News und Tipps, recherchiert auf der IPW in Fort Lauderdale/Florida und relevant über Fußball-WM hinaus
Das Deutsche WM-Team machte erst einen Zwischenstopp in Chicago mit Traumlage am Lake Michigan im US-Staat Illinois und ist nun in ihr WM-Quartier in Winston-Salem/North Carolina umgezogen. Reiseziel USA: Das Turnier findet statt seit 11. Juni in Kanada, Mexiko und USA – und endet mit dem Finale am 19. Juli in New York-New Jersey. Die USA als Reiseziel freut sich über Touristen aus aller Welt im Rahmen der Fußball-WM und darüber hinaus. Das war die Botschaft Ende Mai auf der IPW, der größten Reisemesse der USA mit Teilnehmern ebenfalls aus aller Welt: Reiseanbieter und Reisekäufer, Destinations- und Reiseorganisationen und nicht zuletzt Medienvertreter. Die IPW findet alljährlich statt, dieses Mal und erstmalig in Fort Lauderdale im Sunshine-State Florida (im letzten Jahr in Chicago) und wird veranstaltet von der U.S. Travel Association, der Vereinigung der US-Reiseindustrie, im Verbund mit Brand USA als großer, internationaler Marketing-Verbund. https://www.ipw.com; https://www.ustravel.org; https://www.thebrandusa.com; https://www.fortlauderdale.com
Fort Lauderdale ist mit Tropenflair ein internationales Topziel für Urlaub und Meetings Foto Ulrike Wirtz
Heuer in Fort Lauderbale zählte die IPW knapp 5.000 Teilnehmer aus über 50 Ländern, auch aus Deutschland, darunter auch Lebensart-Reise-Autorin Ulrike Wirtz. Bei der dreitägigen Veranstaltung fanden 75.000 Business-Termine statt, immer im Fokus die Attraktivität und Vielseitigkeit der USA als Reiseziel von der Ost- bis zur Westküste, von Mega-Cities bis zu Städtchen, von karger Wüstenei bis zu tropischer Pracht (Reisen im Überblick: www.americathebeautiful.com). Die Anziehungskraft als Reiseziel ist trotz aller Unwägbarkeiten und Kritik ungebrochen: Die Anzahl der USA-Besucher, wie auf der IPW veröffentlicht, lag 2025 bei insgesamt 68 Mio. Reisenden. Die meisten Besucher kamen 2025 aus Mexiko (17,98 Mio., macht 26 % Marktanteil), aus Kanada (16,02 Mio.; 23 %) und Großbritannien (4,06 Mio.; 6 %). Aus Deutschland reisten 1,77 Mio. an, gegenüber 1.84 Mio. (2023) und 1,99 Mio. (2024).
Setzt auf Symbole demokratischer Kraft mit Abraham Lincoln und Kapitol im Bild – Geoff Freeman, U.S. Travel Association Foto Ulrike Wirtz
Die U.S. Travel Association und Brand USA betonten zudem, dass neue Maßnahmen die Einreise verbessern, klärten über Fehleinschätzungen auf, die sich via mancher Medien ausbreiten. Zu den neuen Erleichterungen, von denen gerade auch die Bürger aus der EU profitieren, gehören die Einstellung 5.000 zusätzlicher TSA-Officer; die Reduzierung von Visa-Wartezeiten, die Verwendung neuer Scanner an Airports; nicht zuletzt die Ausdehnung des ESTA-Einreisesystems, das auch Deutsche bei der Einreise bevorzugt behandelt.
Get Facts. Get Going – Fakten statt Fake News zur Einreise nach USA
Ein brennendes Thema behandelte die IPW, indem sie sich den Bestimmungen zur Einreise nach USA inklusive Gebühren und auch den Ticketpreisen für Nationalparks widmete. Zumal weil auch in Deutschland immer wieder verschärfte Kontrollen ins Feld geführt werden und Reisende abschrecken; Kontrollen auch rund um die Social Media Accounts Einreisender durch CPB-Officer, wie die Kontrolleure der U.S. Customs and Border Protection am Port of Entry kurz genannt werden. Doch sind die herumwabernden Info Fakten oder Fake News, fragt man sich. Damit das Vertrauen in die USA wieder hergestellt bzw. bekräftigt wird, legten U.S. Travel Association und Brand USA eigens eine Informationsplattform mit den geltenden Einreise-Bestimmungen auf.
Fakten zur Einreise – zusammengefasst von U.S.Travel Association und Brand USA als Antwort auf die Fake-News-Welle
Sie nennt sich: „Get Facts. Get Going.“ Einfach den Link eingeben https://qrco.de/bgoKCv; schon geht es zur Website Visittheusa.com/entry mit allen wichtigen Einreise-Info auf Englisch – nach dem Motto: Die Planung von US-Trips soll spannend, nicht verwirrend sein. Die Website nennt dann Fragen, und beim Anklicken poppt die Antwort auf. Als erstes die Frage, ob internationale Reisende noch in den United States erwünscht sind? Die Antwort: Sie sind willkommen, dann heißt es Before you go, wieder anklicken und verlinken auf die amtliche Seite www.travel.state.gov. Fakten sind demnach: Deutsche wie andere europäische Bürger reisen als Touristen nach wie vor vereinfacht mit ESTA ein (Electronic System for Travel Authorization als Teil des Visa Waiver Program); das gilt für Aufenthalte an einem Stück von weniger als 90 Tagen und bei Verwendung eines elektronisch lesbaren Passes. ESTA passt für deutsche Urlauber wie Geschäftsleute. Die Gebühr beträgt aktuell 40,27 US-$.
Wer länger als 90 Tage an einem Stück bleibt, aber auch wiederum nur auf eine bestimmte Zeit, braucht ein Visum – ein Non Immigrant Visa – und muss es beizeiten im Konsulat (etwa Berlin, Frankfurt, München) beantragen; Details siehe www.travel.state.gov. Non Immigrant Visa benötigen zum Beispiel Studenten, abgestelltes Personal (Intracompany Transferees), Künstler, Athleten oder Journalisten. Hier fallen je nachdem Gebühren von 185 $ bzw. 205 $ an. Aber: Nach wie vor zahlt man nicht die angedrohten 250 $ extra, die so genannte Visa Integrity Fee, besagt die offizielle Seite. Fake News also, wer anderes behauptet.
Sicher gehen mit der offiziellen Seite der U.S. Customs und Border Protection Foto Ulrike WIrtz
Was die Prüfung von Social-Media-Aktivitäten angeht: Der offizielle ESTA-Antrag – von der offiziellen ESTA-Website – fragt nicht danach, Social-Media-Aktivitäten, Passwörter oder private Nachrichten offenzulegen www.esta.cbp.dhs.gov. Die Get Facts Get Going-Initiative verweist ausdrücklich aber darauf, nur die offizielle ESTA-Antragsseite zu nutzen, da andere Anbieter-Websites womöglich anderes behaupten. Und natürlich gilt: Die Fragen im ESTA-Prozess sind wahrheitsgemäß zu beantworten. Die Einreise über ein genehmigtes ESTA ist generell zwei Jahre möglich, gilt also für diverse Einreisen im Zwei-Jahres-Zeitraum. Auch fällt keine erneute Gebühr an, es sei denn wegen Zeitablauf braucht es ein neuer ESTA.
Zügige Einreise in die USA
Wer am Port of Entry vor dem Immigration-Officer steht, wird mit den üblichen Fragen konfrontiert: Zweck der Reise, wie lange in den USA, wo zuerst, wie viel Cash dabei. Dabei läuft der elektronische Prozess: Fingerabdrücke, Foto vom Gesicht biometrisch. Bei all dem heißt es: Wie es in den Wald ruft, so schallt es hinaus. Man antwortet höflich und kooperativ, hat Pass und erste Unterkunft (Hotel-Name und Adresse) parat. No goes beim Warten oder vor dem Officer: telefonieren, Nachrichten checken oder senden, fotografieren. Geduld kann nötig sein oder auch nicht. Aufgrund eigener Erfahrung: An vielen Flughäfen läuft meist die Einreise zügig ab, zuletzt selbst gesehen in JFK/New York, in Miami, Los Angeles, San Francisco oder Chicago.
Reisetipps und News aus dem Land – mitgebracht von der IPW
2026 stehen auf der speziellen Agenda für Reisen ins Land der unbegrenzten Möglichkeiten neben der WM die US-weiten Festivitäten zu 250 Jahre Unabhängigkeit der USA von Europa. In zwei Jahren finden die Olympischen Spiele in Los Angeles statt. Auf der Liste der Dauerbrenner locken Klassiker wie Erkundungstage in New York City und Road-Trips etwa über die Route 66, die natürlich auch nach ihrem 100. Geburtstag in diesem Jahr weiterhin attraktiv bleibt, oder durch die Wüste Süd-Kaliforniens. Weniger bekannte Ziele: etwa kleine Beach-Towns am Lake Michigan im Nordosten Chicago‘s, dessen Beach gerade auch die deutschen WM-Kicker genießen konnten. Hier nun einige spezielle Tipps.
Salt Lake City/Utah – Besucher aus aller Welt bekommen 2027 die einmalige Gelegenheit, den der Öffentlichkeit generell verwehrten Salt Lake Tempel in Salt Lake City zu besichtigen. Das verkündete das staatliche Tourismusbüro anlässlich der Reisemesse in Fort Lauderdale. Der Tempel ist Teil der Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage, zu der Mormonen gehören, und wurde 1853 prachtvoll mit Ornamenten außen und vielen Zimmern innen erbaut. Der Tempel ist nur Mitgliedern mit Empfehlungsschreiben ihres Bischofs vorbehalten. Nun wird er seit inzwischen sechs Jahren restauriert und steht nach Vollendung der Arbeiten zur Feier des Tages kurz für jedermann offen und zwar vom 5. April bis 1. Oktober 2027.
Rarität und Olympia in Salt Lake City
Der Tempel ist bombastisch und schmückt eine riesige religiös bestimmte Anlage, die auf 40.000 Quadratmeter auch Bürogebäude und Konferenzzentrum in Salt Lake City umfasst.
Der Salt Lake City Tempel öffnet 2027 nach sechsjährigen Bauarbeiten ein paar Monate für jedermann Foto Matt Morgan/Visit Utah
Ein Ensemble, das die Atmosphäre in der Stadt der Olympischen Winterspiele 2002 und der künftigen 2034 beherrscht. Der Tempel ist Kernstück der riesigen Religions-Einrichtung und gilt von innen als prachtvoll, hat viele Zimmer, wie auf einem Modell zu sehen ist, und wirkt geheimnisvoll schon von außen wegen seiner symbolträchtigen Ornamente. Dass es von seinem Innern nur wenige alte Fotos gibt, macht zusätzlich neugierig auf die einmalige Gelegenheit 2027. Insider rechnen denn auch nicht zeitnah mit weiteren Besuchsmöglichkeiten. Die Restaurierung war nötig geworden, weil die Gegend mit ihrem Hochgebirge als Erdbebenregion gilt. Daher wurden entsprechende Vorrichtungen und Absicherungen auf neuestem Standard eingebaut. Tickets müssen online angefragt werden.
Nur ein Meisterwerk der Natur in Utah – die legendäre Felsformation Devils Kitchen in Juab County Foto Hamel Seth
Der US-Bundesstaat Utah bekommt Winter-Olympia erneut wegen seiner Hochgebirgslage und lockt immer schon Besucher gerade auch im Winter an – wegen seiner Top-Schneebedingungen. Ikonische Ziele für Gäste aus aller Welt sind zudem Utahs fünf Nationalparks, die sogenannten Mighty Five: Zion, Bryce Canyon, Arches, Canyonlands und Capitol Reef. Besucher erreichen Stadt und Bergstaat gut über den internationalen Salt Lake City Airport, der als wichtiges Einfallstor der Mountain States, wie auch der Nachbarstaat Colorado, gilt. Der Flughafen bietet nach jüngstem Ausbau 94 Gates. https://www.visitutah.com
New Orleans – mehr als Karneval und Jazz
New Orleans/Louisiana – Die Südstaaten-Metropole mit viel karibischem Flair wird 2027 die IPW ausrichten. Doch noch ist 2026 – New Orleans feiert nun einen ihrer bekanntesten Bürger: Louis Armstrong, den weltberühmten Jazztrompeter und Sänger. Denn am 4. August 2026 jährt sich der Geburtstag von Lewis Armstrong zum 125. Mal, sein Todestag, 6. Juli 1971 in New York City, keine vier Wochen zuvor zum 55. Mal. Gründe genug, ihm, einer der bedeutendsten Musiker des 20. Jahrhunderts, in seiner Geburtsstadt zu gedenken. „what a wonderful world”, “when the Sainsts go marching in”, “dream a little dream of me”, um nur einige Klassiker vom auch Satchmo genannten Louis Armstrong zu nennen.
Der legendäre Louis Armstrong – Startrompeter aus New Orleans
Besonders feiern wird ihn das alljährliche Satchmo SummerFest am 1. und 2. August, das am New Orleans Mint, ein ikonischer Bau und inzwischen Teil des Louisiana State Museum, stattfindet. Das Mint liegt um die Ecke vom historischen French Quarter mit der berühmt-berüchtigten Bourbon Street, die erste Adresse für Nachtschwärmer in der Jazz-Stadt, und widmet dem Musiker Lesungen, Konzerte etc. Das Louis Armstrong House Museum begeht seinen Jahrestag ab 1. Oktober mit der Ausstellung „Armstrong in Ghana“. Und die Clubs und Bars nicht nur im French Quarter werden in der Traditionsstadt des Jazz zu seinen Ehren noch mehr Platten auflegen als ohenhin schon.
Die Ehrungen für Louis Armstrong sind natürlich nicht die ersten, die ihm zuteilwerden. So widmete ihm das New Orleans Jazz Museum, zentral in der Stadt gelegen, seit 2024 eine Dauerausstellung mit dem Titel „It all started in Jane Alley: Louis Armstrong in New Orleans“ – mit Fokus auf seine Kindheit, sein Leben als Jugendlicher und seinen musikalischen Mentor Joe „King“ Oliver. www.nolajazmseum.org. Die Stadt und der US-Bundessaat Louisiana verewigten ihn zudem schon 2001 besonders, indem der internationale Flughafen von New Orleans zu seinem 100. Geburtstag nach ihm benannt wurde.
Im historischen French Quartar von New Orleans warten idyllische Straßenansichten Foto Ulrike Wirtz
Die Metropole im Südosten von Louisiana nahe Golf-Küste lockt ihre Besucher – auch die internationale Reiseindustrie und Medienvertreter aus aller Welt auf der IPW 2027 – mit ihrer französisch-kreolischen Kultur und bietet eine entsprechende Kulinarik – legendär die Cajun-Küche mit Gumbo (Eintopf mit Reis) und Jambalaya (Gericht mit Garnelen, Gemüse und Reis) sowie die Po Boys, die riesigen Sandwiches, auch „dressed“, dann mit Saucen etc.. Außer den Kneipen und Clubs und ihren musikalischen Events wartet der elegante Garden District mit hochherrschaftlichen Villen und Alleen, die neue Riverfront zum Verweilen und der berühmte Mardi Gras jedes Jahr im Frühjahr. Und wenn auch oft schlecht zu verstehen – vielerorts wird französisch gesprochen. https://www.neworleans.com
New York – die Stadt, die niemals schläft
New York City/New York State – Auf der IPW letztes Jahr in Chicago hat sich die Metropole als Luxus-Stadt präsentiert, wollte ihre internationalen Besucher für die teuren Hotels, Restaurants und Boutiquen in der Mega-City begeistern (siehe Lebensart-Reise.com). Alles wirklich hipp hier. Auf der diesjährigen IPW verwies das Marketing-Team von New York City wieder auf ihre Stadt auch als gute Adresse für kleinere Reise-Budgets www.nyctoursim.com/free. Hier attraktive Beispiele:
+ NYC Restaurant Week – sie findet im Juli und August quer durch alle fünf Stadtteile statt, also auch Brooklyn oder Queens, und verspricht gutes Dining zu Festpreisen und zwar 30 $, 45 $ oder 60 $. Zwar nicht wirklich günstig, aber für New York City in der Tat schon Schnäppchen. Die teilnehmenden Restaurants bieten die Fix-Preis-Essen zum Lunch oder Dinner an oder beides. Welche Restaurants mitmachen, wird zeitnah auf der Website oben unter dem Stichwort „NYC Restaurant Week“ veröffentlich
+ Zehn Festivals über den Sommer, die keinen Eintritt kosten, allen voran die traditionellen Konzerte im Central Park unter dem Namen „SummerStage“ und vor 40 Jahren gestartet. Das Programm reicht von Klassikkonzerten mit Stars der Metropolitan Opera über Jazz und R&B-Shows bis zu Techno-DJ-Shows. Oder das Sommer-Programm „Shakespeare in the Park“, ein weiteres Event mit Tradition im Central Park und zwar im Delacorte Theater. Oder „Summer for the City”, dargeboten vom Lincoln Center. Das Programm läuft bis zum 8. August und umfasst etliche Kunst-Events – von modernem Tanz bis zu klassischem Gesang. Mehr siehe auf der oben genannten Website.
Der Central Park bei Nacht – what a feeling und gratis Foto NYC
+ Das Budget schonen auch freie Kino-Nächte unter freiem Himmel und zwar bis zum 18. September 2026. Die Location sind perfekt, nämlich Bryant Park direkt an der New York Public Library in Downtown, Hudson Yards direkt am Hudson River und Coney Island im Süden von Brooklyn am Meer gelegen (www.nycgovparks.org).
+ Sie sind nicht nur günstige Transportmittel – die Fähren der NYC-Ferry. Denn Fahrten kosten vier $ – so preiswert lässt sich die Skyline vom Wasser aus selten betrachten. Dafür sorgen Fährverbindungen über East und Hudson River, Upper und Lower Bay sowie nach Queens oder Bronx. Der zentrale Terminal der NYC-Ferry liegt an Pier 11 nahe Wall Street, also im Süden von Manhattan. Sogar kostenlos für Fußgänger ist die Staten Island Ferry, deren Boote am orangefarbenen Anstrich zu erkennen sind. Die fahren von Manhattans Südspitze zur Insel Staten Island nach Südwesten und retour und kommen dabei an der Freiheitsstatue vorbei. Für den Blick fahren viele nur hin und direkt wieder her. Dabei lohnt ein Ausflug über Staten Island. auch wegen ihrer Orte mit teils hübscher alter Architektur.
Symbol der Freiheit und gut aus der Nähe von der Staten Island Ferry zu sehen – Statue of Liberty Foto NYC
Vom DFB in New York City – Zur Fußball-WM hat das German House of Soccer in Manhattan auf vier Wochen seine Tore geöffnet. Hier finden Public Viewing, Live-Events, Talks und die Pflege deutscher Fußball-Kultur statt, wie es offiziell vom Hauptorganisator DFB heißt. Er möchte damit Fans, Medien, Partner und Fußballbegeisterte aus aller Welt, unterwegs vor Ort in New York, erreichen. Die Location liegt zentral im Chelsea Industrial, konkret in der W 28th St, New York, NY 10001 und damit im angesagten Teil der Stadt Midtown zwischen Chelsea, Hudson River und Midtown West. Der Zugang erfordert ein gültiges Ticket für den Tag, muss online gebucht werden und garantiert je nach Andrang keinen Zutritt. Dafür ist das ganze kostenlos. Info und Buchungen über die Website. https://www.ghos-dfb.de
Der See im US-Staat Michigan ist groß wie ein Meer, und an seinem südöstlichen Ufer liegen drei Badeorte für erholsam-faule Tage gleich nebeneinander: Grand Haven, Saugatuck, South Haven. Lake Michigan gehört zum Riesenrevier der Great Lakes im Nordosten, und die drei Badeorte sind seit langem Naherholungsregion für Detroit und Chicago. Doch auch Fernreisende können hier schön entschleunigen.
„Wie schön, zwischendurch mal die Hände in den Schoss zu legen“, sagt Alex Overhiser, 28, der Jungbauer der Overhiser Orchards. Die Obst-Plantage gehört zu South Haven, Badeort am Lake Michigan in Michigan State. Die Familie Overhiser hat den Betrieb 1863 gegründet und baut Blaubeeren und Pfirsiche, Äpfel und Kirschen an. Junior Alex hat eigens fürs Foto Platz genommen, ist aber schon wieder auf dem Sprung: „Mit mir ist die 6. Generation unserer Familie am Ruder. Mein Vater Allan ist Seniorchef und 5. Generation. Unsere Vorfahren kamen aus Deutschland.“
Obstplantagen zum Selbstpflücken prägen das Bild am südöstlichen Lake Michigan mit, so Juniorchef Alex von den Overhiser Orchards Foto Ulrike Wirtz
Inzwischen bewirtschaftet der Familienbetrieb 300 Acres eigenes Land plus geleaste Flächen, so Alex, studierter Kaufmann. Ein Teil sei Bio-Farm – „hier können die Leute Obst selbst pflücken“. Ein paar Meilen weiter sei der andere Standort – „dort bauen wir große Mengen für die Obstindustrie an“. 300 Acres gleich gut 120 Hektar im Besitz – gleich „tagtäglich viel Arbeit“, so der Juniorch.Das gilt jedoch nicht für die Leute, die bei den Overhiser Orchards und weiteren Bauern in der Gegend for fun pflücken oder nur kurz anhalten, um Landluft zu schnuppern – auf dem Weg zum eigentlichen schönen Ziel.
Auszeit am See der Superlative mit hohem Erholungsfaktor
Denn viele sind auf dem Weg zum Lake Michigan, speziell zu seinem Südost-Ufer mit diesem ländlichen Hinterland und gleich drei Traditions-Badeorten in kurzer Distanz zueinander. Die Reisenden kommen per Auto oft aus den nahen Mega-Cities Chicago und Detroit – meist für Kurzurlaube. Genauso kommen Fernreisende, die über die internationalen Flughäfen beider Großstädte einfliegen, fahren dann ab Chicago, gelegen südwestlich im Bundesstaat Illinois, bis zum nächst gelegenen Badeort South Haven 200 Auto-Kilometer bzw. von Detroit, gelegen im Osten von Michigan State, 300. Alex hört immer wieder: „Es ist es einfach schön, im Frühjahr blühende Obstbäume anzusehen, bzw. einladend im Sommer und Herbst zum Selbstpflücken anzuhalten. Oder die Leute genießen es einfach, das Obst an den Bäumen reifen zu sehen. Städter mögen das.“
Und haben dann die Wahl, welchen der drei Badeorte sie ansteuern. Das Trio reiht sich wie folgt am Seeufer von Süden nach Norden betrachtet auf: erst South Haven, danach Saugatuck, dann Grand Haven. Zu zweien ist es von den Overhiser Orchards nur einen Katzensprung: nach South Haven zehn Kilometer, 25 nach Saugatuck. Bis Grand Haven sind es zwar 80 Kilometer, aber meist schön erholsam durchs Grüne; erst die Interstate 196 North, dann links ab auf die US 31 namens Lake Shore Avenue mit ihrem See-Panorama. Diese Strecke ist für US-Verhältnisse auch nur ein Katzensprung und das sowieso gemessen an der Größe von Lake Michigan.
Abendstimmung wie am Meer, hier in Grand Haven Foto Ulrike Wirtz
Und egal wo man ans See-Ufer tritt: Der Blick fällt auf Wasser bis zum fernen Horizont – und Schiffe; in der Ferne Transporter, die ihre Bahnen ziehen, näher und nahe an Land Fischerboote, Motor- und Segelyachten auf Cruise-Tour. oder Badende vor untergehnder Sonne. Ein See, der groß wirkt wie ein Meer und in der Tat riesig ist mit seiner Fläche von 58.000 Quadratkilometer. Damit ist Lake Michigan so groß wie die Fläche der Schweiz. Der Bodensee mit seinen 536 Quadratkilometer passt gut 100 Mal hinein. Als Teil der Greater Lakes, wie die Region der Großen Seen im Nordosten der USA an der Grenze zu Kanada heißt, macht Lake Michigan dem Begriff „größer“ alle Ehre und hat obendrein als Anrainer außer Michigan State noch die drei US-Bundesstaaten Illinois, Indiana und Wisconsin
Alleen zum Cruisen und Genießen, hier eine in South Haven Foto Ulrike Wirtz
Weil die drei Badeorte sich eher ähneln, kann die Wahl durchaus zur Qual werden – nicht nur weil jeder Ort seinen eigenen Fluss hat, die für zusätzliche Idylle sorgen. Die Wasserläufe schlängeln sich jeweils vom Hinterland kommend durch die Orte, gefallen mit grün bewachsenen Ufern und münden im Ort in den See. In Grand Haven der Grand River, in South Haven der Black River. Durch Saugatuck fließt der Kalamazoo River, weitet sich im Zentrum sogar noch aus zum kleinen See Lake Kalamazoo und fließt erst jenseits des Orts in den Lake Michigan. Alle drei haben Sandstrände, teils kilometerlang, bieten zahlreiche Wassersportmöglichkeiten und weitläufige Dünenlandschaft und daran angrenzend die von Overhiser und anderen bestellten Felder und Wiesen. All das erklärt die Beliebtheit des Trios an der südöstlichen See-Seite. Dass es an einem See wie dem Lake Michigan überhaupt Sandstrände gibt, liegt an der einstigen Eiszeit im Gebiet der Greater Lakes, lieht an der Gletscherschmelze, riesigen Erdbewegungen im Anschluß und diese westlichen Winde, die den Sand anhäuften.
Dünenlandschaft zum Wandern und Durchatmen bei Saugatuck Foto Ulrike Wirtz
Kleinster Ort des Trios ist Saugatuck mit 865 Einwohnern; größer sind South Haven (4.000) und Grand Haven (11.000); jeweils gezählt die ganzjährig vor Ort Lebenden. Erst durch ihre Urlaubsgäste werden sie zu Orten mit Betrieb, wobei die Downtowns trotz Läden, Lokalen und Boutiquen sich das Gemütliche bewahrt haben. In den drei Orten warten Hotels, Bed & Breakfast und Ferienwohnungen. Vor allem Saugatuck und South Haven gefallen durch alte Architektur schön restauriert und haben daher einen gewissen Retro-Schick. Grand Haven als größter Ort betont hingegen weniger sein Retro, sondern ein gewisses Town-Flair mit Theater und Krankenhaus – und ist doch auch gemütlicher Badeort.
Dass die Stimmung allerorten im Frühjahr und Herbst relaxt ist und im Winter noch mehr, bekomme ich erzählt, als im Juni vor Ort. Und auch, dass es in der Hauptsaison sogar echt hektisch werden kann, nämlich in den Sommerferien und zu den langen freien Wochenenden Memorial Day und Labour Day. Das gilt noch mehr, wenn zugleich ein Festival stattfindet, etwa das Blueberry Festival in South Haven (heuer 6. – 8. August), das Saugatuck Art Festival (25. und 26. Juli) oder das Coast Guard Fest in Grand Haven (24. Juli – 1. August), letzteres mit Tradition seit 1924.
Eine Qual der Wahl unter den Dreien – daher besser alle drei auf einen Streich
Was die Urlauber anlockt wie einst schon die Siedler, sind Klima und Lage hier am süd-östlichen See-Zipfel, beliebt auch wegen seiner Dünen, als sei man am Meer. Diese Faktoren brachten auch die Familie Overhiser hierher, wenn auch aus anderen Gründen. Juniorchef Alex schwärmt: „Klima und Lage sind phantastisch. Wir liegen mit unseren Flächen nur 15 Autominuten vom Ufer entfernt und bekommen viel Wetter vom See. Das heißt warme Sommer und kalte Winter regelmäßig mit Schnee. Im Frühjahr und Herbst ist es heiter mit genug Regen. Und wir haben gute Böden.“ Was es früher auch en masse in der Region gab, waren riesige Wälder, die kommerziell genutzt werden durften. Heute stehen sie unter Naturschutz. Damals aber arbeiteten immigrierte Europäer als Holzfäller, bauten Sägewerke, waren Fallensteller, Fischer und Pelzhändler und brachten ihre Produkte anfangs über die Wasserwege – See und Flüsse – zu ihren Abnehmern. Die Orte South Haven, Saugatuck und Grand Haven waren geboren,
Das Grand Haven Historical Museum erklärt detailreich und liebevoll die Historie der Region; hier die nachgebaute Schlafhütte eines Holzfäller-Camps Foto Ulrike Wirtz
Ab Anfang des 20. Jahrhunderts kamen immer mehr Touristen, parallel ging die kommerzielle Waldnutzung zu Ende. Auf dass Hoteliers, Gastronomen und ähnliche die althergebrachten Berufe ablösten. Außer den Bauern, so dass Äpfel, Kirschen und anderes Leckeres weiter im guten Seeklima wachsen und gedeihen. Was anfangs See und Dünen und ländliches Hinterland auf die touristische Landkarte brachte, war der aufkommende Trend zur Naherholung, so nachzulesen in South Haven am North Shore Drive auf einem Schild des Michigan Historical Center. Der Grund dieser schönen Entwicklung zur Naherholung war laut Schild die Neuerfindung des Autos. Und weil das damals den Wohlhabenden gehörte, entstanden in den drei Orten entsprechend gehobene Unterkünfte in Gebäuden, die teils noch heute gefallen. Doch dazu später.
Heute kommen Faulenzer, Wassersportler, Kunstfans, einst kamen Siedler aus Europa
Was Besucher heutzutage so alles tun: je nach Wetter und Jahreszeit im Sand am Strand liegen, so in South Haven an kilometerlanger North und South Shore, in Saugatuck am Oval Beach, der zwar kürzer ist, dafür preisgekrönt, oder im Grand Haven State Park, aufgeteilt in die Strandkategorien Familien, Hunde etc. Viele Gäste wassersporteln: je nach Lust, Laune und Können per Kajak und Standup Paddle Board auch auf einem der drei Flüsse, per Segelboot und Kite auf dem See groß wie ein Meer. Andere machen Strandspaziergänge oder wandern auf den Trails, die von den Badeorten landeinwärts gehen.
Auch heute schön zum Wohnen – Villa im Retro-Schick am See in South Haven Foto Ulrike Wirtz
Darunter der Kal Haven Trail, der besonders ist und überregional verläuft. Denn der Wanderweg führt ab South Haven 34 Meilen, 55 Kilometer, landeinwärts nach Westen zur Stadt Kalamazoo und das auf der Eisenbahntrasse von 1887, die 1971 aufgegeben und rückgebaut wurde. Die Bahnlinie transportierte neben Passagieren gerade auch die Früchte der Region und wurde daher auch Fruit Line genannt. Mit Stilllegung übernahm auf der Trasse wieder die Natur, auf dass Hiker und Biker, aber keine Motorbikes, sich genüsslich durch Wälder, Weiler und offenes Farmland fortbewegen.
South Haven mit besonders maritimem Flair
Wer länger vor Ort ist, stellt fest, dass das Badeort-Trio zwar viel Vergangenes und Heutiges gemeinsam hat. Doch stellen sich auch gewisse Highlights heraus. So wohnt es sich in South Haven am North Shore Drive vor dem Strand mit dem feinen hellgrauen Sand besonders schön: in schicken Ferienapartments im Landhausstil nicht höher als zwei, drei Etagen direkt am Beach. In den Straßen dahinter gefallen Villen mit Veranden und gepflegten Gärten. Das setzt sich ähnlich am südlichen Strand von South Haven fort. Kein Hochhaus weit und breit. Die langen Sandstrände unterteilt nur durch die Mündung des Black River.
Im Ort lässt sich vieles zu Fuß erreichen. Dabei geht es an schön erhaltener alter Architektur vorbei wie der 1906 erbauten Carnegie Library oder wie das älteste Haus im Ort, errichtet 1853 bis 1856 als Farmhaus der Familie Bailey und heute als Liberty Hyde Bailey Museum & Gardens liebevoll gepflegt, zur Besichtigung offen und eine wahre Zeitreise. In die Reihe des Retro-Schicks passt auch das Carriage House at the Harbor, 1886 als schmuckes Privathaus erbaut, seit 1920 Gästehaus, später und bis jetzt ein Bed & Breakfast. Hier wohnt es sich zentral und doch ruhig, während vor der Haustür ein Park mit alten Eichen wartet und unterhalb ein Steg mit Booten, die sanft im Wasser schaukeln.
The Carriage House at the Harbor,1886 schmuckes Wohnhaus, heuer komfortables B&B Foto Ulrike Wirtz
In South Haven ist das Maritime offensichtlich und doch eher unprätentiös, zum Beispiel der Yachthafen am Black River nicht weit von dem Punkt, wo der Fluss in den See mündet. Hier liegt Boot an Boot – Segel- und Motoryachten und vereinzelt Fischerboote. Genau am Punkt, wo sich Black River und Lake Michigan treffen, steht South Havens alter Leuchtturm, der noch immer sein helfendes Licht für die Schiffahrt sendet. Der Turm ist nur 35 Feet (elf Meter) hoch, fällt dennoch ins Auge, da gestrichen in kräftigem Rot. Er sei einer von vieren in Michigan, die erhalten sind, weiß Jim Ollgaard, Präsident der Historical Association South Haven, zu erzählen. „Unser Leuchtturm stammt von 1903, ersetzte seinen Vorgänger von 1872 und wanderte 1913 um 130 Meter an seinen heutigen Platz.“ Ollgaard schaut gerade am Leuchtturm nach dem Rechten und sagt auch mit Bedauern: „Besucher dürfen ihn nicht mehr besteigen.“
Bereit für Romantik-Tour wie anno dazumal – historisches Boot aus edlem Mahagony Foto Ulrike WIrtz
Mehr Maritimes bietet das Michigan Maritime Museum im Yachthafen und hat am Quai vor seiner Tür wahre Schätze liegen: klassische Boote teils echt, teils Replika, und gegen Ticket für zwei-stündige Touren mit Skipper buchbar. So das Original von 1929: ein schnittiges Holzboot aus edlem Mahagoni ohne Kajüte und sein heutiger Motor bis zu 35 MpH schnell. Es heißt Merry Time und verspricht romantisch-frohe Zeiten auf See und Fluss. „Mit solchen Booten wurden Gäste früher zu ihrem Feriendomizil geschippert oder machten Sunset-Cruises mit Picknick“, erzählt Kapitän Bob später an Bord des Segelschiffs, auf dem er seit acht Jahren zahlende Gäste for fun über den See fährt. Sein Schiff ist die Replika eines Lastenseglers namens Friends Good Will und auch zu buchen für Cruises von morgens bis abends mit Sonnenuntergang auf dem See.
Bob’s Tour an besagtem Juni-Tag ist fast ausgebucht. Drei Leute Crew hat er an Bord und stellt alle/alles kurz vor: „Ich bin aus Michigan und war früher bei der US-Coast-Guard. Die Crew bsteht aus einer Berufs-Bootsfrau plus Freiwillige. Keine Sorge, die sind gut angelernt, manche sowieso Hobbysegler.“ Die Friends Good Will sei 101 feet lang (knapp 35 Meter) und 2004 gebaut. „Mit solch einem Lastenschiff segelten um 1800 Quaker von Großbritannien in ihre nue Welt. Später transportierte es Produkte wie den im Landesinnern angebauten Tabak.“ Während Bob erzählt, macht die Crew alles klar zum Ablegen. Sie trägt wie der Captain traditionelle Kleidung, wie er sagt „aus jener Zeit im 19. Jahrhundert“. Die Crew animiert die Passagiere später, beim Segel setzen und Segel einholen zu helfen. Gesagt, getan, jeder macht mit.
Passend zum alten Lastensegler tragen Captain Bob (vorn) und Crew historische Kleidung Foto Ulrike Wirtz
Gesagt, getan auch auf der Rückfahrt. Wieder manövriert Captain Bob das Schiff durch die auf Kommando sich öffnende Hydraulikbrücke. Wieder geht es am Lokal Captain Lou’ s vorbei, wo zum Sonnenuntergang am Vorabend die große Terrasse gut besucht war. Hier erwarten Gäste auch vor und nach dem Sundowner coole Getränke und Leckeres für den kleinen und großen Hunger, auch Fisch frisch aus See und Fluss wie Forellen und Lachse. Doch wenn der Himmel klar ist, wolkenlos, dann sind Sonnenuntergänge mit den Füßen im Sand am Strand noch größeres Kino am Lake Michigan in South Haven.
Saugatuck als Beachtown mit renommiertem Kunst-Zentrumund Dünen-Spektakel
Auch Saugatuck bietet sich an für Sonnenuntergänge und zwar an seinem Oval Beach, der schon in etlichen US-Rankings bester Beaches vorn mitspielte. Von Downtown Saugatuck bis zum Beach sind es sechs Kilometer per Auto oder Bike, gemessen vom Ufer des Lake Kalamazoo, wo die kleine, per Kettenzug betriebene Fähre für Fußgänger und Radfahrer ablegt. Sie trägt einen die kurze Strecke nach gegenüber, wo der Mount Baldhead bestiegen werden möchte, und retour.
Die Mini-Fähre fährt ganz retro durch Kettenzug über den Kalamazoo-See in Downtown Foto Ulrike Wirtz
Der Berg ist 246 Meter hoch, seine letzten knapp 100 Meter sportlich über 303 Stufen je Auf- und Abstieg erobert und belohnt mit Blick über Beach, Dünen und Lake Michigan, besonders schön eben auch, wenn die Sonne untergeht. Aber weder Sunset noch Berg noch Beach noch ein großer Dünenpark im Hinterland machen das Spezielle an Saugatuck aus.
Kunstkurs im Sommer 2025 in Saugatuck – Studentin arbeitet an Stahlskulptur Foto Nolan Zunk
Vielmehr steht Saugatuck vor allem dafür, ein Ort der Kunst zu sein und das seit 1910. In dem Jahr rief die School of the Art Institute of Chicago hier ihre Summer School of Painting als Außenstelle offiziell ins Leben. Nachdem ab rund 1900 studierende Künstler vom Institut in Chicago auf eigene Faust in Saugatuck ihr Sommercamp organisiert hatten, weil sie hier einen ruhigen, im Sommer nicht so heißen Platz fanden, um sich auf ihre Werke zu konzentrieren und in schöner Natur Inspiration zu finden. Das sprach sich herum, ebenso eine gewisse Freizügigkeit in der Freizeit.
Daher tragen Gemälde in ihrem Titel das Wort Saugatuck
Das Kunst-Institut vor Ort heißt inzwischen Oxbow School of Art & Artists‘ Residency und ist weiterhin verbunden zum Art Institute in Chicago.Was einst ganz simpel anfing, ist heute ein Campus, auf dem Künstler auf Zeit leben und arbeiten können, auch im Winter. Das Angebot umfasst Malen, Zeichnen, Töpfern, Schreiben, Bildhauern etc. für Profis und Profis in spe. Aber inzwischen können auch Hobby-Künstler, selbst Anfänger Kurse belegen. Dieses Flair ließ viele Galerien und Kunstgewerbe-Läden im Ort entstehen, in denen nicht nur die lokal arbeitenden Kreativen ihre Werke anbieten. Neu kam 2022 das Ox-Bow House hinzu speziell für Ausstellungen für vor Ort gefertigte Werke, für öffentliche Veranstaltungen wie Künstlergespräche und eine Kunstmesse. Dieses Ox-Bow House entstand im Nachbarort Douglas, der sich scheint’s übergangslos an Saugatuck anschließt und den an sich nur sein Ortsschild als eigene Einheit mit 1.400 Einwohnern outet.
Saugatuck bietet jede Menge Kunst und Kunst-Events Foto Saugatuck.com
Das alles beschert beim Flanieren durch den Ort auch den Blick auf mehr oder weniger Kunstbeflissene. Und keine Unbekannte mehr, warum Werke etablierter US-Meister wie Albert Krehbiel, die uns Europäern eher weniger sagen, den Namen Saugatuck im Bildtitel tragen; zum Beispiel sein Werk Saugatuck Pastel von 1933 oder Saugatuck Woods von 1930 und entstanden im Camp von Saugatuck mit Motiven der hiesgigen schönen Naturkulisse.
Ganz andere gefragte Künste in den Dünen und am Herd
Ein großer Teil dieser Kulisse gehört heutzutage zum weitläufigen Saugatuck Dunes State Park mit seinen mal flachen, mal welligen Dünen und Hainen von Pinien, Ahorn und Wildkirschen. Diese malerische Sand-Landschaft von 1.000 Acres (400 Hektar) entstand – siehe oben – nach der Eiszeit, als der Sand durch die Flüsse in den Lake Michigan getragen wurde, der Wind aus Westen ihn wieder heraustrug, auf dass sich am Ost-Ufer die Michigan Dunes aufbauten; auf in toto 275.000 Acres (gut 100.000 Hektar) im ganzen westlichen Michigan State am Michigan Lake und derart prominent, dass vom Weltraum aus zu erkennen, wie Bilder zeigen. Kaum zu glauben auch, dass das Areal des Saugatuck Dunes State Park mit seinen Wäldern dereinst auf Jahrzehnte Holz zur Weiterverarbeitung lieferte. Das ist lange Vergangenheit und der botanische Laie sieht heute nichts mehr davon.
Diese Historie wird später Jan erzählen. Der arbeitet in einem speziellen Teil der Dünen, konkret am Saugatuck Goshorn Lake, und zieht ganz andere Gäste an als die Künstlerschar es nach Suagtuck zieht. Denn im Goshorn Lake-Teil der Dünen ist spezieller Autoverkehr erlaubt und fährt an über den Blue Star Highway. In dem Areal sausen nämlich Gäste nach Anmeldung mit geübten Fahrern in Allrad-SUVs durch die Landschaft, die ansonsten auch unter Naturschutz steht. Mit Fahrern wie Jan, der das seit 18 Sommersaisons macht und sich – nach einer kurzen Einführung „on the road“ – davon selbst noch derart begeistert zeigt, als wäre die Erfahrung neu für ihn. Mit breitem Grinsen driftet Jan mit dem Wagen durch den Sand, beschleunigt scheint‘s bis an die Grenzen der Physik von Auto und Mitfahrern.
Dünentripp mit Fahrer Jim (vorn mit Käppi); seine Kunst, richtig zu entschleunigen Foto Ulrike Wirtz
Der für den Zweck eigens aufgerüstete Dodge SUV scheint alles zu geben, so wie sein Motor heult. Jan hat seine Passagiere natürlich im Blick, fragt, ob jeder okay ist, nimmt je nachdem Drift raus und erklärt dabei einiges zu Flora und Fauna. Auf einmal fährt er richtig ruhig bergan und stoppt. „Bitte alle mal aussteigen und das Panorama genießen. Wir sind am höchsten Punkt der Dünen.“ Der Hügel ist 135 Meter hoch und hat die versprochene schöne Aussicht über Sand und Wald bis Lake Michigan. Auch der Dodge wird bestaunt und Jans Fahrkünste. Er wehrt ab: „Das machen die Reifen und der Sand. Man darf nur nicht an der falschen Stelle Gas geben.“
Kulinarik statt Driften
Ein anderes Must hier am Bluestar Highway ist quasi um die Ecke vom Dünen-Ritt-Areal. Und zwar das angesagte Pennyroyal Café & Provisions und bewirtet auf gekonnt-unprätentiöse Art. Achtung: Weil das Lokal im Grünen liegt, ist man schnell dran vorbeigefahren. Hier kocht Küchenchefin Melissa Corey – „nenn‘ mich Missy“ -, die ihr Handwerk bei preisgekrönten Chefs lernte und selbst 2015 in Chicago als eine Topköchin der Stadt prämiert wurde. Sie kam vor sieben Jahren zurück in ihre „Oase“, wie Missy ihr Geschäft nennt, „auch wegen des Gartens um das Lokal herum“, und kredenzt seither hier modern-leichtes Essen und Selbstgebackenes, ob Croissants oder Küchlein.
Im Pennyroyal einfach und gut essen – hier frischer Salat mit grünem Spargel Foto Ulrike Wirtz
Einfach lecker: der schlichte Penny Grilled Cheese oder der deliziöse Spargel-Salat mit Dijon-Senf-Vinaigrette. Einfach verführerisch: Desserts wie Pfannkuchen mit Blaubeeren, aus Michigan natürlich, oder selbst gebackene Kirsch-Mandel-Cones. Seit zehn Jahren ist ihr deutscher Gatte Ryan Beck an Missys Seite – er ist Farmer und Gärtner, versorgt das Lokal mit Produkten aus der Region und ist zugleich ihr Sparring-Partner fürs Geschäftliche. Ryan spricht Englisch: „Mein Deutsch ist schlecht geworden. Seit 25 Jahren lebe ich hier. Wir bauen auch Traditionelles an wie Rhabarber und Kleie. In unseren Beeten am Geschäft ziehen wir unsere Kräuter.“ Geöffnet sei das Pennyroyal auch in den Nebensaisons – „bis auf fünf Wochen im Januar. Dann machen wir zu, dann ist hier richtig Winter und echt romantisch“.
Eingespieltes Team im Pennyroyal – Missy und Ryan. (li. Autorin und Foto Ulrike Wirtz)
Last, but not least Grand Haven – die städtischste und auch angenehm klein
Die größte und nördlichste Beach-Town im Trio ist Grand Haven, ist von Saugatuck in keiner Stunde erreicht und breitet sich aus zwischen den Sandstränden des Grand Haven State Parks und dem Duncan Memorial Park. Letzterer ist bekannt dafür, dass hier noch Originalwald aus den Zeiten vor der Holzwirtschaft zu bewundern ist und lohnt den Besuch. Gen Norden und Osten wird die Kleinstadt schön flankiert vom Grand River mit Nebenarmen in jede Himmelsrichtung. Grand Haven und seine Bürger geben sich gern großstädtisch, erlauben an Wochenenden das öffentliche Trinken und Mitführen alkoholischer Drinks auf den Straßen im Ortskern, in sogenannten Social Zones. Aber wehe man trägt Becher mit Wein und offene Bierdosen jenseits der Zonen offen mit sich herum.
Social Zone in Grand Haven – in der Zone darf Alkohol im Becher offen mitgeführt werden Foto Ulrike Wirtz
Was im historischen Wohnviertel entlang der Washington Avenue und ihrer Nachbarstraßen besonders gefällt, sind Alleen mit alten Eichen und Ahornbäumen. Zur Washington Avenue kommt automatisch, wer das Tri-Cities Historical Museum besucht, das einem die Historie früher Siedler usw. erläutert. Oder wer im Washington Street Inn absteigt. Der bekommt ein gepflegtes, familiär-gemütliches B&B geboten und bekommt Input und Stories zur Stadt zu hören – beides auf angenehme Art durch Hausherr Jim. Der führt sein B&B seit knapp 40 Jahren und kann entsprechend viel erzählen von alten und neuen Zeiten. So etwa: „Die Stadt führt das Grand im Namen, weil der Fluss so heißt ob seiner Breite. Aber der Ort hatte auch lange einen vergleichsweise großen Industriehafen, nicht so groß natürlich wie Chicago und Detroit. Und wir hatten viel Möbelindustrie. Heute haben wir ein Theater und ein Krankenhaus. Und natürlich Strand und gute Lokale.“
Sunset am schicken Restaurant Notus – fast feierliche Stimmung Foto Ulrike Wirtz
Um 1960/1970 hätten die Aktivitäten von Industrie und Industriehafen aufgehört, der Tourismus wurde eine Haupteinnahmequelle. Jim: „Selbst Fischerboote sind hier inzwischen eine Rarität.“ Verweist dann auf die Coast Guard vor Ort und dass deren Station seit 1876 ansässig ist – mitsamt ihrer Flotte aus Rettungs- und Kontrollbooten und Eisbrechern. „So behielt Grand Haven eine große Bedeutung.“ Die Eisbrecher seien nötig, weil Lake Michigan schon auch zufriert. „Zudem werden hier Kadetten ausgebildet. Grand Haven nennt sich deswegen selbst auch gern Coast Guard City USA.“ Das habe es auch mit sich gebracht, dass seit 1924 das Coast Guard Fest stattfindet – „das bringt alljährlich Abertausende Besucher nach Grand Haven“. Was dem Besucher auch ohne Festval direkt auffällt, sind die Patrouillen-Boote, die regelmäßig zu ihrer Arbeit aufbrechen oder zurückkommen und dabei über den Grand River fahren, weil am Fluss ihr unauffälliges Headquarter liegt.
Die Coast Gard sitzt in Grand Haven am Grand River, kehrt im Foto zurück vom Einsatz auf dem See Foto Ulrike Wirtz
Der Ort gibt sich sehr „zivil“, Strandfreuden und Beach-Town-Feeling herrschen vor. So parkt, wer nach Downtown kommt, sein Auto und spaziert am fünf Kilometer langen Boardwalk entlang – bis zum Lake Michigan und dem Leuchtturm von 1839, der nach wie vor operiert. Die Promenade verläuft auf dem einstigen Gelände des früheren Industriehafens, von dem nichts mehr zu sehen ist, und gilt heute mit ihren Lokalen als eine gute Adresse, um zu essen und trinken, auch mit Terrassenbetrieb am Flussufer. Wie etwa im Snug Harbor. Der andere Publikumsmagnet liegt am anderen Ende des Bordwalks im Ort: der Grand Haven Musical Fountain mit seiner Show aus Musik und Licht, der um 1962 jenseits des Flusses installiert wurde und der mit Beginn der Show nach Sonnenuntergang nächtliche Postkartenidylle zaubert.
Der Grand Haven Musical Fountain ist am Abend die Attraktion Foto Ulrike Wirtz
Was für ein Genuss, wenn dann jenseits des Flusses die Show beginnt: diese Farbenpracht, dieser Sound. Die Musikauswahl von modern bis klassisch. Die Zuschauer bzw. Zuhörer sitzen diesseits des Flusses, haben Strandstühle und Picknick mitgebracht oder sitzen einfach auf dem Rasen. Die Vorstellungen laufen an Wochenenden und Feiertagen von Mai bis September – das ganze gratis. Den Musik-Brunnen gab es in den Anfängen des Tourismus ab 1900 hier im Südosten von Lake Michigan natürlich noch nicht. Da wurde malocht in den Wäldern und Sägewerken und auf den Feldern – auch auf der Obstplantage der Famile Overhiser. Die war damals schon da, hat überdauert wie die einstigen Holzfäller- und Pelzhändler-Käffer, die heute Badeorte sind – gleich drei sehenswerte auf einen Streich.
Wichtige Websites und gut zu wissen
Anreise per Flugzeug: via Detroit und Chicago mit Direkt-Flügen aus und in alle Welt. Weniger bekanntes, näheres Einfallstor zum großen See ist Grand Rapids, Michigans zweitgrößte Stadt mit 100.000 Einwohnern (eine gute Million in ihrer Greater Area). Der Airport ist mit nur einem Zwischenstopp in Detroit und Chicago erreicht. Dann weiter im Leihwagen: knapp 100 Kilometer bis South Haven, 60 bis Saugatuck und 50 Kilometer bis Grand Haven.
Leihwagen am besten schon in Deutschland mieten – etwa als All-In-Paket mit unlimitierten Kilometern bei Alamo www.alamo.de
In der Prärie westlich der Mega-City schufen Ludwig Mies van der Rohe (Foto oben) und Frank Lloyd Wright (Foto unten) erste Einfamilienhäuser der Moderne – mit Mustergültigkeit bis heute. Sie locken Scharen von Architektur-Enthusiasten aus aller Welt aufs platte Land im Hinterland von Chicago.
Laubbäume im frühsommerlichen Blätterkleid schmücken die Chicago Avenue (Ave) von Oak Park, ein Vorort von Chicago. Die Nachbarstraßen beherrschen großzügige Anwesen mit viel Rasenflächen, Blumenbeeten und mit Eichen, die dem Ort den Namen geben. „Das war schon immer eine Wohngegend für Bessergestellte“, so Architektur-Guide Siddra Mufti.
Das erste Wohnhaus im berühmten Prärie-Stil von Wright war sein eigenes Zuhause, der Stil die erste ureigene Architektur der USA. Die machte ihn als Erfinder modernen Wohnens weltberühmt Foto Ulrike Wirtz
Sie spricht zu einer Schar sichtlich internationaler Besucher, die sie am Haus 951 Chicago Ave zuvor mit freundlichen Hallos empfangen hat. Das Schild am Haus erklärt, warum hier rund 30 Interessierte Guide Siddra lauschen, denen weitere im Lauf des Tages folgen. Im Haus lebte und arbeitete Frank Lloyd Wright, Architekt bahnbrechender Einfamilienhäuser. Experten halten ihn für einen der größten Architekten der USA, so Siddra: „Wenn nicht den größten.“ Denn er entwickelte den ersten US-eigenen Architekturstil für das familiäre Zuhause und formte dabei den Baustil der Moderne weltweit mit. „The first new genuin architecture of the US“, sagt Siddra wörtlich, sagt auch: „Er galt als schillernde Figur und Frauenheld.“
Die Architektur-Ikone vereinigte in Oak Park Wohnen und Arbeiten unter einem Dach – hier das steinerne Namenschild am Hauseingang Foto Ulrike Wirtz
Von Chicago nach Oak Park sind es 20 Kilometer Autofahrt und führen in die Prärie im Mittleren Westen, ins meist platte Land, auch im übertragenen Sinn. Es hat noch heute viel von der berühmten Weite, auch wenn es vor den Toren von Chicago nicht mehr ganz so plattes Land ist und nicht mehr auf Meilen menschenleer wie früher, da Industrialisierung und Besiedlung fortschritten. Aber Oak Park ist sichtlich ein ruhiges Pflaster zum Wohnen in bevorzugter Lage. Ganz ohne Saus und Braus wie Chicago, Millionen-Metropole am Lake Michigan, ein See fast groß wie ein Meer und bekannt für seine Starkwinde. Chicago wird daher auch Windy City genannt.
Jenseits der Windy City Chicago und ihrer weltberühmten Hochhäuser-Silhouette
Und steht gerade auch dafür, die erste US- Metropole der Wolkenkratzer gewesen zu sein. Die bescherten Chicago Weltruhm und machen die Stadt zum Paradies für Architekten und Architektur-Interessierte bis heute. Die High-Riser entstanden ab 1880, nachdem das große Feuer von 1879? Chicago heimsuchte und der Wiederaufbau die Chance eröffnete, die damals höchsten und modernsten Gebäude am Chicago River zu realisieren. Willis Tower, damals Sears Tower genannt, Tribune Tower, John Hancock Center, Auqa Tower etc. Später dann mit Wolkenkratzern in innovativer Stahlskelett-Bauweise mit modernen Liften. So wurde Chicago zur beispielhaft vertikal errichteten Stadt – zu Beginn noch mit Fassaden aus Beton und Stuck, seit den 1940ern/1950ern immer mehr aus Glas. Unübersehbar bleibt Richtung Prärie die Welt der Wolkenkratzer hinter einem.
Aber nicht die Schar der Architektur-Interessierten, und die begeben sich nicht nur nach Oak Park. Auf dem platten Land hinterließen nämlich gleich zwei renommierte Baukünstler die monumentalen Spuren ihres Könnens. Beide wahre Ikonen der Moderne. Der eine eben: Frank Lloyd Wright, 1867 geboren im Staat Wisconsin, in Phoenix/Arizona gestorben 1959; er wohnte längere Zeit in Oak Park. Der andere: Ludwig Mies van der Rohe, 1886 geboren im westdeutschen Aachen, gestorben 1969 in Chicago; der war schon in seiner Heimat ein erfolgreicher Architekt, ging auf der Flucht vor Nazi-Deutschland nach USA und kam auch nach Plano, ein Ort 90 Kilometer westlich von Chicago und richtig abgelegen. Beide schufen – jeder für sich – in der Prärie im Mittleren Westen bis heute mustergültige Einfamilienhäuser der Moderne.
Wright’s Prärie-Stil setzt auf klare Linen und offene Räume, auf Naturmaterialien und Farben der Natur des Mittleren Westens Foto Ulrike Wirtz
Doch zunächst nach Oak Park. Hier wirkte Frank Lloyd Wright beruflich, entwarf etliche Häuser und lebte selbst von 1889 bis 1909 vor Ort – genau an der 951 Chicago Ave. Hier fanden Arbeit und Familienleben unter einem Dach statt: im auf den ersten Blick verschachtelt wirkenden Haus mit eineinhalb bis zwei Geschossen und noch höherem Oberlicht. Es beherbergte auch sein Studio mit Platz für das Team seiner Firma. Labor nannte Wright sein Anwesen auch, weil der Mann der Moderne an seiner innovativen Wohn-Architektur feilte, sie an die Landschaft draußen vor seiner Haustür anlehnte und seinen neuen Stil daher auch „Prairie-Style“ nannte. Guide Siddra erklärt noch draußen vor der Haustür: „Für den Stil und seine Pionierarbeit wird er bis heute gefeiert.“
Das würde Wright, von dem überliefert ist, dass er sich selbst gern als größten Architekt der Welt sah, sicher gefallen. Der Laborcharakter manifestierte sich darin, dass er an seinem Zuhause und Firmensitz stetig herumbaute, anbaute und dabei seinen neuen Stil entwickelte und verfeinerte wie an einem Modell. Angefangen beim mit dunklen Schindeln gedeckten Walmdach mit auffällig herausragenden Traufen, die sich als ein Merkmal seines Präriestils herausstellten. Damit ließ der Stilist sein Haus von außen gedrungen wirken, so als solle es sich kaum sichtbar einfügen in die Landschaft. Die Dachform löst beim Betrachter – wie vom Meister gewollt – auch ein Gefühl der Behaglichkeit aus. Die Klinker des Hauses sind Dunkel-Oliv, die Fenster in der für Wright typischen Bleiverglasung und haben eine Rahmung ebenso in Matt-Grün – wie die Farben der Prärie jenseits der Ortsgrenze.
Gediegen essen im Wright-Zuhause – der Architekt entwarf alle Möbel selbst, auch Lampen und Hausgeräte und brilliert dabei bis heute mit seinem Gespür für die Moderne Foto Ulrike Wirtz
Die Fenster reihen sich – auch das Wright-typisch – eng aneinander, sind dadurch nicht nur funktional, sondern ein dezent schmückendes Element. Dezent war angesagt beim Mann, für den Pomp ganz und gar nicht sein Ding war. Er folgte den Linien der Prärie, die keine großen Höhen kennt, stattdessen horizontale Ausrichtung. Sowie Schlichtheit, aber elegant. Dafür steht Wohnen á la Wright im eigenen Haus und deutlicher noch in seinen späteren Arbeiten für seine Auftraggeber. Guide Siddra: „Wright strebte die Harmonie von Mensch und Natur an. Organisch nannte er das.“ Viel mehr von seinem verfeinerten Stil ist sogar gleich um die Ecke von Wright’s Zuhause zu betrachten, weil Nachbarn ihn mit den Entwürfen ihrer Häuser im Präriestil beauftragten.
Wrights Stil huldigt den Farben und Materialien wie weiten Prärie gleich vor der Haustür
Sein eigenes Zuhause überrascht beim Eintreten zunächst mit Dunkelheit und überrascht danach mit umso helleren Räumen. Das wirkt großzügig und liegt an der auffallend offen gehaltenen Bauweise. Damit bringt Wright ein Gefühl von Weite wie draußen nach drinnen. Das macht seinen Prärie-Stil aus. Ebenso die Verwendung von Naturmaterialien und Farben wie draußen auf dem Land. Ebenso die Einrichtung, die sich an der Natur orientiert: Lampen mit bernsteinfarbenem Glas spenden weiches Licht. Hölzernes Mobiliar kommt in Braun daher, Polsterbezüge in hellen Erdfarben von beige bis grün. Wright belässt Naturmaterialien als solche, möchte sie erkennbar machen und lässt Holz naturbelassen, statt es mit Anstrichen in Farbe zu verfremden. Braun von hell und dunkel ist das Innere seines Hauses und lassen es schlicht-elegant aussehen und so gar nicht rustikal, wie es der Ranch-Stil tut.
Schnörkellos-schlicht, aber elegant – so lebte die Architektur-Ikone von 1889 bis 1909 Foto Ulrike Wirtz
Wright wollte seinen Stil ganzheitlich umgesetzt wissen und entwarf daher bis in die Details alles selbst: das hölzerne Mobiliar, gerade auch Einbauelemente, um damit Schlichtheit zu betonen; Lampen, Bilderrahmen, selbst Hausgeräte – alles schnörkellos, in Farben und Material Prarie-Style und sichtlich harmonisch. Und bei näherer Betrachtung raffiniert. So schafft seine klaren Linienführung Eleganz und erzeugen an sich simple Maßnahmen diese Weite, indem Wright Wände einfach weg lässt. Aber gewusst wo – er tut es am passenden Spot. Für Behaglichkeit bekommt das Zuhause an zentralen Stellen Kamine. Zumal Winter im Mittleren Westen eisig kalt sind. Dann die Fensterreihen, nun von innen betrachtet: Sie sorgen für mehr Licht in den Räumen und betonen noch die horizontale Linie der Prärie.
Wright stellt auf das Funktional-Elegant-Schlichte ab – modern eben. Somit verzichtete der US-Architekt völlig auf die aus Europa importierten Stilrichtungen viktorianisch, georganisch, Anne oder Tudor, die Jahrhunderte den Ton jenseits wie diesseits des Atlantiks angaben. Bei Wright also keine Erker, Giebel und üppige Stuckarbeiten, keine schnörkeligen Dekors. Wie anders die Stile waren, ist unübersehbar, wenn man sich eines der architektonischen Prachtexemplare im viktorianischen Stil ansieht, von denen es einige auf dem Land auch jenseits von Chicago gibt. Einen Besuch wert ist das Ellwood House, erbaut 1879 in DeKalb, Städtchen 100 Kilometer westlich von Chicago und nun auch ein Museum. Ein Besuch dort zeigt exemplarisch, wie verschieden doch lange schon die Geschmäcker waren und sind.
Wright’s Kamin in Oak Park sorgt für Lagerfeuer-Feeling, ist doch die Prärie gleich draußen Foto Ulrike Wirtz
Wright sah seine Moderne auch als relevant bis in die gesellschaftliche Ebene an. So nannte er sein Schaffen demokratisch, gab seiner Vision von einem modernen Zuhause den Namen Usonia und verewigte seinen Masterplan für eine utopische Zivilisation im Buch mit dem Titel: „When democracy builts.“ Modern-offen kommt auch seine Devise fürs Privatleben über, was in der Gesellschaft zu Wrights Lebzeiten nicht alltäglich war. Guide Siddra: „Er verließ seine erste Gattin, mit der er sechs Kinder hatte und in Oak Park lebte, flirtete hier in seiner Nachbarschaft mit Frauen, führte mit einer Nachbarin, einer Kundin, eine wilde Ehe in Oak Park und ging mit ihr nach Europa.“ Das Paar kam zurück in die USA, sie kam in einem Feuer um, und Wright flüchtete in seinem Kummer nach Japan. „Als er von dort zurückkam, heiratete er erneut.“ Oak Park hatte er 1909 verlassen.
Bürokultur in Oak Park. Hier kreierte des Meister seine Idee von Moderne im ersten Jahrzehnt des 20. Jahrhunderts und prägt damit modernes Wohnen bis heute Foto Ulrike Wirtz
Da hatte auch die andere schillernde Berühmtheit des Orts demselben den Rücken gekehrt: Schriftsteller Ernest Hemingway, 1899 in Oak Park geboren und bis zum 7. Lebensjahr keine 600 Meter entfernt von Wright und seiner Familie aufgewachsen. Hemingway war erst Journalist und Kriegsberichterstatter, wurde Autor und 1954 mit dem Literatur-Nobelpreis geehrt. Privat frönte er der Großwildjagd in Afrika und der Hochseefischerei vor der Küste Süd-Floridas und war vier Mal verheiratet. Auch ihm widmet Oak Park heute ein Museum; im einstigen Elternhaus, 1890 erbaut im barocken Queen- Anne-Stil á la Europa. Ob den beiden – Wright und Hemingway – die unaufgeregte, ländliche Idylle in Oak Park half, ihre Talente zu entwickeln? Das Haus der Hemingways war wie gesagt alles andere als Wrights Prärie-Stil.
Hingegen ließen sich etliche Nachbarn ihr Heim vom Meister der US-Moderne entwerfen, allein in Oak Park insgesamt gut 30 Einfamilienhäuser, einige wie gesagt direkt bei ihm um die Ecke und einfach zeitlos-schön anzusehen. Und dann der Unity Temple zehn Minuten zu Fuß von Wrights Zuhause entfernt und sehenswert als zeitlos-modernes Haus der Religion, das Wright selbst als „Little Jewel“ hervorhob. Diese Nachbarschaft lässt sich erkunden wie ein Freilichtmuseum; zehn der Häuser sind in einer Audiotour erklärt, die das FLW-Museum bereithält. Aber Achtung: Alle Einfamilienhäuser sind in Privatbesitz und nur von der Straße zu besichtigen – samt ihrer opulenten Gärten und Bäume.
Für Nachbarn rund um Chicago Ave und Forest Ave schuf Wright Häuser im Prärie-Stil wie das Hills-Decaro-Haus, erbaut 1906, nachgebaut 1977. Die Wohngegend ist schön zu Fuß zu erkunden Foto Ulrike Wirtz
Was Wright auch gefallen hätte: Die UNESCO ehrte acht seiner Gebäude, verteilt über die USA, als Welterbe, davon in Oak Park den Unity Temple und das Robie House, erbaut 1906 im südlichen Chicago und das Werk von Wright, das seinen Ruf als Architekt der US-Moderne zementieren sollte. Was den Meister zeitlebens gewurmt haben soll, so zitiert Guide Siddra aus Arbeiten über Wright: „Dass er keinen Wolkenkratzer baute. Immerhin hat er aber das legendäre Guggenheim Museum in New York entworfen und ebenso UNESCO-Welterbe.
Mies van der Rohe – der andere Meister der Moderne und nicht nur weltberühmt seine Wolkenkratzer
Ganz anders Ludwig Mies van der Rohe, die andere Ikone des Modernismus, 1938 emigriert aus Deutschland nach USA und bis zu seinem Tod 1969 in Chicago Zuhause. Ein gewisser Ruhm gründete bereits auf seinen Architektur-Aktivitäten zuvor in Deutschland und Europa. Dafür nur ein Beispiel: der Barcelona-Pavillon von 1929 als Bauwerk radikaler Reduktion auf klare Linien in geometrischer Strenge. Im Land der unbegrenzten Möglichkeiten wurde er zum Wolkenkrater-Spezialisten und kam als Vertreter der Avantgarde zu Legenden-Status. Nur ein Beispiel seiner Monumente der Moderne ist das Seagram Building, fertig gestellt 1958 in Manhattan/New York City in seiner klaren Gliederung, ohne jeden Schnickschnack, dafür mit viel Glas und von zeitloser Ästhetik bis heute.
Auf diesem beruflichen Weg nahm er 1945 den Auftrag für ein Einfamilienhaus an, das sein einziges in USA bleiben sollte, daher bis heute nicht nur Enthusiasten des Modernismus aufs Land pilgern lässt. Die begeben sich wie einst Mies van der Rohe in die Gegend des 12.000-Seelen-Orts Plano 100 Kilometer westlich von Chicago. Der ist zwar inzwischen dank guter Straßen Teil der Chicago Metropolitan Area, blieb aber trotzdem ein ländlich-verschlafener Landstrich, rural country, wie die Amerikaner sagen.
Jenseits von Chicago wartet das platte Land des Mittleren Westens und irgendwo das ikonische „Mies-van-der Rohe-Haus“, entworfen für Edith Farnsworth Ende der 1940er Jahre Foto Ulrike Wirtz
Während der Autofahrt hierher ziehen Felder, Wald und Wiesen vorbei, Scheunen und Gatter von Farmen und Ranches, kleine Weiler mit den typischen hölzernen Wohnhäusern älteren und jüngeren Datums. Die Prärie geht hier weiter westlich von geraden auch in gewellte Linien über. Es ist schön grün hier und war es noch mehr zuzeiten, als Mies van der Rohe vor Ort kam.
Diese Abgeschiedenheit war es, nach der die Auftraggeberin fürs Wohnhaus, besser fürs Wochenendhaus, suchte: Dr. Edith Farnsworth aus Chicago, Tochter wohlhabender Eltern, Ärztin, Forscherin und Spezialsitin für Nierenkrankheiten. Sie war eine der ersten Gelehrten für Medizin im Staat und in Chicago, spielte Geige auf hohem Niveau, hatte für Europa ein Faible, das sie bereiste. Und sie wollte ruhige Wochenenden fern ihrer stressigen Arbeit in Chicago verbringen. Ihre Vorstellung vom Glück für den Zweck: ein schlicht-modernes Domizil in Harmonie mit der menschenleeren Natur am Fluss inmitten rund 4000 Quadratmeter (9.5 Acres) Wildlandschaft. Dafür kam ihr kein Geringerer als Mies van der Rohe gerade recht. Der bescherte ihr und der Nachwelt dann mitten im Grünen an den Ufern des Fox River einen Solitär der Moderne, der in den USA und darüber hinaus als einer der wichtigsten Bauten im neuen Wohnhausstil gilt.
Der Wunsch von Edith Farnsworth nach Privatsphäre war ihm fast egal – Mies van der Rohe folgte seiner Idee vom perfekten Feriendomizil für die Ärztin und Forscherin FarnsworthFoto Ulrike Wirtz
Aber bevor sich ein erster Blick darauf werfen lässt, geht es erst durch den Eingang zum Areal, das nun als Historic Site Museumstatus genießt, und danach gut zehn Minuten zu Fuß durch leicht-luftigen Wald und Wiesen – bis sich in Ufernähe ein schlichter Bau zeigt. Er ist eingeschossig, hat ein Flachdach und besteht fast nur aus Glas. Er wirkt zwar ganz anders als Wright’s Moderne, doch klaren Linien ohne Schnickschnack folgt auch Mies van der Rohe. Was für eine zeitlos-puristische Formsprache und Anmutung. Bei längerem Ansehen zeigt sich: Das Schlichte kommt auch dadurch, dass nur unauffällige, weil dünne Stahlplatten als tragende Elemente von Dach und Boden in Weiß fungieren und dass die Glasflächen rundum in senkrechter Linie nur ab und an von filigranen Stahlleisten ebenso in Weiß unterbrochen werden. Alles gläsern, keine Hauswand aus Stein oder Holz. Alles transparent. So wirkt der Bau in Mies van der Rohe‘s Purismus auch kein bisschen als Störenfried in der grünen Natur.
Andererseits null Privatsphäre – so empfindet man selbst als derjenige, der reinschaut. Schon seltsam. Wieviel seltsamer muss es von innen sein. Das lässt sich feststellen, da das Haus auch von innen besichtigt werden kann. Zum Eingang des Hauses führen erst vier und weitere fünf schlichte Stufen, weil das Haus auf Stelzen steht, die wiederum so schlicht sind, dass das Haus zu schweben scheint. „Die Stelzen sind der Lage am Fluss geschuldet, weil der ab und an Hochwasser führt“, erklärt John, einer der Guides für das Edith Farnsworth House, wie es heute als Museum nach seiner Bauherrin heißt. Drinnen ist die Aussicht ins Grüne einfach schön, egal wo man ist. So war es auch für die Bewohner, ziehen sich doch die diversen Wohnbereiche entlang der Glasfronten.
Perfekt durchgestylt – Mies van der Rohe schuf auch Möbel-Klassiker. Sie zogen aber erst mit dem nächsten Eigentümer ins Edith-Farnsworth-House ein Foto Ulrike Wirtz
Mies van der Rohe meinte selbst: „Wenn man die Natur durch die Glaswände ansieht, nimmt sie ein noch wichtigere Bedeutung an, als von außen betrachtet.“ Und überhöhend fügt er hinzu: …es wird Teil eines größeren Ganzen“. Das Domizil erscheint einem als Maximum am Wohnen mit und in der Natur, ohne wirklich draußen zu sein. Innen kommt auch erst zum Vorschein, wie Mies van der Rohe für eine gewisse Intimsphäre zur Körperpflege gesorgt hat, indem er in der Mitte des Baus eine mit Holz verkleidete Räumlichkeit schuf. Ansonsten alles einsehbar, ob Küche, Essbereich, Schreibtisch oder gar die Schlafräume.
Das Mobiliar in hellem Naturholz passt zur Leichtigkeit des Baus, auch das lichte Braun der berühmten Mies van der Rohe-Stühle namens Barcelona, erstmals gefertigt für den Pavillon in der spanischen Stadt, zeitlos schön und als teures Mobiliar bei Premium-Möbelhäusern zu erstehen. Ebenso die vom Meister entworfenen Liegen in dunkelbraunem Leder, auf die man sich direkt kuscheln möchte, um durch die gläsernen Wände von Edith Farnsworth Haus ins Grüne zu schauen. Guide John: „Die von Mies van der Rohe entworfenen Sessel und Liegen brachte der nächste Eigentümer des Hauses erst mit. Sie schlief zum Beispiel nur auf einer Matratze auf dem Boden.“
Nachgestellt für heutige Besucher. Denn Edith schlief asketisch auf einer Matratze Foto Ulrike Wirtz
Was hatte Mies van der Rohe schon alles zuvor geschaffen: In den 1930ern war der einstige Aachener der letzte Direktor des Staatlichen Bauhauses, der Schule der Moderne für Kunst, Design und Architektur in Dessau, das die Nazis dann so verschmähten. Zuvor hatte er sich abgewendet vom traditionell-neoklassisch-opulenten Baustil hin zum Modernismus mit Fokus auf Funktionalität; in Deutschland aus seiner Feder zu bewundern bei der 1927 im neuen Stil entworfenen Stuttgarter Mustersiedlung der Moderne, genannt „Am Weißenhof“. Wie weit weg ist schon deren Dimension vom kleinen, feinen Wochenendhaus auf nur einer Ebene, wie weit weg sind erst die himmelhohen Bürogebäude und Apartmenthäuser, mit denen Mies von der Rohe in den USA von Chicago bis New York und darüber hinaus reüssierte.
Mies van der Rohesletztes Masterpiece entstand in Berlin – die Neue Nationalgalerie
In Chicago baute der Vertreter schlicht-raffinierter Moderne etwa das Minerals & Metals Research Building (1943) oder die Alumni Memorial Hall (1946). riss vor Ort um 1948 in funktional-eleganter Formsprache Apartmenthäuser mit Glasfassaden auf, die Lake Shore Drive Apartments. Mies van der Rohe entwarf aber auch moderne Kulturtempel wie das Museum of Fine Arts in Houston/Texas und in Berlin die Neue Nationalgalerie in Berlin, ein Glaspavillon und Mies van der Rohes letzte Arbeit überhaupt. Allen ging jeder Pomp ab, keiner ließ Raum für Verspieltes. Inmitten dieser Schaffensjahre das 1951 fertig gestellte Wochenenddomizil in der Prärie im Mittleren Westen.
Gewisse Parallelen im Stil finden sich denn schon auch zwischen High-Risern und Edith Farnsworth House. So kommt eine Art Stahlskelett-Bauweise hier wie dort zum Einsatz und ebenfalls Glas und nochmals Glas für die Fassaden. Von der zeitlosen Eleganz des Schlichten erzählt auch das kleine Haus dem Betrachter. Was es aber nicht preisgibt, erzählt Guide John. Zum Beispiel, dass sich die Bauzeit von 1945 bis 1951 hinzog. Dass sich Auftraggeberin und Auftragnehmer zerstritten, weil er sein Ding machte: „Indem er seinen Prototypen realisierte statt sich an ihren Bedürfnissen zu orientieren. Mies van der Rohe galt als einer, der übers Projekt die ganze Kontrolle haben wollte. Die Legende sagt, dass daher die Fetzen flogen.“ Es heißt auch, weil sie sich in ihn verguckt haben soll, während sein Privatleben mit Ehefrau und Geliebter keinen Raum ließen für Edith.
Der einstige Direktor des Bauhauses lässt nicht nur seine Bauherrin kochen wie im Freien. Vielmehr meint, wer heute drinnen steht, man sei draußen Foto ULrike Wirtz
Am Ende monierte die Nierenspezialistin zu viel Transparenz plus zu hohe Baukosten – statt 40.000 $ 74.000 $ – und so weiter. Der Guide: „Das ganze ging vor Gericht und endete nach fünf Jahren mit einem Vergleich.“ Die Auftraggeberin hatte auch nicht besänftigt, dass das Haus damals schon für Aufsehen sorgte und in Fachzeitschriften hochgelobt wurde. John: „Jedenfalls wurde das Haus als das von Mies van der Rohe bezeichnet und nicht als ihres. Vielleicht hat das Edith Farnsworth nicht gefallen.“ Sie hat es dann 20 Jahre genutzt, dann verkauft. 2003 kaufte es der National Trust for Historic Preservation, machte aus dem Haus eine Art Museum mit Laden, der Bauhaus- und Mies-van der Rohe-Lektüre vom feinsten bietet. Besucher aus aller Welt kommen – wie zum Wohnhaus mit Architektenstudio von Frank Lloyd Wright, der anderen Baukunst-Ikone, die im Country im Mittleren Westen wirkte.
Wichtige Websites und weitere Info
Zu Frank Lloyd Wright in Oak Parkhttps://franklloydwright.org; und https:flright.org. Zu Oak Park www.oakparkandbeyond.org. Zum Unesco-Welterbe des Prärie-Stil gehört das Robie House in Chicagos Stadtviertel Hyde Park www.choosechicago.com. Dagegen liegt das sogenannte Laurent House von anno 1948 in Rockford 140 Kilometer westlich von Chicago und gilt als erstes barrierefreies Zuhause der Moderne.
Schöne alte Architektur Dazu gehört das 1879 erbaute Ellwood House in DeKalb – ein Mansion, das Stacheldrahtzaun-Erfinder Isaac Ellwood gehörte www.ellwoodhouse.org.
Vor der Moderne 1879 errichtet – das Ellwood House hat außen ganz klassisch Erker…
… und ist innen pompös-schörkelig wie vor Wright üblich bei der reichen US-Society Fotos Ulrike Wirtz
Lohnend auch das Charles Gates Dawes House (1894), schön in Evanston am Lake Michigan gelegen. Im Mansion im schlossartigen Stil lebte der einstige US-Präsident Charles Gates Dawes für Jahrzehnte www.evanstonhistorycenter.org
1. Chicago Botanic Garden: ein Hort der Beschaulichkeit durch Inseln, kleine Seen, Wanderpfade und lauschige Plätzchen; hier warten 27 Gärten unterschiedlicher Art auf Erkundung www.chicagobotanic.org
Ein Highlight in Gartenkunst ist der Chicago Botanic Garden in Glencoe 40 Kilometer vor der Mega Ciy …
…ein weiteres Highlight: Anderson Japanese Gardens in Rockford mitten in der Prärie Foto Ulrike Wirtz
2. Oak Park Conservatory: errichtet 1929 in Oak Park, um besondere Fauna der Region zu erhalten; heute sind rund 3.000 Pflanzen zu bestaunen www.oakparkconservatory.org
3.Anderson Japanese Gardens; fünf Hektar verwunschener Pfade, Beete und Wasserläufe; errichtet 1978 in Rockford vom internationalen Landschaftsarchitekten Hoichi Kurisu www.andersongardens.org
Extratipp….Hotels
Ansehnlich und komfortabel ist das Herrington Inn & Spa in Geneva; das historische 4-Sterne-Hotel ist bekannt auch für seine sehr gute Küche und sein Lage idyllisch direkt am Fox River, an dem sich auch das Edith Farnsworth House versteckt www.herringtoninn.com
Praktisch-solide: das Carleton Hotel in Oak Park im historischen Gemäuer mit italienischem Restaurant mit guter Bar www.carletonhotel.com
Insider-Tipp: Wer nach so viel Architektur chillen möchte, kann das bei Whiskey Acres in DeKalb tun. Der Hot-Spot harter Drinks ist Teil der Farm der Eigentümer.
100 Kilometer sind es von Chicago nach Westen in die Prärie zur Destillerie Whiskey Acres…
…hier chillen nicht nur Insider auf dem platten Land so ganz ohne moderne Architektur Fotos Ulrike Wirtz
liegt in den Feldern auf plattem Land und versorgt auch mit anderen Drinks, auch alkoholfreien. Weizen und Gerste für die Whiskeys wachsen grund um die Location für blaue Stunden www.whiskeyacres.com
Für das kommende Reisejahr stellen die USA alte und neue Attraktionen, echte Highlights für Trips in Aussicht. Hier einige Tipps gerade auch für internationale Touristen und jüngst präsentiert auf der Internationalen Reisemesse IPW im Juni in Chicago. Lebensart-Reise-Autorin Ulrike Wirtz war vor Ort in der Metropole mit ihren Wolkenkratzer-Ikonen, ihrer lukullischen Vielfalt und den berühmten Musik-Clubs für Jazz und Blues.
250. Geburtstag der einst wegweisenden Demokratie
Brand USA, die internationale Marketing-Organisation der Nation, hat eine neue Website mit neuesten Informationen zu Attraktionen und Aktivitäten in den USA veröffentlicht. Diese widmet sich unter dem Motto „America the Beautiful“ vor allem auch dem Jubiläum „250 Jahre Vereinigte Staaten von Amerika“ am 4. Juli 2026. Der 250. Geburtstag erinnert an den 4. Juli 1776, den Tag, an dem die USA ihre Unabhängigkeit von Großbritannien erklärte und in der „Declaration of Independence“ niederlegte. Das war der Startschuss der ersten modernen Demokratie, die zum großen Vorbild für andere Nationen wurde – mit aktuell schwerem Stand unter ihrem 47. US-Präsidenten Donald Trump. https://americathebeautiful.com/de/America-250/
Lange Symbol für Freiheit und unbegrenzte Möglichkeiten – die Stars und Stripes-Flagge der USA
Neues Theodore-Roosevelt-Museum in North Dakota
Einem früheren US-Präsidenten wird 2026 eine besondere persönliche Anerkennung zu teil und bringt einen neuen Anziehungspunkt in den Bundesstaat North Dakota, das Land der Wildnis an der Grenze zu Kanada. North Dakota steht für geschwungene Hügel in Grün-Beige und für Regionen bizarrer Bodenerosion, steht für Prärien, Ranches, Wiesen und Felder, für Longhorn-Rinder und Bisons, wilde Mustangs und Kojoten. Beim Präsidenten handelt es sich um Theodore „Teddy“ Roosevelt, von 1901 bis 1909 US-Präsident, geführt als Nummer 26 und 1906 der erste Amerikaner, der mit dem Friedens-Nobelpreis geehrt wurde.
Etliche Jahre später stand er erneut für ein honoriges erstes Mal: Der 1978 begründete Nationalpark in den kargen Badlands im westlichen North Dakota wurde nach Theodore Roosevelt benannt. Damit erhielt erstmals ein Nationalpark den Namen eines Präsidenten der Nation.
Nun entsteht in direkter Nachbarschaft zu diesem Nationalpark die offizielle Präsidentenbibliothek zu Ehren des 26. Staatsoberhaupts – inmitten der Natur nahe dem Städtchen Medora – und soll am 4. Juli nächsten Jahres feierlich eröffnet werden. Sie heißt Theodore Roosevelt Presidential Library, kurz TRPL. Warum aber hier im Outback nahe Kanada? Denn als Staatsmann hatte der Republikaner in Washington gewirkt, sein Leben, auch beruflich, vor und nach seiner Präsidentschaft fand oft in New York statt, wo Theodore Roosevelt 1858 das Licht der Welt erblickte und 1919 starb, nahe New York im Ort Oyster Bay auf Long Island.
Allerdings zog es den Kaufmann, Soldaten und Politiker immer wieder auch ins abgeschiedene North Dakota. Erstmals kam er 1883 her. Hier legte sich Theodore Roosevelt eine Ranch zu, hier lebte er auch länger, arbeitete selbst als Cowboy und ging auf die Jagd. Hierher kam er immer wieder zurück, widmete sich auch der Naturkunde und dem Naturschutz und rundete dieses Faible durch seine Expeditionen nach Afrika und an den Amazonas ab.
In den Badlands von North Dakota war Theodore Roosevelt Rancher Foto Harvard Library Collection
Daher nennt man „Teddy“ im wilden Staat im Nordwesten gern auch Outdoor-Man. Er, der die Natur liebte, erforschte und schützte, gründete allein in seiner Präsidentschaft fünf Nationalparks, 51 Wildlife Refuges und den US-Forrest Service mit mehr als hundert National Forrests.
Die zu Ehren des Naturfreunds entstehende offizielle Präsidentenbibliothek gilt als beispielhaft für nachhaltige Architektur und High-Tech bei der technischen Ausstattung, auch der Exponate. Noch ist viel Baustelle, die Baufortschritte vermittelt die TRPL mit Blog und Bildern. Das Konzept ist klar definiert: die Bibliothek selbstversorgend und regenerativ zu errichten, vergleichbar zu den Zeiten, als Theodore Roosevelt in den 1880er Jahren erstmals in die Wildnis der Badlands reiste und sich ein autarkes Leben einrichten musste.
Hier in den Badlands findet die Theodore Roosevelt Presidential Library ihren Platz Foto Plomp
Schon optisch nimmt die Bibliothek die Natur in ihren Farben und Formen auf: durch ihr Äußeres aus Naturholz in Blass-Beige, passend zum typischen Beige-Grün der Badlands; durch das flache geschwungene Dach, dessen Flächen mit kurzem Gras überwachsen sein werden wie die Prärie. Spaziergänge draußen lassen sich dann übergangslos übers Dach fortsetzen. Innen setzt sich die Optik aus Holz fort. Bei der Ausstattung lässt einen neuester technischer Stand in Teddy Roosevelt’s Leben eintauchen: ob per Interaktion oder modernster Sensortechnik. HInzu kommt klassisches Story-Telling mit Fotos und Videos.
„Immerse yourself in the Arena“ lautet eine Aufforderung des TRPL – tauch ein in die Arena. So ermöglicht Interaktion im selbsternannten „museum of the future“, etwa am Leben des Soldaten Theodore Roosevelt teilzuhaben,seinen Gesprächen an Lagerfeuern zu lauschen oder sein Regieren von New York bis Washington zu verfolgen. Man kann sich einlesen in seine Grundsätze zu „Leadership, Citizenship and Conservation“ – zeitlose Themen mit immer aktuellem Bezug, so das Credo der TRPL.
Nachhaltig und naturverbunden fügt sich die Theodore Roosevelt Presidential Library in North Dakota’s Flora und Fauna ein Foto Plomp
Dem Leben Roosevelt’s als Outdoor-Man lässt sich schon jetzt draußen im nach ihm benannten Nationalpark nachspüren. Hier stehen an den Ufern des Little Missouri River noch die Reste seiner alten Elkhorn Ranch und sind zu besichtigen. Außerdem wird es im Park althergebrachte Pflanzen wieder verstärkt geben, auch das ein nachhaltiges Anliegen des neuen Bibliothek-Projekts. Es manifestiert sich im Native Plant Project in Zusammenarbeit mit der North Dakota State University (NDSU) und der Resource Environmental Solutions (RES). Das Projekt sieht vor, ursprüngliche Pflanzen bzw. bedrohte Arten im weiten Umfeld des Museums wieder auszubauen. Das würde Naturbewahrer Theodore Roosevelt sehr gefallen.
Route 66 – 2026 ist die legendäre Straße 100 Jahre alt
Die Bilder aus dem Hollywood-Klassiker „Easy Rider“ bringen es noch heute auf den Punkt: das Gefühl von Freiheit, von einem grenzenlosen PS-Ritt und Einkehrschwüngen am Weg in einfachen Diners und Motels. Ein Trip über die heute legendäre Route 66 galt anfangs aber und das für lange Zeit als ein Versprechen der Bewegungsfreiheit, als Weg in eine bessere Zukunft für viele, die sich auf die lange Strecke machten – von anfangs 2451 Meilen, sprich knapp 3950 Kilometer. Daher bekam die Route 66 auch den liebevollen Namen „Mother Road“.
Konkret fängt sie an in Chicago im US-Staat Illinois, in Downtown am Wolkenkratzer Willis Tower, eine der Architektur-Ikonen am Chicago River. Und endet am Pier in Santa Monica, California, direkt vor den Weiten des Pazifiks. Und das Ganze auch in umgekehrter Richtung. Durch einige Umbauten in ihren 100 Lebensjahren ist der alte Verlauf an wenigen Stellen verändert, die Streckenlänge auf 2278 Meilen reduziert.
Am Vergnügungspark am Santa Monica Pier startet bzw. endet die fast 4000 Kilometer lange 66 Foto Ulrike Wirtz
Aber nicht der Rede wert. Die Mutter aller Straßen führt auf ihrem Verlauf durch acht US-Staaten, neben California ganz im Westen und Illinois ganz im Osten auch durch Missouri, Kansas, Oklahoma, Texas, New Mexiko und Arizona – in der Reihenfolge von Osten kommend.
Als Mother Road galt sie, nachdem anno 1926 für den Verkehr freigegeben, weil die Route 66 erst die zweite durchgehend befestigte Straße als Ost-West-Verbindung war. Das machte die Trasse so bedeutsam fürs praktische Leben in den Weiten des Landes der unbegrenzten Möglichkeiten. Als zunehmend das Straßennetz ausgebaut wurde, kamen schnellere Highways hinzu. Und so fuhren bei den Road-Trips auf der Route 66 auch mehr Fun-Faktoren mit dem Hauch von Abenteuer mit, wenn Autofahrer sich damals noch in Olds-Mobiles auf den Weg machten. Das galt ebenso für Trips per Motorrad und Roadies in Wohnmobilen, die verstärkt just for fun über die Mother Road brummten.
Just for Fun an der Route 66 in Collinsville/Illinois – das Catsup Monument Foto Ulrike Wirtz
Nach wie vor steht die Route 66 für das Gefühl der Freiheit und für eine gehörige Portion Nostalgie, nicht nur wenn sie im nächsten Jahr ihren 100. Geburtstag begeht. Ihr Centennial, wie Einheimische sagen, wird entlang der Route gefeiert mit Festivitäten, Memorabilien etc. Doch schon bisher sorgen original Altes und auf alt Gemachtes fürs althergebrachte Flair am Weg: Straßenschilder wie zum Beispiel das Route-66-Schild am Pier in Santa Monica/California; Neon-Leuchtreklamen von Motels wie etwa das vom A. Lincoln Motel in Springfield/Illinois; oder ein alter haushoher Wasserturm in Collinsville/Illinois, der an eine Ketchup-Flasche erinnert, mit dem Werbetext „Catsup“, wie sich die Tomatensauce früher auch schrieb. Alles Retro oder Retro gestylt.
Retro-Leuchtreklame ist typisch allerorten an der Route 66, in Texas etwa die für die Big Texan Steak Ranch
Unterwegs wartet überdies Abwechslung in Form von Naturhighlights wie den Meramec Caverns, die alten Tropfsteinhöhlen nahe Sullivan/Missouri oder in Form von Music Venues in St. Louis/Missouri oder das im September 1949 eröffnete, fast noch original erhaltene Drive-In-Theatre im Ort Carthage/Missouri, der sich im Herbst seiner rot gefärbten Ahornbäume und seines dazugehöriges Maple-Leaf-Festivals rühmt.
Texas‘ Teil der Route 66 ist nur kurz, ähnlich dem in Oklahoma und Kansas – hier den Pit-Stopp original von 1925, den Nelson’s Old Riverton Store, nicht verpassen -, und bietet mit dem Mid Point Café in Adrian/Texas einen traditionellen Kaffee-Stopp quasi auf der Hälfte der Route-66-Strecke. In New Mexico kreuzt man durchs Land der First Nations der Comanche und Tucumcari. In Arizona‘s Weiten warten Kakteen, Kargheit und der Grand Canyon im Westen. Hier tut sich auch bei den Temperaturen buchstäblich Wüstenei auf vor dem ikonischen Panorama karger Bergketten nicht nur am steilen Bergpass nahe Golden Valley.
Kultiges begrüßt Biker und andere Roadies natürlich auch im Staat California, der sich an Arizona anschließt. Allein der lange Abschnitt immer entlang der Wüste des Joshua Tree National Park mit seinen bizarren Bäumen. Bis am Ende hinter dem Pier in Santa Monica der Pazifik schimmert.
Unterwegs durch Abenteuer-Land Foto Eaglerider-Route-66-Motorcycle-Tour
Mehr Info: https://www.route66centennial.org. Spezialist America Unlimited organisiert ab deutschen Landen Motorradreisen als Gruppenreise oder für Selbstfahrer entlang der Route 66 und bietet unterschiedliche Varianten der Strecke an, auch die ganz lange von Ost ganz nach West. Autoreisen etc. gibt es hier auch zu buchen www. https://www.america-unlimited.de. Ebenfalls ab Deutschland operiert Nordamerika-Spezialist Canusa, ohne Motorradreisen, https://www.canusa.de. Tipps für Roadtrips auch auf der oben genannten Website von Brand USA https://americathebeautiful.com/de/road-trips/
New York City betont seinen Charakter als Luxusziel
In der Mega-Metropole erreichen die Zimmerpreise für eine Nacht inzwischen spielend 1000 Dollar ($), selbst wenn nicht Créme de la Créme unter den Fünfsternehotels. Diese gehen derweil schon auf 1500, 2000 $ die Nacht. Kein Pappenstiel, selbst wenn der Wechselkurs der US-Währung zum Euro aktuell sehr attraktiv ist. New York City steht gern dazu, eine Vielzahl sehr gut situierter Reisender anzuziehen und betont diesen Status künftig sogar noch mehr, nämlich mit einem speziellen NYC Luxury Guide bzw. einer eigenen Rubrik „NYC Luxury“ auf seiner Website. Hier präsentiert die Stadt, die niemals schläft, „ikonische Hotels, Restaurants mit Michelin-Rating und exklusive Ateliers“ – nach dem Motto: „Entdecken Sie die schönen Dinge in NYC“.
Weltberühmt und weiterhin gratis zu bewundern – die Skyline von NYC
Aber keine Angst: Zu den Attraktionen zählen nach wie vor auch all die Highlights, die sich Reisende mit normalem Budget leisten wollen und können; auch die finden sich weiterhin auf der Website der Mega-City. Und natürlich gibt es noch Hotels für 200 $ die Nacht. Aber die Gruppe der „Affluent Travelers“, der Wohlhabenden also, hat es in sich.
Sie kommt laut offiziellen Daten aus den folgenden Staaten: United Kingdom (UK), Deutschland, Frankreich, Italien, Australien, Süd-Korea, Brasilien, Indien, Schweiz und Irland. Genau in der Reihenfolge, erhoben nach Anzahl der Reisenden, mit UK an 1. und Irland an 10. Stelle. Julie Coker, President und CEO des New York City Tourism + Conventions, stellte Auswertungen und Zielsetzung „Luxus“ auf der IPW 2025 in Chicago im Juni vor. Sie betonte, dass die Stadt im Jahr 2024 allein 10,7 Mio. Affluent Travelers willkommen hieß, macht über zwei Mio. dieser Besucher mehr als noch 2019, vor dem Einbruch durch Covid-19.
Und dass die Gruppe dieser Wohlhabenden zwar nur 17 Prozent der Gesamtzahl der Besuche ausmacht, dafür aber drei Mal mehr „impact“, also wirtschaftliche Effekte, bringt als der Rest der Besucher. Darauf setzt die Stadt künftig verstärkt. Daher führt die offizielle Touristik-Website von New York City nun eigens Luxus-Rubriken an, wie ein Blick auf die bereits angepasste Website zeigt.
NYC-Präsentation auf der IPW 2025 durch Julie Coker, President & CEO der Touristik-Organisation New York City Tourism + Conventions Foto Ulrike Wirtz
Diese neuen Rubriken widmen sich Luxury Spas wie dem im Premiumhotel Mandarin Oriental, widmen sich Luxury Boutiquen wie der von Alexander Wang und natürlich Luxury Hotels von The Pierre bis zum just wieder eröffneten Waldorf Astoria: das legendäre Haus, das 1897 aus den zwei nebeneinander liegenden Luxushotels Astoria und Waldorf entstand, nunmehr verbunden durch die berühmte Peacock Alley.
Die Hotel-Ikone war von 2017 bis jetzt wegen Restaurierung, Renovierung, Sanierung und Modernisierung geschlossen. Was in der Zeit im prächtigen Gebäude in Art Deko-Architektur vonstattenging, spiegelt sich allein in folgender Zahl wider: Die Anzahl der Zimmer wurde von einst 1413 auf 375 reduziert, dieser Rest extrem vergrößert und vom Feinsten ausstaffiert.
Die Zimmerpreise sind entsprechend hoch: Eine Nacht für zwei kostet bei Booking.com aktuell 1856 $ – für einen Wochentag in der ersten September-Woche. Auf der Website des Waldorf Astoria kostet die gleiche Buchung aktuell nicht unter 2090 $ fürs gleiche Datum im September. Kein Thema für die Happy Few: Man gönnt sich ja auch sonst viel in New York City.
Hitze, Trockenheit, Staub ist Dauerzustand in der Mojave Wüste Nevadas. Immer hat sie auch ihre Extreme und Phänomene, selbst außerirdische. Im Frühjahr fügt die Natur sogar Blühendes hinzu, falls das Wetter zuvor passte. Ein Road-Trip durch Süd-Nevada: ab Las Vegas über Death Valley via Extraterrestrial Highway retour nach Las Vegas – auf 650 Meilen, gut 1.000 Kilometer.
Sie scheint einen anzusehen, einem zuzurufen: Schau her, wie hübsch violett-pink ich bin. Wie schön ich blühe und andere Wildblumen das auch tun. So schön wie lange nicht mehr. Gemeint ist im April 2024 die Super-Bloom – ein regelrechtes Ereignis nach einiger Zeit mit besonderer Dürre in der Mojave in Süd-Nevada. 2025 fehlt wieder mal das Super bei der Bloom. Die Pflanze mit der Blüte in violett-pink heißt botanisch Opuntia Basilaris, gehört zur Familie der Kakteen und steht in ihrer Pracht im April 2024 am Straßenrand irgendwo im Red Rock Canyon 30 Kilometer westlich von Las Vegas.
Meint das Wetter es gut, blüht die Mojave im Frühjahr Foto Ulrike Wirtz
Der Red Rock Canyon wiederum gehört zur Mojave – dieser Wüstenei auf über einhunderttausend Quadratkilometer. Sie liegt größtenteils im Staat Nevada, der bildet fast die Mitte, und in Kalifornien, Nevadas westlichem Nachbarstaat. Östlich von Nevada reichen die Ausläufer der Mojave bis Arizona und Utah. Die Wüste im Südwesten definieren hohe Berge ebenso wie tiefe Senken, die tiefste das Badwater Basin im Death Valley und der tiefste Punkt der USA und fast weltweit. Die rote Schlucht ist das erste Ziel des Desert-Road-Trips. Unser Guide ist Charlie von Bindlestiff-Tours in Las Vegas.
Verlauf des Trips: Start in Las Vegas gen Süd-West via IS 15 South (S) + dann NV 159 West (W) zum Red Rock Canyon + dann NV 160 nach Pahrump, über Nacht im Pahrump Nugget Hotel & Casino+ am nächsten Morgen NV 160 W über die Grenze nach Kalifornien, weiter CA 127 bis Death Valley Junction mit Amargosa Opernhaus + weiter CA 190 W ins Death Valley nach Furnace Creek und Bad Water Basin + aus dem Todes-Tal CA 190 E, NV 374 N nach Beatty, über Nacht im Stage Coach Hotel & Casino+ morgens weiter NV 374 N zur Rhyolite Ghost Town + danach US 95 N zum International Car Forrest of the Last Church + weiter US 95 Nbis Tonopah, über Nacht im Mizpah Hotel+ morgens NV 375, auch Extraterrestrial HW genannt, via Rachel an Nellis Militärbasis und Area 51 vorbei + weiter NV 93 E bis retour in Las Vegas
Hier im Red Rock Canyon blüht die Opuntia Basilaris einfach prächtig. Das hat zwei Reisende dazu verführt, sich sogar in den Staub zu werfen, um die Knospe Instagram-tauglich abzulichten. „Die sieht man hier nicht alle Tage“, so eine der Fotografierenden. Stimmt, sage ich, habe solche Pracht bei früheren Besuchen im Frühjahr auch nicht erlebt und werfe mich zum Fotografieren daneben. „Ihr Glücklichen. Unsere Wüste hat dieses Frühjahr wirklich eine Super-Bloom“, hatte Guide Charlie das besondere Glück schon beim Start in Las Vegas angekündigt.
Das Schild ist alt, der Hinweis immer aktuell In der Mojave – Achtung Rattlesnakes, sprich Klapperschlangen Foto Ulrike Wirtz
Sein besonderer Hinweis fürs Verhalten in der Wüste: „Wer zu Fuß geht, gerade abseits des Asphalts, bitte nur in festem Schuhwerk und langer Hose. Es gibt Schlangen, gar Klapperschlangen, Lizards und Stechkakteen. Die Wüste lebt.“ Und jeder solle immer Wasser dabei haben und viel trinken. Das gesagte gilt für die ganze Zeit on the road, selbst im April, wenn die Hitze noch nicht so gnadenlos ist wie in den Sommermonaten.
Immer präsente Extreme der Natur
Charlie kennt die Mojave von vielen Touren, hat schon Jahre ohne üppige Bloom erlebt und ist daher selbst begeistert. „Die Wüste blüht. Und keiner weiß, ob sie es nächstes Jahr wieder tut.“ Heuer also beschert sie am Weg immer wieder auch die Desert Sunflower (lateinisch Geraea Canescens) als gelb leuchtende Blütenteppiche und die lila schimmernde Büschelblume (Phacelia Calthifolia). Alles Wildblumen und alle hier heimisch.
So beglückt die blühende Desert Sunflower die Mojave und ihre Besucher Foto Ulrike Wirtz
Aber was, wenn die Super-Bloom der Wildblumen ausbleibt bzw. Hochsommer, Herbst und Winter kommen? Dann übernehmen die Extreme von Kargheit, vom Leben mit Hitze, Staub und Trockenheit in der Mojave die Regie und üben ihre Faszination aus. Hinzu kommen von Menschenhand erzeugte „Blüten“ – künstlerische, bisweilen gar seltsame. Das alles versammelt sich auf gut 1.000 Kilometer Fahrtstrecke und lohnt immer den Trip durch die Welt der Mojave.
Die Mojave wurde durch Hochgebrige im Westen zur Regenschatten-Wüste Foto Ulrike Wirtz
Die Dessert zeigt – kaum raus Las Vegas mitsamt Randbezirken – ihre geologische Seite: als Ansammlung von Gestein, Geröll und Sand. Überall Sand wie in der Sahara gibt es dagegen nicht, wohl einige Kilomter Dünen in Death Valley. Farblich dominieren Grau-Braun-Töne. Geografisch ist die Mojave sichtlich ein Tal, durchzogen von Bergzonen von bis zu 1.500 Meter und mehr. Gen West-Nordwest fällt das Auge auf sogar hochalpine Bergketten mitsamt Sierra Nevada – mit bis zu 4.000 Meter hohen Gipfeln wie dem Telescope Peak, mit Schnee auf ihren Kuppen das ganze Jahr. Diese imposante Kulisse kommt während des Trips immer wieder ins Bild.
Regenschatten-Wüste durch das Hochgebirge
Die hohen Gipfel in West-Nordwest jedoch sind auch der Grund, dass vor Jahr Millionen dieses Areal von mehr als einhunderttausend Quadratkilometer zur Wüste wurde. Diese Bergketten nämlich halten die Wolken davon ab, ihr Nass auf die Flächen auf den anderen Bergseiten, den östlichen, bis hinunter in die Täler zu ergießen. Sie bilden einen Regenschatten, wie Fachleute sagen, der ließ die sogenannte Regenschatten-Wüste der Mojave entstehen. Und aus Nevada wurde so der trockenste Staat der USA. In Sachen Hitze hält die Mojave sogar den offiziellen Weltrekord in ihrem Death Valley, das bei fließenden Staatsgrenzen auf kalifornischer Seite liegt: Das Todes-Tal ist Rekordhalter als heißester Punkt der Erde mit 134 Grad Fahrenheit (F) gleich 56,7 Grad Celsius (C).
Offiziell gemessen am 10 Juli 1913 nahe Furnace Creek am Badwater Basin und seither nicht mehr überboten, nirgendwo auf Erden. Am Badwater Basin ist überdies der tiefste Punkt der USA mit 282 Feet gleich 85,5 Meter unter dem Meerespiegel. Alles noch Ziele des Trips, aber erst später. Noch liegt die erste Etappe an, mit mehr Fragen auch zu Wetter und Klima.
In Death Valley sind 99 Grad Fahrenheit gleich 37 Grad Celsius im Schatten erträglich und an der Tagesordnung Foto Ulrike Wirtz
Was den Niederschlag angeht, der fällt in der Mojave von Dezember bis März, April, so die Wetterstatistiken. Was üblicherweise für die Frühjahrsblüte reicht. Zudem gibt es Sommergewitter mit heftigem Regen, selbst im Badwater Basin. Im ganzen Jahr allerdings fallen laut Statistiken im Durchschnitt nur gerade mal 123 Millimeter wegen des Regenschattens. Also keinesfalls genug. Da nutzen auch kühlere Winter in den Hochlagen der Mojave nichts oder die Abkühlung über Nacht. Während man sich das unterwegs klarmacht, erscheint einem Las Vegas – kaum raus aus der Stadt – wie eine Illusion, geschaffen in einer der dortigen Shows.
Außerhalb von Las Vegas herrscht die Wüste in dem ihr eigenen Aggregatzustand. Wer nur Zeit für einen Tagestrip von Las Vegas aus hat: Zum Red Rock Canyon sind es 30 Kilometer. Die Besucher sind per Auto, Motorrad oder Fahrrad unterwegs, auch in organisierten Gruppen. Das GPS zeigt: Durch die Mojave führen nur wenige Asphaltstraßen, und viele unbefestigte Pisten und sind nur etwas mit Allrad, falls das Befahren überhaupt erlaubt ist. Schilder beachten.
Mit jedem gefahrenen Kilometer keimt mehr und mehr die Erkenntnis wie die Blüten im Frühjahr auf, was sich Las Vegas mitten in der Mojave 24/7 leistet: Glücksspiel, Show und seit kurzem Formel-1-Events. Plus alles an Touristik-Infrastruktur, Blumenrabatte und Rasengrün inklusive. Dazu gehört wie selbstverständlich, dass nicht nur die Hotelduschen genügend Wasser führen, sondern die Pools ebenso. Desgleichen bei den Häusern und Wohnungen einer wachsenden Einwohnerzahl; darunter langjährige Bürger wie die Tennisstars Steffi Graf und Andre Agassi.
Viel Wasser für Vegas
Den Bedarf am lebensnotwendigen Nass füttern der Colorado-River und weitere Flüsse, bringen es aus der Ferne heran. Überdies kommt Nachschub durch die Schneeschmelze im Frühjahr im nahen Hochgebirge. Dann füllt das Schmelzwasser die Flüsse bzw. unterirdischen Reserven tief im Boden auf, die auch zur Wasserversorgung angezapft werden. Trotzdem ist und bleibt Wasser rar in der Mojave. Allein es zu managen ist eine Wissenschaft für sich. Und die Verteilung der raren Ressource unter den Wüsten-Staaten und Fluss-Anrainern, ihren Countys, Städten und nicht zuletzt den Militärbasen in der Mojave gilt als hochkomplex und hochpolitisch.
Kenner haben alles mit, denn die nächste Tankstelle ist auch mal fast 100 Kilometer entfernt Foto Ulrike Wirtz
Mit dem Bild vor Augen keimt nicht zuletzt das Verstehen auf, dass die Frühjahrsblüte der Wild Flowers oder gar ihre Super-Bloom 2024 nicht immer garantiert sind. Was einen aber immer an Wüsten-Flora begleitet, ist ihre Grundausstattung: Büsche, Kakteen, ein, zwei Meter hohe Pflanzen, die an Yuccas erinnern, und fünf, zehn Meter hohe Bäume, die in ihrer Form von weitem grob an Kreuze erinnern, aber aus der Nähe wie zerzauste Gesellen wirken.
Sie rauschen auf dem Weg in den Red Rock Canyon und überall später auf dem Trip am Autofenster vorbei wie ausgemergelte Kreaturen – fremd, dennoch von dieser Erde und sehenswert. Was genau das alles ist, erzählen Infotafeln an Haltebuchten entlang der Straße durch die rote Schlucht: die Büsche der Desert Scrub, der Prickle Pear Cactuse, die Mojave Yucca und der an ein Kreuz erinnernde Joshua Tree, auch er Teil der Yucca-Familie. Auch heißt es, dass Joshua Trees 100 Jahre und älter werden.
Bizarre Gewächse, bizarre Vorstellungen
Und das obschon die Wüste ihrer Flora über deren Lebensdauer immer wieder extreme Genügsamkeit abverlangt. „Wir haben immer auch Dürrejahre wie zuletzt“, weiß Guide Charlie. „Die lassen sogar Lake Mead austrocknen.“ Der See ist US-weit der größte Stausee, hegt den Colorado River durch den Hoover Dam ein, dient für Millionen Menschen von Arizona über Nevada bis Kalifornien als Wasserreservoir. Bis 2022 herrschte sogar so viel Dürre, dass im See mit immer niedriger werdendem Wasserstand Überreste aller Art freigelegt wurden, selbst von Toten, die schon jahrzehntelang vermisst wurden. Welch eine bizarre Vorstellung.
Red Rock Canyon ist rot vom Eisengehalt im Sand, der hier vor Jahrmillionen lag – bis er zu Fels wurde Foto Ulrike Wirtz
Nun aber volle Aufmerksamkeit auf den Red Rock Canyon. Seine rostige Färbung hat seinem Namen schon von weitem alle Ehre gemacht. Aus der Nähe wechselt das Gestein sein Farbkleid in hell- bis dunkelrote Nuancen. Das Rot kommt vom hohen Eisengehalt in den Felsen, so die Infotafel. Zu lesen steht hier auch, dass vor 180 Millionen Jahren im Gebiet riesige Sanddünen waren. Die verwandelten sich im Lauf der Zeit durch das Klima zu Stein, hatten zuvor in quasi jedem Sandkorn Eisenmineral angereichert und färbten auch das Gestein rot. Klettern in den Felswänden der Schlucht ist erlaubt, auch wenn das Gebiet als Red Rock Canyon National Conservation Area besonders geschützt ist.
Etliche Kletterer haben sich denn auch auf den Weg gemacht – Mittagshitze hin oder her. Zu einladend sind die rundlichen Formen der Felsen. Wirklich bequem ist der Weg zum höchsten Punkt der Schlucht nur per Auto über Asphalt, mündet auf 4.780 Feet gleich rund 1.500 Meter am Outlook und wird mit 1a-Aussicht belohnt. Der Platz ist laut Road-Map als High Point Overlook markiert und praktisch nicht zu verfehlen. Von hier geht es weiter, geht erst wieder hinab und wieder hinauf und bald aus der roten Schlucht heraus.
Ranch einst in deutscher Frauenhand
Läge am Weg zuvor nicht noch die Spring Mountain Ranch mit ihren üppig grün belaubten Bäumen und gepflegten Gebäuden und mit ihrer schillernden Vergangenheit. Sie ist keine Working Ranch mehr, steht zur Besichtigung offen und ist seit 1974 Teil des Spring Mountain Ranch State Park mit Wanderwegen, Naturkunde-Kursen und Konzerten. Weitere Highlights sind ihre alte Schmiede und das einstige Wohnhaus mit dem Mobiliar von anno dazumal; hier ist auch ein Shop, um Kurse und Exkursionen zu buchen und Eintrittskarten zu kaufen. Die Ranch liegt auf einer Anhöhe, empfängt daher ihre Besucher mit einem um vier, fünf Grad angenehm kühleren Klima, als es in der Ebene und in Las Vegas herrscht.
Überdies ist und war die Spring Mountain Ranch eine echte Oase im Outback, da sie über eine Wasserquelle verfügt. Daher ihr Name, daher die üppig grünen Bäume. Daher auch die Historie des Areals mitsamt später errichteter Spring Mountain Ranch: Den Platz nutzten erst die Indianer der Mojave, bis man sie vom Land vertrieb. Dann diente er Gaunern als Rückzugsort mit Bergkühle und Wasserversorgung. Danach kamen und blieben Soldaten aus gleichen Gründen. Um 1870 begründete dann ein Sergeant am Ort eine Rinder-Ranch und baute 1876 das Haus zur Ranch aus Holz und Sandstein, das noch heute existiert und eines der ältesten Gebäude in Nevada ist.
Erst Ort der Indianer, dann von Gaunern, Siedlern, später in deutscher Hand und nun National Park – die Spring Mountain Ranch und ihr Land Foto Ulrike Wirtz
Geradezu illuster, speziell auch für Kineasten, wurden die 1950/1960 Jahre, nämlich wegen der Eigentümer der Ranch. Sie gehörte von 1967 bis 1972 Flugzeugbauer und Millionär Howard Hughes, der laut Park-Ranger David Lows Erzählungen selbst nie vor Ort kam. Vorherige Eigentümerin war die Deutsche Vera Krupp – von 1955 bis 1967. Bilder und Texte im Haus klären über ihr Leben auf.
Wie ein Drehbuch über eine High-Society-Lady – und der Krupp-Diamant
Vera Krupp war einige Zeit Schauspielerin, lebte eine Zeitlang in den USA und heiratete 1952 Alfried Krupp von Bohlen und Halbach, den Millionen schweren Eigentümer der deutschen Stahlschmiede Krupp im Ruhrgebiet. Als das Paar 1957 geschieden wurde, kaufte Vera die Ranch, nannte sie um in Spring Mountain Ranch und lebte hier bis 1967. Schlagzeilen sollten sie bis in die Mojave von Nevada begleiten. Schon dass Vera Krupp, die einstige High-Society-Lady, selbst auf der Ranch mitarbeitete und selbst hoch zu Ross mit den Cowboys sogar Rinder trieb. Schon dass sie sich als Special Deputy des Sheriffs im Clark County, in dem ihre Ranch lag, betätigte und sich mit Revolver im Halfter abbilden ließ.
Vera Krupp heiratete den Industriellen Alfred Krupp, später hatte sie ein Ranch in der Mojave von Nevada Foto vom Foto Ulrike Wirtz
Und dann noch folgende Räuberpistole, die ein Drehbuch nicht besser hätte erfinden können. Gatte Alfried hatte Gattin Vera einen Ring mit dem berühmten Krupp-Diamanten von gut 33 Karat geschenkt. Den trug sie später selbst bei der Ranch-Arbeit, enthüllte ein Polizeibericht. Solch ein Bericht wurde nötig, weil Diebe das Schmuckstück stahlen. Sie überfielen Vera Krupp, als sie nach getaner Arbeit mit dem Vorarbeiter beim Abendbrot saß, und zogen ihr laut Polizei den Ring mit Gewalt vom Finger. Sogar das FBI wurde eingeschaltet, der Ring samt Diamant wieder gefunden und ein Jahr nach ihrem Tod 1967 versteigert. Wer ihn kaufte: Schauspielstar Richard Burton für seine Angetraute, die Filmdiva Elisabeth Taylor, die sich mit dem Diamanten auch in Filmen schmückte.
Angeblich das Gewehr-Arsenal von Vera Krupp, die auch Deputy Sheriff war Foto Ulrike Wirtz
Generatoren versorgten damals die Ranch mit Strom, waren aber leer, als der Überfall stattfand. Daher fiel auch das Telefon aus. Die bestohlene Vera fuhr daher 30 Kilometer über Stock und Stein bei Nacht nach Las Vegas, um die Polizei anrufen zu können. Die Ranch könnte einem heute noch als Refugium gefallen. Jedenfalls würde der große Kamin im Ranch-Haus in Winternächten heizen wie ein Lagerfeuer. Dank Stromversorgung über Leitungen sorgt heute eine Klimaanlage im Sommer für angenehme Kühle drinnen. Aber nachts wäre es nach wie vor sehr einsam mitten in der Mojave.
Seit Jahrzehnten ziehen sich moderne Stromleitungen durch die Wüste. Die Kommunikation, auch fürs GPS, erfolgt quer durch die Wüste per Satellit und Mobilfunk. Trotzdem sollte man für ein Blackout vorsorgen und eine Straßenkarte aus Papier bzw. als Download im Gepäck haben.
Auf die Ranch folgt das Lunch im Mountain Springs Saloon – nach weiteren 30 Kilometer über den NV 160. Das Lokal gilt als cooler Pit-Stop, wie Locals sagen, und das auch wegen seiner Höhenlage mit entsprechend kühleren Temperaturen. Sein weiteres Angebot sind Life Music, Terrasse, Essen und Trinken. Es wird Billard gespielt. An die Wände darf, wer möchte, Ein-Dollar-Noten kleben. Das haben viele getan. Hinweisschilder verbieten das offene Tragen von Waffen. Auch das ein Thema in Nevada. Wie auch die Küche Mexikos: mit Burritos, Taccos, Nachos, Enchilada. Aber last, but not least serviert der Saloon auch Classic Burger und B.B.Q. Ribs.
Billard-Tisch auf Rädern, Dollar-Bills an den Wänden – der Mountain Springs Saloon Foto Ulrike Wirtz
Was es mit den Dollar-Bills auf sich hat: „Du schreibst einen Namen drauf. Derjenige kann das Geld nehmen“, erklärt Barkeeperin Susan. „Wenn er denn herkommt.“ Was angesichts der vielen Dollar-Noten rundum im Saloon keiner zu tun scheint.
Zur ersten Übernachtung geht’s in Pahrump in das Pahrump Nugget Hotel & Casino. Selbst mitten im Outback geht Glücksspiel, auch 24/7, auch in Pahrump und damit quasi um die Ecke von Death Valley. Dorthin liegen am nächsten Tag knapp 100 Kilometer/60 Meilen an.
Ultra-heiß und extra-tief – Death Valley
Je näher Death Valley kommt, umso karger, grau-brauner wird die Farbpalette der Mojave. Selbst ihre Grundausstattung an Flora wird rar, keine Spur mehr von der Super-Bloom. Unbemerkt ging unterwegs Nevada in Kalifornien über, wechselte die Straße ihren Namen in CA 190, auch State Line Road genannt. Nicht nur Fans ausgefallener Kultur-Locations stoppen auf der Etappe in Death Valley Junction an der Kreuzung CA 190/127. Der Ort zählt keine zehn Einwohner, wartet aber mit dem Amargosa Opera House und seinen diversen Kulturevents auf. Ein Hotel gibt es auch.
Heutige Etappe ab Pahrump: den NV 160 W über die Grenze nach Kalifornien, hier genannt CA 190 oder auch Death Valley Scenic Byway. 1. Stopp in Furnace Creek, 2. Stopp Badwater Basin und 3. Devil’s Golf Course. Danach via Daylight Pass Rd. NV 374 raus aus Death Valley zurück nach Nevada und nach Beatty für die Nacht ins Stage Coach Hotel & Casino.
Alles Bauliche könnte kaum unscheinbarer sein: ein weißer Flachbau in U-Form im alt-mexikanischen Stil weiß getünchter Lehmziegeln. Auffällig wird beim Näherkommen nur eine kleine Tür, da schön bunt angemalt und darüber der Name des Hauses. Hier geht es hinein in den Kulturtempel. Aber um diese frühe Tageszeit ist er geschlossen. Erbaut wurde das ganze 1925 durch die Minengesellschaft Pacific Borax Company PCB – als ihr Hauptquartier plus Hotel mit 23 Zimmern, Restaurant und großer Halle. Damals baute die PCB im Death Valley mitten im Todes-Tal das Mineral Borax ab.
Death Valley ist nah, aber das Amargosa Opera House keine Fata Morgana Foto Ulrike Wirtz
Die Halle diente für Versammlungen, Tanz und Theater. Bis alles endete, fast verfiel und 1967 die Künstlerin Marta Becket (1924-2017), eine New Yorker Balletttänzerin, die Immobilie kaufte, Kultur-und Ballett-Events aufziehen wollte und das erfolglos tat. Bis der National Geographic über sie und ihr ambitioniertes Projekt in der Mojave berichtete. Seitdem ist das Hotel in Betrieb. Die Oper wird bespielt. Spenden sind immer willkommen. Die Künstlerin hat angeblich selbst die Eingangstür so kunstvoll bemalt.
Dante’s View und Badwater Basin
Die Badwater Rd. wartet, führt erst nach Furnace Creek in das Visitor Center & Museum des Death Valley National Park. Das Center stellt interessante Exponate und gewisse verlässliche Infrastruktur (WC) bereit und informiert vor allem auch, welche Sträßchen und Pisten durch das Death Valley aktuell gesperrt sind. Zumal selbst hier im Todes-Tal urplötzlich Gewitter mit Starkregen aufziehen können, der Straßen unterspült und Umwege nötig macht. Nahe Center wartet das Hotel Ranch Death Valley und bietet auch einen Shop, um Snacks und Wasservorräte aufzufüllen und so weiter.
Das Thermometer zeigt am 30. April 2024 um 15.01 Uhr 99 F/37 C. Die Luft ist trocken, die Sonne brennt, dabei ist es erst Frühjahr. In der folgenden Nacht, so die Wetterstation im Visitor Center, wird es sich auf 71 F/22 C abkühlen, um sich tagsüber erneut aufzuheizen. Vorboten der Rekord-Extreme: die schon erwähnten 134 Grad F/56,7 C, gemessen im Juli 1913. Temperatur-Highlights jüngster Zeit blieben knapp unterm Rekordwert – mit 129,9 F/54,4 C am 18. August 2020 sowie 130 F/54,4 C am 9. Juli 2021.
Höllisch, doch von dieser Erde: das salzhaltige Badwater Basin aus gut 1.600 Meter Höhe von Dante’s View aus betrachtet Foto Ulrike Wirtz
Ab Visitor Center sind es noch 18 Kilometer zum Bad Water Basin. Einen ersten optischen Eindruck ermöglicht der Aussichtspunkt Dante’s View in der sogenannten Black Mountains Range. Hierher hat sich das Auto auf 1.679 Meter hoch gezirkelt. Tief unten dann eine weiß schimmernde kilometerlange Fläche, die ab und an leicht smaragd-grün glänzt wie ein eiskalter Bergsee im kanadischen Whistler. Dazu am Horizont hohe Gipfel, die viel zu wenig Regen zulassen hier und überhaupt in der Mojave. Von oben sieht das ganze Weiß in der Senke nach Schnee aus. Oder sind das Halluzinationen?
Das Weiß ist jedenfalls Salz, das Basin ein einstiger, nun ausgetrockneter Salzsee. Das bestätigt sich, als es von Dante’s View wieder hinuntergeht – erst im Auto die 1.679 Meter, dann weiter zu Fuß bis zum niedrigsten Punkt der USA. Sprich auf 85,5 Meter unter dem Meerespiegel. Am Zielort kurz den Finger eingetaucht ins Basin und am Weiß geschleckt. Grrr, Salz, sagen die Geschmacksknospen, tatsächlich kein Schnee.
Führt das Badwater Basin mal zwei Zentimeter Wasser, geht es barfuß weiter Foto Ulrike Wirtz
Das Basin und seine weißen Flächen dürfen betreten werden. Menschen flanieren darüber, ein, zwei Kilometer hin und zurück. Aber Achtung heuer – nasse Füße. Daher gehen manche barfuß durch die weiße Senke. Den Boden des Basin bedecken gar zwei, drei Zentimeter Wasser von Regen zuvor. So wird das Salz zu körnig-feuchter Masse. Guide Charlie: „Ohne Wasser wäre das eine einzige feste Kruste. Das ist sie meist. Das Wasser ist schnell wieder verdunstet.“ Denn heiß ist es, so heiß. Den Flanierenden rinnt der Schweiß über die Stirn, durchs Gesicht. Kappe bzw. Kopftuch und Sonnenbrille tun not. Der eigene Wasserhaushalt ruft nach Nachschub. Hitze und flirrende Luft scheinen noch intensiver als am Visitor Center und sind es. Kein Wunder am bisher heißesten Ort auf Erden, der je offiziell gemessen wurde.
Der Golfplatz des Teufels
Kein Wunder auch, dass manche das Todes-Tal für Teufelswerk halten und wenige Kilometer entfernt vom Basin den Devil’s Golf-Course vermuten. Der Platz entpuppt sich als Areal, dessen Boden mit Messerscharfem bedeckt ist, das wie Blumen aus der Erde zu wachsen scheint. Alles Kristalle, optisch magisch und ein auf die Ewigkeit angelegtes Naturphänomen der Mojave in ihrem Death Valley. Das nächste Phänomen wartet um die Ecke.
Kunst der Natur – die Artists Palette Foto Ulrike Wirtz
Die Artist’s Palette am Artist‘s Drive Scenic Loop, der von der Badwater Rd. abgeht: ein Felsmassiv, auf dessen Flächen Mineralien im Gestein für einen Farbrausch sorgen. Rot, orange, türkis-grün, pink. Sachlich betrachtet sind das Spuren von Eisenoxiden, Bauxit, Chloriden etc. Von hier geht es erst den Loop wieder retour, dann weiter den CA 190. Sand türmt sich auf einmal auf: die Mesquite Flat Sand Dunes. Die Sahara lässt grüßen, allerdings nur auf wenige Kilomter. Die Mesquite Flat Sand Dunes sorgen für Lichtspektakel, je nachdem wie die Sonne den Sand anlacht oder nachts ein voller Mond. Der Wanderweg durch die Dünen ist hin und retour gut drei Kilometer und beschwerlich.
Entlang der Dünen Mesquite Flat Sand Dunesführt die CA 190 E raus aus Death Valley und Kalifornien und zurück in die Mojave von Nevada auf die NV 374 nach Beatty; hier über Nacht im Stage Coach Hotel & Casino.
Eine Stadt erst hoher Blüte, dann schnellen Zerfalls – Rhyolite ist heute Geisterstadt Foto Ulrike Wirtz
Kulissen-Wechsel: Nahe Beatty wartet ein Relikt von Menschenhand: die Geisterstadt Rhyolite Ghost Town. Wie der Name schon sagt, nur Geister wohnen jetzt noch in den zerfallenen Häusern aus der Blütezeit von rund 1905. Ruinen und Geschichten einstiger Bewohner lassen sich erkunden. Weiter nördlich folgt der Stopp im einstigen Goldgräberstädtchen Goldfield, weil im Ort neben rund 200 Einwohnern noch metallene Geister wohnen und was für welche: Autowracks als Gesamtkunstwerk von Menschenhand.
Mit Autowracks treibt die Mojave seltsame Blüten Foto Ulrike Wirtz
Die Wracks wurden von kreativen Köpfen mal kopfüber einzementiert oder im Boden eingegraben. Oder die Künstler haben die zerbeulten Auto-Boliden hoch auf andere Wracks positioniert. Das Arrangement beschreibt sich als Galerie der Kunst, nennt sich auch einen Skulpturengarten und fordert Respekt für die Künstler. Alles d’accord und einen Umweg wert.
Der nächste Stopp ist der Tonopah Historic Mining Park und erzählt, wie in Rhyolite und anderswo die Minengesellschaften ihr Geschäft betrieben haben, wenn sie der Wüste ihre Schätze abtrotzten, wenn sie Backofentemperaturen hin oder her nach Bauxit oder Gold und Silber schürften. Manche Firmen tun es immer noch oder tun es wieder. Dass dabei damals auch vierbeinige Mitarbeiter halfen, ist eine ganz andere Geschichte – mit Folgen für die Fauna bis heute. Die lassen sich unterwegs leibhaftig erleben. Die Vierbeiner waren Esel.
Früher Lastenesel, heute verwildert – Burro heißen sie und sind manchmal zutraulich Foto Ulrike Wirtz
Genannt Burros. Sie wurden damals als Zugtiere und Lastenträger eingesetzt, leben nun verwildert in der Mojave. Und siehe da, ab und an kreuzen sie irgendwo im Nirgendwo auf einmal den Weg und sehen einen niedlich an. Sie lassen eine gewisse Nähe zu. Aber Füttern veboten und Jagen auch.
Die heutige Etappe führt von Beatty nach Tonopah. Der Ort auf 1843 Höhenmeter hat – na klar – ein Casino, eine Brauerei und mit dem alten Mizpah Hotel einen coolen Stopp zum Übernachten.
Tonopah wirkt fast verträumt, dabei herrscht im Ort mit gut 2.000 Einwohnern für die Mojave relativ viel Leben. Gegründet anno 1901, pflegt Tonopah bis heute seine guten Verbindungen zur Air Force und seine starke Vergangenheit als Zentrum der Schürfgebiete in den Bergen. Der legendäre Law-&-Order-Man Wyatt Earp soll seinerzeit vor Ort einen Saloon unterhalten haben. Das Mizpah Hotel, erbaut 1905, war dereinst das höchste Gebäude in ganz Nevada – mit gerade mal fünf Stockwerken. Lang, sehr lang ist das her. Längst haben Las Vegas‘ Hotels diese Höhe gesprengt. Das Mizpah hat dagegen seinen Charme als historische Herberge mit dem Luxus damaliger Zeit erhalten und angenehm ergänzt um heutigen Wohnkomfort.
Das Mizpah Hotel mit Bar glänzt in alter Eleganz Foto Ulrike Wirtz
Morbides strahlt Tonopahs alter Friedhof aus. Spuken soll es im daneben liegenden Clown Motel, 100 North Main Street, laut Eigner das furchterregendste Motel der USA. Andere zieht es gleich in die Tonopah Brewing Company, 315 South Main Street, auf ein, zwei, drei Bier nach all dem Staub der Wüste; und dazu Burger oder Steak. Auf die Stärkung folgt das Sternegucken, schließlich hat Tonopah einen offiziellen Dark Sky – perfekt für den letzten Abend des Road-Trips retour Las Vegas, wo wieder ein einziges nächtliches Lichtermeer wartet. Dark Sky ist auch ein Titel für Orte/Regionen, wo allein Sterne, Mond und Milchstraße bei Nacht funkeln. Davon hat die Mojave etliche.
Ein Paradies für Sternegucker
Am Firmament herrscht tiefe Dunkelheit, keine künstlichen Beleuchtungen stehlen dem Himmel und seinen Gestirnen die Schau. Ein Faszinosum und eine Story für sich, liegt nun der Fokus auf Ufos am nächtlichen Himmel. Schließlich ist die Area 51 nicht mehr weit, versteckt sich am Weg der letzten Etappe. Achtung – die Area steht für Verschwörungstheorien, Legendenbildung und Utopie. Anders als der bisherige Road-Trip durch die Wüstenei der Mojave, wo vieles zwar ungewohnt-fremd, doch von dieser Erde ist.
Die letzte Etappe führt 250 Kilometer via NV 375 South von Tonopah über Rachel nach Las Vegas. Vorbei an der Nellis Air Force Bombing and Gunnery Range und der berühmt-berüchtigten Area 51, wo angeblich Ufos und Aliens gesichtet wurden. Daher heißt der 375 auch ExtraterrestrialHW.
Das Gebiet der Area 51 wird total abgeschirmt, wurde lange Zeit durch diverse US-Regierungen verleugnet und gehört zur Luftwaffen-Basis Nellis Air Force Bombing and Gunnery Range, die Testgelände für Militärisches und sowieso Sperrgebiet ist. Die Basis liegt nahe dem Örtchen Rachel mit kaum 50 Einwohnern am NV 375; Rachel befindet sich damit am nächsten zur ominösen Area. Die einzige Kneipe im Ort ist das Little A’Le’Inn, das seine Geschäfte ganz aufs Außerirdische verlegt hat, alles Mögliche samt Alien-Masken feilbietet, nebst Möglichkeiten zu übernachten.
Das Little A’Le‘ Inn ist touristische Infrastruktur am Extraterrestrial HW nahe Area 51 Foto Ulrike Wirtz
Obschon sich Ufos und Aliens bisher nicht nachweislich eingefunden haben, lockt die wüste Story darum jedes Jahr aufs Neue Menschen in die Gegend. Der Deutsche Jörg Arnu erzählte der FAZ jüngst seine Sicht der Dinge (Ausgabe 3.5.2025). Er kam laut FAZ 1998 erstmals als Besucher her. Und direkt faszinierten ihn die Dunkelheit der Wüste und ihr Sternenhimmel. Er kannte damals auch schon die Erzählungen zu Außerirdischen. Später bezog der Elektrotechniker und Software-Entwickler ein Haus in Rachel nur wenige Kilometer entfernt von Nellis Basis und Area 51. Arnus Erkenntnisse nach all den Jahren, in denen er Flugbewegungen, Lichter und Überschall-Geräuschkulissen vor Ort beobachtet hat: „Die Area 51 hat mit Ufos und Aliens nichts zu tun.“
Den Highway nahe Area 51 reklamieren Außerirdische für sich, aber Erdlinge welcome Foto Ulrike Wirtz
Wie er alles sieht und was er beobachtet, hält Arnu auf seiner Website dreamlandresort.com fest: „Das Sperrgebiet ist ganz eindeutig Testgelände für Air Force und Navy.“ Offiziell enttarnt ist die Area 51 als Teil der Basis ohnehin, seit Barack Obama in seiner zweiten Amtszeit ihre Existenz offiziell einräumte. Und Ufos bei Rachel am Straßenrand? Alles Erzählstoff und Touristen-Attraktion und wenn, dann nur Attrappen. Bisher jedenfalls. Die Super Bloom unterwegs war dagegen real.
Websites und weitere Info
Allgemeine Besucher-Info zu Nevada http://travelnevada.de. Zum Tourenanbieter Bindlestiff in Las Vegas www.bindlestifftours.com
Zum Regen in der Mojave: Durchschnittlich fallen fünf Zentimeter, damit wesentlich weniger als in anderen Wüsten. Gelegentliche Gewitter mit heftigem Regen sind speziell im Spätsommer möglich. Historische Überschwemmungen gab es zuletzt im August 2022; alle Straßen mussten geschlossen worden, Autos wurden weggespült oder unter Erdreich begraben. Es gab keine Rückmeldungen von Verletzten.
Die deutsche Historie ist die eine Besonderheit des Hill Country im Südwesten des Lone Star State. Die andere: Die schöne Hügellandschaft entwickelt sich zu einer großen Weinregion der USA. Ihr offizieller Name: Texas Hill Country AVA. Hier gehen Verkostungen heimischer Tropfen Hand in Hand mit Landschaftsidylle. Ein kleiner Roadtrip. (alle Fotos Ulrike Wirtz)
Der Rosé glitzert im Weinglas. „Das ist unser Lizzie Rose. Zu 100 Prozent aus der Malbec Traube – alle aus unserem Weinberg. Ein Top-Wein unseres Texas Heritage Vineyard“, so Susan Johnson (Foto oben). Sie ist die Inhaberin des Weinbaubetriebs fünf Auto-Kilometer östlich vom Städtchen Fredericksburg am US Highway 290. Obschon Highway genannt und auch mal mehrspurig, ist der Verkehr relaxt – passend zur malerischen sanft-welligen Hügellandschaft, die ihren Namen Hill Country deshalb führt. Nun der erste Schluck des farblich leicht hellrosa Tropfens. Der auf der Zunge kühl-fruchtige Frische entfaltet. Dezent-süß am Gaumen schmeckt. Samtig durch die Kehle rinnt. „Unser Lizzie Rose 2021. 30 Dollar die Flasche.“
Der Rosé Malbec vom Texas Heritage Vineyard erfreut die Gaumen
Verkostet wird der gut mundende Tropfen im weiß gehaltenen Tasting Room des Texas Heritage Vineyard (VY), einer von rund 100 Weinbaubetrieben im Südwesten des Lone Star State. Mit dem Glas in der Hand löst sich das Klischee zu Texas auf, dass den US-Staat nur große Ranches und Cowboys prägen. Susan lächelt, gießt einen Probierschluck nach. „Unser Lizzie Rose wurde 2021 als bester texanischer Rosé beim Houston Rodeo geehrt.“ Houston: Millionen-Metropole 370 Kilometer östlich von Fredericksburg. „Das Rodeo ist berühmter jährlicher Wettkampf- und Viehzüchter-Event, lockt mehr als zwei Millionen Besucher an und wurde 1931 erstmals ausgetragen.“ Soll auch heißen: „Im riesigen US-Staat gehen Ranch-Kultur und Weinanbau gut zusammen“ (Susan).
Rosé vom Feinsten vom Texas Heritage Vineyard
Man erfährt von Winzerin Susan auch, dass sie bis 2013 gute Tropfen nur konsumierte und im gleichen Jahr mit ihrem Gatten Billy anfing, im Hill Country Rebstöcke anzubauen. „Da wollten wir an sich iaufhören zu arbeiten. Stattdessen habe ich noch am College Önologie studiert und mithilfe eines Experten selbst als Winemaker begonnen. Den Posten hat nun seit 2024 Tyler Buddemeyer inne“ – ein Texaner Mitte 30 aus Houston. Was der Rosè-Verkoster dann bemerkt: dass die Trauben des Lizzie Rosé Malbec nur einige Schritte vom Tasting Room wachsen. Nur einige Schritte zur Terrasse hinter dem Tasting Room – und schon kann der Blick dorthin schweifen, wo Trauben des Texas Heritage VY gedeihen: Reihe um Reihe Rebstöcke, hier und da Wiesen und Weiden und in der Ferne noch mehr davon. Auch von benachbarten Weinbauern.
Erst seit 2014 als Weinbauer dabei, doch schon anerkannt, wie prämierte Weine des Texas Heritage Vineyard zeigen
Das Areal ist Teil des Hill Country und gehört zum offiziellen Weinanbaugebiet Texas Hill Country AVA. Das Kürzel steht für American Viticultural Area und erfasst die anerkannten US-Weinbaugebiete, auch die weltberühmten AVAs in Kalifornien mit Nappa und Sonoma an der Spitze und mit 154 AVAs insgesamt in Kalifornien. Texas hat acht AVAs, eine davon die Texas Hill Country AVA.
Die Texas HIll Country AVA ist eine von acht offiziellen Weinanbaugebieten in Texas
Die wurde 1991 offiziell begründet, hat diese rund 100 Weinbauern und wuchs mit gut neun Mio. Acres gleich 300 Hektar bebauter Rebfläche zur zweitgrößten US-AVA nach Fläche heran. „Wohlgemerkt nach Fläche. Verglichen mit Bekanntheit und Ruf von Nappa und Sonoma gerade auch international läuft Texas unterm Radar, auch die Texas Hill Country AVA“, so Benedicte Rhyne, gebürtig aus der Provence, Master-Önologin der Universität de Bourgogne in Dijon und seit 2002 als Winemaker in Fredericksburg tätig – nach Stationen in Frankreich, Neuseeland und Sonoma.
Pioniere setzen auf Qualität statt Menge
Doch gerade auch im Hill Country tat und tut sich einiges, was Entwicklung und Bekanntheit pusht. „Wir als jüngere Winzergeneration setzen seit über einer Dekade mehr auf Qualität als Menge. In der Texas Hill Country AVA wurde gute Pionierarbeit geleistet“, betont Expertin Benedicte. Und ist selbst einer der Pioniere vor Ort, war unter anderem von 2014 bis 2024 Winemaker der Kuhlman Cellars, ebenso gelegen am US 290 östlich von Fredericksburg. Den Weinbaubetrieb baute sie von null mit auf, nennt ihn als kleineren Winzer Boutique-Winery, fährt fort: „Unsere Weine werden meist direkt bei den Winzern getrunken und stehen regional bzw. Texas-weit auf den Weinlisten guter Restaurants. Das ist gut so, spricht sich herum und lockt immer mehr Gäste an, die wegen unserer Weine anreisen. Sogar aus der Ferne.“
Im Hill Country gehen die Uhren oft noch althergebracht-langsam – das entspannt
So kommt es, dass nach Aufbaujahren im Gebiet der Texas Hill Country AVA folgendes gut zusammenkommt: ein Road-Trip zur Weinverkostung durch relaxendes Natur-Ambiente. Dafür reicht schon der US 290 gen Osten (290 East) ab Fredericksburg, weil allein hier am Weg schon etliche Weinbaubetriebe und Tasting Rooms warten. Darum auch Fredericksburg: Das Städtchen mit 10.000 Einwohnern liegt zentral in der Texas Hill Country AVA und ist mit guter Infrastruktur bei Lokalen und Unterkünften ein bequemer Standort. Von hier sind die Entfernungen nicht nur gemessen am großen Texas klein. Siehe zum Beispiel folgende drei Ziele, die einen Stop wert sind, weil sie als Topadressen gelten: ab Fredericksburg zum Texas Heritage VY sechs Kilometer; von hier zu den Kuhlman Cellars weitere 24 Kilometer; dazwischen die Becker Vineyards, gegründet 1992 und einer der ältesten Weinbauern in der AVA.
Schön cruisen und gut verkostenam US 290
Auf der Route über den US 290 East cruist das Auto gemächlich vorbei an Weiden, Wiesen und Rebstöcken. Vorbei an Gattern mit Toren, durch die es zu einer der Farmen geht, mit Gebäuden fern der Straße irgendwo im Grünen. Darunter auch solche Farmen, die sich nicht dem Wein widmen, sondern Äpfel und vor allem Pfirsiche anbauen als US-weit nachgefragte Spezialität der Region. An manchem Zaun oder scheunenartigem Gebäude hängen daher Schilder: Peaches, Apples. Über all dem fast kitschig schön der texanisch-blaue Himmel. Zudem offensichtlich: Rinder-Ranches mit massenhaft Viehzucht sind im Hill Country selten, Trucks und Traktoren dagegen oft Begleiter. Aber auch Motorbikes und Radfahrer, die „for fun“ unterwegs sind. Beide Arten Bikes tragen jedenfalls oftmals Gepäck, das auf einen längeren Road-Trip schließen lässt.
Eine Art Pfälzer Weinstraße
Die Weinanbieter unterwegs weisen kleinere Schilder am Weg aus: etwa Hye Meadow Winery oder William Chris Vinyard, Siboney Vinyard oder schlicht 290 Vinery. Und und und, auch Texas Heritage VY, Kuhlman Cellars oder Becker Vineyards. Alles in allem macht die Route in der Tat den Eindruck, als wäre der US 290 eine Art Pfälzer Weinstraße. So bewerben ihn nämlich die zuständigen Wein- und Touristikorganisationen. Und wieso Pfalz: weil die ersten deutschen Siedler in der Region 1845 in Scharen aus den grünen Hügeln der Pfalz nach New Braunfels emigrierten und später auch nach Fredricksburg zogen. Ersterer Ort gegründet 1845 von Prinz zu Solms aus der Pfalz, letzterer ein Jahr später von Otfried Hans Freiherr von Meusebach aus Dillenburg, der sich in USA John O. nannte und auf den Prinzen, auch genannt Texas-Carl, in gleicher Funktion folgte: Die zwei organisierten offiziell die Emigration der Pfälzer nach Texas.
Benedicte Rhyne – Französin, Master in Önologie und eine Dekade Winemaker der Kuhlman Cellars in der Texas Hill Country AVA
An Wochenenden herrscht auf dem US 290 oft Hochbetrieb, auch in den Tasting Rooms, warnen Einheimische und stellen für Tage unter der Woche spürbar weniger Verkehr in Aussicht. Aber Achtung: Montags haben viele Tasting Rooms Ruhetag. Doch die Fahrt an diesem Sonntag im Mai gestaltet sich entspannt. Unser Ziel nach dem Texas Heritage VY: die Kuhlman Cellars, ein gutes Jahrzehnt Benedictes Wirkungsstätte. Auch hier wieder viel Natur und quasi mittendrin ein modernes Gebäude ohne Pomp und Schnörkel. Es hat innen die Räumlichkeiten für Verkostungen und Bistro-Küche, draußen eine große Terrasse mit Tischen zum Verweilen und auf der Wiese bis zu den Rebstöcken weitere Tische. Auch hier lässt sich wieder schön entspannt probieren und plaudern.
Master-Önologin Benedicte ist ganz in ihrem Element, wenn sie über Wein spricht. „AVAs stehen für den Anbau gewisser Trauben auf bestimmten Böden und ein bestimmtes Klima. Auf dass Weintrinker einen bestimmten Stil und Geschmack erwarten können“, so Benedicte. Das heißt fürs Hill Country: „Es hat mineralische Lehmböden, auch anteilig Sand und das Sediment von Flüssen. Es gibt zudem Terroir kalkhaltiger Böden mit hoher Mineralität. Die hiesige Hitze ist eher trocken, das Klima im Winter kühler. Wir können Hagel und Frost haben. Wir liegen ja höher auf bis zu 800 Meter.“ Benedictes Traubenauswahl als Winemaker bei Kuhlman: „Der White Estate Grown ist ein Mix aus 70 Prozent Marsanne und 30 Prozent Roussanne. Beide Trauben sind Varianten aus dem französischen Rhone-Tal und werden in Stahlbehältern gekeltert.“
Ein weißer Topwein der Kuhlman Cellars, gewinzert von Benedicte Rhyne
Blass-gelblich ist die Farbe dieses Weißen, geschmacklich kommt leicht Zitrus mit Noten von Birne und Ananas auf den Gaumen. Vollmundig, leicht, und von texanischer Sonne am besagten texanisch-blauen Himmel verwöhnt. Und die Roten: „Das sind Blends mediterraner Trauben. Mauvais, Grenache, Tempranillo, Malbec, Sangiovese usw.. Mediterrane Trauben wachsen auf den Böden und im Klima des Hill Country sehr gut.“ Im Geschmack seien die Rotweine leicht, samtig. „Aber ein Blend mit Cabernet Sauvignon, Tempranillio und Malbec kann auch stärker Tanin enthalten.“ Benedicte gießt den weißen Estate White nach, nimmt selbst einen Probierschluck: „Mild, sanft, fruchtig.“
Inzwischen führt die Önologin mit französischen Wurzeln ihren eigenen Weinbaubetrieb nahe Fredericksburg, betreibt ihn mit ihrem Gatten Richy und berät auch weiterhin andere Winzer. „Wir haben Rhyne Wines 2023 offiziell gegründet.“ Während quasi parallel bei den Kuhlman Cellars der Eigentümer wechselte. Bei Rhyne Wines als so jungem Betrieb sei die Auswahl noch entsprechend klein. „Unsere Trauben wachsen in der Texas Hill Country AVA und in der High Plains AVA im nördlichen Texas.“ Einen eigenen Tasting Room hat Benedicte noch nicht, verkauft online; aktuell ihren Grenache Rosè für 34 Dollar sowie einen L‘ éclipse Merlot für stolze 106 Dollar.
Becker Vineyards – einer der ältesten und größten Winzer vor Ort
Recht jung sind im Vergleich zu Weinbauern an der Pfälzer Weinstraße selbst die Becker VY – sind aber anders als Rhyne Wines und selbst der Texas Heritage VY einer der frühen Winzer in der Texas Hill Country AVA. Am großen Gebäude steht Becker Est.1992, also ein Jahr später gegründet als die Texas Hill Country AVA. Becker liegt nicht direkt am US 290, sondern direkt um die Ecke an der Becker Farms Road. Hier liegen Weinfelder, große Parkflächen und ein großes Gebäude, zu dem auch eine große überdachte Terrasse gehört. Drinnen warten diverse Tasting Rooms. Tyler Long ist der Koordinator der diversen Tasting Rooms von Becker VYs, steht am Eingang des riesigen Gebäudes an der Becker Farms Road und erwartet den Gast. „Wir sind nicht nur alt, sondern auch groß“, bemerkt er und zeigt über das ganze Areal.
Becker Vineyards – draussen Scheune nach deutschem Stil, drinnen Riesenauswahl ihrer guten Tropfen
In der Tat. Allein das Gebäude, in dem auch die Verkostungen stattfinden: erbaut im Stil einer alten deutschen Scheune und das mit den Dimensionen eines Amtsgebäudes, mit hohen Decken, Haupt- und Nebenräumen, Kellern, in denen Weinfässer lagern und Stahltanks stehen und offenem Kamin in der großen Eingangshalle. Die Dimensionen passen zur Größe eigener Anbauflächen: 66 acres gleich 26 Hektar. „Und wir kaufen Trauben noch bei rund 15 Weinbauern in der AVA zu.“ Die von Becker verarbeiteten Traubensorten: elf an der Zahl wie etwa Cabernet Sauvignon, Malbec, Merlot, Syrah, Viognier, Chardonnay oder Sauvignon Blanc. Zudem verfügen sie über 74 Tanks zum Fermentieren und mehr als 5.500 Fässer zum Altern der Weine. Koordinator Tyler: „Wir sind der Winemaker in Texas, der die meisten französischen und amerikanischen Fässer aus Weißeiche einkauft.“
In Texas gehen Wein und Ranger gut zusammen – nicht nur als Roter der Becker Vineyards
Pioniere seien auch sie gewesen, betont Tyler. „Becker war der erste im Hill Country, der die Viognier-Traube anbaute. Das war 1996.“ Und meint mit Pionieren die Gründer-Familie: der Arzt Dr. Richard Becker und Gattin Bunny aus San Antonio, Stadt in Süd-Texas. Das Duo hatte in der Gegend bei Fredericksburg nach einer alten Holzhütte als Wochenenddomizil gesucht, war dabei auf den Geschmack gekommen, sich dank Böden und Klima als Weinbauer und Winzer zu betätigen. Zuvor waren die Beckers in Sachen Önologie-Expertise vor allem in Frankreich unterwegs gewesen und hatten auch Lavendel mitgebracht, den sie an ihrem neuen Weinbaubetrieb anpflanzten. Weitläufige Lavendelflächen zieren nach wie vor den Besitz.
Topqualitäten heißen EstateWine
Die Weinspezialitäten der Becker VYs, die Wein-Manager Tyler besonders erwähnt: „Unser Sauvignon Blanc – von fruchtig bis trocken. Und an Roten große im Geschmack eichenlastige Weine im Bordeaux- und Rhone-Stil. Wir sind der größte Producer in Texas und verkaufen unsere Weine in ganz USA.“ Das bedeutet auch: „Wir ziehen Estate-Topqualitäten an Sauvigon Blanc und Petite Syrah.“ Und verkaufen rund 80.000 Kisten Wein.
Eigene Rebstöcke der Becker Vinyards – und sie kaufen Trauben bei Nachbarn dazu
Viel kleiner ist da ist der Texas Heritage VY, den Susan und Billy gegründet haben. Sie bauen ihre Estate Wines aktuell auf den eigenen 15 Acres gleich sechs Hektar Fäche aus. Auch sie kaufen weitere Trauben zu – aber nicht in dem Maße. An Weißen machen sie Weine etwa von Viognier und Albarrino. An Roten zum Beispiel von Bouschet, Merlot, Cabernet Sauvignon. „Alles in allem kommen wir auf aktuell 5.000 Kisten Wein“, sagt Susan und stößt darauf mit ihrem feinen Rosé Malbec an.
Wichtige Websites und weitere Info
Umfangreiche Info zum Ort und seiner Umgebung, zu Attraktionen, Aktivitäten und Historie, zur Auswahl an Lokalen und Unterkünften bietet das Fredericksburg Visitor Information Center; per Web sowie direkt vor Ort. www.visitfredericksburgTX.com
Anreise Fredericksburg: Das Einfallstor zur Weinregion ist für Gäste aus der Ferne Houston und sein internationaler Airport G. Bush Intercontinental. Direktflüge ab Frankfurt mit Lufthansa und United Airlines. Von Houston sind es 320 Kilometer per Auto nach New Braunfels, die „Großstadt“ im Hill Country mit 100.000 Einwohnern. Näher als Houston, aber derzeit kein Nonstopflug ab Deutschland, ist San Antonio. Von hier bis New Braunfels im Auto: 110 Kilometer.
Ab New Braunfels: 70 Auto-Kilometer gen Norden via US 281 bis Johnson City, wechseln zum US 290 West, nun 50 Kilometer bis Fredericksburg. Die oben beschriebene Weintour ab Fredericksburg folgt dem US 290 East, also in umgekehrter Richtung gen Osten.
Extratipp Unterkunft – das Trueheart Hotelund seine gemütlich-eleganten Cottages. Jedes Cottage beherbergt ein Gästezimmer in Parterre und je nach Bauweise ein weiteres im ersten Stock. Alle sind elegant-gemütlich möbliert, die Bäder extragroß mit allen Annehmlichkeiten inklusive kuscheligem Bademantel. Alle Gäste können im lauschigen Garten am großen Kaminfeuer relaxen. Highlight zum Frühstück: ein Picknickkorb mit frischen Bisquits, Obst und Saft; der Korb steht morgens vor die Tür.
Hübsch, gepflegt, gemütlich – das True Heart Hotel in Fredericksburg
Seine Cottages sind einzelne Gästezimmer, Kamin und Garten sind für alle da Fotos Ulrike Wirtz
Extratipp Restaurant – Sage Restaurant & Lounge Fisch und Fleisch vom Feinsten. Weinkarte exzellent. Service gut. www.sage-tx.com
Gutes texanisches Rind direkt vor Ort gezogen – serviert im Restaurant Sage in Fredericksburg
Relaxt und gediegen – die Atmosphäre im Restaurant Sage Fotos Ulrike Wirtz
Natur Special – Enchanted Rock State Natural Areaund sein Gipfel. Das Areal liegt auf knapp 600 Höhenmeter, seine Spitze ragt nochmals 130 Meter empor als breiter Monolith. Den gilt es zu erklettern, gute Schuhe vorausgesetzt, Klettererfahrung nicht nötig. Allerdings nicht nur bei extremer Hitze immer genug Wasser mitführen. Der Ausblick übers Hill Country belohnt die Kraxelei, für die man eineinhalb bis zwei Stunden einplanen sollte. Sportliche sind schneller. Wer sich davor scheut: Im Gebiet rund um den Enchanted Rock lässt sich schön wandern. www.tpwd.texas.gov/state-parks/enchanted-rock
Eine Klettertour auf den Enchanted Rock im Texas Hill Country ist Kult Foto Ulrike Wirtz
Stopp in Sachen US-Historie: Am US 290 an der Route von New Braunfels nach Fredericksburg bzw. in umgekehrter Fahrtrichtung kommt der Ort Stonewall – die Heimat des 36. US-Präsidenten Lyndon B. Johnson. Stonewall war sein Geburtsort, hier steht seine Ranch. Hier lebte Johnson vor und nach seiner Amtszeit. Heute ist die Ranch Museum und Bibliothek und Teil des National Historical Park zum Gedenken an den 36. Präsidenten. https://wwwnps.gov/lyjo
Nach den Bränden der letzten Wochen tut Unterstützung gut, um das Los Angeles County wiederzubeleben. Dazu ruft Visit California, die offizielle Touristikorganisation des Bundesstaats am Pazifik, auf. Reisende könnten bei Besuchen die weltbekannten Angebote zur Unterhaltung, innovative Gastronomiebetriebe und vielfältige Attraktionen in der Region erleben. Legendäre Attraktionen und Erlebnisse wie das Hollywood Sign, die Universal Studios Hollywood, der Santa Monica Pier, das Griffith Observatory und viele andere mehr blieben unberührt und stehen Besuchern offen.
Diese Initiative von Visit California ist ein zentraler Bestandteil der Bemühungen, der lokalen Wirtschaft wieder Impulse zu geben und Arbeitsplätze in der Tourismusbranche zu fördern. „Unsere Botschaft an Reisende ist einfach“, sagt Caroline Beteta, Präsidentin und CEO von Visit California. „Jetzt ist der richtige Zeitpunkt, um Los Angeles zu besuchen.“
Das Santa Monica Pier am Pazifik und sein Pacific-Park warten wieder auf Besucher Foto Ulrike Wirtz
Jetzt, wo die wirtschaftlichen Auswirkungen der Waldbrände zunehmend deutlich werden. Caroline Beteta: „Einer von fünf tourismusbezogenen Jobs in Kalifornien befindet sich im Los Angeles County, was unterstreicht, wie wichtig die Tourismusindustrie für die Wirtschaft und ihre Bemühungen zur Erholung der Region ist.“
Wichtig zu wissen für Reisende vor Ort
Visit California hilft zudem weiter. Denn die Organisation stellt FAQs zur Verfügung, die aktuell und künftig Reisenden wertvolle Details zu Los Angeles eröffnen. Und zwar von der aktuellen Luftqualität und von Straßensperrungen bis zu Auskünften dazu, welche Ziele und Attraktionen geöffnet sind und wie Reisende örtliche Unternehmen unterstützen können. Visit California hat das Wesentliche zusammengestellt, um Reisen nach L.A. verantwortungsvoll und sicher zu gestalten.
Stand heute sind 98 Prozent von Los Angeles County nicht von Waldbränden betroffen. Und die drei aktiven Feuer sind zu über 95 Prozent eingedämmt. Updates zu aktiven Waldbränden werden auf der Webseite des kalifornischen Forst- und Brandschutzamtes (CAL FIRE) zur Verfügung gestellt.
Nach der Brand-Katastrophe
Nicht zuletzt: „Unser tiefster Dank gilt den Ersthelfern, die unermüdlich im Einsatz waren. Und wir sind zutiefst berührt von der großen Hilfsbereitschaft, die wir inmitten dieser Tragödie erleben durften“, sagt Visit-California-Vertreterin Caroline Beteta. „Von Angelenos, die ihre Zeit ehrenamtlich zur Verfügung stellten, über lokale Restaurants, die kostenlose Mahlzeiten anboten, bis hin zur Tourismusbranche des Bundesstaates, die Spenden für Evakuierte organisierten. Wenn es hart auf hart kommt, stehen Kalifornier zusammen. Und jetzt zählen wir auf Sie.“
Zurück zur Routine, auch wenn es schwerfällt – hier eine Statue aus den Universal Studios Foto Ulrike Wirtz
Der US-Bundesstaat Texas steht bei vielen für große Ranches in weiten Steppen, Ölfelder bis in den Golf von Mexiko und für die Houston Mission Control der NASA und ihre Weltraum-Missionen. Dabei wartet mitten im Lone-Star-State – so genannt wegen des einen Sterns in seiner Flagge – das Texas Hill Country, in dem grüne Hügel übers Land rollen wie in der Pfalz. Wohin es deutsche Immigranten aus der Pfalz ab 1845 in Scharen zog. Die pflegen seither mal mehr, mal weniger ihr Erbe. Der Weinbau nimmt jedenfalls zu im texanischen Hill Country – siehe Beitragzum Teaxs Hill Country und seinen Weinen. (Alle Fotos unten Ulrike Wirtz)
New Braunfels begrüßt Besucher mit einem Flaggenmeer
Fehler passieren – so wie das Versehen im Sophienburg Museum and Archives in New Braunfels. Die Stadt mit 100.000 Einwohnern liegt mitten in Texas, Staat im Mittleren Westen der USA. Das Sophienburg, gegründet 1933, hegt und pflegt Tausende Memorabilien zu den deutschen Gründer-Familien der Region. Deren Herkunft erkennen heutige Reisende schon daran, dass Ortsnamen so deutsch klingen: Boerne, Fredericksburg, Gruene und eben New Braunfels. Was es mit letzterem Ort zum Beispiel auf sich hat: Die Stadt heißt nach dem Deutschen aus der Pfalz, der Siedlern aus seiner Region im 19. Jahrhundert den Weg nach Central Texas ebnete – ins Land der rollenden grünen Hügel ähnlich denen der Pfalz. Friedrich …Carl … Prinz zu Solms-Braunfels sein Name.
Drei Millionen Texaner deutscher Abstammung
Und wie das Museum zu seinem Namen Sophienburg kam: Es heißt nach der Gattin Sophie des selbigen Prinzen. Der lebte in Rheinland-Pfalz auf Schloss Rheingrafenstein, war mit weiteren Adelshäusern verwandt und reiste im Juli 1844 nach Texas, um vor Ort Land zur Ansiedlung für Einwanderer aus seiner Heimat zu organisieren und zu kaufen. Aus diesen Immigranten wurden bis heute drei Millionen Texaner, die als Deutsche qua Abstammung zählen.
New Braunfels und sein Sophienburg Museum zeigt Musikinstrumente früher deutscher Siedler
Das und vieles mehr wird im Museum Sophienburg mit alten Fotos, Dokumenten und neuen Infotafeln erklärt. Und dokumentiert auch mit Mobiliar und Kleidung anno dazumal made in Germany. Ebenso ausgestellt: etwa Kegel und Kugeln aus Holz und Musikinstrumente , alle mitgebracht vom einstigen Zuhause.
Mainzer Adelsverein und Texas-Carl
Und der Fehler? Den ersten Raum der Ausstellung schmückt prominent an seinem Eingang ein Gemälde der deutschen Fahne. Ihre Streifen: Schwarz, Rot, Gold in der Reihenfolge von links nach rechts. Jedoch verlaufen die Streifen von oben nach unten statt quer, wie es der deutschen Flagge entspricht und schon im 19. Jahrhundert entsprach, als Menschen zuhauf aus der Pfalz nach Texas umzogen. Auf den Fehler hingewiesen, reagiert Keva Hoffmann-Boardman peinlich berührt. Verständlich. Schließlich ist sie die Kuratorin des Sophienburg Museums und auch zuständig für Lernprogramme zum Thema: „Ist es wirklich falsch, wenn die Streifen hochkant stehen?“
Der Gast. „Das ist so, als hänge die US-Flagge mit ihren Stars and Strips oder eine Abbildung davon hochkant. Dann fänden sich die Sterne unten links statt oben links. Und ihre Streifen verliefen vertikal statt horizontal. Die Kuratorin: „Okay. Dabei sind wir immer so akkurat, wenn es um unsere deutsche Historie geht.“ Und verweist auf ihre eigene Herkunft: „Du siehst, ein Teil meines Nachnamens ist Deutsch. Meine Großmutter war die dritte Generation pfälzischer Immigranten hier im Hill Country und sprach noch Deutsch. Selbst meine Eltern sprechen noch deutsch. Ich leider nicht mehr“, so Keva Hoffmann-Boardman.
Prinz Solms – neben der falsch hängenden deutschen Flagge
Wie die deutsche Geschichte in Texas begann, erzählt das Museum Sophienburg en Detail: Friedrich …Carl … Prinz zu Solms-Braunfels und weitere Adlige seines Umfelds taten sich für den Zweck der Immigration in den US-Staat im mittleren Südwesten zusammen und gründeten den „Verein zum Schutze deutscher Einwanderer in Texas“, kurz „Mainzer Adelsverein“.
Das geschah 1842 in Biebrich am Rhein. In der Sache war man so erfolgreich, dass binnen kurzer Zeit Hunderte Pfälzer ins Hill Country umzogen, das mit seinen Hügeln und Flüssen – dem schmaleren Comal River und dem breiten Guadalupe River – so an die alte Heimat-Idylle erinnert. Das Gefühl stellt sich auch schnell bei dem ein, der heute als Tourist in diese Hügellandschaft von Texas reist. Die Idylle an Rhein, Mosel und Saar lässt grüßen. Doch zurück in den Sommer 1844. Seither weilte der Prinz höchstpersönlich vor Ort in der neuen Heimat und war so extrem rührig, dass er den Spitznamen Texas-Carl bekam.
Neues Zuhause mitten in Texas
Selbiger gründete dann am 21. März 1845 den Ort New Braunfels, gelegen auf rund 200 Meter an den Ufern des Comal River. Im Dezember 1945 kehrte Texas Carl zurück an den Rhein, heiratete besagte Sophie. Sein Nachfolger vor Ort in Texas wurde Otfried Hans Freiherr von Meusebach und gründete im Mai 1846 den Ort Fredericksburg und benannte den nach Prinz Friedrich von Preußen. Fredericksburg liegt rund 120 Kilometer nordwestlich von New Braunfels, zählt heute 11.000 Einwohnern und schmiegt sich buchstäblich auf 516 Meter in die Hügel im Hill Country. Dort warten Wein und Weinstraße ähnlich der in der Pfalz – siehe Teil 2 (folgt).
Kultiviertes Deutschtum – schöne Zeitreise
Doch zunächst steht New Braunfels an – wie bei den einstigen Einwanderern. In der Stadt pflegen die einstigen Pfälzer ihr Erbe im Museum und im Hier und Jetzt des täglichen Lebens: architektonisch, kulturell auch bei der Sprache und lukullisch. Somit treffen Besucher unweigerlich auf Deutschtum, angefangen bei den Ortsnamen. Oder bei den Siedlernamen, zu denen es im historischen Distrikt von Braunfels um die Straßen Comal Avenue (Ave) und East Mill Street (St) noch deren einstige Häuser gibt.
New Braunfels steht für sehr schönes Wohnen im Historic District
Heute ist hier überwiegend Wohngebiet mit Einfamilienhäusern: meist hübsche Holzhäuser umgeben von Blumenrabatten, Hecken und Laubbäumen – alles entlang schmaler Straßen, die sanft bergauf und bergab führen. Es sieht gemütlich aus und ist es auch, da kaum Betrieb herrscht. So können sich die alten Häuser hervortun, obschon sie klein bemessen sind, auch bei Fenstern und Haustüren. Sie haben also so gar nichts vom typischen Südstaaten-Stil nach griechisch-römischem Vorbild, sondern könnten so auch in Denkmal geschützten Dörfern an Ahr und Rhein stehen.
Hier wie da wurden sie von Pfälzern – hier als Siedler – in Fachwerk-Bauweise errichtet wie typisch zur Mitte des 19. Jahrhunderts in Good Old Germany. In der neuen Heimat heißt die Bauweise Timber Framing und wird im Museum anhand einer Musterwand anschaulich erklärt. Im historischen Teil von New Braunfels informieren Hinweisschilder an einzelnen Häusern, wie mit ihnen alles anfing. Als da wäre das
Zeitzeugen In New Braunfels im heutigen Historic District – original alte Häuser früher deutscher Siedler wie das vom später berühmten Botaniker LIndheimer
Haus Nr. 491 in der Comal Ave, ein schlichter Bau in grau-blauer Farbgebung. Hier war um 1852 Ferdinand Lindheimer zu Hause, der als der Entdecker überhaupt der texanischen Botanik gilt und dem zu Ehren die Stadt New Braunfels 1928 nahe seinem Wohnhaus eine grüne Oase gewidmet hat: den Lindheimer Plaza mit Bäumen und Bänken und seit 2014 anerkannt als Lone Star Legacy Park. Diese Einstufung verleiht der Staat Texas als höchste Ehrung einer solchen Gedenkstätte und ehrt damit prominente Bürger, denen bereits lokal besondere Ehre erteilt wird.
Fachwerk-Bauweise wie in der Pfalz
Dann das Hohmann House an der 273 East Mill St, das durch spätere Anbauten und eine Veranda mit Säulen im Südstaatenstil nur noch wenig vom einst deutschen Baustil erkennen lässt. Es könnte sich aber auch am britisch-viktorianischen Stil orientieren, dem im späten 19. Jahrhundert etliche Zugereiste frönten. Wieder eher alt-pfälzisch kommt das Guessow House an der 234 Comal St daher: ein Haus in Weiß mit braunen Holztüren und Fensterläden und genauso vorstellbar an der pfälzischen Weinstraße.
Das hatte ein gewisser Gustav Schmidt anno 1865 für 100 Dollar gekauft und im folgenden Jahr für das Vierfache weiterverkauft. Wie geschäftstüchtig. Das Haus heißt heute aber nach Wilhelm Guessow, der das Haus 1881 erwarb. Wer die Übersichtskarte zur alten Downtown durchgeht, stößt immer wieder auf Deutsche aus den frühen Jahren im Hill Country; so etwa ein Joseph Klein mit Haus von 1852 (135 North Market St) oder ein Heinrich Voelker mit Haus von 1872 (424 Comal Ave). Die Liste ließe sich fortsetzen, die Zeitreise wie durch historische deutsche Idylle auch.
Krause’s Café ist gastronomisch alles – nur kein Café
Diese Reise geht in Downtown in Krause’s Café & Biergarten weiter, mit seinen Anfängen 1938. Ein Plakat draußen zeigt, was unter anderem zu erwarten ist: nämlich Masskrug-Stemmen mit Krügen made in Germany – das über den Sommer. Die Ankündigung könnte schon wegen ihrer Optik mit den Originalkrügen auch irgendwo in Bayern aushängen.
Noch mehr deutsches Erbe in New Braunfels – daran erinnert das Wandgemälde draußen bei Krause’s Café
Die hohe Wand schon draußen am Eingang schmückt ein groß dimensioniertes Wandgemälde mit dem Spruch „Gemütlichkeit zur Ewigkeit“ und dazu ein Mann in weißer Metzgerschürze, der Würste im Bündel in der Hand hält. Drinnen geht es stilistisch mit alemannischer Bierzelt-Atmosphäre weiter, denn die Gäste sitzen an den typisch deutschen Biergartentischen und -bänken.
Bierzelt-Atmosphäre und Jäger Schnitzel
So setzt es sich lukullisch fort: Die Karte bietet eine Munich Platter, bedeutet Sauerkraut, Schweinerippe und Würstchen nach bayerischer Art. Des Weiteren steht im O-Ton zu lesen: Jäger bzw. Wiener Schnitzel (letzteres vom Kalb); Schweinshaxe und German Meatball (deutsche Frikadelle) mit Spätzle. Der Spruch über den zig Bier-Zapfhähnen der Theke lautet „In New Braunfels ist das Leben schön“. Und unter den angekündigten 80 plus Biersorten aus den Hähnen reicht die Auswahl von Bitburger über Paulaner bis Warsteiner.
Germanische Tradition in nicht zu deftiger Bierzelt-Atmosphäre – dafür steht Krause’s Café in Downtown New Braunfels
Aber ehe es zu viel wird der gepflegten Deutschtümelei, gezapft wird auch Bud Light, ein US-weit verbreitetes Bier, oder Revolver Rewind, ein in Texas für Texas gebrautes Pils nach deutscher Manier, oder Yellow Rose, ein IPA-Bier mit viel Hopfen, also eher bitter und blond in der Farbe. Zu essen gibt es überdies noch Burger und Grilled Ribeye handcut von texanischen Rindern.
Mehr als deutsches Back to the Roots
Indes steht das Hill Country für noch mehr Fakten und Feeling, im Lone Star State unterwegs zu sein. Das zeigt sich an texanischen Autokennzeichen vor Krause’s Café oder Aufklebern auf Autos pro Trump bzw. mit der Aussage, dass Texas ein roter, also republikanischer Staat bleiben soll. Das ist er seit langem, und der Wunsch dieser Texaner ging mit Trump’s Wiederwahl im November 2024 in Erfüllung.
Trump-Fans gibt’s überall – auch in New Braunsfels
Das Flair vom Staat großer Ranches in weiten Prärien transportieren auch Leute mit Western-Stiefel und Cowboy-Hut auf den Asphaltstraßen. Und auch auf Plakaten kommender Life Acts bei Krause’s etwa für den Country-Western-Sänger Monte Good oder Reggae- und Rock-Interpret Rich Lockhart lassen sich beide Protagonisten mit Cowboy-Hut abbilden.
Metzgerei-Handwerk in 6. Generation
Deutsche Fleischwaren sind zwar auch die Spezialität der 1845Texas Meat Company und das seit 1845. Jedoch habe die Metzgerei ihre Produktpalette inzwischen nach texanischem Geschmack erweitert, betont Brandon Dietert, aktuell Vice President der 1845Meat Company und in direkter Linie ein Nachfahre der einen von zwei Gründerfamilien des Betriebs. „Wir waren zugleich Mitbegründer von New Braunfels – zeitgleich mit Texas-Carl“. Seinen Ritt durch die Tradition macht Brandon verständlicherweise mit einem gewissen Stolz. „Dietert – das sind wir als die eine Gründer-Familie der Metzgerei. Die andere waren Verwandte von uns, die Familie Tays. Unsere Vorfahren kamen auf einem kleinen Segelschiff nach hier. Drei Monate dauerte ihre Reise.“ Beide Familien sind auch heute Inhaber der Company mit genau 180-jähriger Tradition in 2025.
Seit 1845 üben die Nachfahren erster deutscher Familien in New Braunfels das Metzger-Handwerk aus
Brandon Dietert spricht von sich und seiner Familie als „Texas-Germans. Ich bin in sechster Generation direkter Nachfahre der Gründer. Meine Kinder also 7. Generation. Unsere Familie kam mütterlicherseits aus der Pfalz, väterlicherseits aus Norddeutschland“. Seine Großeltern und Eltern seien noch traditionell im Sinn ihrer Herkunft gewesen. Brandon: „Sie sprachen Deutsch miteinander und wollten die Tradition fortgesetzt wissen. Deutsch sprechen noch etliche Texas-Germans. Wie auch mein Großvater. Er war 90 und hat mich nie wirklich akzeptiert, da ich nicht Deutsch lernen wollte“. Ergänzt in Deutsch mit US-Akzent: „Verstehen kann ich Deutsch schon.“ Fährt wieder in seiner landessprache fort: „Meine Kinder lernen es in der Schule und lesen es gut. Aber wirklich sprechen können sie Deutsch auch nicht.“
Altdeutsche Rezepturen modernisiert mit würziger Schärfe
Brandon kommt auf den Betrieb zu sprechen: „Wir fertigen teils nach unseren alten deutschen Rezepten. Nämlich geräucherte Würste, Schinken und Bratwurst. So wie es unsere Eltern, Großeltern usw. taten.“ Aber schon die 5. Generation – seine Eltern – hätten die Ware weiterentwickelt. Konkret: „Sie nahmen die gleiche Würze, aber mehr davon. Wir heute stellen auch Würste mit scharfen Jalapeno her. Passend zum mexikanischen Einfluss in Texas.“ Schließlich habe texanischer Grund und Boden einst der Nachbarnation Mexiko gehört. Und heute leben viele Mexikaner samt ihrer Lieblingsgerichte im Lone Star State. „Zudem fügen wir heute unseren alten Rezepturen neue angesagte Geschmäcker hinzu, Schärfe etwa durch schwarze und grüne Pfefferkörner. Und bald starten wir mit Dry Aged Salami wie aus Italien.“ Was sie natürlich seit langem auch anbieten: „An Thanksgiving Truthahn. Ein Muss zum Erntedankfest“, betont Brandon. „Da sind wir ganz amerikanisch.“
Süße Verführungen in der 2Tarts Bakery
Die Unterhaltung findet statt in der 2Tarts Bakery in Downtown New Braunfels. Hier trifft man sich. Einige sagen sogar, hier sei der eigentliche Mittelpunkt von Downtown entstanden. Jedenfalls ist von hier vieles gut fußläufig erreichbar. So sind es von der Bäckerei 300 Meter zu Fuß zu Krause‘s Café und zum Brauntex Performing Arts Theatre; desgleichen zum Restaurant Huisache Grill, das mit modern-leichter Küche und internationaler Weinkarte sehr zu empfehlen ist, und zum Historic Schmitz Hotel, dessen Name ähnlich dem Namen Krause deutscher nicht sein könnte. Zum Farmer’s Market im Stadtzentrum sind es 400 Meter zu Fuß, zum Lindheimer Haus an der Comal Ave einen knappen Kilometer. Die 2Tarts Bakery brummt. Die Warteschlang ist lang. Man kommt einfach ins Gespräch.
In der 2Tarts Bakery warten viele süße Verführungen
Die Bäckerei gehört den zwei Schwestern Ashley und April, früher Weilbacher und beide gut 40 Jahre alt. Ashley Landerman: Köchin und Patissière mit Diplom der irischen Ballymaloe Cookery School und aus dem US-TV bekannt als Preisträgerin in Back- und Kochsendungen. April Ryan: studierte Künstlerin, verantwortliche Hochzeitskuchen-Planerin, als solche auch preisgekrönt und als Geschäftsfrau ehrenamtliche Lobbyistin für kleinere Betriebe wie den eigenen.
April Ryan ist eine der zwei Chefinnen des 2Tarts
Das Duo arbeitet mit einem Team von gut 30 Teilzeit-Kräften. Und untertreibt mit dem Namen Bakery – Bäckerei. Denn deren Kuchen, Teilchen, Nachtische, deren französische Eclair und Macaron, elsässische Tarte Tatin mit Apfel, Scones nach irischem Rezept und Hochzeitskuchen – alles ist süße Verführung und traditionelles Konditorhandwerk mit viel französischem Touch.
Alles frisch in den Backofen
April: „Wir wollten von Anfang an nicht „deutsch“ backen, sondern europäisch.“ Daher auch der französische Name 2Tarts für den Betrieb, gegründet 2010. Man arbeite mit hoher Qualität und nur mit frischen im Gegensatz zu nicht prozessierten Zutaten. „From Scratch“, sagt April und ergänzt. „Da arbeiten wir ganz anders als hierzulande die typischen Brot- und Kuchenfabriken.“ Die Philosophie beider Schwestern: „Wir machen alles von null selbst, arbeiten nur mit Bio-Mehl, frischen Eiern und jeder Menge frischer Butter“ (April). Und alles beziehen sie aus der Region, auch die Pecan-Nüsse für den für den Staat typischen Texan Pecan Pie. Der darf im Angebot nicht fehlen – und schmeckt köstlich.
Früher schon mal Ghost Town
Mit den Geschicken und Geschichten deutschstämmiger Familien aus den frühen Jahren hört es an der Peripherie von New Braunfels nicht auf. Zum Beispiel Gruene, 1850 gegründet als selbständiger Ort, heute ein Teil von New Braunfels und von 1950 bis in die 1970er Jahre zur Ghost Town geschrumpft. Einige alte Gebäude blieben erhalten, wurden restauriert und beherbergen nun auch Restaurants und Shops. Und zeugen von der Zeit, nachdem eine deutsche Familie Grüne 1845 hierher gezogen war, in eine Gegend, wo es noch nichts gab außer Land und Guadalupe River. Sie machten nach und nach mit Baumwolle Geld. Der Ort wuchs. Das Haus der Gründerfamilie überlebte und ist heute als Gruene Mansion Inn ein Hotel.
Das Gruene Mansion Inn war einst Wohnhaus der Gründerfamilie Gruene
Heute ist Gruene vor allem auch bekannt und gut frequentiert wegen seiner Dance Hall. Deren Bauherr war Heinrich Grüne, später genannt Henry Gruene. Er ließ sie 1878 errichten. Auch sie überlebte das Auf, Ab und Auf des Orts und gilt heute als eine der ältesten ihrer Art. Ihr Gebäude aus Holz mit Zinkdach erinnert in Größe und Bauart an eine groß dimensionierte Scheune. Eine Tür schwingt leicht quietschend auf und zu. Und im Rhythmus, wie die Tür auf- und zugeht, ist Musik von Violine, Gitarre und Klavier mal mehr, mal weniger laut zu hören.
In der Gruene Hall wird seit 1878 getanzt
Ihr Dance Floor sind alte Holzbohlen, auf denen sich Western-Boots mit normalen Schuhen, die mit Eisen beschlagen sind, ein kräftiges Klack-Klack-Duell liefern, egal ob darin die Füße von Männer oder Frauen stecken. Der Traditionstanz heißt Two-Steps. Sich vorzustellen, dass es so seit 150 Jahren geht – wow.
Klack klack fast täglich
Gedränge herrscht zwar nicht an diesem beliebigen frühen Donnerstagnachmittag. Aber der Tanzboden ist gut gefüllt. „Fast täglich ist hier Tanz. Da kommen Einheimische und Touristen hin“, erzählt später Margy vom B&B Historic Kuebler Waldrip Haus. Von hier sind es 15 Minuten im Auto zur Tanzhalle. „Gruene ist immer ein Tipp von uns für unsere Gäste.“ Ein Blick in die Annalen der Dance Hall zeigt: Hier traten und treten internationale Berühmtheiten auf, Country-Stars, darunter Garth Brooks und der jüngst verstorbene Kris Kristofferson.
Den Ort Gruene gründeten Deutsche 1850, ein Schild weist den Weg heute zur Grillwurst
Auch die US-Rockband ZZ Top gab sich 2019 die Ehre, mit ihren texanischen Wurzeln in Houston, Millionenmetropole mit dem Flughafen G. Bush Intercontinental drei Autostunden entfernt. Aktuell steht Lyle Lovett, Ex-Gatte von Julia Roberts, auf der Bühne. Das deutsche Erbe manifestiert sich unübersehbar an der Werbung eines Imbiss, die deutsche gegrillte Wurst verheißt.
Ohne Pferd und Kutsche
Wie einst die Gruenes zog es auch die ersten Besitzer des heutigen B&B Kuebler Waldrip Haus in die Abgeschiedenheit außerhalb der neuen Stadt. Doch das sollte sich kaum ändern, der Besitz liegt nach wie vor abgelegen. Daher stellt sich hier ein Gefühl ein, wie es einst einmal gewesen sein muss. Wie es per Pferd oder Pferdekutsche oder zu Fuß nach New Braunfels ging – damals wie heute rund zehn Kilometer. Nur dass man heute im Auto bequem über asphaltierte Straßen fährt und in zehn Minuten in New Braunfels ist. Was angelegen bedeutet: Das Kuebler Waldrip Haus liegt inmitten von 18.000 Quadratmeter Weiden und Wiesen, hat nur einen Nachbarn sichtlich da hinten. Am Weg hierher zeigte sich nur an Gattern und Zäunen, dass sich irgendwo weitere Anwesen verbergen.
Hier checkt also gut ein, wer es so einsam mag. Margy ist die Hausherrin des B&B, zählt rund 80 Lenze und setzt sich gern zum einen und anderen Plausch zu den Gästen, erzählt von den Anfängen ihres Kuebler Waldrip Hauses, während unter blauem Himmel auf der Terrasse am Haupthaus gefrühstückt wird. „Das Haupthaus ist 1870 aus Limestone und schweren Hölzern gebaut worden. Haus und Land gehörten ab 1870 bis 1974 erst Andreas und Katherine Pape, dann Willie und Olga Kraft. Beide Familien sind auch deutscher Herkunft. Wir haben 1974 die Immobilie gekauft.“ Wir, das waren sie und ihr Gatte Larry Waldrip. „Mein Mann ist verstorben“, so Margy. „Nun führe ich das B&B mit unserem Sohn Darrell. Deutsche Gäste wissen wegen der Namen sofort, dass unsere Familien Kuebler und Waldrip auch aus Deutschland kamen. Die Waldrips sollen aus Westfalen stammen.“
Mit spanischem Erbe
Aber Margy hat sich eher weniger dafür interessiert – „sondern mehr fürs Spanische, zumal Texas einst Teil von Mexiko war. Später wurden wir zur Republic of Texas mit der langen Grenze zu Mexiko. Seit 1845 sind wir der 28. Staat der United States of America. Deutsch spreche ich nicht, aber Spanisch. Ich habe die Sprache sogar unterrichtet. Ich war Lehrerin.“ Bis sie in den Ruhestand ging und das Kuebler Waldrip Haus zum B&B machte. Das war 1987.
Rustikales Wohnen im B&B Kuebler Waldrip Haus außerhalb von New Braunfels
Heuer hat ihr Betrieb zehn Gästezimmer, verteilt auf drei Gebäude im rustikalen Stil: das im Jahr 2000 neu erbaute Haus plus das Haupthaus von 1870 plus das dritte von anno 1847. Letzteres ist aus Holz, hat drinnen alte Dielen, die beim Betreten knarzen, und draußen eine geräumige, überdachte Veranda.
Schul-Zeit zumFaulenzen
Es dient als Ferienwohnung für Familien, hat moderne Bäder und eine voll ausgerüstete Küche mit allem Pipapo. Noch dazu hat das Holzhaus von 1847 eine besondere Geschichte. Denn es wurde als Schulhaus erbaut, die Schüler der ersten Siedler drin unterrichtet. Hinzu komme noch etwas, erzählt Margy. „Die Schule stand früher woanders, war zuletzt zu alt und klein geworden und stand 1990 zum Verkauf. Wir haben das einstige Schulhaus erworben und es aufwändig per LKW zu uns transportieren lassen.“
Gäste wohnen im Kuebler Waldrip Haus auch in diesem einstigen Schulhaus
Doch genug der neuen und alten Geschichten. Vor der Veranda werfen Laubbäume angenehme Schatten und lassen einen in einem Schaukelstuhl von anno dazumal versinken und schön faul vor sich hindösen.
Wichtige Websites und Infos
Allgemeine Informationen zu New Braunfels und Umgebung unter https://visitnbtx.com. Zur Erkundung von New Braunfels Historic District auch zu Fuß https://walkingtournewbraunfels.com. Details zu Krause’s Café https://krausescafe.com. Zum Metzgereibetrieb mit 180jähriger Tradition https://1845Meat.com. Zur Konditorei der Schwestern April und Ashley www.2tarts.com. Zum Ort Gruene, einst eine Ghost Town, unter https://gruenetexas.com. Speziell zur Tanzhalle Gruene Hall von 1872 https://gruenehall.com. Zum ruhig gelegenen B&B Kuebler Waldrip Haus www.kueblerwaldrip.com
Extra-Tipps zum Essen: Huisache Grill and Wine Bar, die internationale Tropfen, auch deutsche, und natürlich texanische serviert. Die Wine-List ist sehr gut sortiert. Seine Küche beschreibt das Restaurant mit 30 Jahren Tradition selbst zurecht als kreativ und bezieht seine Zutaten aus der Region. Köstlich sind seine frischen gegrillten Forellen, sein Spinatsalat oder die klassischen Sandwiches modern-leicht interpretiert. Steaks gibt es natürlich auch. Das Restaurant im kleinen alten Gebäude aus den 1930er Jahren mit Bar, Kamin und Terrassenbetrieb hat zeitlos-gemütliches Flair mit angenehm-intimer Atmosphäre drinnen wie draußen. https://huisachegrill.com
Gristmill River Restaurant & Bar, gegründet 1977 und in Gruene direkt am Ufer des Guadalupe River gelegen. Seine Location: die Überbleibsel einer Baumwoll-Mühle von 1878. Sein Erkennungszeichen: der alte Wasserturm. Flair und Kochstil: leicht rustikal – von großer Steak-Auswahl über frischen Fisch und Burger bis zu Salaten. Durch die Lage und seine Bauart wirkt es klein und verwinkelt, ist aber sehr groß. An Getränken gibt es Biere und Weine, auch aus Texas, aber gerade auch Sangria und Margarita. https://gristmillrestaurant.com
Gruene – das Restaurant Gristmill tischt am Ufer des Guadalope River Leckeres auf Foto Ulrike Wirtz
Auf den Spuren edler Tropfen geht es in verborgene Gegenden des riesigen Hinterlandes der Vereinigten Staaten, in US-Weinparadiese weitab von Kalifornien und seinem Napa Valley.
Arizona – Überraschung hinterm Canyon
Grand Canyon, Wüste, Westernpferde, Cowboys, Cowgirls, das ist Arizona. Aber Weinberge, Reben, Fässer und ein guter Wein, das vermutet hier zunächst niemand. Dabei wird bereits seit mehr als 50 Jahren direkt in Arizona Wein angebaut. Im Sommer lohnt sich der Besuch bei Sonoita Vinyards in Elgin, eine Autostunde südöstlich von Tucson, der größten Stadt im südlichen Arizona. Eine Tasting Tour zum Weingut Alcantara beginnt im Kayak mit einer Fahrt durch den Verde River im Verde Valley südlich von Flagstaff. Entspannung von Innen und Außen verspricht das Motto bei den benachbarten Page Spring Cellars: Massagen & Merlot oder Vino & Vinyasas. Direkt am Verde River Wine Trail gelegen, lädt das Gut nach einer Entspannungsmassage im Anschluss auf eine Weinprobe ein.
Scottsdale bietet beste Weine Arizonas
In Scottsdale bietet Zoya Vora-Shah in ihrem Wine Collective Scottsdale Weinproben für die besten Weine der Region an. Zusammen mit ihrer Sommelière Melly kredenzt Zoya Vora-Shah Verkostungen mit einer Auswahl aus 40 Arizona-Weinen.
Wine Tasting in Scottsdale
Long Island und der Summer in a Bottle
Long Island liegt im Südosten des Bundesstaats New York, dehnt sich von New York City Richtung Osten aus. Auf der Insel, die nur anfangs nahe New York City dicht besiedelt ist, warten seichte Hügel und Weingüter. Am Horizont schimmert der Ozean und davor mancherorts Weinreben, soweit das Auge reicht. Die „Summer in a Bottle“ Edition des Wölffer Estate Weingutes bekommt seit einigen Jahren Bestnoten. Sie verstehen es, das Beste aus den Trauben zu holen, die Nuancen fein abzustimmen, um den Gaumen ihrer Kunden zu erfreuen. Sommer aus der Flasche – der Name ist hier Programm. Eine Verkostung auf dem Gut gehört zu einem perfekten Sommertag mit Weingenuss.
Vor den Toren der Stadt Louisville liegt die Brooks Hill Winery. Mit viel Liebe zum Detail wird in familiärem Ambiente besonderer Wein hergestellt. So reift der Cabernet Sauvignon in Fässern der Kentucky Weiß-Eiche. Noch ein kleines Stück weiter hinter Brooks Hill, versteckt hinter Pinien, erstreckt sich das Weingut Wight & Meyer. Ihr Kentucky Diamond hat den Double Gold Award Status; ihre weitere Auswahl an preisgekrönten Weinen ist groß.
Page-Springs – Moffitt-Weintrauben
Die Wein-Hotspots in Washington State
Washington liegt auf dem gleichen Breitengrad wie Bordeaux oder Burgund – allerdings am Pazifik. Die bekanntesten Anbaugebiete sind Yakima Valley und Columbia River Basin. Gebirgsketten der Cascade Mountains schützen diese Gebiete vor den kühlen Winden des Meeres. Der Bundesstaat mit der Hauptstadt Olympia betreibt Weinbau erst seit Mitte des 20. Jahrhunderts, fing damit an nach dem Zweiten Weltkrieg. Als „Approved Viticultural Area“ sind klassifiziert Columbia Gorge (auch Oregon), Columbia Valley (auch Oregon), Horse Heaven Hills, Puget Sound, Rattlesnake Hills, Red Mountain, Wahluke Slope, Walla Walla Valley (auch Oregon) und Yakima Valley.
Insgesamt gibt es 550 Produzenten in Washington State. Damit liegt Washington auf Platz 2 – nach Kalifornien mit über 2000 Betrieben. Beherrschende Weinbau-Gesellschaft ist Ste Michelle Wine Estates.
Der Südstaat Louisiana war im Südwesten bis zur Golf-Küste einst teilweise Niemands-Land. Heute gefallen am Weg hierher historische Gemäuer und Garten-Zauber. In alten Tanzhallen steppt der Bär, und wer will, tanzt mit. Sümpfe und Marschen sorgen für Begegnungen mit Alligatoren – sicher vom Boot aus. Und am Meer warten Sandstrände ohne Bettenburgen und Beach Boulevards. Ein Road-Trip als Rundkurs mit Rekord.
Erst kurz nach Norden, dann gen Westen in Louisiana
Die Sonne ist untergegangen am Lake Pontchartrain an diesem Mai-Abend. Der See dehnt sich von New Orleans nord-westlich aus. Und sein Wasser droht bei Hurrikans New Orleans im Südosten des Sees zu überfluten, so dass sechs Meter hohe Deiche errichtet wurden. 2005 vergebens, als Hurrikan Katrina Deiche brechen ließ und New Orleans von Flutwellen des Lake Pontchartrain getroffen wurde. mehr