschrank kommen. Die Fachleute erklären, was sie tun, und lassen ihre Eleven auf Zeit auch Hand anlegen. Auch dann die Warnung: „Die Stangen nur an dem Ende in den Griffmulden anfassen.“ Oder: „Vorsicht am Ofen.“ Oder: „Das Glas nie anfassen, bevor es speziell abgekühlt wird.“ So formt der eine Gast sein rotes, der andere sein weißes Herz.  

Lukullisches auf der Pinellas-Peninsula für alle Geschmäcker

Wer sich einer weiteren physologischen Wahrnehmung, dem Schmecken, widmen möchte, tut das zielführend mit dem offiziellen Guide „Gulf to Bay“. Den verlegt die Rss sie egion St. Pete Clearwater Fl. und benötigt für die vielen Angebote quer über die Pinellas-Halbinsel die Seiten 68 bis 90. Die Wahl wird also zur Qual. Was die gemeinsame Präsentation auch widerspiegelt: Dass die Gemeinden auf Pinellas, die vor langer Zeit unabhängig gegründet und später Städte wurden (incorporated) – St. Pete 1892, Clearwater 1915, Dunedin 1845, Tarpon Springs 1887, Safety Harbor 1917 – zwar noch offiziell separate Cities sind. Dass sie aber so wirken, als handle es sich um eine einzigen Beach-Town-Metropole mit ihren Stadtvierteln. Zumal auf der Halbinsel Pinellas alles smooth ineinander übergeht.

Probieren in der Cueni Brewing Company in Dunedin - Co-Owner Brenda mit  Flights Foto Ulrike Wirtz
Die Cueni Brewing Company ist nur eine von 45 Mikro-Brauereien in St. Pete/Clearwater – hier Co-Owner Bren -…
Cueni braut in Dunedin ein Potpourri an Hellen und Dunklen Foto Ulrike Wirtz
…und braut in Dunedin süffige Helle und Dunkle von hopfig bis spicy Fotos Ulrike Wirtz

Was der Guide lukullisch aufzeigt: Seafood, Latin-Caribbean, Italian und mehr Mediterranean, French, Asian, New American Casual und American Upscale – von günstig bis teuer. Restaurants verteilen sich von Hotels wie dem Don Cesar im legendären pink-roten Gebäude direkt am Golf oder der Luxus-Herberge Vinoy in Downtown St. Pete über Lokale mit Terrassen an der Waterfront von Clearwater oder mitten im Grünen in Dunedin. Nach genossenen Gaumenfreuden ist, ganz subjektiv-exemplarisch, der Grieche Mykonos einfach lecker, der Peruaner Lupo angenehm-besonders und der japanische Fortu zurecht top empfohlen vom Michelin-Guide Florida.

Was griechische Küche mit Schwammtaucher-Erbe verbindet

Zum Mykonos: Es ist für US-Verhältnisse sehr günstig, liegt in Tarpon Springs und ist im Auto von St. Pete nach 50 Kilometer erreicht. Das Lokal besteht seit 1991 in der Stadt, die als größte traditionelle griechische Kolonie der USA gilt und deren Straßen daher etwa Dodecanes Boulevard heißen. Hier befindet sich auch das Mykonos und hat sein schlichtes Interieur durchdekoriert im Weiß-Blau der Landesfarben Griechenlands. Genüssliches aus eigener Produktion kommt frisch auf die Tische: Tsatziki, Feta-Käse in Kugelform und Pitabrot, Octopus auf Bohnen, und Oliven, original aus Griechenland importiert. Und dann der flambierte Käse Saganaki. Hmm, lecker. Acht bis 20 Dollar kosten die Gerichte.

Der Grieche Mykonos in Tarpon Springs - landestypisch in Blau-weiß Foto Ulrike Wirtz
Der Grieche Mykonos in Tarpon Springs – landestypisch in blau-weiß und seit 1991 in Familienhand…
Das Mykonos und seine leckeren Vorspeisen Foto Ulrike Wirtz
…. hier typisch griechische Vorspeisen wie Feta, Tzatziki, Pita, Oliven – alles frisch und preiswert Fotos Ulrike Wirtz

Was sich in Tarpon Springs noch lohnt, sind Einblicke in die alt eingesessene Industrie vor Ort: die Schwammfischerei und ihre typischen haptischen Reize. Denn der 1887 gegründete Ort ist nicht nur die älteste Stadt auf Pinellas, sondern quasi seither das Zentrum der traditionellen Schwammfischerei. Eine Expertise, die von den griechischen Immigranten mitgebracht wurde. Sie bauten vor 1900 lange Docks am Dodecanes Boulevard entlang, an denen die Schwammtaucher ihre Boote vertäuten. Das tun sie nach wie vor. Aber auch Besucher flanieren an den Docks vorbei, weil sich hier heutzutage vieles mehr abspielt: in Form von Lokalen, Boutiquen, Kramläden und immer wieder Geschäften, wo Schwämme aller Größe und Qualität zu kaufen sind – für die Hautpflege beim Baden und Duschen und auch für den Gebrauch in der Küche. So auch im Laden, wo Anestis Karistinos, genannt Nesty, steht und Schwämme aus eigenem Fang verkauft. Auch sein Boot liegt am Dock. Sein Credo im Verkaufsgespräch: „Schwämme fühlen sich nicht nur gut an, sondern haben antibakterielle Wirkung. Und hier, fasst die mal an – die haben diese wollige Haptik und sind Topqualität.“ Stimmt.

Tarpon Sprins und seine Tradition des Schwammtauchens Foto Ulrike Wirtz
Tarpon Springs‘ griechische Siedler begründeten mit ihrer Expertise zum Schwammtauchen die Tradition vor Ort…
Früchte des Meeres im Geschäft von Schwammtaucher Nesty Foto Ulrike Wirtz
…hier die Meeresfrüchte im Verkauf, nach denen Schwammtaucher Nesty im Golf taucht Fotos Ulrike Wirtz

Der Mann Anfang 50 macht seit langem auch selbst den Job als Schwammtaucher. „Wir sind ein altes Familienbusiness. Der erste, der das von unserer Familie hier machte, war mein Urgroßvater. Der kam 1912 aus dem berühmten Schwammrevier Kalymnos in Griechenland hierher“, so Nesty und legt weitere kleine Schwämme auf die Ladentheke. Die liegen eher borstig in der Hand. „Die sind gut zum Spülen.“ Und: „Wisst Ihr, dass Schwämme an sich nur noch die Skelette sind? Schwämme wachsen hier im Golf als tropischem Gewässer auf Kalkgestein rund 50 Feet, rund 15 Meter, unter dem Wasserspiegel und erhalten so genug Sonnenlicht zum Wachsen. Wir prüfen unter Wasser Alter und Qualität und richten danach unsere Ernte aus. Wir gehen nur bei Sonne und Windstille raus. Sonst sehen wir unter Wasser nichts. Wir tauchen mit Schnorchel und Brille.“ Und sagt noch: Das Geschäft sei sehr kompetitiv – nach dem Motto „first come first serve. Es gibt keine festen Reviere“ (Nesty). 

Peruanisch-internationale Koch-Künste im Pulpo

Zurück zu den Geschmacksknospen und nun zum Pulpo Kitchen & Lounge in St. Pete, das einige Blocks vom Imagine Museum entfernt ist. Das Restaurant kredenzt peruanisch-lateinamerikanische Leckerbissen zu mittleren Preisen. Zum Lunch lädt einen am sonnig-heißen Oktober-Tag die Terrasse ein, während die Location abends auch dazu verführt, an der schicken Bar zu Life Music zu versacken. Die Lunch-Karte bietet appetitmachende Vorspeisen, genannt small plates und ideal für einen reizvollen Mix. Ein subjektives Muss: das peruanische Nationalgericht Cevice, dieser in Limettensaft eingelegte rohe Fisch aus dem Meer, der durch die Säure einen Garprozess durchläuft; gewürzt mit Minze, Koriander, Granatapfelkernen und Limonen-Salsa, frisch und lecker.

Das Pulpo kocht peruanisch - hier das landestypische Ceviche Foto Ulrike Wirtz
Das Pulpo kocht peruanisch – hier das Ceviche, edel süßsauer abgerundet mit Granatapfelkernen…
Das Pulpo und seine á la Minute  zart-rosa gebratenen  Lammkotelett Foto Ulrike Wirtz
..und seine Lammkotelett sind wie gewüncht á la Minute zart-rosa gebraten Fotos Ulrike Wirtz

Oder die in Sherry eingelegten Schweinebauch-Happen mit Kräuterbouquet. Oder mit Oktopus-Tinte verfeinerter Reis, gefüllt mit Octopusfleisch, Wurst (Chorizo), Sherry-Sahne und roter Pfeffer-Würze. Die Beilagen sind typisch peruanisch: pikante Kartoffel-Stückchen, frittierte Yucca-Wurzeln oder Bohnen bzw. Reis mit Gemüse geschmort. Preise von 20 und 30 Dollar pro Small Plate, pro Large Plate 34 bis 48 Dollar für die Paella. 

Michelin-gepriesener Japaner Fortu

Hochklassig und hochpreisig ist das Fortu in St. Pete und vom berühmten französischen Guide Michelin in seiner Florida-Ausgabe als Toperfahrung empfohlen. Das Fortu empfängt seine Gäste im elegant-gemütlichen Interieur auch mit durchaus dunklen Ecken für romantische Dates, und verführt selbst mit einer opulenten Auswahl an Cocktails und Mocktails, an Whiskey, Gin und Sake – letztere made in Japan. Seine Wine-List überzeugt mit internationalen und kalifornischen guten Tropf. Und das Essen? Als Starters munden delikate Wonton Tacos von Thunfisch und Apfel oder würzig-scharfes Wagyu-Rind. Erfreuen Hühnchen mit Zitronen-Ginger-Jus spritzig-frisch den Gaumen und erinnert unter anderem Sommertrüffel mit Crème fraiche in Blätterteig an feine Cuisine à la Francaise. Alles minimalistisch-kreativ präsentiert und daher auch ein optischer Genuss.

Das Fortu kredenzt leichten Kabejau auf Choy mit lecker-leichtem Gemüse- Jus Foto Ulrike Wirtz
Das Fortu kredenzt Kabejau auf aromatischem Choy-Kohl mit Gemüse-Jus und ist ein Dauerbrenner auf der Karte…
Das Fortu und ein kunstvoller Perlen- Nachtisch Foto Ulrike Wirtz
… die wechselt je nach Saison auch bei den Desserts – hier der nussige Nachtisch mit Johannisbeer-Note Fotos Ulrike Wirtz

Als Main Course – Signature genannt – zergeht der Kabeljau auf der Zunge. Zart sieht auch das Wagyu Ribeye aus. Oder das etwas deftigere Prime Filet mit Sommertrüffel und pinkem Pfeffer-Jus. Als Beilagen gefallen in Form und Farbe und auf der Zunge roter Reis, glasierte Karotten oder mit Miso Honig verfeinerte Süßkartoffeln mit Parmesan-Häubchen. Preise ab 13 Dollar für eine Hummer-Teigrolle, 23 Dollar für Pilz-Dumpling, der gegrillte Kabeljau 40 Dollar, ein fermentiertes Wagyu Filet 70 Dollar. Die Cocktails kosten ab 18, Sake per Shot ab 14 Dollar.

Aufgabe für die Nase – Schnüffeln erwünscht

Ein wahrer Booster für den Geruchssinn gefällig? Den beschert in Dunedin keinen Kilometer entfernt vom Bike-Verleih die Candle Bar and Boutique Sea Love. Hier können nämlich Kunden ihre eigenen Duftkerzen kreieren, gemixt nach eigenem Gusto aus 170 professionellen Ingredienzien, diese aufbewahrt in professionellen, ordentlich aufgereihten Glasfläschen in Regalreihen. Dass dennoch keine Laboratmosphäre aufkommt, liegt an den pudrigen Farben, in denen der Store aufgemacht ist. Der hat in der Tat eine Bar, jedoch um an die Feinarbeit zu gehen – nach Auswahl der Zutaten. „Was darf es sein? Ein blumiger oder ein herber Duft?“, fragen der Geschäftsinhaber Erik Feus und sein Assistent Collin Steinbeck, im Hauptjob noch High-School-Schüler, nach der Begrüßung und gehen beide an den Regalen mit Rat und Tat zur Hand.

Was die Geruchsindustrie so alles einfängt: nach Gewürzen duftende Essenzen wie Grapefruit, Rosmarin, Tabak oder Vanille, nach Gourmand Riechendes wie dunkle Schokolade, Kaffee oder geschlagene Sahne; süße Noten wie Erdbeere, frische wie Eukalyptus, moosige wie Myrrhe, holzige wie Zypresse, fein-herbe wie Amber. Es folgt ein Hin und Her, Nase hierher, Nase dahin an den jeweiligen Korkdeckeln der Essenzen schnüffelnd, bis sich eine Auswahl ergibt. „Düfte sind immer eine Kombination von Essenzen“, so Erik. Nun aber wieviel vom Erwählten? „Das ist die Kunst. Bitte riecht immer mal wieder an den Kaffeebohnen.“

Sea-Love-Chef Erik schnüffelt mit, um Kunden zum gewünschten Duft zu verhelfen Foto Ulrike Wirtz
Sea-Love-Chef Erik schnüffelt mit, damit Kunden ihren Duft hinkriegen – das ist hilfreich bei 170 angbeotenen Ingredienzen…
Selbst gefertige Sea-Love-Kerze im schicken Gefäss - Foto Ulrike Wirtz
…perfekt, wenn dann die selbst kreierte Kerze im schicken Gefäss ganz den eigenen Gusto trifft Fotos Ulrike Wirtz

Die stehen in Gläsern bereit, weil sie helfen, den Geruchssinn zu entlasten. „Die Nase kann danach wieder besser unterscheiden“ (Erik). Der erzählt auf Nachfrage von sich. Er sei Selfmade-Man und war früher für ein Unternehmen tätig, das optische Linsen für Leuchttürme herstellt. Bis er irgendwann die Idee aufgriff,  die andere schon hatten: „Kunden in einer Art Boutique ihre eigene Duftkerze herstellen zu lassen.“ Was für ein Erfolg, wenn am Ende der eigene Geruchssinn dafür gesorgt hat, dass die Kerze so schön duftet wie gewollt, und im schicken Gefäß die Heimfahrt mit antritt, gut verpackt fürs Biken und den Flug nach Hause.

Wichtige Websites, Social Media Accounts und mehr

Website der Region www.visitstpeteclearwater.com; visitspc.com Social-Media: Instagram: @VisitSPC; Facebook: Visit St. Pete-Clearwater; X VistiSPC; Youtube: Visit St. Pete-Clearwater; Linkedin Visit St. Pete-Clearwater

Flug ab Deutschland Die Pinellas-Halbinsel ist an ganz USA angeschlossen über St. Pete-Clearwater International Airport (PIE) und an die Welt über Tampa International (TPA). Nach Tampa fliegt etwa die Lufthansa ab Frankfurt über Zürich, von dort mit Edelweiss nach Tampa www.lufthansa.com

Unterkunft Das alteingessene Boutiquehotel The Birchwood Inn (Foto unten links) liegt mitten in St. Pete am Bay, zentral in Downtown. Seine 18 Gästezimmer sind antik eingerichtet. Das Restaurant Birch & Vine mit wandgroßen Wein-Kühlregalen ist ansprechend. Seine Rooftop-Bar hat Blick auf das Bay. Facebook The Birchwood; Instagram @thebirchwood.

Direkt am zuckerweißen Strand liegt in Clearwater Beach das Hyatt Regency Clearwater Beach Resort & Spa (Foto unten rechts). Ein gutes typisches Beach-Hotel mit vielen Gästezimmern und Suiten und praktischer Küchenzeile mit allem Pippapo. Inhouse essen und trinken gibt es im Shore American Seafood Grill und in der Rooftop-Cantina. www. hyatt.com.

Birchwood Inn mit alt-edlem Charme bis ins Bad Foto Ulrike Wirtz
Ein kleines Stadt-Hotel: The Birchwood Inn in St. Pete mit alt-edlem Charme in Gästezimmern und Bädern…
Hyatt Regency in Clearwater Beach direkt am Strand Foto Ulrike Wirtz
…dagegen in Bestlage am Beach mit Pool und mehr: das Hyatt Regency Resort & Spa in Clearwater Beach Fotos Ulrike Wirtz

Websites & Social Media zu den genannten Aktivitäten Bikeverleih in Dunedin www.kaferacer.com. Honeymoon Island State Park www.floridastateparks.org. Chihuly Collection im Morean Arts Center/St. Pete, https://moereanartscenter.org. Inagine Glasmuseum/St. Pete www.imaginemuseum.com. Morean Glass Studio auf Instagram @moreanglass. Sealove-Duftkerzen in Dunedin www.sealove.com

Tipps Essen & Trinken Der Grieche Mykonos www.mykonos.shop. Der Peruaner Pulpo Kitchen & Lounge Instgram @pulpokitchenstpete. Der Japaner Fortu https://forturestaurants.com. Guide Michelin Florida www.guide.michelin.com. Cueni Brewing Company https://cuenibrewing.com

Lake Michigan Beach

Lake Michigan – 3 Beach-Towns auf einen Streich

Der See im US-Staat Michigan ist groß wie ein Meer, und an seinem südöstlichen Ufer liegen drei Badeorte für erholsam-faule Tage gleich nebeneinander: Grand Haven, Saugatuck, South Haven. Lake Michigan gehört zum Riesenrevier der Great Lakes im Nordosten, und die drei Badeorte sind seit langem Naherholungsregion für Detroit und Chicago. Doch auch Fernreisende können hier schön entschleunigen.

„Wie schön, zwischendurch mal die Hände in den Schoss zu legen“, sagt Alex Overhiser, 28, der Jungbauer der Overhiser Orchards. Die Obst-Plantage gehört zu South Haven, Badeort am Lake Michigan in Michigan State. Die Familie Overhiser hat den Betrieb 1863 gegründet und baut Blaubeeren und Pfirsiche, Äpfel und Kirschen an. Junior Alex hat eigens fürs Foto Platz genommen, ist aber schon wieder auf dem Sprung: „Mit mir ist die 6. Generation unserer Familie am Ruder. Mein Vater Allan ist Seniorchef und 5. Generation. Unsere Vorfahren kamen aus Deutschland.“

Jung-Farmer Alex Overhiser Orchards Foto Ulrike Wirtz 0442.jpg
Obstplantagen zum Selbstpflücken prägen das Bild am südöstlichen Lake Michigan mit, so Juniorchef Alex von den Overhiser Orchards Foto Ulrike Wirtz

Inzwischen bewirtschaftet der Familienbetrieb 300 Acres eigenes Land plus geleaste Flächen, so Alex, studierter Kaufmann. Ein Teil sei Bio-Farm – „hier können die Leute Obst selbst pflücken“. Ein paar Meilen weiter sei der andere Standort – „dort bauen wir große Mengen für die Obstindustrie an“. 300 Acres gleich gut 120 Hektar im Besitz – gleich „tagtäglich viel Arbeit“, so der Juniorch.Das gilt jedoch nicht für die Leute, die bei den Overhiser Orchards und weiteren Bauern in der Gegend for fun pflücken oder nur kurz anhalten, um Landluft zu schnuppern – auf dem Weg zum eigentlichen schönen Ziel.

Auszeit am See der Superlative mit hohem Erholungsfaktor

Denn viele sind auf dem Weg zum Lake Michigan, speziell zu seinem Südost-Ufer mit diesem ländlichen Hinterland und gleich drei Traditions-Badeorten in kurzer Distanz zueinander. Die Reisenden kommen per Auto oft aus den nahen Mega-Cities Chicago und Detroit – meist für Kurzurlaube. Genauso kommen Fernreisende, die über die internationalen Flughäfen beider Großstädte einfliegen, fahren dann ab Chicago, gelegen südwestlich im Bundesstaat Illinois, bis zum nächst gelegenen Badeort South Haven 200 Auto-Kilometer bzw. von Detroit, gelegen im Osten von Michigan State, 300. Alex hört immer wieder: „Es ist es einfach schön, im Frühjahr blühende Obstbäume anzusehen, bzw. einladend im Sommer und Herbst zum Selbstpflücken anzuhalten. Oder die Leute genießen es einfach, das Obst an den Bäumen reifen zu sehen. Städter mögen das.“

Und haben dann die Wahl, welchen der drei Badeorte sie ansteuern. Das Trio reiht sich wie folgt am Seeufer von Süden nach Norden betrachtet auf: erst South Haven, danach Saugatuck, dann Grand Haven. Zu zweien ist es von den Overhiser Orchards nur einen Katzensprung: nach South Haven zehn Kilometer, 25 nach Saugatuck. Bis Grand Haven sind es zwar 80 Kilometer, aber meist schön erholsam durchs Grüne; erst die Interstate 196 North, dann links ab auf die US 31 namens Lake Shore Avenue mit ihrem See-Panorama. Diese Strecke ist für US-Verhältnisse auch nur ein Katzensprung und das sowieso gemessen an der Größe von Lake Michigan.

Abendstimmung wie am Meer - hier wie in Grand Haven Foto Ulrike Wirtz
Abendstimmung wie am Meer, hier in Grand Haven Foto Ulrike Wirtz

Und egal wo man ans See-Ufer tritt: Der Blick fällt auf Wasser bis zum fernen Horizont – und Schiffe; in der Ferne Transporter, die ihre Bahnen ziehen, näher und nahe an Land Fischerboote, Motor- und Segelyachten auf Cruise-Tour. oder Badende vor untergehnder Sonne. Ein See, der groß wirkt wie ein Meer und in der Tat riesig ist mit seiner Fläche von 58.000 Quadratkilometer. Damit ist Lake Michigan so groß wie die Fläche der Schweiz. Der Bodensee mit seinen 536 Quadratkilometer passt gut 100 Mal hinein. Als Teil der Greater Lakes, wie die Region der Großen Seen im Nordosten der USA an der Grenze zu Kanada heißt, macht  Lake Michigan dem Begriff „größer“ alle Ehre und hat obendrein als Anrainer außer Michigan State noch die drei US-Bundesstaaten Illinois, Indiana und Wisconsin

Die Region hat Alleen wie diese in South Haven.Foto Ulrike Wirtz
Alleen zum Cruisen und Genießen, hier eine in South Haven Foto Ulrike Wirtz

Weil die drei Badeorte sich eher ähneln, kann die Wahl durchaus zur Qual werden – nicht nur weil jeder Ort seinen eigenen Fluss hat, die für zusätzliche Idylle sorgen. Die Wasserläufe schlängeln sich jeweils vom Hinterland kommend durch die Orte, gefallen mit grün bewachsenen Ufern und münden im Ort in den See. In Grand Haven der Grand River, in South Haven der Black River. Durch Saugatuck fließt der Kalamazoo River, weitet sich im Zentrum sogar noch aus zum kleinen See Lake Kalamazoo und fließt erst jenseits des Orts in den Lake Michigan. Alle drei haben Sandstrände, teils kilometerlang, bieten zahlreiche Wassersportmöglichkeiten und weitläufige Dünenlandschaft und daran angrenzend die von Overhiser und anderen bestellten Felder und Wiesen. All das erklärt die Beliebtheit des Trios an der südöstlichen See-Seite. Dass es an einem See wie dem Lake Michigan überhaupt Sandstrände gibt, liegt an der einstigen Eiszeit im Gebiet der Greater Lakes, lieht an der Gletscherschmelze, riesigen Erdbewegungen im Anschluß und diese westlichen Winde, die den Sand anhäuften.

Dünenlandschaft bei Saugatuck Foto Ulrike Wirtz
Dünenlandschaft zum Wandern und Durchatmen bei Saugatuck Foto Ulrike Wirtz

Kleinster Ort des Trios ist Saugatuck mit 865 Einwohnern; größer sind South Haven (4.000) und Grand Haven (11.000); jeweils gezählt die ganzjährig vor Ort Lebenden. Erst durch ihre Urlaubsgäste werden sie zu Orten mit Betrieb, wobei die Downtowns trotz Läden, Lokalen und Boutiquen sich das Gemütliche bewahrt haben. In den drei Orten warten Hotels, Bed & Breakfast und Ferienwohnungen. Vor allem Saugatuck und South Haven gefallen durch alte Architektur schön restauriert und haben daher einen gewissen Retro-Schick. Grand Haven als größter Ort betont hingegen weniger sein Retro, sondern ein gewisses Town-Flair mit Theater und Krankenhaus – und ist doch auch gemütlicher Badeort.

Dass die Stimmung allerorten im Frühjahr und Herbst relaxt ist und im Winter noch mehr, bekomme ich erzählt, als im Juni vor Ort. Und auch, dass es in der Hauptsaison sogar echt hektisch werden kann, nämlich in den Sommerferien und zu den langen freien Wochenenden Memorial Day und Labour Day. Das gilt noch mehr, wenn zugleich ein Festival stattfindet, etwa das Blueberry Festival in South Haven (heuer 6. – 8. August), das Saugatuck Art Festival (25. und 26. Juli) oder das Coast Guard Fest in Grand Haven (24. Juli – 1. August), letzteres mit Tradition seit 1924.

Eine Qual der Wahl unter den Dreien – daher besser alle drei auf einen Streich

Was die Urlauber anlockt wie einst schon die Siedler, sind Klima und Lage hier am süd-östlichen See-Zipfel, beliebt auch wegen seiner Dünen, als sei man am Meer. Diese Faktoren brachten auch die Familie Overhiser hierher, wenn auch aus anderen Gründen. Juniorchef Alex schwärmt: „Klima und Lage sind phantastisch. Wir liegen mit unseren Flächen nur 15 Autominuten vom Ufer entfernt und bekommen viel Wetter vom See. Das heißt warme Sommer und kalte Winter regelmäßig mit Schnee. Im Frühjahr und Herbst ist es heiter mit genug Regen. Und wir haben gute Böden.“ Was es früher auch en masse in der Region gab, waren riesige Wälder, die kommerziell genutzt werden durften. Heute stehen sie unter Naturschutz. Damals aber arbeiteten immigrierte Europäer als Holzfäller, bauten Sägewerke, waren Fallensteller, Fischer und Pelzhändler und brachten ihre Produkte anfangs über die Wasserwege – See und Flüsse – zu ihren Abnehmern. Die Orte South Haven, Saugatuck und Grand Haven waren geboren,

Grand Haven Tri-Cities Historical Museum mit Nachbau einer alten Logger-Hütte Foto Ulrike Wirtz
Das Grand Haven Historical Museum erklärt detailreich und liebevoll die Historie der Region; hier die nachgebaute Schlafhütte eines Holzfäller-Camps Foto Ulrike Wirtz

Ab Anfang des 20. Jahrhunderts kamen immer mehr Touristen, parallel ging die kommerzielle Waldnutzung zu Ende. Auf dass Hoteliers, Gastronomen und ähnliche die althergebrachten Berufe ablösten. Außer den Bauern, so dass Äpfel, Kirschen und anderes Leckeres weiter im guten Seeklima wachsen und gedeihen. Was anfangs See und Dünen und ländliches Hinterland auf die touristische Landkarte brachte, war der aufkommende Trend zur Naherholung, so nachzulesen in South Haven am North Shore Drive auf einem Schild des Michigan Historical Center. Der Grund dieser schönen Entwicklung zur Naherholung war laut Schild die Neuerfindung des Autos. Und weil das damals den Wohlhabenden gehörte, entstanden in den drei Orten entsprechend gehobene Unterkünfte in Gebäuden, die teils noch heute gefallen. Doch dazu später.

Heute kommen Faulenzer, Wassersportler, Kunstfans, einst kamen Siedler aus Europa

Was Besucher heutzutage so alles tun: je nach Wetter und Jahreszeit im Sand am Strand liegen, so in South Haven an kilometerlanger North und South Shore, in Saugatuck am Oval Beach, der zwar kürzer ist, dafür preisgekrönt, oder im Grand Haven State Park, aufgeteilt in die Strandkategorien Familien, Hunde etc. Viele Gäste wassersporteln: je nach Lust, Laune und Können per Kajak und Standup Paddle Board auch auf einem der drei Flüsse, per Segelboot und Kite auf dem See groß wie ein Meer. Andere machen Strandspaziergänge oder wandern auf den Trails, die von den Badeorten landeinwärts gehen.

Villa im Retro-Schick nicht weit vom See in South Haven Foto Ulrike Wirtz
Auch heute schön zum Wohnen – Villa im Retro-Schick am See in South Haven Foto Ulrike Wirtz

Darunter der Kal Haven Trail, der besonders ist und überregional verläuft. Denn der Wanderweg führt ab South Haven 34 Meilen, 55 Kilometer, landeinwärts nach Westen zur Stadt Kalamazoo und das auf der Eisenbahntrasse von 1887, die 1971 aufgegeben und rückgebaut wurde. Die Bahnlinie transportierte neben Passagieren gerade auch die Früchte der Region und wurde daher auch Fruit Line genannt. Mit Stilllegung übernahm auf der Trasse wieder die Natur, auf dass Hiker und Biker, aber keine Motorbikes, sich genüsslich durch Wälder, Weiler und offenes Farmland fortbewegen.

South Haven mit besonders maritimem Flair

Wer länger vor Ort ist, stellt fest, dass das Badeort-Trio zwar viel Vergangenes und Heutiges gemeinsam hat. Doch stellen sich auch gewisse Highlights heraus. So wohnt es sich in South Haven am North Shore Drive vor dem Strand mit dem feinen hellgrauen Sand besonders schön: in schicken Ferienapartments im Landhausstil nicht höher als zwei, drei Etagen direkt am Beach. In den Straßen dahinter gefallen Villen mit Veranden und gepflegten Gärten. Das setzt sich ähnlich am südlichen Strand von South Haven fort. Kein Hochhaus weit und breit. Die langen Sandstrände unterteilt nur durch die Mündung des Black River.

Im Ort lässt sich vieles zu Fuß erreichen. Dabei geht es an schön erhaltener alter Architektur vorbei wie der 1906 erbauten Carnegie Library oder wie das älteste Haus im Ort, errichtet 1853 bis 1856 als Farmhaus der Familie Bailey und heute als Liberty Hyde Bailey Museum & Gardens liebevoll gepflegt, zur Besichtigung offen und eine wahre Zeitreise. In die Reihe des Retro-Schicks passt auch das Carriage House at the Harbor, 1886 als schmuckes Privathaus erbaut, seit 1920 Gästehaus, später und bis jetzt ein Bed & Breakfast. Hier wohnt es sich zentral und doch ruhig, während vor der Haustür ein Park mit alten Eichen wartet und unterhalb ein Steg mit Booten, die sanft im Wasser schaukeln.

The Carriage House at the Harbor B&B und erbaut 1886 Foto Ulrike Wirtz
The Carriage House at the Harbor,1886 schmuckes Wohnhaus, heuer komfortables B&B Foto Ulrike Wirtz

In South Haven ist das Maritime offensichtlich und doch eher unprätentiös, zum Beispiel der Yachthafen am Black River nicht weit von dem Punkt, wo der Fluss in den See mündet. Hier liegt Boot an Boot – Segel- und Motoryachten und vereinzelt Fischerboote. Genau am Punkt, wo sich Black River und Lake Michigan treffen, steht South Havens alter Leuchtturm, der noch immer sein helfendes Licht für die Schiffahrt sendet. Der Turm ist nur 35 Feet (elf Meter) hoch, fällt dennoch ins Auge, da gestrichen in kräftigem Rot. Er sei einer von vieren in Michigan, die erhalten sind, weiß Jim Ollgaard, Präsident der Historical Association South Haven, zu erzählen. „Unser Leuchtturm stammt von 1903, ersetzte seinen Vorgänger von 1872 und wanderte 1913 um 130 Meter an seinen heutigen Platz.“ Ollgaard schaut gerade am Leuchtturm nach dem Rechten und sagt auch mit Bedauern: „Besucher dürfen ihn nicht mehr besteigen.“

Historisches Boot ganz aus edlem Mahagony Foto Ulrike WIrtz
Bereit für Romantik-Tour wie anno dazumal – historisches Boot aus edlem Mahagony Foto Ulrike WIrtz

Mehr Maritimes bietet das Michigan Maritime Museum im Yachthafen und hat am Quai vor seiner Tür wahre Schätze liegen: klassische Boote teils echt, teils Replika, und gegen Ticket für zwei-stündige Touren mit Skipper buchbar. So das Original von 1929: ein schnittiges Holzboot aus edlem Mahagoni ohne Kajüte und sein heutiger Motor bis zu 35 MpH schnell. Es heißt Merry Time und verspricht romantisch-frohe Zeiten auf See und Fluss. „Mit solchen Booten wurden Gäste früher zu ihrem Feriendomizil geschippert oder machten Sunset-Cruises mit Picknick“, erzählt Kapitän Bob später an Bord des Segelschiffs, auf dem er seit acht Jahren zahlende Gäste for fun über den See fährt. Sein Schiff ist die Replika eines Lastenseglers namens Friends Good Will und auch zu buchen für Cruises von morgens bis abends mit Sonnenuntergang auf dem See.

Bob’s Tour an besagtem Juni-Tag ist fast ausgebucht. Drei Leute Crew hat er an Bord und stellt alle/alles kurz vor: „Ich bin aus Michigan und war früher bei der US-Coast-Guard. Die Crew bsteht aus einer Berufs-Bootsfrau plus Freiwillige. Keine Sorge, die sind gut angelernt, manche sowieso Hobbysegler.“ Die Friends Good Will sei 101 feet lang (knapp 35 Meter) und 2004 gebaut. „Mit solch einem Lastenschiff segelten um 1800 Quaker von Großbritannien in ihre nue Welt. Später transportierte es Produkte wie den im Landesinnern angebauten Tabak.“ Während Bob erzählt, macht die Crew alles klar zum Ablegen. Sie trägt wie der Captain traditionelle Kleidung, wie er sagt „aus jener Zeit im 19. Jahrhundert“. Die Crew animiert die Passagiere später, beim Segel setzen und Segel einholen zu helfen. Gesagt, getan, jeder macht mit.

Alter Lastensegler mit Captain Bob und Crew Foto Ulrike Wirtz
Passend zum alten Lastensegler tragen Captain Bob (vorn) und Crew historische Kleidung Foto Ulrike Wirtz

Gesagt, getan auch auf der Rückfahrt. Wieder manövriert Captain Bob das Schiff durch die auf Kommando sich öffnende Hydraulikbrücke. Wieder geht es am Lokal Captain Lou’ s vorbei, wo zum Sonnenuntergang am Vorabend die große Terrasse gut besucht war. Hier erwarten Gäste auch vor und nach dem Sundowner coole Getränke und Leckeres für den kleinen und großen Hunger, auch Fisch frisch aus See und Fluss wie Forellen und Lachse. Doch wenn der Himmel klar ist, wolkenlos, dann sind Sonnenuntergänge mit den Füßen im Sand am Strand noch größeres Kino am Lake Michigan in South Haven.

Saugatuck als Beachtown mit renommiertem Kunst-Zentrum und Dünen-Spektakel

Auch Saugatuck bietet sich an für Sonnenuntergänge und zwar an seinem Oval Beach, der schon in etlichen US-Rankings bester Beaches vorn mitspielte. Von Downtown Saugatuck bis zum Beach sind es sechs Kilometer per Auto oder Bike, gemessen vom Ufer des Lake Kalamazoo, wo die kleine, per Kettenzug betriebene Fähre für Fußgänger und Radfahrer ablegt. Sie trägt einen die kurze Strecke nach gegenüber, wo der Mount Baldhead bestiegen werden möchte, und retour.

Saugatuck Chain Ferry, genannt Diane Foto Ulrike Wirtz
Die Mini-Fähre fährt ganz retro durch Kettenzug über den Kalamazoo-See in Downtown Foto Ulrike Wirtz

Der Berg ist 246 Meter hoch, seine letzten knapp 100 Meter sportlich über 303 Stufen je Auf- und Abstieg erobert und belohnt mit Blick über Beach, Dünen und Lake Michigan, besonders schön eben auch, wenn die Sonne untergeht. Aber weder Sunset noch Berg noch Beach noch ein großer Dünenpark im Hinterland machen das Spezielle an Saugatuck aus.

Kustkurs im Sommer 2025 in Saugatuck - Studentin arbeitet an Stahlskulptur Foto Nolan Zunk
Kunstkurs im Sommer 2025 in Saugatuck – Studentin arbeitet an Stahlskulptur Foto Nolan Zunk

Vielmehr steht Saugatuck vor allem dafür, ein Ort der Kunst zu sein und das seit 1910. In dem Jahr rief die School of the Art Institute of Chicago hier ihre Summer School of Painting als Außenstelle offiziell ins Leben. Nachdem ab rund 1900 studierende Künstler vom Institut in Chicago auf eigene Faust in Saugatuck ihr Sommercamp organisiert hatten, weil sie hier einen ruhigen, im Sommer nicht so heißen Platz fanden, um sich auf ihre Werke zu konzentrieren und in schöner Natur Inspiration zu finden. Das sprach sich herum, ebenso eine gewisse Freizügigkeit in der Freizeit.

Daher tragen Gemälde in ihrem Titel das Wort Saugatuck

Das Kunst-Institut vor Ort heißt inzwischen Oxbow School of Art & Artists‘ Residency und ist weiterhin verbunden zum Art Institute in Chicago.Was einst ganz simpel anfing, ist heute ein Campus, auf dem Künstler auf Zeit leben und arbeiten können, auch im Winter. Das Angebot umfasst Malen, Zeichnen, Töpfern, Schreiben, Bildhauern etc. für Profis und Profis in spe. Aber inzwischen können auch Hobby-Künstler, selbst Anfänger Kurse belegen. Dieses Flair ließ viele Galerien und Kunstgewerbe-Läden im Ort entstehen, in denen nicht nur die lokal arbeitenden Kreativen ihre Werke anbieten. Neu kam 2022 das Ox-Bow House hinzu speziell für Ausstellungen für vor Ort gefertigte Werke, für öffentliche Veranstaltungen wie Künstlergespräche und eine Kunstmesse. Dieses Ox-Bow House entstand im Nachbarort Douglas, der sich scheint’s übergangslos an Saugatuck anschließt und den an sich nur sein Ortsschild als eigene Einheit mit 1.400 Einwohnern outet.

Saugatuck bietet jede Menge Kunst-Events Foto Saugatuckcom
Saugatuck bietet jede Menge Kunst und Kunst-Events Foto Saugatuck.com

Das alles beschert beim Flanieren durch den Ort auch den Blick auf mehr oder weniger Kunstbeflissene. Und keine Unbekannte mehr, warum Werke etablierter US-Meister wie Albert Krehbiel, die uns Europäern eher weniger sagen, den Namen Saugatuck im Bildtitel tragen; zum Beispiel sein Werk Saugatuck Pastel von 1933 oder Saugatuck Woods von 1930 und entstanden im Camp von Saugatuck mit Motiven der hiesgigen schönen Naturkulisse.

Ganz andere gefragte Künste in den Dünen und am Herd

Ein großer Teil dieser Kulisse gehört heutzutage zum weitläufigen Saugatuck Dunes State Park mit seinen mal flachen, mal welligen Dünen und Hainen von Pinien, Ahorn und Wildkirschen. Diese malerische Sand-Landschaft von 1.000 Acres (400 Hektar) entstand – siehe oben – nach der Eiszeit, als der Sand durch die Flüsse in den Lake Michigan getragen wurde, der Wind aus Westen ihn wieder heraustrug, auf dass sich am Ost-Ufer die Michigan Dunes aufbauten; auf in toto 275.000 Acres (gut 100.000 Hektar) im ganzen westlichen Michigan State am Michigan Lake und derart prominent, dass vom Weltraum aus zu erkennen, wie Bilder zeigen. Kaum zu glauben auch, dass das Areal des Saugatuck Dunes State Park mit seinen Wäldern dereinst auf Jahrzehnte Holz zur Weiterverarbeitung lieferte. Das ist lange Vergangenheit und der botanische Laie sieht heute nichts mehr davon.

Diese Historie wird später Jan erzählen. Der arbeitet in einem speziellen Teil der Dünen, konkret am Saugatuck Goshorn Lake, und zieht ganz andere Gäste an als die Künstlerschar es nach Suagtuck zieht. Denn im Goshorn Lake-Teil der Dünen ist spezieller Autoverkehr erlaubt und fährt an über den Blue Star Highway. In dem Areal sausen nämlich Gäste nach Anmeldung mit geübten Fahrern in Allrad-SUVs durch die Landschaft, die ansonsten auch unter Naturschutz steht. Mit Fahrern wie Jan, der das seit 18 Sommersaisons macht und sich – nach einer kurzen Einführung „on the road“ – davon selbst noch derart begeistert zeigt, als wäre die Erfahrung neu für ihn. Mit breitem Grinsen driftet Jan mit dem Wagen durch den Sand, beschleunigt scheint‘s bis an die Grenzen der Physik von Auto und Mitfahrern.

Dünentripp mit Fahrer Jim Foto Ulrike Wirtz
Dünentripp mit Fahrer Jim (vorn mit Käppi); seine Kunst, richtig zu entschleunigen Foto Ulrike Wirtz

Der für den Zweck eigens aufgerüstete Dodge SUV scheint alles zu geben, so wie sein Motor heult. Jan hat seine Passagiere natürlich im Blick, fragt, ob jeder okay ist, nimmt je nachdem Drift raus und erklärt dabei einiges zu Flora und Fauna. Auf einmal fährt er richtig ruhig bergan und stoppt. „Bitte alle mal aussteigen und das Panorama genießen. Wir sind am höchsten Punkt der Dünen.“ Der Hügel ist 135 Meter hoch und hat die versprochene schöne Aussicht über Sand und Wald bis Lake Michigan. Auch der Dodge wird bestaunt und Jans Fahrkünste. Er wehrt ab: „Das machen die Reifen und der Sand. Man darf nur nicht an der falschen Stelle Gas geben.“

Kulinarik statt Driften

Ein anderes Must hier am Bluestar Highway ist quasi um die Ecke vom Dünen-Ritt-Areal. Und zwar das angesagte Pennyroyal Café & Provisions und bewirtet auf gekonnt-unprätentiöse Art. Achtung: Weil das Lokal im Grünen liegt, ist man schnell dran vorbeigefahren. Hier kocht Küchenchefin Melissa Corey – „nenn‘ mich Missy“ -, die ihr Handwerk bei preisgekrönten Chefs lernte und selbst 2015 in Chicago als eine Topköchin der Stadt prämiert wurde. Sie kam vor sieben Jahren zurück in ihre „Oase“, wie Missy ihr Geschäft nennt, „auch wegen des Gartens um das Lokal herum“, und kredenzt seither hier modern-leichtes Essen und Selbstgebackenes, ob Croissants oder Küchlein.

Pennyroyal - sein frischer Salat mit grünem Spargel_ Foto Ulrike Wirtz
Im Pennyroyal einfach und gut essen – hier frischer Salat mit grünem Spargel Foto Ulrike Wirtz

Einfach lecker: der schlichte Penny Grilled Cheese oder der deliziöse Spargel-Salat mit Dijon-Senf-Vinaigrette. Einfach verführerisch: Desserts wie Pfannkuchen mit Blaubeeren, aus Michigan natürlich, oder selbst gebackene Kirsch-Mandel-Cones. Seit zehn Jahren ist ihr deutscher Gatte Ryan Beck an Missys Seite – er ist Farmer und Gärtner, versorgt das Lokal mit Produkten aus der Region und ist zugleich ihr Sparring-Partner fürs Geschäftliche. Ryan spricht Englisch: „Mein Deutsch ist schlecht geworden. Seit 25 Jahren lebe ich hier. Wir bauen auch Traditionelles an wie Rhabarber und Kleie. In unseren Beeten am Geschäft ziehen wir unsere Kräuter.“ Geöffnet sei das Pennyroyal auch in den Nebensaisons – „bis auf fünf Wochen im Januar. Dann machen wir zu, dann ist hier richtig Winter und echt romantisch“.

Die Owner des Pennyroyal Missy (Mitte) und Ryan (li. Autorin und Foto Ulrike Wirtz)
Eingespieltes Team im Pennyroyal – Missy und Ryan. (li. Autorin und Foto Ulrike Wirtz)

Last, but not least Grand Haven – die städtischste und auch angenehm klein 

Die größte und nördlichste Beach-Town im Trio ist Grand Haven, ist von Saugatuck in keiner Stunde erreicht und breitet sich aus zwischen den Sandstränden des Grand Haven State Parks und dem Duncan Memorial Park. Letzterer ist bekannt dafür, dass hier noch Originalwald aus den Zeiten vor der Holzwirtschaft zu bewundern ist und lohnt den Besuch. Gen Norden und Osten wird die Kleinstadt schön flankiert vom Grand River mit Nebenarmen in jede Himmelsrichtung. Grand Haven und seine Bürger geben sich gern großstädtisch, erlauben an Wochenenden das öffentliche Trinken und Mitführen alkoholischer Drinks auf den Straßen im Ortskern, in sogenannten Social Zones. Aber wehe man trägt Becher mit Wein und offene Bierdosen jenseits der Zonen offen mit sich herum.

Social Zone in Grand Haven Foto Ulrike Wirtz
Social Zone in Grand Haven – in der Zone darf Alkohol im Becher offen mitgeführt werden Foto Ulrike Wirtz

Was im historischen Wohnviertel entlang der Washington Avenue und ihrer Nachbarstraßen besonders gefällt, sind Alleen mit alten Eichen und Ahornbäumen. Zur Washington Avenue kommt automatisch, wer das Tri-Cities Historical Museum besucht, das einem die Historie früher Siedler usw. erläutert. Oder wer im Washington Street Inn absteigt. Der bekommt ein gepflegtes, familiär-gemütliches B&B geboten und bekommt Input und Stories zur Stadt zu hören – beides auf angenehme Art durch Hausherr Jim. Der führt sein B&B seit knapp 40 Jahren und kann entsprechend viel erzählen von alten und neuen Zeiten. So etwa: „Die Stadt führt das Grand im Namen, weil der Fluss so heißt ob seiner Breite. Aber der Ort hatte auch lange einen vergleichsweise großen Industriehafen, nicht so groß natürlich wie Chicago und Detroit. Und wir hatten viel Möbelindustrie. Heute haben wir ein Theater und ein Krankenhaus. Und natürlich Strand und gute Lokale.“

Sunset in Grand Haven am schicken Restaurants Notus Foto Ulrike Wirtz
Sunset am schicken Restaurant Notus – fast feierliche Stimmung Foto Ulrike Wirtz

Um 1960/1970 hätten die Aktivitäten von Industrie und Industriehafen aufgehört, der Tourismus wurde eine Haupteinnahmequelle. Jim: „Selbst Fischerboote sind hier inzwischen eine Rarität.“ Verweist dann auf die Coast Guard vor Ort und dass deren Station seit 1876 ansässig ist – mitsamt ihrer Flotte aus Rettungs- und Kontrollbooten und Eisbrechern. „So behielt Grand Haven eine große Bedeutung.“ Die Eisbrecher seien nötig, weil Lake Michigan schon auch zufriert. „Zudem werden hier Kadetten ausgebildet. Grand Haven nennt sich deswegen selbst auch gern Coast Guard City USA.“ Das habe es auch mit sich gebracht, dass seit 1924 das Coast Guard Fest stattfindet – „das bringt alljährlich Abertausende Besucher nach Grand Haven“. Was dem Besucher auch ohne Festval direkt auffällt, sind die Patrouillen-Boote, die regelmäßig zu ihrer Arbeit aufbrechen oder zurückkommen und dabei über den Grand River fahren, weil am Fluss ihr unauffälliges Headquarter liegt.

Coast Gard operiert von Grand Haven aus Foto Ulrike Wirtz
Die Coast Gard sitzt in Grand Haven am Grand River, kehrt im Foto zurück vom Einsatz auf dem See Foto Ulrike Wirtz

Der Ort gibt sich sehr „zivil“, Strandfreuden und Beach-Town-Feeling herrschen vor. So parkt, wer nach Downtown kommt, sein Auto und spaziert am fünf Kilometer langen Boardwalk entlang – bis zum Lake Michigan und dem Leuchtturm von 1839, der nach wie vor operiert. Die Promenade verläuft auf dem einstigen Gelände des früheren Industriehafens, von dem nichts mehr zu sehen ist, und gilt heute mit ihren Lokalen als eine gute Adresse, um zu essen und trinken, auch mit Terrassenbetrieb am Flussufer. Wie etwa im Snug Harbor. Der andere Publikumsmagnet liegt am anderen Ende des Bordwalks im Ort: der Grand Haven Musical Fountain mit seiner Show aus Musik und Licht, der um 1962 jenseits des Flusses installiert wurde und der mit Beginn der Show nach Sonnenuntergang nächtliche Postkartenidylle zaubert.

Der Grand Haven Musical Fountain ist am Abend die Attraktion für groß und klein Foto Ulrike Wirtz
Der Grand Haven Musical Fountain ist am Abend die Attraktion Foto Ulrike Wirtz

Was für ein Genuss, wenn dann jenseits des Flusses die Show beginnt: diese Farbenpracht, dieser Sound. Die Musikauswahl von modern bis klassisch. Die Zuschauer bzw. Zuhörer sitzen diesseits des Flusses, haben Strandstühle und Picknick mitgebracht oder sitzen einfach auf dem Rasen. Die Vorstellungen laufen an Wochenenden und Feiertagen von Mai bis September – das ganze gratis. Den Musik-Brunnen gab es in den Anfängen des Tourismus ab 1900  hier im Südosten von Lake Michigan natürlich noch nicht. Da wurde malocht in den Wäldern und Sägewerken und auf den Feldern – auch auf der Obstplantage der Famile Overhiser. Die war damals schon da, hat überdauert wie die einstigen Holzfäller- und Pelzhändler-Käffer, die heute Badeorte sind – gleich drei sehenswerte auf einen Streich.

Wichtige Websites und gut zu wissen

Anreise per Flugzeug: via Detroit und Chicago mit Direkt-Flügen aus und in alle Welt. Weniger bekanntes, näheres Einfallstor zum großen See ist Grand Rapids, Michigans zweitgrößte Stadt mit 100.000 Einwohnern (eine gute Million in ihrer Greater Area). Der Airport ist mit nur einem Zwischenstopp in Detroit und Chicago erreicht. Dann weiter im Leihwagen: knapp 100 Kilometer bis South Haven, 60 bis Saugatuck und 50 Kilometer bis Grand Haven.

Leihwagen am besten schon in Deutschland mieten – etwa als All-In-Paket mit unlimitierten Kilometern bei Alamo www.alamo.de

Allgemeine Reise-Info zum Trio: www.southhaven.org; https://saugatuck.com; https://visitgrandhaven.com,, https://washingtonstreetinngh.com/

…speziell South Haven: Overhiser Obstplantage www.overhiserorchards. Captain Lou’s  www.captainloussouthhaven.com. Lighthouse https://southhavenlighthouse.org. Michigan Maritime Museum, auch für Boot-Trips https://michiganmaritimemuseum.org. B&B Carriage House at the Harbor https://carriagehouseharbor. Wandern auf Ex-Eisenbahn-Linie https://kalhaven.org

…speziell Saugatuck: Kunst-Campus Ox-Bow School of Art & Artists’ Residency www.ox-bow.org. Dünen-Fahrten www.saugatuckduneride.com. Das Pennyroyal Café & Provisions www.pennyroyalprovisions.com. Cruises auf Kalamazoo River und Lake Michigan, auch zur manuell betriebenen Ketten-Fähre www.saugatuckboatcruises.com, Retro-Boote-Verleih https://Retroboatrentals.com

…speziell Grand Haven: Tri-Cities Historical Museum www.tri-citiesmuseum.org. Grand Haven Musical Fountain www.ghfountain.org. Die Restaurants Snug Harbour www.snugharbormi.com und https://gh.oldworld.com. Das Washington Street Inn https://washingtonstreetinngh.com

Anantara Grand Hotel Krasnapolsky Amsterdam

The White Room im Anantara Grand Hotel Krasnapolsky Amsterdam erneut mit Michelin-Stern ausgezeichnet

Große Freude im Anantara Grand Hotel Krasnapolsky Amsterdam: Das elegante Restaurant The White Room wurde erneut mit einem Michelin-Stern ausgezeichnet – und das bereits zum achten Mal in Folge. Damit zählt das traditionsreiche Haus weiterhin zu den besten kulinarischen Adressen der Niederlande.

Unter der Leitung von Küchenchef Tristan de Boer und mit Unterstützung des ehemaligen Sternekochs Jacob Jan Boerma als kulinarischem Berater überzeugt The White Room mit einer Küche, die internationale Einflüsse gekonnt mit regionalen Zutaten verbindet. Die Michelin-Jury würdigte insbesondere das klare kulinarische Profil, das Lokalkolorit sowie das kontinuierliche Engagement des gesamten Teams für Qualität und Innovation.

Auf den Tellern treffen raffinierte Kompositionen wie Langustine mit Liebstöckel, Macadamia-Creme und eingelegtem Kürbis auf kreative vegetarische Menüs. Ein Highlight: Niederländische Steinpilze mit Topinambur, Kakao, Brombeeren und Shi Take XO-Sauce, veredelt mit Champagner, Dill und Estragon.

The White Room Restaurant im Hotel Krasnopolsky
The White Room Restaurant im Hotel Krasnopolsky

The White Room ist eines der ältesten Restaurants Amsterdams und befindet sich in einem ehemaligen Bankettsaal aus dem Jahr 1885, der heute in edlem Weiß und Gold erstrahlt. Angeboten wird unter anderem ein Zwölf-Gang-Menü für 159 Euro pro Person, die passende Weinbegleitung kostet 109 Euro.

Amsterdamer Küche im The White Room Sterne-Restaurant

Zwischen dem 22. Januar und 1. Februar 2025 dürfen sich Gäste zudem auf ein attraktives Kennenlernangebot freuen: In diesem Zeitraum werden Mittags- und Abendmenüs zu besonders günstigen Konditionen angeboten. Küchenchef Tristan de Boer beschreibt seinen Stil als „Amsterdamer Küche“: „Mein Ziel ist es, die Geschichte der Hauptstadt – vom Handel bis zum kulturellen Austausch – in ein raffiniertes kulinarisches Erlebnis zu übersetzen.“

The-White-Room-Frederico_Tristan
Küchenchef Tristan de Boer (re.) und Frederico im The White Room im Krasnopolsky

Für die perfekte Begleitung sorgt Sommelier Frederico Figueiredo, der neben klassischen Weinen auch alkoholfreie Weinbegleitungen anbietet. Seine Philosophie: Weine sollen Geschichten erzählen, die Küche ergänzen und Gästen neue Entdeckungen ermöglichen.

Weitere Infos und Websites

Die Luxushotelmarke Anantara Hotels & Resorts verfügt weltweit über mehr als 40 atemberaubende Hotels und Resorts. Minor Hotels ist eine internationale Hotelgruppe, die über 550 Hotels, Resorts und Residenzen in 56 Ländern betreibt und als Vision das Ziel einer passionierteren und vernetzteren Welt verfolgt.
www.anantara.com/de/grand-hotel-krasnapolsky-amsterdam/restaurants/the-white-room
www.restaurantthewhiteroom.com

Winter-Reiseziel La Réunion

Winterflucht mit System: Deutsche Reisende setzen zu Weihnachten auf Fernreisen, zu Neujahr auf Europa-Trips

Wenn der Winter Deutschland fest im Griff hat, zieht es viele Reisende als Winterflucht in die Sonne oder zumindest für einen Tapetenwechsel ins Ausland. Aktuelle Buchungsdaten von Trip.com zeigen in der diesjährigen Festtagssaison einen klaren Zwei-Phasen-Trend im Reiseverhalten deutscher Urlauber.

Weihnachten: Sonne, Ferne und Asien im Fokus

In der Weihnachtswoche vom 20. bis 26. Dezember dominieren lange Fernreisen und sonnige Destinationen. Besonders gefragt sind Ziele in Asien und im Mittelmeerraum. Angeführt wird das Ranking erneut von Thailand, das sich als beliebtestes Fernreiseziel über die Feiertage behauptet. Auch die Türkei und Spanien zählen zu den Top-Destinationen.

Ballonfahrt Kappadokien in den Türkei
Ballonfahrt Kappadokien in den Türkei

Bemerkenswert: Neben klassischen Warmwasserzielen schaffen es auch China, Südkorea und Japan in die Top 10 – ein Zeichen dafür, dass kulturelle Erlebnisse und Metropolenreisen für viele Deutsche an Bedeutung gewinnen.

Top 10 der meistgebuchten Länder (20.–26. Dezember):
Thailand · Türkei · Spanien · China · Italien · Vereinigtes Königreich · Frankreich · Südkorea · Japan · Griechenland!

Nach Weihnachten: Kurztrips in Europa zum Jahreswechsel

Nach den Feiertagen ändert sich das Reiseverhalten deutlich. In der Zeit vom 27. Dezember bis 6. Januar stehen kurze Städtereisen und Europatrips im Vordergrund. Rund 55 Prozent der Buchungen entfallen in diesem Zeitraum auf Kurzstreckenreisen – allen voran nach Großbritannien, Spanien und Frankreich.

E viva Espania - Kurzurlaub im warmen Süden Spaniens
E viva Espania – Kurzurlaub im warmen Süden Spaniens

Trotz dieses Wechsels bleibt Thailand auch nach Weihnachten das beliebteste Fernreiseziel, gefolgt von China und Japan.

Top-Destinationen nach Reiseart (27. Dezember – 6. Januar):

  • Kurzstrecke (55 %): Vereinigtes Königreich · Spanien · Frankreich
  • Mittelstrecke (28 %): Vereinigte Arabische Emirate · Ägypten · Türkei
  • Langstrecke (17 %): Thailand · China · Japan


Ob Weihnachtsfest unter Palmen oder kurzer Citytrip zum Jahreswechsel: Deutsche Reisende kombinieren zum Jahresende bewusst Fernweh und Nähe. Der Trend zeigt klar: Über Weihnachten darf es weit weg sein, zu Neujahr lieber kurz, komfortabel und europäisch – Hauptsache raus aus dem Winter. (Kaus Media Services/Trip.com)

Bürgenstock Hotels Winterreise Lausanne, Bern, Luzern

Von Lausanne bis Luzern: Weihnachtliche Luxusreise für Genießer

Wenn sich funkelnde Lichter in schneebedeckten Dächern spiegeln, der Duft von Zimt, Schokolade und Tannenzweigen durch die Gassen zieht und elegante Hotels in festlichem Glanz erstrahlen – dann zeigt sich die Schweiz als weihnachtliche Luxusreise von ihrer magischsten Seite. Zwischen Lausanne, Bern und Luzern lädt eine Reise voller Genuss, Stil und winterlicher Romantik dazu ein, Weihnachten neu zu erleben – komfortabel, sinnlich und entspannt. Dank der hervorragenden Bahnverbindungen, teils in malerischen Panoramazügen, lassen sich die drei Städte perfekt kombinieren. Schon die Anreise wird zum Teil des Wintermärchens.

Lausanne: Winterzauber am Genfersee

Im Royal Savoy Hotel & Spa Lausanne trifft historische Eleganz auf moderne Raffinesse. Zur Weihnachtszeit verwandelt sich das Haus in ein stilvolles Winterparadies: In der Sky Lounge – Winter Edition verschmelzen alpine Gemütlichkeit und Haute Cuisine, während in der Seafood Bar Austern und Meeresdelikatessen frisch zubereitet werden.

Bürgenstock Hotel Lausanne Blick auf den Genfersee
Bürgenstock Hotel Lausanne Blick auf den Genfersee

Die festlichen Menüs zu Heiligabend, Silvester und beim Weihnachtsbrunch zelebrieren kulinarische Exzellenz – mit Foie Gras, Black Truffle und Beef Wellington ebenso wie mit leichten saisonalen Kreationen. Kinder dürfen sich auf kreative Workshops freuen, bei denen Lebkuchenhäuser gebacken werden, während Erwachsene bei der Secret Room Experience in eine private Winteroase eintauchen – Kaminfeuer, Spa-Zugang und Champagnerfrühstück inklusive. Und wer ein Stück dieses Zaubers mitnehmen möchte: Die handgefertigte Bûche de Noël gibt es auch zum Mitnehmen.

Bern: Festlicher Glanz in der Hauptstadt

Mitten im Herzen der winterlich geschmückten Bundesstadt lädt das Hotel Schweizerhof Bern & Spa zu einer stilvollen Auszeit ein. Das Adventspackage kombiniert Übernachtung, Schweizerhof-Frühstück und Glühweingenuss auf dem traditionellen Sternenmärit – ein Erlebnis für alle Sinne.

Hotel Schweizerhof Bern & Spa
Hotel Schweizerhof Bern & Spa

Besonders festlich wird es an Silvester: Auf der exklusiven Bel Etage erwartet Gäste ein 6-Gang-Gala-Menü, Champagner-Apéro, Live-Musik und Mitternachtsfeier in elegantem Ambiente. Wer Körper und Geist verwöhnen möchte, bucht das Winter Special „Golden Winter Glow“ – eine Kombination aus Goldöl-Massage, Smart Facial und Spa-Zugang, die pure Entspannung verspricht.

Luzern: Weihnachten über den Wolken

Hoch über dem Vierwaldstättersee, wo die Alpen den Himmel berühren, erstrahlt das Bürgenstock Resort Lake Lucerne als festlicher Zufluchtsort für Genießer. In der Vorweihnachtszeit laden exklusive Masterclasses zum Mitmachen ein – von der Kunst des Beef Wellington über Chocolate & Champagner-Tastings bis hin zu floristischen Workshops, bei denen eigene Kränze und Miniaturbäumchen entstehen.

Bürgenstock Resort Lake Lucerne
Bürgenstock Alpine-Resort Lake Lucerne

Die Nächte sind erfüllt von Fackelwanderungen, keltischen Feiern und stillen Momenten im Alpine Spa. Zum Jahreswechsel wird es spektakulär: Bei der „Cosmic Stardust & Supernova Party“ verwandelt sich das Resort in ein interstellares Erlebnis mit DJ-Sets, Showacts und Gourmet-Galamenüs – ein Silvesterabend, der über den Wolken schwebt.

Bürgenstock Resort Lake Lucerne New York Eve Dinner
Bürgenstock Resort Lake Lucerne New York Eve Dinner

Ob am funkelnden Genfersee, in der festlichen Hauptstadt oder hoch über Luzern – die Schweiz feiert Weihnachten mit Stil, Genuss und unvergleichlicher Atmosphäre.

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Niederlande: Flevolands junges Wasser-Wunderwerk

Flevoland ist die 12. und jüngste Provinz der Niederlande und von Menschenhand gemacht. Speziell sind ihr Marschland Oostvaardersplassen und die Insel Schokland, die keine mehr ist und daher UNESCO-Welterbe wurde. Zu beidem gibt es Spannendes zu erfahren. Urtypisch Holländisches bietet das neu entstandene Land auch: Spazier- und Radwege, Idylle aus Kanälen, Wald und Wiesen und schönen Gärten. Lebensart-Autorin Ulrike Wirtz war vor Ort.

Das Wasser liegt ruhig in der Mittagssonne. Überhaupt herrscht Stille in den Oostvaardersplassen, Marschland von Menschenhand initiiert und spezielles Naturschutzgebiet im Nationalpark Nieuw Land. Die Marschen grenzen an die Ostseiten von Markermeer und Ijsselmeer, beide Binnenseen, die hintereinander von Norden nach Süden die Niederlande quasi teilen. Der genaue Standort ist ein Aussichtspunkt nahe dem Südtor zum Feuchtgebiet Oostvaardersplassen. Auf dem Wasser schaukeln Vögel im Rhythmus des leichten Wellengangs. Wie gemalt ruhen rechterhand auf festem Boden im Feuchtgebiet direkt am Wasser dunkelbraune Rinder. Alles ist friedlich. Fast meditativ ruhig. Doch unvermittelt bricht Hektik unter den Vögeln aus.

Im neuen Land der Ooostvaardersplassen leben Hunderte Vogelarten Foto Ulrike Wirtz
Im neu geschaffenen Feuchtgebiet Oostvaardersplassen leben Hunderte Vogelarten, auch Seeadler. Wenn der Raubvogel sich nähert, flüchten andere Foto Ulrike Wirtz

Sie schlagen ihre Flügel, kreischen geradezu, heben sich in die Lüfte. Hunderte flattern lautstark davon, suchen als ganzer Pulk wie von Geisterhand gesteuert linkerhand das Weite. Der Besucher staunt – was ist passiert in der Naturidylle? Der zufällig in der Nähe stehende Mann Mitte 50 mit dem Spezialfernglas für Vogelkundler weist mit der Hand in die Lüfte voraus. „Seht auf 12 Uhr, die zwei schwarzen Punkte. Ein Adlerpaar, das ist auch in den Oostvaardersplassen zu Hause.“ Das Paar kommt näher. Der eigene Blick ins entliehene Fernglas zeigt die Adler deutlicher in ihrer Größe, Pracht und Herrlichkeit. Die anderen Vögel seien vor den übermächtigen Raubvögeln geflüchtet, weiß René, fährt griemelnd fort: „Die haben noch nicht gefrühstückt. Hier in den südlichen Marschen haben die Adler große Auswahl. Wir sagen Zeearend. Ihr Seeadler. Auf Englisch White Tailed Eagle.“

Renè kennt sich aus, beschreibt sich als Hobby-Ornithologen und nur einen von vielen, die in diesem Teil der Provinz Felvoland, die 12. und jüngste Provinz der Niederlande, ihrer Leidenschaft frönen. René wohnt gleich um die Ecke vom Südtor in Almere, der größten Stadt der 1986 gegründeten Provinz. Er komme fast täglich her und habe schon öfter die Adler einfliegen sehen: „Sie leben im Norden der Oostvaardersplassen, fliegen dann die 20, 30 Kilometer Luftlinie gen Süden her, um zu jagen. Das ist für die Adler keine Entfernung. Sie haben im Norden des Marschlands ihre Nester, weil dort mehr Bäume wachsen. Hier im Süden gibt es kaum Bäume, aber die besten Aussichten, um Futter zu finden.“

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Hobby-Ornithologe René (li.) beobachtet fast täglich die vielen Vögel im neuen Naturgebiet, oft mit Gleichgesinnten Foto Ulrike Wirtz

Im Marschland von Flevoland folgt alles alten Regeln unberührter Natur. Das ist so gewollt und von Menschenhand angeschoben – auf dass die echte Natur ihr eigenes Schauspiel aufzieht und dass auf den ersten Blick ein Widerspruch zu sein scheint: echte Natur, von Menschenhand gemacht. Wie es dazu kam, hängt mit dem Polder zusammen, also dem Boden, den die Niederländer ihrem Meer östlich des Ijsselmeers abtrotzten. Dieses Ereignis basiert wiederum auf der Eindeichung des früher offenen Meeres namens Zuiderzee, nun der Binnensee Ijsselmeer. Mit dieser Landgewinnung hängt auch zusammen, dass Schokland nunmehr Festland statt Insel ist – mit einer neuen Landfläche meist fünf Meter unter dem Meeresspiegel.

Das alles zusammen ist eine Geschichte von Wasser-Wundern, möglich gemacht durch Werke modernster Ingenieurskunst der Niederländer, dem Meer Land abzutrotzen, durch das Know-How im kleinen Land und die Erfahrungen seit Generationen. Das alles und mehr wird trefflich erzählt im Museum Schokland 50 Autokilometer nördlich der Marschen, wo Seeadler auf Beutezug gehen. Doch dahin später.

Neues Land, neues extra geschütztes Naturentwicklungs-Gebiet

Noch steht das Feuchtgebiet Oostvaardersplassen an mit seinem Schatz an Biotopen aus Gräsern, Schilfen, Morast, Festland, Wiesen, Buschwerk und Bäumen; mit Vogel- und Fischarten und Getier aller Art, ob Mücke, Biene oder Schmetterling. Dazwischen Kilometer an Fußwegen, die zur Pirsch mit und ohne Fernglas einladen oder nur zur Erholung im Grünen mit romantischem Vogelzwitschern, es sei denn Raubvögel nähern sich. Im Marschland lassen sich bisher bis zu rund 220 unterschiedliche Vogelarten beobachten, darunter Blaukehlchen, Reiher, Watvögel, Stelzvögel, Gänse, Enten etc. und nicht zuletzt Seeadler. Natürlich das nicht an einem Tag auf einer Pirsch, betont Naturführer Geert van Rijkbroek, „aber gute Vogelbeobachter können 80 Arten an einem Tag erspähen.“ Profi-Ranger vor Ort bringen es an einem Morgen durchaus auf 116 Arten. Geert: „Die Zahl variiert außerdem je nach Jahreszeit, da manche Vogelarten nur im Areal brüten und andere nur überwintern.“

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Voll in seinem Mieter in den Oostvaardersplassen – Naturführer Geert van Rijbroek Foto Ulrike Wirtz

Was den Fischreichtum im Feuchtgebiet angeht, auch der nimmt zu, 17 Arten sind es bisher. Auf dem festen Land leben inzwischen auch Rothirsche, Heckrinder, wilde Konik-Pferde und Biber. All das erzählt Natur-Guide Geert, betont bei seiner Aufzählung das Wort „bisher“. Denn die Natur baue sich im Gebiet immer noch auf: „Es werden sich hoffentlich noch mehr Pflanzen-, Tier- und Fischarten einfinden. Die Heckrinder und Koniks haben wir eigens im Gebiet angesiedelt. Das sind alte Rassen, sie sollen das Ursprüngliche der Natur mit hervorbringen.“ Wir – damit meint Geert die für die Natur, für Naturmonumente und Nationalparks zuständige staatliche Organisation Staatsbosbeheer. Mit Gebiet meint der Guide nicht den ganzen Nationalpark Nieuw Land, sondern das spezielle Gebiet der Oostvaardersplassen im südlichen Nationalpark Nieuw Land.

Zweitjüngster Nationalpark der Niederlande

Was den jungen Nationalpark Nieuw Land insgesamt ausmacht, auch er abgetrotzt dem Meer. Der Nationalpark wurde auf dem neuen Land 2018 ofiziell gegründet, war damals der jüngste seiner Art im Staat und der erste in der neuen 12. Provinz, steht für Wälder, Wiesen, Kanäle, Teiche, Wander- und Radwege und eine Artenvielfalt auf in toto 29.000 Hektar, davon 7.500 die Oostvaardersplassen. Davon wiederum sind 1.600 Hektar ohne Auflagen öffentlich frei zugänglich: De Driehoek sowie das Oostvaardersveld. So auch der Aussichtspunkt, wo die Adler oft jagen. Der ist 15, 20 Gehminuten vom südlichen Parktor bei Almere entfernt, wo das Natuurbelevingcentrum de Oostvaarders mit Café und Restaurant zur angenehmen Rast einlädt. Das nördliche Tor mit dem Buitencentrum Oostvaardersplassen liegt bei Lelystad.

Das Feuchtegebiet der Oostvaardersplassen auf neu geschaffenem Land Foto NBTC
Natürlicher geht kaum im vom Menschen geschaffenen Flevoland und dem Feuchtgebiet Oostvaardersplassen Foto NBTC

Das Besondere der Oostvaardersplassen ist neben ihrer natürlichen Entwicklung generell das große Areal, das überhaupt nicht öffentlich zugänglich ist. Denn es ist ein sogenanntes N2000-Gebiet und damit ein offizielles, speziell geschütztes Naturentwicklungs-Gebiet. Der Status bedeutet laut Geert: „Auf dem Areal entwickeln sich durch das Zusammenspiel von Böden und Wasser Urlandschaften.“ Das heißt gerade auch, dass der Mensch, konkret der Staatsbosbeheer, seine Experten und Boswachters quasi nicht eingreifen. Ergänzt Hans-Erik Kuypers, Boswachter vom Staatsbosbeheer: „Wir betreiben aber seit 2018 ein aktives Populations-Mangement, um die Zahl der Tiere, sprich der Heckrinder, Konik-Pferde und Hirsche, auf einem Niveau von insgesamt 1.100 zu halten.“

Damit die natürliche Entwicklung geschehen kann, dürfen Besucher das Kerngebiet des N2000-Gebiets auf etwa 1.800 Hektar zwar betreten, aber nur zusammen mit Guides wie Geert. Der kutschiert Gruppen im lautlosen, da batteriegesteuerten Golf-Cart in Langversion durchs Gelände, erklärt Historie, Zielsetzungen und Erreichtes bei Fauna und Flora und stoppt am Aussichts- und Wachturm, der sich durch seine hölzerne Bauweise getarnt gekonnt ins neue Land einpasst. Cart-Touren starten am Südtor bei Almere sowie am Nordtor bei Lelystad. Wie aber konnte dieses Back to the Roots-Areal überhaupt entstehen, war doch hier lange Meer?

Polder statt Wasser, Festland statt Meer rund um Schokland

Die Antworten dazu finden sich trefflich erklärt im Schokland Museum auf der Ex-Insel Schokland. Zumal sie selbst durch Landgewinnung zu Festland mutierte und durch diese Entwicklung sogar von der UNESCO zu Weltkulturerbe erklärt wurde. Im Museum zeigt sich, dass diese Entwicklungen eng verflochten sind mit der Entstehungsgeschichte der neuen Provinz Flevoland östlich von Ijsselmeer und Markermeer, noch dazu, dass das alles mit dem Afsluijtdijk im hohen Norden begonnen hat.

Das Eiland Schokland, das zuletzt vier Kilometer in der Länge und kaum mehr in der Breite maß, derart fraß die Erosion durch die Zuiderzee an ihrem Land: Heute geht es per Auto quasi bis vor die Museumstür. Auf den letzten Kilometern Fahrt finden sich keine sichtbaren Anzeichen dafür, dass hier schon Meer war und es nur per Boot weiterging. Heuer kein Wasser weit und breit. Stattdessen Farmen, Felder, kleine Orte und Verkehrswegenetze für Autos, Fietsen und Fußgänger.

Nun Ackerland, einst Meer - Guide Niko de Boer erklärt Schoklands Mutation Foto Ulrike Wirtz
Einst Meer, nun Äcker und Weiden – Guide Niko de Boer erklärt Schoklands Mutation und die Symbolik einer Bronze von einer Frau mit Gepäck Foto Ulrike Wirtz

Im Museum kommt Klarheit in die spannende Sache: durch alte Bilder und Fotos, durch Dokumente, Artefakte und Videos und auch dank Nico de Boer, einer der Museumsführer. Er erzählt fesselnd und detailreich, erklärt alte Landkarten und neuere Fotos zur Lage der Insel und des Umlands, sagt: „Wir müssen weit zurückgehen.“ Einst war die Insel Schokland in der östlichen Zuiderzee dank ihres Leuchtturms und wegen der langgestreckten Form von Nord nach Süd wichtige Landmarke für Schiffe auf dem tief ins Land hineindrängende Teil der Zuiderzee, die immer mehr Boden auffraß und desaströse Sturmfluten schickte wie die vom Januar 1916.

Diese Flut gab denn auch den Ausschlag, endlich den länger geplanten Afsluitdijk im hohen Norden der Niederlande zu bauen: auf dass die wilde Zuiderzee durch den Damm eingehegt und zum gemäßigten Binnensee Ijsselmeer wurde. Das Bauwerk nach Entwurf des Ingenieurs Cornelis Lely war 1932 abgeschlossen.

Die Insel Schokland 1932 aus der Luft Foto vom Foto Ulrike Wirtz
1935, zu Zeiten der Luftaufnahme, war Schokland noch Insel und seit Dekaden unbewohnbar – Foto vom Foto Ulrike Wirtz

Geplant war auch, aus der Trockenlegung des Meeresgrunds Festland zur Besiedlung zu gewinnen. Daher wurde ein System aus Deichen, Wasserpumpanlagen und Kanälen, um das abgepumpte Wasser abzutransportieren, vorangetrieben: die Zuiderzeewerken, auf Deutsch ohne das n am Ende. So baute sich nach und nach Polder östlich der Binnenseen Ijsselmeer und Markermeer auf, genannt Noordoost-Polder und Flevopolder als der südlichere Teil. Deren Entstehung war 1942 soweit, somit die Basis für Flevoland gelegt. Deren Provinzfläche: rd. 1.410 Quadratkilometer Festland und ca. 1.000 Quadratkilometer Wassergebiet. Alles am Reißbrett geplant: Menschen zogen her, Städte wie Almere und Lelystad entstanden, zudem Dörfer wie Marknesse und Ens. Industriegebiete wurden erschlossen, ein Großteil des neuen Landes für die Landwirtschaft reserviert.

Eine 12. Provinz – geboren mittels High-Tech-Ingenieurskunst

So auch der zu Festland mutierte einstige Meeresgrund um die einstige Insel Schokland, wie der Blick vom Museum auf saftig-grüne Wiesen und Felder zeigt, auf rote Dächer von Farmhäusern und Scheunen hier und da. Der schönste Blick lässt sich vom Kirchlein gegenüber dem Museum genießen, von der Enserkerk von 1834. Den Blick ins Innere des Kirchleins nicht vergessen mit ihrer ansehnlichen Kanzel im holländisch-typischen Anstrich in Grachtengrün und ansonsten Weiß. Die Kirche heißt auch Waterstaatkerk – nach der mächtigen staatlichen Behörde Rijkswaterstaat, der alle niederländischen  Aktivitäten des Wassermanagements und der riesigen Bollwerke gegen das Meer obliegen.

Schoklands Historie handelt von Flutkatastrophen, untergegangenen Schiffen, von Feuersbrünsten, von Armut in den einfachen Wohnkaten, die auf Bildern verewigt sind und einen beim Betrachten die kargen Lebensverhältnisse fast körperlich spüren lassen, und von abwandernden Inselbewohnern. Was für ein Drama schrieb hier die Natur: Die Schokker waren Fischer und Bauern auf der immer kleineren Fläche des Eilands an der Ost-Seite der einstigen Zuiderzee. Durch deren wildes Tun verschlechterten sich die Lebensbedingungen der Insulaner, viele zogen weg. Gab es rund 1775 noch ca. 650 Bewohner, sank deren Zahl noch weiter. Bis das Eiland Schokland 1859 mit amtlicher Verfügung zu räumen war. Guide Nico: „Es blieben der Hafenmeister im Hafen Emmeloord sowie einige Fischer und der Leuchtturmwärter am Zuidpunt. Und Deicharbeiter kamen je nach Jahreszeit.“

So klein die Insel, so unterschiedlich kleideten sich je nach Religion die Frauen vor Ort  Foto Ulrike Wirtz
So klein die Insel, so anders kleideten sich die Frauen je nach Religion. Relikte aus langen Insel-Zeiten machen Schokland zum UNESCO-Weltkulturerbe Foto Ulrike Wirtz

Was sich heute so einfach erzählt, bedeutete für die Betroffenen Entbehrungen, gar Verluste und schicksalhafte Zeiten. „Zumal die Schokker ihre eigene Identität hatten, nämlich einen eigenen Akzent, eigene Trachten und Tänze.“ Diese Vergangenheit pflegen die Nachkommen der Insulaner heute in der eigens 1985 gegründeten Schokkervereniging. Diese Entwicklungen bedeuteten aber auch neues Land und neue Möglichkeiten. Rund 70 Jahre nach Räumung der Insel war der Afsluitdijk fertig, der Wasserspiegel fiel, auch rund um die Insel mehr und mehr, die Polder schritt voran, bis sie 1942 Landfläche wurde. Nunmehr kam die Zeit der Land-  und Stadtplaner, der Architekten und Baugewerke in Flevoland.

Flusspferde in der Ijssel

Was Schokland speziell macht und UNESCO-Status brachte: Mit der Trockenlegung kam auch die Zeit der Archäologen etc.. Sie konnten den Ex-Meeresgrund nun zu Fuß durchstreifen, suchten ihn nach alten Zeugnissen von Entwicklung und Kultur der Bewohner ab, die schon vor 10.000 Jahren Schokland bewohnten, und über den Schiffsverkehr, der rund um die Insel unterwegs war, und fanden sogar noch ältere Spuren bis in die Eiszeit. Die Funde machten Schokland 1995 zum UNESCO-Weltkulturerbe. Guide Nico: „Es gibt über 160 archäologische Fundstellen. Darunter die versteinerten Fußabdrücke, die in einstigem Lehm hinterlassen wurden. Eine Rarität. Sie wurden 1984 entdeckt.“

Heute Land, davor Meer, davor Land - davon zeugen Knochenfunde rund um die einstige Insel Schokland Foto Ulrike Wirtz
Heute Land, davor Meer, davor Land, davor Eis, davon zeugen Knochenfunde rund um die einstige Insel Schokland Foto Ulrike Wirtz

Oder das männliche Skelett von geschätzt 2400 A.C., von Archäologen eingebettet in eine nachempfundene Grabstelle. Der Boden setzte auch Erkenntnisse frei, dass vor rund 125.000 Jahren das Eis der damaligen Eiszeit vor Ort schmolz, dass es heißer wurde, der Wasserspiegel stieg und tropische Flora und Fauna bescherte mitsamt Elefanten, Nashörnern und in der Ijssel schwimmenden Flusspferden. „Das wissen wir durch Knochenfunde.“

Das Museum zeigt Bilder von der Landwerdung der Insel Foto der Fotos Ulrike Wirtz
Das Museum zeigt Bilder von der Landwerdung Foto der Fotos Ulrike Wirtz

Die Geschichte mit ihren Eis- und Heißzeiten kommt einem bekannt vor, die Infotafel Klimaatverandering im Musuem bringt verständlich den Evolutionsrhythmus der Erde in Erinnerung. Dann fällt der Blick auf ein reliefartiges Modell an der Museumswand, das die Landgewinnung der Niderlande über Jahrzehnte verdeutlicht. Aber das erklärt noch nicht, warum die Trockenlegung hier und das Feuchtgebiet südlich irgendwie zusammengehören.

Erst Land gewinnen, dann die Natur machen lassen

Dafür geht‘s zu den Oostvaardersplassen zurück – zu Hans-Erik Kuypers, dem Boswachter vom Staatsbosbeheer. Und mit ihm ins Jahr 1968. „Das Feuchtgebiet mit dem Naturentwicklungsgebiet ist ganz zufällig entstanden. Denn 1968 stellte sich heraus, dass trotz der Eindeichungen und der weiteren Anlagen zum Wassermanagement ein Gebiet im neu entstehenden Flevoland einfach nicht trocken fiel. Das war am tiefsten Punkt des Flevopolder.“ Eigentlich habe in dem Areal ein Industriegebiet entstehen sollen. „Dann wurde es erst einmal in Ruhe gelassen.“ So konnten sich Brachflächen von allein entwickeln, der Wasserpegel machte sie zum Feuchtgebiet mit Morast etc.

So also löst sich der vermeintliche Widerspruch auf – hier trocken, da nass. Bis die Grundlage der Oostvaardersplassen richtig stand, griff auch der Mensch noch ein, baute unter anderem fünf Jahre Raps an, um den Brachen den Salzgehalt als Relikte der alten Zuiderzee zu entziehen. Das hatte Geert erzählt. Auch sei später dafür gesorgt worden, dass sich Schilf ansiedeln konnte – „damit sich der neu gewonnene Boden stabilisiert. Das Schilf wurde aus Flugzeugen abgeworfen und setzte sich dann von selbst“. Hobby-Ornothologe Renè hatte erklärt, was Plassen bedeutet: „Im Kontext hier Pfütze oder Tümpel.“ Hatte dann gegriemelt und ergänzt: „Es bedeutet aber auch pinkeln.“

Oostvaardersplassen Aussicchts- und Wachturm Foto NBTC
Der Aussichts- und Wachturm für gute Einblicke Foto NBTC

Und dann die zwei aus Belgien angereisten Hobbyornithologen John und Stefan – sie hatten nur geschwärmt: „Hier in den Oostvaardersplassen entstand das schönste Vogelgebiet weit und breit und ist noch nicht fertig. Wir sind überall in Europa auf der Jagd nach Vögeln.“ Auch sie bewaffnet mit Spezialfernglas, noch dazu Kamera mit langem Teleobjektiv und angetroffen nahe Nordeingang am Buitencentrum Oostvaardersplassen. „Wir haben hier heute Morgen schon einen jungen Seeadler gesehen“. Der habe noch kein weißes Gefieder gehabt – „daran ist er gut zu erkennen“, so die Belgier. Und dürfte sicher zum Nachwuchs des Paares gehören, das im Süden Futter jagt.

Mehr Info und wichtige Websites

Zwei Besonderheiten finden sich in der niederländischen Provinz Flevoland im Osten der Binnenseen Ijsselmeer und Markermeer.

1. Die Oostvaardersplassen genießen den Sonderstatus Naturentwicklungs-Gebiet, liegen nahe Lelystad und Almere östlich von Ijsselmeer und Markermeer und gehören zum National Park Nieuw Land www.nationaalparknieuwland.nl Zu Natur und Naturmonumenten www.staatsbosbeheer.nl. Karten mit Wander- und Fahrradwegen www.ovpalmere.nl; www.visitflevoland.nl; www.holland.com

Lukullischer Tipp: Das Südtor zum Marschland nahe Almere markiert das Natuurbelevingcentrum de Oostvaarders mit Café und Restaurant; es ist geschmackvoll eingerichtet, hat gute Küche und 1a-Blick übers Naturschutzgebiet. Bei Lelystad ist das Nordtor am Buitencentrum Oostvaardersplassen.

2. Die einstige Insel Schokland lag in der östlichen Zuiderzee, wurde zum Festland und hat es zum UNESCO-Weltkulturerbe gebracht. Dazu gehörte ein Kampf ums pure Überleben. Von dem und anderem mehr erzählt das Museum Schokland www.museumschokland.nl; https://schokland.nl; www.visitnoordoostpolder.nl

Extratipp: das Waldmuseum Waterloopbos und die Wasser-Bollwerke

Man stelle sich die Zeit ohne Computer vor und wie damals Bauwerke entwickeln, durchplanen und testen. Das gilt gerade auch für die mächtigen Bollwerke gegen die Urgewalten des Meeres an den niederländischen Nordsee-Küsten, unter anderem die Deltawerke. Ingenieure schufen damals aufwendig Modelle, um reale Bedingungen zu simulieren und die angedachten Lösungen zu testen. Solche Anlagen sind heute noch zu bewundern – mitten in einem lauschigen Wald nahe Marknesse in Flevoland: der Waterloopbos. Allein dieses Deltagoot, das einem als erstes ins Auge fällt, wenn man den Park am sogenannten Proeflab Waterloopbos, dem Café und Restaurant, betritt.

Waterloopbos mit dem Deltagoot Foto Ulrike Wirtz
Das Deltagoot war Testanlage im Kampf gegen zerstörerische Fluten; heute ist es Teil eines Naturmonuments und als Kunstwerk namens Deltawerk auferstanden Foto Ulrike Wirtz

Das Deltagoot war als Versuchsanlage komplett unter Erdhügeln begraben, war 240 Meter lang, fünf Meter breit und sieben Meter tief. Wellen in Höhe von zwei bis zweieinhalb Meter konnten duch die Betonanlage gepeitscht werden, um die Sturmverhältnisse an der Oosterschelde zu simulieren und um so zu erarbeiten, welches Bauwerk robust genug dagegen war. Heute ruht hier still das Wasser.

Das ist der opulente Auftakt im Waterloopbos, der einst der Ort eines Freiluftlabors für High-Tech Wasserinfrastruktur war und heute den Status als Natuurmonument trägt, der idyllisch mitten im Wald liegt und zwar nahe Schokland. Das Monument und der Wald dazu stehen jedem offen und können allein erkundet werden. Oder es geht auf Tour mit Guides wie Hermann Schilt von der Organisation Natuurmonumenten. Der einstige Dozent führt zu den Anlagen, erklärt sie und weiß viel überdies zu Fauna und Flora im Bos zu erzählen. „Hier wurden die Häfen von Rotterdam nachgebaut und sogar die berühmten Deltawerke – in viel kleineren Maßstäben natürlich. Und seht hier das Moos. Im Bos wachsen mehr als 90 Moosarten und Hunderte Pilzarten.“

Das Freiluftlabor im jungen Polderland hatte die niederländische Regierung um 1951 einrichten lassen – auf 90 Hektar Land und ausgestattet mit einer Manpower von 300, 400 Ingenieur-Wissenschaftlern. Sie forschten und entwickelten Lösungen gegen Überflutungen und Erosion durchs Meer und bauten entsprechende Testmodelle für Wehre, Hafenanlagen und ähnliches mehr. Guide Hermann: „Ihr Know-how zu Wasserinfrastruktur war aber auch in der ganzen Welt gefragt. Wie auch noch heute. So bauten die Ingenieure unter anderem auch den Hafen von Bangkok um und simulierten ihr Konzept anhand eines Modells im heutigen Waterloopbos.“

Waterloopbos-Ingenieure bei der-Arbeit Foto vom Foto Ulrike WIrtz
Heute ist der Waterloopbos ein Naturmonument, früher war er ein Freiluftlabor; ein Foto von Ingenieuren bei der Arbeit Foto vom Foto Ulrike WIrtz

Es entstanden zudem Modelle für einen Hafen in Laos oder für Schleusenanlagen am Persischen Golf und sind heute als Zeitzeugen hoher Ingenieurskunst wie in einem Outdoor-Technikmuseum zu bewundern. Und dann kamen die Computer, die Simulationen erfolgten mithilfe von Software, die Modelle wurden nicht mehr gebraucht. Das Freiluftlabor im Wald schloss seine Pforten und ist nun als Ort einer spannenden Zeitreise wieder auferstanden.

Vom 13. bis 14. September ist Open Monumentendag in den Niederlanden – auch im Waterloopbos. Dann fahren manche Anlagen Tests wie zu ihren frühen Tagen. Details www.natuurmonumenten.nl

Nevadas Wüste mit Bergpanorama

Nevadas Süden – Wilde Blüten der Wüste

Hitze, Trockenheit, Staub ist Dauerzustand in der Mojave Wüste Nevadas. Immer hat sie auch ihre Extreme und Phänomene, selbst außerirdische. Im Frühjahr fügt die Natur sogar Blühendes hinzu, falls das Wetter zuvor passte. Ein Road-Trip durch Süd-Nevada: ab Las Vegas über Death Valley via Extraterrestrial Highway retour nach Las Vegas – auf 650 Meilen, gut 1.000 Kilometer.

Sie scheint einen anzusehen, einem zuzurufen: Schau her, wie hübsch violett-pink ich bin. Wie schön ich blühe und andere Wildblumen das auch tun. So schön wie lange nicht mehr. Gemeint ist im April 2024 die Super-Bloom – ein regelrechtes Ereignis nach einiger Zeit mit besonderer Dürre in der Mojave in Süd-Nevada. 2025 fehlt wieder mal das Super bei der Bloom. Die Pflanze mit der Blüte in violett-pink heißt botanisch Opuntia Basilaris, gehört zur Familie der Kakteen und steht in ihrer Pracht im April 2024 am Straßenrand irgendwo im Red Rock Canyon 30 Kilometer westlich von Las Vegas.

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Meint das Wetter es gut, blüht die Mojave im Frühjahr Foto Ulrike Wirtz

Der Red Rock Canyon wiederum gehört zur Mojave – dieser Wüstenei auf über einhunderttausend Quadratkilometer. Sie liegt größtenteils im Staat Nevada, der bildet fast die Mitte, und in Kalifornien, Nevadas westlichem Nachbarstaat. Östlich von Nevada reichen die Ausläufer der Mojave bis Arizona und Utah. Die Wüste im Südwesten definieren hohe Berge ebenso wie tiefe Senken, die tiefste das Badwater Basin im Death Valley und der tiefste Punkt der USA und fast weltweit. Die rote Schlucht ist das erste Ziel des Desert-Road-Trips. Unser Guide ist Charlie von Bindlestiff-Tours in Las Vegas.

Verlauf des Trips: Start in Las Vegas gen Süd-West via IS 15 South (S) + dann NV 159 West (W) zum Red Rock Canyon + dann NV 160 nach Pahrump, über Nacht im Pahrump Nugget Hotel & Casino + am nächsten Morgen NV 160 W über die Grenze nach Kalifornien, weiter CA 127 bis Death Valley Junction mit Amargosa Opernhaus + weiter CA 190 W ins Death Valley nach Furnace Creek und Bad Water Basin + aus dem Todes-Tal CA 190 E, NV 374 N nach Beatty, über Nacht im Stage Coach Hotel & Casino + morgens weiter NV 374 N zur Rhyolite Ghost Town + danach US 95 N zum International Car Forrest of the Last Church + weiter US 95 N bis Tonopah, über Nacht im Mizpah Hotel + morgens NV 375, auch Extraterrestrial HW genannt, via Rachel an Nellis Militärbasis und Area 51 vorbei + weiter NV 93 E bis retour in Las Vegas

Hier im Red Rock Canyon blüht die Opuntia Basilaris einfach prächtig. Das hat zwei Reisende dazu verführt, sich sogar in den Staub zu werfen, um die Knospe Instagram-tauglich abzulichten. „Die sieht man hier nicht alle Tage“, so eine der Fotografierenden. Stimmt, sage ich, habe solche Pracht bei früheren Besuchen im Frühjahr auch nicht erlebt und werfe mich zum Fotografieren daneben. „Ihr Glücklichen. Unsere Wüste hat dieses Frühjahr wirklich eine Super-Bloom“, hatte Guide Charlie das besondere Glück schon beim Start in Las Vegas angekündigt.

Achtung Klapperschnlagen -Rattlesnakes Foto Ulrike Wirtz 9964.
Das Schild ist alt, der Hinweis immer aktuell In der Mojave – Achtung Rattlesnakes, sprich Klapperschlangen Foto Ulrike Wirtz

Sein besonderer Hinweis fürs Verhalten in der Wüste: „Wer zu Fuß geht, gerade abseits des Asphalts, bitte nur in festem Schuhwerk und langer Hose. Es gibt Schlangen, gar Klapperschlangen, Lizards und Stechkakteen. Die Wüste lebt.“ Und jeder solle immer Wasser dabei haben und viel trinken. Das gesagte gilt für die ganze Zeit on the road, selbst im April, wenn die Hitze noch nicht so gnadenlos ist wie in den Sommermonaten.

Immer präsente Extreme der Natur

Charlie kennt die Mojave von vielen Touren, hat schon Jahre ohne üppige Bloom erlebt und ist daher selbst begeistert. „Die Wüste blüht. Und keiner weiß, ob sie es nächstes Jahr wieder tut.“ Heuer also beschert sie am Weg immer wieder auch die Desert Sunflower (lateinisch Geraea Canescens) als gelb leuchtende Blütenteppiche und die lila schimmernde Büschelblume (Phacelia Calthifolia). Alles Wildblumen und alle hier heimisch.

Gelbe Blüten in der Mojave Foto Ulrike Wirtz
So beglückt die blühende Desert Sunflower die Mojave und ihre Besucher Foto Ulrike Wirtz

Aber was, wenn die Super-Bloom der Wildblumen ausbleibt bzw. Hochsommer, Herbst und Winter kommen? Dann übernehmen die Extreme von Kargheit, vom Leben mit Hitze, Staub und Trockenheit in der Mojave die Regie und üben ihre Faszination aus. Hinzu kommen von Menschenhand erzeugte „Blüten“ – künstlerische, bisweilen gar seltsame. Das alles versammelt sich auf gut 1.000 Kilometer Fahrtstrecke und lohnt immer den Trip durch die Welt der Mojave.

Die Mojave wurde durch Hochgebrige im Westen zur Regenschatten-Wüste Foto Ulrike Wirtz

Die Dessert zeigt – kaum raus Las Vegas mitsamt Randbezirken – ihre geologische Seite: als Ansammlung von Gestein, Geröll und Sand. Überall Sand wie in der Sahara gibt es dagegen nicht, wohl einige Kilomter Dünen in Death Valley. Farblich dominieren Grau-Braun-Töne. Geografisch ist die Mojave sichtlich ein Tal, durchzogen von Bergzonen von bis zu 1.500 Meter und mehr. Gen West-Nordwest fällt das Auge auf sogar hochalpine Bergketten mitsamt Sierra Nevada – mit bis zu 4.000 Meter hohen Gipfeln wie dem Telescope Peak, mit Schnee auf ihren Kuppen das ganze Jahr. Diese imposante Kulisse kommt während des Trips immer wieder ins Bild.

Regenschatten-Wüste durch das Hochgebirge

Die hohen Gipfel in West-Nordwest jedoch sind auch der Grund, dass vor Jahr Millionen dieses Areal von mehr als einhunderttausend Quadratkilometer zur Wüste wurde. Diese Bergketten nämlich halten die Wolken davon ab, ihr Nass auf die Flächen auf den anderen Bergseiten, den östlichen, bis hinunter in die Täler zu ergießen. Sie bilden einen Regenschatten, wie Fachleute sagen, der ließ die sogenannte Regenschatten-Wüste der Mojave entstehen. Und aus Nevada wurde so der trockenste Staat der USA. In Sachen Hitze hält die Mojave sogar den offiziellen Weltrekord in ihrem Death Valley, das bei fließenden Staatsgrenzen auf kalifornischer Seite liegt: Das Todes-Tal ist Rekordhalter als heißester Punkt der Erde mit 134 Grad Fahrenheit (F) gleich 56,7 Grad Celsius (C).

Offiziell gemessen am 10 Juli 1913 nahe Furnace Creek am Badwater Basin und seither nicht mehr überboten, nirgendwo auf Erden. Am Badwater Basin ist überdies der tiefste Punkt der USA mit 282 Feet gleich 85,5 Meter unter dem Meerespiegel. Alles noch Ziele des Trips, aber erst später. Noch liegt die erste Etappe an, mit mehr Fragen auch zu Wetter und Klima.

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In Death Valley sind 99 Grad Fahrenheit gleich 37 Grad Celsius im Schatten erträglich und an der Tagesordnung Foto Ulrike Wirtz

Was den Niederschlag angeht, der fällt in der Mojave von Dezember bis März, April, so die Wetterstatistiken. Was üblicherweise für die Frühjahrsblüte reicht. Zudem gibt es Sommergewitter mit heftigem Regen, selbst im Badwater Basin. Im ganzen Jahr allerdings fallen laut Statistiken im Durchschnitt nur gerade mal 123 Millimeter wegen des Regenschattens. Also keinesfalls genug. Da nutzen auch kühlere Winter in den Hochlagen der Mojave nichts oder die Abkühlung über Nacht. Während man sich das unterwegs klarmacht, erscheint einem Las Vegas – kaum raus aus der Stadt – wie eine Illusion, geschaffen in einer der dortigen Shows.

Außerhalb von Las Vegas herrscht die Wüste in dem ihr eigenen Aggregatzustand. Wer nur Zeit für einen Tagestrip von Las Vegas aus hat: Zum Red Rock Canyon sind es 30 Kilometer. Die Besucher sind per Auto, Motorrad oder Fahrrad unterwegs, auch in organisierten Gruppen. Das GPS zeigt: Durch die Mojave führen nur wenige Asphaltstraßen, und viele unbefestigte Pisten und sind nur etwas mit Allrad, falls das Befahren überhaupt erlaubt ist. Schilder beachten.

Mit jedem gefahrenen Kilometer keimt mehr und mehr die Erkenntnis wie die Blüten im Frühjahr auf, was sich Las Vegas mitten in der Mojave 24/7 leistet: Glücksspiel, Show und seit kurzem Formel-1-Events. Plus alles an Touristik-Infrastruktur, Blumenrabatte und Rasengrün inklusive. Dazu gehört wie selbstverständlich, dass nicht nur die Hotelduschen genügend Wasser führen, sondern die Pools ebenso. Desgleichen bei den Häusern und Wohnungen einer wachsenden Einwohnerzahl; darunter langjährige Bürger wie die Tennisstars Steffi Graf und Andre Agassi.

Viel Wasser für Vegas

Den Bedarf am lebensnotwendigen Nass füttern der Colorado-River und weitere Flüsse, bringen es aus der Ferne heran. Überdies kommt Nachschub durch die Schneeschmelze im Frühjahr im nahen Hochgebirge. Dann füllt das Schmelzwasser die Flüsse bzw. unterirdischen Reserven tief im Boden auf, die auch zur Wasserversorgung angezapft werden. Trotzdem ist und bleibt Wasser rar in der Mojave. Allein es zu managen ist eine Wissenschaft für sich. Und die Verteilung der raren Ressource unter den Wüsten-Staaten und Fluss-Anrainern, ihren Countys, Städten und nicht zuletzt den Militärbasen in der Mojave gilt als hochkomplex und hochpolitisch.

Wuesten-Kenner on the road Foto ULrike Wirtz
Kenner haben alles mit, denn die nächste Tankstelle ist auch mal fast 100 Kilometer entfernt Foto Ulrike Wirtz

Mit dem Bild vor Augen keimt nicht zuletzt das Verstehen auf, dass die Frühjahrsblüte der Wild Flowers oder gar ihre Super-Bloom 2024 nicht immer garantiert sind. Was einen aber immer an Wüsten-Flora begleitet, ist ihre Grundausstattung: Büsche, Kakteen, ein, zwei Meter hohe Pflanzen, die an Yuccas erinnern, und fünf, zehn Meter hohe Bäume, die in ihrer Form von weitem grob an Kreuze erinnern, aber aus der Nähe wie zerzauste Gesellen wirken.

Sie rauschen auf dem Weg in den Red Rock Canyon und überall später auf dem Trip am Autofenster vorbei wie ausgemergelte Kreaturen – fremd, dennoch von dieser Erde und sehenswert. Was genau das alles ist, erzählen Infotafeln an Haltebuchten entlang der Straße durch die rote Schlucht: die Büsche der Desert Scrub, der Prickle Pear Cactuse, die Mojave Yucca und der an ein Kreuz erinnernde Joshua Tree, auch er Teil der Yucca-Familie. Auch heißt es, dass Joshua Trees 100 Jahre und älter werden.

Bizarre Gewächse, bizarre Vorstellungen

Und das obschon die Wüste ihrer Flora über deren Lebensdauer immer wieder extreme Genügsamkeit abverlangt. „Wir haben immer auch Dürrejahre wie zuletzt“, weiß Guide Charlie. „Die lassen sogar Lake Mead austrocknen.“ Der See ist US-weit der größte Stausee, hegt den Colorado River durch den Hoover Dam ein, dient für Millionen Menschen von Arizona über Nevada bis Kalifornien als Wasserreservoir. Bis 2022 herrschte sogar so viel Dürre, dass im See mit immer niedriger werdendem Wasserstand Überreste aller Art freigelegt wurden, selbst von Toten, die schon jahrzehntelang vermisst wurden. Welch eine bizarre Vorstellung.

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Red Rock Canyon ist rot vom Eisengehalt im Sand, der hier vor Jahrmillionen lag – bis er zu Fels wurde Foto Ulrike Wirtz

Nun aber volle Aufmerksamkeit auf den Red Rock Canyon. Seine rostige Färbung hat seinem Namen schon von weitem alle Ehre gemacht. Aus der Nähe wechselt das Gestein sein Farbkleid in hell- bis dunkelrote Nuancen. Das Rot kommt vom hohen Eisengehalt in den Felsen, so die Infotafel. Zu lesen steht hier auch, dass vor 180 Millionen Jahren im Gebiet riesige Sanddünen waren. Die verwandelten sich im Lauf der Zeit durch das Klima zu Stein, hatten zuvor in quasi jedem Sandkorn Eisenmineral angereichert und färbten auch das Gestein rot. Klettern in den Felswänden der Schlucht ist erlaubt, auch wenn das Gebiet als Red Rock Canyon National Conservation Area besonders geschützt ist.

Etliche Kletterer haben sich denn auch auf den Weg gemacht – Mittagshitze hin oder her. Zu einladend sind die rundlichen Formen der Felsen. Wirklich bequem ist der Weg zum höchsten Punkt der Schlucht nur per Auto über Asphalt, mündet auf 4.780 Feet gleich rund 1.500 Meter am Outlook und wird mit 1a-Aussicht belohnt. Der Platz ist laut Road-Map als High Point Overlook markiert und praktisch nicht zu verfehlen. Von hier geht es weiter, geht erst wieder hinab und wieder hinauf und bald aus der roten Schlucht heraus.

Ranch einst in deutscher Frauenhand

Läge am Weg zuvor nicht noch die Spring Mountain Ranch mit ihren üppig grün belaubten Bäumen und gepflegten Gebäuden und mit ihrer schillernden Vergangenheit. Sie ist keine Working Ranch mehr, steht zur Besichtigung offen und ist seit 1974 Teil des Spring Mountain Ranch State Park mit Wanderwegen, Naturkunde-Kursen und Konzerten. Weitere Highlights sind ihre alte Schmiede und das einstige Wohnhaus mit dem Mobiliar von anno dazumal; hier ist auch ein Shop, um Kurse und Exkursionen zu buchen und Eintrittskarten zu kaufen. Die Ranch liegt auf einer Anhöhe, empfängt daher ihre Besucher mit einem um vier, fünf Grad angenehm kühleren Klima, als es in der Ebene und in Las Vegas herrscht.

Überdies ist und war die Spring Mountain Ranch eine echte Oase im Outback, da sie über eine Wasserquelle verfügt. Daher ihr Name, daher die üppig grünen Bäume. Daher auch die Historie des Areals mitsamt später errichteter Spring Mountain Ranch: Den Platz nutzten erst die Indianer der Mojave, bis man sie vom Land vertrieb. Dann diente er Gaunern als Rückzugsort mit Bergkühle und Wasserversorgung. Danach kamen und blieben Soldaten aus gleichen Gründen. Um 1870 begründete dann ein Sergeant am Ort eine Rinder-Ranch und baute 1876 das Haus zur Ranch aus Holz und Sandstein, das noch heute existiert und eines der ältesten Gebäude in Nevada ist.

Spring Mountain Ranch Vera Krupp Foto Ulrike Wirtz
Erst Ort der Indianer, dann von Gaunern, Siedlern, später in deutscher Hand und nun National Park – die Spring Mountain Ranch und ihr Land Foto Ulrike Wirtz

Geradezu illuster, speziell auch für Kineasten, wurden die 1950/1960 Jahre, nämlich wegen der Eigentümer der Ranch. Sie gehörte von 1967 bis 1972 Flugzeugbauer und Millionär Howard Hughes, der laut Park-Ranger David Lows Erzählungen selbst nie vor Ort kam. Vorherige Eigentümerin war die Deutsche Vera Krupp – von 1955 bis 1967. Bilder und Texte im Haus klären über ihr Leben auf.

Wie ein Drehbuch über eine High-Society-Lady – und der Krupp-Diamant

Vera Krupp war einige Zeit Schauspielerin, lebte eine Zeitlang in den USA und heiratete 1952 Alfried Krupp von Bohlen und Halbach, den Millionen schweren Eigentümer der deutschen Stahlschmiede Krupp im Ruhrgebiet. Als das Paar 1957 geschieden wurde, kaufte Vera die Ranch, nannte sie um in Spring Mountain Ranch und lebte hier bis 1967. Schlagzeilen sollten sie bis in die Mojave von Nevada begleiten. Schon dass Vera Krupp, die einstige High-Society-Lady, selbst auf der Ranch mitarbeitete und selbst hoch zu Ross mit den Cowboys sogar Rinder trieb. Schon dass sie sich als Special Deputy des Sheriffs im Clark County, in dem ihre Ranch lag, betätigte und sich mit Revolver im Halfter abbilden ließ.

Vera Krupp - Exgattin-des Industriellen Krupp-Foto vom Foto Ulrike Wirtz 9322
Vera Krupp heiratete den Industriellen Alfred Krupp, später hatte sie ein Ranch in der Mojave von Nevada Foto vom Foto Ulrike Wirtz

Und dann noch folgende Räuberpistole, die ein Drehbuch nicht besser hätte erfinden können. Gatte Alfried hatte Gattin Vera einen Ring mit dem berühmten Krupp-Diamanten von gut 33 Karat geschenkt. Den trug sie später selbst bei der Ranch-Arbeit, enthüllte ein Polizeibericht. Solch ein Bericht wurde nötig, weil Diebe das Schmuckstück stahlen. Sie überfielen Vera Krupp, als sie nach getaner Arbeit mit dem Vorarbeiter beim Abendbrot saß, und zogen ihr laut Polizei den Ring mit Gewalt vom Finger. Sogar das FBI wurde eingeschaltet, der Ring samt Diamant wieder gefunden und ein Jahr nach ihrem Tod 1967 versteigert. Wer ihn kaufte: Schauspielstar Richard Burton für seine Angetraute, die Filmdiva Elisabeth Taylor, die sich mit dem Diamanten auch in Filmen schmückte.

Gewehr-Regal der  früheren  Hausherrin Vera Krupp  Foto Ulrike Wirtz
Angeblich das Gewehr-Arsenal von Vera Krupp, die auch Deputy Sheriff war Foto Ulrike Wirtz

Generatoren versorgten damals die Ranch mit Strom, waren aber leer, als der Überfall stattfand. Daher fiel auch das Telefon aus. Die bestohlene Vera fuhr daher 30 Kilometer über Stock und Stein bei Nacht nach Las Vegas, um die Polizei anrufen zu können. Die Ranch könnte einem heute noch als Refugium gefallen. Jedenfalls würde der große Kamin im Ranch-Haus in Winternächten heizen wie ein Lagerfeuer. Dank Stromversorgung über Leitungen sorgt heute eine Klimaanlage im Sommer für angenehme Kühle drinnen. Aber nachts wäre es nach wie vor sehr einsam mitten in der Mojave.

Seit Jahrzehnten ziehen sich moderne Stromleitungen durch die Wüste. Die Kommunikation, auch fürs GPS, erfolgt quer durch die Wüste per Satellit und Mobilfunk. Trotzdem sollte man für ein Blackout vorsorgen und eine Straßenkarte aus Papier bzw. als Download im Gepäck haben.

Auf die Ranch folgt das Lunch im Mountain Springs Saloon – nach weiteren 30 Kilometer über den NV 160. Das Lokal gilt als cooler Pit-Stop, wie Locals sagen, und das auch wegen seiner Höhenlage mit entsprechend kühleren Temperaturen. Sein weiteres Angebot sind Life Music, Terrasse, Essen und Trinken. Es wird Billard gespielt. An die Wände darf, wer möchte, Ein-Dollar-Noten kleben. Das haben viele getan. Hinweisschilder verbieten das offene Tragen von Waffen. Auch das ein Thema in Nevada. Wie auch die Küche Mexikos: mit Burritos, Taccos, Nachos, Enchilada. Aber last, but not least serviert der Saloon auch Classic Burger und B.B.Q. Ribs.

Mountain Springs Saloon Foto Ulrike Wirtz 9459
Billard-Tisch auf Rädern, Dollar-Bills an den Wänden – der Mountain Springs Saloon Foto Ulrike Wirtz

Was es mit den Dollar-Bills auf sich hat: „Du schreibst einen Namen drauf. Derjenige kann das Geld nehmen“, erklärt Barkeeperin Susan. „Wenn er denn herkommt.“ Was angesichts der vielen Dollar-Noten rundum im Saloon keiner zu tun scheint.

Zur ersten Übernachtung geht’s in Pahrump in das Pahrump Nugget Hotel & Casino. Selbst mitten im Outback geht Glücksspiel, auch 24/7, auch in Pahrump und damit quasi um die Ecke von Death Valley. Dorthin liegen am nächsten Tag knapp 100 Kilometer/60 Meilen an.

Ultra-heiß und extra-tief – Death Valley

Je näher Death Valley kommt, umso karger, grau-brauner wird die Farbpalette der Mojave. Selbst ihre Grundausstattung an Flora wird rar, keine Spur mehr von der Super-Bloom. Unbemerkt ging unterwegs Nevada in Kalifornien über, wechselte die Straße ihren Namen in CA 190, auch State Line Road genannt. Nicht nur Fans ausgefallener Kultur-Locations stoppen auf der Etappe in Death Valley Junction an der Kreuzung CA 190/127. Der Ort zählt keine zehn Einwohner, wartet aber mit dem Amargosa Opera House und seinen diversen Kulturevents auf. Ein Hotel gibt es auch.

Heutige Etappe ab Pahrump: den NV 160 W über die Grenze nach Kalifornien, hier genannt CA 190 oder auch Death Valley Scenic Byway. 1. Stopp in Furnace Creek, 2. Stopp Badwater Basin und 3. Devil’s Golf Course. Danach via Daylight Pass Rd. NV 374 raus aus Death Valley zurück nach Nevada und nach Beatty für die Nacht ins Stage Coach Hotel & Casino.

Alles Bauliche könnte kaum unscheinbarer sein: ein weißer Flachbau in U-Form im alt-mexikanischen Stil weiß getünchter Lehmziegeln. Auffällig wird beim Näherkommen nur eine kleine Tür, da schön bunt angemalt und darüber der Name des Hauses. Hier geht es hinein in den Kulturtempel. Aber um diese frühe Tageszeit ist er geschlossen. Erbaut wurde das ganze 1925 durch die Minengesellschaft Pacific Borax Company PCB – als ihr Hauptquartier plus Hotel mit 23 Zimmern, Restaurant und großer Halle. Damals baute die PCB im Death Valley mitten im Todes-Tal das Mineral Borax ab.

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Death Valley ist nah, aber das Amargosa Opera House keine Fata Morgana Foto Ulrike Wirtz

Die Halle diente für Versammlungen, Tanz und Theater. Bis alles endete, fast verfiel und 1967 die Künstlerin Marta Becket (1924-2017), eine New Yorker Balletttänzerin, die Immobilie kaufte, Kultur-und Ballett-Events aufziehen wollte und das erfolglos tat. Bis der National Geographic über sie und ihr ambitioniertes Projekt in der Mojave berichtete. Seitdem ist das Hotel in Betrieb. Die Oper wird bespielt. Spenden sind immer willkommen. Die Künstlerin hat angeblich selbst die Eingangstür so kunstvoll bemalt.

Dante’s View und Badwater Basin

Die Badwater Rd. wartet, führt erst nach Furnace Creek in das Visitor Center & Museum des Death Valley National Park. Das Center stellt interessante Exponate und gewisse verlässliche Infrastruktur (WC) bereit und informiert vor allem auch, welche Sträßchen und Pisten durch das Death Valley aktuell gesperrt sind. Zumal selbst hier im Todes-Tal urplötzlich Gewitter mit Starkregen aufziehen können, der Straßen unterspült und Umwege nötig macht. Nahe Center wartet das Hotel Ranch Death Valley und bietet auch einen Shop, um Snacks und Wasservorräte aufzufüllen und so weiter.

Das Thermometer zeigt am 30. April 2024 um 15.01 Uhr 99 F/37 C. Die Luft ist trocken, die Sonne brennt, dabei ist es erst Frühjahr. In der folgenden Nacht, so die Wetterstation im Visitor Center, wird es sich auf 71 F/22 C abkühlen, um sich tagsüber erneut aufzuheizen. Vorboten der Rekord-Extreme: die schon erwähnten 134 Grad F/56,7 C, gemessen im Juli 1913. Temperatur-Highlights jüngster Zeit blieben knapp unterm Rekordwert – mit 129,9 F/54,4 C am 18. August 2020 sowie 130 F/54,4 C am 9. Juli 2021.

Badwater Basin von-Dantes View auf 5000 Feet Foto Ulrike Wirtz 9605
Höllisch, doch von dieser Erde: das salzhaltige Badwater Basin aus gut 1.600 Meter Höhe von Dante’s View aus betrachtet Foto Ulrike Wirtz

Ab Visitor Center sind es noch 18 Kilometer zum Bad Water Basin. Einen ersten optischen Eindruck ermöglicht der Aussichtspunkt Dante’s View in der sogenannten Black Mountains Range. Hierher hat sich das Auto auf 1.679 Meter hoch gezirkelt. Tief unten dann eine weiß schimmernde kilometerlange Fläche, die ab und an leicht smaragd-grün glänzt wie ein eiskalter Bergsee im kanadischen Whistler. Dazu am Horizont hohe Gipfel, die viel zu wenig Regen zulassen hier und überhaupt in der Mojave. Von oben sieht das ganze Weiß in der Senke nach Schnee aus. Oder sind das Halluzinationen?

Das Weiß ist jedenfalls Salz, das Basin ein einstiger, nun ausgetrockneter Salzsee. Das bestätigt sich, als es von Dante’s View wieder hinuntergeht – erst im Auto die 1.679 Meter, dann weiter zu Fuß bis zum niedrigsten Punkt der USA. Sprich auf 85,5 Meter unter dem Meerespiegel. Am Zielort kurz den Finger eingetaucht ins Basin und am Weiß geschleckt. Grrr, Salz, sagen die Geschmacksknospen, tatsächlich kein Schnee.

Badwater Basin und Schuhe davor, wegen ein paar Zentimeter Wasser Foto Ulrike Wirtz 9674
Führt das Badwater Basin mal zwei Zentimeter Wasser, geht es barfuß weiter Foto Ulrike Wirtz

Das Basin und seine weißen Flächen dürfen betreten werden. Menschen flanieren darüber, ein, zwei Kilometer hin und zurück. Aber Achtung heuer – nasse Füße. Daher gehen manche barfuß durch die weiße Senke. Den Boden des Basin bedecken gar zwei, drei Zentimeter Wasser von Regen zuvor. So wird das Salz zu körnig-feuchter Masse. Guide Charlie: „Ohne Wasser wäre das eine einzige feste Kruste. Das ist sie meist. Das Wasser ist schnell wieder verdunstet.“ Denn heiß ist es, so heiß. Den Flanierenden rinnt der Schweiß über die Stirn, durchs Gesicht. Kappe bzw. Kopftuch und Sonnenbrille tun not. Der eigene Wasserhaushalt ruft nach Nachschub. Hitze und flirrende Luft scheinen noch intensiver als am Visitor Center und sind es. Kein Wunder am bisher heißesten Ort auf Erden, der je offiziell gemessen wurde.

Der Golfplatz des Teufels

Kein Wunder auch, dass manche das Todes-Tal für Teufelswerk halten und wenige Kilometer entfernt vom Basin den Devil’s Golf-Course vermuten. Der Platz entpuppt sich als Areal, dessen Boden mit Messerscharfem bedeckt ist, das wie Blumen aus der Erde zu wachsen scheint. Alles Kristalle, optisch magisch und ein auf die Ewigkeit angelegtes Naturphänomen der Mojave in ihrem Death Valley. Das nächste Phänomen wartet um die Ecke.

Artists Palette nahe Badwater Basin Foto Ulrike Wirtz 9734
Kunst der Natur – die Artists Palette Foto Ulrike Wirtz

Die Artist’s Palette am Artist‘s Drive Scenic Loop, der von der Badwater Rd. abgeht: ein Felsmassiv, auf dessen Flächen Mineralien im Gestein für einen Farbrausch sorgen. Rot, orange, türkis-grün, pink. Sachlich betrachtet sind das Spuren von Eisenoxiden, Bauxit, Chloriden etc. Von hier geht es erst den Loop wieder retour, dann weiter den CA 190. Sand türmt sich auf einmal auf: die Mesquite Flat Sand Dunes. Die Sahara lässt grüßen, allerdings nur auf wenige Kilomter. Die Mesquite Flat Sand Dunes sorgen für Lichtspektakel, je nachdem wie die Sonne den Sand anlacht oder nachts ein voller Mond. Der Wanderweg durch die Dünen ist hin und retour gut drei Kilometer und beschwerlich.

Entlang der Dünen Mesquite Flat Sand Dunes führt die CA 190 E raus aus Death Valley und Kalifornien und zurück in die Mojave von Nevada auf die NV 374 nach Beatty; hier über Nacht im Stage Coach Hotel & Casino.

Geisterstadt Rhyolite und ihr Totem Foto Ulrike Wirtz 9880
Eine Stadt erst hoher Blüte, dann schnellen Zerfalls – Rhyolite ist heute Geisterstadt Foto Ulrike Wirtz

Kulissen-Wechsel: Nahe Beatty wartet ein Relikt von Menschenhand: die Geisterstadt Rhyolite Ghost Town. Wie der Name schon sagt, nur Geister wohnen jetzt noch in den zerfallenen Häusern aus der Blütezeit von rund 1905. Ruinen und Geschichten einstiger Bewohner lassen sich erkunden. Weiter nördlich folgt der Stopp im einstigen Goldgräberstädtchen Goldfield, weil im Ort neben rund 200 Einwohnern noch metallene Geister wohnen und was für welche: Autowracks als Gesamtkunstwerk von Menschenhand.

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Mit Autowracks treibt die Mojave seltsame Blüten Foto Ulrike Wirtz

Die Wracks wurden von kreativen Köpfen mal kopfüber einzementiert oder im Boden eingegraben. Oder die Künstler haben die zerbeulten Auto-Boliden hoch auf andere Wracks positioniert. Das Arrangement beschreibt sich als Galerie der Kunst, nennt sich auch einen Skulpturengarten und fordert Respekt für die Künstler. Alles d’accord und einen Umweg wert.

Der nächste Stopp ist der Tonopah Historic Mining Park und erzählt, wie in Rhyolite und anderswo die Minengesellschaften ihr Geschäft betrieben haben, wenn sie der Wüste ihre Schätze abtrotzten, wenn sie Backofentemperaturen hin oder her nach Bauxit oder Gold und Silber schürften. Manche Firmen tun es immer noch oder tun es wieder. Dass dabei damals auch vierbeinige Mitarbeiter halfen, ist eine ganz andere Geschichte – mit Folgen für die Fauna bis heute. Die lassen sich unterwegs leibhaftig erleben. Die Vierbeiner waren Esel.

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Früher Lastenesel, heute verwildert – Burro heißen sie und sind manchmal zutraulich Foto Ulrike Wirtz

Genannt Burros. Sie wurden damals als Zugtiere und Lastenträger eingesetzt, leben nun verwildert in der Mojave. Und siehe da, ab und an kreuzen sie irgendwo im Nirgendwo auf einmal den Weg und sehen einen niedlich an. Sie lassen eine gewisse Nähe zu. Aber Füttern veboten und Jagen auch.

Die heutige Etappe führt von Beatty nach Tonopah. Der Ort auf 1843 Höhenmeter hat – na klar – ein Casino, eine Brauerei und mit dem alten Mizpah Hotel einen coolen Stopp zum Übernachten.

Tonopah wirkt fast verträumt, dabei herrscht im Ort mit gut 2.000 Einwohnern für die Mojave relativ viel Leben. Gegründet anno 1901, pflegt Tonopah bis heute seine guten Verbindungen zur Air Force und seine starke Vergangenheit als Zentrum der Schürfgebiete in den Bergen. Der legendäre Law-&-Order-Man Wyatt Earp soll seinerzeit vor Ort einen Saloon unterhalten haben. Das Mizpah Hotel, erbaut 1905, war dereinst das höchste Gebäude in ganz Nevada – mit gerade mal fünf Stockwerken. Lang, sehr lang ist das her. Längst haben Las Vegas‘ Hotels diese Höhe gesprengt. Das Mizpah hat dagegen seinen Charme als historische Herberge mit dem Luxus damaliger Zeit erhalten und angenehm ergänzt um heutigen Wohnkomfort.

Mizpah Hotel mit Bar - alles im Glanz alter Eleganz Foto Ulrike Wirtz 0216
Das Mizpah Hotel mit Bar glänzt in alter Eleganz Foto Ulrike Wirtz

Morbides strahlt Tonopahs alter Friedhof aus. Spuken soll es im daneben liegenden Clown Motel, 100 North Main Street, laut Eigner das furchterregendste Motel der USA. Andere zieht es gleich in die Tonopah Brewing Company, 315 South Main Street, auf ein, zwei, drei Bier nach all dem Staub der Wüste; und dazu Burger oder Steak. Auf die Stärkung folgt das Sternegucken, schließlich hat Tonopah einen offiziellen Dark Sky – perfekt für den letzten Abend des Road-Trips retour Las Vegas, wo wieder ein einziges nächtliches Lichtermeer wartet. Dark Sky ist auch ein Titel für Orte/Regionen, wo allein Sterne, Mond und Milchstraße bei Nacht funkeln. Davon hat die Mojave etliche.

Ein Paradies für Sternegucker

Am Firmament herrscht tiefe Dunkelheit, keine künstlichen Beleuchtungen stehlen dem Himmel und seinen Gestirnen die Schau. Ein Faszinosum und eine Story für sich, liegt nun der Fokus auf Ufos am nächtlichen Himmel. Schließlich ist die Area 51 nicht mehr weit, versteckt sich am Weg der letzten Etappe. Achtung – die Area steht für Verschwörungstheorien, Legendenbildung und Utopie. Anders als der bisherige Road-Trip durch die Wüstenei der Mojave, wo vieles zwar ungewohnt-fremd, doch von dieser Erde ist.

Die letzte Etappe führt 250 Kilometer via NV 375 South von Tonopah über Rachel nach Las Vegas. Vorbei an der Nellis Air Force Bombing and Gunnery Range und der berühmt-berüchtigten Area 51, wo angeblich Ufos und Aliens gesichtet wurden. Daher heißt der 375 auch Extraterrestrial HW.

Das Gebiet der Area 51 wird total abgeschirmt, wurde lange Zeit durch diverse US-Regierungen verleugnet und gehört zur Luftwaffen-Basis Nellis Air Force Bombing and Gunnery Range, die Testgelände für Militärisches und sowieso Sperrgebiet ist. Die Basis liegt nahe dem Örtchen Rachel mit kaum 50 Einwohnern am NV 375; Rachel befindet sich damit am nächsten zur ominösen Area. Die einzige Kneipe im Ort ist das Little A’Le’Inn, das seine Geschäfte ganz aufs Außerirdische verlegt hat, alles Mögliche samt Alien-Masken feilbietet, nebst Möglichkeiten zu übernachten.

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Das Little A’Le‘ Inn ist touristische Infrastruktur am Extraterrestrial HW nahe Area 51 Foto Ulrike Wirtz

Obschon sich Ufos und Aliens bisher nicht nachweislich eingefunden haben, lockt die wüste Story darum jedes Jahr aufs Neue Menschen in die Gegend. Der Deutsche Jörg Arnu erzählte der FAZ jüngst seine Sicht der Dinge (Ausgabe 3.5.2025). Er kam laut FAZ 1998 erstmals als Besucher her. Und direkt faszinierten ihn die Dunkelheit der Wüste und ihr Sternenhimmel. Er kannte damals auch schon die Erzählungen zu Außerirdischen. Später bezog der Elektrotechniker und Software-Entwickler ein Haus in Rachel nur wenige Kilometer entfernt von Nellis Basis und Area 51. Arnus Erkenntnisse nach all den Jahren, in denen er Flugbewegungen, Lichter und Überschall-Geräuschkulissen vor Ort beobachtet hat: „Die Area 51 hat mit Ufos und Aliens nichts zu tun.“

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Den Highway nahe Area 51 reklamieren Außerirdische für sich, aber Erdlinge welcome Foto Ulrike Wirtz

Wie er alles sieht und was er beobachtet, hält Arnu auf seiner Website dreamlandresort.com fest: „Das Sperrgebiet ist ganz eindeutig Testgelände für Air Force und Navy.“ Offiziell enttarnt ist die Area 51 als Teil der Basis ohnehin, seit Barack Obama in seiner zweiten Amtszeit ihre Existenz offiziell einräumte. Und Ufos bei Rachel am Straßenrand? Alles Erzählstoff und Touristen-Attraktion und wenn, dann nur Attrappen. Bisher jedenfalls. Die Super Bloom unterwegs war dagegen real.

Websites und weitere Info

Allgemeine Besucher-Info zu Nevada http://travelnevada.de. Zum Tourenanbieter Bindlestiff in Las Vegas www.bindlestifftours.com

Konkretes zu: Mojave National Park Area www.nps.gov/moja. Zum Red Rock Canyon www.redrockcanyonlv.org Zur Mountain Spring Ranch https://parks.nv.gov/Mountain Zu Death Valley National Park, Furnace Creek und Badwater Basin https://www.nps.gov/deva Zu Tonopah www.tonopahnevada.com Zur Rhyolite Ghost Town www.rhyoliteghosttownnevada.com Zum International Car Forest of the last Church https://travelnevada.com/Arts.culture Sowie Tonopah Historic Mining Parc www.tonopahminingpark.com Zu Dark Skies und Sternegucken in Nevada: https://travelnevada.com/stargazing. Zum Amargosa Opera House www.amargosaoperahouse.org; über Becket’s Geschichte berichtet auch eine Filmdokumentation und gewann 2003 einen Emmy.

Die Hotels auf dem Road-Trip: das Pahrump Nugget Hotel & Casino www.goldencasinogroup.com; das Stage Coach Hotel & Casino in Beatty https://stagecoachhotelandcasino.com; das Mizpah Hotel in Tonopah www.themizpahhotel.com

Zum Regen in der Mojave: Durchschnittlich fallen fünf Zentimeter, damit wesentlich weniger als in anderen Wüsten. Gelegentliche Gewitter mit heftigem Regen sind speziell im Spätsommer möglich. Historische Überschwemmungen gab es zuletzt im August 2022; alle Straßen mussten geschlossen worden, Autos wurden weggespült oder unter Erdreich begraben. Es gab keine Rückmeldungen von Verletzten.