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Panama City Beach/Florida: Blaue Stunden – gern mit Stil

Der Badeort Panama City Beach/Florida hat für März/April seinen Ruf weg als Hot Spot wilder Spring-Break-Partys der College-Kids – trotz polizeilicher Restriktionen. In den Sommerferien sorgen Familien aus dem Binnenland für lebhaftes Treiben. Bleibt für Genießer die Zeit off-season, wenn die traumhaften Sandstrände in PCB frei von Massen und blaue Stunden stilvoll sind. 

* © alle Fotos Ulrike Wirtz, soweit nicht anders vermerkt

Sichtlich genüsslich und voll konzentriert führt Josh Dittrich den Joystick des Helikopters. Außer für den Piloten hat der feine, kleine Hubschrauber Typ RR 44 Platz für gerade einmal drei etwas beengt sitzende Passagiere, zwei hinter dem Piloten, einer neben ihm. Andererseits kommt das erhebende Gefühl eines quasi Privatfluges auf. Josh lässt den Heli per Joystick-Bedienung abheben, an Höhe gewinnen, unter dem typischen Bullern der Rotoren abdrehen vom Startpunkt. Schon geht es über Baumgipfel, aufs Meer zu und übers Wasser. Pilot Josh weist fast stolz auf das, was sich nun aus der Vogelperspektive darbietet: weißer Sandstrand scheint’s endlos lang und davor smaragdgrünes klares Meer; der Golf von Mexiko, von US-Präsident Trump einfach umbenannt in Golf of America. Josh: „Der Anblick begeistert mich immer noch, obwohl ich die Strecke so oft fliege.“

Gern lassen sich die Passagiere mitreißen, Augen hierher, Augen dorthin an diesem Mai-Tag mit Hochsommer-Feeling. Das alles beschert die nordwestliche Küste von Florida, dem Sunshine-State im Südosten der USA. Das akzentfreie Deutsch des jungen Mannes outet seine deutschen Wurzeln. Er komme aus Trier, sei seit drei Jahren Pilot in Panama City Beach bei Panhandle Helicopter – „so lange halte ich auch eine amtliche Lizenz, um andere im Heli-Fliegen auszubilden“, so der 24-Jährige. Sight-Seeing-Routen bietet Panhandle Helicopter verschiedene an. Unser Trip wird rund eine Stunde dauern, führt an den Ufern des Badeorts am Golf entlang und ist schon irgendwie fancy, um die Gegend zu erkunden. „Die Leute mögen das, auch weil schon noch etwas Besonderes. Obschon manche erst einmal etwas Angst haben“, sagt Josh. Das gäben seine Passagiere auch zu. „Doch sobald sie von hier oben das Panorama sehen, haben sie nur noch Augen und Ohren dafür. Euch geht es ähnlich, oder?“

Heli-Sightseeing - Blick auf den Golf von Mexiko Foto Ulrike Wirtz
Sight-Seeing vom Heli über den Golf von Mexiko, den Präsident Trump einfach umbenannte in Golf of America*(c)

Sicher ließ sich manches schon beim Anflug per Linienmaschine hierher bestaunen. Nun aber sind wir viel tiefer, näher dran und können uns alles länger ansehen. „Natürlich weil der Heli viel langsamer ist als ein Linienflugzeug. Und wir fliegen kleine Bögen und verweilen so länger“ (Josh). Hierher – das ist eine direkt dem Festland vorgelagerte Insel mit dem Badeort Panama City Beach, der zur Stadt Panama City, Sitz von Verwaltung und kommerziellem Hafen, gehört, auf dem Festland der sogenannten Panhandle Floridas. Panhandle, weil der Norden von Florida, betrachtet auf der Landkarte, optisch an einen Pfannenstiel erinnert. Die „Pfanne“ bildet Süd-Florida, die große Halbinsel, die sich von Norden nach Süden zwischen Atlantik und Golf von Mexiko im südöstlichen US-Zipfel erstreckt.

27 Meilen feinster zuckerweißer Sandstrand und smaragdgrünes Meer

Panama City Beach hat auf seinem Eiland 18.000 Einwohner, die nächste Großstadt ist Tallahassee, Floridas Hauptstadt zwei Autostunden, 130 Meilen, gen Nordosten. Der Badeort ist in den Hauptsaisons Massenziel für Touristen vor allem aus den Nachbarstaaten, da gut per Auto zu erreichen. Wer lieber in die Region fliegt, der nutzt den Airport Northwest Florida Beaches International, kurz ECP. Und fährt von hier nur 20 Autominuten, und schon stehen die Füße in den von der Sonne gewärmten Fluten vor Panama City Beach.

Zuckerweißer Sand und smaragdgrünes Meer in PCB *(c)
Zuckerweißer Sand und smaragdgrünes Meer, Lagune und Bay – vor allem dafür steht PCB*(c)

Was als wahrer Tourismus-Magnet des Badeorts gilt, ist per Rundumblick wunderbar vom Heli zu sehen: dass es von dem makellosen Sandstrand vor smaragdgrünem klaren Wasser gleich 27 Meilen gleich 43 Kilometer gibt. Das Weiß des Sandes wird in Werbebroschüren gern als Zuckerweiß gelobt, was sich vor Ort bestätigt, und wurde den Golf-Ufern im Nordwesten Floridas dereinst von der Erdevolution als Quarzsand beschert. Den trugen Erdmassen aus dem Norden mit bis ans Meer. Zur Natural Beauty gesellen sich durch das Wasser cruisende Boote meist in Weiß und optisch durch den Kontrast zur Farbe des Meeres ein Augenschmaus. Einige Boote fahren unter weißen Segeln.

Alles Freizeit-Boote, ob eigenes oder gechartert und ganz typisch für den Floridian Lifestyle. Was man von oben nicht erkennt: Die Leute auf den Motoryachten frönen oftmals dem Hochseefischen per Angeln. Andere fahren mit den Booten zu den Gründen für das Wracktauchen, für das Taucher-Zeitungen Panama City Beach rühmen, zumal in den Tiefen eigens ausgemusterte Kähne als Tauchobjekte – nach dem Ausschlachten und Recyceln – versenkt wurden. Andere Bötchenfahrer genießen allein das Cruisen. Mit ihrem besonderen Bootsführer-Know-how sind die Segelyachten unterwegs, der eine mehr, der andere weniger sportlich segelnd.

Verbindung zum Panama-Kanal

Die großen Pötte der Berufsschifffahrt dagegen lassen sich weit draußen auf dem Golf verorten. Was nicht von unserem Standort in der Luft zu sehen ist, aber zur Region gehört, sind die größten Arbeitgeber vor Ort: die Militärbasen. Josh: „Vor allem die Tyndall Air Force Base weiter südlich am Ufer. Die wurde 2018 von Hurrikan Michael hart getroffen und wieder aufgebaut. In PCB stationiert sind Naval Support Activity und Coast Guard.” Wieso überhaupt die Namen Panama City und Panama City Beach, letzteres von Locals und Stadtvermarktung gern PCB abgekürzt: laut Historie weil Panama City zu Anfang des 20. Jahrhunderts der nächste US-Hafen zur gleichnamigen Stadt am mittel-amerikanischen Panama-Kanal war. Damals war die Wasserstraße gebaut worden.

Heli-Sightseeing Blick auf Beach Boulevard mit den Hochhäusern Foto Ulrike Wirtz
Der Blick zum Beach-Boulevard und seinen Hochhäusern, im Hinterland St. Andrew’s Bay*(c)

Die Namensvetterin in Florida sollte erster Verbindungshafen der USA zur wichtigen neuen Handelsstraße werden. Das ließ die kleine US-Stadt wachsen, den vorgelagerten Badeort in maritimer Toplage dagegen gab es noch nicht. Der wurde in den 1930er Jahren für Autos zugänglich gemacht durch den Bau von Highway 98 und Hathaway Bridge über das St. Andrew’s Bay. Das brachte erste Auto-Touristen. Daher entstand PCB mit Ferienwohnungen anfangs in Form kleiner Cottages, zu denen sich mit immer mehr Betrieb immer mehr High-Riser mit Ferienapartments direkt den Strand entlang gesellten. Die sind auch aus der Luft unübersehbar, aber machen nur die eine Seite des Orts aus und sind außerdem nicht untypisch in Badeorten an Floridas Küsten.

Traumlage und auch noch pure Natur

Trotz viel Betrieb blieb weitere attraktive Natur in PCB erhalten und erschließt sich wiederum gut von oben betrachtet und erklärt von Pilot Josh. Nämlich die Traumlage auf der Halbinsel mit dem Golf auf der einen Seite und St. Andrew’s Bay auf der anderen, daran anschließend das Festland wie gesagt mit Panama City etc. Aus der Vogelperspektive zeigt sich, wie die Insel mit dem Badeort schön unbewohnt im Süden endet, wo grün bewachsene Eilande mit Natur pur und mehr malerische Sandstrände in Weiß vor smaragdgrünem Meer warten. Sie sind Teil des unter Schutz stehenden, nicht bebaubaren St. Andrew’s State Park. Dorthin werden wir uns später per Segel-Katamaran – noch so ein fancy Gefährt – zum Schnorcheln etc. aufmachen.

Dort wird das Meeresgetier nah an einen heranrücken, auf das der Pilot nun aus der Höhe verweist und das im klaren Meer wie Schattenspiele wirkt: „Seht auf ein Uhr die blitzschnellen Schatten. Das sind Rochen – Stingrays – und von hier oben leicht zu erkennen an der Dreiecksform.“ Ihre langen Stacheln sind aus der Höhe nicht auszumachen, aber zu sehen ist schon, wie sie wie kleine Tornados unter Wasser dahinjagen. „Seht nicht weit davon entfernt die große Schildkröte. Wie sie durchs Wasser gleitet. Das ist ihr Element. An Land sehen die immer so träge aus.“ Momente später sagt Josh: „Da auf zehn Uhr, der lange große Fisch mit platter Nase – das könnte ein Hai sein, aber nicht ein weißer. Dafür ist der viel zu klein.“ Wieder Momente später lenken einen gottseidank Delphine ab, tauchen auf, machen wie bestellt einen Sprung durch die Luft, tauchen wieder ein.

Generell günstig-unprätentiös

Wer sich das alles bei beschaulicher Atmosphäre wünscht, kommt in den Nebensaisons im Oktober/November und Mai/Juni mit bestem Wetter unter tropischem Himmel. „Es kommt bei uns wirklich auf die Saison an, wenn Gäste auf Ruhe und wenig Betrieb Wert legen“, betont Katja Chatfield, seit einigen Jahren General Manager des Hotels Embassy Suites by Hilton Panama City Beach. Sie ist gebürtig aus und aufgewachsen in Franken. Das von ihr seit Jahren gemanagte Hotel ist komfortabel, top gelegen am Beach, Betrieb und Flair in ihrem Haus off season wie nun im Mai sind angenehm. „Dagegen wird es in den Hauptsaisons in PCB einfach voll, weil der Badeort als vergleichsweise günstigeres Ziel für Familien gilt.“

Daher geht es in den Schulferien, auch an Weihnachten, und Feiertags-Wochenenden wie Thanks-Giving Ende November sehr lebhaft zu. Das gilt nicht nur in den auf die Kids angelegten Vergnügungen wie den Gulf World Marine Park mit Delphinen, den Shipwreck Island Waterpark mit den Planschbecken für die Kleinen und Riesenrutschen für die Großen und nicht zuletzt das für Jung und Alt spannende Museum of Man in the Sea mit seiner sehenswerten Sammlung von Taucheranzügen aus verschiedenen Epochen. Desgleichen Pier Park, der wie ein gewachsener Ortskern angelegt ist mit Straßen, aber autofrei, mit Läden, Cafés, Karussell, Spielplatz, IMAX-Kino, Riesenrad, Kneipen und Restaurants.

Der Badeort am Golf hat nicht nur Highriser - siehe das angenehme Hilton Embassy Suites Foto Ulrike Wirtz
Kein High-Riser – das Hilton Embassy Suites*(c)
Vergnügungsviertel Pier Park in PCB Foto Ulrike Wirtz
Eine Art Downtown PCB nur zum Vergnügen – Pier Park*(c)

Weil ein Ort des Massentourismus in den Hauptsaisons, ist auch die Infrastruktur in Sachen Wohnen entsprechend ausgerichtet, bietet daher vor allem Ferienwohnungen sprich Condos, oft gut ausgestattet mit Küchenzeile, in jeder Preiskategorie und meist eben in den Hochhäusern mit 20 bis 30 Etagen. Manche der High-Riser liegen top direkt in erster Reihe am Ufer, verstellen in ihrer Breite zwar auf einige Meter die Küste, haben andererseits Balkone mit 1a-Aussicht aufs Meer. Schöner bzw. individueller auf Zeit lässt sich in PCB auch wohnen und zwar in ansehnlichen Villen und Cottages etwa an nördlicheren Strandmeilen in den Carillon Rental Cottages mit ihren hübschen Gärten.

Bloß nicht zur Spring Break…

Und wehe, es ist Ende März/Anfang April in PCB. Dann ist Spring Break-Time, PCB ein Hotspot für die Jugend, zumal auch dann vergleichsweise günstig. Nun ist gar nichts mit Beschaulichkeit und stilvollen blauen Stunden. Vielmehr ist der Strand schwarz von College-Kids, wie Fotos zeigen. Auch Josh hatte erzählt, wie er das schon hat aus der Höhe bestaunen können. Jungvolk zu Tausenden tummeln sich am Beach, füllen sich in Kneipen quer durch den Ort ab, laute Open Air Musik inklusive. Es geht teils so exzessiv zu, dass die Behörden mitsamt Polizei seit mehreren Jahren schon mit Maßnahmen wie Alkoholverboten am Strand und auf den Straßen, früheren Sperrstunden und starker Polizeipräsenz reagieren. Denn den guten Ruf als Ganzjahresziel für Familien will PCB nicht riskieren und sähe eigentlich auch im Frühjahr lieber junge Familien als die wild feiernden College-Kids.

… aber beschaulich in den Nebensaisons

Bleiben wie gesagt die Monate Mai/Juni und Oktober/November. Nun wird man allerorts kaum mit leidigen Straßenstaus konfrontiert, nicht mit Schlangen an den Ausgaben von Liegestühlen. In Muße lassen sich Strandspaziergänge machen und lässt sich am Abend fast ungestört mit den Füßen im zuckerweißen Sand beobachten, wie die Sonne im Golf-Gewässer untergeht.

Finns Barista Bar serviert auch Veggie zum Fruehstueck Foto Ulrike Wirtz
Finns Barista Bar serviert auch Veggie-Frühstück*(c)
Sharky‘s Beachfront Restaurant *(c)
Sharky‘s am Beach mit Tiki-Bar und relaxt essen und trinken*(c)

Stressfrei und ohne Reservierung lässt sich einkehren, selbst im angesagten Beach-Lokal Sharky’s Beachfront Restaurant direkt am Strand mit Tischen auch im Sand. Ganz ohne Reservierung läuft es in Finn’s Barista Bar, ein Lokal in einer Art simpler Hütte und angesagt für Frühstück und Lunch, auch veggie und vegan. Warteschlangen in Stoßzeiten sind im Finn’s üblich.

Kein Fünf-Sterne-Betrieb – und doch ab und an fancy

Verkehrt übrigens ist in PCB egal zu welcher Saison, wer auf Fünf-Sterne-Hotels steht. Die sucht man vergebens hier. Überhaupt lässt sich die Location zwischen Golf und St. Andrew’s Bay nicht vergleichen mit der am Atlantik in Süd-Florida liegenden Lifestyle-Metropole Miami Beach. Die ist mit Fünf-Sterne-Hotels an ihren Strandmeilen gepflastert, ist berühmt weltweit für ihre angesagte Club- und Gastro-Szene. Daher tummeln sich dort auch Stars und Sternchen aus Hollywood und der Musikindustrie und kosten Ferien egal wann im Jahr entsprechend mehr. In PCB dagegen kein High-Society-Stress, keine Dress-Up-Codes. General Manager Katja, die sich gern auch im Dirndl wie typisch für ihre alten Heimat zeigt: „Wir in PCB sind unprätentiös und selten schick. Bei uns ist alles echt easy living.“

Was eben – siehe Heli-Tour – nicht heißt, dass es nicht doch mal extravagant-gut und sogar schick sein darf. Lukullisch zum Beispiel. Da gilt als eine angesagte-Adresse weit und breit und das seit langem Capt. Andersons‘ Restaurant & Waterfront Market, ein Familienbetrieb seit 1967, eher rustikal gehalten und hochgelobt für die Top-Qualität bei Fisch und Fleisch und für seine große Auswahl an national wie international guten Weinen und Champagner. Es liegt in einer Marina mit Fischer- und Freizeitbooten an den Stegen direkt an der Lagune, hat Platz laut Website für 725 Leute und deckt seine Tische fein mit Stoffservietten ein. Das Motto heißt: „No heavy sauces“ – keine schweren Saucen – und wird eingehalten. Und der Service läuft für die Kunden, sobald drin, wie am Schnürchen.

Capt. Andersons' Restaurant serviert solche frusch gefangenen Meeresfrüchte Foto Ulrike Wirtz
Capt. Andersons‘ Restaurant serviert solch frische Meeresfrüchte…*(c)
Capt.-Andersons' Catch Of The Day Foto Ulrike Wirtz
…und Catch of the Day wie diesen – alles ohne heavy sauce*(c)

Bei Cap. Andersons‘ heißt es nämlich auch, vorsorglich Geduld mitzubringen. Denn selbst an einem Mittwochabend im Mai reiht sich eine lange Warteschlange vor der Tür auf, an der auch auffällt, wie sehr sich die Leute höflich in Geduld üben, wie in USA üblich. „Das Lokal ist immer stark frequentiert“, sagen Hobby-Fischer, die um die Ecke des Restaurants gerade ihren Tagesfang sortieren, nachdem sie von hier aus am Morgen mit Charterboot rausgefahren waren. „Wir haben kiloweise Snapper geangelt – in nur acht Stunden draußen. Gleich geben wir unsere Fänge hier ab und bekommen sie gesäubert zum Mitnehmen zurück. Wir können uns wünschen, ob unsere Fänge fertig zum Grillen oder zum Einfrieren aufbereitet werden.“ Was für ein Service. 

Auf edel speisen mit Top-Weinen in den Reserve Room

Ganz anders die Location The Reserve Room nahe Hombre Golfplatz hinter Downtown PCB, da eine gehobene Adresse. Das sieht man schon an der erlesenen Einrichtung und wie fein die Tische eingedeckt sind – ganz comme il faut. Es ist ein Private Dining, das heißt, Plätze müssen immer fest reserviert werden, die Party startet nur ab einer Mindestzahl, und Chef Philippe Robles kreiert ein Mehrgang-Menu. Zum Beispiel Charcuterie Selction, dazu ein Pierre Moncuit Delos Grand Cru Brut Champagner. Danach ein Hawaian Walu White Tuna Sashimi, dazu eine Amici Cellars Sauvignon Blanc. Und und und.

Eine sehr feine Adresse zum Essen und Trinken - der Reserve Room Foto Ulrike Wirtz
Extravagant-feine Adresse für Private Dining – der Reserve Room*(c)
Der Chef vom Reserve Room Philippe Robles steht für feine  Kochkunst aus Europa und USA Foto Ulrike Wirtz
Chef Philippe Robles kochte in Tophäusern in Europa und USA*(c)

À la carte gibt es nichts. Dafür erzählt Philippe Robles gern einiges zu den Speisen und seiner Person: „Ich habe unter anderem an der französischen Cote d‘Azur und im schweizerischen Genf in Michelin-prämierten Restaurants Kochen gelernt und mein Know-how verfeinert.“ Zur Philosophie des Küchenchefs gehört, seine lukullischen Genüsse immer mit von ihm und dem Sommelier ausgewählten Weinen zu kredenzen, ob europäische oder globale Gewächse oder kalifornische Top-Tropfen aus dem Nappa Valley und Sonoma. Das hat seinen Fix-Preis, kostet durchaus bis zu 275 Dollar pro Person inklusive Tipp, je nach Weinen auch mehr. Dafür gibt der Sommelier zu jedem Tropfen Erläuterungen über Herkunft und Eigenarten der Weine. Einfach gut das Konzept. Für kleinere Budgets finden aber auch Abende statt, etwa für 65 Dollar pro Person nach dem Motto Wine, Cheese & the Russian River: mit roten und weißen Tropfen vom Flusstal in Sonoma/Kalifornien. Die sind berühmt für ihr Reifen im kühl-sonnigen Pazifik-Klima.

Unter Segeln zum Schnorcheln

Stilvolles PCB – was das Fortbewegungsmittel angeht, geht es auch zu Wasser fein weiter, folgt auf den Heli der Segel-Katamaran. Das Boot verchartert Island Time Sailing in Panama City Beach und operiert vom alten, nun aufpolierten Anlegesteg mit Bar namens Dock‘s in PCB aus. Kapitän bzw. Skipper, wie es in der Yachti-Spache heißt, ist Clay Evans, der erklärt: Der Katamaran sei 50 Feet, also rund 17 Meter lang, und heiße Katamaran, weil er die zwei Rümpfe hat. „Meine Crew und ich sorgen hoffentlich dafür, dass Ihr viel Marine Wildlife seht.“ Weiß ist seine Yacht, hat Platz für bis zu 65 Passagiere auch unter Deck, kommt aber viel komfortabler und idyllischer über mit kaum 20 Passagieren und weniger.

Unter Segeln auf dem Katamaran nach Shell Island * (c)
Extravagant segelt es sich mit dem Katamaran nach Shell Island *(c)

Alle finden nach und nach ihren Platz, ob vorne am Bug sitzend oder im Netz liegend, das zwischen den beiden Rümpfen vorn gespannt ist oder vor dem Mast hockend, weil für zu Seekrankheit neigende der stabilste Platz an Bord. Schnell vermittelt das Gefährt ein Gefühl von Luxus, nicht nur weil sich neben dem Kapitän noch zwei Deckhands um Boot und Gäste kümmern, indem sie Getränke kredenzen und Snacks. Oder sie ordnen die Takelage und setzen nach dem Ableger auf dem Meer die Segel. Der Motor läuft leise unterstützend mit.

Ziel ist erst der St. Andrew’s State Park und das daran anschließende Eiland Shell Island. Ein unerschlossenes Inselchen von 700 acres mit zuckerweißem Sandstrand und Marschland dort, wo Salzwasser sich mit Süßwasser aus dem Bay vermischt. Die Natural Beauty war schon vom Heli aus zu bewundern. Skipper Clay erzählt, wie in den Ferien und an langen Feiertagswochenenden hier der Bär los sein kann. Nicht weil man auch ohne Boot an die Strände in St. Andre’s State Park kommt: erst per Fahrrad oder Auto zum Gate von St. Andrew’s State Park, von da ein gutes Stück zu Fuß. „In den Nebensaisons sind die Strände des Parks die meiste Zeit eher leer“, so Kapitän Clay. So auch jetzt im Mai. Das gilt auch fürs kleine Eiland Shell Island.

Mit Captain Clay Evans auf nach Shell Island  (c)
Relaxt – Captain Clay auf seinem Kat nach Shell Island*(c)
Shell Island ist perfekt zum Schnorcheln* (c)
Vor dem Eiland können auch Ungeübte schön schnorcheln*(c)

Umso schöner wird die Tour mit dem quasi privaten Segelboot, weil der Skipper nach Ankunft in einer Art Lagune an einem ruhigen Platz vor der Insel Ausschau hält und ankert. Das Wasser ist hier gerade mal 2,00 Meter tief. Nun Schnorchel raus oder Paddle Board zu Wasser lassen, alles im Trip inbegriffen, und rein ins smaragdgrüne Wasser. Schnorchelnd ist nun aus der Nähe zu sehen, was auch aus der Vogelperspektive auszumachen war, nur dass alles jetzt zum Greifen nah zu sein scheint. Rochen jagen über den sandigen Boden. Schildkröten ziehen ihre Bahnen.

Delphine spielen gern um Boote herum, hier als Schatten im Golf  *(c)
Delphine spielen im Golf gern um Boote herum, hier zwei als Schatten unter Wasser *(c)

Was von oben nicht zu sehen war, sind kleine Fische in Schwärmen, die zu Hunderten auf einen zu- und weiterschwimmen. Skipper Clay verspricht für den Rückweg durch den Golf, dass wir dort auf Delphine treffen. Und hält sein Wort – wie schon Heli-Pilot Josh zuvor. 

Wichtige Websites, Social Media und weitere Info 

Allgemeines zu Panama City Beach, auch Unterkünfte und Attraktionen www.visitpanamacitybeach.com. Social Media: Twitter @Visit_PCB; #RealFunBeach; Instagram @Visit_PCB; #ReanFunBeach; Facebook @Visit Panama City Beach; #RealFunBeach

Flug Ziel ist der Airport Northwest Florida Beaches International mit dem  Kürzel ECP, mit weltweiter Anbindung, auch nach Deutschland: ab Frankfurt und München mit Umsteigen etwa über Houston mit Lufthansa und United und via Atlanta mit Delta.

Leihwagen Das Auto in Deutschland zu mieten ist in der Regel günstiger, auch bei US-Rental-Car-Companies wie Alamo. All-In-Angebote oft am besten www.alamo.de

Hoteltipps Embassy Suites by Hilton Panama City Beach – angenehm schon weil kein Hochhaus, moderne große Zimmer, Pool und top seine Lage am Beach-Boulevard. Chefin ist die Deutsche Katja Chatfield www.hilton.com. Gepflegt wohnt sich auch in den Condos von Carillon Beach Rentals, ebenso keine High-Riser; zehn Autominuten nördlich von Pier Park an der Strandstraße www.https://www.carillonbeachrentals.com

Spezialisten Helikopter-Sightseeing https://panhandlehelicopter.com. Per Segel-Katamaran nicht nur zum Schnorcheln https://islandtimesailing.com

Erwähnte Restaurants Sharky’s Beachfront Restaurant: https://sharkysbeach.com. Capt. Andersons’ Restaurant & Waterfront Market https://captanendersons.com. The Reserve Room https://reserveroomfl.com. Noch eine Top-Adresse für Fine Dining mit Fleisch und frisch Gefangenem aus dem Meer: das Fire Fly. Seine Bar ist eingerichtet wie eine Bibliothek, das Restaurant schick eingedeckt. Barack Obama war schon zu Gast, wie Fotos von ihm mit Widmung zeigen https://www.fireflypcb.com

Typisch Florida – Airboats brettern mit Getöse und buchstäblich spritzig durch das Marschland, dort wo Salz- und Süßwasser – Fresh Water – sich vermischen und eine spezielle Flora und Fauna entstand. Touren auf diesen uneleganten, dafür ungewohnten Booten gibt es auch für zahlende Gäste. Das Marschland ist typisch altes Florida und breitet sich im Hinterland von PCB aus, wo St. Andrew’s Bay, kleine Lagunen und Flüsschen sich mit Meerwasser verbinden. Da der Wasserstand – ganz typisch – flach ist, haben Airboats kaum Tiefgang, scheinen dahinzufliegen, wenn ihre Skipper, wie Kaleb von Wild Thang Airboat Tours, auf den Gashebel drücken. Wie dann das Boot quasi übers Wasser schwebt, wie der große Ventilator am Heck es antreibt. Kaleb: „Airboats fahren auf einer papierdünnen Schicht Wasser. Das hohe Tempo besorgen PS-starke Motoren. Unserer hat 600 PS.“Motor und Ventilator werden umso lauter, je höher der Speed. Das dürfte Naturfreunde eher abschrecken https://www.wildairboat.com

Im Marschland des  alten Floridas unterwegs auf lauten Airboats*(c)
So durch das Marschland – laut auf einem Airboat*(c)…
Gemächlich zu Fuß durch das Marschland im Conservation Park *(c)
…oder so – ruhig zu Fuß im Conservation Park*(c)

Typisch Florida – Wer also das Marschland beschaulich entdecken möchte, durchwandert die Landschaft im Conservation Park nur wenige Auto-Kilometer entfernt vom Bootsableger (Foto oben re). Im geschützten staatlichen Areal sind Trails angelegt, auf denen man bleiben sollte – Achung Alligatoren. Sie leben im Marschland, aber auch Libellen, Schmetterlinge, Weißkopfadler oder Rotwild und Wildschweine. Trails sind ab knapp drei Kilometer (1,7 Meilen) bis gut 17 Kilometer (elf Meilen) lang und sind gut beschildert auch mit Learning Stations (Info und Fotos) zu dem, was sich am Weg oder im Gebüsch tut. Der Park wurde mittels ausgefeiltem Wassermanagement System in Marschland zurückgeführt, um die einstige Natur wieder herzustellen und für die Nachwelt zu konservieren https://pcbgov.com

Auf Dolly Partons Spuren Junge, jung Gebliebene und Fans der jüngst verstorbenen Dolly Parton zieht es in die Pirates Voyage Dinner & Show in PCB, ein Event mit Tanz, Akrobatik, Lichtspielen und Musik. Die Country-Legende war Initiatorin und Eigentümerin der Show. Erzählt wird die wahre Story zweier rivalisierender Seeräuber in der Region im 17. Jahrhundert, das mit tollen Piraten-Kostümen, bombastischem Bühnenbild inklusive 15 Feet gleich drei Meter tiefem Wasserbassin als Lagune. Das schafft das Flair für spektakuläre Fights zwischen den Crews der Piratenschiffe Crimson und Sapphire https://piratesvoyage.com  

Pirates Voyage Dinner & Show, inszeniert und betrieben von der gerade verstorbenen Dolly Parton *(c)
Die Pirates Voyage Dinner & Show, inszeniert und betrieben von der jüngst verstorbenen Dolly Parton*(c)
Das Luxus-Spa des Hubertus Mountain Refugio Allgäu Foto Ulrike Wirtz

Hubertus Mountain Refugio Allgäu – Auszeit auf Top-Level

Das Hotel HUBERTUS im Bergdorf Balderschwang empfängt seine Gäste heuer seit 75 Jahren. Damit hat die Gründerfamilie Traubel, heute in 3. Generation, einen wahren Rückzugsort für komfortable relaxende Tage in den Alpen geschaffen. Eine ausgewogene Kulinarik rundet das Wohlgefühl ab. Alle Fotos Ulrike Wirtz, wenn nicht anders vermerkt

Wer das Hotel Hubertus Mountain Refugio Allgäu von Osten, von München etwa, ansteuert, überquert kurz vor dem Ziel den Riedberg-Pass mit den traumhaften Serpentinen Richtung Bergdorf Balderschwang, Heimat des Refugio Hubertus. Vor Ankunft am Hotel lassen sich auf dem Weg schon zwei Höchstwerte aufs Reisekonto buchen: Der Riedberg-Pass ist mit 1.782 Meter über Null der höchste befahrbare Gebirgspass in deutschen Landen. Und Balderschwang, gelegen auf 1.044 Meter, ist der höchste Bergort Deutschlands. Einige Tage hier bringen weitere Höchstwerte: für die alpenländische Natur-Idylle und das Hotel Hubertus.

Herbststimmung in den Alpen nahe Hotel Hubertus Mountain Refugio Allgäu (c)Hubertus Mountain Refugio Allgaeu
Stimmungsvoll ist es rund um das Hotel Hubertus Mounatin Refugio in Balderschwang (c)Hubertus Mountain Refugio Allgaeu

Denn das Refugio macht seinem Namen alle Ehre, stellt sich heraus als Rückzugsort auf Zeit für Stressgeplagte und solche, die bei unaufdringlichem Luxus verwöhnt werden wollen – bei Wohnen und Essen, im Spa mit Fitness und Anwendungen, bei alpiner Action, im Winter auch im Schnee, oder einfach mal nur mal wohlig nichts tun. Und das in der Bergwelt der Allgäuer Alpen im südwestlichsten Zipfel Deutschlands. Darauf stimmten die letzten acht Kilometer der Anfahrt top ein. So lang ist die Strecke zum Hotel ab Scheitel des Riedberg-Pass, führt Haarnadelkurve um Haarnadelkurve hinab. Kaum unten – auf immerhin noch 1.000 Höhenmeter – dehnt sich das Balderschwanger Hochtal gen Westen Richtung Bodensee und Bregenzerwald aus.

Wo wenige Häuser sich um ein Kirchlein versammeln, das seit Einfahrt ins Hochtal seine Turmspitze zeigt, ist Balderschwang erreicht. Die rund 400 Einwohner verteilen sich sichtlich durch das Tal. So begrüßt einen nahe Ortschild auch erst einmal nur ein einzelner Bauernhof, darauf folgen wieder nur Wiesen. Der Hof hat die traditionelle allgäuische Holzfassade, dunkelbraun gegerbt vom Wetter. Die Fensterbänke schmücken Blumenkästen, üppig bepflanzt in Pink, Rosa und Weiß an diesem Tag Ende Juni. Auf der Koppel neben dem Haus tollt eine schwarze Stute mit Fohlen herum. Rechts und links von Straße und Hof steigen malerisch grüne Wiesen und Wälder empor, bis die Gipfel der Hausberge erreicht sind, so etwa der 1.436 Meter hohe Gelbhansekopf.

Blick von Osten ins Balderschwanger Hochtal Foto Ulrike Wirtz
Der Blick von Osten durch das Balderschwanger Hochtal Richtung Bodensee und Bregenzerwald

Das ist buchstäblich malerische alpenländische Beschaulichkeit. Mehr davon gibt das Umland rund um Balderschwang her, vor allem mehr Natur, da Teil des Naturparks Nagelfluhkette, der sich auf 400 Quadratkilometer auf deutsch-österreichischem Boden verteilt. Der Naturpark steht für die gut 1.700 Meter hohen Gipfel von Riedberger Horn und Siplingerkopf; steht für über 1.000 Kilometer Wanderwege und Hütten zur Einkehr; für Tannenwälder und Wiesenblumen, für 500 Alpen und Alpweiden mit Vieh. Daher das Geläut von Kuhglocken, die im Allgäu Schellen heißen, auf Höhe des Orts und höher hinauf. Balderschwang und das Hubertus Mountain Refugio Allgäu liegen mittendrin.

Elegant-allgäuisch, nicht schnörkelig-überladen

Vor dem Kirchlein tut sich das Hotel auf, gefällt im allgäuisch-dezenten Äußeren mit viel hellem Holz. Ganz anders das Gebäude des Mountain Spring Spa in einer schick-modernen Architektur, das so auch auf Sylt stehen könnte. Bis aufs Material wiederum, nämlich der Fichte als Naturholz der heimischen Berge. Das Spa des Hubertus fällt auf und gefällt, entfaltet nämlich optisch trotz seiner Größe keine Wucht. Das liegt daran, dass seine drei Etagen harmonisch zu den Bergwiesen anschließen, die hinter dem Gebäude steil ansteigen. Das liegt am Schnörkellosen seiner Linien im Mix mit dem Material für das Äußere: zur hellen Fichte große Glasflächen. Das Ansehnliche draußen macht neugierig auf innen. Das Spa gewährt aber von der Straße keinen Einblick.

Blick über_Infinity Pool gen Riedberg-Pass Foto Ulrike Wirtz
Blick gen Osten vom Infinity Pool Richtung Riedberger Horn und Passstraße

Der Infinity-Außenpool im ersten Stock lässt sich nur erahnen, Sonnenschirme und ein schaukelnder Korb, ein Hanging-Egg, sind zu sehen, in dem es sich entspannend sitzen lässt. Aber all das erschließt sich erst nach dem Einchecken. So auch die großen Spa-Terrassen im ersten und dritten Stock, umrandet von Beeten mit Gräsern und Wiesenblumen wie auf der Alp, und immer der Blick auf Berge; der große Pool drinnen als Verlängerung des Infintiy-Pool draußen; dazu ein Naturbadesee als Teil einer Teichanlage. Alles ist geräumig. Im Rooftop im dritten Stock weitere Freiflächen mit Berg-Blick, aber auch ein japanisches Warmwasser-Bad, ein Onsen, mit Zen-Steingarten und Aussicht auf sattgrüne Wiesen. Einfach harmonisch dieser Touch von Asien und Allgäu.

Natursee-Pool im Mountain Spring Spa des Hubertus Foto Ulrike Wirtz
Der Naturbadesee im Hubertus-Spa erfrischt mit kühler Temperatur

Drinnen Ruheräume mit Tee und Wasserstationen, Yoga-Halle, vier Saunatypen, zehn Behandlungsräume. Auch drinnen edel-helles traditionelles Fichtenholz und schnörkellos wie beim Äußeren. Die Formsprache des Mobiliars, ob Liegen oder Pendel-Eier, ist modern-reduziert, gekonnt dekoriert mit Farbtupfern bei Kissen und Decken und ausgesuchten Accessoires. Rundum die schon von außen bewunderten bodentiefen Fenster, auf dass die Aussichten auf Berge und Hochtal von drinnen so gut sind wie von draußen. Nicht zuletzt eine mit allem Pipapo an Premiumgeräten ausgestattete Fitness-Lounge und natürlich spezielle Wellness-Angebote und Ayurveda-Anwendungen.

Spa-Wartebereich für die Treatments Foto Ulrike Wirtz
Schick-behaglich und leicht asiatischer Touch – auch das gefällt am Mountain Spring Spa; hier der Wartebereich für die Spa-Treatments

Doch wie gesagt, dazu später. Erst einmal ankommen. Am Hoteleingang steht in schlichtem Schriftzug „HUBERTUS Mountain Refugio Allgäu“, daneben ein ebenso schlicht gemaltes Hirschgeweih. Das erinnert an die Anfänge des Hotels vor nunmehr 75 Jahren. Das Haus führen heute zwei Generationen: Karl Traubel und Gattin Christa als Vertreter und Chefs der zweiten Generation sowie der Sohn Marc Traubel mit Gattin Sabrina als dritte Generation. Der Gründer war 1951 auch ein Karl und Vater des Seniors. Der erste Karl kam vor 75 Jahren mit Kind und Kegel aus München in die alpine Abgeschiedenheit, wollte nur einige Jahre bleiben, baute erste Ferienzimmer.

75 Jahre Hotel Hubertus im Balderschwanger Hochtal

Der gelernte Metzger war immer mehr bei den Jägern nachgefragt, die in die Region kamen. Weil Karl damals das erlegte Wildbret gleich vor Ort für die Waidmänner aufbereitete. Dazu gesellten sich im Winter Tourengeher, die auf Skiern aufstiegen, die zunehmend einige Tage im hohen, fast abgeschnittenen Balderschwang verweilten. Als 1961 die Riedberg-Passstraße gebaut und so die Zufahrt zum Tal und Ort von Osten kommend deutlich erleichtert wurde, kamen immer mehr Gäste auf Zeit.

So war es ganz früher am Hubertus Foto vom Foto Ulrike Wirtz
So war es einst winters rund um das Hubertus, eröffnet…
So war mit den Traubels ganz früher im Hubertus Foto vom Foto Ulrike Wirtz
…von den Traubels 1951 Fotos von Foto Ulrike Wirtz

Heute hat das Hubertus 66 Zimmer und Suiten, eine Restauration mit Angeboten von morgens bis abends und verwöhnt seine Gäste aus nah und fern auch im 2021 neu erbauten Mountain Spring Spa. Das Team ist international und besteht aus über 100 Damen und Herren. „Reinkommen“ begrüßt einen inzwischen ein Spruch auf der Fußmatte direkt beim Betreten der Lobby und setzt den relaxten Ton im luxuriösen Refugium. Der Lobby angeschlossen ist eine kleine, reichlich und fein sortierte Bar, dazu stylische schwarze Sitzmöbel, doch auch helle hölzern-rustikale Hochtische und allgäuische Dekors. Daran schließen Teestube und Weinbar an mit guten Tropfen aus dem Alpenland, zum Beispiel Weiße und Rote vom Weingut Aufricht am Bodensee nahe Meersburg, desgleichen vom Weingut Reichsrat von Buhl in Deidesheim, vom italienischen Ca dei Frati in der Lombardei oder dem Tedeschi in Venetien.

Lobby und  Bar des Hubertus Foto Ulrike Wirtz
Raufkommen zum Runterkommen verheißt das Hubertus – hier sein Entrée, hinten rechts die gut sortierte Bar…
Nur eine der Terrassen im Hubertus Foto Ulrike Wirtz
…hier eine der Terrassen im Refugium auf gut 1.000 Höhenmeter und lauschig auch in kalten Jahreszeiten

Ambiente, Flair – alles lädt zum Verweilen ein. Alles ist stilsicher gestaltet und sichtlich aus einem Guss – im ganzen Hubertus von heute. „Unsere Familie hat seit Anbeginn das Geschäft mit Tatkraft und Seele immer weiter entwickelt“, so der heutige Senior Karl Traubel. Dazu gehörte der zunehmende Fokus auf anspruchsvolles Ambiente, Wellness und gute Kulinarik. Dabei ist bei Stil, Architektur und Philosophie des Hauses die heutige Seniorchefin Christa nach wie vor im Lead. Der letzte große Schritt des Hubertus hat aber auch mit dem leidvollen Lawinenunglück im Januar 2019 zu tun. „Bereits vor dem Unglück war ein Umbau geplant. Nun mussten wir aber die Pläne ändern und anpassen. Dann kam Corona hinzu“, so Junior Marc Traubel.

Am Ende haben die Traubels das Hubertus und sein Konzept überarbeitet und in der Folge das luxuriöse Spa neu gebaut. „Um Fortentwicklung und Philosophie nach außen sichtbar zu machen, haben wir uns umbenannt.“ In „HUBERTUS Mountain Refugio Allgäu und Mountain Spring Spa“, wie es am Eingang steht. Was der neue Name auch transportieren soll: „Wir hatten unser HolisticLife-Konzept schon um 2017 zu einem ganzheitlichen Wohlfühlangebot ausgebaut. Nun betonen wir unsere Natur als Kraftquelle und Rückzugsort“, so Karl und Marc.

Work-out-Lounge Foto Ulrike Wirtz
Erst trainieren im gediegenen Mountain Spring Spa…
Spa-Rooftop und Bergpanorama Foto Ulrike Wirtz
…dann relaxen auf dem Rooftop mitten in den Allgäuer Alpen

Alles strikt nach dem Motto für die Gäste: Alles kann, nichts muss. Ob Ayurveda-Behandlung, Wellness-Treatment, individuelles Coaching, ob Klangschalen-Meditation oder Sauna-Rituale, ob Workout und Krafttraining mit und ohne Personal Trainer, ob Gesichtsmassage oder Faulenzen. Das Wohlfühlkonzept HolisticLife hatten die Traubels vor knapp zehn Jahren eingeführt, da hatten sie bereits 20 Jahre zuvor umgestellt auf Wellness-Angebote. Senior Karl: „Bis dato hatten wir auf Gruppen- und Busreisen gesetzt.“

Karl Traubel, der jetzige Senior 
(c)Hubertus Mountain Refugio Allgaeu
Familienbetrieb in dritter Generation: Karl Traubel, jetziger Seniorchef, ist der Sohn des Gründers…
Marc, noch der Juniorchef im Hotel Hubertus (c)Hubertus  Mountain Refugio Allgaeu
…Marc der jetzige Juniorchef – beide sind die Gastgeber im Hubertus (c)beide Fotos Hubertus Mountain Refugio Allgaeu

Der heutige Senior, 72, weißes volles Haar und Rauschebart, und der Junior Marc, 44, teilen sich die Rolle des Gastgebers, und jeder trägt seinen Teil zur Gästebetreung bei. Das bedeutet für die Gäste auch, dass Karl und Marc den einen oder anderen Abend dazu einladen, Traubels bzw. des Hubertus‘ Speisekammer kennenzulernen oder bei einer Küchenparty die Mannschaft mit Chefkoch Kristian Knölke bei der Arbeit zu erleben. Marc wie auch Karl gehen selbst als Guide mit Gästen auf Wanderungen. Andererseits hält Seniorchefin Christa im Haus für Interessierte Vorträge zum Hubertus-HolisticLife-Konzept. Juniorchefin Sabrina kümmert sich um die Kids – „hoffentlich die vierte Traubel-Generation im Geschäft“, sagt Marc.

Das würde kaum überraschen, prägen die Liebe zu Ort, Höhenlage und Allgäuer Alpen seit 75 Jahren die Familie und ihr Hubertus, sind zugleich kein Zeichen für Stillstand, auch jetzt nicht mit dem rundum erneuerten Hubertus. Kaum verwunderlich bei so viel Unternehmertum, wenn Marc Traubel sagt: „In den nächsten Jahren planen wir strategische Erweiterungen in den Bereichen Zimmer und Restaurant.“

Familienbetrieb in dritter Generation und kein Stillstand

Wer heuer das rundum neu gestaltete Hubertus besucht, sieht und fühlt: Altbacken ist so überhaupt nicht der Stil der Traubels. Tradition schon, gerade auch bei der Auswahl der Materialien. Das helle Holz bei Hotel und Spa ist außen und innen Fichte, innen bei den oft handgefertigten Vollholzmöbeln und Fußböden außerdem Lärche, Weißtanne und Eiche. Bei Stoffen herrscht meist Leichtigkeit in Form von Baumwolle und Leinen vor. Für Kissen und andere Details kommt Filz hinzu. Nichts ist überladen, nichts kitschig. Alles vermittelt Geborgenheit. Selbst in den Zimmern der einfacheren Kategorien gefallen Verwöhn-Details: ein Hanging Egg wie im Spa, eine Wärmflasche mit Filzbezug, der Rucksack zum Ausleihen, Yoga-Matte, Badetasche für den Spa-Besuch und flauschige Bademäntel.

Zimmeridylle günstige Kategorie Foto Ulrike Wirtz
Zimmeridylle sieht für Einzelreisende in der günstigeren Kategorie so aus

Pünktlich zum 75. Geburtstag hat das Hubertus alle seine Zimmer und Suiten, alle entweder mit Balkon oder Terrasse, mit Blick auf die Berge, Wiesen oder ins Grüne des Spa. Die Einzelzimmer sind 21 bis 27 Quadratmeter groß, Doppelzimmer bis 30, Suiten je nach Kategorie 52 bis 64 Quadratmeter. In der Hubertus Suite kommen Kaminofen und Regendusche hinzu. Die Suite Gipfelglück hat eine in den Wohraum integrierte Badewanne. Im Liebesnest sorgt der Blick von der Badewanne direkt in den Bregenzer Wald für unvergessliche Momente zu zweit, den Sonnenaufgang inklusive.

Adlerhorst Suite (c)Hubertus Mountain Refugio Allgaeu
Luxus wartet nicht nur in dieser Suite (c)Hubertus Mountain Refugio Allgaeu

Nach einigen Tagen eigener Erfahrung und Erholung vor Ort erfüllt sich der von den Traubels für das Hubertus gesetzte Anspruch, „Raufkommen. Zum Runterkommen.“ Vor Ort erfährt der Gast auch, dass die Natur der Allgäuer Alpen im Hubertus auch präsent ist über die Wildkräuter, die sie hervorbringt: Sie nutzen die Kräuter wegen ihrer wichtigen Effekte für die Gesundheit, verwenden sie für Spa-Behandlungen, selbstgemachte Tees und in der Küche als geschmackvolle Zutat. Bei Kräuterwanderungen und in Gewürz-Workshops können Gäste in deren Eigenschaften als natürliche Quelle fürs persönliche Wohlbefinden und für den Speisezettel zu Hause einsteigen.

Ausgewogene Kulinarik mit Slow-Food und Jausensackerl

Die Kulinarik betreiben die Traubels in ihrem Hubertus inzwischen mit besonderem Nachdruck, mit Chefkoch Kristian Knölke am Ruder. Die Küche verbindet Allgäuer Tradition mit modernen Kochrichtungen aus aller Welt, vereint frische Produkte der Region mit internationalen Qualitätsprodukten, setzt auf gesunde und schonende Zubereitung ohne Zusatzstoffe – nach dem Motto alles frisch und geschmackvoll, raffiniert und abwechslungsreich und Slow-Food in Neudeutsch genannt, die Ausrichtung auf gesunden regionalen Essensgenuss. Allein dafür lohnt sich ein Abstecher ins Hubertus, das wegen seiner Abgelegenheit und entsprechender Abwesenheit anderer Top-Lokale zu Recht auf Vollpension setzt.

Als Vorspeise gebeizter Seesaibling Meerrettich-Schaum Pumpernickel-Erde Foto Ulrilke Wirtz
Als Vorspeise etwa gebeizter Seesaibling auf Gartengurken-Apfelsalat an Meerrettich-Schaum und Pumpernickel-Erde…
Als Zwischengang Junglauch-Kartoffel-Trüffeltarte mit Bergkäse Foto Ulrike Wirtz
…oder etwa vom ayurvedischen Wanderweg Nuss-Hirse-Bratlinge auf Chinakohlsalat zu Blaubeersauce

Das heißt neben Frühstück mit Jausensackerl zum selbst Füllen, neben Lunchbuffet und Kuchentafel am Nachmittag täglich am Abend ein Viergang-Menu mit einer Auswahl verschiedener Alternativen, auch vegetarisch bzw. vegan. Und jeden Sonntag wird ein LebenEssenz-Menu mit fünf Gängen kredenzt. Auf den Tisch kommen Vorspeisen wie zum Beispiel gegrillter Seesaibling und marinierte Wassermelone, beides an Gartengurken-Apfel-Salat. Kommt etwa weiße Strauchtomaten-Ingwer-Suppe oder als ein Zwischengang Junglauch-Kartoffeltrüffel-Tarte. Hauptgerichte sind nicht nur wahlweise das Filet vom Wiesenschwein oder ein gegrilltes Zanderfilet. Gemüse mal gegrillte Paprika, mal Kohlrabi, mal Zuckerschoten oder oder. Nebst weiterer Begleitung durch Süßkartoffeln, Tagliatelle oder schwarzem Risotto. Und dann die Desserts – vielleicht ein Kaffee-Muffin zu Aprikosensalat als vegane Option oder eine Opera-Schnitte mit Alpenmilch-Blütenhonig-Eis.

Zanderfilet Zuckerschoten Tagliatelle und Zitronensauce Foto Ulrike Wirtz
Aus Leichtem so Leckeres zaubern wie hier das Zanderfilet auf Zuckerschoten und Tagliatelle, dazu Zitronensauce
Birnen-Ingwer-Kuchen an Nougat-Creme und Mascarpone-Eis Foto Ulrike Wirtz
Zum Nachtisch darf es süß sein – so wie dieser Birnen-Ingwer-Kuchen an Nougat-Creme und Mascarpone-Eis

Als Hubertus-Klassiker sind on top täglich unter anderem im Angebot: Balderschwanger Rinderroulade und klassische Käsespätzle, noch dazu Hüftsteak, Rumpsteak, Entrecote. Küchenchef Kristian: „Die Steaks können täglich vorbestellt werden, damit sie sous vide vorgegart und damit am Abend mundgerecht nach gewünschter Garstufe serviert werden können.“ Dass er und die Familie Traubel ihre Lieferanten von Hand verlesen, dass sie zudem die aus der Region gut kennen, überrascht nicht. Marc Traubel: „Wir pflegen mit unseren ansässigen Erzeugern regen Austausch und kennen sie alle persönlich.“ Das gilt auch für die Alpsenner aus dem Bergenzerwald, deren Käse an Traubel’s Bar jeden Abend kredenzt werden – aufs Haus.

Mehrere traditionelle Stuben im Hubertus (c)Hubertus Mountain Refugio Allgaeu
Gespeist wird gleich in mehreren traditionellen Stuben wie diesen hier (c)Hubertus Mountain Refugio Allgaeu

Gespeist wird in sieben Stuben im ersten Stock, von denen keine ausschaut wie die andere. Auch hier der angenehme Mix von echt alt und urig-alpenländisch, aber nicht verspielt und die Stuben neueren Datums sichtlich gern auch mit moderner Note. An die Stuben schließen große Terrassen an, wieder mit dem Panorama der Berge rund um den Gelbhansekopf. Einfach traumhaft ist es, hier zu sitzen im sommerlichen Juni wie gerade. Und die Vorstellung gefällt, genau hier auch bei Schnee und Eis schön warm eingemummelt zu sitzen, tagsüber um die winterlichen Berge zu betrachten und in den blauen Stunden den Sternenhimmel.

Schmankerln aufs Haus sonntags ab 18 Uhr

Wer sonntags anreist, kommt in den Genuss des fünfgängigen Menus. Noch dazu startet zuvor um 18 Uhr ein allsonntägliches Ritual des Hubertus – ein Get-Together mit den Gästen – und dauert eine gute Stunde. Und zwar laden Karl und Marc Traubel ihre Hausgäste zu Schmankerln aufs Haus ein, wie etwa auch mal Käsefondue und Raclette, und zu Drinks, ob Bier oder Cocktail des Tages. Senior Karl macht mir mit viel Liebe ein Brettchen mit Raclette auf Brot zurecht und erzählt währenddessen auch – wichtig im Gebirge – vom Wetter und wie alles im Balderschwanger Hochtal zusammenhängt.

Balderschwanger Kirchlein und Wetter Foto Ulrike Wirtz
Wenn „Wetter“ aufzieht über Balderschwang und sein Kirchlein, treibt der Westwind die Wolken mit Regen und im Winter mit Schnee vom Bodensee heran

Hier in und um Balderschwang braut sich, so Karl, gern „Wetter“ zusammen. „Wir kriegen oft kurze, heftige Schauer, die im Winter auf unserer Höhe über 1.000 Meter zuverlässig für Schnee sorgen. Die Regenwolken kommen vom Westen, vom Bodensee durch unseren typischen Westwind. Die Wolken bleiben dann an den Bergen der Hörnergruppe hängen, siehe unser Riedberger Horn, und regnen sich bei uns ab.“ Ja, das Riedberger Horn als höchster Berg der Hörnergruppe und seine Passstrasse mit den tollen Haarnadelkurven durch die Allgäuer Alpen – die kennt man nun schon.

Website und mehr wichtige Details         

Die Website des Hubertus Mountain Refugio Allgäu: www.hotel-hubertus.de. Facebook @HubertusMountainRefugio; weitere Social-Medias @hubertus_mountain_refugio; #lustaufleben #holistclife #lieblingsplatz #allgäu#balderschwang

Website zu Balderschwang https://hoernerdoerfer.de und zum Naturpark Nagelfluhkette nagelfluhkette.info 

Extras Jede Buchung ab zwei Nächten inkludiert eine Spa-Behandlung im Wert von 120,00 Euro, zugeschnitten auf persönliche Bedürfnisse, ob ayurvedische Fuß- und Beinmassage, Ayurveda Starter genannt, ob Dehnen und Strecken inklusive Atmung (Holistic Energy). Zu bestimmten Terminen bietet das Mountain Spring Spa die K.O.R.E. Therapie an mit westlichen und östlichen Analyse- und Behandlungsformen. Sie dient dem Erkennen gesundheitlicher Defizite und zeigt Mittel und Wege auf, zu besserer Gesundheit zu kommen. Beratung und Durchführung: Dr. John Brazier aus UK, alternativer Therapeut und Health Coach im Hubertus. Solch ein Paket kostet bei drei Übernachtungen ab 1.210 pro Person – Details siehe Website des Hubertus.

Strände mit Sand weiss wie Zucker Foto Ulrike Wirtz 4457

Südflorida: St. Pete-Clearwater-Region boostert die Sinne

Zwischen Tampa Bay und Golf von Mexiko liegt die Halbinsel Pinellas und beschert Augen- und Gaumenfreunden und mehr. Das gilt in den Hauptorten St. Pete und Clearwater mit ihrer Kultur und Kulinarik, das gilt rundum nicht nur wegen kilometerlanger Sandstrände. Über einige herrlich-sinnliche Tage im Südwesten Floridas.

Beach-Freuden in und um St. Pete und Clearwater beim Surfen, Walken etc. Foto Ulrike Wirtz
Nicht nur solche Fun-Faktoren warten in und um die Beaches von St. Pete und Clearwater auf der Pinellas-Halbinsel Foto Ulrike Wirtz

Das E-Bike trägt einen bequem über den gut markierten Fahrradweg auf der Pinellas-Peninsula, die sich zwischen Tampa Bay und Golf von Mexiko von Norden nach Süden erstreckt. Der Weg heißt Fred Marquis Pinellas Trail, verläuft wie die Peninsula von oben nach unten und retour – von Gulfport im Süden gen Norden über die Stadt St. Pete, wie Locals Saint Petersburg abkürzen, an Clearwater vorbei bis Tarpon Springs im Norden der Halbinsel Pinellas, ein Hafenort und berühmt wegen seiner traditionellen Schwammfischerei. Fast egal, dass die tropische Sonne schon am frühen Vormittag brennt, bekanntlich helfen Mütze oder Hut, Sonnenschutz und Fahrtwind.

Pinellas-Bike-Trail -75 Kilometer Radelspaß Foto Ulrike Wirtz
Der Pinellas Trail verheißt 75 Kilometer Radelspaß parallel zu Golf-Küste und Tampa Bay Foto Ulrike Wirtz

Ganz egal, dass Fahrräder in diesen US-Gefilden kein traditionell-populäres Fortbewegungsmittel sind, sportliches Rennradfahren dagegen schon eher. Zumindest können Frühaufsteher beobachten, wie außer Joggern auch Renn-Radler wegen der Hitze und vor dem Job frühmorgens in den Sattel steigen.

Biken mit Duftimpressionen und Vogelgezwitscher auf Pinellas

Während das E-Bike wie von allein läuft, nimmt die Nase angenehm den Duft von Yasmin wahr, erfreut die Augen einige lockere Pedaltritte weiter Farbenpracht in Lila-Rot von Bougainvillea, mit denen sich Gärten am Weg schmücken. Aus Büschen und Bäumen ist Vogelgezwitscher als musikalische Begleitung zu vernehmen, während die Bäume auch schönen Schatten spenden. Was für ein Fest der Sinne unter Tropen-Himmel und vom Auto so nicht wahrnehmbar.

Florida Beach Towns
Florida Beach Towns

Diese Sinnesfreuden der Natur ergänzen wunderbar die von Menschenhand gemachten kulturellen und kulinarischen Freuden in St. Pete und Clearwater und drumherum. St. Pete ist mit rund 260.000 Einwohnern die größere Stadt, Clearwater mit 120.000 knapp halb so groß. St. Pete ist Hafenstadt und Wirtschaftszentrum mit Hochhäusern, ist Kulturzenturm mit Theatern und Museen wie dem berühmten Dali-Museum und mit Bedeutung über die Region hinaus. St. Pete hat aber auch das modern-urbane Center Arts District, in dem Lokale mit flippigem Flair warten. Das kleinere Clearwater definiert sich als Verwaltungssitz des Pinellas County eher durch Behörden in gesichtslosen High-Risern, aber auch in ansehnlichen historischen Gemäuern.

Zum städtischen Flow kommen direkt an der Golf-Küste St. Pete Beach und Clearwater Beach und versorgen die ganze Pinellas-Halbinsel mit dem Vibe von Strandleben, Bootsbetrieb und Wassersportfreuden. Allein die maritime Lage im Westen Süd-Floridas zwischen Golf im Westen und Tampa Bay an der Ost-Seite von Pinellas. Dann die traumhaften 35 Meilen, sprich gut 55 Kilometer weißer Sandstrände und weiterer schöner Küsten-Meilen am Tampa Bay vorbei. Dazu Marinas, in denen Freizeityachten liegen, dazu die schönen Aussichten auf Bötchen und Boote auf Golf und Bay, nicht zuletzt parkähnliche Waterfront-Meilen, die zum Flanieren einladen, und Hotels und Ferienwohnungen mit Beach-Lage. Das alles bei über 360 Tagen Sonnenschein im Jahr.

Der Pinellas-Bike-Trail und seine Spielregeln Foto Ulrike Wirtz
Auf dem Pinellas Trail ist Rücksichtnahme Pflicht und Einkehr in …
Kafe Racer Bike-Verleih in Dunedin mit Café Foto Ulrike Wirtz 4336
… Lokale Vergnügen wie hier das Café Kafe Racer Fotos Ulrike Wirtz

Und dann der Fred Marquis Pinellas Trail, auf dem sich die Gegend vergnüglich radeln erobern lässt. Zum Beispiel mit Start der E-Bike-Tour am Radverleih Kafe Racer im Städtchen Dunedin, gelegen an der Golf-Seite nördlich von St. Pete und Clearwater. Der Verleih liegt direkt am Radweg. Auf den Trail ist man vor Ort stolz, wie der Verleiher zur Einführung betont: Der Radweg liege auf einer einstigen Eisenbahntrasse, sei in Etappen angelegt worden und inzwischen fertig. „Er ist von Gulfport im Süden bis Tarpon Springs an der nördlichen Ecke der Pinellas-Peninsula rund 47 Meilen lang. Das macht gut 75 Kilometer. Der Trail ist gut beschildert und breit genug für Biker, Skater und Walker. Das seht Ihr dann.“ Stimmt alles, zeigt sich später unterwegs, auch dass ihn kleine schattige Parks und Wasserläufe, Cafés, Lokale und Reparaturstationen begleiten. Doch weiter.  

Kunstwerk der Natur – türkis-blaues Meer vor weißem Sand

Bis zu unserem Ziel sind es noch einige Kilometer: Nämlich Honeymoon Island, im Golf küstennah gelegen und zugänglich auch per Auto, Zweirad und zu Fuß über den Causeway Boulevard und seine Brücke. Erst geht es dafür über den Pinellas Trail gen Norden durchs Grüne, immer schön begleitet vom Vogelkonzert, vorbei an einer der besagten Reparatur-Stationen für Notfälle, vorbei an einem der unzähligen Golfplätze, dann links ab vom Trail, dem markierten Radweg folgend bis zur und über die Brücke nach Honeymoon Island. Das Besondere am Eiland: Es steht als Honeymoon Island State Park unter Naturschutz, hat unberührte Natur mit Sandstränden, Wasserläufen und ohne Bebauung und gewährt auch einen Rückblick auf ursprüngliches Südflorida.

Honeymoon Island ist ein State Park Foto Visit St. Pete-Clearwater
Honeymoon Island war abgelegenes Hide-away frisch Verheirateter und steht nun als State Park unter Naturschutz Foto Visit St. Pete-Clearwater

Passend dazu legt das Ziel beim Näherkommen ein wahres Farbschauspiel hin. Denn kaum nähert sich die Brücke am Causeway, fällt wogendes Meer in Türkis-Blau-Grün ins Auge. Da und dort zaubert die leichte Brise weißes Gekräusel auf die Oberfläche des Wassers. Dazu der Kontrast von Strand aus wirklich zucker-weißem Sand, so entstanden aus reinen Quarzmineralien im Laufe der Evolution der Erde. Bis zum Horizont reicht das türkis-blaue Meer, scheint aufzutrumpfen im Farbspiel auch mit weißen Booten auf dem Wasser, die stetig ihre Bahn ziehen. Was für eine Postkarten- bzw. Digital-Post-Idylle auf der Pinellas-Pensinsula und so perfekt, dass es eigentlich keinen optimierenden Foto-Shop-Eingriff braucht.

Zum Farbspiel der Natur gesellen sich entlang des Weges über die Insel die bunten Tupfer gelb, roter oder grüner Kajaks. Die stehen am Ufer beim Wassersport-Verleih Sail Honeymoon Inc. in Reih und Glied, warten auf Mieter bzw. Käufer und erinnern auf der Fahrt zurück vom Eiland an Farbtupfer wie auf einer Maler-Palette.

Honeymoon Island Kajaks in Reih und Glied Foto Ulrike Wirtz
Im Honeymoon Island State Park ist Kajak-Fahren erlaubt und Natur-Kunde angesagt Foto Ulrike Wirtz

Honeymoon Island in nüchternen Zahlen betrachtet: Die Insel heißt danach, dass vor Jahrzehnten noch einsame Hütten für frisch Verheiratete gratis ausgelobt wurden. Sie hat rund acht Kilometer Sandstrand rundum, ist durchzogen von kleinen Wasserläufen, kommt daher auf gerade mal 1,6 Quadratkilometer Landfläche und hat einen ausgewiesenen 2,5-Meilen-Wandertrail namens Osprey Trail. Die Zufahrt Causeway ist von 5 bis 23 Uhr geöffnet, State Park und Strände schließen mit Sonnenuntergang. Laut offizieller Zahlen hat der Honeymoon State Park jedes Jahr rund eine Mio. Besucher, obschon mini. Die Zahl relativiert sich, ist Beach-Life und Baden in St. Pete/Clearwater, Südflorida doch ganzjährig möglich bei tropisch-milden Temperaturen im Winter.

Chihulys Glaskunst ist Farbfeuerwerk und üppig-groß

Mit Sinnesfreuden anderer Art verbinden sich zwei spezielle Kultur-Highlights vor Ort und zwar zwei Museen zur Glaskunst in St. Pete. Zum einen das Morean Arts Center in Downtown mit der Chihuly Collection, zum anderen das Imagine Museum im szenig-belebten Center Arts District; beide in modern-schnörkellosen Gebäuden und nur gut einen Kilometer voneinander entfernt. Und beide gelten als wahre Tempel mundgeblasener Glaskunst. Ersterer widmet sich Dale Chihuly, dessen Glaskunst wie ein wahres Feuerwerk an Farben und Formsprache auf den Betrachter einwirkt. Dass seine Kunst oft mit Licht einhergeht – daher die vielen Lüster in Chihulys Collection – geht fast unter.

Chihulys Feuerwerk an Farben bei mund-geblasener Glaskunst Foto Ulrike Wirtz
Chihuly ist berühmt für buchstäblich große mundgeblasene Glaskunst Foto Ulrike Wirtz

Siehe sein Leuchter in allen möglichen Türkis-Smaragd-Schattierungen, verdreht, bizarr. Bei den Farben kommt einem direkt das Farbspiel des blau-grünen Meeres vor St. Pete/Clearwaters Haustür in den Sinn. Dann der bunte Glasleuchter mit Armen wie Röhren in derart knallendem Gelb, Rot, Grün, Tiefblau und ebenso wie wild verdreht. Erklärt Glas-Künstler Chihuly in einem Video im Morean Arts Center: Alles sehe aus wie zufällig, bedürfe aber hoher Präzision in Er- und Bearbeitung. Wie auch der knallrote Lüster, der an Korallen erinnert. Was für ein Rot, wie formstark. Beim Betrachten stellt sich ein Gefühl ein, dass die intensiven Farben und Formen die eigenen Wahrnehmungen mehr und mehr sensibilisieren.

Chihulys Leuchter Chandelier Azul de Medianoche Foto Ulrike Wirtz
Chihulys Leuchter Chandelier Azul de Medianoche…
Chihulys Leuchter Ruby Red Icicle Chandelier Foto Ulrike Wirtz
…und sein Ruby Red Icicle Chandelier Fotos Ulrike Wirtz

Glas-Künstler Dale Chihuly: US-Amerikaner mit slowenischen Wurzeln, geboren 1941, Student der Architektur und des Interior Design, Master-of Science-Abschluss im Kunstbereich Skulpturen, Lehrjahre in Venedig auf der Insel Murano, die berühmteste Adresse rund um den Globus für Glaskunst mundgeblasen. Die Gründe, dass Chihuly seine Collection als Dauerausstellung in St. Pete präsentieren lässt – seit 2010 bzw. 2016 in den aktuellen Räumen -, nennt der Künstler unter einem Foto von ihm, der seit einem Autounfall eine Augenklappe tragen muss: „…Leidenschaft und die Unterstützung von Kindern in der Kunsterziehung…“. Weiter erklärt das Video zum Meister: Das Abstrakt-Bizarre, Ungegenständliche ist seine Spezialität. Es betont kurz und knapp die eigentlich simple Basis seiner Kunst: Sand und Feuer. Genauer und komplexer gesagt geht es um extreme Hitze und Quarzsand in reiner Form. Da drängt sich der Gedanke an den aus Quarzsand geborenen weißen Sand auf der Pinellas-Halbinsel auf.

Kunst pusht den Werkstoff Glas bis ans Limit

Dass Chihully im Team arbeitet, selbst kein Glas mehr bläst, sondern sich aufs Design konzentriert, erzählt das Video auch. Und es zitiert ihn noch so: „Ich möchte Dinge in großen Dimensionen tun, weil es aufregend ist – eine technische Herausforderung.“ So messen Chihulys Kunstwerke gut und gerne vier mal vier Meter und viel mehr und lassen sich nur von mehreren bewerkstelligen. Auch deshalb ist der Maestro Team-Arbeiter. Und weil seine Arbeiten oft regelrecht opulent sind und er berühmt ist, finden sich Skulpturen von Chihuly als Eyecatcher in Foyers von Unternehmen und teuren Hotels oder etwa im berühmten Frederic Meijer Gardens & Sculpture Park in Grand Rapis/Michigan State (aktuell mit einer großen Ausstellung bis 1. November) oder im Corning Museum of Glas in Corning/New York State, Traditionsstandort von Glasindustrie, Glaswissenschaft, auch rund um Glasfaser.

Im Imagine Werkstoffkunde, Handwerk und gut 2.500 Werke

Was es physikalisch, chemisch und traditionell seit Jahrtausenden mit Glas, mit seinem Handwerk und als Kunstform auf sich hat, bringt das Imagine Museum gut rüber. Initiiert 2018 von Glaskünstlerin und Sammlerin Trish Duggan und anfangs bestückt mit ihrer Privatsammlung, verfügt das Museum aktuell über knapp 3.000 zeitgenössische Kunstwerke aus aller Herren Länder, ob Italien, Schweden, Niederlande, ob Deutschland, Japan, Kanada, USA. Das Repertoire reicht von feinen Gebrauchsgegenständen der Historie bis zu Skulpturen der Neuzeit. Darüber hinaus versteht es das Imagine, in Bildern, Worten und Video zu erklären, wie aus dem Mineral Quarzsand Glas entsteht, welches Know-how sich in Wissenschaft, Handwerk und Kunst bis heute entwickelt hat, mit welcher Tradition und welchen Meilensteinen.

Papierbeschwerer - gläsernes Meisterwerk in Mini von Paul Stankard Foto Ulrike Wirtz
Wie kommen bloß die Blüten ins Glas des Papierbeschwerers? Eine Meisterarbeit in Mini von Paul J. Stankard Foto Ulrike Wirtz

In der Ausstellung lassen sich zum Beispiel dekorative Papierbeschwerer aus Glas bewundern, die viel mehr sind als das, weil innen mit Blumendekor geschmückt, detailreich, filigran und von Miniformat. Das alles gefertigt von Paul J. Stankard: geboren 1943 nahe Boston, ausgebildeter Mund-Glasbläser, seit 1969 auf solch artifizielle Papierbeschwerer spezialisiert und ausgestellt von Chicago über New York City bis London und Paris. „Und jeder Betrachter fragt sich bzw. mich, wie die Mini-Intarsien ins Glas kommen“, weiß Museums-Guide Katie zu berichten. „Das sind komplexe Techniken und viel Know-how.“

Imagine Karen-LaMonte-Statur Reclining Nocturne - Kunst aus beschichtetem Glas Foto Ulrike Wirtz
Karen LaMontes Kunst aus beschichtetem Glas – zauberhaft ihre Statur Reclining Nocturne…
Karen LaMontes Statur Etude 11 Foto Ulrike Wirtz
…ebenso aus beschichtetem Glas und zauberhaft – Karen LaMontes Statur Etude 11 Fotos Ulrike Wirtz

Siehe auch die liegende Skulptur eines Frauenkörpers in einem gekonnt drapierten Kleid, gefertigt von Karen LaMonte: geboren 1967 in New York, studierte Künstlerin und gezeigt von Prag über Canberra/Australien bis Kyoto/Japan. Ihre Frauenkörper-Skulptur besteht aus beschichtetem Glas, das die feine Robe als edles Silber erscheinen lässt. Oder die in der Farbenpracht an Chihuly erinnernde Skulptur, genannt Crystal Veil und geschaffen vom US-Glaskünstler Martin Blank: geboren 1962 in USA, einst in Chihulys Team mit tätig, bevor er sich um 1990 allein als Künstler etablierte. Beide – Chihuly, der ältere, sowie Blank, der jüngere – pushen bei ihren Arbeiten die physikalischen Limits der Kunst mit Glas, tun dies in den Dimensionen von Meter und Tonnen. Das bei all der Zerbrechlichkeit des Materials. Das alles zu sehe in St-Pete.

1000 Grad Celsius im Ofen und ein Gefühl von Höllenschlund

Zum Erlebnis von Glas als Kunstform gehört das Angebot, vor Ort selbst mal Hand mit anzulegen und zwar im Morean Glass Studio gleich um die Ecke des Morean Arts Center. Und spricht ganz andere Sinne an. Im Studio köcheln Profiöfen vor sich hin, die spielend über 1000 Grad Celsius heiß werden können, und zwei Profis demonstrieren, wie das Mundblasen geht. Denen schaut heuer eine Schar von rund 20 Interessierten zu. Einige wenige Zuschauer mit entsprechendem Ticket legen sogar Hand mit an, um später das entstandene Teil, dessen Form sie sich wünschen können, mit nach Hause zu nehmen, ob Vase, Leuchter oder Herz. So gesagt, so getan. Schnell ist beim Mitwerkeln die Wahrnehmung der ganz anderen Sinne geschärft

Glasofen bei der Arbeit - wie ein Höllenschlund Foto Ulrike Wirtz
Glasöfen im Morean Glass Studio machen und halten den Rohstoff flüssig und wirken wie der Schlund der Hölle Foto Ulrike Wirtz

Denn heiß, sehr heiß wird es einem, wenn näher dran am Geschehen, wie ganz schnell und deutlich fühlbar durch das T-Shirt auf der Haut darunter. Die Hitze wird auch sichtbar für den, der mal in den rotglühenden Schlund des Ofens hineinsieht. Wow, fast teuflisch. „Vorsicht“, warnt der ältere der Profis, „geht nicht zu nah ran“. Und nicht lange reinsehen. Die Hitze in den mit Gas befeuerten Öfen braucht es, um aus dem sandigen Grundstoff glitschig aussehende Masse zu machen, die in Gefässen im Ofen darauf wartet, dass sie an speziellen Metallstangen hängend dem Ofen entnommen wird. Die Masse wird später nach dem Mundblasen erstarren zu dem, was Glas heißt.

Glasbläser im Moreno Studio in St. Pete bei der heißen und kunstvollen Arbeit Foto Ulrike Wirtz
Glasbläser im Morean Glass Studio bei der heißen und kunstvollen Arbeit Foto Ulrike Wirtz

Der ganz handwerklich-kunstvolle Prozess muss schnell gehen: Die Profis sind flink, führen die Metallstange in den Ofen, ziehen sie mit der flüssigen Masse an der Spitze wieder heraus, blasen mit dem Mund durch die Stange die Masse auf und bearbeiten sie mit Spezialwerkzeugen wie Scheren und Zangen und wieder Hitze – so lange, bis die gewünschte Form entsteht. Beim Blasen wird gedreht, geschliffen, beschnitten  – alles unter Zuhilfenahme metallener Werkzeuge. Bis am Ende Vasen, Trinkgläser oder ein Herz zum Abkühlen in eine Art Kühlschrank kommen. Die Fachleute erklären, was sie tun, und lassen ihre Eleven auf Zeit auch Hand anlegen. Auch dann die Warnung: „Die Stangen nur an dem Ende in den Griffmulden anfassen.“ Oder: „Vorsicht am Ofen.“ Oder: „Das Glas nie anfassen, bevor es speziell abgekühlt wird.“ So formt der eine Gast sein rotes, der andere sein weißes Herz.  

Lukullisches auf der Pinellas-Peninsula für alle Geschmäcker

Wer sich einer weiteren physologischen Wahrnehmung, dem Schmecken, widmen möchte, tut das zielführend mit dem offiziellen Guide „Gulf to Bay“. Den verlegt die Rss sie egion St. Pete Clearwater Fl. und benötigt für die vielen Angebote quer über die Pinellas-Halbinsel die Seiten 68 bis 90. Die Wahl wird also zur Qual. Was die gemeinsame Präsentation auch widerspiegelt: Dass die Gemeinden auf Pinellas, die vor langer Zeit unabhängig gegründet und später Städte wurden (incorporated) – St. Pete 1892, Clearwater 1915, Dunedin 1845, Tarpon Springs 1887, Safety Harbor 1917 – zwar noch offiziell separate Cities sind. Dass sie aber so wirken, als handle es sich um eine einzigen Beach-Town-Metropole mit ihren Stadtvierteln. Zumal auf der Halbinsel Pinellas alles smooth ineinander übergeht.

Probieren in der Cueni Brewing Company in Dunedin - Co-Owner Brenda mit  Flights Foto Ulrike Wirtz
Die Cueni Brewing Company ist nur eine von 45 Mikro-Brauereien in St. Pete/Clearwater – hier Co-Owner Bren -…
Cueni braut in Dunedin ein Potpourri an Hellen und Dunklen Foto Ulrike Wirtz
…und braut in Dunedin süffige Helle und Dunkle von hopfig bis spicy Fotos Ulrike Wirtz

Was der Guide lukullisch aufzeigt: Seafood, Latin-Caribbean, Italian und mehr Mediterranean, French, Asian, New American Casual und American Upscale – von günstig bis teuer. Restaurants verteilen sich von Hotels wie dem Don Cesar im legendären pink-roten Gebäude direkt am Golf oder der Luxus-Herberge Vinoy in Downtown St. Pete über Lokale mit Terrassen an der Waterfront von Clearwater oder mitten im Grünen in Dunedin. Nach genossenen Gaumenfreuden ist, ganz subjektiv-exemplarisch, der Grieche Mykonos einfach lecker, der Peruaner Lupo angenehm-besonders und der japanische Fortu zurecht top empfohlen vom Michelin-Guide Florida.

Was griechische Küche mit Schwammtaucher-Erbe verbindet

Zum Mykonos: Es ist für US-Verhältnisse sehr günstig, liegt in Tarpon Springs und ist im Auto von St. Pete nach 50 Kilometer erreicht. Das Lokal besteht seit 1991 in der Stadt, die als größte traditionelle griechische Kolonie der USA gilt und deren Straßen daher etwa Dodecanes Boulevard heißen. Hier befindet sich auch das Mykonos und hat sein schlichtes Interieur durchdekoriert im Weiß-Blau der Landesfarben Griechenlands. Genüssliches aus eigener Produktion kommt frisch auf die Tische: Tsatziki, Feta-Käse in Kugelform und Pitabrot, Octopus auf Bohnen, und Oliven, original aus Griechenland importiert. Und dann der flambierte Käse Saganaki. Hmm, lecker. Acht bis 20 Dollar kosten die Gerichte.

Der Grieche Mykonos in Tarpon Springs - landestypisch in Blau-weiß Foto Ulrike Wirtz
Der Grieche Mykonos in Tarpon Springs – landestypisch in blau-weiß und seit 1991 in Familienhand…
Das Mykonos und seine leckeren Vorspeisen Foto Ulrike Wirtz
…. hier typisch griechische Vorspeisen wie Feta, Tzatziki, Pita, Oliven – alles frisch und preiswert Fotos Ulrike Wirtz

Was sich in Tarpon Springs noch lohnt, sind Einblicke in die alt eingesessene Industrie vor Ort: die Schwammfischerei und ihre typischen haptischen Reize. Denn der 1887 gegründete Ort ist nicht nur die älteste Stadt auf Pinellas, sondern quasi seither das Zentrum der traditionellen Schwammfischerei. Eine Expertise, die von den griechischen Immigranten mitgebracht wurde. Sie bauten vor 1900 lange Docks am Dodecanes Boulevard entlang, an denen die Schwammtaucher ihre Boote vertäuten. Das tun sie nach wie vor. Aber auch Besucher flanieren an den Docks vorbei, weil sich hier heutzutage vieles mehr abspielt: in Form von Lokalen, Boutiquen, Kramläden und immer wieder Geschäften, wo Schwämme aller Größe und Qualität zu kaufen sind – für die Hautpflege beim Baden und Duschen und auch für den Gebrauch in der Küche. So auch im Laden, wo Anestis Karistinos, genannt Nesty, steht und Schwämme aus eigenem Fang verkauft. Auch sein Boot liegt am Dock. Sein Credo im Verkaufsgespräch: „Schwämme fühlen sich nicht nur gut an, sondern haben antibakterielle Wirkung. Und hier, fasst die mal an – die haben diese wollige Haptik und sind Topqualität.“ Stimmt.

Tarpon Sprins und seine Tradition des Schwammtauchens Foto Ulrike Wirtz
Tarpon Springs‘ griechische Siedler begründeten mit ihrer Expertise zum Schwammtauchen die Tradition vor Ort…
Früchte des Meeres im Geschäft von Schwammtaucher Nesty Foto Ulrike Wirtz
…hier die Meeresfrüchte im Verkauf, nach denen Schwammtaucher Nesty im Golf taucht Fotos Ulrike Wirtz

Der Mann Anfang 50 macht seit langem auch selbst den Job als Schwammtaucher. „Wir sind ein altes Familienbusiness. Der erste, der das von unserer Familie hier machte, war mein Urgroßvater. Der kam 1912 aus dem berühmten Schwammrevier Kalymnos in Griechenland hierher“, so Nesty und legt weitere kleine Schwämme auf die Ladentheke. Die liegen eher borstig in der Hand. „Die sind gut zum Spülen.“ Und: „Wisst Ihr, dass Schwämme an sich nur noch die Skelette sind? Schwämme wachsen hier im Golf als tropischem Gewässer auf Kalkgestein rund 50 Feet, rund 15 Meter, unter dem Wasserspiegel und erhalten so genug Sonnenlicht zum Wachsen. Wir prüfen unter Wasser Alter und Qualität und richten danach unsere Ernte aus. Wir gehen nur bei Sonne und Windstille raus. Sonst sehen wir unter Wasser nichts. Wir tauchen mit Schnorchel und Brille.“ Und sagt noch: Das Geschäft sei sehr kompetitiv – nach dem Motto „first come first serve. Es gibt keine festen Reviere“ (Nesty). 

Peruanisch-internationale Koch-Künste im Pulpo

Zurück zu den Geschmacksknospen und nun zum Pulpo Kitchen & Lounge in St. Pete, das einige Blocks vom Imagine Museum entfernt ist. Das Restaurant kredenzt peruanisch-lateinamerikanische Leckerbissen zu mittleren Preisen. Zum Lunch lädt einen am sonnig-heißen Oktober-Tag die Terrasse ein, während die Location abends auch dazu verführt, an der schicken Bar zu Life Music zu versacken. Die Lunch-Karte bietet appetitmachende Vorspeisen, genannt small plates und ideal für einen reizvollen Mix. Ein subjektives Muss: das peruanische Nationalgericht Cevice, dieser in Limettensaft eingelegte rohe Fisch aus dem Meer, der durch die Säure einen Garprozess durchläuft; gewürzt mit Minze, Koriander, Granatapfelkernen und Limonen-Salsa, frisch und lecker.

Das Pulpo kocht peruanisch - hier das landestypische Ceviche Foto Ulrike Wirtz
Das Pulpo kocht peruanisch – hier das Ceviche, edel süßsauer abgerundet mit Granatapfelkernen…
Das Pulpo und seine á la Minute  zart-rosa gebratenen  Lammkotelett Foto Ulrike Wirtz
..und seine Lammkotelett sind wie gewüncht á la Minute zart-rosa gebraten Fotos Ulrike Wirtz

Oder die in Sherry eingelegten Schweinebauch-Happen mit Kräuterbouquet. Oder mit Oktopus-Tinte verfeinerter Reis, gefüllt mit Octopusfleisch, Wurst (Chorizo), Sherry-Sahne und roter Pfeffer-Würze. Die Beilagen sind typisch peruanisch: pikante Kartoffel-Stückchen, frittierte Yucca-Wurzeln oder Bohnen bzw. Reis mit Gemüse geschmort. Preise von 20 und 30 Dollar pro Small Plate, pro Large Plate 34 bis 48 Dollar für die Paella. 

Michelin-gepriesener Japaner Fortu

Hochklassig und hochpreisig ist das Fortu in St. Pete und vom berühmten französischen Guide Michelin in seiner Florida-Ausgabe als Toperfahrung empfohlen. Das Fortu empfängt seine Gäste im elegant-gemütlichen Interieur auch mit durchaus dunklen Ecken für romantische Dates, und verführt selbst mit einer opulenten Auswahl an Cocktails und Mocktails, an Whiskey, Gin und Sake – letztere made in Japan. Seine Wine-List überzeugt mit internationalen und kalifornischen guten Tropf. Und das Essen? Als Starters munden delikate Wonton Tacos von Thunfisch und Apfel oder würzig-scharfes Wagyu-Rind. Erfreuen Hühnchen mit Zitronen-Ginger-Jus spritzig-frisch den Gaumen und erinnert unter anderem Sommertrüffel mit Crème fraiche in Blätterteig an feine Cuisine à la Francaise. Alles minimalistisch-kreativ präsentiert und daher auch ein optischer Genuss.

Das Fortu kredenzt leichten Kabejau auf Choy mit lecker-leichtem Gemüse- Jus Foto Ulrike Wirtz
Das Fortu kredenzt Kabejau auf aromatischem Choy-Kohl mit Gemüse-Jus und ist ein Dauerbrenner auf der Karte…
Das Fortu und ein kunstvoller Perlen- Nachtisch Foto Ulrike Wirtz
… die wechselt je nach Saison auch bei den Desserts – hier der nussige Nachtisch mit Johannisbeer-Note Fotos Ulrike Wirtz

Als Main Course – Signature genannt – zergeht der Kabeljau auf der Zunge. Zart sieht auch das Wagyu Ribeye aus. Oder das etwas deftigere Prime Filet mit Sommertrüffel und pinkem Pfeffer-Jus. Als Beilagen gefallen in Form und Farbe und auf der Zunge roter Reis, glasierte Karotten oder mit Miso Honig verfeinerte Süßkartoffeln mit Parmesan-Häubchen. Preise ab 13 Dollar für eine Hummer-Teigrolle, 23 Dollar für Pilz-Dumpling, der gegrillte Kabeljau 40 Dollar, ein fermentiertes Wagyu Filet 70 Dollar. Die Cocktails kosten ab 18, Sake per Shot ab 14 Dollar.

Aufgabe für die Nase – Schnüffeln erwünscht

Ein wahrer Booster für den Geruchssinn gefällig? Den beschert in Dunedin keinen Kilometer entfernt vom Bike-Verleih die Candle Bar and Boutique Sea Love. Hier können nämlich Kunden ihre eigenen Duftkerzen kreieren, gemixt nach eigenem Gusto aus 170 professionellen Ingredienzien, diese aufbewahrt in professionellen, ordentlich aufgereihten Glasfläschen in Regalreihen. Dass dennoch keine Laboratmosphäre aufkommt, liegt an den pudrigen Farben, in denen der Store aufgemacht ist. Der hat in der Tat eine Bar, jedoch um an die Feinarbeit zu gehen – nach Auswahl der Zutaten. „Was darf es sein? Ein blumiger oder ein herber Duft?“, fragen der Geschäftsinhaber Erik Feus und sein Assistent Collin Steinbeck, im Hauptjob noch High-School-Schüler, nach der Begrüßung und gehen beide an den Regalen mit Rat und Tat zur Hand.

Was die Geruchsindustrie so alles einfängt: nach Gewürzen duftende Essenzen wie Grapefruit, Rosmarin, Tabak oder Vanille, nach Gourmand Riechendes wie dunkle Schokolade, Kaffee oder geschlagene Sahne; süße Noten wie Erdbeere, frische wie Eukalyptus, moosige wie Myrrhe, holzige wie Zypresse, fein-herbe wie Amber. Es folgt ein Hin und Her, Nase hierher, Nase dahin an den jeweiligen Korkdeckeln der Essenzen schnüffelnd, bis sich eine Auswahl ergibt. „Düfte sind immer eine Kombination von Essenzen“, so Erik. Nun aber wieviel vom Erwählten? „Das ist die Kunst. Bitte riecht immer mal wieder an den Kaffeebohnen.“

Sea-Love-Chef Erik schnüffelt mit, um Kunden zum gewünschten Duft zu verhelfen Foto Ulrike Wirtz
Sea-Love-Chef Erik schnüffelt mit, damit Kunden ihren Duft hinkriegen – das ist hilfreich bei 170 angbeotenen Ingredienzen…
Selbst gefertige Sea-Love-Kerze im schicken Gefäss - Foto Ulrike Wirtz
…perfekt, wenn dann die selbst kreierte Kerze im schicken Gefäss ganz den eigenen Gusto trifft Fotos Ulrike Wirtz

Die stehen in Gläsern bereit, weil sie helfen, den Geruchssinn zu entlasten. „Die Nase kann danach wieder besser unterscheiden“ (Erik). Der erzählt auf Nachfrage von sich. Er sei Selfmade-Man und war früher für ein Unternehmen tätig, das optische Linsen für Leuchttürme herstellt. Bis er irgendwann die Idee aufgriff,  die andere schon hatten: „Kunden in einer Art Boutique ihre eigene Duftkerze herstellen zu lassen.“ Was für ein Erfolg, wenn am Ende der eigene Geruchssinn dafür gesorgt hat, dass die Kerze so schön duftet wie gewollt, und im schicken Gefäß die Heimfahrt mit antritt, gut verpackt fürs Biken und den Flug nach Hause.

Wichtige Websites, Social Media Accounts und mehr

Website der Region www.visitstpeteclearwater.com; visitspc.com Social-Media: Instagram: @VisitSPC; Facebook: Visit St. Pete-Clearwater; X VistiSPC; Youtube: Visit St. Pete-Clearwater; Linkedin Visit St. Pete-Clearwater

Flug ab Deutschland Die Pinellas-Halbinsel ist an ganz USA angeschlossen über St. Pete-Clearwater International Airport (PIE) und an die Welt über Tampa International (TPA). Nach Tampa fliegt etwa die Lufthansa ab Frankfurt über Zürich, von dort mit Edelweiss nach Tampa www.lufthansa.com

Unterkunft Das alteingessene Boutiquehotel The Birchwood Inn (Foto unten links) liegt mitten in St. Pete am Bay, zentral in Downtown. Seine 18 Gästezimmer sind antik eingerichtet. Das Restaurant Birch & Vine mit wandgroßen Wein-Kühlregalen ist ansprechend. Seine Rooftop-Bar hat Blick auf das Bay. Facebook The Birchwood; Instagram @thebirchwood.

Direkt am zuckerweißen Strand liegt in Clearwater Beach das Hyatt Regency Clearwater Beach Resort & Spa (Foto unten rechts). Ein gutes typisches Beach-Hotel mit vielen Gästezimmern und Suiten und praktischer Küchenzeile mit allem Pippapo. Inhouse essen und trinken gibt es im Shore American Seafood Grill und in der Rooftop-Cantina. www. hyatt.com.

Birchwood Inn mit alt-edlem Charme bis ins Bad Foto Ulrike Wirtz
Ein kleines Stadt-Hotel: The Birchwood Inn in St. Pete mit alt-edlem Charme in Gästezimmern und Bädern…
Hyatt Regency in Clearwater Beach direkt am Strand Foto Ulrike Wirtz
…dagegen in Bestlage am Beach mit Pool und mehr: das Hyatt Regency Resort & Spa in Clearwater Beach Fotos Ulrike Wirtz

Websites & Social Media zu den genannten Aktivitäten Bikeverleih in Dunedin www.kaferacer.com. Honeymoon Island State Park www.floridastateparks.org. Chihuly Collection im Morean Arts Center/St. Pete, https://moereanartscenter.org. Inagine Glasmuseum/St. Pete www.imaginemuseum.com. Morean Glass Studio auf Instagram @moreanglass. Sealove-Duftkerzen in Dunedin www.sealove.com

Tipps Essen & Trinken Der Grieche Mykonos www.mykonos.shop. Der Peruaner Pulpo Kitchen & Lounge Instgram @pulpokitchenstpete. Der Japaner Fortu https://forturestaurants.com. Guide Michelin Florida www.guide.michelin.com. Cueni Brewing Company https://cuenibrewing.com

IPW 2026 in Fort Lauderdale Foto IPW

Reiseziel USA – News von der IPW 2026, auch wichtig zur Fußball-WM

News und Tipps, recherchiert auf der IPW in Fort Lauderdale/Florida und relevant über Fußball-WM hinaus

Das Deutsche WM-Team machte erst einen Zwischenstopp in Chicago mit Traumlage am Lake Michigan im US-Staat Illinois und ist nun in ihr WM-Quartier in Winston-Salem/North Carolina umgezogen. Reiseziel USA: Das Turnier findet statt seit 11. Juni in Kanada, Mexiko und USA – und endet mit dem Finale am 19. Juli in New York-New Jersey. Die USA als Reiseziel freut sich über Touristen aus aller Welt im Rahmen der Fußball-WM und darüber hinaus. Das war die Botschaft Ende Mai auf der IPW, der größten Reisemesse der USA mit Teilnehmern ebenfalls aus aller Welt: Reiseanbieter und Reisekäufer, Destinations- und Reiseorganisationen und nicht zuletzt Medienvertreter. Die IPW findet alljährlich statt, dieses Mal und erstmalig in Fort Lauderdale im Sunshine-State Florida (im letzten Jahr in Chicago) und wird veranstaltet von der U.S. Travel Association, der Vereinigung der US-Reiseindustrie, im Verbund mit Brand USA als großer, internationaler Marketing-Verbund. https://www.ipw.com; https://www.ustravel.org; https://www.thebrandusa.com; https://www.fortlauderdale.com

Erst arbeiten, dann Beach, so konferierte die internationale Reiseindustrie in Fort Lauderdale/Florida Foto Ulrike Wirtz
Fort Lauderdale ist mit Tropenflair ein internationales Topziel für Urlaub und Meetings Foto Ulrike Wirtz

Heuer in Fort Lauderbale zählte die IPW knapp 5.000 Teilnehmer aus über 50 Ländern, auch aus Deutschland, darunter auch Lebensart-Reise-Autorin Ulrike Wirtz. Bei der dreitägigen Veranstaltung fanden 75.000 Business-Termine statt, immer im Fokus die Attraktivität und Vielseitigkeit der USA als Reiseziel von der Ost- bis zur Westküste, von Mega-Cities bis zu Städtchen, von karger Wüstenei bis zu tropischer Pracht (Reisen im Überblick: www.americathebeautiful.com). Die Anziehungskraft als Reiseziel ist trotz aller Unwägbarkeiten und Kritik ungebrochen: Die Anzahl der USA-Besucher, wie auf der IPW veröffentlicht, lag 2025 bei insgesamt 68 Mio. Reisenden. Die meisten Besucher kamen 2025 aus Mexiko (17,98 Mio., macht 26 % Marktanteil), aus Kanada (16,02 Mio.; 23 %) und Großbritannien (4,06 Mio.; 6 %). Aus Deutschland reisten 1,77 Mio. an, gegenüber 1.84 Mio. (2023) und 1,99 Mio. (2024).

Setzt auf höchste demokratische Kraft mit Abraham Lincoln-Porträt - Geoff Freeman, President und CEO der U.S. Travel Association Foto Ulrike Wirtz
Setzt auf Symbole demokratischer Kraft mit Abraham Lincoln und Kapitol im Bild – Geoff Freeman, U.S. Travel Association Foto Ulrike Wirtz

Die U.S. Travel Association und Brand USA betonten zudem, dass neue Maßnahmen die Einreise verbessern, klärten über Fehleinschätzungen auf, die sich via mancher Medien ausbreiten. Zu den neuen Erleichterungen, von denen gerade auch die Bürger aus der EU profitieren, gehören die Einstellung 5.000 zusätzlicher TSA-Officer; die Reduzierung von Visa-Wartezeiten, die Verwendung neuer Scanner an Airports; nicht zuletzt die Ausdehnung des ESTA-Einreisesystems, das auch Deutsche bei der Einreise bevorzugt behandelt.

Get Facts. Get Going – Fakten statt Fake News zur Einreise nach USA

Ein brennendes Thema behandelte die IPW, indem sie sich den Bestimmungen zur Einreise nach USA inklusive Gebühren und auch den Ticketpreisen für Nationalparks widmete. Zumal weil auch in Deutschland immer wieder verschärfte Kontrollen ins Feld geführt werden und Reisende abschrecken; Kontrollen auch rund um die Social Media Accounts Einreisender durch CPB-Officer, wie die Kontrolleure der U.S. Customs and Border Protection am Port of Entry kurz genannt werden. Doch sind die herumwabernden Info Fakten oder Fake News, fragt man sich. Damit das Vertrauen in die USA wieder hergestellt bzw. bekräftigt wird, legten U.S. Travel Association und Brand USA eigens eine Informationsplattform mit den geltenden Einreise-Bestimmungen auf.

Fakten zur Einreise - zusammengefasst von U.S.Travel Association und Brand USA
Fakten zur Einreise – zusammengefasst von U.S.Travel Association und Brand USA als Antwort auf die Fake-News-Welle

Sie nennt sich: „Get Facts. Get Going.“ Einfach den Link https://www.visittheusa.com/ anklicken; schon geht es zur Website Visittheusa.com/entry mit allen wichtigen Einreise-Info auf Englisch – nach dem Motto: Die Planung von US-Trips soll spannend, nicht verwirrend sein. Die Website nennt dann Fragen, und beim Anklicken poppt die Antwort auf. Als erstes die Frage, ob internationale Reisende noch in den United States erwünscht sind? Die Antwort: Sie sind willkommen, dann heißt es Before you go, wieder anklicken und verlinken auf die amtliche Seite www.travel.state.gov. Fakten sind demnach: Deutsche wie andere europäische Bürger reisen als Touristen nach wie vor vereinfacht mit ESTA ein (Electronic System for Travel Authorization als Teil des Visa Waiver Program); das gilt für Aufenthalte an einem Stück von weniger als 90 Tagen und bei Verwendung eines elektronisch lesbaren Passes. ESTA  passt für deutsche Urlauber wie Geschäftsleute. Die Gebühr beträgt aktuell 40,27 US-$.

Wer länger als 90 Tage an einem Stück bleibt, aber auch wiederum nur auf eine bestimmte Zeit, braucht ein Visum – ein Non Immigrant Visa – und muss es beizeiten im Konsulat (etwa Berlin, Frankfurt, München) beantragen; Details siehe www.travel.state.gov. Non Immigrant Visa benötigen zum Beispiel Studenten, abgestelltes Personal (Intracompany Transferees), Künstler, Athleten oder Journalisten. Hier fallen je nachdem Gebühren von 185 $ bzw. 205 $ an. Aber: Nach wie vor zahlt man nicht die angedrohten 250 $ extra, die so genannte Visa Integrity Fee, besagt die offizielle Seite. Fake News also, wer anderes behauptet.

Offizielle Seite der U.S. Customs und Border Protection Foto Ulrike WIrtz
Sicher gehen mit der offiziellen Seite der U.S. Customs und Border Protection Foto Ulrike WIrtz

Was die Prüfung von Social-Media-Aktivitäten angeht: Der offizielle ESTA-Antrag – von der offiziellen ESTA-Website – fragt nicht danach, Social-Media-Aktivitäten, Passwörter oder private Nachrichten offenzulegen esta.cbp.dhs.gov. Die Get Facts Get Going-Initiative verweist ausdrücklich aber darauf, nur die offizielle ESTA-Antragsseite zu nutzen, da andere Anbieter-Websites womöglich anderes behaupten. Und natürlich gilt: Die Fragen im ESTA-Prozess sind wahrheitsgemäß zu beantworten. Die Einreise über ein genehmigtes ESTA ist generell zwei Jahre möglich, gilt also für diverse Einreisen im Zwei-Jahres-Zeitraum. Auch fällt keine erneute Gebühr an, es sei denn wegen Zeitablauf braucht es ein neuer ESTA.

Zügige Einreise in die USA

Wer am Port of Entry vor dem Immigration-Officer steht, wird mit den üblichen Fragen konfrontiert: Zweck der Reise, wie lange in den USA, wo zuerst, wie viel Cash dabei. Dabei läuft der elektronische Prozess: Fingerabdrücke, Foto vom Gesicht biometrisch. Bei all dem heißt es: Wie es in den Wald ruft, so schallt es hinaus. Man antwortet höflich und kooperativ, hat Pass und erste Unterkunft (Hotel-Name und Adresse) parat. No goes beim Warten oder vor dem Officer: telefonieren, Nachrichten checken oder senden, fotografieren. Geduld kann nötig sein oder auch nicht. Aufgrund eigener Erfahrung: An vielen Flughäfen läuft meist die Einreise zügig ab, zuletzt selbst gesehen in JFK/New York, in Miami, Los Angeles, San Francisco oder Chicago.

Reisetipps und News aus dem Land – mitgebracht von der IPW  

2026 stehen auf der speziellen Agenda für Reisen ins Land der unbegrenzten Möglichkeiten neben der WM die US-weiten Festivitäten zu 250 Jahre Unabhängigkeit der USA von Europa. In zwei Jahren finden die Olympischen Spiele in Los Angeles statt. Auf der Liste der  Dauerbrenner locken Klassiker wie Erkundungstage in New York City und Road-Trips etwa über die Route 66, die natürlich auch nach ihrem 100. Geburtstag in diesem Jahr weiterhin attraktiv bleibt, oder durch die Wüste Süd-Kaliforniens. Weniger bekannte Ziele: etwa kleine Beach-Towns am Lake Michigan im Nordosten Chicago‘s, dessen Beach gerade auch die deutschen WM-Kicker genießen konnten. Hier nun einige spezielle Tipps.

Salt Lake City/Utah – Besucher aus aller Welt bekommen 2027 die einmalige Gelegenheit, den der Öffentlichkeit generell verwehrten Salt Lake Tempel in Salt Lake City zu besichtigen. Das verkündete das staatliche Tourismusbüro anlässlich der Reisemesse in Fort Lauderdale. Der Tempel ist Teil der Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage, zu der Mormonen gehören, und wurde 1853 prachtvoll mit Ornamenten außen und vielen Zimmern innen erbaut. Der Tempel ist nur Mitgliedern mit Empfehlungsschreiben ihres Bischofs vorbehalten. Nun wird er seit inzwischen sechs Jahren restauriert und steht nach Vollendung der Arbeiten zur Feier des Tages kurz für jedermann offen und zwar vom 5. April bis 1. Oktober 2027.

Rarität und Olympia in Salt Lake City

Der Tempel ist bombastisch und schmückt eine riesige religiös bestimmte Anlage, die auf 40.000 Quadratmeter auch Bürogebäude und Konferenzzentrum in Salt Lake City umfasst.

Salt Lake City Tempel Foto Matt Morgan Visit Utah
Der Salt Lake City Tempel öffnet 2027 nach sechsjährigen Bauarbeiten ein paar Monate für jedermann Foto Matt Morgan/Visit Utah

Ein Ensemble, das die Atmosphäre in der Stadt der Olympischen Winterspiele 2002 und der künftigen 2034 beherrscht. Der Tempel ist Kernstück der riesigen Religions-Einrichtung und gilt von innen als prachtvoll, hat viele Zimmer, wie auf einem Modell zu sehen ist, und wirkt geheimnisvoll schon von außen wegen seiner symbolträchtigen Ornamente. Dass es von seinem Innern nur wenige alte Fotos gibt, macht zusätzlich neugierig auf die einmalige Gelegenheit 2027. Insider rechnen denn auch nicht zeitnah mit weiteren Besuchsmöglichkeiten. Die Restaurierung war nötig geworden, weil die Gegend mit ihrem Hochgebirge als Erdbebenregion gilt. Daher wurden entsprechende Vorrichtungen und Absicherungen auf neuestem Standard eingebaut. Tickets müssen online angefragt werden.

Juab County und seine legendäre  Felsformation Devils Kitchen Foto Hamel Seth
Nur ein Meisterwerk der Natur in Utah – die legendäre Felsformation Devils Kitchen in Juab County Foto Hamel Seth

Der US-Bundesstaat Utah bekommt Winter-Olympia erneut wegen seiner Hochgebirgslage und lockt immer schon Besucher gerade auch im Winter an – wegen seiner Top-Schneebedingungen. Ikonische Ziele für Gäste aus aller Welt sind zudem Utahs fünf Nationalparks, die sogenannten Mighty Five: Zion, Bryce Canyon, Arches, Canyonlands und Capitol Reef. Besucher erreichen Stadt und Bergstaat gut über den internationalen Salt Lake City Airport, der als wichtiges Einfallstor der Mountain States, wie auch der Nachbarstaat Colorado, gilt. Der Flughafen bietet nach jüngstem Ausbau 94 Gates. https://www.visitutah.com 

New Orleans – mehr als Karneval und Jazz

New Orleans/Louisiana – Die Südstaaten-Metropole mit viel karibischem Flair wird 2027 die IPW ausrichten. Doch noch ist 2026 – New Orleans feiert nun einen ihrer bekanntesten Bürger: Louis Armstrong, den weltberühmten Jazztrompeter und Sänger. Denn am 4. August 2026 jährt sich der Geburtstag von Lewis Armstrong zum 125. Mal, sein Todestag, 6. Juli 1971 in New York City, keine vier Wochen zuvor zum 55. Mal. Gründe genug, ihm, einer der bedeutendsten Musiker des 20. Jahrhunderts, in seiner Geburtsstadt zu gedenken. „what a wonderful world”, “when the Sainsts go marching in”, “dream a little dream of me”, um nur einige Klassiker vom auch Satchmo genannten Louis Armstrong zu nennen.

Louis Armstrong Startrompeter aus New Orleans
Der legendäre Louis Armstrong – Startrompeter aus New Orleans

Besonders feiern wird ihn das alljährliche Satchmo SummerFest am 1. und 2. August, das am New Orleans Mint, ein ikonischer Bau und inzwischen Teil des Louisiana State Museum, stattfindet. Das Mint liegt um die Ecke vom historischen French Quarter mit der berühmt-berüchtigten Bourbon Street, die erste Adresse für Nachtschwärmer  in der Jazz-Stadt, und widmet dem Musiker Lesungen, Konzerte etc. Das Louis Armstrong House Museum begeht seinen Jahrestag ab 1. Oktober mit der Ausstellung „Armstrong in Ghana“. Und die Clubs und Bars nicht nur im French Quarter werden in der Traditionsstadt des Jazz zu seinen Ehren noch mehr Platten auflegen als ohenhin schon.

Die Ehrungen für Louis Armstrong sind natürlich nicht die ersten, die ihm zuteilwerden. So widmete ihm das New Orleans Jazz Museum, zentral in der Stadt gelegen, seit 2024 eine Dauerausstellung mit dem Titel „It all started in Jane Alley: Louis Armstrong in New Orleans“ – mit Fokus auf seine Kindheit, sein Leben als Jugendlicher und seinen musikalischen Mentor Joe „King“ Oliver. www.nolajazmseum.org. Die Stadt und der US-Bundessaat Louisiana verewigten ihn zudem schon 2001 besonders, indem der internationale Flughafen von New Orleans zu seinem 100. Geburtstag nach ihm benannt wurde.

New Orleans und sein French Quarter Foto Ulrike Wirtz
Im historischen French Quartar von New Orleans warten idyllische Straßenansichten Foto Ulrike Wirtz

Die Metropole im Südosten von Louisiana nahe Golf-Küste lockt ihre Besucher – auch die internationale Reiseindustrie und Medienvertreter aus aller Welt auf der IPW 2027 – mit ihrer französisch-kreolischen Kultur und bietet eine entsprechende Kulinarik – legendär die Cajun-Küche mit Gumbo  (Eintopf mit Reis) und Jambalaya (Gericht mit Garnelen, Gemüse und Reis) sowie die Po Boys, die riesigen Sandwiches, auch „dressed“, dann mit Saucen etc.. Außer den Kneipen und Clubs und ihren musikalischen Events wartet der elegante Garden District mit hochherrschaftlichen Villen und Alleen, die neue Riverfront zum Verweilen und der berühmte Mardi Gras jedes Jahr im Frühjahr. Und wenn auch oft schlecht zu verstehen – vielerorts wird französisch gesprochen. https://www.neworleans.com

New York – die Stadt, die niemals schläft

New York City/New York State – Auf der IPW letztes Jahr in Chicago hat sich die Metropole als Luxus-Stadt präsentiert, wollte ihre internationalen Besucher für die teuren Hotels, Restaurants und Boutiquen in der Mega-City begeistern (siehe Lebensart-Reise.com). Alles wirklich hipp hier. Auf der diesjährigen IPW verwies das Marketing-Team von New York City wieder auf ihre Stadt auch als gute Adresse für kleinere Reise-Budgets www.nyctoursim.com/free. Hier attraktive Beispiele:

+ NYC Restaurant Week – sie findet im Juli und August quer durch alle fünf Stadtteile statt, also auch Brooklyn oder Queens, und verspricht gutes Dining zu Festpreisen und zwar 30 $, 45 $ oder 60 $. Zwar nicht wirklich günstig, aber für New York City in der Tat schon Schnäppchen. Die teilnehmenden Restaurants bieten die Fix-Preis-Essen zum Lunch oder Dinner an oder beides. Welche Restaurants mitmachen, wird zeitnah auf der Website oben unter dem Stichwort „NYC Restaurant Week“ veröffentlich

+ Zehn Festivals über den Sommer, die keinen Eintritt kosten, allen voran die traditionellen Konzerte im Central Park unter dem Namen „SummerStage“ und vor 40 Jahren gestartet. Das Programm reicht von Klassikkonzerten mit Stars der Metropolitan Opera über Jazz und R&B-Shows bis zu Techno-DJ-Shows. Oder das Sommer-Programm „Shakespeare in the Park“, ein weiteres Event mit Tradition im Central Park und zwar im Delacorte Theater. Oder „Summer for the City”, dargeboten vom Lincoln Center. Das Programm läuft bis zum 8. August und umfasst etliche Kunst-Events – von modernem Tanz bis zu klassischem Gesang. Mehr siehe auf der oben genannten Website.  

Central Parkbei Nacht - what a view und gratis Foto NYC
Der Central Park bei Nacht – what a feeling und gratis Foto NYC

+ Das Budget schonen auch freie Kino-Nächte unter freiem Himmel und zwar bis zum 18. September 2026. Die Location sind perfekt, nämlich Bryant Park direkt an der New York Public Library in Downtown, Hudson Yards direkt am Hudson River und Coney Island im Süden von Brooklyn am Meer gelegen (www.nycgovparks.org).  

+ Sie sind nicht nur günstige Transportmittel – die Fähren der NYC-Ferry. Denn Fahrten kosten vier $ – so preiswert lässt sich die Skyline vom Wasser aus selten betrachten. Dafür sorgen Fährverbindungen über East und Hudson River, Upper und Lower Bay sowie nach Queens oder Bronx. Der zentrale Terminal der NYC-Ferry liegt an Pier 11 nahe Wall Street, also im Süden von Manhattan. Sogar kostenlos für Fußgänger ist die Staten Island Ferry, deren Boote am orangefarbenen Anstrich zu erkennen sind. Die fahren von Manhattans Südspitze zur Insel Staten Island nach Südwesten und retour und kommen dabei an der Freiheitsstatue vorbei. Für den Blick fahren viele nur hin und direkt wieder her. Dabei lohnt ein Ausflug über Staten Island. auch wegen ihrer Orte mit teils hübscher alter Architektur.

Symbol der Freiheit - New Yorks Statue of Liberty Foto NYC
Symbol der Freiheit und gut aus der Nähe von der Staten Island Ferry zu sehen – Statue of Liberty Foto NYC

Vom DFB in New York City – Zur Fußball-WM hat das German House of Soccer in Manhattan auf vier Wochen seine Tore geöffnet. Hier finden Public Viewing, Live-Events, Talks und die Pflege deutscher Fußball-Kultur statt, wie es offiziell vom Hauptorganisator DFB heißt. Er möchte damit Fans, Medien, Partner und Fußballbegeisterte aus aller Welt, unterwegs vor Ort in New York, erreichen. Die Location liegt zentral im Chelsea Industrial, konkret in der W 28th St, New York, NY 10001 und damit im angesagten Teil der Stadt Midtown zwischen Chelsea, Hudson River und Midtown West. Der Zugang erfordert ein gültiges Ticket für den Tag, muss online gebucht werden und garantiert je nach Andrang keinen Zutritt. Dafür ist das ganze kostenlos. Info und Buchungen über die Website. https://www.ghos-dfb.de

Lake Michigan Beach

Lake Michigan – 3 Beach-Towns auf einen Streich

Der See im US-Staat Michigan ist groß wie ein Meer, und an seinem südöstlichen Ufer liegen drei Badeorte für erholsam-faule Tage gleich nebeneinander: Grand Haven, Saugatuck, South Haven. Lake Michigan gehört zum Riesenrevier der Great Lakes im Nordosten, und die drei Badeorte sind seit langem Naherholungsregion für Detroit und Chicago. Doch auch Fernreisende können hier schön entschleunigen.

„Wie schön, zwischendurch mal die Hände in den Schoss zu legen“, sagt Alex Overhiser, 28, der Jungbauer der Overhiser Orchards. Die Obst-Plantage gehört zu South Haven, Badeort am Lake Michigan in Michigan State. Die Familie Overhiser hat den Betrieb 1863 gegründet und baut Blaubeeren und Pfirsiche, Äpfel und Kirschen an. Junior Alex hat eigens fürs Foto Platz genommen, ist aber schon wieder auf dem Sprung: „Mit mir ist die 6. Generation unserer Familie am Ruder. Mein Vater Allan ist Seniorchef und 5. Generation. Unsere Vorfahren kamen aus Deutschland.“

Jung-Farmer Alex Overhiser Orchards Foto Ulrike Wirtz 0442.jpg
Obstplantagen zum Selbstpflücken prägen das Bild am südöstlichen Lake Michigan mit, so Juniorchef Alex von den Overhiser Orchards Foto Ulrike Wirtz

Inzwischen bewirtschaftet der Familienbetrieb 300 Acres eigenes Land plus geleaste Flächen, so Alex, studierter Kaufmann. Ein Teil sei Bio-Farm – „hier können die Leute Obst selbst pflücken“. Ein paar Meilen weiter sei der andere Standort – „dort bauen wir große Mengen für die Obstindustrie an“. 300 Acres gleich gut 120 Hektar im Besitz – gleich „tagtäglich viel Arbeit“, so der Juniorch.Das gilt jedoch nicht für die Leute, die bei den Overhiser Orchards und weiteren Bauern in der Gegend for fun pflücken oder nur kurz anhalten, um Landluft zu schnuppern – auf dem Weg zum eigentlichen schönen Ziel.

Auszeit am See der Superlative mit hohem Erholungsfaktor

Denn viele sind auf dem Weg zum Lake Michigan, speziell zu seinem Südost-Ufer mit diesem ländlichen Hinterland und gleich drei Traditions-Badeorten in kurzer Distanz zueinander. Die Reisenden kommen per Auto oft aus den nahen Mega-Cities Chicago und Detroit – meist für Kurzurlaube. Genauso kommen Fernreisende, die über die internationalen Flughäfen beider Großstädte einfliegen, fahren dann ab Chicago, gelegen südwestlich im Bundesstaat Illinois, bis zum nächst gelegenen Badeort South Haven 200 Auto-Kilometer bzw. von Detroit, gelegen im Osten von Michigan State, 300. Alex hört immer wieder: „Es ist es einfach schön, im Frühjahr blühende Obstbäume anzusehen, bzw. einladend im Sommer und Herbst zum Selbstpflücken anzuhalten. Oder die Leute genießen es einfach, das Obst an den Bäumen reifen zu sehen. Städter mögen das.“

Und haben dann die Wahl, welchen der drei Badeorte sie ansteuern. Das Trio reiht sich wie folgt am Seeufer von Süden nach Norden betrachtet auf: erst South Haven, danach Saugatuck, dann Grand Haven. Zu zweien ist es von den Overhiser Orchards nur einen Katzensprung: nach South Haven zehn Kilometer, 25 nach Saugatuck. Bis Grand Haven sind es zwar 80 Kilometer, aber meist schön erholsam durchs Grüne; erst die Interstate 196 North, dann links ab auf die US 31 namens Lake Shore Avenue mit ihrem See-Panorama. Diese Strecke ist für US-Verhältnisse auch nur ein Katzensprung und das sowieso gemessen an der Größe von Lake Michigan.

Abendstimmung wie am Meer - hier wie in Grand Haven Foto Ulrike Wirtz
Abendstimmung wie am Meer, hier in Grand Haven Foto Ulrike Wirtz

Und egal wo man ans See-Ufer tritt: Der Blick fällt auf Wasser bis zum fernen Horizont – und Schiffe; in der Ferne Transporter, die ihre Bahnen ziehen, näher und nahe an Land Fischerboote, Motor- und Segelyachten auf Cruise-Tour. oder Badende vor untergehnder Sonne. Ein See, der groß wirkt wie ein Meer und in der Tat riesig ist mit seiner Fläche von 58.000 Quadratkilometer. Damit ist Lake Michigan so groß wie die Fläche der Schweiz. Der Bodensee mit seinen 536 Quadratkilometer passt gut 100 Mal hinein. Als Teil der Greater Lakes, wie die Region der Großen Seen im Nordosten der USA an der Grenze zu Kanada heißt, macht  Lake Michigan dem Begriff „größer“ alle Ehre und hat obendrein als Anrainer außer Michigan State noch die drei US-Bundesstaaten Illinois, Indiana und Wisconsin

Die Region hat Alleen wie diese in South Haven.Foto Ulrike Wirtz
Alleen zum Cruisen und Genießen, hier eine in South Haven Foto Ulrike Wirtz

Weil die drei Badeorte sich eher ähneln, kann die Wahl durchaus zur Qual werden – nicht nur weil jeder Ort seinen eigenen Fluss hat, die für zusätzliche Idylle sorgen. Die Wasserläufe schlängeln sich jeweils vom Hinterland kommend durch die Orte, gefallen mit grün bewachsenen Ufern und münden im Ort in den See. In Grand Haven der Grand River, in South Haven der Black River. Durch Saugatuck fließt der Kalamazoo River, weitet sich im Zentrum sogar noch aus zum kleinen See Lake Kalamazoo und fließt erst jenseits des Orts in den Lake Michigan. Alle drei haben Sandstrände, teils kilometerlang, bieten zahlreiche Wassersportmöglichkeiten und weitläufige Dünenlandschaft und daran angrenzend die von Overhiser und anderen bestellten Felder und Wiesen. All das erklärt die Beliebtheit des Trios an der südöstlichen See-Seite. Dass es an einem See wie dem Lake Michigan überhaupt Sandstrände gibt, liegt an der einstigen Eiszeit im Gebiet der Greater Lakes, lieht an der Gletscherschmelze, riesigen Erdbewegungen im Anschluß und diese westlichen Winde, die den Sand anhäuften.

Dünenlandschaft bei Saugatuck Foto Ulrike Wirtz
Dünenlandschaft zum Wandern und Durchatmen bei Saugatuck Foto Ulrike Wirtz

Kleinster Ort des Trios ist Saugatuck mit 865 Einwohnern; größer sind South Haven (4.000) und Grand Haven (11.000); jeweils gezählt die ganzjährig vor Ort Lebenden. Erst durch ihre Urlaubsgäste werden sie zu Orten mit Betrieb, wobei die Downtowns trotz Läden, Lokalen und Boutiquen sich das Gemütliche bewahrt haben. In den drei Orten warten Hotels, Bed & Breakfast und Ferienwohnungen. Vor allem Saugatuck und South Haven gefallen durch alte Architektur schön restauriert und haben daher einen gewissen Retro-Schick. Grand Haven als größter Ort betont hingegen weniger sein Retro, sondern ein gewisses Town-Flair mit Theater und Krankenhaus – und ist doch auch gemütlicher Badeort.

Dass die Stimmung allerorten im Frühjahr und Herbst relaxt ist und im Winter noch mehr, bekomme ich erzählt, als im Juni vor Ort. Und auch, dass es in der Hauptsaison sogar echt hektisch werden kann, nämlich in den Sommerferien und zu den langen freien Wochenenden Memorial Day und Labour Day. Das gilt noch mehr, wenn zugleich ein Festival stattfindet, etwa das Blueberry Festival in South Haven (heuer 6. – 8. August), das Saugatuck Art Festival (25. und 26. Juli) oder das Coast Guard Fest in Grand Haven (24. Juli – 1. August), letzteres mit Tradition seit 1924.

Eine Qual der Wahl unter den Dreien – daher besser alle drei auf einen Streich

Was die Urlauber anlockt wie einst schon die Siedler, sind Klima und Lage hier am süd-östlichen See-Zipfel, beliebt auch wegen seiner Dünen, als sei man am Meer. Diese Faktoren brachten auch die Familie Overhiser hierher, wenn auch aus anderen Gründen. Juniorchef Alex schwärmt: „Klima und Lage sind phantastisch. Wir liegen mit unseren Flächen nur 15 Autominuten vom Ufer entfernt und bekommen viel Wetter vom See. Das heißt warme Sommer und kalte Winter regelmäßig mit Schnee. Im Frühjahr und Herbst ist es heiter mit genug Regen. Und wir haben gute Böden.“ Was es früher auch en masse in der Region gab, waren riesige Wälder, die kommerziell genutzt werden durften. Heute stehen sie unter Naturschutz. Damals aber arbeiteten immigrierte Europäer als Holzfäller, bauten Sägewerke, waren Fallensteller, Fischer und Pelzhändler und brachten ihre Produkte anfangs über die Wasserwege – See und Flüsse – zu ihren Abnehmern. Die Orte South Haven, Saugatuck und Grand Haven waren geboren,

Grand Haven Tri-Cities Historical Museum mit Nachbau einer alten Logger-Hütte Foto Ulrike Wirtz
Das Grand Haven Historical Museum erklärt detailreich und liebevoll die Historie der Region; hier die nachgebaute Schlafhütte eines Holzfäller-Camps Foto Ulrike Wirtz

Ab Anfang des 20. Jahrhunderts kamen immer mehr Touristen, parallel ging die kommerzielle Waldnutzung zu Ende. Auf dass Hoteliers, Gastronomen und ähnliche die althergebrachten Berufe ablösten. Außer den Bauern, so dass Äpfel, Kirschen und anderes Leckeres weiter im guten Seeklima wachsen und gedeihen. Was anfangs See und Dünen und ländliches Hinterland auf die touristische Landkarte brachte, war der aufkommende Trend zur Naherholung, so nachzulesen in South Haven am North Shore Drive auf einem Schild des Michigan Historical Center. Der Grund dieser schönen Entwicklung zur Naherholung war laut Schild die Neuerfindung des Autos. Und weil das damals den Wohlhabenden gehörte, entstanden in den drei Orten entsprechend gehobene Unterkünfte in Gebäuden, die teils noch heute gefallen. Doch dazu später.

Heute kommen Faulenzer, Wassersportler, Kunstfans, einst kamen Siedler aus Europa

Was Besucher heutzutage so alles tun: je nach Wetter und Jahreszeit im Sand am Strand liegen, so in South Haven an kilometerlanger North und South Shore, in Saugatuck am Oval Beach, der zwar kürzer ist, dafür preisgekrönt, oder im Grand Haven State Park, aufgeteilt in die Strandkategorien Familien, Hunde etc. Viele Gäste wassersporteln: je nach Lust, Laune und Können per Kajak und Standup Paddle Board auch auf einem der drei Flüsse, per Segelboot und Kite auf dem See groß wie ein Meer. Andere machen Strandspaziergänge oder wandern auf den Trails, die von den Badeorten landeinwärts gehen.

Villa im Retro-Schick nicht weit vom See in South Haven Foto Ulrike Wirtz
Auch heute schön zum Wohnen – Villa im Retro-Schick am See in South Haven Foto Ulrike Wirtz

Darunter der Kal Haven Trail, der besonders ist und überregional verläuft. Denn der Wanderweg führt ab South Haven 34 Meilen, 55 Kilometer, landeinwärts nach Westen zur Stadt Kalamazoo und das auf der Eisenbahntrasse von 1887, die 1971 aufgegeben und rückgebaut wurde. Die Bahnlinie transportierte neben Passagieren gerade auch die Früchte der Region und wurde daher auch Fruit Line genannt. Mit Stilllegung übernahm auf der Trasse wieder die Natur, auf dass Hiker und Biker, aber keine Motorbikes, sich genüsslich durch Wälder, Weiler und offenes Farmland fortbewegen.

South Haven mit besonders maritimem Flair

Wer länger vor Ort ist, stellt fest, dass das Badeort-Trio zwar viel Vergangenes und Heutiges gemeinsam hat. Doch stellen sich auch gewisse Highlights heraus. So wohnt es sich in South Haven am North Shore Drive vor dem Strand mit dem feinen hellgrauen Sand besonders schön: in schicken Ferienapartments im Landhausstil nicht höher als zwei, drei Etagen direkt am Beach. In den Straßen dahinter gefallen Villen mit Veranden und gepflegten Gärten. Das setzt sich ähnlich am südlichen Strand von South Haven fort. Kein Hochhaus weit und breit. Die langen Sandstrände unterteilt nur durch die Mündung des Black River.

Im Ort lässt sich vieles zu Fuß erreichen. Dabei geht es an schön erhaltener alter Architektur vorbei wie der 1906 erbauten Carnegie Library oder wie das älteste Haus im Ort, errichtet 1853 bis 1856 als Farmhaus der Familie Bailey und heute als Liberty Hyde Bailey Museum & Gardens liebevoll gepflegt, zur Besichtigung offen und eine wahre Zeitreise. In die Reihe des Retro-Schicks passt auch das Carriage House at the Harbor, 1886 als schmuckes Privathaus erbaut, seit 1920 Gästehaus, später und bis jetzt ein Bed & Breakfast. Hier wohnt es sich zentral und doch ruhig, während vor der Haustür ein Park mit alten Eichen wartet und unterhalb ein Steg mit Booten, die sanft im Wasser schaukeln.

The Carriage House at the Harbor B&B und erbaut 1886 Foto Ulrike Wirtz
The Carriage House at the Harbor,1886 schmuckes Wohnhaus, heuer komfortables B&B Foto Ulrike Wirtz

In South Haven ist das Maritime offensichtlich und doch eher unprätentiös, zum Beispiel der Yachthafen am Black River nicht weit von dem Punkt, wo der Fluss in den See mündet. Hier liegt Boot an Boot – Segel- und Motoryachten und vereinzelt Fischerboote. Genau am Punkt, wo sich Black River und Lake Michigan treffen, steht South Havens alter Leuchtturm, der noch immer sein helfendes Licht für die Schiffahrt sendet. Der Turm ist nur 35 Feet (elf Meter) hoch, fällt dennoch ins Auge, da gestrichen in kräftigem Rot. Er sei einer von vieren in Michigan, die erhalten sind, weiß Jim Ollgaard, Präsident der Historical Association South Haven, zu erzählen. „Unser Leuchtturm stammt von 1903, ersetzte seinen Vorgänger von 1872 und wanderte 1913 um 130 Meter an seinen heutigen Platz.“ Ollgaard schaut gerade am Leuchtturm nach dem Rechten und sagt auch mit Bedauern: „Besucher dürfen ihn nicht mehr besteigen.“

Historisches Boot ganz aus edlem Mahagony Foto Ulrike WIrtz
Bereit für Romantik-Tour wie anno dazumal – historisches Boot aus edlem Mahagony Foto Ulrike WIrtz

Mehr Maritimes bietet das Michigan Maritime Museum im Yachthafen und hat am Quai vor seiner Tür wahre Schätze liegen: klassische Boote teils echt, teils Replika, und gegen Ticket für zwei-stündige Touren mit Skipper buchbar. So das Original von 1929: ein schnittiges Holzboot aus edlem Mahagoni ohne Kajüte und sein heutiger Motor bis zu 35 MpH schnell. Es heißt Merry Time und verspricht romantisch-frohe Zeiten auf See und Fluss. „Mit solchen Booten wurden Gäste früher zu ihrem Feriendomizil geschippert oder machten Sunset-Cruises mit Picknick“, erzählt Kapitän Bob später an Bord des Segelschiffs, auf dem er seit acht Jahren zahlende Gäste for fun über den See fährt. Sein Schiff ist die Replika eines Lastenseglers namens Friends Good Will und auch zu buchen für Cruises von morgens bis abends mit Sonnenuntergang auf dem See.

Bob’s Tour an besagtem Juni-Tag ist fast ausgebucht. Drei Leute Crew hat er an Bord und stellt alle/alles kurz vor: „Ich bin aus Michigan und war früher bei der US-Coast-Guard. Die Crew bsteht aus einer Berufs-Bootsfrau plus Freiwillige. Keine Sorge, die sind gut angelernt, manche sowieso Hobbysegler.“ Die Friends Good Will sei 101 feet lang (knapp 35 Meter) und 2004 gebaut. „Mit solch einem Lastenschiff segelten um 1800 Quaker von Großbritannien in ihre nue Welt. Später transportierte es Produkte wie den im Landesinnern angebauten Tabak.“ Während Bob erzählt, macht die Crew alles klar zum Ablegen. Sie trägt wie der Captain traditionelle Kleidung, wie er sagt „aus jener Zeit im 19. Jahrhundert“. Die Crew animiert die Passagiere später, beim Segel setzen und Segel einholen zu helfen. Gesagt, getan, jeder macht mit.

Alter Lastensegler mit Captain Bob und Crew Foto Ulrike Wirtz
Passend zum alten Lastensegler tragen Captain Bob (vorn) und Crew historische Kleidung Foto Ulrike Wirtz

Gesagt, getan auch auf der Rückfahrt. Wieder manövriert Captain Bob das Schiff durch die auf Kommando sich öffnende Hydraulikbrücke. Wieder geht es am Lokal Captain Lou’ s vorbei, wo zum Sonnenuntergang am Vorabend die große Terrasse gut besucht war. Hier erwarten Gäste auch vor und nach dem Sundowner coole Getränke und Leckeres für den kleinen und großen Hunger, auch Fisch frisch aus See und Fluss wie Forellen und Lachse. Doch wenn der Himmel klar ist, wolkenlos, dann sind Sonnenuntergänge mit den Füßen im Sand am Strand noch größeres Kino am Lake Michigan in South Haven.

Saugatuck als Beachtown mit renommiertem Kunst-Zentrum und Dünen-Spektakel

Auch Saugatuck bietet sich an für Sonnenuntergänge und zwar an seinem Oval Beach, der schon in etlichen US-Rankings bester Beaches vorn mitspielte. Von Downtown Saugatuck bis zum Beach sind es sechs Kilometer per Auto oder Bike, gemessen vom Ufer des Lake Kalamazoo, wo die kleine, per Kettenzug betriebene Fähre für Fußgänger und Radfahrer ablegt. Sie trägt einen die kurze Strecke nach gegenüber, wo der Mount Baldhead bestiegen werden möchte, und retour.

Saugatuck Chain Ferry, genannt Diane Foto Ulrike Wirtz
Die Mini-Fähre fährt ganz retro durch Kettenzug über den Kalamazoo-See in Downtown Foto Ulrike Wirtz

Der Berg ist 246 Meter hoch, seine letzten knapp 100 Meter sportlich über 303 Stufen je Auf- und Abstieg erobert und belohnt mit Blick über Beach, Dünen und Lake Michigan, besonders schön eben auch, wenn die Sonne untergeht. Aber weder Sunset noch Berg noch Beach noch ein großer Dünenpark im Hinterland machen das Spezielle an Saugatuck aus.

Kustkurs im Sommer 2025 in Saugatuck - Studentin arbeitet an Stahlskulptur Foto Nolan Zunk
Kunstkurs im Sommer 2025 in Saugatuck – Studentin arbeitet an Stahlskulptur Foto Nolan Zunk

Vielmehr steht Saugatuck vor allem dafür, ein Ort der Kunst zu sein und das seit 1910. In dem Jahr rief die School of the Art Institute of Chicago hier ihre Summer School of Painting als Außenstelle offiziell ins Leben. Nachdem ab rund 1900 studierende Künstler vom Institut in Chicago auf eigene Faust in Saugatuck ihr Sommercamp organisiert hatten, weil sie hier einen ruhigen, im Sommer nicht so heißen Platz fanden, um sich auf ihre Werke zu konzentrieren und in schöner Natur Inspiration zu finden. Das sprach sich herum, ebenso eine gewisse Freizügigkeit in der Freizeit.

Daher tragen Gemälde in ihrem Titel das Wort Saugatuck

Das Kunst-Institut vor Ort heißt inzwischen Oxbow School of Art & Artists‘ Residency und ist weiterhin verbunden zum Art Institute in Chicago.Was einst ganz simpel anfing, ist heute ein Campus, auf dem Künstler auf Zeit leben und arbeiten können, auch im Winter. Das Angebot umfasst Malen, Zeichnen, Töpfern, Schreiben, Bildhauern etc. für Profis und Profis in spe. Aber inzwischen können auch Hobby-Künstler, selbst Anfänger Kurse belegen. Dieses Flair ließ viele Galerien und Kunstgewerbe-Läden im Ort entstehen, in denen nicht nur die lokal arbeitenden Kreativen ihre Werke anbieten. Neu kam 2022 das Ox-Bow House hinzu speziell für Ausstellungen für vor Ort gefertigte Werke, für öffentliche Veranstaltungen wie Künstlergespräche und eine Kunstmesse. Dieses Ox-Bow House entstand im Nachbarort Douglas, der sich scheint’s übergangslos an Saugatuck anschließt und den an sich nur sein Ortsschild als eigene Einheit mit 1.400 Einwohnern outet.

Saugatuck bietet jede Menge Kunst-Events Foto Saugatuckcom
Saugatuck bietet jede Menge Kunst und Kunst-Events Foto Saugatuck.com

Das alles beschert beim Flanieren durch den Ort auch den Blick auf mehr oder weniger Kunstbeflissene. Und keine Unbekannte mehr, warum Werke etablierter US-Meister wie Albert Krehbiel, die uns Europäern eher weniger sagen, den Namen Saugatuck im Bildtitel tragen; zum Beispiel sein Werk Saugatuck Pastel von 1933 oder Saugatuck Woods von 1930 und entstanden im Camp von Saugatuck mit Motiven der hiesgigen schönen Naturkulisse.

Ganz andere gefragte Künste in den Dünen und am Herd

Ein großer Teil dieser Kulisse gehört heutzutage zum weitläufigen Saugatuck Dunes State Park mit seinen mal flachen, mal welligen Dünen und Hainen von Pinien, Ahorn und Wildkirschen. Diese malerische Sand-Landschaft von 1.000 Acres (400 Hektar) entstand – siehe oben – nach der Eiszeit, als der Sand durch die Flüsse in den Lake Michigan getragen wurde, der Wind aus Westen ihn wieder heraustrug, auf dass sich am Ost-Ufer die Michigan Dunes aufbauten; auf in toto 275.000 Acres (gut 100.000 Hektar) im ganzen westlichen Michigan State am Michigan Lake und derart prominent, dass vom Weltraum aus zu erkennen, wie Bilder zeigen. Kaum zu glauben auch, dass das Areal des Saugatuck Dunes State Park mit seinen Wäldern dereinst auf Jahrzehnte Holz zur Weiterverarbeitung lieferte. Das ist lange Vergangenheit und der botanische Laie sieht heute nichts mehr davon.

Diese Historie wird später Jan erzählen. Der arbeitet in einem speziellen Teil der Dünen, konkret am Saugatuck Goshorn Lake, und zieht ganz andere Gäste an als die Künstlerschar es nach Suagtuck zieht. Denn im Goshorn Lake-Teil der Dünen ist spezieller Autoverkehr erlaubt und fährt an über den Blue Star Highway. In dem Areal sausen nämlich Gäste nach Anmeldung mit geübten Fahrern in Allrad-SUVs durch die Landschaft, die ansonsten auch unter Naturschutz steht. Mit Fahrern wie Jan, der das seit 18 Sommersaisons macht und sich – nach einer kurzen Einführung „on the road“ – davon selbst noch derart begeistert zeigt, als wäre die Erfahrung neu für ihn. Mit breitem Grinsen driftet Jan mit dem Wagen durch den Sand, beschleunigt scheint‘s bis an die Grenzen der Physik von Auto und Mitfahrern.

Dünentripp mit Fahrer Jim Foto Ulrike Wirtz
Dünentripp mit Fahrer Jim (vorn mit Käppi); seine Kunst, richtig zu entschleunigen Foto Ulrike Wirtz

Der für den Zweck eigens aufgerüstete Dodge SUV scheint alles zu geben, so wie sein Motor heult. Jan hat seine Passagiere natürlich im Blick, fragt, ob jeder okay ist, nimmt je nachdem Drift raus und erklärt dabei einiges zu Flora und Fauna. Auf einmal fährt er richtig ruhig bergan und stoppt. „Bitte alle mal aussteigen und das Panorama genießen. Wir sind am höchsten Punkt der Dünen.“ Der Hügel ist 135 Meter hoch und hat die versprochene schöne Aussicht über Sand und Wald bis Lake Michigan. Auch der Dodge wird bestaunt und Jans Fahrkünste. Er wehrt ab: „Das machen die Reifen und der Sand. Man darf nur nicht an der falschen Stelle Gas geben.“

Kulinarik statt Driften

Ein anderes Must hier am Bluestar Highway ist quasi um die Ecke vom Dünen-Ritt-Areal. Und zwar das angesagte Pennyroyal Café & Provisions und bewirtet auf gekonnt-unprätentiöse Art. Achtung: Weil das Lokal im Grünen liegt, ist man schnell dran vorbeigefahren. Hier kocht Küchenchefin Melissa Corey – „nenn‘ mich Missy“ -, die ihr Handwerk bei preisgekrönten Chefs lernte und selbst 2015 in Chicago als eine Topköchin der Stadt prämiert wurde. Sie kam vor sieben Jahren zurück in ihre „Oase“, wie Missy ihr Geschäft nennt, „auch wegen des Gartens um das Lokal herum“, und kredenzt seither hier modern-leichtes Essen und Selbstgebackenes, ob Croissants oder Küchlein.

Pennyroyal - sein frischer Salat mit grünem Spargel_ Foto Ulrike Wirtz
Im Pennyroyal einfach und gut essen – hier frischer Salat mit grünem Spargel Foto Ulrike Wirtz

Einfach lecker: der schlichte Penny Grilled Cheese oder der deliziöse Spargel-Salat mit Dijon-Senf-Vinaigrette. Einfach verführerisch: Desserts wie Pfannkuchen mit Blaubeeren, aus Michigan natürlich, oder selbst gebackene Kirsch-Mandel-Cones. Seit zehn Jahren ist ihr deutscher Gatte Ryan Beck an Missys Seite – er ist Farmer und Gärtner, versorgt das Lokal mit Produkten aus der Region und ist zugleich ihr Sparring-Partner fürs Geschäftliche. Ryan spricht Englisch: „Mein Deutsch ist schlecht geworden. Seit 25 Jahren lebe ich hier. Wir bauen auch Traditionelles an wie Rhabarber und Kleie. In unseren Beeten am Geschäft ziehen wir unsere Kräuter.“ Geöffnet sei das Pennyroyal auch in den Nebensaisons – „bis auf fünf Wochen im Januar. Dann machen wir zu, dann ist hier richtig Winter und echt romantisch“.

Die Owner des Pennyroyal Missy (Mitte) und Ryan (li. Autorin und Foto Ulrike Wirtz)
Eingespieltes Team im Pennyroyal – Missy und Ryan. (li. Autorin und Foto Ulrike Wirtz)

Last, but not least Grand Haven – die städtischste und auch angenehm klein 

Die größte und nördlichste Beach-Town im Trio ist Grand Haven, ist von Saugatuck in keiner Stunde erreicht und breitet sich aus zwischen den Sandstränden des Grand Haven State Parks und dem Duncan Memorial Park. Letzterer ist bekannt dafür, dass hier noch Originalwald aus den Zeiten vor der Holzwirtschaft zu bewundern ist und lohnt den Besuch. Gen Norden und Osten wird die Kleinstadt schön flankiert vom Grand River mit Nebenarmen in jede Himmelsrichtung. Grand Haven und seine Bürger geben sich gern großstädtisch, erlauben an Wochenenden das öffentliche Trinken und Mitführen alkoholischer Drinks auf den Straßen im Ortskern, in sogenannten Social Zones. Aber wehe man trägt Becher mit Wein und offene Bierdosen jenseits der Zonen offen mit sich herum.

Social Zone in Grand Haven Foto Ulrike Wirtz
Social Zone in Grand Haven – in der Zone darf Alkohol im Becher offen mitgeführt werden Foto Ulrike Wirtz

Was im historischen Wohnviertel entlang der Washington Avenue und ihrer Nachbarstraßen besonders gefällt, sind Alleen mit alten Eichen und Ahornbäumen. Zur Washington Avenue kommt automatisch, wer das Tri-Cities Historical Museum besucht, das einem die Historie früher Siedler usw. erläutert. Oder wer im Washington Street Inn absteigt. Der bekommt ein gepflegtes, familiär-gemütliches B&B geboten und bekommt Input und Stories zur Stadt zu hören – beides auf angenehme Art durch Hausherr Jim. Der führt sein B&B seit knapp 40 Jahren und kann entsprechend viel erzählen von alten und neuen Zeiten. So etwa: „Die Stadt führt das Grand im Namen, weil der Fluss so heißt ob seiner Breite. Aber der Ort hatte auch lange einen vergleichsweise großen Industriehafen, nicht so groß natürlich wie Chicago und Detroit. Und wir hatten viel Möbelindustrie. Heute haben wir ein Theater und ein Krankenhaus. Und natürlich Strand und gute Lokale.“

Sunset in Grand Haven am schicken Restaurants Notus Foto Ulrike Wirtz
Sunset am schicken Restaurant Notus – fast feierliche Stimmung Foto Ulrike Wirtz

Um 1960/1970 hätten die Aktivitäten von Industrie und Industriehafen aufgehört, der Tourismus wurde eine Haupteinnahmequelle. Jim: „Selbst Fischerboote sind hier inzwischen eine Rarität.“ Verweist dann auf die Coast Guard vor Ort und dass deren Station seit 1876 ansässig ist – mitsamt ihrer Flotte aus Rettungs- und Kontrollbooten und Eisbrechern. „So behielt Grand Haven eine große Bedeutung.“ Die Eisbrecher seien nötig, weil Lake Michigan schon auch zufriert. „Zudem werden hier Kadetten ausgebildet. Grand Haven nennt sich deswegen selbst auch gern Coast Guard City USA.“ Das habe es auch mit sich gebracht, dass seit 1924 das Coast Guard Fest stattfindet – „das bringt alljährlich Abertausende Besucher nach Grand Haven“. Was dem Besucher auch ohne Festval direkt auffällt, sind die Patrouillen-Boote, die regelmäßig zu ihrer Arbeit aufbrechen oder zurückkommen und dabei über den Grand River fahren, weil am Fluss ihr unauffälliges Headquarter liegt.

Coast Gard operiert von Grand Haven aus Foto Ulrike Wirtz
Die Coast Gard sitzt in Grand Haven am Grand River, kehrt im Foto zurück vom Einsatz auf dem See Foto Ulrike Wirtz

Der Ort gibt sich sehr „zivil“, Strandfreuden und Beach-Town-Feeling herrschen vor. So parkt, wer nach Downtown kommt, sein Auto und spaziert am fünf Kilometer langen Boardwalk entlang – bis zum Lake Michigan und dem Leuchtturm von 1839, der nach wie vor operiert. Die Promenade verläuft auf dem einstigen Gelände des früheren Industriehafens, von dem nichts mehr zu sehen ist, und gilt heute mit ihren Lokalen als eine gute Adresse, um zu essen und trinken, auch mit Terrassenbetrieb am Flussufer. Wie etwa im Snug Harbor. Der andere Publikumsmagnet liegt am anderen Ende des Bordwalks im Ort: der Grand Haven Musical Fountain mit seiner Show aus Musik und Licht, der um 1962 jenseits des Flusses installiert wurde und der mit Beginn der Show nach Sonnenuntergang nächtliche Postkartenidylle zaubert.

Der Grand Haven Musical Fountain ist am Abend die Attraktion für groß und klein Foto Ulrike Wirtz
Der Grand Haven Musical Fountain ist am Abend die Attraktion Foto Ulrike Wirtz

Was für ein Genuss, wenn dann jenseits des Flusses die Show beginnt: diese Farbenpracht, dieser Sound. Die Musikauswahl von modern bis klassisch. Die Zuschauer bzw. Zuhörer sitzen diesseits des Flusses, haben Strandstühle und Picknick mitgebracht oder sitzen einfach auf dem Rasen. Die Vorstellungen laufen an Wochenenden und Feiertagen von Mai bis September – das ganze gratis. Den Musik-Brunnen gab es in den Anfängen des Tourismus ab 1900  hier im Südosten von Lake Michigan natürlich noch nicht. Da wurde malocht in den Wäldern und Sägewerken und auf den Feldern – auch auf der Obstplantage der Famile Overhiser. Die war damals schon da, hat überdauert wie die einstigen Holzfäller- und Pelzhändler-Käffer, die heute Badeorte sind – gleich drei sehenswerte auf einen Streich.

Wichtige Websites und gut zu wissen

Anreise per Flugzeug: via Detroit und Chicago mit Direkt-Flügen aus und in alle Welt. Weniger bekanntes, näheres Einfallstor zum großen See ist Grand Rapids, Michigans zweitgrößte Stadt mit 100.000 Einwohnern (eine gute Million in ihrer Greater Area). Der Airport ist mit nur einem Zwischenstopp in Detroit und Chicago erreicht. Dann weiter im Leihwagen: knapp 100 Kilometer bis South Haven, 60 bis Saugatuck und 50 Kilometer bis Grand Haven.

Leihwagen am besten schon in Deutschland mieten – etwa als All-In-Paket mit unlimitierten Kilometern bei Alamo www.alamo.de

Allgemeine Reise-Info zum Trio: www.southhaven.org; https://saugatuck.com; https://visitgrandhaven.com,, https://washingtonstreetinngh.com/

…speziell South Haven: Overhiser Obstplantage www.overhiserorchards. Captain Lou’s  www.captainloussouthhaven.com. Lighthouse https://southhavenlighthouse.org. Michigan Maritime Museum, auch für Boot-Trips https://michiganmaritimemuseum.org. B&B Carriage House at the Harbor https://carriagehouseharbor. Wandern auf Ex-Eisenbahn-Linie https://kalhaven.org

…speziell Saugatuck: Kunst-Campus Ox-Bow School of Art & Artists’ Residency www.ox-bow.org. Dünen-Fahrten www.saugatuckduneride.com. Das Pennyroyal Café & Provisions www.pennyroyalprovisions.com. Cruises auf Kalamazoo River und Lake Michigan, auch zur manuell betriebenen Ketten-Fähre www.saugatuckboatcruises.com, Retro-Boote-Verleih https://Retroboatrentals.com

…speziell Grand Haven: Tri-Cities Historical Museum www.tri-citiesmuseum.org. Grand Haven Musical Fountain www.ghfountain.org. Die Restaurants Snug Harbour www.snugharbormi.com und https://gh.oldworld.com. Das Washington Street Inn https://washingtonstreetinngh.com

ITB Berlin 2026 Dominikanische Republik

Reise-News von der ITB…

…vom alljährlichen internationalen Branchen-Treff im März

Gourmet-Radeln und mehr in der Schweiz

Unter dem Stichwort Grand Gourmet Rides bieten die Eidgenossen zum einen Radtouren mit lukullischem Genuss mitsamt den Bequemlichkeiten von Gepäcktransporten. Zum anderen ist eine Reise durch die ganze Schweiz mit nur einem Ticket möglich. Obendrein wartet das Alpenland mit einem so genannten Swiss Travel Pass auf, mit dem sich per Bahn, Bus und Schiffsnetz auch durchs ganze Land reisen lässt. Zusätzlich sind mit diesem Pass Bergausflüge zu ermäßigten Preisen möglich, und der Eintritt zu über 500 Museen im Land ist frei. Der Swiss Travel Pass Flex toppt das ganze  als ganz flexible Lösung, weil hiermit die Nutzungstage innerhalb eines Monats frei wählbar sind. www.switzerland.com

Schweizer Berge
Blick in die Schweizer Berglandschaft

Kitzbühels KitzCard erweitert ihr Angebot

Der Ort ist bekannt als Luxus-Ziel im Sommer und noch mehr im Winter. Trotzdem offeriert das Tiroler Dorf östlich der Landeshauptstadt Innsbruck über seine KitzCard zahlreiche Vergünstigungen und inkludiert gewisse Leistungen. Erstmals ab 2026 beinhaltet diese Gästekarte eine kostenlose Berg- und Talfahrt mit den Kitzbühler Bergbahnen und zwar in den Monaten Mai, Juni, September und Oktober. Was die Karte besonders reizvoll macht für Neulinge vor Ort: Sie inkludiert geführte Wanderungen, für die man sich nicht einmal anmelden muss. Interessierte kommen einfach zum Treffpunkt. www.kitzcard.kitzbühl.com  

Balearen verlagern Gästestrom in Nebensaisons

Maltresa Balearen Cala Macarella
Cala Macarella Maltresa auf den Balearen

Die spanische Insel-Gruppe bleibt ein begehrtes Ziel. Doch steuern die Verantwortlichen den Zustrom, auf dass weniger in der Hauptsaison los ist, dafür mehr in der Nebensaison. Das ist insoweit gelungen, dass zur Hochsaison 2025 minus 6,6 Prozent anreisten, zur Nebensaison plus 13 Prozent. „Das bestätigt die angestrebte nachhaltigere Ausrichtung“, so die Balearen-Präsidentin Marga Prohens auf dem Berliner Reise-Branchen-Treff, der traditionell in der ersten März-Woche stattfindet. Und sie erläuterte Maßnahmen, wie die Verantwortlichen den Zustrom leiten. Nämlich mit Begrenzungen bei den Übernachtungen, mit mehr Kontrolle bei illegalen Unterkünften sowie durch ein neues Abkommen mit der Kreuzfahrt-Branche. Ab 2027 dürfen nämlich in der Hochsaison maximal 7.500 Passagiere pro Tag an Land gehen. Bisher sind 8.500 zugelassen. In toto reisten 2025 rund 4,92 Mio. deutsche Touristen auf die Balearen und damit 1,8 Prozent weniger als im Vorjahr.

Ägypten überzeugt mit Kultur- und Strandurlaub

Im letzten Jahr verzeichnete das Land am Nil 19 Mio. Einreisen und damit 21 Prozent mehr als 2024. Aus Deutschland kamen 1,75 Mio. Reisende und damit 11,4 Prozent mehr als zuletzt. Die Zielgröße liegt allerdings bei 30 Mio. Touristen im Jahr 2030. Dazu verhelfen soll auch eine besondere Attraktion in Kairo: das im letztem Herbst neu eröffnete Grand Egyptian Museum, ein bombastischer Bau mit Ausstellungsstücken des Alten Ägyptens. „Es zieht seit Eröffnung 15.000 Besucher pro Tag an und könnte noch mehr Zulauf verzeichnen“, so Tourismusminister Sherif Fathi auf der ITB. Man begrenze aber den Zugang, damit das Erlebnis authentisch bleibe. Als attraktive Region empfiehlt sich zunehmend die Mittelmeer-Küste Ägyptens mit dem Flughafen Al Alamein.

Robinson 2027 mit neuem Club auf den Kapverden – Buchungen ab sofort

Zwar wird der neue Club Robinson Boa Vista erst zum März 2027 fertig, doch ab sofort kann das neue Ferienresort in der einstigen portugiesischen Kolonie im Atlantik gebucht werden. Die Anlage entsteht in der Nachbarschaft des Adults-Only-Robinson-Clubs Cabo Verde im Insel-Staat westlich des afrikanischen Kontinents. Der Club a 18 jahre liegt auf der Ilha Do Sal. Der neue Club Boa Vista auf der Insel Boa Vista richtet sich an alle Zielgruppen – von Familien über Alleinreisende bis zu Freundesgruppen und bietet gut 320 Gästezimmer, einen eigenen Sandstrand, einen großzügigen Sportpark sowie nicht zuletzt einen Infinity Pool. www.robinson.com

Angola war Gastland auf der ITB 2026
Angola war Gastland auf der ITB 2026 #fotobulliberlin *** Local Caption ***

Eurowings hebt mit mehr Business Class ab

Gut zwei Dekaden ist es her, dass die heutige Lufthansa-Tochter als Low-Coast-Carrier German Wings startete. Doch inzwischen hat die Airline nicht nur den Namen abgelegt und hebt als Eurowings ab. Zudem verfügt sie bereits seit November 2025 über zwei auch mit Premiumsitzen ausgestattete Airbus A320 Neo, die Dubai anfliegen. Künftig werden es acht Maschinen sein, also vier Mal so viele Möglichkeiten, mehr Komfort zu buchen. Das bedeutet konkret: Statt sechs normalen Sitzen pro Reihe gibt es am Anfang der Kabine je zwei Reihen mit nur vier Sitzen und dem entsprechenden Plus bei Sitzkomfort, Platz und Privatsphäre. Noch offen ist momentan, auf welchen Strecken diese weiteren Business-Class-Sitze kommen. Es heißt, eventuell geht es so nach London, Mallorca und auf die Kanaren.

Neues Ziel von Eurowings ist ab Sommer 2026 übrigens Glasgow: Ab 29.6. geht es drei Mal wöchentlich von Hannover in die zweitgrößte Stadt Schottlands. www.eurowings.com

Turkish Airlines bietet neue Suite in der Business Class

Unter dem Namen Crystal legt die internationale Airline vom Bosporus ein neues Business-Class-Konzept vor. Es handelt sich um eine geschlossene Suite, die Privatsphäre, Komfort und Bordtechnik verspricht – ermöglicht durch eine Schiebetür, die sich während des Fluges schließen lässt. Das Mehr an Bordtechnik sind kabellose Ladestation, ein 22-Zoll-Inflight-Entertainment-Screen, eine intuitive Sitzsteuerung. Der Sitz in der neuen Suite lässt sich in ein vollständig flaches Bett verwandeln, die Beleuchtung ganz individuell anpassen. www.turkishairlines.com

Duisburg neuer Hafen für Flussreisen mit Arosa

Die Rhein-Schiffe Aqua, Brava und Sena werden ab diesem Jahr von Duisburg Richtung Niederlande und Belgien starten. Wien wird dagegen der neue Heimathafen der Arosa Flora auf Touren über die Donau, die ansonsten auch in Passau starten. Die Reisen können bereits gebucht werden. www.a-rosa.de  

Jamaika startet nach

Letzten Oktober jagte Hurrikan Melissa über die Karibik-Insel hinweg und hinterließ schwere Schäden. Derweil laufen große Hotelanlagen und All-Inclusive-Resorts wieder auf normalem Level. Somit bringen auch mehr Airlines Touristen wieder zum Insel-Staat mit auch britischer Historie aus Kolonialzeiten. Laut Jamaica Tourist Board starten fünf Fluggesellschaften von Europa aus zwischen Mai und Oktober 2026 mit insgesamt 105 Direktflügen zum Sangster International Airport in Montego Bay – mit in toto 33.991 Sitzplätzen. Das Angebot aus Kontinentaleuropa bedeutet ein Plus von 45,9 Prozent im Vergleich zum Sommer des Vorjahres.

Beach, Raggae und Sonne - Jamaika pur
Beach, Raggae und Sonne – Jamaika pur

Das Streckennetz in Kontinentaleuropa stützt sich auf vier Drehkreuze: Amsterdam, Frankfurt, Mailand-Malpensa und Lissabon. Condor bedient die Strecke ab Frankfurt mit zwei wöchentlichen Verbindungen und allein über 11.000 Sitzen. Deutschland ist damit der größte kontinentaleuropäische Quellmarkt. www.visitjamaica.com

15 Michelin-Anerkennungen für Alabama

Der Südstaat mit der sehenswerten Hafenstadt Mobile kann sich seit November 2025 mit 15 Michelin-Anerkennungen schmücken. Die Auszeichnungen gingen an Seafood-Restaurants an der Golf-Küste, an moderne Südstaaten-Küchen und international beeinflusste Kulinarik-Häuser mit französischen, asiatischen und zeitgenössisch-amerikanischen Einflüssen.   Fünf Restaurants wurden als BiB Gourmand für ihr starkes Preis-Leistungs-Verhältnis gerühmt. Weitere Restaurants im Bundesstaat Alabama sind als „Michelin Recommanded“ gelistet. www.alabama-usa.de

Historisches Hotel in Cordoba neu eröffnet

Historisches Stadtbild in Cordoba Südspanien
Historisches Stadtbild in Cordoba Südspanien

Das Fünf-Sterne-Haus im Unesco-geschützten jüdischen Viertel vereint zwei Adelspaläste aus dem 17. und 18. Jahrhundert mit zeitgenössischem Design. Das Hotel im spanischen Andalusien – konkret an der Plaza de Maimónides in Cordoba – liegt wenige Gehminuten von der Moschee-Kathedrale entfernt. Teile der antiken Stadtmauer wurden in das Gebäude integriert. Unter den 89 Zimmern und Suiten bietet der Betreiber besondere Kategorien an: Suiten mit Blick auf die Stadtmauer, auf den Turm der Moschee-Kathedrale oder Suiten mit privatem Innenhof im andalusischen Stil. Drei bepflanzte Patios, ein Außenpool und ein Fitnessraum ergänzen das Angebot. Neu ist das Restaurant Tablafina und setzt auf regionale Küche mit Gerichten wie Salmorejo und Ochsenschwanzragout. Die neue Luxusherberge war zuvor das NH Collection Amistad de Córdoba und wurde nun nach umfassender Restaurierung von Minor Hotels als NH Collection Palacio de Córdoba neu eröffnet. www.nh-hotels.com

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Bau-Ikonen der Moderne jenseits von Chicago

In der Prärie westlich der Mega-City schufen Ludwig Mies van der Rohe (Foto oben) und Frank Lloyd Wright (Foto unten) erste Einfamilienhäuser der Moderne – mit Mustergültigkeit bis heute. Sie locken Scharen von Architektur-Enthusiasten aus aller Welt aufs platte Land im Hinterland von Chicago.

Laubbäume im frühsommerlichen Blätterkleid schmücken die Chicago Avenue (Ave) von Oak Park, ein Vorort von Chicago. Die Nachbarstraßen beherrschen großzügige Anwesen mit viel Rasenflächen, Blumenbeeten und mit Eichen, die dem Ort den Namen geben. „Das war schon immer eine Wohngegend für Bessergestellte“, so Architektur-Guide Siddra Mufti.

Frank Lloyd Wrights Wohnaus und Studio von außen_Foto_Ulrike_Wirtz
Das erste Wohnhaus im berühmten Prärie-Stil von Wright war sein eigenes Zuhause, der Stil die erste ureigene Architektur der USA. Die machte ihn als Erfinder modernen Wohnens weltberühmt Foto Ulrike Wirtz

Sie spricht zu einer Schar sichtlich internationaler Besucher, die sie am Haus 951 Chicago Ave zuvor mit freundlichen Hallos empfangen hat. Das Schild am Haus erklärt, warum hier rund 30 Interessierte Guide Siddra lauschen, denen weitere im Lauf des Tages folgen. Im Haus lebte und arbeitete Frank Lloyd Wright, Architekt bahnbrechender Einfamilienhäuser. Experten halten ihn für einen der größten Architekten der USA, so Siddra: „Wenn nicht den größten.“ Denn er entwickelte den ersten US-eigenen Architekturstil für das familiäre Zuhause und formte dabei den Baustil der Moderne weltweit mit. „The first new genuin architecture of the US“, sagt Siddra wörtlich, sagt auch: „Er galt als schillernde Figur und Frauenheld.“

Büroschild und Eingang zum Wohnhaus mit Architekturstudio von Frank LLoyd Wright in Oak Park Foto Ulrike Wirtz
Die Architektur-Ikone vereinigte in Oak Park Wohnen und Arbeiten unter einem Dach – hier das steinerne Namenschild am Hauseingang Foto Ulrike Wirtz

Von Chicago nach Oak Park sind es 20 Kilometer Autofahrt und führen in die Prärie im Mittleren Westen, ins meist platte Land, auch im übertragenen Sinn. Es hat noch heute viel von der berühmten Weite, auch wenn es vor den Toren von Chicago nicht mehr ganz so plattes Land ist und nicht mehr auf Meilen menschenleer wie früher, da Industrialisierung und Besiedlung fortschritten. Aber Oak Park ist sichtlich ein ruhiges Pflaster zum Wohnen in bevorzugter Lage. Ganz ohne Saus und Braus wie Chicago, Millionen-Metropole am Lake Michigan, ein See fast groß wie ein Meer und bekannt für seine Starkwinde. Chicago wird daher auch Windy City genannt.

Jenseits der Windy City Chicago und ihrer weltberühmten Hochhäuser-Silhouette

Und steht gerade auch dafür, die erste US- Metropole der Wolkenkratzer gewesen zu sein. Die bescherten Chicago Weltruhm und machen die Stadt zum Paradies für Architekten und Architektur-Interessierte bis heute. Die High-Riser entstanden ab 1880, nachdem das große Feuer von 1879? Chicago heimsuchte und der Wiederaufbau die Chance eröffnete, die damals höchsten und modernsten Gebäude am Chicago River zu realisieren. Willis Tower, damals Sears Tower genannt, Tribune Tower, John Hancock Center, Auqa Tower etc. Später dann mit Wolkenkratzern in innovativer Stahlskelett-Bauweise mit modernen Liften. So wurde Chicago zur beispielhaft vertikal errichteten Stadt – zu Beginn noch mit Fassaden aus Beton und Stuck, seit den 1940ern/1950ern immer mehr aus Glas. Unübersehbar bleibt Richtung Prärie die Welt der Wolkenkratzer hinter einem.

Aber nicht die Schar der Architektur-Interessierten, und die begeben sich nicht nur nach Oak Park. Auf dem platten Land hinterließen nämlich gleich zwei renommierte Baukünstler die monumentalen Spuren ihres Könnens. Beide wahre Ikonen der Moderne. Der eine eben: Frank Lloyd Wright, 1867 geboren im Staat Wisconsin, in Phoenix/Arizona gestorben 1959; er wohnte längere Zeit in Oak Park. Der andere: Ludwig Mies van der Rohe, 1886 geboren im westdeutschen Aachen, gestorben 1969 in Chicago; der war schon in seiner Heimat ein erfolgreicher Architekt, ging auf der Flucht vor Nazi-Deutschland nach USA und kam auch nach Plano, ein Ort 90 Kilometer westlich von Chicago und richtig abgelegen. Beide schufen – jeder für sich – in der Prärie im Mittleren Westen bis heute mustergültige Einfamilienhäuser der Moderne.

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Wright’s Prärie-Stil setzt auf klare Linen und offene Räume, auf Naturmaterialien und Farben der Natur des Mittleren Westens Foto Ulrike Wirtz

Doch zunächst nach Oak Park. Hier wirkte Frank Lloyd Wright beruflich, entwarf etliche Häuser und lebte selbst von 1889 bis 1909 vor Ort – genau an der 951 Chicago Ave. Hier fanden Arbeit und Familienleben unter einem Dach statt: im auf den ersten Blick verschachtelt wirkenden Haus mit eineinhalb bis zwei Geschossen und noch höherem Oberlicht. Es beherbergte auch sein Studio mit Platz für das Team seiner Firma. Labor nannte Wright sein Anwesen auch, weil der Mann der Moderne an seiner innovativen Wohn-Architektur feilte, sie an die Landschaft draußen vor seiner Haustür anlehnte und seinen neuen Stil daher auch „Prairie-Style“ nannte. Guide Siddra erklärt noch draußen vor der Haustür: „Für den Stil und seine Pionierarbeit wird er bis heute gefeiert.“

Das würde Wright, von dem überliefert ist, dass er sich selbst gern als größten Architekt der Welt sah, sicher gefallen. Der Laborcharakter manifestierte sich darin, dass er an seinem Zuhause und Firmensitz stetig herumbaute, anbaute und dabei seinen neuen Stil entwickelte und verfeinerte wie an einem Modell. Angefangen beim mit dunklen Schindeln gedeckten Walmdach mit auffällig herausragenden Traufen, die sich als ein Merkmal seines Präriestils herausstellten. Damit ließ der Stilist sein Haus von außen gedrungen wirken, so als solle es sich kaum sichtbar einfügen in die Landschaft. Die Dachform löst beim Betrachter – wie vom Meister gewollt – auch ein Gefühl der Behaglichkeit aus. Die Klinker des Hauses sind Dunkel-Oliv, die Fenster in der für Wright typischen Bleiverglasung und haben eine Rahmung ebenso in Matt-Grün – wie die Farben der Prärie jenseits der Ortsgrenze.

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Gediegen essen im Wright-Zuhause – der Architekt entwarf alle Möbel selbst, auch Lampen und Hausgeräte und brilliert dabei bis heute mit seinem Gespür für die Moderne Foto Ulrike Wirtz

Die Fenster reihen sich – auch das Wright-typisch – eng aneinander, sind dadurch nicht nur funktional, sondern ein dezent schmückendes Element. Dezent war angesagt beim Mann, für den Pomp ganz und gar nicht sein Ding war. Er folgte den Linien der Prärie, die keine großen Höhen kennt, stattdessen horizontale Ausrichtung. Sowie Schlichtheit, aber elegant. Dafür steht Wohnen á la Wright im eigenen Haus und deutlicher noch in seinen späteren Arbeiten für seine Auftraggeber. Guide Siddra: „Wright strebte die Harmonie von Mensch und Natur an. Organisch nannte er das.“ Viel mehr von seinem verfeinerten Stil ist sogar gleich um die Ecke von Wright’s Zuhause zu betrachten, weil Nachbarn ihn mit den Entwürfen ihrer Häuser im Präriestil beauftragten.

Wrights Stil huldigt den Farben und Materialien wie weiten Prärie gleich vor der Haustür

Sein eigenes Zuhause überrascht beim Eintreten zunächst mit Dunkelheit und überrascht danach mit umso helleren Räumen. Das wirkt großzügig und liegt an der auffallend offen gehaltenen Bauweise. Damit bringt Wright ein Gefühl von Weite wie draußen nach drinnen. Das macht seinen Prärie-Stil aus. Ebenso die Verwendung von Naturmaterialien und Farben wie draußen auf dem Land. Ebenso die Einrichtung, die sich an der Natur orientiert: Lampen mit bernsteinfarbenem Glas spenden weiches Licht. Hölzernes Mobiliar kommt in Braun daher, Polsterbezüge in hellen Erdfarben von beige bis grün. Wright belässt Naturmaterialien als solche, möchte sie erkennbar machen und lässt Holz naturbelassen, statt es mit Anstrichen in Farbe zu verfremden. Braun von hell und dunkel ist das Innere seines Hauses und lassen es  schlicht-elegant aussehen und so gar nicht rustikal, wie es der Ranch-Stil tut.

Schnoerkelloses Mobiliar - von Wright entworfen und selbst genutzt Zuhause an der Chicago Ave Foto Ulrike Wirtz
Schnörkellos-schlicht, aber elegant – so lebte die Architektur-Ikone von 1889 bis 1909 Foto Ulrike Wirtz

Wright wollte seinen Stil ganzheitlich umgesetzt wissen und entwarf daher bis in die Details alles selbst: das hölzerne Mobiliar, gerade auch Einbauelemente, um damit Schlichtheit zu betonen; Lampen, Bilderrahmen, selbst Hausgeräte – alles schnörkellos, in Farben und Material Prarie-Style und sichtlich harmonisch. Und bei näherer Betrachtung raffiniert. So schafft seine klaren Linienführung Eleganz und erzeugen an sich simple Maßnahmen diese Weite, indem Wright Wände einfach weg lässt. Aber gewusst wo – er tut es am passenden Spot. Für Behaglichkeit bekommt das Zuhause an zentralen Stellen Kamine. Zumal Winter im Mittleren Westen eisig kalt sind. Dann die Fensterreihen, nun von innen betrachtet: Sie sorgen für mehr Licht in den Räumen und betonen noch die horizontale Linie der Prärie.

Wright stellt auf das Funktional-Elegant-Schlichte ab – modern eben. Somit verzichtete der US-Architekt völlig auf die aus Europa importierten Stilrichtungen viktorianisch, georganisch, Anne oder Tudor, die Jahrhunderte den Ton jenseits wie diesseits des Atlantiks angaben. Bei Wright also keine Erker, Giebel und üppige Stuckarbeiten, keine schnörkeligen Dekors. Wie anders die Stile waren, ist unübersehbar, wenn man sich eines der architektonischen Prachtexemplare im viktorianischen Stil ansieht, von denen es einige auf dem Land auch jenseits von Chicago gibt. Einen Besuch wert ist das Ellwood House, erbaut 1879 in DeKalb, Städtchen 100 Kilometer westlich von Chicago und nun auch ein Museum. Ein Besuch dort zeigt exemplarisch, wie verschieden doch lange schon die Geschmäcker waren und sind.

Wrights Kamin in Oak Park für Lagerfeuer-Feeling Zuhause Foto Ulrike WIrtz
Wright’s Kamin in Oak Park sorgt für Lagerfeuer-Feeling, ist doch die Prärie gleich draußen Foto Ulrike Wirtz

Wright sah seine Moderne auch als relevant bis in die gesellschaftliche Ebene an. So nannte er sein Schaffen demokratisch, gab seiner Vision von einem modernen Zuhause den Namen Usonia und verewigte seinen Masterplan für eine utopische Zivilisation im Buch mit dem Titel: „When democracy builts.“ Modern-offen kommt auch seine Devise fürs Privatleben über, was in der Gesellschaft zu Wrights Lebzeiten nicht alltäglich war. Guide Siddra: „Er verließ seine erste Gattin, mit der er sechs Kinder hatte und in Oak Park lebte, flirtete hier in seiner Nachbarschaft mit Frauen, führte mit einer Nachbarin, einer Kundin, eine wilde Ehe in Oak Park und ging mit ihr nach Europa.“ Das Paar kam zurück in die USA, sie kam in einem Feuer um, und Wright flüchtete in seinem Kummer nach Japan. „Als er von dort zurückkam, heiratete er erneut.“ Oak Park hatte er 1909 verlassen.

Das Büro des Meisters der ersten US-Moderne in Oak Park Foto Ulrike Wirtz
Bürokultur in Oak Park. Hier kreierte des Meister seine Idee von Moderne im ersten Jahrzehnt des 20. Jahrhunderts und prägt damit modernes Wohnen bis heute Foto Ulrike Wirtz

Da hatte auch die andere schillernde Berühmtheit des Orts demselben den Rücken gekehrt: Schriftsteller Ernest Hemingway, 1899 in Oak Park geboren und bis zum 7. Lebensjahr keine 600 Meter entfernt von Wright und seiner Familie aufgewachsen. Hemingway war erst Journalist und Kriegsberichterstatter, wurde Autor und 1954 mit dem Literatur-Nobelpreis geehrt. Privat frönte er der Großwildjagd in Afrika und der Hochseefischerei vor der Küste Süd-Floridas und war vier Mal verheiratet. Auch ihm widmet Oak Park heute ein Museum; im einstigen Elternhaus, 1890 erbaut im barocken Queen- Anne-Stil á la Europa. Ob den beiden – Wright und Hemingway – die unaufgeregte, ländliche Idylle in Oak Park half, ihre Talente zu entwickeln? Das Haus der Hemingways  war wie gesagt alles andere als Wrights Prärie-Stil.

Hingegen ließen sich etliche Nachbarn ihr Heim vom Meister der US-Moderne entwerfen, allein in Oak Park insgesamt gut 30 Einfamilienhäuser, einige wie gesagt direkt bei ihm um die Ecke und einfach zeitlos-schön anzusehen. Und dann der Unity Temple zehn Minuten zu Fuß von Wrights Zuhause entfernt und sehenswert als zeitlos-modernes Haus der Religion, das Wright selbst als „Little Jewel“ hervorhob. Diese Nachbarschaft lässt sich erkunden wie ein Freilichtmuseum; zehn der Häuser sind in einer Audiotour erklärt, die das FLW-Museum bereithält. Aber Achtung: Alle Einfamilienhäuser sind in Privatbesitz und nur von der Straße zu besichtigen – samt ihrer opulenten Gärten und Bäume.

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Für Nachbarn rund um Chicago Ave und Forest Ave schuf Wright Häuser im Prärie-Stil wie das Hills-Decaro-Haus, erbaut 1906, nachgebaut 1977. Die Wohngegend ist schön zu Fuß zu erkunden Foto Ulrike Wirtz

Was Wright auch gefallen hätte: Die UNESCO ehrte acht seiner Gebäude, verteilt über die USA, als Welterbe, davon in Oak Park den Unity Temple und das Robie House, erbaut 1906 im südlichen Chicago und das Werk von Wright, das seinen Ruf als Architekt der US-Moderne zementieren sollte. Was den Meister zeitlebens gewurmt haben soll, so zitiert Guide Siddra aus Arbeiten über Wright: „Dass er keinen Wolkenkratzer baute. Immerhin hat er aber das legendäre Guggenheim Museum in New York entworfen und ebenso UNESCO-Welterbe.

Mies van der Rohe – der andere Meister der Moderne und nicht nur weltberühmt seine Wolkenkratzer

Ganz anders Ludwig Mies van der Rohe, die andere Ikone des Modernismus, 1938 emigriert aus Deutschland nach USA und bis zu seinem Tod 1969 in Chicago Zuhause. Ein gewisser Ruhm gründete bereits auf seinen Architektur-Aktivitäten zuvor in Deutschland und Europa. Dafür nur ein Beispiel: der Barcelona-Pavillon von 1929 als Bauwerk radikaler Reduktion auf klare Linien in geometrischer Strenge. Im Land der unbegrenzten Möglichkeiten wurde er zum Wolkenkrater-Spezialisten und kam als Vertreter der Avantgarde zu Legenden-Status. Nur ein Beispiel seiner Monumente der Moderne ist das Seagram Building, fertig gestellt 1958 in Manhattan/New York City in seiner klaren Gliederung, ohne jeden Schnickschnack, dafür mit viel Glas und von zeitloser Ästhetik bis heute.

Auf diesem beruflichen Weg nahm er 1945 den Auftrag für ein Einfamilienhaus an, das sein einziges in USA bleiben sollte, daher bis heute nicht nur Enthusiasten des Modernismus aufs Land pilgern lässt. Die begeben sich wie einst Mies van der Rohe in die Gegend des 12.000-Seelen-Orts Plano 100 Kilometer westlich von Chicago. Der ist zwar inzwischen dank guter Straßen Teil der Chicago Metropolitan Area, blieb aber trotzdem ein ländlich-verschlafener Landstrich, rural country, wie die Amerikaner sagen.

Jenseits von Chicago wartet das platte-Land des Mittleren Westens Foto Ulrike Wirtz
Jenseits von Chicago wartet das platte Land des Mittleren Westens und irgendwo das ikonische „Mies-van-der Rohe-Haus“, entworfen für Edith Farnsworth Ende der 1940er Jahre Foto Ulrike Wirtz

Während der Autofahrt hierher ziehen Felder, Wald und Wiesen vorbei, Scheunen und Gatter von Farmen und Ranches, kleine Weiler mit den typischen hölzernen Wohnhäusern älteren und jüngeren Datums. Die Prärie geht hier weiter westlich von geraden auch in gewellte Linien über. Es ist schön grün hier und war es noch mehr zuzeiten, als Mies van der Rohe vor Ort kam.

Diese Abgeschiedenheit war es, nach der die Auftraggeberin fürs Wohnhaus, besser fürs Wochenendhaus, suchte: Dr. Edith Farnsworth aus Chicago, Tochter wohlhabender Eltern, Ärztin, Forscherin und Spezialsitin für Nierenkrankheiten. Sie war eine der ersten Gelehrten für Medizin im Staat und in Chicago, spielte Geige auf hohem Niveau, hatte für Europa ein Faible, das sie bereiste. Und sie wollte ruhige Wochenenden fern ihrer stressigen Arbeit in Chicago verbringen. Ihre Vorstellung vom Glück für den Zweck: ein schlicht-modernes Domizil in Harmonie mit der menschenleeren Natur am Fluss inmitten rund 4000 Quadratmeter (9.5 Acres) Wildlandschaft. Dafür kam ihr kein Geringerer als Mies van der Rohe gerade recht. Der bescherte ihr und der Nachwelt dann mitten im Grünen an den Ufern des Fox River einen Solitär der Moderne, der in den USA und darüber hinaus als einer der wichtigsten Bauten im neuen Wohnhausstil gilt.

Der Wunsch von Edith Farnsworth nach Privatsphäre war ihm fast egal - Mies van der Rohe folgte seiner Idee vom perfekten Domizil der Moderne Foto Ulrike Wirtz
Der Wunsch von Edith Farnsworth nach Privatsphäre war ihm fast egal – Mies van der Rohe folgte seiner Idee vom perfekten Feriendomizil für die Ärztin und Forscherin FarnsworthFoto Ulrike Wirtz

Aber bevor sich ein erster Blick darauf werfen lässt, geht es erst durch den Eingang zum Areal, das nun als Historic Site Museumstatus genießt, und danach gut zehn Minuten zu Fuß durch leicht-luftigen Wald und Wiesen – bis sich in Ufernähe ein schlichter Bau zeigt. Er ist eingeschossig, hat ein Flachdach und besteht fast nur aus Glas. Er wirkt zwar ganz anders als Wright’s Moderne, doch klaren Linien ohne Schnickschnack folgt auch Mies van der Rohe. Was für eine zeitlos-puristische Formsprache und Anmutung. Bei längerem Ansehen zeigt sich: Das Schlichte kommt auch dadurch, dass nur unauffällige, weil dünne Stahlplatten als tragende Elemente von Dach und Boden in Weiß fungieren und dass die Glasflächen rundum in senkrechter Linie nur ab und an von filigranen Stahlleisten ebenso in Weiß unterbrochen werden. Alles gläsern, keine Hauswand aus Stein oder Holz. Alles transparent. So wirkt der Bau in Mies van der Rohe‘s Purismus auch kein bisschen als Störenfried in der grünen Natur.

Andererseits null Privatsphäre – so empfindet man selbst als derjenige, der reinschaut. Schon seltsam. Wieviel seltsamer muss es von innen sein. Das lässt sich feststellen, da das Haus auch von innen besichtigt werden kann. Zum Eingang des Hauses führen erst vier und weitere fünf schlichte Stufen, weil das Haus auf Stelzen steht, die wiederum so schlicht sind, dass das Haus zu schweben scheint. „Die Stelzen sind der Lage am Fluss geschuldet, weil der ab und an Hochwasser führt“, erklärt John, einer der Guides für das Edith Farnsworth House, wie es heute als Museum nach seiner Bauherrin heißt. Drinnen ist die Aussicht ins Grüne einfach schön, egal wo man ist. So war es auch für die Bewohner, ziehen sich doch die diversen Wohnbereiche entlang der Glasfronten.

Mies van der Rohe und seine Möbel-Klassiker im Edith-Farnsworth-House Foto Ulrike Wirtz
Perfekt durchgestylt – Mies van der Rohe schuf auch Möbel-Klassiker. Sie zogen aber erst mit dem nächsten Eigentümer ins Edith-Farnsworth-House ein Foto Ulrike Wirtz

Mies van der Rohe meinte selbst: „Wenn man die Natur durch die Glaswände ansieht, nimmt sie ein noch wichtigere Bedeutung an, als von außen betrachtet.“ Und überhöhend fügt er hinzu: …es wird Teil eines größeren Ganzen“. Das Domizil erscheint einem als Maximum am Wohnen mit und in der Natur, ohne wirklich draußen zu sein. Innen kommt auch erst zum Vorschein, wie Mies van der Rohe für eine gewisse Intimsphäre zur Körperpflege gesorgt hat, indem er in der Mitte des Baus eine mit Holz verkleidete Räumlichkeit schuf. Ansonsten alles einsehbar, ob Küche, Essbereich, Schreibtisch oder gar die Schlafräume.

Das Mobiliar in hellem Naturholz passt zur Leichtigkeit des Baus, auch das lichte Braun der berühmten Mies van der Rohe-Stühle namens Barcelona, erstmals gefertigt für den Pavillon in der spanischen Stadt, zeitlos schön und als teures Mobiliar bei Premium-Möbelhäusern zu erstehen. Ebenso die vom Meister entworfenen Liegen in dunkelbraunem Leder, auf die man sich direkt kuscheln möchte, um durch die gläsernen Wände von Edith Farnsworth Haus ins Grüne zu schauen. Guide John: „Die von Mies van der Rohe entworfenen Sessel und Liegen brachte der nächste Eigentümer des Hauses erst mit. Sie schlief zum Beispiel nur auf einer Matratze auf dem Boden.“   

Nachgestellt für heutige Besucher. Denn Edith schlief asketisch auf einer Matratze Foto Ulrike Wirtz
Nachgestellt für heutige Besucher. Denn Edith schlief asketisch auf einer Matratze Foto Ulrike Wirtz

Was hatte Mies van der Rohe schon alles zuvor geschaffen: In den 1930ern war der einstige Aachener der letzte Direktor des Staatlichen Bauhauses, der Schule der Moderne für Kunst, Design und Architektur in Dessau, das die Nazis dann so verschmähten. Zuvor hatte er sich abgewendet vom traditionell-neoklassisch-opulenten Baustil hin zum Modernismus mit Fokus auf Funktionalität; in Deutschland aus seiner Feder zu bewundern bei der 1927 im neuen Stil entworfenen Stuttgarter Mustersiedlung der Moderne, genannt „Am Weißenhof“. Wie weit weg ist schon deren Dimension vom kleinen, feinen Wochenendhaus auf nur einer Ebene, wie weit weg sind erst die himmelhohen  Bürogebäude und Apartmenthäuser, mit denen Mies von der Rohe in den USA von Chicago bis New York und darüber hinaus reüssierte.

Mies van der Rohes letztes Masterpiece entstand in Berlin – die Neue Nationalgalerie

In Chicago baute der Vertreter schlicht-raffinierter Moderne etwa das Minerals & Metals Research Building (1943) oder die Alumni Memorial Hall (1946). riss vor Ort um 1948 in funktional-eleganter Formsprache Apartmenthäuser mit Glasfassaden auf, die Lake Shore Drive Apartments. Mies van der Rohe entwarf aber auch moderne Kulturtempel wie das Museum of Fine Arts in Houston/Texas und in Berlin die Neue Nationalgalerie in Berlin, ein Glaspavillon und Mies van der Rohes letzte Arbeit überhaupt. Allen ging jeder Pomp ab, keiner ließ Raum für Verspieltes. Inmitten dieser Schaffensjahre das 1951 fertig gestellte Wochenenddomizil in der Prärie im Mittleren Westen.

Gewisse Parallelen im Stil finden sich denn schon auch zwischen High-Risern und Edith Farnsworth House. So kommt eine Art Stahlskelett-Bauweise hier wie dort zum Einsatz und ebenfalls Glas und nochmals Glas für die Fassaden. Von der zeitlosen Eleganz des Schlichten erzählt auch das kleine Haus dem Betrachter. Was es aber nicht preisgibt, erzählt Guide John. Zum Beispiel, dass sich die Bauzeit von 1945 bis 1951 hinzog. Dass sich Auftraggeberin und Auftragnehmer zerstritten, weil er sein Ding machte: „Indem er seinen Prototypen realisierte statt sich an ihren Bedürfnissen zu orientieren. Mies van der Rohe galt als einer, der übers Projekt die ganze Kontrolle haben wollte. Die Legende sagt, dass daher die Fetzen flogen.“ Es heißt auch, weil sie sich in ihn verguckt haben soll, während sein Privatleben mit Ehefrau und Geliebter keinen Raum ließen für Edith.

Mies van der Rohe lässt seine Bauherrin Kochen wie im Freien Foto ULrike Wirtz
Der einstige Direktor des Bauhauses lässt nicht nur seine Bauherrin kochen wie im Freien. Vielmehr meint, wer heute drinnen steht, man sei draußen Foto ULrike Wirtz

Am Ende monierte die Nierenspezialistin zu viel Transparenz plus zu hohe Baukosten – statt 40.000 $ 74.000 $ – und so weiter. Der Guide: „Das ganze ging vor Gericht und endete nach fünf Jahren mit einem Vergleich.“ Die Auftraggeberin hatte auch nicht besänftigt, dass das Haus damals schon für Aufsehen sorgte und in Fachzeitschriften hochgelobt wurde. John: „Jedenfalls wurde das Haus als das von Mies van der Rohe bezeichnet und nicht als ihres. Vielleicht hat das Edith Farnsworth nicht gefallen.“ Sie hat es dann 20 Jahre genutzt, dann verkauft. 2003 kaufte es der National Trust for Historic Preservation, machte aus dem Haus eine Art Museum mit Laden, der Bauhaus- und Mies-van der Rohe-Lektüre vom feinsten bietet. Besucher aus aller Welt kommen – wie zum Wohnhaus mit Architektenstudio von Frank Lloyd Wright, der anderen Baukunst-Ikone, die im Country im Mittleren Westen wirkte.

Wichtige Websites und weitere Info

Zu Frank Lloyd Wright in Oak Park https://franklloydwright.org; und https:flright.org. Zu Oak Park www.oakparkandbeyond.org. Zum Unesco-Welterbe des Prärie-Stil gehört das Robie House in Chicagos Stadtviertel Hyde Park www.choosechicago.com. Dagegen liegt das sogenannte Laurent House von anno 1948 in Rockford 140 Kilometer westlich von Chicago und gilt als erstes barrierefreies Zuhause der Moderne.

Zu Ludwig Mies van der Rohe‘s Edith Farnworth House www.edithfarnworthhouse.org. Ein Besuch hier in Plana lässt sich gut verbinden mit dem Laurent House – siehe oben. Zu Mies van der Rohe in Chicago www.architectur.org. Anderes mehr zur Ikone der Moderne www.Miessociety.org; zum Bauhaus in Dessau www.bauhaus-dessau.de

Schöne alte Architektur Dazu gehört das 1879 erbaute Ellwood House in DeKalb – ein Mansion, das Stacheldrahtzaun-Erfinder Isaac Ellwood gehörte www.ellwoodhouse.org.

Ellwood House im-klassischen Stil mit Erkern und Schnoerkeln-von 1879_Foto Ulrike Wirtz
Vor der Moderne 1879 errichtet – das Ellwood House hat außen ganz klassisch Erker…
Pomp innen im Ellwood House wie ueblich bei den Reichen Foto Ulrike Wirtz
… und ist innen pompös-schörkelig wie vor Wright üblich bei der reichen US-Society Fotos Ulrike Wirtz

Lohnend auch das Charles Gates Dawes House (1894), schön in Evanston am Lake Michigan gelegen. Im Mansion im schlossartigen Stil lebte der einstige US-Präsident Charles Gates Dawes für Jahrzehnte www.evanstonhistorycenter.org

Generelle Info für Chicago unter www.choosechicago.com. bzw. Illinois www.enjoyillinois.com.

Extratipp…sehenswerte Gärten

1. Chicago Botanic Garden: ein Hort der Beschaulichkeit durch Inseln, kleine Seen, Wanderpfade und lauschige Plätzchen; hier warten 27 Gärten unterschiedlicher Art auf Erkundung www.chicagobotanic.org

Chicago Botanic Garden Glencoe Foto Urlike Wirtz
Ein Highlight in Gartenkunst ist der Chicago Botanic Garden in Glencoe 40 Kilometer vor der Mega Ciy …
Ein weiteres Highlight in Gartenkusnt: Anderson Japanese Gardens Foto Ulrike Wirtz
…ein weiteres Highlight: Anderson Japanese Gardens in Rockford mitten in der Prärie Foto Ulrike Wirtz

2. Oak Park Conservatory: errichtet 1929 in Oak Park, um besondere Fauna der Region zu erhalten; heute sind rund 3.000 Pflanzen zu bestaunen www.oakparkconservatory.org  

3. Anderson Japanese Gardens; fünf Hektar verwunschener Pfade, Beete und Wasserläufe; errichtet 1978 in Rockford vom internationalen Landschaftsarchitekten Hoichi Kurisu www.andersongardens.org

Extratipp….Hotels

Ansehnlich und komfortabel ist das Herrington Inn & Spa in Geneva; das historische 4-Sterne-Hotel ist bekannt auch für seine sehr gute Küche und sein Lage idyllisch direkt am Fox River, an dem sich auch das Edith Farnsworth House versteckt www.herringtoninn.com

Praktisch-solide: das Carleton Hotel in Oak Park im historischen Gemäuer mit italienischem Restaurant mit guter Bar www.carletonhotel.com

Insider-Tipp: Wer nach so viel Architektur chillen möchte, kann das bei Whiskey Acres in DeKalb tun. Der Hot-Spot harter Drinks ist Teil der Farm der Eigentümer.

Whiskey Destillerie in DeKalb Foto Ulrike Wirtz
100 Kilometer sind es von Chicago nach Westen in die Prärie zur Destillerie Whiskey Acres…
Insider chillen bei Whiskey Acres in DeKalb Foto Ulrike Wirtz
…hier chillen nicht nur Insider auf dem platten Land so ganz ohne moderne Architektur Fotos Ulrike Wirtz

liegt in den Feldern auf plattem Land und versorgt auch mit anderen Drinks, auch alkoholfreien. Weizen und Gerste für die Whiskeys wachsen grund um die Location für blaue Stunden www.whiskeyacres.com

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Texel – Nordsee-Insel zum Knuddeln

Das west-friesische Eiland Texel gehört zur Provinz Nordholland und ist ein Ort, der einfach gut tut, inklusive Lämmerkuscheln nicht nur für Kinder. Zur Idylle trägt traditionelle niederländische Architektur bei. Für Nachhaltigkeit steht nicht nur die Renaturierung von Land für Vögel. Speziell maritim wird es im Strandgutmuseum Flora und beim Krabbenfischen.

Eine Stunde Yoga am Strand läutet den Tag ein. Es ist neun Uhr, der Himmel blau, der Wind frisch. Er treibt trockenen feinen Sand vor sich her. Typisch raues Nordsee-Wetter im hohen holländischen Norden. So bläst es an dem Mai-Morgen an Texel’s Westküste am Strand-Paal 19 im Örtchen De Koog. Die Sonne lässt wie bestellt das hin– und herwogende Meer glitzern. Yoga-Lehrerin Eva turnt bedächtig vor, positioniert sich dabei so, dass die Gruppe sie sieht und unbedingt auch das Meer hinter ihr. „In den Stunden am Strand schalten auch bei mir Geist und Körper um auf Abschalten“, sagt Eva, die mit ihrem Yoga-Studio zur Surfschool Foamball gehört.

Yoga Texel mit Eva on the Beach_Foto Ulrike Wirtz
Entspannung bei Yoga am Strand mit Eva – vor dem Hintergrund Foto Ulrike Wirtz

Yoga on the Beach ist eher kein typisches Urlaubs-Highlight, das der Texel-Neuling auf der west-friesischen Insel erwartet. Aber als solches entwickelt sich die Stunde, da war sich die Yoga-Gruppe einig – so wie sich ihr sportliches Tun im Sand und davor nur Meer entspannend auswirken; egal dass es bei manchem Teilnehmer im Bewegungsapparat hier und da klemmt. Am Ende fügt sich das Yoga nahtlos ins Wohlfühlgefühl ein, das die Insel seit Ankunft vor einigen Tagen vermittelt, ob am Meer unterwegs, auf Streifzügen im Inselinnern oder im Naturschutzgebiet, ob eingekehrt in schick gemütliche Lokale wie den Strandpavillon Paal 9 in Den Hoorn im Südwesten oder an einer guten Adresse wie De Smulpot in Den Burg im Inselinnern.

Eiland kurzer Wege und stressfreier Abwechslung

Und jenseits von Beach, Baden und Lukullischem wird es auf der kleinen Insel auch nicht langweilig – ohne dass es stressig wird. Klein, weil das Eiland an seiner breitesten Stelle nur neun Kilometer, in der Länge gerade mal 24 Kilometer misst. In der Fläche hat Texel rd. 460 Quadratkilometer, an Einwohnern etwa 14.000, macht spärliche 30 Einwohner pro Quadratkilometer. Ein rein rechnerischer Wert, da sich die Einwohner konzentrieren: mit rd. 7.600 Einwohnern, also mehr als der Hälfte, in Den Burg, Sitz von Verwaltung, Schulen, Ärzten und mit seiner mittelalterlichen Architektur vielerorts malerisch.

Dorf-Idylle hier in Oosterend Foto Ulrike Wirtz
Viel Dorf-Idylle auf Texel – hier in Oosterend Foto Ulrike Wirtz

Oder De Koog mit 1.525 Einwohnern und die Beachtown Texels mit Lokalen, Boutiquen etc. Gerade mal 50 Locals wohnen im Hafen ‚t Horntje im Süden, wo die Fähren vom Festland ab Den Helder an- und ablegen. Nicht gezählt die Touristen über das ganze Jahr, die sich auf Hotels, Ferienhäuser und Campingplätze verteilen. Aber keine Bettenburgen weit und breit. Stattdessen Örtchen wie Den Hoorn im Süden, einst das Zuhause von Lotsen und Walfängern, wo seit dem 15. Jahrhundert eine Kirche in weiß wie ein Leuchtturm Heimat signalisierte und heuer Blumenzwiebeln gezogen werden.

Texel heißt auch  alter Stil -modern interpretiert Foto Ulrike Wirtz
Schöne neue Architektur, angelehnt an alt-niederländischen Stil Foto Ulrike Wirtz

Nicht langweilig wird es, weil es sogar spezielle maritime Geschichten gibt, kein Seemannsgarn, sondern ganz real, wie sie das Seefahrt- und Strandgutmuseum Flora erzählt mit Tausenden Artefakten von Strandgut aus den letzten 75 Jahren, inklusive Strandräuberei. Oder der Ausflug auf einem Krabbenkutter, denn einige Fischer nehmen regelmäßig Interessierte gegen Entgelt mit aufs Wasser zum Garnalenvissen. Ein weiteres großes Texeler Thema: der Naturschutz mit bestehenden und neuen Renaturierungsprojekten, die den Ruf der Insel als Vogel-Paradies – mit 350 Vogelarten laut eigener Angaben – stärken. Daran geht auf dem Eiland kein Weg vorbei.

Windmolen-Idylle vor dem Deich in Cocksdorp Foto Ulrike Wirtz
Ohne Molen geht es auch auf Texel nicht – hier in Cocksdorp Foto Ulrike Wirtz

Stressfrei wird ein Aufenthalt schon deshalb, weil die Wege kurz sind und wie gewohnt vom niederländischen Festland gut erschlossen: mit Landstraßen, befestigten Feldwegen, mit 146 Kilometer Rad- und 250 Kilometer Wanderwegen und dazu ein Nummernsystem namens Fietsknooppunten, das bei der Orientierung hilft.

Zwei maritim entfernte Welten ganz nah

Was Texel besonders macht: dass die westfriesische Insel zwei Meeres-Welten hat und dazwischen gerade mal maximal acht Kilometer Inselbreite. Das heißt tagtäglich 24/7 Nordsee an der Westküste und an der Ostküste im Rhythmus der Gezeiten weites Wattenmeer. Und tagtäglich die zwei Natur-Phänomene der zwei Welten: im Westen kilometerlange breite Sandstrände, davor immer Meer, dahinter Dünen, alles top für Tage erfüllt mit Schwimmen, Sandburgen bauen, Strandspaziergängen und so weiter. Im Osten dagegen je nach Ebbe und Flut mal Meer, mal Watt und sein nass-sandiges Biotop, das zum Betrachten oder gar Wandern einlädt.

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Auch „schwarze“ Schafe leben am Wattenmeer Foto Ulrike Wirtz

Watt heißt auf Texel auch Deiche auf Kilometer, begrast und daher besiedelt von Schafen und ihren Lämmern, die wie Rasenmäher die Deiche pflegen. Parallel dazu etliche Kilometer zum Radeln und Laufen. Was für ein Kontrastprogramm quasi Tür an Tür, noch dazu morgens den Sonnenaufgang an der Watten-Küste genießen und abends bestaunen, wie die Sonne in der Nordsee versinkt. Ein Stopp dazwischen vielleicht im romantisch-alten Ort Oosterend mit seinen extrem engen Gassen, mit Cafés und dem Insider-Shop Wijnhuis Oosterend, der berühmt ist wegen seiner Kräuterliköre und Kräuterbitter, denen manche wahre Heilkräfte nachsagen.

Texels Kraeuterbitter für und gegen alles Foto Ulrike Wirtz
Kräuterbitter hilft für und gegen fast alles Foto Ulrike Wirtz

Doch der Reihe nach, zunächst zu Anreise und ersten Eindrücken. So stellt sich schon auf der 20-minütigen Überfahrt mit der Autofähre ein erholsames Gefühl ein, da einfach schön die Schiffsfahrt übers Meer und das Gefühl, durch die Insellage mehr Abstand zur Hektik Zuhause aufzubauen. Verzichtbar wären auf der Fähre wohl einige Drängler, denen die Fahrt vom Schiff hinunter mit ihren Autos nicht schnell genug ging, die fast Stoßstange an Stoßzange hingen. Dafür kann die Traditions-Reederei Teso nichts, die seit Jahrzehnten die Strecke von Den Helder zum Hafen ‚t Horntje in Texels Süden bedient. „Come on, no stress“, signalisierte der Ordner den Eiligen durch entsprechend abwehrende Handbewegungen.

Texel ist hundefreundlich - hier am Strand vor den Eijerlandse Duinen_Foto Ulrike Wirtz.
Die westfriesische Insel ist hundefreundlich – hier die Küste der Eijerlandse Duinen Foto Ulrike Wirtz

Die ersten eigenen Erfahrungen nach dem Anlegen sind die zwölf Kilometer Autofahrt zum Strandort De Koog an der Westküste, zum Hotel Strandplevier Suites. Das stellt sich als feines Haus mit schick-zeitlosem Ambiente in den geräumigen Suiten und öffentlichen Räumen heraus und gefällt noch mehr durch guten Service und Toplage: fünf Gehminuten durch die Dünen bis zum Sandstrand. Und schön festzustellen, dass die erste Fahrt über Insel-Land den eigenen Rhythmus umstellt – noch wie von der Hand des Ordners an Bord gesteuert auf langsame Insel-Zeit. Ein Klischee sicher, aber zutreffend.

Tempo nimmt in den Tagen auf Texel immer wieder das Umfeld heraus: Felder, Wiesen und Wald, hier Kanälchen, in deren Ufer-Schilf Bötchen schaukeln. Dort auf dem Acker ein Traktor, der so gleichmäßig seine Bahnen zieht, dass sich beim Zuschauen meditative Momente einstellen. Das Bild erinnert an Spielzeug-Land, aber trügt natürlich. Traktoren begegnen einem nämlich ganz real auch auf Texels Straßen, was auch bedeutet, dass die Insel nicht nur vom Tourismus lebt. Vielmehr prägen das Leben seit Jahrhunderten neben dem Fischfang noch Ackerbau und Schafzucht. Beides brachte zum Glück mit sich, was nun Teil der Texel-typischen Idylle ausmacht.

Einst Insel der Walfänger, Jahrhunderte alter Polder für Bauern

Zum Beispiel romantisch aussehende Gehöfte aus dem 18./19. Jahrhundert wie etwa die Alexanderhoeve im alten Nordholland-Stil. Das Gehöft liegt beim Ort Den Hoorn abseits der Landstraße und macht neugierig, es aus der Nähe anzusehen. Achtung langsam, der Weg wird schmal, trotzdem Gegenverkehr. Ein Traktor rollt heran, am Steuer fast wie bestellt Jan Bakker, der Chef der Alexanderhoeve, wie sich herausstellt. Bereit für einen Plausch am Feldrand grüßt er erst freundlich, stellt dann den Traktor ab, lässt sein Fenster herunter und erzählt auch: „Meine Familie bewirtschaftet den Hof seit 1919. Erbaut wurde das Gehöft 1848 in der Tradition jener Zeit.“

Alexanderhoeve Foto Ulrike Wirtz
Fein anzusehen, erbaut 1848 und Zeichen von Wohlstand – die Alexanderhoeve Foto Ulrike Wirtz

Das Wohnhaus ist opulent in seinen Maßen, gepflegt und hat ein reetgedecktes Dach in Form einer Pyramide. „Der Stil war bei gut situierten Bauern im Norden der Niederlande angesagt bis nach Texel“, so der Landwirt. Er weiß auch: Fein restauriert in ihrer Pracht zeugen die Alexanderhoeve vom Wohlstand auf der Insel damals noch ohne Feriengäste, damals noch mit viel mehr Schafen als Einwohner. „In den letzten Jahrzehnten hat sich das Verhältnis zuungunsten der Schafe verändert. Das liegt am Naturschutz.“ Das sagt er ganz sachlich, fährt fort, dass er sich mit Agrarpartnern der Auswirkungen von Wetter und Klima auf die Ernten annimmt und auf einer Versuchsfläche auf seinem Land Kartoffelsorten testet.

Forscher und Entwickler auf Texel

Überdies überlässt er ein Hektar seines Grund und Bodens dem kleinen Spezialunternehmen Salt Doctors als Outdoor-Labor, um die Reaktionen landwirtschaftlicher Produkte in salinen, meint salzhaltigen Böden zu untersuchen. Jan Bakker: „Die Böden haben wir hier durch Nordsee und Watt.“ Der leitende Kopf der Salt Doctors ist der Biologe Dr. Arjen de Vos und selbst oft vor Ort. Die Lage: Immer mehr Ackerland auf der Welt ist so salzhaltig, sprich hat so hohe PH-Werte, dass Aussaaten und Pflanzen nicht mehr gedeihen bzw. ihr Ertrag signifikant zurückgeht. Bakker: „Das geht zu Lasten der Versorgung der Weltbevölkerung.“ Die Salt Doctors um Dr. de Vos gehen mit ihrem Know-how, auch gewonnen auf Texel, in betroffene Länder, um der Landwirtschaft zu helfen, ob in Ägypten, Vietnam oder auf Kuba.

Ganz typischl Texels Schapenboeten Foto Ulrike Wirtz
Schapenboeten sind Kulturgut und Windschutz der Schafe Foto Ulrike Wirtz

Typisch traditonelles Texel und urig-witzig anzusehen sind die seltsamen Scheunen aus Holz und Stein auf manchen Weiden und verdienen mehr als einen flüchtigen Blick. Schließlich sind sie auf alten Ölgemälden verewigt, stehen unter Denkmalschutz und gefallen einfach ob ihrer kleinen Größe und raren Form: Die Scheunen sehen aus wie halbiert, nicht zu Ende gebaut. Sie sind aber genauso fertig, heißen Schapenboeten – übersetzt Schafsscheunen – und scheinen sich irgendwie so ins Land zu kuscheln, dass man sich gleich dazu kuscheln möchte. So würde man es den Schafen nachtun. „Viele Schapenboeten sind schon ein, zwei Jahrhunderte alt und dienen den Bauern seit jeher dazu, um Heu zu lagern etc. Draußen bieten sie den Schafen Schutz vor dem Wetter“, hatte Jan Bakker erklärt. Wie das geht, fragt sich der Laie. Und wieso sehen sie aus wie halbiert?

Form follows function – schon seit langem auf Texel

Beides hat mit ihrem Dach zu tun. Das besteht aus drei Seiten, richtet sich aus nach Nord, Süd und West und trotzt so bestens dem meist aus Westen wehenden Wind. Form follows function – das moderne Design-Prinzip kannten schon die alten Texelaner. Die Ostseite der Scheune liegt nämlich durch die Dachform im Windschatten, auf dass die Schafe genau an der Seite draußen vor den Wetterunbilden Schutz finden. Notfalls kauert man sich auch dran. Texel-Kennerin und Buchautorin Felicitas van Daalen schätzt: „Von den Scheunen gibt es noch gut 50.“ Und weiß, dass diese Schapenboeten ob ihrer einladenden Urigkeit heute auch andere Begehrlichkeiten wecken. „Mancher Besucher möchte eine kaufen und zu Wohnzwecken umbauen. Doch da lassen die Texelaner einen nicht ran.“

Lamm turnt auf_Mama rum Foto Ulrike Wirtz
Lamm turnt auf Mama rum – einfach zu süß …
Schafbauer Lennart verkauft auch Wollenes von seinen Schafen Foto Ulrike Wirtz
… Schafbauer Lennart beide Fotos Ulrike Wirtz

Überhaupt die Schafe. Texel ist seit Jahrhunderten ihre Heimat, weit vor Kühen. Heuer gibt es sogar eine eigene Insel-Rasse, genannt Texelaars und bestens ausgerüstet fürs Klima mit ihrer von Wind und Wetter geprägten Wolle. Die Tiere sind große Sympathieträger und für vieles mehr gut, auch als nachhaltiger Lifestyle in Form von Schals, Pullovern und Decken etc. aus ihrer Wolle. Bei Schafsbauer Lennart Witte können Besucher Lämmer knuddeln und tun es, sichtlich egal ob junger oder älterer Gast. Dafür reserviert Lennart Witte Stunden, in denen seine Hütehunde zig Schafe in eine offene Halle treiben, die gemütlich mit Strohballen ausstaffiert ist. Da sitzen die Zweibeiner, während Lennart von diversen Schafsrassen und den Vorzügen von Schafsprodukten erzählt.

Das ganze begleitet vom Blöcken der Tiere und manchem Wort der Entzückung aus dem zweibeinigen Plenum, wenn der Bauer ab und an ein Lämmchen greift und selbst knuddelt. Das Entzücken mag auch ihm gelten, sieht er einfach gut aus: hochgewachsen, blauäugig und ein gewinnendes Lächeln im Gesicht. Aber auch die wolligen Tiere sind zu knuffig und mehr als das, liefern sie doch außer Wolle für Naturkleidung auch Milch für leckeren Schafskäse, zu kaufen nicht nur im Hofladen der Schapenboerderij von Schäfer Lennart. Er erklärt auch, dass Schafswolle nach der Schur das typische Fett Lanolin entzogen und zu hautfreundlicher Naturkosmetik verarbeitet wird, zum Beispiel der Kosmetikmarke Noordkroon – made on Texel.

Ein anderes Business mit Texeler Schafswolle betreibt der Betrieb TexelWool der Familie de Veij. Der fertigt im Ort Oudeschild an der süd-östlichen Küste unter anderem kuschelige Bettdecken und Kissen, zeitlos-ansprechend im Design, haptisch überhaupt nicht kratzig und auch gleich vor Ort käuflich zu erstehen.

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TexelWool macht kuschelige Bettdecken und mehr für einen guten Schlaf
Entspannen und Haut pflegen - im Wollspa von Boutique Hotel Texel_Foto_Ulrike_Wirtz
Entspannen und die Haut pflegen – im Wollspa von Boutique Hotel Texel beide Fotos Ulrike Wirtz

Oudeschild ist heute eher kleiner Fischereihafen, war vom 16. bis 18. Jahrhundert berühmter Handelshafen, weil hier die Texeler Reede war, wo die Handelsschiffe der berühmten Ostindien-Kompagnie be- und entladen an- und ablegten. Doch die Zeiten sind vorbei, der Hafen wirkt klein, gemütlich und bevölkert nur von Touristen, die Fischkutter besteigen, oder von Yachties, deren Segel- und Motorboote hier dauerhaft oder auf der Durchreise liegen.

Zurück zur Wolle. Damit ließ sich, da nicht kratzig, das schicke Boutique Hotel Texel mit Spa nahe Cocksdorp Folgendes einfallen: eine Wellness-Behandlung, bei der der ganze Körper in gereinigte Schafswolle eingewickelt wird, das ganze warm und wahlweise für 60 bzw. 90 Minuten. In einer Art Holzkiste liegt es sich wie im Schaumbad einer Badewanne. Entspannung pur stellt sich ein, Muskeln und nicht zuletzt die Seele entspannen. Im Anschluss dankt die Haut es mit zartem Glanz und gutem Gefühl, Hautfett und Feuchtigkeit getankt zu haben. „Das kommt vom wolleigenen Fett Lanolin, das in den von uns verwendeten Wollfasern erhalten bleibt“, so Hotelchefin Marianne. Ganz schön trendy der angenehme Nutzen von Schafswolle und nachhaltig, da sie und ihr Fett wieder nachwachsen.

An der Wattseite an den Wind aus Westen denken

Andererseits – siehe oben – müssen Schafe auf Texels Boden im Sinne des Naturschutzes, im Interesse der Artenvielfalt bei Vögeln, Insekten und Wildpflanzen weichen. „Die Zahl der Schafe auf Texel hat sich auf rd. 9.500 reduziert“, schätzt TexelWool-Eigentümer Martijn de Veij. „Daher müssen wir für unsere Produktion Wolle vom Festland dazukaufen.“ Mit Fokus auf die Artenvielfalt ist damit allerdings eine Jahrhunderte geltende Konstante verloren, dass Texel mehr Schafe hat als Einwohner. Trotz Rückgangs aber bleiben die Wolltiere mit ihren süßen Lämmern auf Texel treue Begleiter und typisches Fotomotiv gerade an der Watt-Seite.

Radeln am Wattenmeer entlang Foto Ulrike Wirtz
Radeln am Wattenmeer entlang Foto Ulrike Wirtz

Mal laben sich Schafe am Gras auf den Deichen. Mal dösen Artgenossen liegend vor sich hin, während manche Jungtiere spielerische kleine Fights austragen. Andere blicken erwartungsvoll nahenden Touristen entgegen, ob eine Streicheleinheit rausspringt. Füttern aber verboten, warnen manchmal Schilder. Gen Osten zum Watt radelt es sich übrigens leicht, weil der Wind meist ja von Westen weht. Daher ist das Wetter an der Watt-Seite überhaupt gern etwas milder, nutzt die dem Wind abgewandte Seite, wie das die Bauern für ihre Schapenboeten tun. In umgekehrter Richtung entpuppt sich der Wind dann aber als steife Brise gegenan, selbst wenn per E-Bike unterwegs.  

Hobby_Vogelkundlerin an der Wattseite auf dem Deich vor Cocksdorp_Foto_Ulrike_Wirtz_6668.JPG
Hobby-Vogelkundlerin an der Watt-Seite auf dem Deich vor Cocksdorp
renaturiertes Areal Ottersaat Foto Ulrike Wirtz 6545
Gegenüber zieht das renaturierte Ottersaat Vögel und Wildblumen an beide Fotos Ulrike Wirtz

Während die Schafe weniger werden, nimmt die Zahl der Vögel und ihrer Schutzgebiete auf Texel zu. Was gewollt ist und vermehrt Hobby-Vogelkundler anlockt, die mit speziellen Ferngläsern hantieren. Die Attraktion der Vogelvielfalt auf Texel ruft ins Bewusstsein, dass Vögel hier ganz leben, andere nur zum Brüten herkommen und wieder andere auf ihren langen Flügen im Herbst gen Süden, nach Norden im Frühjahr nur einen Zwischenstopp einlegen. Die Insulaner stellen eigens Posten mit lohnendem Ausguck bereit und halten dort viele Informationen vor, so etwa am nordöstlichen Zipfel vor dem Leuchtturm, dem Vuurtoren in De Cocksdorp. Hier klärt das Vogelinformatiecentrum übers Watt und seine Vögel auf, die zu Hauf bei Ebbe dabei zu beobachten sind, wie sie im Steilflug in den vom Wasser befreiten Sandboden picken, um Würmer und so weiter zu fassen und zu verspeisen.

Ein weiterer Ausguck liegt im Südosten, wo jüngst das Gebiet Ottersaat genau vorm Deich bei Oudeschild renaturiert wurde und anschließt ans alte Naturschutzareal Dijkmanshuizen. Am Ottersaat ermöglichen nun kleine Haltebuchten schnelle Stopps und lange Blicke über Dijkmanshuizen mit seiner altniederländischen Naturidylle von Wiesen und Windmühlen. Zur Renaturierung im Ottersaat wurde eigens eine Zufuhr zum Meer angelegt, auf dass, was lange nicht gewünscht war, nun wieder Salzwasser ins Gebiet gelangt und sich mit süßem Regenwasser zu Brackwasser vereinigt. Auf dass sich wieder traditionelle Vögel und Wildblumen ansiedeln. Soweit gelungen: Vögel versammeln sich zu Zig am neuen Hotspot, vom neuen Ambiente angelockt, als wäre Futter ausgelegt.

Das Ottersaat erweitert den schon um 1970 angelegten Vogelboulevard an der Ostküste, der inzwischen vom Fährhafen im Süden bis zum Leuchtturm im hohen Norden reicht. Unübersehbar ist also das Engagement auf der Insel, die zum einen intensiv Landwirtschaft betreibt, zum anderen heuer zu einem Drittel aus zugänglichen Schutzgebieten besteht und die Natur hegt und pflegt. Wie das auf dem Festland der Niederlande auch geschieht mit inzwischen mehr als 20 Nationalparks – vom Lauwersmeer Nationalpark bei Groningen/Friesland bis Van Gogh Nationalpark in Brabant. Dabei zieht Texel nicht nur nach, sondern ist auch Pionier.

Gut ein Drittel Insel-Land für den Naturschutz

Zum Beispiel entstand Anfang des 20. Jahrhunderts bereits das Naturschutzgebiet Waalenburg im Inselinnern und mutierte zum Paradies für See-, Weide- und Singvögel – von der Uferschnepfe über die Lerche, die so schön singen kann, bis zum räuberischem Wanderfalken. Plus weniger bekannte Arten und Gewächse, deren Namen wenig dem Laien, umso mehr Hobby-Botanikern und Profis etwas sagen. Schmetterlinge, Insekten usw. hielten auf Texel wieder Einkehr, wo früher Salzwiesen waren, wo 1645 durch die Eindeichung Polder trockengelegt wurde.

Das Gebiet Waalenburg liegt nördlich vom Ort De Waal und wurde seinerzeit von der holland-weiten Vereinigung Natuurmonumenten initiiert. Das Paradies darf per Rad oder zu Fuß erkundet werden, ist aber auch an mancher Stelle nicht zugänglich und stellt sich als Ort mit viel Ruhefaktor auch für den Besucher heraus. Empfehlenswert ist es, sich bei Ankunft im liebevoll gestalteten Naturzentrum De Marel zu informieren, wo einem beim Betreten gefiederte Wesen extrem nahe kommen – als ausgestopfte Exemplare. Am Zentrum starten gebuchte Exkursionen. Im Café lohnt die Verschnaufpause bei einem guten Kopje Koffie.

Koffie verkeerd -lekker mit extra wenig Kaffee und mehr Milch-so-serviert ihn das-Boutiique Hotel Texel Foto Ulrike Wirtz
Lekker – Koffie verkeerd (wenig Kaffee, viel Milch) im Boutique Hotel Texel Foto Ulrike Wirtz

Trotz schönem Strandleben auf langen, breiten Sandstränden an der Westküste ist auch hier viel Raum für Naturschutz. So wurde 2002 die Dünenlandschaft hinter den Sandstränden zum Nationaal Park Duinen van Texel erkoren – auf 22 Kilometer Länge Land, das nicht bebaubar ist, schon gar nicht mit hohen Apartment-Häusern. Die Dünenlandschaft ist zum Wandern auf ihren Pfaden frei zugänglich und zieht im Herbst speziell in ihren Bann, wenn Heidefelder rosa-bunt blühen. Mit Informationen zu Flora, Fauna und Geologie versorgt bei De Kog das Naturkundemuseum und Aquarium Ecomare. Hier ist auch Europas älteste Seehundauffangstation zu Hause und hält öffentliche Fütterungen der Seehunde ab.

Bei Koog findet sich noch eine Rarität, geht es doch in den Wald, den Dennen. Wald an Nordsee-Küsten ist selten. Den Dennen legten um 1912 umtriebige Texelaner als Nutzwald an, indem sie eigens Strandkiefern anpflanzten. Später kamen Laubbäume hinzu, da war der Dennen aber schon als reines Erholungsgebiet deklariert worden.

Wofür eine Kerbe in der Düne gedacht ist

Nicht weit ist der Paddje 14 im Südwesten im geschützten Dünennationalpark. Hier wurde jüngst die Düne mit Bagger auf einer Länge von 150 Meter nach innen um zwei Meter geöffnet, bekam quasi eine Kerbe, aber so, dass Salzwasser nicht eindringt. Mittels Öffnung sollen nun bestenfalls Pflanzen und Tiere früherer Zeiten wieder Zugang zu den Dünen finden, die inzwischen verschwunden sind, weil von Sträuchern und Gräsern überwuchert, die besser mit dem hohen Stickstoffgehalt im Boden zurechtkamen. Eigens wurden jenseits der Kerbe in den Dünen die Störenfriede gerodet und entfernt, auf dass sich die ursprüngliche empfindliche Dünenvegetation, die Graudünenvegetation mit ihren Kräutern und Dünenveilchen, wieder ausbreiten kann. Auftraggeber der Kerbe ist der Staatsbosbeheer als oberste Behörde im Staat für die Verwaltung und Überwachung von Wäldern und Landschaften mitsamt Naturschutzgebieten.

Naturschutzinsel Texel - hier seine Vogel-Karte Foto Ulrike Wirtz
Kleine Insel groß bei Naturschutz – hier ihre Vogelkarte Foto Ulrike Wirtz

Bis die Maßnahme wirke, dauere Jahre, in denen „wir das Dünengebiet an der Kerbe beobachten und bewirtschaften müssen“, erklärt Thomas van der Es, Förster für Ökologie vom Staatsbosbeheer Texel. Der Stickstoff sei mit der Rodung nicht weg, die invasiven Sträucher könnten wieder wachsen. „Wir mähen die Bereiche daher regelmäßig und setzen gezielt Schafe zur Druckbeweidung ein.“ Wo die Wolltiere doch überall nützlich sind, echt zum Knuddeln die Viecher. Hätten die ihre Arbeit getan, würde das Gebiet wieder für Kaninchen geeignet sein, so Förster van Es: „Die siedeln wir hierher um aus anderen Arealen, lassen sie grasen und ihre Höhlen graben. Dort können dann Steinschmätzer wieder brüten. Und vielleicht kommen Kräuter und Schmetterlinge wie der Große Perlmuttfalter zurück.“ Die Begeisterung von Fachmann van der Es spricht für Außergewöhnliches.

Wo kein Seemannsgarn gesponnen wird

Als einmalig weltweit sogar ordnet sich das Seefahrt- und Strandgutmuseum Flora in De Koog ein. Es widmet sich Strandräubereien, was Niederländer jutten nennen, und versetzt einen einfach ins Staunen. Zunächst wegen der rechtlichen Regeln, dass Strandgut dem Strandvogt der Gemeinde übergeben werden muss, der den rechtmäßigen Eigentümer sucht und das Gefundene zugunsten der Gemeinde versteigern lässt, wenn der sich nicht findet. Die Jutter aber jutten, heißt behalten Gefundenes. Ob das sich lohnt, liegt im Auge des Jutters.

Das Strandgutmuseum Flora zeigt,, was Leute so alles verlieren etwa Helme Foto Ulrike Wirtz
Was Leute so alles verlieren, etwa Helme Foto Ulrike Wirtz

Und was so alles verloren geht und gefunden wird: alte Bojen in bunten Farben, die draußen am Museum wie Zierkugeln an einem Baum hängen oder zur Pyramide gestapelt sind. Leuchtfeuer und sogar die verrostete Spitze eines Leuchtturms, die ins Meer flogen. Und dann rostige kleine Anker, ordentlich nebeneinander in ein altes Ruderboot drapiert. Mehr noch: Hunderte von Flip Flops, von Turnschuhen, Arbeitsschuhen, Schutzhelmen, ob weiß, blau, rot oder gelb, wie von technischem Personal der Berufsschifffahrt oder auf Plattformen auf hoher See getragen.

In einer Halle schmücken Rettungsringe aller Art die Wände. Daneben alte Taue, zerbeult-rostige Warnschilder, gar Teile alter Funktechnik von Booten und eine Kiste mit Druckplatten, anno 2000 aus dem Meer gefischt. Zu sehen sind überdies Relikte aus kriegerischen Zeiten auch auf und um Texel herum – alles zufällig als Strandgut angeschwemmt oder Beifang aus Fischernetzen, auch alte Waffentechnik wie Seeminen, Teile eines Torpedos, der Rolls-Royce-Motor eines Militärflugzeugs. Mehr zu Texels alter Militärgeschichte erklärt das Luchtvaart- und Oorlogsmuseum am kleinen Flughafen, der mitten im Polder Eijerland liegt.

Exponat im Strandgutmuseum Flora - eine echte Rettungskapsel, Foto Ulrike Wirtz
Eine echte Rettungskapsel als Exponat im Strandgutmuseum Flora. Bizzar von außen…
Strandgutmuseum Flora Rettungskapsel innen Foto Ulrike Wirtz
…innen extrem eng beide Fotos Ulrike Wirtz

Zurück zum Jutter-Museum, wo Fotos gestrandeter Fischerboote wie von der Emma von 1919 und Texte dazu erzählen, dass manche Funde für gefährliche, traurige, sogar tödliche Schicksale stehen, von Drogenfunden ganz zu schweigen. Regelrecht beklemmende Gefühle lässt das Exponat mit der Kennung JB114 entstehen: eine echte Rettungskapsel, deren Inneres auch besichtigt werden kann. Da war es gut, vorher auf der Infotafel zu lesen, dass sie nicht im Rettungseinsatz verloren ging. Was für eine Enge und Kargheit innen, alles nur auf ihren Zweck zugeschnitten, Leben zu retten.

Fast 100 Menschen finden im Ernstfall Platz, angeschnallt auf schmalsten Sitzen. Per Miniruderanlage wird der Lebensretter gesteuert. Seine Maße: 3,60 Meter hoch, 9,35 Meter lang, 6,5 Tonnen schwer. Laut Infotafel gehörte sie im Jahr 2011 zu einer Ölbohr-Plattform in der Nordsee bei IJmuiden, wo ihre Befestigung bei einem orkanartigen Sturm riss, sie ins Meer stürzte und abtrieb. Bis sie am Strand von Noordwijk an Land gespült und dem Juttersmuseum Flora gestiftet wurde.

Garnalenvissen im Wattenmeer vor Texel

Eine ganz andere Erfahrung: eine Tour mit einem originalen Kutter zum Krabbenfischen. Diverse Boote starten zu festen Tageszeiten am Hafen Oudeschild an der Wattseite. So auch das Boot TX 10 Emmie. Es ist zwei Stunden unterwegs, vermittelt einen Eindruck, wie das leckere kleine Meeresgetier namens Nordsee-Garnalen es vom Meeresboden in den Handel und auf den Essteller schafft. „Wir verkaufen unsere Fänge auf dem Festland“, sagt Kapitän Herman, 51 Jahre. Sein Deck-Hand ist Roland, 61. Die zwei haben die Arbeit aufgeteilt: Herman steuert das Boot, Roland verteilt die großen und kleinen Gäste so, dass sie bestens sehen können. Dann betätigt er die Winschen und Winden für ein Netz, jeweils acht Meter breit und 16 Meter lang. jeweils eines pro Bootsseite.

Garanalenvissen auf Texelmit der Emmie Foto Ulrike Wirtz
Vögel riechen Beute am Kutter TX 10 Emmie Foto Ulrike Wirtz

Roland bereitet sie vor, lässt dann die Technik ihre Arbeit tun, überwacht alles, während die Netze suzessive ins Wasser gleiten. Bis sie der fahrende Kutter über den Sandboden zieht. Roland: „Das Wasser hier ist zehn Meter tief. Seht die Vögel, die freuen sich schon.“ Sie kennen das, schwärmen um die Netze herum, die teils aus dem Wasser ragen, warten auf den Moment, wo sie aus den hochfahrenden Netzen den einen oder anderen Fang klauben können. Wie gesagt, so getan. En masse sind kleine Nordsee-Krabben ins Netz gegangen, die in ihrem Rohzustand grauschwarz sind. Plus kleinere Fische und irgendwelches Gewürm und Gewächs. Bevor die Netze hochfahren, hat Roland Töpfe mit Wasser zum Erhitzen auf einen Ofen gestellt und Behälter bereit gestellt, in die der Fang dann hineingleitet.

Deckhand Roland im Einsatz Foto_Ulrike Wirtz
Schwerarbeit für Deck-Hand Roland auf der Emmie Foto Ulrike Wirtz

In den Behältern sortiert der kräftige Mann mit gekonnt-schnellen Handbewegungen aus, was nicht taugt. Der gute Rest wandert in die Töpfe, köchelt im Wasser kurz vor sich hin, nimmt dabei die rosa Farbe verzehrfertiger Nordsee-Krabben an. „Die werden immer an Bord gekocht, auch wenn wir unsere üblichen Fangfahrten ohne Gäste machen“, so Kapitän Herman. Die Touristen-Touren finden Sonntag bis Donnerstag statt. „Seit 30 Jahren bin ich Garnalenvisser. Ich bin auf Texel geboren wie meine Vorfahren“ (Herman). Sein Tipp vom Fachmann, wie die kleine, feine Meeresfrucht am besten verzehrbereit poulen? „Leicht drauf drücken, drehen und den Kopf abziehen“, so Herman. Wie er sie am liebsten isst: „Abkühlen lassen und ganz ohne Zutaten. Dazu einen Weißwein, egal welcher.“ Hmm, lekker.

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Yoga on the Beach bei Strandpaal 19 – Tafel beachten Foto Ulrike Wirtz

So reiht sich auf Texel eine Erfahrung an die andere, stressfrei und schön ergänzt ums Yoga am Strand. Während des relaxenden Tuns fährt eine Flottille Fischkutter in Sichtweite vorbei. Sie haben ihre Netze ausgefahren wie zuvor die Emmie von Kapitän Herman. Ob er schon mal Yoga on the Beach gemacht hat? Ob er die Frage belächelt hätte? Nun ist es zu spät, ihn zu fragen. Er könnte jedenfalls spontan mitmachen, sähe er die Yoga-Gruppe zufällig in Action. Sagt nämlich Eva: “Walk Ins welcome.“

Websites und noch wichtig zu wissen

Informationen zu Insel und Unterkünften www.texel.net/de; hier können direkt Unterkünfte gebucht werden. Hier auch Details zum Naturschutzgebiet Waalenburg. Mehr zum Dünennationalpark Texel www.npduinenvantexel.nl; zu Ottersaat und Vogelboulevard www.natuurmonumenten.nl, zu Wald und Dünen auf Texel www.staatsbosbeheer.nl

Details zum Yoga on the Beach https://surfschoolfoamball.com. Zum Schafsbauernhof von Lennart www.schapenboerderijtexel.nl/de. Zu Aquarium Ecomare www.ecomare.nl/de; zu Seefahrt- und Strandgutmuseum Flora www.juttersflora.nl; zu Garnelenfischen https://garnalenvissenoptexel.nl/de

In Wolle eingewickelt entspannen, essen und trinken plus Extra-Tipp: Das Boutiquehotel Texel bietet im Spa nicht nur die Ganzkörperbehandlung in Wraps aus gereinigter Schafswolle. Top auch sein Restaurant, auch vegetarische Genüsse www.hoteltexel.nl. Das Restaurant Smulpot kredenzt gute niederländische Küche. Und sein Boutiquehotel im gleichen Haus vermietet schick-moderne, geräumige Zimmer www.smulpot.nl. Im Strandlokal Paal 9 sitzt es sich immer fein und besonders, wenn abends stimmungsvoll die Sonne in der Nordsee versinkt www.paal9.nl. Mehr zu Strandplevier Suites Texel www.strandplevier.nl.

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Zeitos-modern, geräumig – eine Suite im Strandplevier Foto Ulrike Wirtz

Extra-Tipp: Pastorie de Waal Hier kochen Profi Wessel Holleman und die Teilnehmer seiner Koch-Workshops, was die Insel an saisonalen Zutaten hergibt. Das Haus heißt Pastorie de Waal, weil lange das Pfarrhaus. Es wurde 1650 erbaut und ist nun das Zuhause von Wessel und Partnerin. Top die geräumige professionell ausgestattete Küche. Für Gemütlichkeit später beim gemeinsamen Essen sorgen ein massiver Holztisch, eine Vitrine mit altniederländischem Porzellan und jede Menge Bücher. Maximal acht Leute können teilnehmen. „Ich mache auch Catering und koche bei anderen Zuhause. Familien in ihren Ferienwohnungen buchen mich gern, gerade dann, wenn sie mit kleinen Kindern reisen, weil sie dann nicht so einfach ausgehen können.“

Kochprofi auf Texel im Einsatz Foto Ulrike Wirtz
Kochprofi Wessel vermittelt, was Texels Land und Wasser hergibt Foto Ulrike Wirtz

Was bei meinem Koch-Workshop im Mai Texels Land und Meer saisonal hergaben, was der Kochprofi für den Workshop einkaufte, wie wir es unter seiner Anleitung zubereiteten, zauberte am Ende ein köstliches Viergang-Menu auf den Tisch: Krabben-Pannacotta zu Algensalat; Herzmuscheln; Lammsteak mit Texelse Spargel und zum Nachtisch Merengue mit Gelee von Sanddorn aus den Dünen am Ort. Wessel ist Selfe-Made-Cook: „Oma und Mutter waren gute Schule. Meine Mutter hat auch Kochbücher geschrieben.“ Was Texel bietet: „So viele gute Produkte, ob Meeresfrüchte, Fleisch oder Wild zur Jagdzeit.“ Und dann gewusst wie kochen www.pastoriedewal.nl  

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Niederlande: Flevolands junges Wasser-Wunderwerk

Flevoland ist die 12. und jüngste Provinz der Niederlande und von Menschenhand gemacht. Speziell sind ihr Marschland Oostvaardersplassen und die Insel Schokland, die keine mehr ist und daher UNESCO-Welterbe wurde. Zu beidem gibt es Spannendes zu erfahren. Urtypisch Holländisches bietet das neu entstandene Land auch: Spazier- und Radwege, Idylle aus Kanälen, Wald und Wiesen und schönen Gärten. Lebensart-Autorin Ulrike Wirtz war vor Ort.

Das Wasser liegt ruhig in der Mittagssonne. Überhaupt herrscht Stille in den Oostvaardersplassen, Marschland von Menschenhand initiiert und spezielles Naturschutzgebiet im Nationalpark Nieuw Land. Die Marschen grenzen an die Ostseiten von Markermeer und Ijsselmeer, beide Binnenseen, die hintereinander von Norden nach Süden die Niederlande quasi teilen. Der genaue Standort ist ein Aussichtspunkt nahe dem Südtor zum Feuchtgebiet Oostvaardersplassen. Auf dem Wasser schaukeln Vögel im Rhythmus des leichten Wellengangs. Wie gemalt ruhen rechterhand auf festem Boden im Feuchtgebiet direkt am Wasser dunkelbraune Rinder. Alles ist friedlich. Fast meditativ ruhig. Doch unvermittelt bricht Hektik unter den Vögeln aus.

Im neuen Land der Ooostvaardersplassen leben Hunderte Vogelarten Foto Ulrike Wirtz
Im neu geschaffenen Feuchtgebiet Oostvaardersplassen leben Hunderte Vogelarten, auch Seeadler. Wenn der Raubvogel sich nähert, flüchten andere Foto Ulrike Wirtz

Sie schlagen ihre Flügel, kreischen geradezu, heben sich in die Lüfte. Hunderte flattern lautstark davon, suchen als ganzer Pulk wie von Geisterhand gesteuert linkerhand das Weite. Der Besucher staunt – was ist passiert in der Naturidylle? Der zufällig in der Nähe stehende Mann Mitte 50 mit dem Spezialfernglas für Vogelkundler weist mit der Hand in die Lüfte voraus. „Seht auf 12 Uhr, die zwei schwarzen Punkte. Ein Adlerpaar, das ist auch in den Oostvaardersplassen zu Hause.“ Das Paar kommt näher. Der eigene Blick ins entliehene Fernglas zeigt die Adler deutlicher in ihrer Größe, Pracht und Herrlichkeit. Die anderen Vögel seien vor den übermächtigen Raubvögeln geflüchtet, weiß René, fährt griemelnd fort: „Die haben noch nicht gefrühstückt. Hier in den südlichen Marschen haben die Adler große Auswahl. Wir sagen Zeearend. Ihr Seeadler. Auf Englisch White Tailed Eagle.“

Renè kennt sich aus, beschreibt sich als Hobby-Ornithologen und nur einen von vielen, die in diesem Teil der Provinz Felvoland, die 12. und jüngste Provinz der Niederlande, ihrer Leidenschaft frönen. René wohnt gleich um die Ecke vom Südtor in Almere, der größten Stadt der 1986 gegründeten Provinz. Er komme fast täglich her und habe schon öfter die Adler einfliegen sehen: „Sie leben im Norden der Oostvaardersplassen, fliegen dann die 20, 30 Kilometer Luftlinie gen Süden her, um zu jagen. Das ist für die Adler keine Entfernung. Sie haben im Norden des Marschlands ihre Nester, weil dort mehr Bäume wachsen. Hier im Süden gibt es kaum Bäume, aber die besten Aussichten, um Futter zu finden.“

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Hobby-Ornithologe René (li.) beobachtet fast täglich die vielen Vögel im neuen Naturgebiet, oft mit Gleichgesinnten Foto Ulrike Wirtz

Im Marschland von Flevoland folgt alles alten Regeln unberührter Natur. Das ist so gewollt und von Menschenhand angeschoben – auf dass die echte Natur ihr eigenes Schauspiel aufzieht und dass auf den ersten Blick ein Widerspruch zu sein scheint: echte Natur, von Menschenhand gemacht. Wie es dazu kam, hängt mit dem Polder zusammen, also dem Boden, den die Niederländer ihrem Meer östlich des Ijsselmeers abtrotzten. Dieses Ereignis basiert wiederum auf der Eindeichung des früher offenen Meeres namens Zuiderzee, nun der Binnensee Ijsselmeer. Mit dieser Landgewinnung hängt auch zusammen, dass Schokland nunmehr Festland statt Insel ist – mit einer neuen Landfläche meist fünf Meter unter dem Meeresspiegel.

Das alles zusammen ist eine Geschichte von Wasser-Wundern, möglich gemacht durch Werke modernster Ingenieurskunst der Niederländer, dem Meer Land abzutrotzen, durch das Know-How im kleinen Land und die Erfahrungen seit Generationen. Das alles und mehr wird trefflich erzählt im Museum Schokland 50 Autokilometer nördlich der Marschen, wo Seeadler auf Beutezug gehen. Doch dahin später.

Neues Land, neues extra geschütztes Naturentwicklungs-Gebiet

Noch steht das Feuchtgebiet Oostvaardersplassen an mit seinem Schatz an Biotopen aus Gräsern, Schilfen, Morast, Festland, Wiesen, Buschwerk und Bäumen; mit Vogel- und Fischarten und Getier aller Art, ob Mücke, Biene oder Schmetterling. Dazwischen Kilometer an Fußwegen, die zur Pirsch mit und ohne Fernglas einladen oder nur zur Erholung im Grünen mit romantischem Vogelzwitschern, es sei denn Raubvögel nähern sich. Im Marschland lassen sich bisher bis zu rund 220 unterschiedliche Vogelarten beobachten, darunter Blaukehlchen, Reiher, Watvögel, Stelzvögel, Gänse, Enten etc. und nicht zuletzt Seeadler. Natürlich das nicht an einem Tag auf einer Pirsch, betont Naturführer Geert van Rijkbroek, „aber gute Vogelbeobachter können 80 Arten an einem Tag erspähen.“ Profi-Ranger vor Ort bringen es an einem Morgen durchaus auf 116 Arten. Geert: „Die Zahl variiert außerdem je nach Jahreszeit, da manche Vogelarten nur im Areal brüten und andere nur überwintern.“

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Voll in seinem Mieter in den Oostvaardersplassen – Naturführer Geert van Rijbroek Foto Ulrike Wirtz

Was den Fischreichtum im Feuchtgebiet angeht, auch der nimmt zu, 17 Arten sind es bisher. Auf dem festen Land leben inzwischen auch Rothirsche, Heckrinder, wilde Konik-Pferde und Biber. All das erzählt Natur-Guide Geert, betont bei seiner Aufzählung das Wort „bisher“. Denn die Natur baue sich im Gebiet immer noch auf: „Es werden sich hoffentlich noch mehr Pflanzen-, Tier- und Fischarten einfinden. Die Heckrinder und Koniks haben wir eigens im Gebiet angesiedelt. Das sind alte Rassen, sie sollen das Ursprüngliche der Natur mit hervorbringen.“ Wir – damit meint Geert die für die Natur, für Naturmonumente und Nationalparks zuständige staatliche Organisation Staatsbosbeheer. Mit Gebiet meint der Guide nicht den ganzen Nationalpark Nieuw Land, sondern das spezielle Gebiet der Oostvaardersplassen im südlichen Nationalpark Nieuw Land.

Zweitjüngster Nationalpark der Niederlande

Was den jungen Nationalpark Nieuw Land insgesamt ausmacht, auch er abgetrotzt dem Meer. Der Nationalpark wurde auf dem neuen Land 2018 ofiziell gegründet, war damals der jüngste seiner Art im Staat und der erste in der neuen 12. Provinz, steht für Wälder, Wiesen, Kanäle, Teiche, Wander- und Radwege und eine Artenvielfalt auf in toto 29.000 Hektar, davon 7.500 die Oostvaardersplassen. Davon wiederum sind 1.600 Hektar ohne Auflagen öffentlich frei zugänglich: De Driehoek sowie das Oostvaardersveld. So auch der Aussichtspunkt, wo die Adler oft jagen. Der ist 15, 20 Gehminuten vom südlichen Parktor bei Almere entfernt, wo das Natuurbelevingcentrum de Oostvaarders mit Café und Restaurant zur angenehmen Rast einlädt. Das nördliche Tor mit dem Buitencentrum Oostvaardersplassen liegt bei Lelystad.

Das Feuchtegebiet der Oostvaardersplassen auf neu geschaffenem Land Foto NBTC
Natürlicher geht kaum im vom Menschen geschaffenen Flevoland und dem Feuchtgebiet Oostvaardersplassen Foto NBTC

Das Besondere der Oostvaardersplassen ist neben ihrer natürlichen Entwicklung generell das große Areal, das überhaupt nicht öffentlich zugänglich ist. Denn es ist ein sogenanntes N2000-Gebiet und damit ein offizielles, speziell geschütztes Naturentwicklungs-Gebiet. Der Status bedeutet laut Geert: „Auf dem Areal entwickeln sich durch das Zusammenspiel von Böden und Wasser Urlandschaften.“ Das heißt gerade auch, dass der Mensch, konkret der Staatsbosbeheer, seine Experten und Boswachters quasi nicht eingreifen. Ergänzt Hans-Erik Kuypers, Boswachter vom Staatsbosbeheer: „Wir betreiben aber seit 2018 ein aktives Populations-Mangement, um die Zahl der Tiere, sprich der Heckrinder, Konik-Pferde und Hirsche, auf einem Niveau von insgesamt 1.100 zu halten.“

Damit die natürliche Entwicklung geschehen kann, dürfen Besucher das Kerngebiet des N2000-Gebiets auf etwa 1.800 Hektar zwar betreten, aber nur zusammen mit Guides wie Geert. Der kutschiert Gruppen im lautlosen, da batteriegesteuerten Golf-Cart in Langversion durchs Gelände, erklärt Historie, Zielsetzungen und Erreichtes bei Fauna und Flora und stoppt am Aussichts- und Wachturm, der sich durch seine hölzerne Bauweise getarnt gekonnt ins neue Land einpasst. Cart-Touren starten am Südtor bei Almere sowie am Nordtor bei Lelystad. Wie aber konnte dieses Back to the Roots-Areal überhaupt entstehen, war doch hier lange Meer?

Polder statt Wasser, Festland statt Meer rund um Schokland

Die Antworten dazu finden sich trefflich erklärt im Schokland Museum auf der Ex-Insel Schokland. Zumal sie selbst durch Landgewinnung zu Festland mutierte und durch diese Entwicklung sogar von der UNESCO zu Weltkulturerbe erklärt wurde. Im Museum zeigt sich, dass diese Entwicklungen eng verflochten sind mit der Entstehungsgeschichte der neuen Provinz Flevoland östlich von Ijsselmeer und Markermeer, noch dazu, dass das alles mit dem Afsluijtdijk im hohen Norden begonnen hat.

Das Eiland Schokland, das zuletzt vier Kilometer in der Länge und kaum mehr in der Breite maß, derart fraß die Erosion durch die Zuiderzee an ihrem Land: Heute geht es per Auto quasi bis vor die Museumstür. Auf den letzten Kilometern Fahrt finden sich keine sichtbaren Anzeichen dafür, dass hier schon Meer war und es nur per Boot weiterging. Heuer kein Wasser weit und breit. Stattdessen Farmen, Felder, kleine Orte und Verkehrswegenetze für Autos, Fietsen und Fußgänger.

Nun Ackerland, einst Meer - Guide Niko de Boer erklärt Schoklands Mutation Foto Ulrike Wirtz
Einst Meer, nun Äcker und Weiden – Guide Niko de Boer erklärt Schoklands Mutation und die Symbolik einer Bronze von einer Frau mit Gepäck Foto Ulrike Wirtz

Im Museum kommt Klarheit in die spannende Sache: durch alte Bilder und Fotos, durch Dokumente, Artefakte und Videos und auch dank Nico de Boer, einer der Museumsführer. Er erzählt fesselnd und detailreich, erklärt alte Landkarten und neuere Fotos zur Lage der Insel und des Umlands, sagt: „Wir müssen weit zurückgehen.“ Einst war die Insel Schokland in der östlichen Zuiderzee dank ihres Leuchtturms und wegen der langgestreckten Form von Nord nach Süd wichtige Landmarke für Schiffe auf dem tief ins Land hineindrängende Teil der Zuiderzee, die immer mehr Boden auffraß und desaströse Sturmfluten schickte wie die vom Januar 1916.

Diese Flut gab denn auch den Ausschlag, endlich den länger geplanten Afsluitdijk im hohen Norden der Niederlande zu bauen: auf dass die wilde Zuiderzee durch den Damm eingehegt und zum gemäßigten Binnensee Ijsselmeer wurde. Das Bauwerk nach Entwurf des Ingenieurs Cornelis Lely war 1932 abgeschlossen.

Die Insel Schokland 1932 aus der Luft Foto vom Foto Ulrike Wirtz
1935, zu Zeiten der Luftaufnahme, war Schokland noch Insel und seit Dekaden unbewohnbar – Foto vom Foto Ulrike Wirtz

Geplant war auch, aus der Trockenlegung des Meeresgrunds Festland zur Besiedlung zu gewinnen. Daher wurde ein System aus Deichen, Wasserpumpanlagen und Kanälen, um das abgepumpte Wasser abzutransportieren, vorangetrieben: die Zuiderzeewerken, auf Deutsch ohne das n am Ende. So baute sich nach und nach Polder östlich der Binnenseen Ijsselmeer und Markermeer auf, genannt Noordoost-Polder und Flevopolder als der südlichere Teil. Deren Entstehung war 1942 soweit, somit die Basis für Flevoland gelegt. Deren Provinzfläche: rd. 1.410 Quadratkilometer Festland und ca. 1.000 Quadratkilometer Wassergebiet. Alles am Reißbrett geplant: Menschen zogen her, Städte wie Almere und Lelystad entstanden, zudem Dörfer wie Marknesse und Ens. Industriegebiete wurden erschlossen, ein Großteil des neuen Landes für die Landwirtschaft reserviert.

Eine 12. Provinz – geboren mittels High-Tech-Ingenieurskunst

So auch der zu Festland mutierte einstige Meeresgrund um die einstige Insel Schokland, wie der Blick vom Museum auf saftig-grüne Wiesen und Felder zeigt, auf rote Dächer von Farmhäusern und Scheunen hier und da. Der schönste Blick lässt sich vom Kirchlein gegenüber dem Museum genießen, von der Enserkerk von 1834. Den Blick ins Innere des Kirchleins nicht vergessen mit ihrer ansehnlichen Kanzel im holländisch-typischen Anstrich in Grachtengrün und ansonsten Weiß. Die Kirche heißt auch Waterstaatkerk – nach der mächtigen staatlichen Behörde Rijkswaterstaat, der alle niederländischen  Aktivitäten des Wassermanagements und der riesigen Bollwerke gegen das Meer obliegen.

Schoklands Historie handelt von Flutkatastrophen, untergegangenen Schiffen, von Feuersbrünsten, von Armut in den einfachen Wohnkaten, die auf Bildern verewigt sind und einen beim Betrachten die kargen Lebensverhältnisse fast körperlich spüren lassen, und von abwandernden Inselbewohnern. Was für ein Drama schrieb hier die Natur: Die Schokker waren Fischer und Bauern auf der immer kleineren Fläche des Eilands an der Ost-Seite der einstigen Zuiderzee. Durch deren wildes Tun verschlechterten sich die Lebensbedingungen der Insulaner, viele zogen weg. Gab es rund 1775 noch ca. 650 Bewohner, sank deren Zahl noch weiter. Bis das Eiland Schokland 1859 mit amtlicher Verfügung zu räumen war. Guide Nico: „Es blieben der Hafenmeister im Hafen Emmeloord sowie einige Fischer und der Leuchtturmwärter am Zuidpunt. Und Deicharbeiter kamen je nach Jahreszeit.“

So klein die Insel, so unterschiedlich kleideten sich je nach Religion die Frauen vor Ort  Foto Ulrike Wirtz
So klein die Insel, so anders kleideten sich die Frauen je nach Religion. Relikte aus langen Insel-Zeiten machen Schokland zum UNESCO-Weltkulturerbe Foto Ulrike Wirtz

Was sich heute so einfach erzählt, bedeutete für die Betroffenen Entbehrungen, gar Verluste und schicksalhafte Zeiten. „Zumal die Schokker ihre eigene Identität hatten, nämlich einen eigenen Akzent, eigene Trachten und Tänze.“ Diese Vergangenheit pflegen die Nachkommen der Insulaner heute in der eigens 1985 gegründeten Schokkervereniging. Diese Entwicklungen bedeuteten aber auch neues Land und neue Möglichkeiten. Rund 70 Jahre nach Räumung der Insel war der Afsluitdijk fertig, der Wasserspiegel fiel, auch rund um die Insel mehr und mehr, die Polder schritt voran, bis sie 1942 Landfläche wurde. Nunmehr kam die Zeit der Land-  und Stadtplaner, der Architekten und Baugewerke in Flevoland.

Flusspferde in der Ijssel

Was Schokland speziell macht und UNESCO-Status brachte: Mit der Trockenlegung kam auch die Zeit der Archäologen etc.. Sie konnten den Ex-Meeresgrund nun zu Fuß durchstreifen, suchten ihn nach alten Zeugnissen von Entwicklung und Kultur der Bewohner ab, die schon vor 10.000 Jahren Schokland bewohnten, und über den Schiffsverkehr, der rund um die Insel unterwegs war, und fanden sogar noch ältere Spuren bis in die Eiszeit. Die Funde machten Schokland 1995 zum UNESCO-Weltkulturerbe. Guide Nico: „Es gibt über 160 archäologische Fundstellen. Darunter die versteinerten Fußabdrücke, die in einstigem Lehm hinterlassen wurden. Eine Rarität. Sie wurden 1984 entdeckt.“

Heute Land, davor Meer, davor Land - davon zeugen Knochenfunde rund um die einstige Insel Schokland Foto Ulrike Wirtz
Heute Land, davor Meer, davor Land, davor Eis, davon zeugen Knochenfunde rund um die einstige Insel Schokland Foto Ulrike Wirtz

Oder das männliche Skelett von geschätzt 2400 A.C., von Archäologen eingebettet in eine nachempfundene Grabstelle. Der Boden setzte auch Erkenntnisse frei, dass vor rund 125.000 Jahren das Eis der damaligen Eiszeit vor Ort schmolz, dass es heißer wurde, der Wasserspiegel stieg und tropische Flora und Fauna bescherte mitsamt Elefanten, Nashörnern und in der Ijssel schwimmenden Flusspferden. „Das wissen wir durch Knochenfunde.“

Das Museum zeigt Bilder von der Landwerdung der Insel Foto der Fotos Ulrike Wirtz
Das Museum zeigt Bilder von der Landwerdung Foto der Fotos Ulrike Wirtz

Die Geschichte mit ihren Eis- und Heißzeiten kommt einem bekannt vor, die Infotafel Klimaatverandering im Musuem bringt verständlich den Evolutionsrhythmus der Erde in Erinnerung. Dann fällt der Blick auf ein reliefartiges Modell an der Museumswand, das die Landgewinnung der Niderlande über Jahrzehnte verdeutlicht. Aber das erklärt noch nicht, warum die Trockenlegung hier und das Feuchtgebiet südlich irgendwie zusammengehören.

Erst Land gewinnen, dann die Natur machen lassen

Dafür geht‘s zu den Oostvaardersplassen zurück – zu Hans-Erik Kuypers, dem Boswachter vom Staatsbosbeheer. Und mit ihm ins Jahr 1968. „Das Feuchtgebiet mit dem Naturentwicklungsgebiet ist ganz zufällig entstanden. Denn 1968 stellte sich heraus, dass trotz der Eindeichungen und der weiteren Anlagen zum Wassermanagement ein Gebiet im neu entstehenden Flevoland einfach nicht trocken fiel. Das war am tiefsten Punkt des Flevopolder.“ Eigentlich habe in dem Areal ein Industriegebiet entstehen sollen. „Dann wurde es erst einmal in Ruhe gelassen.“ So konnten sich Brachflächen von allein entwickeln, der Wasserpegel machte sie zum Feuchtgebiet mit Morast etc.

So also löst sich der vermeintliche Widerspruch auf – hier trocken, da nass. Bis die Grundlage der Oostvaardersplassen richtig stand, griff auch der Mensch noch ein, baute unter anderem fünf Jahre Raps an, um den Brachen den Salzgehalt als Relikte der alten Zuiderzee zu entziehen. Das hatte Geert erzählt. Auch sei später dafür gesorgt worden, dass sich Schilf ansiedeln konnte – „damit sich der neu gewonnene Boden stabilisiert. Das Schilf wurde aus Flugzeugen abgeworfen und setzte sich dann von selbst“. Hobby-Ornothologe Renè hatte erklärt, was Plassen bedeutet: „Im Kontext hier Pfütze oder Tümpel.“ Hatte dann gegriemelt und ergänzt: „Es bedeutet aber auch pinkeln.“

Oostvaardersplassen Aussicchts- und Wachturm Foto NBTC
Der Aussichts- und Wachturm für gute Einblicke Foto NBTC

Und dann die zwei aus Belgien angereisten Hobbyornithologen John und Stefan – sie hatten nur geschwärmt: „Hier in den Oostvaardersplassen entstand das schönste Vogelgebiet weit und breit und ist noch nicht fertig. Wir sind überall in Europa auf der Jagd nach Vögeln.“ Auch sie bewaffnet mit Spezialfernglas, noch dazu Kamera mit langem Teleobjektiv und angetroffen nahe Nordeingang am Buitencentrum Oostvaardersplassen. „Wir haben hier heute Morgen schon einen jungen Seeadler gesehen“. Der habe noch kein weißes Gefieder gehabt – „daran ist er gut zu erkennen“, so die Belgier. Und dürfte sicher zum Nachwuchs des Paares gehören, das im Süden Futter jagt.

Mehr Info und wichtige Websites

Zwei Besonderheiten finden sich in der niederländischen Provinz Flevoland im Osten der Binnenseen Ijsselmeer und Markermeer.

1. Die Oostvaardersplassen genießen den Sonderstatus Naturentwicklungs-Gebiet, liegen nahe Lelystad und Almere östlich von Ijsselmeer und Markermeer und gehören zum National Park Nieuw Land www.nationaalparknieuwland.nl Zu Natur und Naturmonumenten www.staatsbosbeheer.nl. Karten mit Wander- und Fahrradwegen www.ovpalmere.nl; www.visitflevoland.nl; www.holland.com

Lukullischer Tipp: Das Südtor zum Marschland nahe Almere markiert das Natuurbelevingcentrum de Oostvaarders mit Café und Restaurant; es ist geschmackvoll eingerichtet, hat gute Küche und 1a-Blick übers Naturschutzgebiet. Bei Lelystad ist das Nordtor am Buitencentrum Oostvaardersplassen.

2. Die einstige Insel Schokland lag in der östlichen Zuiderzee, wurde zum Festland und hat es zum UNESCO-Weltkulturerbe gebracht. Dazu gehörte ein Kampf ums pure Überleben. Von dem und anderem mehr erzählt das Museum Schokland www.museumschokland.nl; https://schokland.nl; www.visitnoordoostpolder.nl

Extratipp: das Waldmuseum Waterloopbos und die Wasser-Bollwerke

Man stelle sich die Zeit ohne Computer vor und wie damals Bauwerke entwickeln, durchplanen und testen. Das gilt gerade auch für die mächtigen Bollwerke gegen die Urgewalten des Meeres an den niederländischen Nordsee-Küsten, unter anderem die Deltawerke. Ingenieure schufen damals aufwendig Modelle, um reale Bedingungen zu simulieren und die angedachten Lösungen zu testen. Solche Anlagen sind heute noch zu bewundern – mitten in einem lauschigen Wald nahe Marknesse in Flevoland: der Waterloopbos. Allein dieses Deltagoot, das einem als erstes ins Auge fällt, wenn man den Park am sogenannten Proeflab Waterloopbos, dem Café und Restaurant, betritt.

Waterloopbos mit dem Deltagoot Foto Ulrike Wirtz
Das Deltagoot war Testanlage im Kampf gegen zerstörerische Fluten; heute ist es Teil eines Naturmonuments und als Kunstwerk namens Deltawerk auferstanden Foto Ulrike Wirtz

Das Deltagoot war als Versuchsanlage komplett unter Erdhügeln begraben, war 240 Meter lang, fünf Meter breit und sieben Meter tief. Wellen in Höhe von zwei bis zweieinhalb Meter konnten duch die Betonanlage gepeitscht werden, um die Sturmverhältnisse an der Oosterschelde zu simulieren und um so zu erarbeiten, welches Bauwerk robust genug dagegen war. Heute ruht hier still das Wasser.

Das ist der opulente Auftakt im Waterloopbos, der einst der Ort eines Freiluftlabors für High-Tech Wasserinfrastruktur war und heute den Status als Natuurmonument trägt, der idyllisch mitten im Wald liegt und zwar nahe Schokland. Das Monument und der Wald dazu stehen jedem offen und können allein erkundet werden. Oder es geht auf Tour mit Guides wie Hermann Schilt von der Organisation Natuurmonumenten. Der einstige Dozent führt zu den Anlagen, erklärt sie und weiß viel überdies zu Fauna und Flora im Bos zu erzählen. „Hier wurden die Häfen von Rotterdam nachgebaut und sogar die berühmten Deltawerke – in viel kleineren Maßstäben natürlich. Und seht hier das Moos. Im Bos wachsen mehr als 90 Moosarten und Hunderte Pilzarten.“

Das Freiluftlabor im jungen Polderland hatte die niederländische Regierung um 1951 einrichten lassen – auf 90 Hektar Land und ausgestattet mit einer Manpower von 300, 400 Ingenieur-Wissenschaftlern. Sie forschten und entwickelten Lösungen gegen Überflutungen und Erosion durchs Meer und bauten entsprechende Testmodelle für Wehre, Hafenanlagen und ähnliches mehr. Guide Hermann: „Ihr Know-how zu Wasserinfrastruktur war aber auch in der ganzen Welt gefragt. Wie auch noch heute. So bauten die Ingenieure unter anderem auch den Hafen von Bangkok um und simulierten ihr Konzept anhand eines Modells im heutigen Waterloopbos.“

Waterloopbos-Ingenieure bei der-Arbeit Foto vom Foto Ulrike WIrtz
Heute ist der Waterloopbos ein Naturmonument, früher war er ein Freiluftlabor; ein Foto von Ingenieuren bei der Arbeit Foto vom Foto Ulrike WIrtz

Es entstanden zudem Modelle für einen Hafen in Laos oder für Schleusenanlagen am Persischen Golf und sind heute als Zeitzeugen hoher Ingenieurskunst wie in einem Outdoor-Technikmuseum zu bewundern. Und dann kamen die Computer, die Simulationen erfolgten mithilfe von Software, die Modelle wurden nicht mehr gebraucht. Das Freiluftlabor im Wald schloss seine Pforten und ist nun als Ort einer spannenden Zeitreise wieder auferstanden.

Vom 13. bis 14. September ist Open Monumentendag in den Niederlanden – auch im Waterloopbos. Dann fahren manche Anlagen Tests wie zu ihren frühen Tagen. Details www.natuurmonumenten.nl

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USA – Reise-Highlights 2026

Für das kommende Reisejahr stellen die USA alte und neue Attraktionen, echte Highlights für Trips in Aussicht. Hier einige Tipps gerade auch für internationale Touristen und jüngst präsentiert auf der Internationalen Reisemesse IPW im Juni in Chicago. Lebensart-Reise-Autorin Ulrike Wirtz war vor Ort in der Metropole mit ihren Wolkenkratzer-Ikonen, ihrer lukullischen Vielfalt und den berühmten Musik-Clubs für Jazz und Blues.

250. Geburtstag der einst wegweisenden Demokratie

Brand USA, die internationale Marketing-Organisation der Nation, hat eine neue Website mit neuesten Informationen zu Attraktionen und Aktivitäten in den USA veröffentlicht. Diese widmet sich unter dem Motto „America the Beautiful“ vor allem auch dem Jubiläum „250 Jahre Vereinigte Staaten von Amerika“ am 4. Juli 2026. Der 250. Geburtstag erinnert an den 4. Juli 1776, den Tag, an dem die USA ihre Unabhängigkeit von Großbritannien erklärte und in der „Declaration of Independence“ niederlegte. Das war der Startschuss der ersten modernen Demokratie, die zum großen Vorbild für andere Nationen wurde – mit aktuell schwerem Stand unter ihrem  47. US-Präsidenten Donald Trump. https://americathebeautiful.com/de/America-250/

Stars und Stripes Flagge der USA
Lange Symbol für Freiheit und unbegrenzte Möglichkeiten – die Stars und Stripes-Flagge der USA

Neues Theodore-Roosevelt-Museum in North Dakota

Einem früheren US-Präsidenten wird 2026 eine besondere persönliche Anerkennung zu teil und bringt einen neuen Anziehungspunkt in den Bundesstaat North Dakota, das Land der Wildnis an der Grenze zu Kanada. North Dakota steht für geschwungene Hügel in Grün-Beige und für Regionen bizarrer Bodenerosion, steht für Prärien, Ranches, Wiesen und Felder, für Longhorn-Rinder und Bisons, wilde Mustangs und Kojoten. Beim Präsidenten handelt es sich um Theodore „Teddy“ Roosevelt, von 1901 bis 1909 US-Präsident, geführt als Nummer 26 und 1906 der erste Amerikaner, der mit dem Friedens-Nobelpreis geehrt wurde.

Präsident Theodore Roosevelt bei der Arbeit Foto Harvard-Library Collection
US-Präsident Theodore Roosevelt – ein großer Staatsmann Foto Harvard Library Collection

Etliche Jahre später stand er erneut für ein honoriges erstes Mal: Der 1978 begründete Nationalpark in den kargen Badlands im westlichen North Dakota wurde nach Theodore Roosevelt benannt. Damit erhielt erstmals ein Nationalpark den Namen eines Präsidenten der Nation.

Nun entsteht in direkter Nachbarschaft zu diesem Nationalpark die offizielle Präsidentenbibliothek zu Ehren des 26. Staatsoberhaupts – inmitten der Natur nahe dem Städtchen Medora – und soll am 4. Juli nächsten Jahres feierlich eröffnet werden. Sie heißt Theodore Roosevelt Presidential Library, kurz TRPL. Warum aber hier im Outback nahe Kanada? Denn als Staatsmann hatte der Republikaner in Washington gewirkt, sein Leben, auch beruflich, vor und nach seiner Präsidentschaft fand oft in New York statt, wo Theodore Roosevelt 1858 das Licht der Welt erblickte und 1919 starb, nahe New York im Ort Oyster Bay auf Long Island.

Allerdings zog es den Kaufmann, Soldaten und Politiker immer wieder auch ins abgeschiedene North Dakota. Erstmals kam er 1883 her. Hier legte sich Theodore Roosevelt eine Ranch zu, hier lebte er auch länger, arbeitete selbst als Cowboy und ging auf die Jagd. Hierher kam er immer wieder zurück, widmete sich auch der Naturkunde und dem Naturschutz und rundete dieses Faible durch seine Expeditionen nach Afrika und an den Amazonas ab.

Theodore Roosevelt als Rancher in den Badlands von North Dakota Foto Harvard_Library_Collection
In den Badlands von North Dakota war Theodore Roosevelt Rancher Foto Harvard Library Collection

Daher nennt man „Teddy“ im wilden Staat im Nordwesten gern auch Outdoor-Man. Er, der die Natur liebte, erforschte und schützte, gründete allein in seiner Präsidentschaft fünf Nationalparks, 51 Wildlife Refuges und den US-Forrest Service mit mehr als hundert National Forrests.

Die zu Ehren des Naturfreunds entstehende offizielle Präsidentenbibliothek gilt als beispielhaft für nachhaltige Architektur und High-Tech bei der technischen Ausstattung, auch der Exponate. Noch ist viel Baustelle, die Baufortschritte vermittelt die TRPL mit Blog und Bildern. Das Konzept ist klar definiert: die Bibliothek selbstversorgend und regenerativ zu errichten, vergleichbar zu den Zeiten, als Theodore Roosevelt in den 1880er Jahren erstmals in die Wildnis der Badlands reiste und sich ein autarkes Leben einrichten musste.

Theodore Roosevelt Presidential Library in North Dakota#s Outback Foto Pomp
Hier in den Badlands findet die Theodore Roosevelt Presidential Library ihren Platz Foto Plomp

Schon optisch nimmt die Bibliothek die Natur in ihren Farben und Formen auf: durch ihr Äußeres aus Naturholz in Blass-Beige, passend zum typischen Beige-Grün der Badlands; durch das flache geschwungene Dach, dessen Flächen mit kurzem Gras überwachsen sein werden wie die Prärie. Spaziergänge draußen lassen sich dann übergangslos übers Dach fortsetzen. Innen setzt sich die Optik aus Holz fort. Bei der Ausstattung lässt einen neuester technischer Stand in Teddy Roosevelt’s Leben eintauchen: ob per Interaktion oder modernster Sensortechnik. HInzu kommt klassisches Story-Telling mit Fotos und Videos.

„Immerse yourself in the Arena“ lautet eine Aufforderung des TRPL – tauch ein in die Arena. So ermöglicht Interaktion im selbsternannten „museum of the future“, etwa am Leben des Soldaten Theodore Roosevelt teilzuhaben,seinen Gesprächen an Lagerfeuern zu lauschen oder sein Regieren von New York bis Washington zu verfolgen. Man kann sich einlesen in seine Grundsätze zu „Leadership, Citizenship and Conservation“ – zeitlose Themen mit immer aktuellem Bezug, so das Credo der TRPL.

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Nachhaltig und naturverbunden fügt sich die Theodore Roosevelt Presidential Library in North Dakota’s Flora und Fauna ein Foto Plomp

Dem Leben Roosevelt’s als Outdoor-Man lässt sich schon jetzt draußen im nach ihm benannten Nationalpark nachspüren. Hier stehen an den Ufern des Little Missouri River noch die Reste seiner alten Elkhorn Ranch und sind zu besichtigen. Außerdem wird es im Park althergebrachte Pflanzen wieder verstärkt geben, auch das ein nachhaltiges Anliegen des neuen Bibliothek-Projekts. Es manifestiert sich im Native Plant Project in Zusammenarbeit mit der North Dakota State University (NDSU) und der Resource Environmental Solutions (RES). Das Projekt sieht vor, ursprüngliche Pflanzen bzw. bedrohte Arten im weiten Umfeld des Museums wieder auszubauen. Das würde Naturbewahrer Theodore Roosevelt sehr gefallen.

Route 66 – 2026 ist die legendäre Straße 100 Jahre alt

Die Bilder aus dem Hollywood-Klassiker „Easy Rider“ bringen es noch heute auf den Punkt: das Gefühl von Freiheit, von einem grenzenlosen PS-Ritt und Einkehrschwüngen am Weg in einfachen Diners und Motels. Ein Trip über die heute legendäre Route 66 galt anfangs aber und das für lange Zeit als ein Versprechen der Bewegungsfreiheit, als Weg in eine bessere Zukunft für viele, die sich auf die lange Strecke machten – von anfangs 2451 Meilen, sprich knapp 3950 Kilometer. Daher bekam die Route 66 auch den liebevollen Namen „Mother Road“.

Konkret fängt sie an in Chicago im US-Staat Illinois, in Downtown am Wolkenkratzer Willis Tower, eine der Architektur-Ikonen am Chicago River. Und endet am Pier in Santa Monica, California, direkt vor den Weiten des Pazifiks. Und das Ganze auch in umgekehrter Richtung. Durch einige Umbauten in ihren 100 Lebensjahren ist der alte Verlauf an wenigen Stellen verändert, die Streckenlänge auf 2278 Meilen reduziert.

Route 66 Pier Santa Monica_Calif Foto Ulrike Wirtz
Am Vergnügungspark am Santa Monica Pier startet bzw. endet die fast 4000 Kilometer lange 66 Foto Ulrike Wirtz

Aber nicht der Rede wert. Die Mutter aller Straßen führt auf ihrem Verlauf durch acht US-Staaten, neben California ganz im Westen und Illinois ganz im Osten auch durch Missouri, Kansas, Oklahoma, Texas, New Mexiko und Arizona – in der Reihenfolge von Osten kommend.

Als Mother Road galt sie, nachdem anno 1926 für den Verkehr freigegeben, weil die Route 66 erst die zweite durchgehend befestigte Straße als Ost-West-Verbindung war. Das machte die Trasse so bedeutsam fürs praktische Leben in den Weiten des Landes der unbegrenzten Möglichkeiten. Als zunehmend das Straßennetz ausgebaut wurde, kamen schnellere Highways hinzu. Und so fuhren bei den Road-Trips auf der Route 66 auch mehr Fun-Faktoren mit dem Hauch von Abenteuer mit, wenn Autofahrer sich damals noch in Olds-Mobiles auf den Weg machten. Das galt ebenso für Trips per Motorrad und Roadies in Wohnmobilen, die verstärkt just for fun über die Mother Road brummten.

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Just for Fun an der Route 66 in Collinsville/Illinois – das Catsup Monument Foto Ulrike Wirtz

Nach wie vor steht die Route 66 für das Gefühl der Freiheit und für eine gehörige Portion Nostalgie, nicht nur wenn sie im nächsten Jahr ihren 100. Geburtstag begeht. Ihr Centennial, wie Einheimische sagen, wird entlang der Route gefeiert mit Festivitäten, Memorabilien etc. Doch schon bisher sorgen original Altes und auf alt Gemachtes fürs althergebrachte Flair am Weg: Straßenschilder wie zum Beispiel das Route-66-Schild am Pier in Santa Monica/California; Neon-Leuchtreklamen von Motels wie etwa das vom A. Lincoln Motel in Springfield/Illinois; oder ein alter haushoher Wasserturm in Collinsville/Illinois, der an eine Ketchup-Flasche erinnert, mit dem Werbetext „Catsup“, wie sich die Tomatensauce früher auch schrieb. Alles Retro oder Retro gestylt.

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Retro-Leuchtreklame ist typisch allerorten an der Route 66, in Texas etwa die für die Big Texan Steak Ranch

Unterwegs wartet überdies Abwechslung in Form von Naturhighlights wie den Meramec Caverns, die alten Tropfsteinhöhlen nahe Sullivan/Missouri oder in Form von Music Venues in St. Louis/Missouri oder das im September 1949 eröffnete, fast noch original erhaltene Drive-In-Theatre im Ort Carthage/Missouri, der sich im Herbst seiner rot gefärbten Ahornbäume und seines dazugehöriges Maple-Leaf-Festivals rühmt.

Texas‘ Teil der Route 66 ist nur kurz, ähnlich dem in Oklahoma und Kansas – hier den Pit-Stopp original von 1925, den Nelson’s Old Riverton Store, nicht verpassen -, und bietet mit dem Mid Point Café in Adrian/Texas einen traditionellen Kaffee-Stopp quasi auf der Hälfte der Route-66-Strecke. In New Mexico kreuzt man durchs Land der First Nations der Comanche und Tucumcari. In Arizona‘s Weiten warten Kakteen, Kargheit und der Grand Canyon im Westen. Hier tut sich auch bei den Temperaturen buchstäblich Wüstenei auf vor dem ikonischen Panorama karger Bergketten nicht nur am steilen Bergpass nahe Golden Valley.

Kultiges begrüßt Biker und andere Roadies natürlich auch im Staat California, der sich an Arizona anschließt. Allein der lange Abschnitt immer entlang der Wüste des Joshua Tree National Park mit seinen bizarren Bäumen. Bis am Ende hinter dem Pier in Santa Monica der Pazifik schimmert.

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Unterwegs durch Abenteuer-Land Foto Eaglerider-Route-66-Motorcycle-Tour

Mehr Info: https://www.route66centennial.org. Spezialist America Unlimited organisiert ab deutschen Landen Motorradreisen als Gruppenreise oder für Selbstfahrer entlang der Route 66 und bietet unterschiedliche Varianten der Strecke an, auch die ganz lange von Ost ganz nach West. Autoreisen etc. gibt es hier auch zu buchen www. https://www.america-unlimited.de. Ebenfalls ab Deutschland operiert Nordamerika-Spezialist Canusa, ohne Motorradreisen, https://www.canusa.de. Tipps für Roadtrips auch auf der oben genannten Website von Brand USA https://americathebeautiful.com/de/road-trips/

New York City betont seinen Charakter als Luxusziel 

In der Mega-Metropole erreichen die Zimmerpreise für eine Nacht inzwischen spielend 1000 Dollar ($), selbst wenn nicht Créme de la Créme unter den Fünfsternehotels. Diese gehen derweil schon auf 1500, 2000 $ die Nacht. Kein Pappenstiel, selbst wenn der Wechselkurs der US-Währung zum Euro aktuell sehr attraktiv ist. New York City steht gern dazu, eine Vielzahl sehr gut situierter Reisender anzuziehen und betont diesen Status künftig sogar noch mehr, nämlich mit einem speziellen NYC Luxury Guide bzw. einer eigenen Rubrik „NYC Luxury“ auf seiner Website. Hier präsentiert die Stadt, die niemals schläft, „ikonische Hotels, Restaurants mit Michelin-Rating und exklusive Ateliers“ – nach dem Motto: „Entdecken Sie die schönen Dinge in NYC“.

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Weltberühmt und weiterhin gratis zu bewundern – die Skyline von NYC

Aber keine Angst: Zu den Attraktionen zählen nach wie vor auch all die Highlights, die sich Reisende mit normalem Budget leisten wollen und können; auch die finden sich weiterhin auf der Website der Mega-City. Und natürlich gibt es noch Hotels für 200 $ die Nacht. Aber die Gruppe der „Affluent Travelers“, der Wohlhabenden also, hat es in sich.

Sie kommt laut offiziellen Daten aus den folgenden Staaten: United Kingdom (UK), Deutschland, Frankreich, Italien, Australien, Süd-Korea, Brasilien, Indien, Schweiz und Irland. Genau in der Reihenfolge, erhoben nach Anzahl der Reisenden, mit UK an 1. und Irland an 10. Stelle. Julie Coker, President und CEO des New York City Tourism + Conventions, stellte Auswertungen und Zielsetzung „Luxus“ auf der IPW 2025 in Chicago im Juni vor. Sie betonte, dass die Stadt im Jahr 2024 allein 10,7 Mio. Affluent Travelers willkommen hieß, macht über zwei Mio. dieser Besucher mehr als noch 2019, vor dem Einbruch durch Covid-19.

Und dass die Gruppe dieser Wohlhabenden zwar nur 17 Prozent der Gesamtzahl der Besuche ausmacht, dafür aber drei Mal mehr „impact“, also wirtschaftliche Effekte, bringt als der Rest der Besucher. Darauf setzt die Stadt künftig verstärkt. Daher führt die offizielle Touristik-Website von New York City nun eigens Luxus-Rubriken an, wie ein Blick auf die bereits angepasste Website zeigt.

NYC-Präsentation IPW 2025 Foto Ulrike Wirtz
NYC-Präsentation auf der IPW 2025 durch Julie Coker, President & CEO der Touristik-Organisation New York City Tourism + Conventions Foto Ulrike Wirtz

Diese neuen Rubriken widmen sich Luxury Spas wie dem im Premiumhotel Mandarin Oriental, widmen sich Luxury Boutiquen wie der von Alexander Wang und natürlich Luxury Hotels von The Pierre bis zum just wieder eröffneten Waldorf Astoria: das legendäre Haus, das 1897 aus den zwei nebeneinander liegenden Luxushotels Astoria und Waldorf entstand, nunmehr verbunden durch die berühmte Peacock Alley.

Die Hotel-Ikone war von 2017 bis jetzt wegen Restaurierung, Renovierung, Sanierung und Modernisierung geschlossen. Was in der Zeit im prächtigen Gebäude in Art Deko-Architektur vonstattenging, spiegelt sich allein in folgender Zahl wider: Die Anzahl der Zimmer wurde von einst 1413 auf 375 reduziert, dieser Rest extrem vergrößert und vom Feinsten ausstaffiert.

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Was für ein Luxus im Waldorf-Astoria New York, hier die Lobby nach Sanierung Credit-Waldorf-Astoria-New-York©2025-Hilton

Die Zimmerpreise sind entsprechend hoch: Eine Nacht für zwei kostet bei Booking.com aktuell 1856 $ – für einen Wochentag in der ersten September-Woche. Auf der Website des Waldorf Astoria kostet die gleiche Buchung aktuell nicht unter 2090 $ fürs gleiche Datum im September. Kein Thema für die Happy Few: Man gönnt sich ja auch sonst viel in New York City.

Mehr Info unter https://www.nyctourism.com/de/