Biloxi Beach Foto Ulrike Wirtz

Auf Küstensafari am Golf – Teil 1 – Mississippi

Die drei US-Südstaaten liegen hintereinander, sind alle drei Anrainer des Golfs von Mexiko. Doch ihre Uferregionen könnten unterschiedlicher kaum sein. Und was noch besonders ist: Wo sonst reihen sich in USA gleich drei Staaten auf so kurzer Distanz aneinander, wie das an Mississippis Golf-Küste der Fall ist. 

Kurz und abwechslungsreich

Mississippis Golf-Küste ist per Auto gut 80 Meilen sprich gut 130 Kilometer lang – und schon beginnt im Westen Louisiana, im Osten Alabama. So nahe kommen sich drei US-Staaten selten. Bei klarer Sicht reicht der Blick vielleicht in beide Richtungen so weit von Biloxis Leuchtturm aus.

Biloxi ist eine Kleinstadt an Mississippis Golf-Küste und bekannt für einige ambitionierte Projekte wie typisch für Metropolen. Nämlich renommierte Museen für Kunst und Geschichte und eine große Präsidenten-Bibliothek zu Jefferson Davis, der einzige Präsident der Konföderierten Staaten und aktiv  im Bürgerkrieg der Nordstaaten gegen die Konföderierten, die am Sklavenhandel festhalten wollten. In der Stadt gibt es ein Dutzend Casinos und das Biloxi Visitors Center mit Museum im Stil eines Antebellum Mansion, diese pompösen Herrenhäusern der Südstaaten aus der Hochzeit der Sklaverei vor 1865.

Dabei wurde das Visitors Center erst 2011 erbaut. Dabei ist Biloxi ein Städtchen mit gerade mal 50.000 Einwohnern und gefällt bei allen Ambitionen weiterhin durch seine angenehme Atmosphäre einer Kleinstadt am Meer. Genauer gesagt am Mississippi Sound, so heißt der Golf hier, und seine Küste wird auch Secret Coast genannt.

Mississippi - Beschauliches Biloxi Huhn am Weg Foto Ulrike Wirtz
Auch so beschaulich ist es in und um Biloxi Foto Ulrike Wirtz

Es geht beschaulich zu, auch weil es selbst das Umland, die Metropol-Region Gulfport-Biloxi, auf nur knapp 500.000 Einwohner bringt. Mitsamt weiterer Städtchen mit Badeort-Idylle: Bay St. Louis (9.000 Einwohner), Pass Christian (6. 000) oder Ocean Springs (18.500) und alle eng beieinander an der ohnehin kurzen Küste. Das Flair kommt sichtlich auch dadurch, dass die Ufer an vielen Meilen nicht bebaut sind. Das gilt gerade am Beach Boulevard in und um Biloxi, so der Name der Straße am Ufer entlang. Hier reihen sich keine Apartment-Blocks aneinander wie in anderen Staaten des Südens.

Villa am-Beach Boulevard in Billoxi mit Golf-Cart Foto Ulrike Wirtz
Villa mit Meeresblick und Golf Cart als Straßenvehikel – auch das ist Southern Lifestyle Foto Ulrike Wirtz

Auch stehen nicht reihenweise Lokale und Buden am Ufer, bevor man den Sandstrand und die Fluten sieht. Mit dem relaxten Vibe geht es in der Historischen Downtown von Biloxi weiter. Hier haben zwar Hurrikans wie andernorts auch manche der typischen Südstaaten-Gebäude des frühen 19. Jahrhunderts zerstört.

Manche blieben erhalten und sind schön restauriert wie das Clemens House von 1846, heute Biloxis ältestes Haus in der historischen Downtown, oder das Creole Cottage, ein Holzhaus von 1830. Beide sind Stopps der Historic Walking Tour. Die führt auch zu schmucken Bauten aus der Zeit nach 1900, etwa die Old Biloxi Library, erbaut 1924, oder das einstige Post- und Gerichtsgebäude von 1905. Beide sind Vertreter des einst angesagten Spanish Colonial Revival Style mit monumentalem Charakter. Dagegen ist der gerade mal 20 Meter hohe Leuchtturm von Biloxi bescheiden, steht aber wie gemalt in Alleinlage am Meer und bietet sich als Ausguck an.

Biloxi Lighthouse Foto_Ulrike_Wirtz
Seit 1848 schützt der Leuchtturm von Biloxi die Seefahrt auf dem Golf von Mexiko Foto Ulrike Wirtz

Nur reicht es dann doch nicht bis zu den Staatsgrenzen im Osten und Westen – dafür sei es immer zu diesig, sagt später Kate im Biloxi Visitors Center: „Und warum überhaupt den Blick in die Ferne schweifen lassen?“ Stimmt – gerade auch nachdem die 57 Stufen der engen Wendeltreppe zur Turmspitze des Biloxi Lighthouse geschafft sind, nachdem außen der Rundlauf betreten und aus der Vogelperspektive die Lage quasi vor der Haustür gepeilt ist.

So sind Richtung Meer Silhouetten der bisher nicht überspülten fünf Barrier Islands zu sehen, die als Teil der Gulf Islands National Seashore geschützt und Mississippis Küste vorgelagert sind. Darunter Ship Island, das von Biloxi per Boots-Shuttle nach Fahrplan für Tagesausflüge gut erreichbar ist. Ship Island hat minimalste Infrastruktur, eine Ranger Station und sonst unberührte Natur mit Sanddünen. Erlaubt sind baden und hiken, schnorcheln und Vögel beobachten; und noch übers Fort Massachusetts kraxeln, seit 1812 eine Festung zur Verteidigung, nun Denkmal und offen zur Besichtigung.

Blick zurück aufs Festland. Unten am Leuchtturm vorbei verläuft der breite Strand mit weiß glitzerndem Sand und verheißt relaxte Stunden am Wasser unter der heißen Sonne des Südens. Der Strand sieht aus wie von der Natur geschaffen, wurde aber auf 25 Meilen Länge, also fast 50 Kilometer, künstlich angelegt. Das geschah in den 1950er Jahren, um Touristen an Mississippis Küste zu locken. Schon das war ambitioniert und ist gelungen, da Gäste aus nah und fern kommen und nun mehr als Meer und Sandstrand vorfinden.

Zum Beispiel auch ein Dutzend Golfplätze im Umkreis, designt teils von weltweiten Koryphäen im Metier wie Tom Fazio (Fallen Oak Golf Club) oder Jack Nicklaus (Grand Bear Golf Course). Und das Glücksspiel. Das erlaubt der Staat Mississippi seit den 1990ern – in Biloxi heute in zwölf Casinos, etwa das Treasure Bay Casino & Hotel und das Golden Nugget. Alle sind bestückt mit Slot-Maschinen, Roulette- und Black-Jack-Tischen und geöffnet 24/7. Trotzdem lässt nicht Las Vegas grüßen, Metropole des Glücksspiels im Wüsten-Staat Nevada.

Denn das Spiel läuft in Mississippi in viel kleineren Dimensionen ab, sichtlich auch baulich. Casinos und ihre Hotels sind nämlich nur einige der wenigen schmalen High-Riser auf der Uferseite des Beach Boulvard und wachsen weder im Stil noch bei der Bettenzahl in den Himmel wie in Las Vegas.

Biloxi - das Casino Harrah's  Foto Ulrike Wirtz
Biloxis Casinos sind viel kleiner als ihre Partner in Las Vegas, etwa das Harrah’s Foto Ulrike Wirtz

Wer nicht gambeln will, lässt die Spielhallen sowieso am Weg, dem Beach Boulevard, liegen und kommt automatisch zu den ambitionierten Museen von Biloxi. Der Beach Boulevard ist übrigens zugleich der berühmte Highway 90, der die Staaten Louisiana, Mississippi und Alabama an der Küste vorbei verbindet, und eher gemütlich zu fahren ist.

Biloxis Museen liegen auf der dem Meer abgewandten Seite des Beach Boulevard, versteckt hinter grünen Hecken und umrahmt von den  typischen alten Baumriesen der Südstaaten, den Live Oaks. Angefangen beim Biloxi Visitors Center mit dem Museum zur Region. Multi-Media-Exponate, Filme, alte Dokumente und Fotos erzählen, dass Biloxi 1717 als eine der ersten Städte weißer Siedler von den Franzosen gegründet wurde und benannt ist nach den bis dato hier beheimateten Biloxi-Indianern; dass der Leuchtturm seit 1848 über das maritime Geschehen im Golf und seinen Buchten wacht; dass in den Gewässern Fischer traditionell leckeres Sea Food, auch Austern und Shrimps, fangen bzw. ernten. Zu dem Thema hält das Maritime & Seafood Industry Museum vier Kilometer weiter viel mehr spannende Exponate vor.

Große präsidiale Gedenkstätte

Für den einzigen Präsidenten der einstigen Konföderierten US-Staaten wurde in Biloxi die Jefferson Davis Presidential Library and Museum errichtet. Sie widmet sich dem Bürgerkrieg, dem Civil War, von 1861 bis 1865 und fokussiert sich auf die Seite der Konföderierten Staaten des Südens, die den Sklavenhandel damals noch ausbauen wollten. Die Nordstaaten, die Unionisten, dagegen wollten die Sklaverei ganz abschaffen, haben den Civil War bekanntlich gewonnen und die Sklaven befreit. Doch für African Americans galten im Süden lange noch immer keine gleichen Civil Rights. 

Der Kampf darum erreichte hundert Jahre später seinen Höhepunkt, auch in Biloxi. Hier verbot man ihnen die Nutzung der Strände. Dagegen demonstrierten Schwarze und Weiße gemeinsam bei den „Civil Rights Wade-Ins“ von 1959 bis 1963 am Strand direkt an Biloxis Leuchtturm. Daran erinnert hier ein offizieller Historischer Marker, sprich eine Info-Tafel, und wirkt eher weniger ambitioniert.

Biloxi Civil-Rights-Wade-ins Foto_Ulrike_Wirtz
Erinnert an Biloxi bis in die 1960er Jahre, als Meer und Strand für die Nachfahren einstiger Sklaven verboten waren und sie um die gleichen Bürgerrechte kämpften Foto Ulrike Wirtz

So scheint es jedenfalls im Angesicht der Presidential Library für Jefferson Davis. Denn deren pompöser Komplex erscheint für die Kleinstadt mit Strandleben irgendwie überdimensioniert. Drinnen erinnern nicht nur, aber auch teils heroenhafte Darstellungen auf Ölgemälden an Davis und seine konföderierte Truppe. Der Bibliotheks-Shop verkauft Literatur, außerdem Bleistifte, Becher und Flaggen mit Motiv ähnlich dem einstiger konföderierter Banner. Nicht zu verwechseln mit der neuen offiziellen Bundesstaatsflagge von Mississippi mit Magnolien-Abbildung, die sich der Staat Mississippi Anfang 2021 verordnete.

Dass die präsidiale Bibliothek in Biloxi steht: Jefferson Davis hat im Ort nach dem Bürgerkrieg und seiner Niederlage gelebt. Seine frühere Villa liegt auf dem Areal der Bibliothek, ist bei Touren zu besichtigen und hieß und heißt wegen ihres Meerblicks Beauvoir. Sie wirkt jedoch bescheiden gemessen am Bibliotheksgebäude und bescheiden auch gemessen an den Antebellum Mansions, von denen sich noch viele original alte im Binnenland befinden. Das gesamte Areal der Gedenkstätte gehört zur Organisation The Mississippi Division – Sons of Confederate Veterans, die als konservativ gilt, und wird auch von ihr gemanagt.

Biloxi Jefferson-Davis-Library Foto Ulrike_Wirtz
Opulente Bibliothek für Jefferson Davis, einziger Präsident der Konföderierten Südstaaten Foto Ulrike Wirtz

In ganz anderer Sache ambitioniert: das Ohr-O’ Keefe Museum of Art, das 1989 am Beach Boulevard entstand. Initiiert hat es die im Ort ansässige Politiker-Familie Jerry O’ Keefe und mit Sponsoring-Events finanziert. Heraus kam ein Campus aus fünf Gebäuden: von außen in glänzendem Metall verkleidet, jedes in anderer teils abstrakter Form und selbst schon Kunst.

Ohr-O' Keefe Museum on Biloxi Foto Ulrike Wirtz
Selbst ein Kunstwerk – das Ohr-O‘ Keefe Museum von Architektur-Ikone Frank Gehry Foto Ulrike Wirtz

Ihr Architekt ist der weltberühmte Frank Gehry, der zum Werk sagte, dass die Gebäude mit den Bäumen tanzten. Er meinte die alten Live Oaks rundum auf dem Museumsgelände. Das Äußere des Museums ist schon so faszinierend, nur nicht darüber die Kunst drinnen vergessen: die Keramikarbeiten von George E. Ohr (1857-1918) und wechselnde Ausstellungen anderer Künstler. Ohr war ein Bürger von Biloxi und Vertreter der abstrakten Moderne, schuf bunte, aber auch graue,  schwarze, braune und nicht nur abstrakte Gebilde. Ohr galt als exzentrisch und bildete in seiner Töpferwerkstatt Laien aus. Das geschieht heute auch am Campus im Licht durchfluten Center für Töpfer-Klassen.

Und immer auch die typischen Baumikonen der Live Oaks

Ein anderes Kunstgenre wird im Walter Anderson Museum  of Art, kurz WAMA, gefeiert. Auch Walter war ein Bürger der Region. Sein Museum liegt zwei Meilen den HW 90-Beach Boulevard östlich im verträumten Ocean Springs jenseits der Biloxi Bay Bridge, die Hurrikan Katrina 2005 genauso zerstörte wie vieles andere im Ort. Seither blühte Ocean Springs, so genannt nach Quellen und offiziell gegründet 1843, wieder auf – mitsamt reparierter Brücke. Seinen Quellen verdankt der Ort den Namen und früh schon Touristen. Zur Idylle gehören natürlich Live Oaks, die Skulpturen gleich wachsen und gedeihen, und kleine Straßen mit Häusern in Cottage-Größe mit üppigen Blumenrabatten. Ocean Springs pflegt seit langem seinen Ruf als Ort für Künstler und Kunst mit Galerien und natürlich mit dem WAMA.

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Das Walter Anderson Museum feiert den Meister feiner Aquarelle, ein Sohn des idyllischen Ortes Foto Ulrike Wirtz

Architektonisch wirkt das Museum von außen wie eine Art modernes Cottage, hat innen hallenartige Räume mit hohen Decken und widmet sich der Kunst insbesondere von Walter Inglis Anderson (1903-1965). Daneben wird Töpfer- und Malkunst von Walters Brüdern Peter (1901-1984) und James (1907-1998) ausgestellt. Doch Walter steht im Fokus mit seinen berühmten Aquarellzeichnungen, mit seinen als meisterlich geltenden Wandmalereien, deren Motive die indianische Kunst der Ureinwohner von Ocean Springs aufleben lassen. Der Maestro schuf Kunst auch aus Linoleum, aus Stein und Holz. Pflanzen und Vögel in fast abstrakter Form liebte er als Motive und malte sie in den für ihn typischen Pastell-Tönen.

Walter_Anderson_Pelikane-in-Pastell Foto Ulrike Wirtz
Fauna und Flora der Golf-Küste von Mississippi bescherten Walter Anderson viele Motive Foto Ulrike Wirtz

Guide Anthony betont bei seiner Führung, wie krank Walter in seiner Karriere wurde, welch‘ wirtschaftliche Misserfolge ihn plagten und wie er seine besten Jahre auch als Künstler in Ocean Springs erlebte. „Seinen künstlerischen Garten Eden fand er vor dem Ort im Meer“, sagt Guide Anthony, „nämlich auf dem Barrier Island namens Horn Island mit Dünen, Pinienbäumen, Lagunen und mit Getier von Enten über Alligatoren bis zu Manatees. Walter Anderson besuchte das Eiland zwischen 1946 bis 1965 und brachte dort Gesehenes auf die Leinwand.“ Die zwölf Meilen hin nach Horn Island und wieder zurück habe Walter im Ruderboot zurückgelegt. „Sehr hier an der Decke, hier hängt sein letztes Boot. Und er liebte die be- und verzaubernden Sunsets auf Horn Island.“

Eine gute Idee, um den Tag ausklingen zu lassen. Zumal Horn Island auch heute Naturidylle ist. Aber hin- und zurück rudern – nee. Lieber in Biloxi am Strand im Sand sitzen und genießen, wie die Sonne im Meer versinkt.

Websites und weitere wichtige Info

Hinter Biloxis Küste liegt die Kessler Air Force Base. Landeinwärts kommen Bayous, so heißen die verträumten Wasserwege.

Bayous im Hinterland der Südstaaten-Küste Foto Ulrike Wirtz
Solche romantischen Bayous gehören zum Hinterland der Südstaaten-Küste Foto Ulrike Wirtz

Mehr zu Küste, Lokalen, Casinos und Downtown: coastalmississippi.com; zu Gastro-Hot Spot Ocean Springs: downtownoceansprings.com

Bootstouren in die Sümpfe und vorbei an der Golf-Küste von Waveland bis Pascagoula: visitmississippi.org

Tagestour nach Ship Island: msshipisland.com; shrimp-fishing: biloxishrimpcom.com; angeln: fishingbooker.com 

Mehr Info zu: Maritim-Museum: maritimemuseum.org; Presidential Library und Villa: visitbeauvoir.org; den zwei Kunstmuseen Ohr-O‘ Keefe: georgeohr.org sowie Walter Anderson: walterandersonmuseum.org

Extratipps: Frühstück vom Greenhouse Biloxi angesagtes Frühstücks-Paradies mit Eier-Gerichten, Säften oder Avocado-Toast – alles frisch, alles Bio, alles to go: biscuits.com. Lunch in Lucy’s Retired Surfers Bar Üppige Burger, kaltes Bier, angesagte Live-Musik und Killer-Cocktails wie Shark Attack. Dazu lässt sich gut mit den Füßen im Sand direkt am Golf-Ufer abhängen: lucysurf.com.

Lucy's Retired Surfers Bar Foto Ulrike Wirtz
Lucy’s Retired Surfers Bar ist natürlich nicht nur was für Wassersportler Foto Ulrike Wirtz
Lucy's Lunch Foto Ulrike Wirtz
Und hier gibt es zum Lunch zum Beispiel Tuna, frisch und fein Foto Ulrike Wirtz

Dinner im Bacchus on the Bayou Das Restaurant liegt im Hinterland von Ocean Springs an einem Bayou. Das Ambiente: modern-schick. Das Essen: Steaks und Seafood, auch Catch of the Day. Die Preise: nichts, was den Geldbeutel sprengt. Lecker: Kotelett mit Grünkohl! Empfehlenswert: Combo heimischer Austern von roh bis überbacken www.bacchusbayou.com

Das Restaurant Bacchus Bayou am Wasser landeinwärts Foto Ulrike Wirtz
Das Restaurant Bacchus Bayou liegt landeinwärts an einem Bayou Foto Ulrike Wirtz
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Ebenfalls frisch und fein – die Austern-Combo im Bacchus Bayou Foto Ulrike Wirtz

Übernachten Es gibt die ganze Bandbreite – von Casino-Hotels bis zum luxuriösen Boutique-Hotel Roost Ocean Springs im historischen Gemäuer inmitten alter Eichen: roostoceansprings.com. Schon speziell und sehr gefällig: das Beatnik Hotel in Ocean Springs, bestehend aus vier Zimmern in vier individuell-modernen Cabins mit viel Komfort, auch Regendusche drinnen und draußen: thehotelbeatnik.com

Beatnik innen Foto Ulrike Wirtz
Das Beatnik nennt sich Hotel und Motel – aber egal, seine Zimmer sind stylish-schön Foto Ulrike Wirtz
Dösender Alligator im Bayou - aber Abstand wahren Foto Ulrike Wirtz _30125_jog

US-Staat Louisiana – Jenseits von New Orleans

Die Südstaaten-Metropole New Orleans steht für Amüsement in Musikkneipen des Jazz, Blues und Soul vor allem im French Quarter, dem Hort alt-französischer Kolonialarchitektur. Das zu erleben ist die eine Seite von Louisiana. Wer nur ein, eineinhalb Stunden rausfährt aus der Stadt in den Südwesten, lernt ganz andere Seiten kennen, die Leben und Flair im Südstaat mit ausmachen.  Hier wartet das Maritime. Hier stellt sich auch heraus, woher bestenfalls die Shrimps auf den großen Sandwiches, den Po‘boys, in New Orleans kommen.

Fischer Rodney’s Garten Eden – Wasser von salzig bis süß

Rodney P. Olander zeigt auf das Profi-Boot vor uns. „Es ist speziell fürs Shrimp-Fischen, das erkennst Du an seinen Aufbauten“, sagt der groß gewachsene Mann mit grauem Mehrtagebart. Wir stehen in der Marina von Morgan City. Hierher führt der US-Highway (HW) 90, die Haupt-Verbindungsstrasse durch Louisiana State an New Orleans vorbei gen Westen.

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Louisiana begrenzt im Süden der Golf von Mexiko, im Osten der Mississippi State, Texas im Westen und Arkansas im Norden Foto Explore-Louisiana

Der HW 90 eröffnet vor allem aber auch den Zugang zum Süden mit den großen Flussdeltas und Sümpfen in Louisiana, bis tief im Süden das Meer, der Golf von Mexiko, beginnt. Ab New Orleans dauert es eineinhalb Autostunden bis zum Städtchen Houma und 30 weitere Minuten im Auto bis zum noch kleineren Städtchen Morgan City. An den Stegen seiner Marina liegen Profi-Boote, aber auch Motor- und Segelboote fürs Privatvergnügen.

Ein malerischer Anblick und typisch im tiefen Süden, wo freie Natur und Süßwasser-Gefilde das Leben prägen – bis zum Meer. Die Region südlich des HW 90 heißt Cajun Coast – nach den französischen Siedlern, die Louisiana nach ihrem König Louis benannten. Das Land ist ab Meer salzige Marsch, geht über in Bayous, diese Wasserwege von breit bis schmal, und in Sümpfe, die Swamps.

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Rodney und Familie sind Brown-Shrimp-Fischer in vierter Generation – tief in Süd-Louisiana Foto Ulrike Wirtz

Das Süßwasser kommt vom Atchafalaya River, der durchs Binnenland mäandert, bis er ins Meer mündet. Was für ein Unterschied zum Big Easy in New Orleans. Im Meer und in der salzigen Marsch gedeiht Sea-Food aller Art, auch braune Shrimps in großen Mengen. Sie sind eine Spezialität von Rodney, selbst Shrimp-Fischer seit gut 45 Jahren. „Mein Großvater hat angefangen. Nun sind wir Shrimp-Fischer in vierter Generation im St. Mary Parish an der Cajun Coast“. Parish steht im Südstaat für County, eine Verwaltungseinheit ähnlich den deutschen Landkreisen. Die Fläche im Parish besteht zu gut einem Drittel aus Wasser. Das Shrimp-Fischen ist hierzulande traditionell Sache von Familienbetrieben mit Abnehmern bis New Orleans und darüber hinaus – ob Restaurants oder Geschäfte für den Verzehr zu Hause.

Brown Shrimps am Dock David Chauvin's - die Spezialität der Cajun Coast in Louisianas Süden Foto Ulrike Wirtz_3596.JPG
Brown-Shrimps von der Cajun Coast. Die Küste heißt nach den französischen Siedlern, den Cajuns Foto Ulrike Wirtz

Hier wie da munden die Shrimps als Cocktail oder gegrillt oder frittiert auf 15 bzw. 30 Zentimeter langen Sandwiches, die in Louisiana traditionell Po’boys heißen. Rodney ist in seinem Element: „Wir fischen nicht nur, sondern schälen unsere Fänge an eigenen Docks, frieren sie teils ein und verkaufen frisch ab eigenem Dock. So verfahren einige Fischer hier.“ Der Mann um die Sechzig macht eine kurze Pause, fährt fort, nun fast verärgert: „Früher war das Hauptproblem für uns Fischer die Hurrikans und ihre Zerstörungen durch Wind und Wasser. Das letzte Mal Hurrikan Ida im August 2021.“

Der zerstörte Fischereigründe, Boote, Ausrüstung, Docks. „Unser Hauptproblem nun sind Wettbewerber aus Thailand, Indien, Ecuador oder China. „Die werfen ihre Shrimps en Masse zu Dumping-Preisen auf unsere Märkte. Folglich müssen wir Locals auch die Preise senken. Aber von den niedrigen Preisen können wir nicht existieren.“ Viele hätten aufgegeben. Rodney: „Wer weiß das schon in New Orleans.“ Seine treuen Abnehmer wüssten es schon. Die Zahl der beantragten Lizenzen zum Shrimp-Fischen sei von 10.000 im Jahr 2000 auf nur noch 4.000 in 2023 gesunken. „Und das im Staat Louisiana. Wir stellen mit 850 Millionen Pfund Seafood aus heimischen Gewässern pro Jahr die zweitgrößte Fischerei-Industrie der USA und sind ein wichtiger Arbeitgeber“ (Rodney).

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Prägt Louisiana’s Süden – Wasser von salzig im Golf von Mexiko bis süß in den Bayous Foto Ulrike Wirtz

Denn die Gefilde für Meeresgetier sind fruchtbar und riesig in Louisiana. So ist die Küste gut 12.000 Kilometer lang und damit die drittlängste Meeresküste der USA. Die Länge resultiert daraus, dass die Küstenlinie am Golf von Mexiko so kurvig vorbeiführt. Davon sind die wenigsten Kilometer endlos scheinende Sandstrände, vielmehr zerklüftetes Marschland und somit ein Top-Biotop für Shrimps und auch Austern. Ob der Importlage bei Shrimps sei nun aber nicht mehr alles Idylle, so Rodney. Daher betätige er sich bei der Louisiana Shrimp Task Force, die vorstellig wird fürs Anliegen von Baton Rouge, Hauptstadt von Louisiana State, bis Washington DC, Hauptstadt der USA. „Am US-Markt für Shrimps hält Louisiana einen Anteil von 25 Prozent“, hat Rodney aktuelle Zahlen parat. „Aber die Importe aus dem Ausland übertreffen die Nachfrage. Das drückt die Preise. Wenn die Politik einen Mindestpreis festlegte, da wäre uns geholfen.“   


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Captain Caviar’s Garten Edenmit Alligatoren, Adlern und Atchafalaya River

In der maritimen Welt in Louisianas Süden betätigt sich auch Captain Caviar und vermittelt mit stetem Lächeln unter grauem Rauschebart, seinen Job mehr als Hobby zu sehen. Er lebt und arbeitet im östlichen Nachbar-Parish Terrebonne. Der ist ebenfalls ein Teil der Cajun Coast, ebenso Shrimp- und Auster-Region und auch Ort der Kaviar-Produktion von Captain Caviar. Auch hier prägen Meer, Marschland, Bayous und Sümpfe die Art zu leben, wobei Terrebonne gar zu 50 Prozent aus Wasser besteht – als Teil der Flussdeltas von Atchafalaya und Mississippi River.

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Captain Caviar rauscht durch den Atchafalaya River und die Gewässer unzähliger Bayous Foto Ulrike Wirtz

Captain Caviar tourt mit der Miss S, ein Sieben-Meter-Flachbodenboot aus Aluminium, durch seine Cajun Coast, an Bord zahlende Gäste aus nah und fern, maximal fünf pro Tour. Sein Boot liegt in Idlewild nahe Houma, Verwaltungssitz des Parish Terrebonne und teils noch im Wiederaufbau, weil Hurrikan Ida viele Schäden hinterließ. Houmas Downtown lohnt den Abstecher schon wegen seiner filmreifen Architektur der 1950er Jahre. Hier finden sich Gebäude für Verwaltung, Gericht und Anwaltsbüros, die in adretten Villen residieren. Zum Verweilen laden Shops und Boutiquen ein, Lokale und das Café Downtown Jeaux,  das am frühen Morgen regelrecht überlaufen ist von Frühstücksgästen.

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Busy und adrett – im Städtchen Houma sitzt die Verwaltung des Terrebonne Parish Foto Ulrike Wirtz

Das Städtchen, gegründet 1834, profitierte schon früh von seiner zentralen Lage, wurde daher im Lauf des 19. Jahrhunderts Standort von Fabriken, die das Zuckerrohr der Plantagen landeinwärts verarbeiteten, und von Sägemühlen, die das Holz der Wälder zum Weiterverkauf zurechtstutzten. Austern wurden in der Region in einer Menge geerntet, dass Houma Ende des 19. Jahrhunderts größter Hafen zur Austern-Verschiffung war.

Captain Caviars genaues Revier ist das Atchafalaya-Delta – dort, wo die salzige Marsch ins größte Süßwasser-Sumpfgebiet der USA übergegangen ist. Der Kapitän fährt zur Einführung der Tour mit dem Finger über die Landkarte. „Wir fahren erst Bayous, dann den Atchafalaya und retour. Und Vorsicht. Im Süßwasser leben keine leckeren Shrimps, aber Alligatoren. Die mögen es ja süß“, sagt er schelmisch lächelnd, löst die Leinen des Boots, legt ab und erzählt weiter: Der Fluss Atchafalaya bildet ein eigenes Delta, das wiederum Teil des westlichen Mississippi-Deltas ist, weltweit das siebtgrößte Flussdelta.

Hurrikan-erprobte Brücke hinter Houma, Süd-Louisiana Foto Ulrike Wirtz_3696.JPG
Hurrikan-erprobte Brücke hinter Houma, Süd-Louisiana Foto Ulrike Wirtz

Den Namen bekam der Atchafalaya River von den First Nations. Die spezielle Flora im Atchafalaya Delta sind neben seinem Gebüsch-Dickicht seine Zypressen-Wälder. „Einzelne Zypressen sind bis zu 1000 Jahre alt. Mit etwas Glück sehen wir auch Bald Eagles.“ Der Kapitän kennt sein Revier, steuert nämlich auf eine Baumgruppe zu, hält dazu Distanz und zeigt auf eine ausladende Baumkrone. Mittig thront ein Adlernest mit zwei Jungen, wie der Blick durch das Fernglas zeigt. Die strecken ihre Köpfchen den fütternden Eltern entgegen. Der Kapitän zeigt sich darüber so begeistert wie seine Gäste – „wie ein Wunder“ -, dreht langsam ab, späht immer wieder rechts und links ins Dickicht, hält dann auf umgekippte Baumstämme zu, die im Wasser schwojen.

Auch hier hält er Abstand. „Seht Ihr den Alligator auf dem einen Stamm. Der döst. Den erkennt Ihr an der Erhebung, seinem Nasenhöcker.“ Mit Fernglas sieht selbst das ungeübte Auge das Reptil und – oha – seine Länge. „Gut zwei Meter“, meint der Kenner, „also besser nicht schwimmen gehen.“ Fleisch und Häute der „Gators“ seien auch traditionell ein Produkt der Region – „früher durfte sie jedermann fangen und verarbeiten. Heute ist das nur noch lizensierten Alligator-Farmen erlaubt“. Eine ist die Greenwood Gator Farm in Gibson südlich von Houma, die bei Touren den unblutigen Teil ihres Geschäfts zeigt.

In der Gator Farm Greenwood einen Mini-Alligator kuscheln - Guide Kevin assistiert  Foto Ulrike Wirtz
In der Gator Farm Greenwood einen Mini-Alligator kuscheln – Guide Kevin assistiert Foto Ulrike Wirtz

Der Bootsführer fährt weiter, hinein in eine Schleuse, welche die Miss S samt Passagieren einen Meter nach oben trägt. Hier ist augenfällig, dass Wasser und Land zwar so aussehen wie nur von der Natur gemacht. Doch hat auch der Mensch Hand angelegt, Schleusen, Wehre, Deiche, Kanäle, Pumpen etc. gebaut: „Damit die Füße trocken bleiben bis New Orleans und darüber hinaus, wenn unsere tropischen Stürme und Hurrikans das Wasser steigen lassen“ (der Kapitän). Nach der Schleuse gibt er Gas, sagt: „Führen wir den Fluss weiter hinauf, gingen die Sümpfe über in trockenes Land mit Plantagen. Wir biegen hier ab in den Bayou.“ Dem folgt die Miss S auf Kilometer. Sein Verlauf ist mal einige Bootslängen breit, mal vielleicht gerade mal zwei Meter. Alles scheint unbewohnt.

Bis ein Holzhaus auftaucht – im Dickicht auf Stelzen im Wasser stehend. Wie romantisch und irgendwie auch ungut-einsam.

Auch wenn etliche Meter weiter ein an Bäumen vertäutes Hausboot mit Terrasse auftaucht. Der Kapitän: „Es gibt nicht viele Häuser hier. Teils sind sie privat nur für die Ferien. Teils leben Familien hier seit Generationen. Die separate Hütte ist typisch – wegen Brandgefahr. Da steht nämlich der eigene Generator. Der produziert Strom für Herd, Mobiltelefon und TV. Für Dauerbewohner geht es per Boot zur Schule, Arbeit usw.“ Ein weiteres Haus kommt näher und entpuppt sich als Ruine – zerfetzt von einem Hurrikan, der übers Atchafalaya-Gebiet zog. Zurück in Idlewild meint Captain Caviar: „Stay safe.“ Ein guter Abschied.

Hausboot in einem der vielen Bayous Foto Ulrike Wirtz_3091.JPG
Wohnen in einem der Bayous – ein Hausboot und im Dickicht versteckt eine Hütte daneben mit dem Generator Foto Ulrike Wirtz

Mr. Charlie – ein Symbol für noch mehr Früchte aus dem Meer

Am den Wasserwegen liegen ab und an kleinere Werften und die eine oder andere moderne Fertigungshalle, wo sichtlich Equipment für Ölbohrungen hergestellt wird. Sie stehen für den weiteren wichtigen Wirtschaftszweig in Louisiana: Erdöl und Erdgas. Beides liegt unter dem Meeresboden des Golfs, wird mit Bohr-Plattformen hoch befördert und per Pipelines an Land verbracht. Ein alter Vertreter der Branche ist Mr. Charlie: eine Bohr-Plattform, erbaut 1954, im eigentlichen Job seit 1986 außer Dienst und vertäut zwischen Morgan City und Houma. Heute nutzen Petro-Firmen die Plattform für Sicherheitstrainings zur Arbeit auf See. Ansonsten ist sie gegen Eintritt zu besichtigen. Mr. Charlie – was für ein Moloch: 5000 Tonnen schwer, bis zu 15 Meter hohe Aufbauten plus Beine, die unter Wasser auf 13 Meter ausgefahren wurden.

Mr. Charlie - ausgemustert und nun Museum. Die Bohr-Plattform diente der Suche nach Öl Foto Ulrike Wirtz_2889.JPG
Mr. Charlie – einst Bohr-Plattform zur Ölsuche, nun auch Museum; hier Teile der Bohrtechnik Foto Ulrike Wirtz

Virgil Allen kennt die Plattform in- und auswendig und stellt sich als altgedienter Sicherheits- und Umweltingenieur vor: „Ich schule hier Crews für die Arbeit auf See, mache aber auch Touren.“ Und er sei der Präsident des Rig Museums für Mr. Charlie. „Der war 1954 das erste mobile Rig. Das heißt – es war wie ein Boot selbstversorgend und fuhr selbst von Bohrort zu Bohrort. Mr. Charlie diente zur Erforschung neuer Ölfelder, aber nicht zur Ölförderung.“ Anders als auf heutigen Plattformen hätten die zig Mann starken Crews damals noch viel körperliche Arbeit verrichtet – „ein Knochenjob bei Wind und Wetter. Keine Frauen an Bord hieß es damals und heißt es heute. Heute arbeiten Bohr-Plattformen bis zu 200 Seemeilen offshore. Einsätze dauern mindestens zwei Wochen. Nach Hause zwischendurch geht nicht“.

Mr. Charlie und Ingenieur Virgil Foto Ulrike Wirtz_2872.JPG
Mr. Charlie’s neuer Roboter – Ingenieur Virgil trainiert daran Teams für den Einsatz auf See Foto Ulrike Wirtz

Zwei Stunden dauert die Tour mit Virgil. Startet über steile Metalltreppen außen hinauf zu den Bohr-Vorrichtungen samt Robotern; führt innen über Treppen tief hinab zu Motoren und Ballasttanks. Was für eine Unterwelt. Was für alte Computer zur Steuerung. Virgil: „Heute läuft auf Bohrinseln fast nichts mehr ohne Algorithmen.“ Stufen wieder hoch – zu Technikräumen, Büros und Gruppen-Ruheräumen der technischen Crew und derjenigen, die fürs leibliche Wohl sorgten. Als es wieder an die frische Luft geht, weht eine kräftige Brise. Virgil: „Je nach Wind und Regen sagen wir Touren ab. Zu gefährlich, obschon wir nicht auf See sind.“ Zum Abschluss lädt er ein ins dazugehörige International Petroleum Museum & Exposition. Es ist mini, aber voller Artefakte zur Branche. Virgil: „Auf den Touren erzählen relativ viele Besucher, dass sie selbst auf einer Bohr-Plattform gearbeitet haben. Die interessiert jedes Detail.“  

Und wie verhält sich die Öl-Branche zur Meeresfrüchte-Branche? Kulturell kommt beides zusammen im Shrimp & Petroleum Festival mit kleinem Museum, beides in Morgan City, vereint unter Direktive von Hailee Thomas: „Seit 1960 feiern wir am Labour Day Weekend unser gemeinsames Festival. Denn Öl und Shrimps sind beides Ernten aus dem Meer. Beides brachte unsere Region auf die Landkarte der Topbranchen in Louisiana.“

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Gibt’s wohl nur in Louisiana – ein gemeinsames Shrimp & Petroleum Festival Foto Ulrike Wirtz

Und wie verhält sich das umwelttechnisch? Ingenieur Virgil: „Ein großes Thema. Zumal es im April 2010 das Unglück der Deepwater Horizon im Golf gab.“ Die Bohr-Plattform explodierte mit tödlichen Folgen, auch weil Millionen Liter Öl ins Meer vor den Südstaaten flossen und Fauna und Flora desatrös schädigten. Der Betreiber bekam eine Milliarden-Strafe. Virgil: „Heute ist das Umweltbewusstsein natürlich viel größer.“ Und Bohrlizenzen? „Das ist hochpolitisch.“

Big easy im Delta – per Boot und Auto durch Bayous und Sumpfgebiete

Je mehr man in die Sphären der Cajun Coast eintaucht, je weiter es hineingeht in die südwestlichen Delta-Gefilde, je näher es Richtung Meer geht, umso mehr scheint die Fahrt übers Wasser zu gehen, selbst wenn im Auto unterwegs. Dabei werden die Straßen deutlich weniger und schmal. Hier und da kommt eine Tankstelle mit Supermarkt-Charakter, kommen ab und an mal eine Handvoll Wohnhäuser. Sonst nur Gewässerlandschaft und Weite bis zum Horizont. Die Häuser sind hübsch anzusehen, besonders wenn in zarten Bonbonfarben gestrichen. Sie sind aus Holz und stehen meist wie die auf der Tour mit Captain Caviar auf Stelzen, damit bei Land unter das eindringende Wasser unterhalb durchfließt. Gefühlt vor jedem Haus parkt ein Boot fürs Vergnügen – unter dem freien Raum unterm Haus oder ruhend auf Trailern an Autos, startklar für den nächsten Trip durch Sümpfe und Bayous bis hinaus aufs Meer.

Chauvin Sculpture-Garden - religiöse Figuren modern interpretiert von kenny Hill Foto Ulrike Wirtz_3510.JPG
Zu bestaunen im Chauvin Sculpture-Garden – religiöse Figuren interpretiert von Kenny Hill Foto Ulrike Wirtz

Ein Örtchen heißt Chauvin am Sträßchen LA 56. Hier leben die jungen Kunststudentinnen Raegan und Madison, die durch den Chauvin Sculpture Garden führen. Dessen rund 100 bunt-bizarre religiöse Figuren schuf um 1990 der bis dato unbekannte Künstler Kenny Hill. Deren Restauration betrieb die renommierte Kohler Stiftung. An einem Langzeit-Parkplatz für Camper kommen Menschen wie Dale auf einen zu. „Hey, how are you? Wie geht’s?“ Der Rentner lebt mit Gattin in einem Wohnmobil auf dem Parkplatz. Zuhause sind sie Hunderte Kilometer nördlich vom Delta und fahren jedes zweite Wochenende hin: „Zum Rasenmähen, Wäsche waschen und so.“ Hier am Wasser cruisen beide täglich mit dem Boot durch die Bayous. „Dafür sind wir hier. Ich bin Angler. Meistens fange ich Forellen.“

Boot, Truck, Camper - mehr braucht es nicht im Garten Eden der Bayous Foto Ulrike Wirtz_3571
Truck, Camper und kleines Boot – viel mehr braucht es nicht im Garten Eden der Bayous Foto Ulrike Wirtz

Hier trifft man auf Menschen wie Tony. Ihm gehört das Sandpiper Inn am LA 57 mit simple-rustikalen Gästezimmern. Die Nacht kostet pro Person ab 60 $. „Einige Zimmer haben mehr Gäste als Betten. Denn die Leute sind nachts mit ihren Booten angeln und duschen hier nur. Die Boote bringen sie am Haken ihrer Autos mit.“ Tony lebt schon länger hier, hat mitsamt Familie und Inn selbst Hurrikan Ida überstanden und möchte nicht weg. „Das liegt an der Weite und am freien Leben hier am Wasser.“ Ob er die Island Marina kennt – „na klar. Ist einige Meilen dahin“. Das Gewässer an der Marina nennt sich Lake Catherine. Schilder annoncieren Touren für Hobby-Fischer zum Shrimp-Fishing. In gebührendem Abstand zur Marina geht es an ansehnlichen Refugien direkt am Wasser vorbei. Kaum Nachbarn – und wenn ja, lassen sie sich an einer Hand abzählen.

Ferienhaus-Idylle am HW 90 South Foto Ulrike Wirtz_3729.JPG
Ferienhaus-Idylle an der Cajun Coast – und garantiert kein Night-Life Foto Ulrike Wirtz

Hinter den Häusern ist nur Wasser weit und breit. Die Sonne beschert ein tolles Licht. „Tony: „Solche Häuser gehören Leuten aus der Stadt – gerade auch aus New Orleans oder Baton Rouge. Sie suchen das Gegenteil vom Leben dort.“ Der Rhythmus der Cajun Coast ist Wasser, Natur, Stille – „also alles andere als night life“, sagt Tony. Da ist New Orleans natürlich ganz anders.

Weitere wichtige Info und Websites

Der US-Südstaat Louisiana gehört wie Mississippi und Alabama zur Region, die sich als Deep South versteht. Das stand im 19. Jahrhundert für die Staaten der Plantagen und Sklaverei im Süden, im 20. Jahrhundert für die Cotton States, in denen wie in Louisisana Baumwolle wuchs. In den 1950er/1960er Jahren fanden in den Südstaaten harte Kämpfe um die gleichen Bürgerrechte für die einstigen Sklaven statt: die African Americans, die aus Afrika in die Südstaaten verschleppt worden waren. Der US-Staat zählt aktuell 4,7 Mio. Einwohner, die sich vor allem auf die zwei Zentren konzentrieren: New Orleans als internationale Metropole und größte Stadt, gegründet 1718 mit nun 1,27 Mio. Einwohnern im Einzugsgebiet der Metro-Region, sowie Baton Rouge, die Verwaltungshauptstadt, gegründet 1699 mit nun 870.000 Einwohnern in der Metro-Region. Louisiana grenzt im Norden an Arkansas, im Osten an Mississippi, im Westen an Texas und im Süden an den Golf von Mexiko.

Alle offiziellen Tourismus-Informationen www.explorelouisiana.com.
Die Cajun Coast, auch Morgan City www.cajuncoast.com.
Das Shrimp & Petroleum Festival in Morgan City www.shrimpandpetroleum.org.
Im Boot durch Sümpfe und Bayous mit Captain Caviar www.captaincaviar.com.
Von hier ins sehenswerte Wedell-Williams Flugzeug-Museum www.louisianastatemuseum.org.
Das Städtchen Houma www.explorehouma.com.
Das Rig Mr. Charlie www.rigmuseum.com.
Die Gator Farm www.greenwoodgatorfarmtours.com.
Der Chauvin Sculpture Garden https://nicholls.edu.
Shrimp-Tour mit Down the Bayou Shrimp https://shrimptours.com.

Keys - Romantik am Abend Foto Ulrike Wirtz

Top-Reiseziel – Florida Keys

42 Brücken bilden einen der schönsten Highways der USA, liegen ganz im Süden Floridas zwischen Atlantik und Golf von Mexiko und verbinden die Florida Keys mit dem US-Festland. Die Inseln im Sunshine State stehen für Ferienspaß mit Angeln, Schnorcheln und Tauchen, mit lebhafter Kneipenszene und abwechslungsreicher Küche. Schon die Schriftsteller-Legenden Ernest Hemingway und Tennessee Williams wussten insbesondere Key West zu schätzen und lebten hier. Zur Insel-Gruppe gehören noch Eilande wie Marathon, Islamorada oder Key Largo – alles in allem ein 113 Meilen langes, tropisches Archipel, das sich in südwestlicher Richtung erstreckt.

Und jedes Mal ist für mich diese Route, die Overseas Highway (Hwy) heißt, einfach herrlich – wie gerade erst wieder im Juni. Denn neben der schmalen Fahrbahn, die rund zehn Meter über dem Meer verläuft, schimmert das Wasser blau-grün. Pelikane schweben mit ihren langen Flügeln parallel zum Wagen über die Wogen. Und manch weiße Yacht zieht ihre Spur durchs schillernde Nass.

Zu den Keys www.fla-keys.com; www.visitflorida.com.

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Pigeon Key - Historische Seven Mile Bridge Foto Ulrike Wirtz

The Florida Keys – Über 42 Brücken…

Die 42 Brücken der Inselgruppe Keys meinte Schlagerstar Peter Maffay sicher nicht, als er von sieben sang. Die 42 Brücken bilden einen der schönsten Highways der USA, liegen ganz im Süden Floridas zwischen Atlantik und Golf von Mexiko und verbinden die Keys mit dem US-Festland.

Keys - Romantik am Abend Foto Ulrike Wirtz
Keys – Romantik am Abend Foto Ulrike Wirtz

Die Inseln im Sunshine State stehen für Ferienspaß mit Angeln, Schnorcheln und Tauchen, mit lebhafter Kneipenszene und abwechslungsreicher Küche. Schon die Schriftsteller-Legenden Ernest Hemingway und Tennessee Williams wussten insbesondere Key West zu schätzen und lebten hier. Zur Insel-Gruppe gehören noch Eilande wie Marathon, Islamorada oder Key Largo – alles in allem ein 113 Meilen langes, tropisches Archipel, das sich in südwestlicher Richtung erstreckt.

Key-West-Fan Ernest Hemingway Foto Ulrike Wirtz
Ernest Hemingway und Key West – er genoss tropisches Klima und maritimes Flair Foto Ulrike Wirtz

Und jedes Mal ist für mich diese Route, die Overseas Highway (Hwy) heißt, einfach herrlich – wie gerade erst wieder im Juni. Denn neben der schmalen Fahrbahn, die rund zehn Meter über dem Meer verläuft, schimmert das Wasser blau-grün. Pelikane schweben mit ihren langen Flügeln parallel zum Wagen über die Wogen. Und manch weiße Yacht zieht ihre Spur durchs schillernde Nass. So kommt man sich auch im Auto vor: quasi mitten auf dem Wasser. Die Traumstraße bietet seit neuestem eine zusätzliche Attraktion. So wurde eine alte Brücke des Overseas Hwy nach Jahrzehnten der Schließung wieder in Stand gesetzt – die berühmte Historic Seven Mile Bridge – und steht nun für Fußgänger und Fahrräder offen und nur für diese.

Historical Seven Mile Bridge - mit Bike Foto Ulrike Wirtz
Historical Seven Mile Bridge – nun Paradies für Radler und Fußgänger Foto Ulrike Wirtz

Sie verläuft parallel genau neben dem Hwy und war, da marode, stillgelegt und 1982 durch eine neue Brücke ersetzt worden. Sie wurde nun über mehrere Jahre saniert, dabei bis in die Tiefen des Meeres neu verankert, ihr Belag erneuert an der neuen Nutzung ausgerichtet und ebenso ihre Markierung: Je zwei Spuren führen hin und zurück als Fahrradweg, je zwei retour als Fußweg. Somit ist Platz auch für Jogger. Ich radle über die historische Brücke. Und wieder schimmert keine zehn Meter unterhalb das blaugrüne Meer. Und aus den Fluten taucht eine große Schildkröte auf, reckt ihren Kopf der Sonne entgegen und taucht wieder ab.

Tropisch-warmes Ziel mit Tradition

Die Historic Seven Mile Bridge hat eine spannende Geschichte – wie überhaupt der Overseas Hwy. Die Verbindung der Keys mitsamt Brücken wurde einst von Industrie-Magnat Henry Flagler als Eisenbahnlinie geschaffen, um Key West als Ziel seiner Florida East Coast Railway zu erschließen. Damit brachte Flagler per Bahn die „Reichen und Schönen“ aus den kalten Wintern in New York in den tropisch-warmen Süden Floridas – am Ende bis auf Key West. In den 1930er Jahren wurde die Strecke samt Brücken für Autos umgerüstet, die Bahn hatte ausgedient.

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Die Historic Seven Mile Bridge war 1912 fertig geworden, auch als Eisenbahnbrücke und führte auf ein spezielles Eiland, nämlich Pigeon Key. Hier residierte die Baustellenverwaltung für Flaglers Bahnprojekt, hier lebten und schliefen Techniker und Arbeiter, die Gleise verlegten etc. – alles in allem rund 400 Beschäftigte. Noch heute sind dort Baracken der Wohnunterkünfte und Häuser der früheren Büros und Memorabilien aus der Zeit zu sehen; Tour-Guides wie Steve führen in die Geschichte ein, gerade auch spannend für die Kleinen unter den Besuchern.

Pigeion Key - Foto Ulrike Wirtz
Pigeon Key – einst Camp der Eisenbahn-Crew, heute mit Museum auch für Kids

Pigeon Key und eine Tour sind auch mein Ziel. Dorthin sind es wohl keine sieben Meilen, sondern 2,2 Meilen – one way. Wo der Weg dann auf das Eiland Pigeon Key abbiegt, hört die Brücke abrupt auf. Stattdessen ein massiver Zaun, dahinter der Blick ins Leere und unterhalb ins Meer. Bis nach ungefähr 20 Meter Lücke die Brücke wieder weitergeht – nun nur noch als Ruine.

Historische Seven Mile Bridge - jähes Ende Über 42 Brücken Foto Ulrike Wirtz
Historische Seven Mile Bridge – jähes Ende Foto Ulrike Wirtz

Ob es so auch aussah, als 1935 ein Hurrikan die Eisenbahnlinie großräumig zerstörte? Das Schadensereignis führte jedenfalls dazu, dass daraus als Overseas Hwy die Autoroute wurde – über 42 Brücken.

Weitere Infos zu Florida Keys – Über 42 Brücken:

Zu den Keys www.fla-keys.com; www.visitflorida.com.

Zur Historical Seven Mile Bridge www.ci.marathon.fl.us.

Zur Insel Pigeon Key https://pigeonkey.net.

Zu den zwei Schriftsteller-Stars auf Key West: www.hemingwayhome.com; www.kwahs.org.

Centers for Desease Control and Prevention (CDC

CDC: Ohne Covid-Test nach USA

Bisher müssen internationale USA-Reisende sich binnen eines Tages vor Abflug nach USA testen lassen und können laut CDC nur mit negativem Covid-Test einreisen. Diese Pflicht soll laut CNN-Bericht ab letztem Sonntag, den 12. Juni, auf Geheiß der Centers for Desease Control and Prevention (CDC; entspricht dem deutschen RKI-Robert Koch-Institut), entfallen, ebenso die Maskenpflicht. Auf der gerade zu Ende gegangenen IPW 2022 in Orlando (4.-8. Juni), der internationalen, führenden Reise-Messe für den USA-Markt hatte man über das baldige Ende noch spekuliert.

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Roger Dowe, der Präsident und CEO der US-Travel Association, hatte offiziell über Anstrengungen der US-Reiseindustrie berichtet, um die Regierung in Washington vom Ende der Testpflicht zu überzeugen: „Sie macht keinen Sinn, wenn Reisende zum Beispiel über Kanada per Auto einreisen und dann keinen Test vorlegen müssen. Und diese Testpflicht schadet der Reiseindustrie.“ So äußerte sich Roger Dowe bei mehreren Anlässen auf der IPW 2022. Nun also scheint das Ziel erreicht – Test-frei in die USA wie früher. Die CDC hat die News allerdings noch nicht auf ihrer Website kommuniziert (Stand 10.6.2022 – 12 Uhr Ortszeit Key West). Und ob sich das Virus nun seine Aktivitäten reduziert, das steht auf einem anderen Blatt.

Weitere Info über CDC:

www.cdc.gov/coronavirus

neues Bowes Center Foto:xyxyx

San Franciscos neue Adresse für Musik

Ab sofort hat das neue Bowes Center for Performing Arts des San Francisco Conservatory of Music seine Tore geöffnet – im neuen ansehnlichen Gebäude. Schon architektonisch hat die Sehnsuchtsstadt am Golden Gate damit ein weiteres Highlight: Das 12-stöckige Gebäude wurde von den angesagten Mark Cavagnero Associates entworfen; 200 Millionen US-Dollar wurden investiert. Das Center liegt zentral gegenüber der Davies Symphony Hall, einen Block südlich der City Hall. 

Als neues Zentrum für Musik ist das Bowes Center ein sogenannter vertikaler Campus, auf dem Studenten Musik komponieren, lernen und teilen können. Das Gebäude verfügt über einen verglasten Aufführungsraum mit Blick auf die Kuppel des Rathauses und andere, von der Straße einsehbare Bühnen.

Der Campus ist zudem keine geschlossene Lern-Veranstaltung – vielmehr öffnet sich das Bowes Center for Performing Arts musikinteressiertem Publikum mit etlichen Aufführungen. Diese sind noch dazu zu 90 Prozent für die Öffentlichkeit kostenlos.

Websites und weitere Info:

Zum Bowes Center https://sfcm.edu/performance-calendar. Zur Stadt San Francisco www.sftravel.com. Zur Anreise: per Flugzeug über den San Francisco Airport SFO; ab Frühjahr gibt es von Deutschland aus regelmäßige Direktverbindungen www.flysfo.com.