Piazza del Popolo

Exklusive Reisetipps Rom

»Vedi Napoli e poi muori! « – Neapel sehen und sterben, das auch von Goethe bei seiner Italienreise adoptierte Wortspiel, ist ursprünglich der süditalienischen Stadt Neapel gewidmete. Doch das Zitat wurde schon früh zur Liebesbezeugung an die römischen Metropole am Tiber. Es ist Ausdruck der Begeisterung, die den Reisenden überfällt, wenn er über die gepflasterten Gassen und Prachtstraßen Roms durchschreitet und überwältigt von den Eindrücken „sterben“ will.

Was ist das besondere Flair der „Ewigen Stadt“? Ist es Caesar, Nero und die Macht des römischen Imperiums und ihrer Prachtbauten Kolosseum oder Pantheon, die seit Jahrhunderten die Pilger und „Cavallieri“ auf Bildungsreise beeindrucken? Oder ist es etwa der „Heilige Stuhl“, der Petersdom und die unzähligen Basiliken? Oder etwa die Kunst des Michelangelo Caravaggio oder die barocken Brunnen und Skulpturen (David) von Gian Lorenzo Bernini?

Fontana-die-Trevi
Fontana-die-Trevi
Rundblick Kolosseum

Wer sich in Demut von Denkmal zu Denkmal und von Fresko zu Fresko schleppt und den Atem der Geschichte auf den müden Sklaven-Schultern verspürt, saugt trotzdem die unvergleichliche Leichtigkeit des römischen „Dolce Vita“ ein, Star-Regisseur Fellini lässt grüßen. Es ist eben diese Faszination, die von den Römern selbst ausgeht, die diese unglaubliche Atmosphäre aus buntem Leben und Genießen in der Stadt verströmt: Was erlaube Marcello Mastroanni und Anita Ekberg im Trevi-Brunnen?

Andiamo Ragazzi

Angekommen auf dem Platz der „Santa Maria Maggiore“ in einem fünfstöckigen Patrizierhaus mit monströsem Eingangsportal aus vier Meter hohen, uralten Eichenflügeltüren, treten wir in ein Atrium mit Marmortreppen und ruckelnden Aufzügen Baujahr 1920. Eine riesige vier-Zimmer-Wohnung bietet reichlich Platz für vier bis sechs Personen.

Haus an der S. Maria Maggiore
Haus an der S. Maria Maggiore
S. Maria Maggiore
S. Maria Maggiore

Das Viertel zwischen Palatino, dem zentralsten der sieben Hügel Roms, und der Stazione Termini, dem Hauptbahnhof, ist zentraler Platz aller touristischen Sehenswürdigkeiten von der Spanischen Treppe, über die Fontana die Trevi bis zum Kolosseum. Eingerahmt wird dieser Touristenspot von den lässigen Vierteln San Lorenzo und Monti. Hier kann man auf und ab Straßencafés und kleine Läden abklappern und stößt etwa in der Via Baccina auf den versteckten Mercato Monti.

Dort wird noch typisch Obst, Fisch und Gemüse aus der Region feilgeboten und natürlich auch die berühmten frischen Teigwaren gemacht. Da bleibt noch die Zeit für einen kleinen Caffè (Espresso 1,50 €) oder Cappuccino.

Rom sehen und lieben - Mercato Monti
Mercato Monti

Rom sehen – Take the Bus

Was nicht unbedingt per pedes bewältigt werden soll, kann nicht besser als mit dem Bus in Angriff genommen werden. Während der Fahrt tauchen an fast jeder Ecke Gärten, Häuser und Sehenswürdigkeiten auf, die man ansonsten sicher nicht auf dem Zettel hat. Sinnvoll dazu ist das Metrebus-Ticket für die Reisetage.

Rom verfügt auch über drei U-Bahnlinien, die jedoch kaum den gleichen Spaß vermitteln. Rundfahrten mit den verschiedenen Hop-on-hop-off-Bussen sind praktisch, um die vielen Sehenswürdigkeiten abzuklappern, Achtung jedoch auf dem Oberdeck: In den Alleen ragt so mancher Ast doch ziemlich weit nach unten.

Definitiv gewöhnungsbedürftig ist, dass Einem auch mit einem City-Pass kaum freier Einlass ohne Warten gewährt wird. Ohne Reservierung geht gar nichts. Das mag beim Vatikan, teils Wochen im voraus, und beim Kolosseum, meistbesuchte Attraktion Europas, noch angehen. Aber auch bei anderen Sehenswürdigkeiten und Museen ist nachmittags der Besuch wegen „Überfüllung“ meist nicht mehr möglich.

Rom sehen – Shoppen auf dem Corso

Eingangsportal Piazza del Popolo

Wer unbedingt Meter zum Shoppen machen will, kann das auf der Einkaufsmeile Via del Corso von der Piazza del Popolo durch das Centro Storico bis zur Piazza Venezia. Das Schönste daran sind die fantastischen Plätze am Anfang und am Ende und die zwei beeindruckenden Basiliken Santa Maria und San Giacomo am Wegesrand. Exklusivere Adressen und Alta Moda gibt es hingegen an der Piazza di Spagna, an der Spanischen Treppe.

Unnötig alle bekannten Sehenswürdigkeiten Roms aufzuzählen, was deren eindrucksvolle und überwältigende Pracht keineswegs schmälert, ganz im Gegenteil. Natürlich gibt es aber, wie überall, Orte, Prachtbauten und Kunst, die beim Sightseeing nicht unmittelbar im Vordergrund stehen. Und davon gibt es in Rom unglaublich viele, die neben den großen Attraktion ebenfalls bestehen. So beispielsweise das Zisterzienserkloster Tre Fontane von 1140 außerhalb der Stadt-Mauern in einem Tälchen, der Via Acque Salvie.

See im Park Villa Borgese
Pavilion Villa Borgese

Ein Hort der Ruhe und Entspannung, um das Gewimmel der Großstadt einmal kurz hinter sich zu lassen. Dazu zählt sicher auch der Park der Villa Borgese, mit seinem berühmten Museum und den dort verstreuten Skulpturen. Am Wochenende lagern hier die Römer zum Picknick mit Bruscetta und Prosecco ganz „casuale“ neben dem piekfeinen Dressurpark einfach auf dem Rasen.

Hotspot über Rom

Blick über Rom_(eurowings)
Blick über Rom (eurowings)

Wer sich noch was ganz Besonderes gönnen möchte, der fährt nach dem Fußmarsch vom Vatikan zum Castel Sant‘ Angelo mit dem Klein-Bus vom Viertel Ponte aus nach Trastevere. Dieser schlängelt sich dann über Serpentinen auf einer Privatstraße hoch nach Garibaldi (ein berühmter römischer Freiheitskämpfer).

Dort findet sich, mit dem Denkmal und dem Parco Belvedere Fornaci im Rücken, der absolute Hotspot: ein sagenhafter Blick über Rom, Cocktail-Bar inklusive. Anschließend fährt es sich bequem durch ein pompöses Villenviertel bergabwärts nach Trastevere weiter, wo sich der Tag trefflich beschließen lässt.

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Aperol und Campari

Höchste Zeit, sich mit den kulinarischen Höhepunkten des römischen Lebens zu beschäftigen. Natürlich gibt es überall Pizza und Eis, aber da haben sich schon Legionen von Genießern dran abgearbeitet, ohne zu einem generellen Ergebnis zu kommen. Sämtliche Empfehlungen unterliegen wie überall der Prüfung mit eigenem Sachverstand und Geschmack. Aber Aperol Spritz und Campari sind die ungeschlagenen Opener für gemütliche Stunden.

Antipasti, Pasta Casa, Secondi e Dolci

Dann allerdings öffnet sich das Tor zum Himmel der Genüsse: frische Teigwaren wie Ravioli mit köstlichen Füllungen aus Ricotta und Spinat, Strozzapreti, Tonnarello und Tagliolini mit Saucen wie Sugo di Coda, eine Ochsenschwanz-Bolognese, begleitet von Pecorino Romano, oder doch die unvergleichliche Carbonara mit Guanciale, ein luftgetrockneter Speck aus der Schweinebacke .

Carciofo-fritto
Carciofo-fritto
Carbonara-mit-Guanciale
Carbonara-mit-Guanciale

Und dann gibt es da noch die herrlichen Vorspeisen neben den Üblichen: Carciofo fritto, frittierte Artischocken mit Knoblauch, oder frittierte Gnocchi mit Pecorino, schwarzem Pfeffer und Pistazien, um nur Einige zu nennen. Polpette, Fleischbällchen in Tomatensugo, und Arancini, frittierte Reisbällchen mit Füllung, gehören zum Standard der L’Osterien.

Wer möchte, kann natürlich auch eine pizzaähnliche Pinse mit Mozzarella, Trüffel und Salsiccia probieren. Dazu einen eiskalten weißen Pecorino Bio aus den Abruzzen oder einen Primitivo aus Puglia. Einfach köstlich!

Rom sehen – Abhängen in Trastevere

Come-Na-Vorta-in-Trastevere
Come-Na-Vorta-in-Trastevere
Frische-Ravioli-in-Arbeit
Frische-Ravioli-in-Arbeit

Angesagtes Viertel zum Ausgehen und Essen ist beispielsweise Trastevere (trans tiberim) am westlichen Tiberufer und Testaccio am anderen Ufer. Dort kommt man einfach nicht an der L’Osteria Nannarella von 1930 an der Piazza di S. Calisto vorbei. Eindeutig festzustellen an der Frequenz der einheimischen Gäste und der üblichen Schlange beim Einlass. Alternativ bietet sich in den Sträßchen des In-Viertels auch das Come ‚Na Vorta in der Vincolo de Cinque an.

Vergeblich bleibt allgemein der Versuch, telefonisch einen Tisch zu reservieren. Das Warten wird einem allerdings charmant versöhnt mit einem kleinen Prosecco und, wenn man Glück hat, mit coolem Jazz einer Straßen Combo aus richtigen Könnern. So bluest „Sunny“ von Bobby Hepp durch die winkligen Gässchen, und die Welt ist wieder schwer in Ordnung.

Combo in Trastevere
Combo in Trastevere
Austern-zur-Wahl
Austern-zur-Wahl

Ist Rom das bessere Paris?

Nach dem Essen, es wird erwartet, dass der Gast rasch den Tisch wieder freigibt, bietet das Viertel wirklich alles an kleinen Bars mit und ohne Musik und für jeden Geschmack. Hier pulsiert das bunte Leben, ohne jedoch den Hauch von Abzocke zu versprühen. Auf dem Nachhauseweg empfiehlt sich ein Abstecher auf die Fußgängerbrücke Ponte Sisto, wo allabendlich Straßenmusiker ihr Publikum mit Rock’n Roll Chartbrakern zum Mitsingen begeistern. Und, was ist es nun, was den Unterschied zu anderen Metropolen ausmacht? Es ist eben diese Mischung aus einfachem, süßem Genuss und Lebensfreude, die mediterrane, seidige Luft, gepaart mit dem Hauch der stolzen römischen Geschichte, die Rom so unvergleichlich macht.

Info-Kasten

Anreise

Für die meisten Besucher wird die Anreise wohl über den Flughafen Leonardo da Vinci in Fiumicino (FCO), 32 km von der City Roms entfernt, erfolgen. Praktischerweise geht von dort der Leonardo-Express für 14 Euro direkt in die City zur Stazione Termini (Hbf), es fährt aber auch ein Bus für ca. 6 Euro. Die Taxi-Kosten sind pauschal auf den Wagentüren außen ausgewiesen, ca. 50 Euro. Es lohnt sich das Ticket Metrebus für alle Reisetage.

metrebus_Ticket
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Sehenswürdigkeiten

Mit „Rom sehen und sterben“ ist es nicht weit her, wenn Sie nicht weit vorher einen Einlasstermin vereinbaren. Das gilt für den Vatikan mit seinen verschiedenen Attraktionen und für das Kolosseum ebenso, wie für die meisten anderen Highlights wie Pantheon, Forum Romanum oder Museen und Ausstellungen. Ein City-Pass macht daher Sinn, wird aber von der Praxis vor Ort überholt, da nachmittags kaum noch Besucher zugelassen werden.

Strategie

Mit dem Bus sieht man Rom am besten und es ist relativ preiswert. Tatsache ist jedoch, dass auch bei genauer Planung pro Tag leicht ca. acht Kilometer zu Fuß absolviert werden. Und das geschieht zumeist auf hubbeligem Kopfsteinpflaster. Daher ist vernünftiges Schuhwerk dringend erforderlich.

Genießen

Natürlich sitzt der Römer zum Essen und Trinken draußen. Tische reservieren ist telefonisch kaum möglich, man stellt sich eben lieber an. Schlau ist, sich Zeiten zu wählen, die nicht sosehr von den Einheimischen bevorzugt werden. Wobei die Römer abends nicht so spät essen, wie die Spanier.

Abreise

Erstaunlicherweise sind die kritischen Sicherheitskontrollen vor dem Abflug in Fiumicino bestens organisiert. Zügig werden Gruppen zum Scanner vorgelassen, wo es eigene Standorte zum Sortieren der Habseligkeiten gibt, ohne die Schlange zu behindern. Die Scanner-Schalen kommen frisch desinfiziert aus dem Automaten und das Personal ist ausnehmend freundlich und hilfreich. Was für eine schöne Überraschung!

Il Redentore

Venedig – zwischen Traum und Albtraum

Auf der Suche nach den versteckten Schätzen der Lagunenstadt – ein Rundkurs abseits vom Rialto-Rummel

Autor: Peter Morner/Archiv 2010

Im August ist es in der kleinen Altstadt mit ihren gerade mal 60 000 Einwohnern zu heiß und im Winter regnerisch, kalt und ungemütlich. Und im Rest des Jahres? Da drängeln und schieben sich übers Jahr Millionen Besucher über Markusplatz und Rialto-Brücke. Das auf überfüllten Terrassen am Wasser und auch sonst als „Touristenmenu“ angebotene Essen ist eher mies. Eine halbe Stunde Gondelfahrt kostet sage und schreibe Richtung 80 bis 100 Euro. Hunderte von Taschendieben treiben ihr Unwesen. Billiger Kitsch wartet zu überhöhten Preisen in reihenweise aufgestellten Souvenirbuden auf abzuzockende Käufer. In drückender Sommerhitze mischen sich Gerüche der schwitzenden Menschenmassen mit denen der Lagune.

Venedigs weltberühmte Lagune

Venedig ein Albtraum? – „Ja und nein“, antwortet Martina Boffelli, deren Mutter aus Würzburg der Liebe wegen nach Venedig kam – deshalb das perfekte deutsch der staatlich autorisierten Fremdenführerin –, diplomatisch. „Ich zeige meinen staunenden Gästen gern ein total verborgenes Venedig, eine wunderbare zauberhafte Perle, wie sie nur die wenigsten Besucher meiner Stadt für sich entdecken.“ Unser Treffpunkt ist der erst vor wenigen Jahren für 125 Millionen Euro sorgfältig renovierte Altbau – eine ehemalige Nudelfabrik -, seit 2007 das Hilton Hotel auf der Insel Giudecca und nicht viel mehr als einen weiten Steinwurf vom zentral gelegenen Markusplatz entfernt, von ihm getrennt lediglich einige hundert Meter durch das Wasser der Adria.

Hilton Molino Stucky

Gelegentlich gestattet das Hotel Gästen und lieb bittenden Besuchern den Aufstieg auf den Turm der Molino Stucky, der einst mit Abstand größten Nudelfabrik Italiens. Keine Frage, der Rundumblick von hier oben ist der wohl unübertroffen schönste weit über die Lagune und die vielen kleinen Inseln, über weiße Kreuzfahrtschiffe, gewaltige Kathedralen, Kanäle und Paläste der altehrwürdigen Dogenstadt. Da kosten royale Hotel-Suiten auch über 10.000 Euro die Nacht. Martina Boffelli deutet mit der Hand auf ein Fabrikgebäude tief – ebenfalls auf Giudecca.

Venezianische Traditonen

Es ist nur durch einen winzigen Kanal – über den eine Brücke führt – vom mächtigen, rot leuchtenden Hotel getrennt: Fortuny. Giuseppe Iannó ist der Chef des Hauses, öffnet selbst auf das Klingeln das Fabriktors und macht später sogar den Weg frei in einen verwunschenen Park. Über den Gründer der Fabrik Mariano Fortuny könne er stundenlang erzählen, so Giuseppe. Fortuny war geborener Katalane aus Granada, brachte es zum angesehenen Maler, begehrten Designer, zum pfiffigen Erfinder, Fotograf, Architekt, Bühnenbildner. Er war, wie die Venezianer liebevoll sagen, ein echter „Leonardo da Vinci des Kunstgewerbes“ des 20. Jahrhunderts. Auf den von ihm um 1920 entwickelten Maschinen werden – sogar streng geheim – noch immer wie Seide glitzernde Baumwollstoffe hergestellt. Sie sind gedacht für erlesene zum spontanen Kauf einladende Tagebucheinbände ebenso wie für – von den berühmtesten Innenarchitekten von New York bis Paris verwendeten – Tapeten mit zeitlos modernen Mustern des Jugendstils, für Möbelbezüge oder Kissen und auch Damenkleider vom Feinsten.

.Traditionshandwerk Edelstoffe

Aber nicht nur die Fabrik ist ein versteckter Schatz auf der Insel Giudecca. Der Palazzo Fortuny am Campo San Beneto stellt die einmalige Märchenkulisse für eine Bühne der ganz besonderen Art dar. Denn gleich neben der Fabrik Fortuny braute früher „Dreher“ sein venezianisches Bier. Heute haben am noch immer in den Himmel ragenden Brauerei-Schornstein Künstler aus aller Welt ihre Ateliers gemietet. Da arbeiten etwa die junge, talentierte und dazu hübsche Argentinierin Carolina Raquel Antich ebenso wie der eigenwillige 29jährige Riccardo Muratori und der Römer Daniele Bianchi. Sie erklären den das grüne Kleinod aufsuchenden wenigen Besuchern gern, wie sie ihre Kunst durch die Lagunenstadt Venedig veredeln. Klingeln also erlaubt bei den Künstlern auf der Insel Giudecca, die früher ein billiger Arbeitervorort mit großen Fabriken war; sogar die deutschen Junghans-Uhrenwerke produzierten hier. Heute gilt es als extrem schick, auf dem beschaulichen Eiland zu wohnen.

Brautradition in Venedig

Einen Schatz ganz anderer Art: die Kirche „Il Redentore“ mit Kloster und Klostergarten. An der Pforte steht Franziskaner Agostino und führt auf freundliches Nachfragen gern durch Kirche und Kloster. Und erzählt derweil vom Fest aller Feste Venedigs: „Wie jedes Jahr wird am dritten Wochenende des Juli – dieses Jahr am 18. Juli – wieder in Erinnerung an die ganz Venedig im 16. Jahrhundert so verheerend heimsuchende Pest das Fest der Feste aller Venezianer mit tausenden Booten auf dem Canale della Giudecca, einem riesigen Feuerwerk und einer eigens errichteten Pontonbrücke über den Kanal gefeiert.“ Und erzählt weiter, dass noch 25 Mönche das Kloster bewohnen. Es geht auch in den riesigen Klostergarten. Der liegt direkt am Wasser hinter einer uralten, schon teils verwitterten Mauer, verströmt eine geradezu würdige Stille und ist so leicht nicht wieder zu finden.

Klosterkirche Il Redentore

Kirchen gibt es in Venedig ungefähr 130. Ein Muss für Pater Agostinos: „seine“ von Andrea Palladio gebaute Votivkirche „Il Redentore“. Ebenfalls ein Muss – gegen drei Euro Eintritt: die dreischiffige Santa Maria Gloriosa dei Frari. Auf deren Besuch besteht die auf ihre Stadt – bei aller Kritik – stolze Venezianerin Martina Boffeli . Und das nicht nur deshalb, weil Tizian in der großartigen Pfeilerbasilika begraben liegt. Vielmehr sind hier zwei von Tizians Hauptwerken zu bewundern. Und das von Niemandem übertroffene tizianrot auf dem prächtigen Bild der Himmelfahrt Maria.

Szenenwechsel. Auf der anderen Seite des Kanals –  in der Altstadt von Venedig – am Campo San Trovaso befindet sich eine der zwei noch komplett echte venezianische Gondeln herstellenden Werften. „Gondeln, so schreibt es das Gesetz streng vor“, erklärt der Besitzer der klitzekleinen Werft,  „müssen in Venedig alle schwarz sein. Sie sind in alter Tradition sämtlich asymmetrisch gebaut und bestehen aus genau sieben verschiedenen Holzarten – von der Eiche bis zur Ulme.“ Genau 425 lizensierte Gondeln gibt es in der Stadt. Ohne die Dekoration, die allein bis zu 30 000 Euro kosten kann, ist bei Lorenzo delle Toffale eine nagelneue Gondel für rund 20 000 Euro zu haben.

Venedigs Gondeln sind schwarz

Mittagszeit: Jenseits der von Nepplokalen beherrschten Altstadt weiß Guide Martina Boffelli ein auf örtliche Meeresfrüchte spezialisiertes, dennoch nicht so teures Restaurant und zwar nicht weit von der die zwei Hälften der Altstadt verbindenden Rialto-Brücke. „Hier holt der Wirt die echte Adria-Dorade morgens noch frisch vom Markt und macht es nicht wie einige andere Köche hier, die den Farmfisch billig einkaufen und gutgläubigen Touristen als echte Meerdorade teuer anbieten.“ Anders eben die anheimelnde Trattoria „Antiche Carampane“, genauer ihre Tische in der Gasse davor. Hier sitzt man übrigens direkt im ehemaligen Rotlichtdistrikt San Cassiano, in dem die vom regierenden Dogen peinlich genau lizensierten Damen einst barbusig Kunden lockend aus den Fenstern schauten. Gleich um die Ecke geht es mit der an solche alten Liebeshändel erinnernde „Ponte delle Tette“, der Brücke der Brüste, über einen winzigen Kanal.

Wer nach Venedigs verborgenen Schätzen sucht, begibt sich zudem zur nur schwer, praktisch nur von Kennern zu findenden Scala Contarini dai Bovoio, der weltberühmten 1499 auf Geheiß von Pietro Contarini im Innenhof seines Palastes errichteten Treppe, die ein wenig dem schiefen Turm von Pisa ähnelt.

Scala Contarini dai Bovoio, 1499 von Conatrini

Wer eine venezianische Maske erwerben möchte, der wird beim Kunsthandwerker des „Casanova“ in San Polo gut beraten. Und nicht weit vom Artigianato „Casanova“ lädt die famose Cioccolateria VizioVirtù – ganz unübersehbar an den vielen, leckeres Gefrorenes lutschenden Leuten – zum Gelato oder zum Kauf erlesener Schokoladen-Patisserien ein.

Venezianische Masken

Für das Abendessen geht es zurück aus der quirligen Altstadt auf die Insel Giudecca und konkret in das seit Generationen im Familienbesitz befindliche Restaurant „Trattoria Altanella“. Auf dessen von viel Grün umrankten Terrasse unmittelbar am Wasser haben bereits der Dichter Ernest Hemingway und Filmstar Robert de Niro diniert. Das Altanella ist mit Sicherheit die angenehmste und lauschigste kulinarische Adresse auf der Insel Giudecca und Beispiel par excellence der zu Recht so gelobten italienische Küche.

Menschenleerer Markusplatz

Die Entdeckungstour auf der Suche nach den versteckten Perlen Venedigs findet um Mitternacht ihren überraschenden Abschluss: Da wartet ein schmuckes Wassertaxi nur einige wenige Schritte neben dem Restaurant „Altanella“ in der Calle delle Erbe. In schneller Fahrt geht es unter strahlend leuchtendem  Sternenhimmel zum  derweil fast menschenleeren Markusplatz. Dort tanzt umschlungen und weltvergessen ein einsames Paar. Vor dem Café Florian spielt in der lauen Nachtluft die Kapelle eine letzte, eine deutsche Melodie: „Schau mich bitte nicht so an….“ Ob die Musiker damit voller venezianischem Humor ihre eigene Stadt gemeint haben?

Venezianische Masken

Wichtig zu wissen und Websites

Venedig ist über den internationalen Flughafen Marco Polo erreichbar. Von dort stimmt eine nicht einmal halbstündige Bootsfahrt zur zehn Kilometer entfernten Insel Giudecca auf die Lagunenstadt ein. Die beschauliche Insel liegt gegenüber Venedigs quirliger Altstadt. Hotelpackages wie das vom Hilton Molino Stucky beinhalten oft schon den Transport im komfortablen hauseigenen Wassertaxi (www.molinostuckyhilton.it). Die Fremdenführerin dott.ssa Martina Boffelli ist zu erreichen über die Website www.tourguidevenice.com. Info über die Fabrik Fortuny im Web www.fortuny.com. Die Trattoria Altanella, Giudecca Calle delle Erbe 268, hat die Telefonnummer +39-41-5227780, das Altstadt-Restaurant Antiche Carampane 041-5240165 www.antichecarampane.com. Da beide Restaurants begehrt sind, ist eine Reservierung erforderlich. Sehr Leckereses bietet die Cioccolateria Vizio Virtù in der Sestiere Polo www.viziovirtu.com. Die Monate Mai und Juni sind für einen Venedig-Besuch, so sagen die Venezianer, die schönste Jahreszeit.

Peter Morner (+)