Lake Michigan Beach

Lake Michigan – 3 Beach-Towns auf einen Streich

Der See im US-Staat Michigan ist groß wie ein Meer. Am südöstlichen Ufer liegen gleich drei Badeorte für erholsam-faule Tage: Grand Haven, Saugatuck, South Haven. Das Trio liegt eng beieinander im Riesenrevier der Great Lakes im Nordosten und ist seit langem Naherholungsregion für Detroit und Chicago. Doch auch Fernreisende können hier schön entschleunigen.

„Wie schön, zwischendurch mal die Hände in den Schoss zu legen“, sagt Alex Overhiser, 28, der Jungbauer der Overhiser Orchards. Die Obst-Plantage gehört zu South Haven, Badeort am Lake Michigan in Michigan State. Die Familie Overhiser hat sie 1863 gegründet und baut speziell Blaubeeren und Pfirsiche, Äpfel und Kirschen an. Junior Alex hat eigens fürs Foto Platz genommen. „Mit mir ist die 6. Generation am Ruder. Mein Vater Allan ist Seniorchef und 5. Generation. Unsere Vorfahren kamen aus Deutschland.“

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Obstplantagen zum Selbstpflücken tragen zur ländlichen Idylle bei; hier Juniorchef Alex von den Overhiser Orchards, gegründet 1863 von den aus Deutschland eingewanderten Overhisers Foto Ulrike Wirtz

Inzwischen bewirtschaftet der Familienbetrieb 300 Acres eigenes Land plus geleaste Flächen, so Alex, studierter Kaufmann. Ein Teil sei Bio-Farm – „hier können die Leute Obst selbst pflücken“. Ein paar Meilen weiter sei der andere Standort – „dort bauen wir große Mengen für die Obst-Industrie an“. 300 Acres gleich gut 120 Hektar im Besitz – gleich „tagtäglich viel Arbeit“. Jedoch nicht für die Leute, die bei den Overhiser Orchards und weiteren Bauern in der Gegend for fun pflücken oder stoppen oder vorbeifahren.

Auszeit an einem See der Superlative mit hohem Erholungsfaktor

Denn viele sind auf dem Weg zum eigentlichen Ziel Lake Michigan, speziell seinem Südost-Ufer mit diesem ländlichen Hinterland und gleich drei Traditions-Badeorten. Sie kommen per Auto oft aus den nahen Mega-Cities Chicago und Detroit, sind Naherholungssuchende und Fernreisende, die über die internationalen Flughäfen beider Großstädte anreisen. Fahren ab Chicago südwestlich in Illinois bis etwa South Haven 200 Auto-Kilometer bzw. 300 von Detroit im östlichen Michigan State bis South Haven. Alex hört immer wieder: „Es ist es einfach schön, im Frühjahr blühende Obstbäume anzusehen, bzw. einladend im Sommer und Herbst zum Selbstpflücken anzuhalten.“

Die drei Badeorte reihen sich am Seeufer von Süden nach Norden betrachtet auf wie folgt: erst South Haven, danach Saugatuck, dann Grand Haven. Zu zweien ist es von den Overhiser Orchards nur einen Katzensprung: nach South Haven zehn Kilometer, 25 nach Saugatuck. Bis Grand Haven sind es zwar 80 Kilometer, aber meist schön durchs Grüne; erst die Interstate 196 North, dann links ab auf die US 31 namens Lake Shore Avenue wegen des See-Panoramas. Die Kilometer auch nur ein Katzensprung, gemessen allein an der Größe des Sees.

Abendstimmung wie am Meer - hier wie in Grand Haven Foto Ulrike Wirtz
Abendstimmung wie am Meer, hier in Grand Haven Foto Ulrike Wirtz

Und egal wo man ans See-Ufer tritt: Der Blick fällt auf Wasser bis zum fernen Horizont – und Schiffe; in der Ferne Transporter, die ihre Bahnen ziehen, näher und nahe an Land Fischerboote, Motor- und Segelyachten auf Cruise-Tour. Ein See, der groß wirkt wie ein Meer. Lake Michigan ist mit seiner Fläche von 58.000 Quadratkilometer so groß wie die der Schweiz. Der 536 Quadratkilometer große Bodensee passt gut 100 Mal hinein. Als Teil der Greater Lakes, wie die Region der Großen Seen im Nordosten der USA an der Grenze zu Kanada heißt, macht  Lake Michigan dem Namen alle Ehre, hat obendrein außer Michigan State noch die drei US-Bundesstaaten Illinois, Indiana und Wisconsin als Anrainer.

Die Region hat Alleen wie diese in South Haven.Foto Ulrike Wirtz
Alleen zum Cruisen und Genießen, hier in South Haven Foto Ulrike Wirtz

Drei Orte, die sich eher ähneln, so dass die Wahl zur Qual werden kann. Nicht nur weil jeder Ort seinen eigenen Fluss hat. Die Flüsse schlängeln sich vom Hinterland kommend durch die Orte, sorgen mit ihrem grün bewachsenen Ufern für noch mehr Idylle und münden dann in den See. Im Ort in Grand Haven der Grand River und in South Haven der Black River. Durch Saugatuck fließt der Kalamazoo River, weitet sich im Zentrum allerdings aus zum kleinen See Lake Kalamazoo und fließt erst jenseits des Orts in Lake Michigan Die Beliebtheit des Trios an der südöstlichen See-Seite erklärt sich mit teils kilometerlangen Sandstränden, mit zahlreichen Wassersportmöglichkeiten und weitläufiger Dünenlandschaft und daran angrenzend die von Overhiser und anderen bestellten Felder und Wiesen. Dünen entstanden aus xyyx.

Dünenlandschaft bei Saugatuck Foto Ulrike Wirtz
Dünenlandschaft zum Wandern und Durchatmen bei Saugatuck Foto Ulrike Wirtz

Kleinster Ort des Trios ist Saugatuck mit 865 Einwohnern; größer sind South Haven (4.000) und Grand Haven (11.000); jeweils gezählt die ganzjährig vor Ort Lebenden. Erst durch ihre Urlaubsgäste werden sie zu Orten mit Betrieb, wobei die Downtowns trotz Läden, Lokalen und Boutiquen sich das Gemütliche bewahrt haben. In den drei Orten warten Hotels, Bed & Breakfast und Ferienwohnungen. Vor allem Saugatuck und South Haven gefallen durch alte Architektur schön restauriert und haben daher einen gewissen Retro-Schick. Grand Haven als größter Ort betont hingegen weniger das Retro, vielmehr sein Town-Flair mit Theater und Krankenhaus.

Eine Qual der Wahl unter den Dreien – besser noch alle drei auf einen Streich

Dass die Stimmung allerorten von Frühjahr bis Herbst die meiste Zeit relaxt ist, bekomme ich erzählt, als im Juni vor Ort. Und dass in der Hauptsaison es auch hektischer werden kann, nämlich wenn Sommerferien sind oder zu den langen freien Wochenenden Memorial Day und Labour Day. Das gilt noch mehr, wenn zugleich ein Festival stattfindet, etwa das Blueberry Festival in South Haven (heuer 6. – 8. August), das Saugatuck Art Festival (25. und 26. Juli) oder das Coast Guard Fest in Grand Haven (24. Juli – 1. August), letzteres mit Tradition seit 1924.

Was dereinst Siedler wie die Familie Overhiser veranlasste, sich hier am süd-östlichen Ufer niederzulassen, prägt bis heute die Erholungsfaktoren rundum mit. Obstbauer Overhiser Junior schwärmt: „Klima und Lage sind phantastisch. Wir liegen mit unseren Flächen nur 15 Autominuten vom Ufer entfernt und bekommen viel Wetter vom See. Das heißt warme Sommer und kalte Winter regelmäßig mit Schnee. Im Frühjahr und Herbst ist es heiter mit genug Regen. Und wir haben gute Böden.“ Und früher gab es in der Region riesige Wälder, die kommerziell genutzt wurden. Somit arbeiteten Siedler aus Europa auch als Holzfäller, bauten Sägewerke, wurden Fallensteller, Fischer und Pelzhändler und brachten ihre Produkte anfangs über die Wasserwege zu ihren Abnehmern. Die Orte South Haven, Saugatuck und Grand Haven waren geboren,

Grand Haven Tri-Cities Historical Museum mit Nachbau einer alten Logger-Hütte Foto Ulrike Wirtz
Nicht nur das Grand Haven Historical Museum erklärt detailreich und liebevoll die Historie der Region; hier die nachgebaute Schlafhütte eines Holzfäller-Camps Foto Ulrike Wirtz

Ab Anfang des 20. Jahrhunderts kamen immer mehr Touristen, parallel ging die kommerzielle Waldnutzung zu Ende. Auf dass Hoteliers, Gastronomen und ähnliche die althergebrachten Berufe ablösten. Außer den Bauern, so dass Äpfel, Kirschen und anderes Leckeres weiter im guten Seeklima wachsen und gedeihen. Was anfangs See und Dünen und ländliches Hinterland auf die touristische Landkarte brachte: der aufkommende Trend zur Naherholung, so nachzulesen in South Haven am North Shore Drive auf einem Schild des Michigan Historical Center. Der Grund dieser schönen Entwicklung war laut Schild die Neuerfindung des Autos. Und weil diese damals den Wohlhabenden gehörten, entstanden in den drei Orten entsprechend gehobene Unterkünfte in Gebäuden die teils noch heute ihre Dienste tun. Doch dazu später.

Heute finden sich Erholungssuchende, Wassersportler und Kunstfans ein, früher kamen Siedler aus Europa

Was Besucher heutzutage so alles tun: je nach Wetter und Jahreszeit faul im Sand am Strand liegen, in South Haven an kilometerlanger North und South Shore, in Saugatuck am Oval Beach, der zwar kürzer ist, dafür preisgekrönt, oder im Grand Haven State Park, aufgeteilt in die Kategorien Familien, Hunde etc. Viele Gäste kommen, um zu wassersporteln: je nach Lust, Laune und Können per Kajak auch auf einem der drei Flüsse, per Segelboot und Kite auf dem See groß wie ein Meer. Andere machen Strandspaziergänge oder wandern auf den Trails, die von den Badeorten landeinwärts gehen.

Villa im Retro-Schick nicht weit vom See in South Haven Foto Ulrike Wirtz
Auch heute schön zum Wohnen – Villa im Retro-Schick nicht weit vom See in South Haven Foto Ulrike Wirtz

Besonders und überregional dehnt sich der Kal Haven Trail. aus, führt ab South Haven 34 Meilen, 55 Kilometer, landeinwärts nach Westen zur Stadt Kalamazoo und das auf der Eisenbahntrasse von 1887, die 1971 aufgegeben und rückgebaut wurde. Die Bahnlinie transportierte neben Passagieren gerade auch die Früchte der Region und wurde daher auch Fruit Line genannt. Mit Stilllegung übernahm wieder die Natur, und Hiker und Biker, aber keine Motorbikes, wandern genüsslich durch Wälder, Weiler und offenes Farmland.

South Haven mit besonders maritimem Flair

Das Trio hat viel Vergangenes und Heutiges gemeinsam – doch jeweils vor Ort stellen sich gewisse Highlights heraus. So wohnt es sich in South Haven am North Shore Drive vor dem Strand mit dem feinen hellgrauen Sand besonders schön: in schicken Ferienapartments im Landhausstil nicht höher als zwei, drei Etagen direkt am Beach. In den Straßen dahinter gefallen Villen mit Veranden und gepflegten Gärten. Das setzt sich ähnlich am südlichen Strand von South Haven fort. Kein Hochhaus weit und breit. Die langen Sandstrände unterteilt nur durch die Mündung des Black River.

Im Ort lässt sich vieles zu Fuß erreichen. Dabei geht es an schön erhaltener alter Architektur vorbei wie der 1906 erbauten Carnegie Library oder wie das älteste Haus im Ort, errichtet 1853 bis 1856 als Farmhaus der Familie Bailey und heute als Liberty Hyde Bailey Museum & Gardens liebevoll gepflegt, zur Besichtigung offen und eine wahre Zeitreise. In die Reihe des Retro-Schicks passt auch das oben erwähnte Carriage House at the Harbor, 1886 als schmuckes Privathaus erbaut, seit 1920 Gästehaus, später und bis jetzt ein Bed & Breakfast. Hier wohnt es sich zentral und doch ruhig, während vor der Haustür ein Park mit alten Eichen wartet und unterhalb ein Steg mit Booten, die sanft im Wasser schaukeln.

The Carriage House at the Harbor B&B und erbaut 1886 Foto Ulrike Wirtz
The Carriage House at the Harbor,1886 schmuckes Wohnhaus, heuer komfortables B&B Foto Ulrike Wirtz

In South Haven ist das Maritime offensichtlich, zum Beispiel durch den Yachthafen am Black River nicht weit von dem Punkt, wo der Fluss in den See mündet. Hier liegt Boot an Boot – Segel- und Motoryachten und vereinzelt Fischerboote. Genau am Punkt, wo sich Black River und Lake Michigan treffen, steht South Havens alter Leuchtturm, der noch immer sein helfendes Licht für die Schiffahrt sendet. Der Turm ist nur 35 Feet (elf Meter) hoch, fällt dennoch ins Auge, da gestrichen in kräftigem Rot. Er sei einer von vieren in Michigan, die erhalten sind, weiß Jim Ollgaard, Präsident der Historical Association South Haven, zu erzählen. „Unser Leuchtturm stammt von 1903, ersetzte seinen Vorgänger von 1872 und wanderte 1913 um 130 Meter an seinen heutigen Platz.“ Ollgaard schaut gerade am Leuchtturm nach dem Rechten und sagt auch mit Bedauern: „Besucher dürfen ihn nicht mehr besteigen.“

Historisches Boot ganz aus edlem Mahagony Foto Ulrike WIrtz
Bereit für Romantik-Tour wie anno dazumal – historisches Boot aus edlem Mahagony Foto Ulrike WIrtz

Mehr Maritimes bietet das Michigan Maritime Museum im Yachthafen und hat am Quai vor seiner Tür wahre Schätze liegen: alte Boote teils echt, teils Replika, und gegen Ticket für zwei-stündige Touren mit Skipper buchbar. So das Original von 1929: ein schnittiges Holzboot aus edlem Mahagoni ohne Kajüte und sein heutiger Motor bis zu 35 MpH schnell. Es heißt Merry Time und verspricht romantisch-frohe Zeiten auf See und Fluss. „Mit solchen Booten wurden Gäste früher zu ihrem Feriendomizil geschippert oder machten Sunset-Cruises mit Picknick“, erzählt Kapitän Bob später an Bord des Segelschiffs, auf dem er seit acht Jahren zahlende Gäste for fun über den See fährt. Sein Schiff ist die Replika eines Lastenseglers namens Friends Good Will und auch zu buchen für Cruises von morgens bis abends mitsamt Sonnenuntergang auf dem See.

Bob’s Tour an besagtem Juni-Tag ist fast ausgebucht. Drei Leute Crew hat er an Bord und stellt alle/alles kurz vor: „Ich bin aus Michigan und war früher bei der US-Coast-Guard. Die Crew bildet eine Berufs-Bootsfrau, ansonsten Freiwillige. Die sind gut angelernt, manche sowieso Hobbysegler.“ Die Friends Good Will sei 101 feet lang (knapp 35 Meter) und 2004 gebaut. „Mit solch einem Lastenschiff segelten um 1800 Quaker von Großbritannien in die neue Welt. Später transportierte es auch Produkte wie angebauten Tabak.“ Während Bob erzählt, macht die Crew alles klar zum Ablegen. Sie trägt wie der Captain traditionelle Kleidung, wie er sagt „aus jener Zeit“. Die Crew animiert die Passagiere später, beim Segel setzen und Segel einholen zu helfen.

Alter Lastensegler mit Captain Bob und Crew Foto Ulrike Wirtz
Passend zum alten Lastensegler tragen Captain Bob (vorn) und Crew historische Kleidung Foto Ulrike Wirtz

Gesagt, getan, auch auf der Rückfahrt. Wieder manövriert Captain Bob das Schiff durch die auf Kommando sich öffnende Hydraulikbrücke. Wieder geht es am Lokal Captain Lou’ s vorbei, wo zum Sonnenuntergang am Vorabend die große Terrasse gut besucht war. Hier erwarten Gäste auch vor und nach dem Sundowner coole Getränke und Leckeres für den kleinen und großen Hunger, auch Fisch frisch aus See und Fluss wie Forellen und Lachs. Doch wenn die Sonne scheint, der Himmel klar ist, dann sind Sonnenuntergänge mit den Füßen im Sand am Strand noch größeres Kino am Lake Michigan in South Haven.

Saugatuck als Beachtown mit renommiertem Kunst-Zentrum und Dünen-Spektakel

Desgleichen hat Saugatuck auch zu bieten, aber erst muss eigens der Weg zum Oval Beach absolviert sein. Dahin sind es sechs Kilometer per Auto oder Bike von Downtown Saugatuck – sagen wir vom Ufer des Lake Kalamazoo, wo die kleine, per Kettenzug betriebene Fähre für Fußgänger und Radfahrer ablegt. Sie trägt einen die kurze Strecke nach gegenüber, wo der Mount Baldhead bestiegen werden möchte, und retour.

Saugatuck Chain Ferry, genannt Diane Foto Ulrike Wirtz
Die Mini-Fähre fährt ganz retro durch Kettenzug über den Kalamazoo-See in Downtown Foto Ulrike Wirtz

Der Berg ist 246 Meter hoch, seine letzten knapp 100 Meter über 303 Stufen sportlich bei Auf- und Abstieg erobert und belohnt mit Blick über Beach, Dünen und Lake Michigan, besonders schön eben auch, wenn die Sonne untergeht. Aber weder Sunset noch Berg machten Saugatuck einst zum Reiseziel.

Modern wohnen in Saugatuck Foto Ulrike Wirtz
In modern-schlichter Architektur wohnen eher wenige in Saugatuck Foto Ulrike Wirtz

Vielmehr steht Saugatuck vor allem dafür, ein Ort der Kunst zu sein und das seit 1910. In dem Jahr rief die School of the Art Institute of Chicago hier ihre Summer School of Painting als Außenstelle offiziell ins Leben. Nachdem ab rund 1900 studierende Künstler vom Institut in Chicago auf eigene Faust in Saugatuck ihr Sommercamp organisierten hatten, weil sie hier einen ruhigen, im Sommer nicht so heißen Platz fanden, um sich auf ihre Werke zu konzentrieren und Inspiration zu finden. Das sprach sich herum, ebenso eine gewisse Freizügigkeit in der Freizeit. Das Kunst-Institut vor Ort heißt: Oxbow School of Art & Artists‘ Residency und ist weiterhin verbunden zum Art Institute in Chicago.

Daher tragen Gemälde in ihrem Titel das Wort Saugatuck

Die Keimzelle von einst ist heute ein Campus, auf dem Künstler auf Zeit leben und arbeiten können, auch im Winter. Das Angebot umfasst Malen, Zeichnen, Töpfern, Schreiben, Bildhauern etc. für Profis und Profis in spe. Aber inzwischen können auch Hobbykünstler, selbst Anfänger Kurse belegen. Dieses Flair ließ viele Galerien und Kunstgewerbe-Läden im Ort entstehen, in denen nicht nur die lokal arbeitende Künstler-Schar ihre Werke anbieten. Neu kam 2022 das Ox-Bow House hinzu speziell für Ausstellungen für vor Ort gefertigte Werke, für öffentliche Veranstaltungen wie Künstlergespräche und eine Kunstmesse. Dieses Ox-Bow House entstand im Nachbarort Douglas, den an sich nur sein Ortsschild als eigene Einheit mit 1.400 Einwohnern outet.

Das alles beschert beim Flanieren durch den Ort den Blick auf mehr oder weniger Kunstbeflissene. Und kein Wunder, dass Werke etablierter US-Meister wie Albert Krehbiel, die uns Europäern eher weniger sagen, den Namen Saugatuck im Titel tragen; zum Beispiel sein Bild Saugatuck Pastel von 1933 oder Saugatuck Woods von 1930 und entstanden im Camp von Saugatuck mit Motiven der schönen Naturkulisse hier.

Ganz andere gefragte Künste in den Dünen und am Herd

Ein großer Teil dieser Naturkulisse: der weitläufige Saugatuck Dunes State Park mit seinen mal flachen, mal welligen Dünen und Hainen von Pinien, Ahorn und Wildkirschen. Diese malerische Sand-Landschaft von 1.000 Acres (400 Hektar) entstand nach der Eiszeit, als der Sand durch die Flüsse in den Lake Michigan getragen wurde, der Wind aus Westen ihn wieder heraustrug, auf dass sich am Ost-Ufer die Michigan Dunes aufbauten; auf in toto 275.000 Acres (gut 100.000 Hektar) im westlichen Michigan State am Michigan Lake und derart prominent, dass vom Weltraum aus zu erkennen, wie Bilder zeigen. Davon ein Teil um Saugatuck. Unter besonderen Naturschutz gestellt, hat sich das Gelände im Saugatuck Dunes State Park nach Jahrzehnten Abholzung wieder erholt und lockt Wanderer an, wird später Jan erzählen.

Denn ein Areal der Dünen konkret am Saugatuck Goshorn Lake ist speziellem Autoverkehr vorbehalten, nur der darf überhaupt hier rein, und ist erreichbar über den Blue Star Highway. In dem Areal sausen Gäste nach Anmeldung mit geübten Fahrern in Allrad-SUVs durch die Landschaft, die ansonsten auch unter Naturschutz steht. Mit Fahrern wie Jan, der das seit 18 Sommersaisons macht und sich davon so begeistert zeigt, als wäre die Erfahrung neu für ihn. Mit breitem Grinsen driftet Jan mit dem Wagen durch den Sand, beschleunigt scheint‘s bis an die Grenzen der Physik von Auto und Mitfahrern.

Dünentripp mit Fahrer Jim Foto Ulrike Wirtz
Dünentripp mit Fahrer Jim (vorn mit Käppi) und seine Kunst, richtig zu entschleunigen Foto Ulrike Wirtz

Der für den Zweck eigens noch aufgerüstete Dodge SUV scheint alles zu geben, so wie sein Motor heult. Jan hat seine Passagiere natürlich im Blick, fragt, ob jeder okay ist, nimmt je nachdem Drift raus und erklärt dabei einiges zu Flora und Fauna. Auf einmal fährt er richtig ruhig bergan und stoppt. „Bitte alle mal aussteigen und das Panorama genießen. Wir sind am höchsten Punkt der Dünen.“ Der Hügel ist 135 Meter hoch und hat die versprochene schöne Aussicht über Sand und Wald bis Lake Michigan. Auch der Dodge wird bestaunt und Jans Fahrkünste. Er wehrt ab: „Das machen die Reifen und der Sand. Man darf nur nicht an der falschen Stelle Gas geben.“

Kulinarische Kunst findet quasi um die Ecke vom Dünen-Ritt-Areal statt. Und zwar im angesagten Pennyroyal Café & Provisions und das auf gekonnt-unprätentiöse Art. Achtung: Weil das Lokal im Grünen liegt, ist man schnell dran vorbeigefahren. Hier kocht Küchenchefin Melissa Corey – „nenn‘ mich Missy“ -, die ihr Handwerk bei preisgekrönten Chefs lernte und selbst 2015 in Chicago als eine Topköchin der Stadt prämiert wurde. Sie kam vor sieben Jahren zurück in ihre „Oase“, sagt Missy, „auch wegen des Gartens um das Lokal herum“ und kredenzt nun hier modern-leichtes Essen und Selbstgebackenes, ob Croissants oder Küchlein.

Pennyroyal - sein frischer Salat mit grünem Spargel_ Foto Ulrike Wirtz
Im Pennyroyal einfach und gut essen – hier frischer Salat mit grünem Spargel Foto Ulrike Wirtz

Einfach lecker der schlichte Penny Grilled Cheese oder der deliziöse Spargel-Salat mit Dijon-Senf-Vinaigrette. Verführerisch Desserts wie Pfannkuchen mit Blaubeeren, aus Michigan natürlich, oder selbst gebackene Kirsch-Mandel-Cones.

Seit zehn Jahren ist ihr deutscher Gatte Ryan Beck an Missys Seite – er ist Farmer und Gärtner, versorgt das Lokal mit Produkten aus der Region und ist zugleich ihr Sparring-Partner fürs Geschäftliche. Ryan spricht Englisch: „Mein Deutsch ist schlecht geworden. Seit 25 Jahren lebe ich hier. Wir bauen auch Traditionelles an wie Rhabarber und Kleie. Und hier rund um das Lokal ziehen wir unsere Kräuter.“ Geöffnet sei das Pennyroyal auch in den Nebensaisons – „bis auf fünf Wochen im Januar. Dann machen wir zu, dann ist hier richtig Winter und echt romantisch.“

Die Owner des Pennyroyal Missy (Mitte) und Ryan (li. Autorin und Foto Ulrike Wirtz)
Eingespieltes Team im Pennyroyal – Missy und Ryan. (li. im Bild Autorin und Foto Ulrike Wirtz)

Last, but not least Grand Haven – die städtischste und doch auch angenehm klein 

Die größte und nördlichste Beach-Town im Trio ist von Saugatuck in keiner Stunde erreicht und breitet sich aus zwischen den Sandstränden des Grand Haven State Parks und dem Duncan Memorial Park, in dem noch Originalwald aus den Zeiten vor der Holzwirtschaft zu bewundern ist. Gen Norden und Osten wird die Kleinstadt flankiert vom Grand River mit Nebenarmen in jede Himmelsrichtung. Grand Haven und seine Bürger geben sich gern großstädtisch, erlauben etwa an Wochenenden das öffentliche Trinken und Mitführen alkoholischer Drinks auf den Straßen im Ortskern, in sogenannten Social Zones. Aber wehe man trägt Becher mit Wein und offene Bierdosen jenseits der Zonen offen mit sich herum.

Social Zone in Grand Haven Foto Ulrike Wirtz
Social Zone in Grand Haven – in der Zone darf Alkohol im Becher offen mitgeführt werden Foto Ulrike Wirtz

Was im historischen Wohnviertel entlang der Washington Avenue und ihrer Nachbarstarßen gefällt, sind Alleen mit alten Eichen und Ahornbäumen. Zur Washington Avenue kommt automatisch, wer das Tri-Cities Historical Museum besucht, das einem die Historie früher Siedler usw. erläutert. Wer im Washington Street Inn absteigt, kommt in ein gepflegtes, familiär-gemütliches B&B, und bekommt zugleich Input zu Stadt und Stories. Hier empfängt Hausherr Jim seit knapp 40 Jahren seine Gäste und erzählt von alten und neuen Zeiten: „Die Stadt führt das Grand im Namen, weil der Fluss so heißt ob seiner Breite. Aber der Ort hatte lange einen vergleichsweise großen Industriehafen, nicht so groß natürlich wie Chicago und Detroit. Und wir hatten Möbelindustrie. Heute haben wir ein Theater und ein Krankenhaus. Und natürlich Strand und gute Lokale.“

Sunset in Grand Haven am schicken Restaurants Notus Foto Ulrike Wirtz
Sunset am schicken Restaurant Notus – fast feierliche Stimmung Foto Ulrike Wirtz

Um 1960/1970 hörten Industrie und Industriehafen auf, der Tourismus wurde eine Haupteinnahmequelle. Jim: „Selbst Fischerboote sind hier inzwischen eine Rarität.“ Und verweist dann auf die Coast Guard vor Ort und dass deren Station ansässig ist seit 1876 mitsamt ihrer Flotte aus Rettungs- und Kontrollbooten und Eisbrechern. „So behielt Grand Haven eine große Bedeutung.“ Die Eisbrecher seien nötig, weil Lake Michigan schon auch zufriert. „Zudem werden hier Kadetten ausgebildet. Grand Havennennt sich deswegen selbst auch gern Coast Guard City USA.“ Das brachte es mit sich, dass seit 1924 das Coast Guard Fest stattfindet – „das bringt alljährlich Abertausende von Besuchern nach Grand Haven“ (Jim).

Coast Gard operiert von Grand Haven aus Foto Ulrike Wirtz
Die Coast Gard sitzt in Grand Haven am Grand River, kehrt im Foto zurück vom Lake Foto Ulrike Wirtz

Wer nach Downtown kommt, parkt sein Auto und spaziert am fünf Kilometer langen Boardwalk entlang – bis zum Lake Michigan und dem Leuchtturm von 1839, der nach wie vor sein helfendes Licht aussendet. Die Promenade folgt dem einstigen Gelände des früheren Industriehafens, von dem nichts mehr zu sehen ist, und ist heute eine gute Adresse, um zu essen und zu trinken, auch mit Terrassenbetrieb direkt am Flussufer. Wie etwa im Snug Harbor. Die Promenade, die mit See und Leuchtturm endet, hat in Downtown noch einen wahren Publikumsmagneten: der Grand Haven Musical Fountain mit seiner Show aus Musik und Licht, der um 1962 jenseits des Flusses installiert wurde und mit Beginn der Show Postkartenidylle zaubert.

Der Grand Haven Musical Fountain ist am Abend die Attraktion für groß und klein Foto Ulrike Wirtz
Der Grand Haven Musical Fountain ist am Abend die Attraktion Foto Ulrike Wirtz

Was für ein Genuss, wenn mit dem Einsetzen der Dämmerung jenseits des Flusses die Show beginnt. Sie läuft an Wochenenden und Feiertagen von Mai bis September. Was für ein guter Sound. Und das ganze gratis. Das gab es in den Anfängen des Tourismus ab 1900  hier im Südosten von Lake Michigan noch nicht. Da wurde malocht in den Feldern und Sägewerken – wie auch auf der Obstplantage der Famile Overhiser. Die war damals schon da, hat überdauert wie die einstigen Holzfäller- und Pelzhändler-Käffer, die heute Badeorte sind – gleich drei auf einen Streich.

Wichtige Websites und gut zu wissen

Anreise per Flugzeug: über Detroit und Chicago mit Direkt-Flügen aus und in alle Welt. Weniger bekanntes, näheres Einfallstor zum großen See: Grand Rapids, Michigans zweitgrößte Stadt mit 100.000 Einwohnern (eine gute Million in ihrer Greater Area); der Airport ist mit nur einem Zwischenstopp in Detroit und Chicago erreicht. Dann weiter im Leihwagen: knapp 100 Kilometer bis South Haven, 60 bis Saugatuck und 50 Kilometer bis Grand Haven.

Leihwagen am besten schon in Deutschland mieten – als All-In-Paket mit unlimitierten Kilometern bei Alamo www.alamo.de

Allgemeine Reise-Info zum Trio: www.southhaven.org; https://saugatuck.com; https://wisitgrandhaven.com

…speziell South Haven: Overhiser Obstplantage www.overhiserorchards. Captain Lou’s  www.captainloussouthhaven.com. Lighthouse https://southhavenlighthouse.org. Michigan Maritime Museum, auch für Trips mit den alten Booten https://michiganmaritimemuseum.org. B&B Carriage House at the Harbor https://carriagehouseharbor. Wandern auf Ex-Eisenbahn-Linie https://kalhaven.org

…speziell Saugatuck: Kunst-Campus Ox-Bow School of Art & Artists’ Residency www.ox-bow.org. Dünen-Fahrten www.saugatuckduneride.com. Das Pennyroyal Café & Provisions www.pennyroyalprovisions.com. Cruises auf Kalamazoo River und Lake Michigan, auch zur manuell betriebenen Ketten-Fähre www.saugatuckboatcruises.com, Retro-Boote-Verleih https://Retroboatrentals.com

…speziell Grand Haven: Tri-Cities Historical Museum www.tri-citiesmuseum.org. Grand Haven Musical Fountain www.ghfountain.org. Die Restaurants Snug Harbour www.snugharbormi.com und https://gh.oldworld.com. Das Washington Street Inn https://washingtonstreetinngh.com

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