Der See im US-Staat Michigan ist groß wie ein Meer, und an seinem südöstlichen Ufer liegen drei Badeorte für erholsam-faule Tage gleich nebeneinander: Grand Haven, Saugatuck, South Haven. Lake Michigan gehört zum Riesenrevier der Great Lakes im Nordosten, und die drei Badeorte sind seit langem Naherholungsregion für Detroit und Chicago. Doch auch Fernreisende können hier schön entschleunigen.
„Wie schön, zwischendurch mal die Hände in den Schoss zu legen“, sagt Alex Overhiser, 28, der Jungbauer der Overhiser Orchards. Die Obst-Plantage gehört zu South Haven, Badeort am Lake Michigan in Michigan State. Die Familie Overhiser hat den Betrieb 1863 gegründet und baut Blaubeeren und Pfirsiche, Äpfel und Kirschen an. Junior Alex hat eigens fürs Foto Platz genommen, ist aber schon wieder auf dem Sprung: „Mit mir ist die 6. Generation unserer Familie am Ruder. Mein Vater Allan ist Seniorchef und 5. Generation. Unsere Vorfahren kamen aus Deutschland.“
Inzwischen bewirtschaftet der Familienbetrieb 300 Acres eigenes Land plus geleaste Flächen, so Alex, studierter Kaufmann. Ein Teil sei Bio-Farm – „hier können die Leute Obst selbst pflücken“. Ein paar Meilen weiter sei der andere Standort – „dort bauen wir große Mengen für die Obstindustrie an“. 300 Acres gleich gut 120 Hektar im Besitz – gleich „tagtäglich viel Arbeit“, so der Juniorch.Das gilt jedoch nicht für die Leute, die bei den Overhiser Orchards und weiteren Bauern in der Gegend for fun pflücken oder nur kurz anhalten, um Landluft zu schnuppern – auf dem Weg zum eigentlichen schönen Ziel.
Auszeit am See der Superlative mit hohem Erholungsfaktor
Denn viele sind auf dem Weg zum Lake Michigan, speziell zu seinem Südost-Ufer mit diesem ländlichen Hinterland und gleich drei Traditions-Badeorten in kurzer Distanz zueinander. Die Reisenden kommen per Auto oft aus den nahen Mega-Cities Chicago und Detroit – meist für Kurzurlaube. Genauso kommen Fernreisende, die über die internationalen Flughäfen beider Großstädte einfliegen, fahren dann ab Chicago, gelegen südwestlich im Bundesstaat Illinois, bis zum nächst gelegenen Badeort South Haven 200 Auto-Kilometer bzw. von Detroit, gelegen im Osten von Michigan State, 300. Alex hört immer wieder: „Es ist es einfach schön, im Frühjahr blühende Obstbäume anzusehen, bzw. einladend im Sommer und Herbst zum Selbstpflücken anzuhalten. Oder die Leute genießen es einfach, das Obst an den Bäumen reifen zu sehen. Städter mögen das.“
Und haben dann die Wahl, welchen der drei Badeorte sie ansteuern. Das Trio reiht sich wie folgt am Seeufer von Süden nach Norden betrachtet auf: erst South Haven, danach Saugatuck, dann Grand Haven. Zu zweien ist es von den Overhiser Orchards nur einen Katzensprung: nach South Haven zehn Kilometer, 25 nach Saugatuck. Bis Grand Haven sind es zwar 80 Kilometer, aber meist schön erholsam durchs Grüne; erst die Interstate 196 North, dann links ab auf die US 31 namens Lake Shore Avenue mit ihrem See-Panorama. Diese Strecke ist für US-Verhältnisse auch nur ein Katzensprung und das sowieso gemessen an der Größe von Lake Michigan.
Und egal wo man ans See-Ufer tritt: Der Blick fällt auf Wasser bis zum fernen Horizont – und Schiffe; in der Ferne Transporter, die ihre Bahnen ziehen, näher und nahe an Land Fischerboote, Motor- und Segelyachten auf Cruise-Tour. oder Badende vor untergehnder Sonne. Ein See, der groß wirkt wie ein Meer und in der Tat riesig ist mit seiner Fläche von 58.000 Quadratkilometer. Damit ist Lake Michigan so groß wie die Fläche der Schweiz. Der Bodensee mit seinen 536 Quadratkilometer passt gut 100 Mal hinein. Als Teil der Greater Lakes, wie die Region der Großen Seen im Nordosten der USA an der Grenze zu Kanada heißt, macht Lake Michigan dem Begriff „größer“ alle Ehre und hat obendrein als Anrainer außer Michigan State noch die drei US-Bundesstaaten Illinois, Indiana und Wisconsin
Weil die drei Badeorte sich eher ähneln, kann die Wahl durchaus zur Qual werden – nicht nur weil jeder Ort seinen eigenen Fluss hat, die für zusätzliche Idylle sorgen. Die Wasserläufe schlängeln sich jeweils vom Hinterland kommend durch die Orte, gefallen mit grün bewachsenen Ufern und münden im Ort in den See. In Grand Haven der Grand River, in South Haven der Black River. Durch Saugatuck fließt der Kalamazoo River, weitet sich im Zentrum sogar noch aus zum kleinen See Lake Kalamazoo und fließt erst jenseits des Orts in den Lake Michigan. Alle drei haben Sandstrände, teils kilometerlang, bieten zahlreiche Wassersportmöglichkeiten und weitläufige Dünenlandschaft und daran angrenzend die von Overhiser und anderen bestellten Felder und Wiesen. All das erklärt die Beliebtheit des Trios an der südöstlichen See-Seite. Dass es an einem See wie dem Lake Michigan überhaupt Sandstrände gibt, liegt an der einstigen Eiszeit im Gebiet der Greater Lakes, lieht an der Gletscherschmelze, riesigen Erdbewegungen im Anschluß und diese westlichen Winde, die den Sand anhäuften.
Kleinster Ort des Trios ist Saugatuck mit 865 Einwohnern; größer sind South Haven (4.000) und Grand Haven (11.000); jeweils gezählt die ganzjährig vor Ort Lebenden. Erst durch ihre Urlaubsgäste werden sie zu Orten mit Betrieb, wobei die Downtowns trotz Läden, Lokalen und Boutiquen sich das Gemütliche bewahrt haben. In den drei Orten warten Hotels, Bed & Breakfast und Ferienwohnungen. Vor allem Saugatuck und South Haven gefallen durch alte Architektur schön restauriert und haben daher einen gewissen Retro-Schick. Grand Haven als größter Ort betont hingegen weniger sein Retro, sondern ein gewisses Town-Flair mit Theater und Krankenhaus – und ist doch auch gemütlicher Badeort.
Dass die Stimmung allerorten im Frühjahr und Herbst relaxt ist und im Winter noch mehr, bekomme ich erzählt, als im Juni vor Ort. Und auch, dass es in der Hauptsaison sogar echt hektisch werden kann, nämlich in den Sommerferien und zu den langen freien Wochenenden Memorial Day und Labour Day. Das gilt noch mehr, wenn zugleich ein Festival stattfindet, etwa das Blueberry Festival in South Haven (heuer 6. – 8. August), das Saugatuck Art Festival (25. und 26. Juli) oder das Coast Guard Fest in Grand Haven (24. Juli – 1. August), letzteres mit Tradition seit 1924.
Eine Qual der Wahl unter den Dreien – daher besser alle drei auf einen Streich
Was die Urlauber anlockt wie einst schon die Siedler, sind Klima und Lage hier am süd-östlichen See-Zipfel, beliebt auch wegen seiner Dünen, als sei man am Meer. Diese Faktoren brachten auch die Familie Overhiser hierher, wenn auch aus anderen Gründen. Juniorchef Alex schwärmt: „Klima und Lage sind phantastisch. Wir liegen mit unseren Flächen nur 15 Autominuten vom Ufer entfernt und bekommen viel Wetter vom See. Das heißt warme Sommer und kalte Winter regelmäßig mit Schnee. Im Frühjahr und Herbst ist es heiter mit genug Regen. Und wir haben gute Böden.“ Was es früher auch en masse in der Region gab, waren riesige Wälder, die kommerziell genutzt werden durften. Heute stehen sie unter Naturschutz. Damals aber arbeiteten immigrierte Europäer als Holzfäller, bauten Sägewerke, waren Fallensteller, Fischer und Pelzhändler und brachten ihre Produkte anfangs über die Wasserwege – See und Flüsse – zu ihren Abnehmern. Die Orte South Haven, Saugatuck und Grand Haven waren geboren,
Ab Anfang des 20. Jahrhunderts kamen immer mehr Touristen, parallel ging die kommerzielle Waldnutzung zu Ende. Auf dass Hoteliers, Gastronomen und ähnliche die althergebrachten Berufe ablösten. Außer den Bauern, so dass Äpfel, Kirschen und anderes Leckeres weiter im guten Seeklima wachsen und gedeihen. Was anfangs See und Dünen und ländliches Hinterland auf die touristische Landkarte brachte, war der aufkommende Trend zur Naherholung, so nachzulesen in South Haven am North Shore Drive auf einem Schild des Michigan Historical Center. Der Grund dieser schönen Entwicklung zur Naherholung war laut Schild die Neuerfindung des Autos. Und weil das damals den Wohlhabenden gehörte, entstanden in den drei Orten entsprechend gehobene Unterkünfte in Gebäuden, die teils noch heute gefallen. Doch dazu später.
Heute kommen Faulenzer, Wassersportler, Kunstfans, einst kamen Siedler aus Europa
Was Besucher heutzutage so alles tun: je nach Wetter und Jahreszeit im Sand am Strand liegen, so in South Haven an kilometerlanger North und South Shore, in Saugatuck am Oval Beach, der zwar kürzer ist, dafür preisgekrönt, oder im Grand Haven State Park, aufgeteilt in die Strandkategorien Familien, Hunde etc. Viele Gäste wassersporteln: je nach Lust, Laune und Können per Kajak und Standup Paddle Board auch auf einem der drei Flüsse, per Segelboot und Kite auf dem See groß wie ein Meer. Andere machen Strandspaziergänge oder wandern auf den Trails, die von den Badeorten landeinwärts gehen.
Darunter der Kal Haven Trail, der besonders ist und überregional verläuft. Denn der Wanderweg führt ab South Haven 34 Meilen, 55 Kilometer, landeinwärts nach Westen zur Stadt Kalamazoo und das auf der Eisenbahntrasse von 1887, die 1971 aufgegeben und rückgebaut wurde. Die Bahnlinie transportierte neben Passagieren gerade auch die Früchte der Region und wurde daher auch Fruit Line genannt. Mit Stilllegung übernahm auf der Trasse wieder die Natur, auf dass Hiker und Biker, aber keine Motorbikes, sich genüsslich durch Wälder, Weiler und offenes Farmland fortbewegen.
South Haven mit besonders maritimem Flair
Wer länger vor Ort ist, stellt fest, dass das Badeort-Trio zwar viel Vergangenes und Heutiges gemeinsam hat. Doch stellen sich auch gewisse Highlights heraus. So wohnt es sich in South Haven am North Shore Drive vor dem Strand mit dem feinen hellgrauen Sand besonders schön: in schicken Ferienapartments im Landhausstil nicht höher als zwei, drei Etagen direkt am Beach. In den Straßen dahinter gefallen Villen mit Veranden und gepflegten Gärten. Das setzt sich ähnlich am südlichen Strand von South Haven fort. Kein Hochhaus weit und breit. Die langen Sandstrände unterteilt nur durch die Mündung des Black River.
Im Ort lässt sich vieles zu Fuß erreichen. Dabei geht es an schön erhaltener alter Architektur vorbei wie der 1906 erbauten Carnegie Library oder wie das älteste Haus im Ort, errichtet 1853 bis 1856 als Farmhaus der Familie Bailey und heute als Liberty Hyde Bailey Museum & Gardens liebevoll gepflegt, zur Besichtigung offen und eine wahre Zeitreise. In die Reihe des Retro-Schicks passt auch das Carriage House at the Harbor, 1886 als schmuckes Privathaus erbaut, seit 1920 Gästehaus, später und bis jetzt ein Bed & Breakfast. Hier wohnt es sich zentral und doch ruhig, während vor der Haustür ein Park mit alten Eichen wartet und unterhalb ein Steg mit Booten, die sanft im Wasser schaukeln.
In South Haven ist das Maritime offensichtlich und doch eher unprätentiös, zum Beispiel der Yachthafen am Black River nicht weit von dem Punkt, wo der Fluss in den See mündet. Hier liegt Boot an Boot – Segel- und Motoryachten und vereinzelt Fischerboote. Genau am Punkt, wo sich Black River und Lake Michigan treffen, steht South Havens alter Leuchtturm, der noch immer sein helfendes Licht für die Schiffahrt sendet. Der Turm ist nur 35 Feet (elf Meter) hoch, fällt dennoch ins Auge, da gestrichen in kräftigem Rot. Er sei einer von vieren in Michigan, die erhalten sind, weiß Jim Ollgaard, Präsident der Historical Association South Haven, zu erzählen. „Unser Leuchtturm stammt von 1903, ersetzte seinen Vorgänger von 1872 und wanderte 1913 um 130 Meter an seinen heutigen Platz.“ Ollgaard schaut gerade am Leuchtturm nach dem Rechten und sagt auch mit Bedauern: „Besucher dürfen ihn nicht mehr besteigen.“
Mehr Maritimes bietet das Michigan Maritime Museum im Yachthafen und hat am Quai vor seiner Tür wahre Schätze liegen: klassische Boote teils echt, teils Replika, und gegen Ticket für zwei-stündige Touren mit Skipper buchbar. So das Original von 1929: ein schnittiges Holzboot aus edlem Mahagoni ohne Kajüte und sein heutiger Motor bis zu 35 MpH schnell. Es heißt Merry Time und verspricht romantisch-frohe Zeiten auf See und Fluss. „Mit solchen Booten wurden Gäste früher zu ihrem Feriendomizil geschippert oder machten Sunset-Cruises mit Picknick“, erzählt Kapitän Bob später an Bord des Segelschiffs, auf dem er seit acht Jahren zahlende Gäste for fun über den See fährt. Sein Schiff ist die Replika eines Lastenseglers namens Friends Good Will und auch zu buchen für Cruises von morgens bis abends mit Sonnenuntergang auf dem See.
Bob’s Tour an besagtem Juni-Tag ist fast ausgebucht. Drei Leute Crew hat er an Bord und stellt alle/alles kurz vor: „Ich bin aus Michigan und war früher bei der US-Coast-Guard. Die Crew bsteht aus einer Berufs-Bootsfrau plus Freiwillige. Keine Sorge, die sind gut angelernt, manche sowieso Hobbysegler.“ Die Friends Good Will sei 101 feet lang (knapp 35 Meter) und 2004 gebaut. „Mit solch einem Lastenschiff segelten um 1800 Quaker von Großbritannien in ihre nue Welt. Später transportierte es Produkte wie den im Landesinnern angebauten Tabak.“ Während Bob erzählt, macht die Crew alles klar zum Ablegen. Sie trägt wie der Captain traditionelle Kleidung, wie er sagt „aus jener Zeit im 19. Jahrhundert“. Die Crew animiert die Passagiere später, beim Segel setzen und Segel einholen zu helfen. Gesagt, getan, jeder macht mit.
Gesagt, getan auch auf der Rückfahrt. Wieder manövriert Captain Bob das Schiff durch die auf Kommando sich öffnende Hydraulikbrücke. Wieder geht es am Lokal Captain Lou’ s vorbei, wo zum Sonnenuntergang am Vorabend die große Terrasse gut besucht war. Hier erwarten Gäste auch vor und nach dem Sundowner coole Getränke und Leckeres für den kleinen und großen Hunger, auch Fisch frisch aus See und Fluss wie Forellen und Lachse. Doch wenn der Himmel klar ist, wolkenlos, dann sind Sonnenuntergänge mit den Füßen im Sand am Strand noch größeres Kino am Lake Michigan in South Haven.
Saugatuck als Beachtown mit renommiertem Kunst-Zentrum und Dünen-Spektakel
Auch Saugatuck bietet sich an für Sonnenuntergänge und zwar an seinem Oval Beach, der schon in etlichen US-Rankings bester Beaches vorn mitspielte. Von Downtown Saugatuck bis zum Beach sind es sechs Kilometer per Auto oder Bike, gemessen vom Ufer des Lake Kalamazoo, wo die kleine, per Kettenzug betriebene Fähre für Fußgänger und Radfahrer ablegt. Sie trägt einen die kurze Strecke nach gegenüber, wo der Mount Baldhead bestiegen werden möchte, und retour.
Der Berg ist 246 Meter hoch, seine letzten knapp 100 Meter sportlich über 303 Stufen je Auf- und Abstieg erobert und belohnt mit Blick über Beach, Dünen und Lake Michigan, besonders schön eben auch, wenn die Sonne untergeht. Aber weder Sunset noch Berg noch Beach noch ein großer Dünenpark im Hinterland machen das Spezielle an Saugatuck aus.
Vielmehr steht Saugatuck vor allem dafür, ein Ort der Kunst zu sein und das seit 1910. In dem Jahr rief die School of the Art Institute of Chicago hier ihre Summer School of Painting als Außenstelle offiziell ins Leben. Nachdem ab rund 1900 studierende Künstler vom Institut in Chicago auf eigene Faust in Saugatuck ihr Sommercamp organisiert hatten, weil sie hier einen ruhigen, im Sommer nicht so heißen Platz fanden, um sich auf ihre Werke zu konzentrieren und in schöner Natur Inspiration zu finden. Das sprach sich herum, ebenso eine gewisse Freizügigkeit in der Freizeit.
Daher tragen Gemälde in ihrem Titel das Wort Saugatuck
Das Kunst-Institut vor Ort heißt inzwischen Oxbow School of Art & Artists‘ Residency und ist weiterhin verbunden zum Art Institute in Chicago.Was einst ganz simpel anfing, ist heute ein Campus, auf dem Künstler auf Zeit leben und arbeiten können, auch im Winter. Das Angebot umfasst Malen, Zeichnen, Töpfern, Schreiben, Bildhauern etc. für Profis und Profis in spe. Aber inzwischen können auch Hobby-Künstler, selbst Anfänger Kurse belegen. Dieses Flair ließ viele Galerien und Kunstgewerbe-Läden im Ort entstehen, in denen nicht nur die lokal arbeitenden Kreativen ihre Werke anbieten. Neu kam 2022 das Ox-Bow House hinzu speziell für Ausstellungen für vor Ort gefertigte Werke, für öffentliche Veranstaltungen wie Künstlergespräche und eine Kunstmesse. Dieses Ox-Bow House entstand im Nachbarort Douglas, der sich scheint’s übergangslos an Saugatuck anschließt und den an sich nur sein Ortsschild als eigene Einheit mit 1.400 Einwohnern outet.
Das alles beschert beim Flanieren durch den Ort auch den Blick auf mehr oder weniger Kunstbeflissene. Und keine Unbekannte mehr, warum Werke etablierter US-Meister wie Albert Krehbiel, die uns Europäern eher weniger sagen, den Namen Saugatuck im Bildtitel tragen; zum Beispiel sein Werk Saugatuck Pastel von 1933 oder Saugatuck Woods von 1930 und entstanden im Camp von Saugatuck mit Motiven der hiesgigen schönen Naturkulisse.
Ganz andere gefragte Künste in den Dünen und am Herd
Ein großer Teil dieser Kulisse gehört heutzutage zum weitläufigen Saugatuck Dunes State Park mit seinen mal flachen, mal welligen Dünen und Hainen von Pinien, Ahorn und Wildkirschen. Diese malerische Sand-Landschaft von 1.000 Acres (400 Hektar) entstand – siehe oben – nach der Eiszeit, als der Sand durch die Flüsse in den Lake Michigan getragen wurde, der Wind aus Westen ihn wieder heraustrug, auf dass sich am Ost-Ufer die Michigan Dunes aufbauten; auf in toto 275.000 Acres (gut 100.000 Hektar) im ganzen westlichen Michigan State am Michigan Lake und derart prominent, dass vom Weltraum aus zu erkennen, wie Bilder zeigen. Kaum zu glauben auch, dass das Areal des Saugatuck Dunes State Park mit seinen Wäldern dereinst auf Jahrzehnte Holz zur Weiterverarbeitung lieferte. Das ist lange Vergangenheit und der botanische Laie sieht heute nichts mehr davon.
Diese Historie wird später Jan erzählen. Der arbeitet in einem speziellen Teil der Dünen, konkret am Saugatuck Goshorn Lake, und zieht ganz andere Gäste an als die Künstlerschar es nach Suagtuck zieht. Denn im Goshorn Lake-Teil der Dünen ist spezieller Autoverkehr erlaubt und fährt an über den Blue Star Highway. In dem Areal sausen nämlich Gäste nach Anmeldung mit geübten Fahrern in Allrad-SUVs durch die Landschaft, die ansonsten auch unter Naturschutz steht. Mit Fahrern wie Jan, der das seit 18 Sommersaisons macht und sich – nach einer kurzen Einführung „on the road“ – davon selbst noch derart begeistert zeigt, als wäre die Erfahrung neu für ihn. Mit breitem Grinsen driftet Jan mit dem Wagen durch den Sand, beschleunigt scheint‘s bis an die Grenzen der Physik von Auto und Mitfahrern.
Der für den Zweck eigens aufgerüstete Dodge SUV scheint alles zu geben, so wie sein Motor heult. Jan hat seine Passagiere natürlich im Blick, fragt, ob jeder okay ist, nimmt je nachdem Drift raus und erklärt dabei einiges zu Flora und Fauna. Auf einmal fährt er richtig ruhig bergan und stoppt. „Bitte alle mal aussteigen und das Panorama genießen. Wir sind am höchsten Punkt der Dünen.“ Der Hügel ist 135 Meter hoch und hat die versprochene schöne Aussicht über Sand und Wald bis Lake Michigan. Auch der Dodge wird bestaunt und Jans Fahrkünste. Er wehrt ab: „Das machen die Reifen und der Sand. Man darf nur nicht an der falschen Stelle Gas geben.“
Kulinarik statt Driften
Ein anderes Must hier am Bluestar Highway ist quasi um die Ecke vom Dünen-Ritt-Areal. Und zwar das angesagte Pennyroyal Café & Provisions und bewirtet auf gekonnt-unprätentiöse Art. Achtung: Weil das Lokal im Grünen liegt, ist man schnell dran vorbeigefahren. Hier kocht Küchenchefin Melissa Corey – „nenn‘ mich Missy“ -, die ihr Handwerk bei preisgekrönten Chefs lernte und selbst 2015 in Chicago als eine Topköchin der Stadt prämiert wurde. Sie kam vor sieben Jahren zurück in ihre „Oase“, wie Missy ihr Geschäft nennt, „auch wegen des Gartens um das Lokal herum“, und kredenzt seither hier modern-leichtes Essen und Selbstgebackenes, ob Croissants oder Küchlein.
Einfach lecker: der schlichte Penny Grilled Cheese oder der deliziöse Spargel-Salat mit Dijon-Senf-Vinaigrette. Einfach verführerisch: Desserts wie Pfannkuchen mit Blaubeeren, aus Michigan natürlich, oder selbst gebackene Kirsch-Mandel-Cones. Seit zehn Jahren ist ihr deutscher Gatte Ryan Beck an Missys Seite – er ist Farmer und Gärtner, versorgt das Lokal mit Produkten aus der Region und ist zugleich ihr Sparring-Partner fürs Geschäftliche. Ryan spricht Englisch: „Mein Deutsch ist schlecht geworden. Seit 25 Jahren lebe ich hier. Wir bauen auch Traditionelles an wie Rhabarber und Kleie. In unseren Beeten am Geschäft ziehen wir unsere Kräuter.“ Geöffnet sei das Pennyroyal auch in den Nebensaisons – „bis auf fünf Wochen im Januar. Dann machen wir zu, dann ist hier richtig Winter und echt romantisch“.
Last, but not least Grand Haven – die städtischste und auch angenehm klein
Die größte und nördlichste Beach-Town im Trio ist Grand Haven, ist von Saugatuck in keiner Stunde erreicht und breitet sich aus zwischen den Sandstränden des Grand Haven State Parks und dem Duncan Memorial Park. Letzterer ist bekannt dafür, dass hier noch Originalwald aus den Zeiten vor der Holzwirtschaft zu bewundern ist und lohnt den Besuch. Gen Norden und Osten wird die Kleinstadt schön flankiert vom Grand River mit Nebenarmen in jede Himmelsrichtung. Grand Haven und seine Bürger geben sich gern großstädtisch, erlauben an Wochenenden das öffentliche Trinken und Mitführen alkoholischer Drinks auf den Straßen im Ortskern, in sogenannten Social Zones. Aber wehe man trägt Becher mit Wein und offene Bierdosen jenseits der Zonen offen mit sich herum.
Was im historischen Wohnviertel entlang der Washington Avenue und ihrer Nachbarstraßen besonders gefällt, sind Alleen mit alten Eichen und Ahornbäumen. Zur Washington Avenue kommt automatisch, wer das Tri-Cities Historical Museum besucht, das einem die Historie früher Siedler usw. erläutert. Oder wer im Washington Street Inn absteigt. Der bekommt ein gepflegtes, familiär-gemütliches B&B geboten und bekommt Input und Stories zur Stadt zu hören – beides auf angenehme Art durch Hausherr Jim. Der führt sein B&B seit knapp 40 Jahren und kann entsprechend viel erzählen von alten und neuen Zeiten. So etwa: „Die Stadt führt das Grand im Namen, weil der Fluss so heißt ob seiner Breite. Aber der Ort hatte auch lange einen vergleichsweise großen Industriehafen, nicht so groß natürlich wie Chicago und Detroit. Und wir hatten viel Möbelindustrie. Heute haben wir ein Theater und ein Krankenhaus. Und natürlich Strand und gute Lokale.“
Um 1960/1970 hätten die Aktivitäten von Industrie und Industriehafen aufgehört, der Tourismus wurde eine Haupteinnahmequelle. Jim: „Selbst Fischerboote sind hier inzwischen eine Rarität.“ Verweist dann auf die Coast Guard vor Ort und dass deren Station seit 1876 ansässig ist – mitsamt ihrer Flotte aus Rettungs- und Kontrollbooten und Eisbrechern. „So behielt Grand Haven eine große Bedeutung.“ Die Eisbrecher seien nötig, weil Lake Michigan schon auch zufriert. „Zudem werden hier Kadetten ausgebildet. Grand Haven nennt sich deswegen selbst auch gern Coast Guard City USA.“ Das habe es auch mit sich gebracht, dass seit 1924 das Coast Guard Fest stattfindet – „das bringt alljährlich Abertausende Besucher nach Grand Haven“. Was dem Besucher auch ohne Festval direkt auffällt, sind die Patrouillen-Boote, die regelmäßig zu ihrer Arbeit aufbrechen oder zurückkommen und dabei über den Grand River fahren, weil am Fluss ihr unauffälliges Headquarter liegt.
Der Ort gibt sich sehr „zivil“, Strandfreuden und Beach-Town-Feeling herrschen vor. So parkt, wer nach Downtown kommt, sein Auto und spaziert am fünf Kilometer langen Boardwalk entlang – bis zum Lake Michigan und dem Leuchtturm von 1839, der nach wie vor operiert. Die Promenade verläuft auf dem einstigen Gelände des früheren Industriehafens, von dem nichts mehr zu sehen ist, und gilt heute mit ihren Lokalen als eine gute Adresse, um zu essen und trinken, auch mit Terrassenbetrieb am Flussufer. Wie etwa im Snug Harbor. Der andere Publikumsmagnet liegt am anderen Ende des Bordwalks im Ort: der Grand Haven Musical Fountain mit seiner Show aus Musik und Licht, der um 1962 jenseits des Flusses installiert wurde und der mit Beginn der Show nach Sonnenuntergang nächtliche Postkartenidylle zaubert.
Was für ein Genuss, wenn dann jenseits des Flusses die Show beginnt: diese Farbenpracht, dieser Sound. Die Musikauswahl von modern bis klassisch. Die Zuschauer bzw. Zuhörer sitzen diesseits des Flusses, haben Strandstühle und Picknick mitgebracht oder sitzen einfach auf dem Rasen. Die Vorstellungen laufen an Wochenenden und Feiertagen von Mai bis September – das ganze gratis. Den Musik-Brunnen gab es in den Anfängen des Tourismus ab 1900 hier im Südosten von Lake Michigan natürlich noch nicht. Da wurde malocht in den Wäldern und Sägewerken und auf den Feldern – auch auf der Obstplantage der Famile Overhiser. Die war damals schon da, hat überdauert wie die einstigen Holzfäller- und Pelzhändler-Käffer, die heute Badeorte sind – gleich drei sehenswerte auf einen Streich.
Wichtige Websites und gut zu wissen
Anreise per Flugzeug: via Detroit und Chicago mit Direkt-Flügen aus und in alle Welt. Weniger bekanntes, näheres Einfallstor zum großen See ist Grand Rapids, Michigans zweitgrößte Stadt mit 100.000 Einwohnern (eine gute Million in ihrer Greater Area). Der Airport ist mit nur einem Zwischenstopp in Detroit und Chicago erreicht. Dann weiter im Leihwagen: knapp 100 Kilometer bis South Haven, 60 bis Saugatuck und 50 Kilometer bis Grand Haven.
Leihwagen am besten schon in Deutschland mieten – etwa als All-In-Paket mit unlimitierten Kilometern bei Alamo www.alamo.de
Allgemeine Reise-Info zum Trio: www.southhaven.org; https://saugatuck.com; https://visitgrandhaven.com
…speziell South Haven: Overhiser Obstplantage www.overhiserorchards. Captain Lou’s www.captainloussouthhaven.com. Lighthouse https://southhavenlighthouse.org. Michigan Maritime Museum, auch für Boot-Trips https://michiganmaritimemuseum.org. B&B Carriage House at the Harbor https://carriagehouseharbor. Wandern auf Ex-Eisenbahn-Linie https://kalhaven.org
…speziell Saugatuck: Kunst-Campus Ox-Bow School of Art & Artists’ Residency www.ox-bow.org. Dünen-Fahrten www.saugatuckduneride.com. Das Pennyroyal Café & Provisions www.pennyroyalprovisions.com. Cruises auf Kalamazoo River und Lake Michigan, auch zur manuell betriebenen Ketten-Fähre www.saugatuckboatcruises.com, Retro-Boote-Verleih https://Retroboatrentals.com
…speziell Grand Haven: Tri-Cities Historical Museum www.tri-citiesmuseum.org. Grand Haven Musical Fountain www.ghfountain.org. Die Restaurants Snug Harbour www.snugharbormi.com und https://gh.oldworld.com. Das Washington Street Inn https://washingtonstreetinngh.com